Filmbesprechung: "Goldfinger (GF)"

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Re: [DdW]Filmbesprechung "Goldfinger".

Beitragvon danielcc » Fr Feb 25, 2011 13:24

Vielleicht ist Dramaturgie das falsche Wort, aber eigentlich wird die Handlung in GF über weite Strecke nicht vorangetrieben. Bond beschattet GF und lässt sich mit ihm. That's it. OK, am Ende erfährt er dann auch wieder was und es wird spannend, aber über weite Strecken "begleitet" er ihn einfach und wird dann noch lange Zeit gefangen gehalten. Bond trägt ja auch nichts zur Lösung bei! Bis um Ende weiß er ja selbst nicht, warum GF Anschlag in Fort Knox doch noch (von Pussy) vereitelt wurde.
Ich beschreibe Dramaturgie immer so, dass mit jedem x% Filmlänge auch Bond um x% auf dem Weg zum Ziel weiterkommt. (versteht man das?). Das ist in GF absolut nicht der Fall! Mal plätschert der Film storymäßig vor sich hin, dann entwickeln sich Dinge auf ein mal rasant. Vor allem die lange Gefangenschaft von Bond würde man heute wohl so stark kritisieren. (Mal vergleiche nur, wie die versammelte Fan-Schaft aufschreit, wenn Craig-Bond nur mal einen kleinen Fehler macht...)

Aber wie du sagst: Letztlich lebt GF durch das Duell der Egos. Nicht durch die Gadgets, nicht durch die Story. Daher halte ich das ständige Jammern nach "Gadgets, Q, Moneypenny, am besten so wie in GF" für verfehlt.

Dennoch haben Filme wie DN, YOLT oder selbst TND eine bessere Dramaturgie in dem Sinne wie oben beschrieben. Das Tempo ist besser, die Film sind eher spannend und man ermittelt mit Bond.
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Re: [DdW]Filmbesprechung "Goldfinger".

Beitragvon AnatolGogol » Fr Feb 25, 2011 13:46

danielcc hat geschrieben:Vielleicht ist Dramaturgie das falsche Wort, aber eigentlich wird die Handlung in GF über weite Strecke nicht vorangetrieben. Bond beschattet GF und lässt sich mit ihm. That's it. OK, am Ende erfährt er dann auch wieder was und es wird spannend, aber über weite Strecken "begleitet" er ihn einfach und wird dann noch lange Zeit gefangen gehalten.Bond trägt ja auch nichts zur Lösung bei! Bis um Ende weiß er ja selbst nicht, warum GF Anschlag in Fort Knox doch noch (von Pussy) vereitelt wurde.

Ich beschreibe Dramaturgie immer so, dass mit jedem x% Filmlänge auch Bond um x% auf dem Weg zum Ziel weiterkommt. (versteht man das?). Das ist in GF absolut nicht der Fall!


Ja, versteht man. Aber ich finde das ist gerade die Besonderheit von GF, dass es eben eigentlich nicht um die Lösung einer Mission geht sondern um das Kräftemessen von Bond und Goldfinger. Das war vermutlich nicht so geplant, aber der fertige Film stellt die beiden Protagonisten so dermaßen ins Zentrum und behandelt dagegen die Missionsaspekte so stiefmütterlich, dass es gemessen an sonstigen Bondfilmen schon bemerkenswert ist.

danielcc hat geschrieben: Mal plätschert der Film storymäßig vor sich hin, dann entwickeln sich Dinge auf ein mal rasant. Vor allem die lange Gefangenschaft von Bond würde man heute wohl so stark kritisieren. (Mal vergleiche nur, wie die versammelte Fan-Schaft aufschreit, wenn Craig-Bond nur mal einen kleinen Fehler macht...)
Das stimmt und zeigt gleichzeitig aber auch, wie anspruchslos anspruchsvoll (versteht man das?) das heutige Bondpublikum ist. Man will die volle Klischeebedienung, aber um Gottes willen bloss nicht irgendwelche Abweichungen oder interessante Neuansätze. Wird dann nach dem besten Bondfilm gefragt ist dies dann zu 90% natürlich immer GF. Was für eine Widerspruch!

danielcc hat geschrieben:Aber wie du sagst: Letztlich lebt GF durch das Duell der Egos. Nicht durch die Gadgets, nicht durch die Story. Daher halte ich das ständige Jammern nach "Gadgets, Q, Moneypenny, am besten so wie in GF" für verfehlt.

Dennoch haben Filme wie DN, YOLT oder selbst TND eine bessere Dramaturgie in dem Sinne wie oben beschrieben. Das Tempo ist besser, die Film sind eher spannend und man ermittelt mit Bond.
Mag sein, aber alle drei genannten Filme können weder den Hauptdarstellern noch den zahlreichen pointierten Dialogen (und Monologen) auch nur ansatzweise das Wasser reichen. Bewertet man GF nach den Maßstäben der „normalen“ Bondfilme, so ist er in der Tat eher mau. Dafür bietet er aber abseits der Standardwerte absolut überragendes. Dass ausgerechnet dieser Film zum größten Klassiker der Serie wurde ist schon fast absurd.
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Re: [DdW]Filmbesprechung "Goldfinger".

Beitragvon danielcc » Fr Feb 25, 2011 14:03

... und man sieht auch, wie verweifelt die Bondproduzenten teilweise von GF kopiert haben ohne die Erfolgsfaktoren je wieder so gut zu erreichen:

- man hat die Story kopiert (AVTAK)
- man hat einzelne Elemente kopiert wie den Henchman (zB OP)
- man hat die massiven Gadgets kopiert (zB TB)
- und man hat sogar versucht die Duelle zwischen den Hauptdarstellern zu kopieren (zB TB)

Aber leider ist genau letzteres nie so gut gelungen. Oft machen die Unterhaltungen gar keinen Sinn oder der Bösewicht ist nicht so gut gezeichnet als Charakter oder aber es gibt anders als in GF gar keinen Grund,w arum Bond am Leben gelassen wird
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Re: [DdW]Filmbesprechung "Goldfinger".

Beitragvon AnatolGogol » Fr Feb 25, 2011 14:15

danielcc hat geschrieben:... und man sieht auch, wie verweifelt die Bondproduzenten teilweise von GF kopiert haben ohne die Erfolgsfaktoren je wieder so gut zu erreichen:

- man hat die Story kopiert (AVTAK)
- man hat einzelne Elemente kopiert wie den Henchman (zB OP)
- man hat die massiven Gadgets kopiert (zB TB)
- und man hat sogar versucht die Duelle zwischen den Hauptdarstellern zu kopieren (zB TB)

Aber leider ist genau letzteres nie so gut gelungen.


Richtig, denn gerade der letzte Punkt war ja der eigentliche Erfolgsgarant, der Rest eher ausschmückendes Beiwerk. TB ist ein ganz gutes Beispiel, Largo funktioniert als Bösewicht komplett anders als Goldfinger, er überzeugt durch seine bedrohliche physische Präsenz. Die Szenen mit Bond sind zwar nett, aber haben weder diese pointierte Spritzigkeit in den Dialogen noch sind sie auch nur annähernd so bedrohlich wie zB Goldfingers Monolog über Gold oder seine lapidaren Bemerkungen gegenüber dem an den Tisch gefesselten Bond. Man hat also scheinbar immer die falschen Elemente aus GF kopiert, eher das Drumherum als den wirklich erfolgbringenden Kern.

Natürlich lebt GF aber auch davon, dass in keinem anderen Film der Bösewicht soviel Zeit und Aufmerksamkeit gewidmet bekommt. Am ehesten ist dies noch in TMWTGG der Fall (und dieser hat genau dadurch auch mit seine besten Momente wie ich finde). Warum man sich seit GF nicht mehr an einen wirklich dominanten und eben auch im Film dauerhaft präsenten rangetraut hat ist mir ein Rätsel. Wieder so ein Widerspruch bei GF: der Film, der seinem Bösewicht am meisten verdankt ebnet der James-Bond-Oneman-Show für die nächsten 45 Jahre den Weg.
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Re: [DdW]Filmbesprechung "Goldfinger".

Beitragvon danielcc » So Mär 06, 2011 11:59

Gestern nach langer Zeit noch mal GF auf deutsch in der ARD gesehen. Das ist schon merkwürdig, wenn man den Film nur noch auf englisch kennt. Obwohl die Synchronisation weitestgehend akurat ist, so fällt doch auf, dass G.G. Hoffmann in seiner Auslegung von Connery deutlich heiterer ist als das Original. Das gilt ja dann in späteren Filmen (DAF, aber auch bei Moore) noch stärker aber schon bei GF hat man oft das Gefühl, dass vieles nicht ernst gemeint ist.

Mich erinnert die Kombination von Connerys Gestik und Hoffmanns Stimme extrem an Lex Barker. Geht es jemand anderem auch so? Fast wirkt Connery, als habe er sich was von Barker abgeschaut.
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Re: [DdW]Filmbesprechung "Goldfinger".

Beitragvon AnatolGogol » So Mär 06, 2011 12:29

danielcc hat geschrieben:Gestern nach langer Zeit noch mal GF auf deutsch in der ARD gesehen. Das ist schon merkwürdig, wenn man den Film nur noch auf englisch kennt. Obwohl die Synchronisation weitestgehend akurat ist, so fällt doch auf, dass G.G. Hoffmann in seiner Auslegung von Connery deutlich heiterer ist als das Original. Das gilt ja dann in späteren Filmen (DAF, aber auch bei Moore) noch stärker aber schon bei GF hat man oft das Gefühl, dass vieles nicht ernst gemeint ist.

Mich erinnert die Kombination von Connerys Gestik und Hoffmanns Stimme extrem an Lex Barker. Geht es jemand anderem auch so? Fast wirkt Connery, als habe er sich was von Barker abgeschaut.


Meine Rede, Connery wirkt "auf deutsch" ziemlich anders als im Original! durch GGH bekommt er mehr Ironie und Kultiviertheit verpasst, verliert dafür aber einiges von Connerys ungeschliffenem, rauen Touch und seinen harten, zynischen Sprüchen. Ich kann dir objektiv nicht sagen, welche Version besser ist. Subjektiv auf jeden Fall der GGH-Connery, da ich mit diesem aufgewachsen bin und er für mich "so sein muss". Daher ist eine einigermaßen objektive Einschätzung für mich nicht mehr wirklich möglich. Ich mag aber gerade die entspannte, humorvolle Art die GGH bei Connery reinbringt. Witzigerweise nehmen die deutschen Fassungen die mehr und mehr humorige Ausrichtung der Original-Versionen bereits ab FRWL vorweg.

Der Vergleich mit Barker ist sicherlich berechtigt, allerdings finde ich spricht GGH Barker im Gegensatz zu Connery wesentlich ernster und weniger relaxt. Das liegt aber sicherlich in erster Linie daran, dass Barkers steiferes Spiel und die klischeehaft aufrechte und ernsthafte Rolle des Shatterhand ("reitende Friedenstaube") ihm auch viel weniger Spielraum für eine etwas lockerere Auslegung gegeben hat. Die Kombi Connery/GGH wirkt auf mich doch deutlich "geschmeidiger" und nicht so steif wie die Kombi Barker/GGH (Barker ohne GGH wirkt noch viel steifer). Dennoch finde ich auch, dass GGH bei Barker näher an seinem Connery dran ist als zB bei "seinem" Paul Newman oder "seinem" Michel Piccoli. GGH hat Connery und Barker ja auch quasi gleichzeitig als Stammsprecher übernommen (1963: FRWL bzw Winnetou), in den Serienerstlingen (DN bzw Schatz im Silbersee) wurden beide Schauspieler ja noch von Kindler bzw Niendorf gesprochen.

Hier liegt auch das Problem von einem derart vielbeschäftigten Sprecher wie GGH (noch dazu da er zu 95% immer die klassischen Heldendarsteller gedubbt hat): den unterschiedlichen Schauspielern trotz der gleichbleibenden Stimme immer noch einen eigenen Stempel aufzudrücken, von daher sind die Unterschiede eher in den Nuancen zu finden als in ganz anderen Rollenauslegungen. Das ist bei anderen häufig eingesetzten Sprechern wie Danneberg oder Glaubrecht aber auch nicht anders.

Edit: ich freue mich übrigens immer wie ein kleines Kind, wenn GGHs Stimme in einem Film plötzlich auftaucht, wo ich sie nicht erwartet habe. Letzte Woche habe ich nach vielen Jahren mal wieder City Hall gesehen und da war er plötzlich wieder in einer kleineren Nebenrolle auf Martin Landau. Sein viel zu früher Tod hat eine Lücke in die Synchronlandschaft gerissen, die seither nie wieder geschlossen werden konnte. :( Gerade Connery war ab Mitte der 90er für mich nie wieder der gleiche.
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Re: [DdW]Filmbesprechung "Goldfinger".

Beitragvon danielcc » So Mär 06, 2011 13:40

Also prinzipiell ist das Original immer das Original und eigentlich kann etwas synchronisiertes in dem Sinne nicht besser sein. Es ist sicher zunächst eine Frage, womit man aufgewachsen ist. Aber auch ich bin mit den deutschen Versionen aufgewachsen und mir kam das Original dann erst komisch vor. Man gewöhnt sich aber daran und dann kann es fast nur noch das Original geben. Wenn man aber einmal auf das Original eingeschworen ist, dann gefällt einem plötzlich die alternative Synchro von Connery in DN sehr gut, weil in seiner Roheit näher am Original.

Übrigens habe ich lange Zeit nicht gemerkt, dass GGH ja auch Captain Kirk/Shattner spricht. Da merkt man im 1995'er FIlm Star Trek Generations schon wie stark sich seine Stimme verändert hat
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Re: [DdW]Filmbesprechung "Goldfinger".

Beitragvon AnatolGogol » So Mär 06, 2011 14:10

danielcc hat geschrieben:Also prinzipiell ist das Original immer das Original und eigentlich kann etwas synchronisiertes in dem Sinne nicht besser sein. Es ist sicher zunächst eine Frage, womit man aufgewachsen ist. Aber auch ich bin mit den deutschen Versionen aufgewachsen und mir kam das Original dann erst komisch vor. Man gewöhnt sich aber daran und dann kann es fast nur noch das Original geben. Wenn man aber einmal auf das Original eingeschworen ist, dann gefällt einem plötzlich die alternative Synchro von Connery in DN sehr gut, weil in seiner Roheit näher am Original.

Übrigens habe ich lange Zeit nicht gemerkt, dass GGH ja auch Captain Kirk/Shattner spricht. Da merkt man im 1995'er FIlm Star Trek Generations schon wie stark sich seine Stimme verändert hat


Das sehe ich anders. Natürlich kann eine Synchro das Original bereichern und eben dadurch auch verbessern, bestes Beispiel (und das siehst du ja wie du schon mehrmals geschrieben hast ja genauso): Lazenby in OHMSS. Was eine Synchro definitiv nicht kann ist originaler sein als das Original. Alles andere ist Geschmacks- und Ansichtssache. Da gibt es genauso wenig einen eindeutigen Sieger wie bei der Frage Connery/Moore oder meinetwegen FRWL/GF. Ich finde es allerdings für eingeschworene Bondfans schon elementar wichtig, dass man sich beide Fassungen anschaut. Nur so kann man auch wirklich vergleichen und für sich die "bessere" Fassung herausfinden. Von daher sind wir beide ja auf der sicheren Seite :D

Gerade bei den Originalbefürwortern finden sich allerdings häufig echte Hardliner, die Synchros schon von Haus aus naserümpfend ablehnen. Das ist ohne verglichen zu haben aber schlichtweg ignorant. Gerade in Deutschland haben wir das (in dieser Form weltweit ziemlich einzigartige) Glück seit über 50 Jahren über eine absolut professionelle und hochklassige Synchronszene zu verfügen. Und ich bleibe dabei: viele Filme und Darsteller wurden durch ihre "deutschen Stimmen" bereichert und dadurch nochmals aufgewertet. Neben dem bereits genannten Lazenby fällt mir spontan Tom Selleck als ein Beispiel für viele ein. Wer seine recht hohe, quäkige Originalstimme kennt wird die sonore, absolut sympathische Stimme von Norbert Langer erst recht zu schätzen wissen (die objektiv gesehen einfach viel besser zur Figur Magnum passt). Auch identifizieren viele deutsche Filmfans die internationalen Stars mit Stimmen, die oftmals nur sehr wenig mit der des Darstellers gemein haben. ZB Bruce Willis, dessen harte, tiefe deutsche Stimme Manfred Lehmann auch viel eher den von Willis verkörperten Rollen entpricht als Willis eher melodische, weiche Originalstimme. Ironie des Schicksals: als bei Die Hard 3 Lehmann nicht zur Verfügung stand und durch den Willis weit aus ähnlicheren Danneberg ersetzt wurde ging ein in dieser Heftigtigkeit einzigartiger Aufschrei durch die deutsche Fanschar.

Das mit Star Trek 7 stimmt übrigens, da merkt man GGH seine Erkrankung schon deutlich an, leider wurde es in den beiden Folgejahren sogar noch schlimmer. Eine seiner letzten Rollen war die von Richard Harris in Fräulein Smillas Gespür für Schnee, dort klang es sehr sehr schwach und brüchig. Und dennoch war er auch in diesen Rollen noch einzigartig und bestach durch unglaublich viel Stimmgefühl. Seine Absetzung auf Connery 1994 ist für mich nach wie vor eine der größten Ungerechtigkeiten, auch ein geschwächter GGH hätte (zugegebenermaßen eher schwache) Filme wie Im Sumpf des Verbrechens und Der erste Ritter (verglichen mit den bestehenden Synchros) enorm aufgewertet. Von The Rock (und der darin enthaltenen Bondschen Quasi-Nachfolgerrolle) ganz zu schweigen.

Ich kann deinen Standpunkt von wegen Original ist Original verstehen, allerdings halte ich jede Wette:für die große Mehrheit der deutschen Bondfans entspricht bewusst oder unbewusst der Connery-Bond dem ironischen, charmanten und kultivierten GGH-Conney und nicht dem harten, zynischen und ultracoolen Original-Connery. Und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass diese zusätzliche Komponente im Deutschland der 60er Jahre die marktfähigere Variante war (wenn gleich auch ein Connery Kindlerscher Prägung a la DN mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit für volle Kinos gesorgt hätte).
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Re: [DdW]Filmbesprechung "Goldfinger".

Beitragvon danielcc » So Mär 06, 2011 15:00

Du hast recht. In erster Linie meinte ich natürlich eine Synchro kann nicht originaler sein als das Original.
Allerdings zeigt deine Argumentation und beispiele dann doch, dass du ein wenig denkst, als ob das doch ginge. Ich liebe auch Langer als Magnum und Lehmann auf Willis. Aber ich kann nicht sagen, dass die besser zu den Rollen passen. Herje, Originalstimme ist nun mal Originalstimme. Alles anderes ist eine Gewohnheitssache.

Du hast aber sicher Recht bei allem was Synchronisation von schwachen Darstellern angeht. Oft merkt man Unprofessionalität eher an der Stimme als an der Mimik. Dies trifft natürich auf Lazenby zu aber auch auf den Großteil der Bondgirls, die ja oft keine großen Darstellerinnen waren. Da hat michh anfangs schon erstaunt, wie viel besser die Frauen in der deutschen Synchro wirken.
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Re: [DdW]Filmbesprechung "Goldfinger".

Beitragvon AnatolGogol » So Mär 06, 2011 17:13

danielcc hat geschrieben:Du hast recht. In erster Linie meinte ich natürlich eine Synchro kann nicht originaler sein als das Original.
Allerdings zeigt deine Argumentation und beispiele dann doch, dass du ein wenig denkst, als ob das doch ginge. Ich liebe auch Langer als Magnum und Lehmann auf Willis. Aber ich kann nicht sagen, dass die besser zu den Rollen passen. Herje, Originalstimme ist nun mal Originalstimme. Alles anderes ist eine Gewohnheitssache.
Stimmt, besser ist das falsche Wort. Sagen wir eher: stimmiger. Wobei natürlich gerade auch eine Abweichung von der Norm ihren Reiz hat. Aber gerade Langer finde ich rundet den Charakter Magnum eher ab als Sellecks Kermit-Stimme, die aber nunmal das Original darstellt. Die generelle Frage bei der Wahl von Synchronstimmen ist: besetzt man gemäß der Originalstimme oder gemäß der Rolle bzw. des Typus den ein Darsteller verkörpert. Langer/Selleck ist ganz klar letzteres, ebenso Lehmann/Willis. Die Paarung Clausnitzer/Moore ist dann eher ein Paradebeispiel für den ersten Fall, beide klingen recht ähnlich. Solange die Stimme nicht aufgesetzt wirkt ist mir die Übereinstimmung zum Original eigentlich ziemlich egal, solange die Figur bzw. das Spiel des Darstellers nicht völlig verfremdet wird, wie zB bei Mackensy/Pryce in TND.

danielcc hat geschrieben:Du hast aber sicher Recht bei allem was Synchronisation von schwachen Darstellern angeht. Oft merkt man Unprofessionalität eher an der Stimme als an der Mimik. Dies trifft natürich auf Lazenby zu aber auch auf den Großteil der Bondgirls, die ja oft keine großen Darstellerinnen waren. Da hat michh anfangs schon erstaunt, wie viel besser die Frauen in der deutschen Synchro wirken.
Noch ein Paradebeispiel: Putter Smith in DAF. Klingt im Original ziemlich dröge und monoton, während ihn Horst Gentzen (Jerry Lewis/Kermit der Frosch) herrlich exzentrisch spricht und so zu einem Highlight des Films macht. Was für eine Leistung das Synchrongewerbe ist sieht man auch sehr gut an Andreas Wisniewski und Götz Otto, die sich selbst synchronisierten und dabei klingen, als ob sie das im Halbschlaf getan hätten.
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Re: [DdW]Filmbesprechung "Goldfinger".

Beitragvon danielcc » Di Mär 08, 2011 16:46

So sehr ich die deutsche Synchronindustrie schätze, so sehr ärgert es mich aber auch, dass man selbst in Großstädten fast nichts im Original zu sehen bekommt. In Summe führt dies wohl leider auch dazu, dass das Englisch der Deutschen allgemein belächelt wird. Skandinavier und Holländer saugen sozusagen Englisch filmtechniksch mit der Muttermilch auf :-)
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Re: [DdW]Filmbesprechung "Goldfinger".

Beitragvon MX87 » Mi Nov 09, 2011 15:56

Auch bei GF habe ich was zur Trivia-Sektion zu bieten:

- Die Tresor-Tür von Fort Knox existiert noch. Es handelt sich dabei um eine echte Tür, die (wohl später nach dem Dreh) im Hauptquartier der Midland Bank in London installiert wurde. Das Gebäude ist denkmalgeschützt, jedoch wird es (derzeit?) zu einem Luxushotel umgebaut. Dabei soll die Bausubstanz inklusive verschiedener Merkmale erhalten bleiben, dazu wird wohl auch die Tresor-Tür zählen.

Link mit kleinem Foto: http://www.caterersearch.com/Articles/29/06/2009/328408/Hoteliers-offered-the-chance-to-buy-historic-building-in-City-of.htm

Ebenso existiert noch Pussy Galores Helikopter. Die Maschine wurde vor einigen Jahren restauriert und fliegt in Großbritannien (noch auf der Suche nach einem Foto).
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Re: [DdW]Filmbesprechung "Goldfinger".

Beitragvon MX87 » Mo Dez 26, 2011 3:04

Hier war jemand ganz fleißig und hat genau analysiert wo welcher Teil von Goldfinger gedreht wurde:

http://mitteleuropa.x10.mx/filmlocations_goldfinger.html

... wusste bisher gar nicht dass die gesamte Goldfinger-Ranch auf dem Pinewood-Backlot gebaut wurde. Auch die Vergleiche der Orte damals-heute sind sehr interessant.
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Re: [DdW]Filmbesprechung "Goldfinger".

Beitragvon danielcc » Di Dez 27, 2011 14:03

Gestern ist mit bei GF auch aufgefallen, wie günstig der Film doch produziert wurde, was viele Locations angeht.

Was ich am witzigsten fand: Am Ende, wenn Bond und Pussy über dem Meer (welches Meer liegt eigentlich innerhalb der USA???) den Schleudersitz betätigt haben, zeigt die letzte Szene wie sie in einer Art Garten liegen. Wirkt irgendwie ziemlich absurd... anstatt dass sie auf einer einsamen Insel liegen, oder sonst wo an einem verlassenen Ort... zeigt man sie, wie sie in einem Garten à la Pinewood liegen
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"In und um Fort Knox"

Beitragvon photographer » Sa Jan 28, 2012 13:26

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Der Zeitgeschehen-Artikel in der SPIEGEL online-Rubrik "Einestages" zum Thema Fort Knox gibt einen aufschlussreichen Einblick darüber wie weit doch Ken Adams Vision hinsichtlich der Stapelung des Edelmetalls in der Kammer in "Goldfinger" (1964) sich von der Realität unterscheidet.


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