Bondfilm-Rezensionen - user: Casino Hille

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Casino Hille
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25. Januar 2015 14:30

Vorab vielleicht ein klein wenig was zu meiner Person, ich verrate ja ohnehin schon immer sehr wenig von mir, warum also jetzt nicht mal ein wenig damit anfangen? :wink:

Mit Filmen habe ich beruflich, so wie vermutlich viele hier im Forum, überhaupt gar nichts zu tun. Und das ist insofern vielleicht ganz lustig, wenn man mal bedenkt, wie viel Lebenszeit dann eben für ein Hobby draufgeht, mit dem man sich intensiv auseinandersetzt. Wobei ich den Begriff "Hobby" auch als zu schwach erachte. Ich denke, wie für alle hier, sind Filme meine ganz große Leidenschaft, auch wenn das nicht immer so war. Sehr lange Zeit, vor allem als ich noch relativ jung gewesen bin, hielt ich Kino und Fernsehen für völlig überbewerteten Kommerz-Kack und habe mich damit nur sehr selten mal beschäftigt, ich habe auch nie verstanden, weshalb meine Freunde teuer Geld dafür bezahlt haben, in einem dunklen Raum auf eine große Leinwand zu starren. Mich hat das überhaupt gar nicht beeindruckt und ich denke, da lagen die Interessen einfach noch woanders. Natürlich ist man dann aber hin und wieder mal reingegangen in einen Film, gerade, wenn Freunde oder Bekannte Bock darauf hatten. Durch eine damalige Freundin, die riesiger A-ha Fan gewesen ist, kam es dann auch, dass ich bereits 1987 meinen ersten Bond-Film im Kino sah: The Living Daylights aka Der Hauch des Todes.

Erinnern kann ich mich daran leider gar nicht mehr, vermutlich, weil ich irgendwann eingeschlafen und erst im Showdown wieder wachgeworden bin. Ich kann daher leider auch nicht mehr rekonstruieren, welche Eindrücke ich damals von dem Gesehenen hatte, es ist einfach schon zu lange her und war für mich damals eben auch nicht sonderlich wichtig. Meine Ansichten zum Kino sollten sich 1988 ändern, als ich durch Zufall "Die Hard" ("Stirb langsam") auf der großen Leinwand sah. Um es kurz zu machen: für mich ist McTiernans Actionkracher bis heute einer der besten Filme, die jemals für die große Leinwand gedreht wurden und ein unbestrittener Klassiker. In jeder Hinsicht einfach nur ein überlebensgroßer und fantastischer Rausch, an dessen Perfektion später nur wenige Actionfilme heranreichen sollten. 1991 und 1992 hatte ich dann das große Glück, dass ein kleineres Kino bei mir in der Umgebung nach und nach in geringen Abständen (2 oder 3 Wochen müssten es gewesen sein) alle (damals 16) James-Bond-Filme wieder im Originalton im Kino aufführte. Zwar hielt ich James Bond eher für Kinderkram, da ich ihn aber auch nicht wirklich sonderlich gut kannte, bin ich dann in "James Bond - 007 jagt Dr. No" rein und war begeistert. Nicht unbedingt nur des Filmes selbst wegen, den ich aber sehr schätze und der auch heute noch wunderbar funktioniert, sondern mehr wegen der Welt, die sich da einem eröffnete. Bond verkörperte nicht nur Sex und Gewalt, sondern auch eine ganz neue Form der Globalisierung, wie ich sie damals gar nicht kannte. Ich habe daraufhin dann alle 16 Bonds, einige sogar mehrmals, im Kino geschaut und daraufhin begonnen, mich intensiver mit dem Medium Film und seinen Möglichkeiten auseinanderzusetzen. Ich habe Bücher verschlungen, alles geschaut und gelesen, was mir unter die Nase kam, ich habe Urlaube in Hollywood hinter mir, Treffen mit Schauspieler, Synchronspechern, Regisseuren, habe eigene kleine Amateurfilme mit Freunden und Begeisterten gedreht und mittlerweile meine ganz eigene Sicht auf Filme, die für nicht jeden immer ganz nachvollziehbar ist, mit der ich aber seit vielen Jahren sehr gut gefahren bin.

Was einen guten Film ausmacht, wie man welche Wirkung und Emotionen erreicht, Dinge, die andere eben nicht interessieren, waren für mich enorm interessant und spannend und auch heute noch genieße ich es, Szenen zu analysieren, mir Filme mehrmals anzusehen und mir über ihre Wirkungen und Mittel bewusst zu werden. Als ich dann 1995 "Stirb langsam - Jetzt erst recht", "Batman Forever", James Bond 007 - GoldenEye" und 1996 "The Rock - Entscheidung auf Alcatraz" sah, war es ohnehin um mich gesehen. Und diese Liebe hält eben bis heute an. Eine ganz besondere Verbundenheit teile ich aber auf ewig zu den Bonds. Egal, wie großartig das Kino ist, wie wandelbar und facettenreich, Bond steht über allem, was ich sonst sehe. Bond verkörpert mit seiner Mischung aus Eleganz, Kultiviertheit, Sex, Action, Spannung und Humor alles, was gutes Kino immer ausgemacht hat und ist daher praktisch für mich genauso der perfekte Cocktail aus all meinen Lieblingszutaten, wie für Bond der geschüttelte Wodka Martini. His name is Bond. James Bond. In diesem Sinne: ab die Post! Und das hoffentlich noch für viele viele Jahre. :)
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25. Januar 2015 14:34

James Bond - 007 jagt Dr. No

Bond. James Bond.

9 Jahre war es gerade mal her, dass der britische Lebemann und Ex-Geheimdienstler Ian Fleming seinen ersten Kriminalroman "Casino Royale" veröffentlicht hatte, schon folgte die Adaption seines Romanhelden James Bond, Geheimagent im Auftrag der britischen Regierung mit der 00-Lizenz zum Töten, fürs Kino. Die Produzenten Albert R. Broccoli und Harry Saltzman taten sich zusammen, um mit den erworbenen Rechten Geld zu verdienen und erwählten den Roman "Dr. No" für ihre erste Verfilmung des Materials. Wie viel es letzten Endes werden würde, konnten sie nicht ahnen, doch das eine Filmreihe aus "007 jagt Dr. No" werden sollte, dessen waren sie sich von Anfang an bewusst. Für die Verpflichtung eines der heute berühmtesten Protagonisten der Filmgeschichte wählte man nach einem langwierigen Casting den unbekannten und von Ian Fleming wenig favorisierten Schotten Sean Connery. Das er es ist, der aus diesem Film das großartige Meisterwerk der Filmgeschichte machte, als das es heute gilt, ist wohl die Ironie, die die Geschichte schreiben wollte.

Connerys kaltblütiger Gentleman-Agent 007 ist im Detail das Vorzeigemodell eines professionellen Killers, wenn auch im Auftrag der Regierung. Ohne moralische Bedenken verfolgt er eiskalt sein Ziel und nimmt sich auf dem Weg dorthin allerhöchstens mal kurz für einen Wodka Martini oder eine hübsche Dame Zeit. Wehrlose Gegner werden erschossen oder massakriert, weil das nun einmal so sein muss, der britische Weltenretter entpuppt sich als Pragmatiker. Doch trotz dieser Charakterzüge schaffen Connery und Regisseur Terence Young das Kunststück, uns diesen Mann nicht fremd werden zu lassen. Zwar vermeiden sie es auch, Bond als Charakter wirklich tief zu zeichnen, sondern stellen lieber ausführlich seinen verschwenderischen Lebensstil dar, doch das brauchen sie auch gar nicht, denn sein Hauptdarsteller füllt die Rolle auch ohne eine näher beleuchtete Persönlichkeit mit soviel Leben, dass es ein Vergnügen ist, ihm bei den Ermittlungen zuzuschauen.

Als zweiter Protagonist fungiert unter Youngs inszenatorischen Händen der Handlungsort Jamaika. Mit wundervollen und authentischen Landschaftsaufnahmen und einem gehörigen Schuss Exotik begeistern die ersten zwei Drittel des 100-minütigen Abenteuerkrimis und erzeugen eine angenehme Urlaubs-Atmosphäre, die der Spannung und der interessanten Detektiv-Geschichte aber nie im Weg zu stehen droht. Mit der Bezeichnung Abenteuerkrimi fasst man den Film ohnehin so passend zusammen, wie es nur möglich sein könnte. "007 jagt Dr. No" hat zwar auch eine Autoverfolgungsjagd und mehrere überzeugende Kampfszenen, doch die Stimmung des Filmes lässt zu keinem Zeitpunkt Actionfeeling aufkommen und auch die Erzählweise ist angenehm ruhig und dennoch bestimmt. Mit Jack Lord als Felix Leiter von der CIA bekommt Bond dann auch relativ früh einen angemessenen Nebenpart zugeteilt, der ihn an Coolness zwar etwas nachsteht, aber der Handlung einen weiteren wichtigen Impuls verleiht. Positiv hervorzuheben ist außerdem auf jeden Fall der ikonische Score, der zu Recht als Meisterstück der Filmmusik gilt. Passend zu den atemberaubenden Bildern und der jamaikanischen Kulisse unterstreicht er hervorragend das Geschehen und bekommt die Mischung aus bedrohlich, geheimnisvoll und ausgelassen beinahe perfekt in Griff.

Nach den ersten fast unschlagbaren 60 Minuten verliert das Abenteuer allerdings ein wenig an Fokus. Mit Ursula Andress als schönen, aber naiven Kampfamazone und dem stark aufspielenden Joseph Wiseman als größenwahnsinniger Dr. No kommen zwei für das Finale des Filmes ungeheuer wichtige Nebencharaktere deutlich zu spät und schaffen es so nie, im Film richtig anzukommen. Außerdem entscheidet sich Young, mit der Gefangenschaft von Bonds in der letzten halben Stunde auch den Zuschauer von der Außenwelt abzukapseln. Dieser Kniff hat sowohl positive als auch negative Seiten. Positiv an diesem Umstand ist, dass die Bedrohlichkeit der Situation für unseren Helden spürbar wird und wir uns umso mehr in ihn hineinversetzen können. Leider aber geht dabei auch viel von der Atmosphäre und dem Flair verloren, den man vorher so lieb gewonnen hatte. Strand, Sonne, Party und Karibik - das alles verliert sich, wenn es in Dr. Nos Festung geht und ein wenig zu sehr sehnt man sich diese Eigenschaften zurück, während der Film schon unaufhaltsam seinem Ende entgegen rast. Zwar ebbt auch hier durch Wisemans und Connerys geniale Darstellungen sowie die beeindruckenden Sets von Ken Adam das Interesse am großen Ganzen nie ab, doch insgesamt bleibt am Ende der Eindruck stehen, dass man den letzten Part zwangsläufig im Studio drehen musste, nach dem man die Außenaufnahmen abgefilmt hatte. Ob es tatsächlich finanzielle Hintergedanken hatte oder Youngs Plan schlussendlich einfach nicht ganz aufgegangen ist, lässt sich nur schwer feststellen, doch Gott sei dank ist "007 jagt Dr. No" ansonsten ein Film, der so gut ist, dass man ihm diese Schwächen gerne verzeihen mag.

Fazit: "007 jagt Dr. No" verspricht der Titel und diese Jagd ist mit Sicherheit ein Unikat ihrer Zeit. Gleichzeitig entführt sie ihre Zuschauer aber auch in eine vergangene Ära und mitten in die Stimmung der Kuba-Krise und anbrechenden Swinging-Sixties, welche auch heute noch faszinieren. Dies allein erreicht schon die Schlichtheit und charmante Naivität von Bonds erstem großen Leinwandabenteuer. Doch ein solcher Film verlangt auch immer einen starken Gegenspieler und trotz der treffenden Besetzung von Joseph Wiseman bleibt dieser etwas steif und zurückgenommen und kann außer in dem kurzen, dafür aber genialen Dialog mit 007 nie so richtig seine Motivation klar machen. Schicke Sets, zynische Sprüche, ein eiskalter Held, exotische Drehorte und eine gut inszenierte Verfolgungsjagd. Mehr erwartet der Filmfan nicht und das alles bekommt er hier in Perfektion. Harry Saltzman und Albert R. Broccoli haben dennoch nie wirklich an einen Erfolg geglaubt und wurden von den mehr als zufrieden stellenden Einspielergebnissen erfreulicherweise überrascht. Von diesen euphorisiert und gestärkt machten sie sich schlagartig daran, weitere Romane von Fleming für den Kinoausflug vorzubereiten. James Bond, und damit eines der größten Kinofranchises aller Zeiten, war geboren!
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31. Januar 2015 17:08

James Bond 007 - Liebesgrüße aus Moskau

Red wine with fish. Well that should have told me something.

Bereits während der Dreharbeiten zum nur ein Jahr vorher erschienenen Erfolgsvorgänger "007 jagt Dr. No" entschieden sich die Produzenten Albert R. Broccoli und Harry Saltzman dafür, als nächstes Ian Flemings Roman "Liebesgrüße aus Moskau" zu adaptieren und gaben mit rund 2 Millionen Dollar ein doppelt so hohes Budget für die Umsetzung frei, wie sie es noch 1962 für den Erstling getan hatten. Dies wurde im Nachhinein auch unbedingt benötigt, denn während der Dreharbeiten kam es zu mehreren schicksalhaften Fehlschlägen: Regisseur Terence Young kam beinahe bei einem Helikopterabsturz ums Leben, der Nebendarsteller Pedro Armendáriz erfuhr von seiner Krebserkrankung, wollte den Film aber dennoch fertig stellen, sodass kurzerhand der Drehplan umgeschrieben wurde, Hauptdarstellerin Daniela Bianchi trug Verletzungen bei einem Autounfall davon und ein Pyrotechniker zündete die fürs Finale geplanten Explosionen früher als gedacht. Trotz des immensen und verbissenen Einsatzes der Filmcrew schlug sich diese Vielzahl von Problemen letztendlich im Resultat nieder. Sowohl der Zeitplan, als auch das Budget waren bereits deutlich überzogen als Filmeditor Peter Hunt es letztendlich schaffte, allen widrigen Umständen zum Trotz, einen fertigen Film vorzulegen. Fehlende Aufnahmen der Darsteller an Originalschauplätzen ergänzte er mittels Hintergrundprojektionen und löste dramaturgische Probleme durch neu arrangierte Szenenabfolgen. Ein Aufwand, der sich am Ende gelohnt hat?

Der große Erfolg von "007 jagt Dr. No", ebenfalls unter der Regie von Terence Young entstanden, lag im fantastischen und leichtfüßigen Genremix aus dem Abenteuerfilm, gewürzt mit Sci-Fi-Elementen und einer Agentenhandlung. Das Sequel setzt bei der Auslegung der Handlung die Schwerpunkte ganz anders und konzentriert sich fast ausschließlich auf den letzteren Aspekt. Anders als man es nach 007s ersten Leinwandausflug hätte erwarten dürfen, ist "Liebesgrüße aus Moskau" tatsächlich ein waschechter Thriller geworden, der wesentlich weniger fantasievoll gestaltet ist und dafür näher am echten Leben liegt. Besonders in der ersten Hälfte wird das relativ deutlich. Statt erneut an exotische Orte aufzubrechen, lernt der Zuschauer viel mehr den harten Spionagealltag kennen, in dem jeder jeden beobachtet, betrügt und zu belügen weiß. So geht es hier auch nicht um den Mord an einem Agenten oder ein großes Geheimnis, dass aufzudecken ist, sondern ganz plakativ um eine russische Dechiffriermaschine, hinter der nicht nur der britische Geheimdienst, sondern auch die ehemals von Dr. No angeführte Verbrecherorganisation SPECTRE her ist, die, um in den Besitz dieser zu gelangen, die beiden Großmächte der Welt gegeneinander ausspielen will. Ein MacGuffin, wie er im Buche steht und nicht das einzige von Alfred Hitchcock übernommene Element, wie sich bereits relativ früh zeigt.

Mit Robert Shaw als muskelbepackter und eiskalter Auftragsmörder Ronald Grant als Widersacher für Bond spendiert uns Young nämlich in diesem Falle nicht nur einen bedrohlichen Konterpart für unseren Helden, sondern lässt uns dieser Gefahr auch sehr früh bewusst werden, sogar noch bevor 007 in Gestalt von Sean Connery selbst das erste Mal auf der Leinwand zu sehen ist. Dabei ist es besonders raffiniert gemacht, dass Bond seinem Gegner eigentlich erst relativ spät begegnet und zunächst gar nicht um dessen Absichten weiß, während wir durch unseren Wissensvorsprung ihn am liebsten mit Händen und Füßen Hinweise geben wollen würden. Bond als Protagonist selbst bleibt wie schon im Vorgänger als Mensch selbst eher gering charakterisiert, wird aber von Connery erneut mit einer Leichtigkeit so menschlich, dass jede Szene mit ihm ein Genuss ist. Besonders sein Auftreten im Mittelteil in einer Schlacht in einem Zigeunerlager ist bemerkenswert. Young vermeidet es hier, Bond aktiv zum Mitkämpfer an vorderster Front zu machen, sondern lässt ihn (ganz der kultivierte Brite) eher einen Rundgang machen, bei dem er verschmitzt wie eh und je einigen Mitstreitern das Leben erleichtert. Inszenatorisch macht Young in den ersten 90 Minuten ohnehin eigentlich nicht viel verkehrt. Bonds Ermittlungen sind spannend, sein Gegenspieler allgegenwärtig und das Tempo sitzt. Im Orient Express folgt dann mit dem Duell zwischen 007 und Grant auch noch ein famoser Höhepunkt, auf den die Handlung bis dahin unentwegt zugesteuert hatte und der brutal, schnell und atemberaubend fotografiert ist.

Leider aber ist Young nicht der Meinung, hier einfach enden zu können. Da es bis auf die erwähnte Zigeunerszene bis hierhin praktisch keinerlei Action gab, war man wohl der Überzeugung, am Ende noch zwei weitere Spektakel-Momente anhängen zu müssen, die leider genau so wirken, wie sie eben gedacht waren: als Anhängsel. Weder der hübsch gemachte und ebenfalls von Hitchcock abgeschaute Helikopterangriff noch die uninspirierte Konfrontation auf hoher See wollen wirklich zum vorherigen Film und dessen Tempo passen und ergeben sich erst recht nicht aus der Handlung heraus, sondern sind mehr ein Mittel zum Zweck, die vorherigen Anderthalb Stunden auf volle 120 Minuten zu strecken.

Fazit: Ein ironisch servierter, zeitloser, aber dennoch ernstzunehmender Agentenfilm erschien anno 1963 wohl am allerwenigsten wie die logische Folge auf die Jagd nach Dr. No, doch machen sich all die Mühen der Produzenten und das überraschende Wagnis in jeder Hinsicht bezahlt. "Liebesgrüße aus Moskau" wurde ein finanzieller, aber auch qualitativer Erfolg, der endgültig die Zukunft des potenziellen Franchises sicherte und mit der ominösen Nummer 1 bereits für kommende Filme einen gefährlichen Feind andeutet. Trotz aller überzeugender Dramaturgie und erzählerischer Kniffe ist es am Ende allerdings offenbar leider dem chaotischen Entstehungsprozess vorzuwerfen, dass nicht nur die Handlung bei späterer Rekapitulierung nicht immer vollkommen schlüssig erscheint, sondern auch die letzte halbe Stunde eher wie lieblos angehängt daherkommt und den vorherigen, beinahe vollständig überzeugenden Eindruck etwas zu Nichte macht. Sean Connery als James Bond ist dafür jedoch auch in diesem Film das allergrößte Vergnügen und man kann nur hoffen, dass allein seiner Präsenz wegen diese Filme niemals in Vergessenheit geraten werden.
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7. März 2015 14:13

James Bond 007 - Goldfinger

This is gold, Mr. Bond. All my life I've been in love with its color... its brilliance, its divine heaviness.

Ein Mann, ein Entenhelm, ein Drogenlabor, ein Dinner-Jackett, eine gewaltige Explosion, eine schöne Frau und ein kompromissloser Kampf auf Leben und Tod... "A beautyful peace of nonsense", wie Regisseur Guy Hamilton den anfänglichen Teaser des dritten Bondfilmes "Goldfinger" nannte. Inhaltlich von der Handlung des eigentlichen Filmes unabhängig, dienen diese ersten 5 Minuten dazu, den Zuschauer auf das kommende Ereignis vorzubereiten. Und so verwundert es auch nicht, dass Goldfinger von allen Bond-Filmen wohl derjenige ist, der den größten Hype auslöste und das Franchise am stärksten prägte. "Goldfinger" sollte eine Formel etablieren, die mehrere Jahrzehnte überdauern wird und auf die auch die heutigen Filme immer noch aufbauen. Humor, Spannung, Charme, Action und Sex - Bond.

Nach Terence Youngs Agententhrillern "007 jagt Dr. No" und "Liebesgrüße aus Moskau" wollten die Produzenten Albert R. Broccoli und Harry Saltzman alles noch eine Spur größer und engagierten mit Guy Hamilton genau den richtigen Mann dafür. "Goldfinger" hat alles, was man sich von einem Film wünschen kann: Schöne Frauen, exklusive Drehorte, viel Action und Tempo und eine Gut-gegen-Böse-Konstellation, die von dem Aufeinandertreffen von Pro- und Antagonist lebt. Sean Connery, zum dritten Mal als Agent ihrer Majestät im Einsatz, perfektioniert seine bislang großartigen Leistungen noch ein weiteres Mal und steigert sich auf ein atemberaubendes Niveau. Er ist zu jedem Zeitpunkt Herr der Lage und darf in diesem Film das erste Mal auch ein wenig Tiefe in seine Darstellung integrieren. Denn der glorreiche Macho-Superheld James Bond aus den vorherigen Filmen ist hier Geschichte. Bond scheitert, Bond macht Fehler am laufenden Band und selbst scheinbare Fortschritte sind immer nur von kurzer Dauer. Überhaupt erlaubt das Drehbuch sich hier etwas, was im heutigen Kino absolut unverzeihlich wäre: es verdammt seinen Helden zur "Passivität". Nach ungefähr 45 Minuten wird 007 nach einem weiteren missglückten Einsatz gefangen genommen und bleibt bis zum Showdown in der Gewalt seines Gegenspielers.

Dass das nicht langweilig wird, liegt eben daran, dass dieser selbst die einzige Figur ist, die noch mehr fasziniert als James Bond selbst: Gerd Fröbe als Auric Goldfinger spielt groß. Überlebensgroß. Menschlich, aber voller Größenwahn und Gier nach Gold bereit zum Massenmord, um selbst davon profitieren zu können. Goldfingers Verhältnis zu Bond ist in dieser Form wahrscheinlich einmalig in der Filmgeschichte. Es sind Hamiltons kluge Regie und Richard Maibaums engagiertes Drehbuch, die dafür sorgen. Immer wieder im Film treffen die beiden aufeinander und immer wieder hat es eine Konsequenz für die Handlung. Die ersten Provokationen gehen von Bond aus, später ist es dann aber Goldfinger, der in der brillanten Laserstrahl-Szene seine Macht voll und ganz ausspielt. An Genialität gewinnt diese Sequenz noch dadurch, dass Bond hier allein auf seinen Verstand angewiesen ist. Während er vorher in der etwas zu langen und übertriebenen Aston-Martin-Verfolgungsjagd auf eine Vielzahl an albernen Spielzeugen zugreifen konnte, die ihm aber letzten Endes auch nicht wirklich weiterbrachten, muss er sich hier ganz allein durch seinen Intellekt aus der misslichen Lage befreien. Nur durch seine vorherigen Ermittlungen schafft er es, am Leben zu bleiben. Das es schlussendlich noch zu einem Sieg für das gute reicht, liegt dabei auch weniger an seinen erlernten Agenten-Fähigkeiten, sondern mehr an seinen "anderen" Interessen, die in den Vorgängern bereits thematisiert wurden. Doch auch wenn gerade die mit Ursula Andress und Daniela Bianchi ein eher chauvinistisches Frauenbild aufzeigten, punktet gerade "Goldfinger" in diesen Belangen. Honor Blackmans Pussy Galore ist eine emanzipierte Frau mit Persönlichkeit, die genau weiß, was sie will. Das sie im großen Finale dem Helden erliegt, mag dem widersprechen, ist aber mit so viel Selbstironie inszeniert, dass man diese Unstimmigkeit verschmerzen muss, zumal es den Sieg Bonds noch mal dementsprechend dramaturgisch exzellent steigert.

Weniger gelungen hingegen ist Hamiltons Versuch, aus seinem Film ein zwei Stunden langes Abenteuer zu machen. Insgesamt gibt es nämlich viel zu viele Szenen, die deutlich zu lang sind und in denen praktisch nichts handlungsrelevantes passiert. Selbst John Barrys ansonsten akzentuierter und angenehmer Soundtrack weiß in diesen Momenten nicht, was er tun soll und ist daher im Sinne von Schadensbegrenzung einfach permanent laut und pompös, rettet damit aber doch so einiges. Erst in den letzten 20 Minuten, wenn die große Schlacht in Fort Know folgt, spart Hamilton sich unnötige Streckungen und bringt "Goldfinger" zu einem grandiosen und entschädigenden, weil selbstironischen Abschluss. Eine letzte Bemerkung gilt den übrigen Nebendarstellern: Harold Sakata als Goldfingers Gehilfe Oddjob hat mimisch nichts zu tun, überzeugt aber allein durch seine physische Präsenz, Shirley Eaton ist ein Blickfang fürs männliche Publikum und mit Bernard Lee als M, Lois Maxwell als Moneypenny und Desmond Llewelyn als Q ist alles auf gewohnt hohem Niveau. Einzig Cec Linder, der hier Jack Lord aus "007 jagt Dr. No" als Felix Leiter ablöst, bleibt blass und ist insofern überflüssig, als das seine Auftritte ohnehin so kurz sind, dass man ihn schnell wieder vergessen hat.

Fazit: Bereits 1964 wusste man: es ist nicht alles Gold, was glänzt. Doch "Goldfinger" erhebt für sich ohnehin nie den Anspruch, perfekt zu sein, er ist eher mit Gold überzogen worden. Unter der Legierung liegt ein Film, der offensichtliche Schwächen hat und dramaturgische Probleme aufweist. Allerdings überwiegen wie so oft die Stärken. Alleine zuzuschauen, wie sich Sean Connery und Gerd Fröbe gegenseitig an die Wand spielen, ist schon ein pures Vergnügen für jeden Filmfan. Dazu noch einen Haufen schöner Frauen, eine bedrohliche Handlung, technische Spielereien en masse, viel Action und eine unkonventionelle Art, Konflikte zu lösen. Denn ja, die Kritik einiger Feministinnen mag berechtigt sein, Bonds Sieg ist ein Sieg durch Sex. Und Hamiltons filmhistorisch bedeutendster Triumph in Teilen nur Fassade. Über deren Gewichtung wird jeder selbst entscheiden müssen, doch sollte man sich statt zu grübeln lieber auf diesen Mix aus Gags, Geschichte und Gewalt einlassen, dann freut man sich auch, wenn es am Ende glücklicherweise zum dritten Mal heißt: James Bond will return.
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8. März 2015 01:06

James Bond 007 - Feuerball

James Bond, the one where he has to make love to a woman, and she starts to hear heavenly choirs singing. She repents, and turns to the side of right and virtue...

He always runs while others walk - Nach dem er bereits in drei Filmen aus dem unvergleichlichen Gentleman-Agenten James Bond eine Ikone der Popkultur gemacht hatte, war es nur folgerichtig, auch den vierten Film der Reihe komplett auf ihn zuzuschneiden. Sean Connery war 1965 so sehr auf dem Höhepunkt, wie seine Rolle selbst, seit durch "Goldfinger" eine regelrechte Bond-Manie ausgebrochen war. Das Verlangen nach einem neuen Film war immens hoch und mit der Adaption von Ian Flemings "Feuerball" schickten die Produzenten Albert R. Broccoli und Harry Saltzman James Bond in ein weiteres Abenteuer, dass sich auch vor heutigen Actionfilmen nicht verstecken muss und für viele Fans (richtigerweise?) einer der Klassiker der Reihe geworden ist.

He acts while other men just talk - "Feuerball" ist ein Film der Superlative: Die schönsten Strände, fiesesten Schurken, erotischsten Frauen und der männlichste aller Filmhelden versammeln sich in einem Kampf, in dem es dieses Mal um nichts geringeres, als das Schicksal der ganzen Welt geht, welches von SPECTRE durch zwei gestohlene Atombomben bedroht ist. Eine Bedrohung, die auch heute noch Angst macht und nichts von ihrer Aktualität verloren hat. Nie schien 007 mehr gebraucht als hier. Und Regisseur Terence Young, der hier zum dritten und letzten Mal inszenierte, weiß genau, was er seinem Publikum bieten will. Nach einem glänzend unterhaltsamen Intro, das wie schon in "Goldfinger" als Bond-Film in kleinem Format funktioniert, hetzt er regelrecht durch seine Geschichte. Dabei stolpert sein Protagonist anfangs noch eher zufällig in das Komplott. Die Szenen im Hotel Shrublands sind amüsant und leiten die Handlung gekonnt ein, zumal sie bereits relativ früh Bond in Bedrängnis bringen und von Anfang an klar machen: Diesen Sieg wird er sich verdienen müssen. Erst dann geht es nach Nassau und wie Youngs Film dort beginnt, aufzuatmen und aus den Vollen zu schöpfen, ist eine Wohltat. Das Flair der Bahamas wird hervorragend eingefangen und das Timing stimmt auf den Punkt. Ein wenig Action hier, ein wenig Ermittlungen dort und das gegenseitige Abtasten zwischen Bond und dem von Adolfo Celi herrlich klischeehaft gespieltem Emilio Largo ist unfassbar charmant inszeniert und stets glaubhaft aus der Handlung heraus entwickelt.

He looks at this world and wants it all - Diese versteht sich ohnehin eher als Episodenfilm, denn Langezeit, praktisch die komplette mittlere Stunde über, hangelt sich Bond von einem Abenteuer ins nächste und das derart flüssig und vorantreibend, dass man nie das Gefühl bekommt, auf der Stelle zu stehen oder etwas verpasst zu haben. Extrem fördernd ist dabei auch der Soundtrack von Maestro John Barry. Mehr denn je verleihen seine auffälligen und exzentrischen Themen dem Geschehen auf der Leinwand Konturen und ziehen den Zuschauer tiefer in den Bann. Die Nebendarsteller waren ebenfalls selten so gut besetzt wie hier. Rik van Nutter ist zwar als Felix Leiter von der CIA wie schon sein Vorgänger Cec Linder völlig fehlbesetzt, neben Connery und Celi ist aber ansonsten mit Bernard Lee als "M", Lois Maxwell als Miss Moneypenny und Desmond Llewelyn von Abteilung "Q" alles im gewohnten Rahmen, Claudine Auger als Domino und Martine Beswick als MI6-Agentin Paula bringen dazu dann noch ordentlich Exotik und Erotik ins Spiel und verleihen der Handlung den nötigen Sexappeal. Übertroffen werden sie aber darin von der Italienerin Luciana Paluzzi als SPECTRE-Killerin Fiona Volpe. Nicht nur, dass ihre Optik alleine das männliche Publikum zufrieden stellen sollte, ihre Vorstellung selbst ist ebenfalls astrein und ihre Konfrontationen mit Bond ein Genuss. Da sie als sein böses Spiegelbild dargestellt sogar einige seiner Charakterzüge mit sich bringt, darf sie zudem in einem toll geschriebenen Monolog ausführlich über den Charakter und die Arroganz des 007 ablästern. Mehr Selbstironie seitens der Produzenten geht nicht, a propos gibt es ohnehin wohl kaum einen Bond-Film, in dem so viel gelacht werden kann und der mit so vielen zitierenswürdigen Onelinern punktet und das alles, ohne das je die Dramatik darunter leiden würde.

So he strikes like Thunderball - Auch die Inszenierung von Action hat Young nicht verlernt. Knallharte Faustkämpe, wie im Intro oder Dénouement bestimmen das Geschehen, dazu gesellen sich noch eine Verfolgungsjagd über den Karnevalszug "Junkanoo", ein Ausflug in ein unangenehm enges Haibecken und eine große Unterwasserschlacht im Showdown. Diese (und auch die anderen unter Wasser gefilmten Szenen) ist Youngs letzter großer Triumph. Neben den absolut lupenreinen Aufnahmen ist es auch hier wieder das ausgewogene Verhältnis, das einfach stimmig ist. Erst bestimmt durch Action und Gewalt auf dem Schlachtfeld, wendet sich die Sache mit dem Auftreten Bonds ins ironische und trotzdem spannende, wenn dieser wie schon bei den Szenen im Zigeunerlager in "Liebesgrüße aus Moskau" eher einen Rundgang durch die Szenarie macht, statt selbst aktiv am Kampf teilzunehmen. Es passt zur britischen Attitüde des Charakters und auch insgesamt zu einem Film, der sein Übermaß an Gewalt nie ernster nimmt, als es eigentlich gemeint ist.

Fazit: Mit zwei Atombomben die Welt erpressen zu wollen, ist ein ungeheures Vorhaben und bietet sicher genug Stoff für eine dramatisierende Auseinandersetzung mit der Angst vor einem nuklearen Anschlag. Doch Angst und Panik gibt es im normalen Leben zuhauf und so ist es schön, dass die Produzenten diese Thematik nur als Aufhänger dafür nutzen, uns in eine andere Welt zu entführen und gemeinsam mit einem starken Helden an all den kleinen Abenteuern seines Alltages teilhaben zu lassen. Nicht falsch verstehen, "Feuerball" ist natürlich trotzdem spannend und auch ernst genug, um nicht albern zu sein, aber in erster Linie geht es um Spaß und den hat man, sofern es einem gelingt, sich voll und ganz dem Treiben auf der Leinwand hinzugeben. "Feuerball" ist ein Film, der jeden begeistern wird, der bereits die Vorgänger mochte und jeden vor den Kopf stoßen dürfte, der dies nicht getan hat, aber er ist eben nicht nur technisch einwandfrei, durch seine optischen Vorzüge schick anzusehen und dramaturgisch durchaus clever angelegt. Er ist vor allem eben auch eines: Bond at it's best!
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8. März 2015 01:07

James Bond 007 - Man lebt nur zweimal

Welcome to Japan, Mr. Bond!

"Feuerball" hatte es vorgegeben, in "Man lebt nur zweimal" setzten die Produzenten Albert R. Broccoli und Harry Saltzman zwei Jahre später 1967 ihren Weg fort: James Bond sollte nicht einfach nur länger ein Geheimagent sein, er musste ein Superheld werden, die Bedrohungen waren Weltuntergangsszenarien geworden. Und so wird aus einer Unterwasserschlacht ein regelrechtes Schlachtfeld, aus einem praktischen Atemgerät ein Ein-Mann-Kampfhubschrauber und aus zwei Atombomben ein möglicher Ausbruch eines dritten Weltkrieges. Auf der Höhe der Zeit lag die Produktion damit, doch waren die Dreharbeiten durch die Location Japan, an dem man die Privatsphäre der Stars nicht respektierte und die Sets regelrecht verwüstete sowie durch viele komplizierte Stunts eine wahre Belastungsprobe für alle Beteiligten. Ein Umstand, der sich auch im Resultat widerspiegelt?

Anders als für die Macher des Filmes ist für das Abenteuer selbst Japan ein unglaublicher Gewinn, sorgt es doch für eine leicht mysteriöse und romantische Atmosphäre, die so für die Bond-Reihe neuartig und aufregend ist. Gelungen daher, dass der Film auch sehr viel von der Kultur Japans zeigt und diese nicht einfach nur am Rande abgehandelt wird. Noch besser, dass dadurch auch John Barry einen seiner grandiosesten Soundtracks abzuliefern vermochte, der viel von der Spannung und Exotik des Ortes beibehält. "Man lebt nur zweimal" hat daher ohnehin immer seine stärksten Momente, wenn er sich die Zeit nimmt, diese Eindrücke auf den Zuschauer wirken zu lassen. Die ausführliche Hochzeitsszene im Mittelteil, die Szenen beim Ninja-Training, das Sumoringen, das Anwesen von dem von Tetsuro Tamba gespielten Tiger Tanaka. So ist dieser Bond wohl der erste, der auch völlig ohne Ton interessant wäre und eindrucksvoll eine Stimmung entfaltet, die dann Ken Adam mit seinen monumentalen und einmaligen Bauten noch kongenial ins Unermessliche steigert. Optisch ist das fünfte Bond-Abenteuer sicher das verblüffendste, schönste und vielfältigste.

Dafür offenbaren sich mehrere inhaltliche Schwächen. Dabei trifft Regisseur Lewis Gilbert in diesem Fall gar keine Schuld. Auch, wenn er nicht ganz an die Raffinesse seines Vorgängers Terence Young anknüpfen kann, ist seine Inszenierung deutlich über den Standards des 60er-Jahre-Kinos. Das Drehbuch von Roald Dahl ist hingegen leider reichlich misslungen. Während die ersten 20 Minuten zu unnötig kompliziert die Exposition verzögern, ist auch im späteren Verlauf das Verhältnis aus Entwicklung und Stillstand nie richtig ausbalanciert. Die Actionszenen kommen zu oft aus dem Nichts, die Beziehungen einiger Charaktere unter einander werden nie ganz deutlich und anders als in den Vorgängern fehlt es hier auch viel zu lange an einem vernünftigen Gegenspieler. Außerdem missfällt, dass "Man lebt nur zweimal" kaum noch ein echter Thriller ist, sondern zu seicht und brav von Statten geht. Insgesamt erscheint einem das Spektakel daher oft als harmlos, was für einen Actionfilm den Todesstoß bedeutet. Harmlos ist witzigerweise ein Vorwurf, dem man auch dem weiblichen Cast machen kann. Karin Dor ist als verschlagene Helga Brandt noch recht passabel, doch die beiden Japanerinnen Mie Hama und Akiko Wakabayashi spielen unterdurchschnittlich und lassen den Sex-Appeal des Vorgängers erheblich vermissen.

Sean Connery hingegen schafft das Unglaubliche und liefert als Macho-Geheimagent seine nächste grandiose Leistung ab. Sein vorzügliches Spiel hält den Zuschauer lange bei Laune, auch wenn er insgesamt ein wenig unter dem größten Schwachpunkt dieses Filmes leidet: der Routine. Obwohl erst der fünfte Bond, wirkt "Man lebt nur zweimal" stellenweise, als würde er zum x-ten Mal dieselbe Handlung auf dieselbe Art und Weise erzählen. Daran mag es wohl auch liegen, dass trotz der aufwendigen und stark gefilmten Actionszenen nie so richtig Begeisterung für das Geschehen aufflammt. Unterhaltsam ist das alles, doch es nimmt einen nicht mehr so mit, wie es die vorherigen Teile noch so grandios taten. Dafür ist das Schlussdrittel aber umso überzeugender. Das Vulkan-Set raubt einem regelrecht den Atem, doch was Gilbert dann daraus macht, ist umso famoser. Der Showdown ist eine waschechte Kriegsschlacht zwischen Ninjas und Soldaten, ein unerwartetes Crescendo voller Bombast. Das diese dabei nicht so verpufft wie die meisten vorherigen ist dann natürlich noch Donald Pleasance zu verdanken. Konnte der fürchterlich blasse Teru Shimada als Mr. Osato im Vorfeld den Job des Schergen nicht gerecht werden, ist Pleasance als Ernst Stavro Blofeld endlich der ersehnte Gegenspieler, der mit seinem größenwahnsinnigen Auftreten ein wenig Feuer in die Sause bringt. Und wenn James am Ende mit einer Dame im Arm den harterkämpften Sieg feiert und uns die Macher noch einen amüsanten "britischen" Schlusslacher der besten Sorte präsentieren, kann ihnen für die paar Längen und Unstimmigkeiten der letzten zwei Stunden auch wirklich niemand mehr böse sein. Oder?

Fazit: "James Bond 007 - Man lebt nur zweimal" hat sicher nicht mehr die filmische Qualität seiner Vorgänger und Lewis Gilbert ist als Regisseur längst nicht so perfekt für die Reihe, wie Young und Hamilton es gewesen sind. Das wahre Problem ist aber die Routine. Echte Innovation ist Mangelware und irgendwie wird man das Gefühl nicht los, das alles schon tausendfach gesehen zu haben. Mit Connery als Fels in der Brandung und dem atmosphärisch gelungenen Aufbau durch Ken Adam und John Barry weiß man sich aber glücklicherweise lange genug durch die einfallslose Handlung zu helfen, bis man dann in der letzten halben Stunde doch noch mal mit einem exorbitantem Showdown entschädigt wird, der einen schlagartig wünschen lässt, sich direkt im Anschluss erneut mit Superagent James Bond in geheime Mission zu begeben. Schade, dass Connery das damals selbst allerdings anders sah und bereits während der Dreharbeiten ankündigte, im nächsten Sequel zur Reihe nicht mehr mitspielen zu wollen. Doch auch wenn besonders er für den Spaß der Filme ein unheimlich wichtiger Bestandteil war, zweifelte niemand daran, an einer alten Weisheit festzuhalten: James Bond Will Return!
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8. März 2015 01:14

James Bond 007 - Im Geheimdienst ihrer Majestät

No no no, Mr. Bond. Respectable baronets from the College of Heralds do not seduce female patients in clinics.

Ein rauchender Gentleman fährt mit seinem Auto eine Landstraße entlang und wird von einer Frau überholt, die er kurz darauf ein zweites Mal sieht, wie sie sich in den Fluten des Meeres das Leben nehmen will. Nach ihrer Rettung werden die beiden von zwei Männern attackiert, mit denen der Mann es in einem harten Kampf aufzunehmen weiß. Doch kaum hat er beide eindrucksvoll niedergeschlagen, sitzt die Frau wieder hinter dem Steuer und rast davon. "This never happened to the other fellow", sagt er noch, während er ihr nachschaut. Ob es Sean Connery so ergangen wäre, ist eine interessante Frage. Fest steht aber, dass sich sein Nachfolger George Lazenby einen besseren Einstand als diese fünf Minuten nicht hätte wünschen können. Eine schöne Frau, brutale und dynamische Action und ein ironischer Gag zum Schluss. Bereits hier vereint "Im Geheimdienst ihrer Majestät" alles, was Bond in den Vorgängern ausmachte. Eine Qualität, die auch der Hauptfilm nach dem Vorspann zu halten weiß.

Mimisch kann das ehemalige Model Lazenby nicht mit seinem großen Vorgänger mithalten und dank mangelnder Schauspielerfahrung wirkt er in einigen Szenen etwas unbeholfen. Dies "verdankt" er allerdings zwei der größten Stärken dieses Filmes. Eine von beiden ist Diana Rigg, mit der er sich im ersten und letzten Drittel die Leinwandpräsenz eigentlich teilt. Und das ist gut so, denn ihre Tracy Di Vicenzo ist kein einfaches Püppchen, sondern eine emanzipierte Frau und die erste starke weibliche Persönlichkeit im Bond-Franchise. Die Aura des Charakters, aber auch ihre interessanten Eigenschaften und das Talent Riggs machen spürbar, was Lazenby selbst nicht darstellen konnte. Bond verliebt sich schließlich tatsächlich in diese Frau. Und Regisseur Peter Hunt gelingt es, dies nur durch Bilder greifbar zu machen. Da er sich fast fünfzig Minuten anfangs nur für die Liebesgeschichte Zeit nimmt, bekommt die Beziehung zwischen Bond und Tracy eine emotionale Dichte, die für Bond-Filme absolut unnormal erscheint. Doch es funktioniert und Louis Armstrongs Ballade "We have all the time in the world", gelegt über eine Parallelmontage mit Ausschnitten aus deren Annäherung, macht hier eine Verbundenheit deutlich, die der Zuschauer dem Film zu jedem Zeitpunkt abkauft.

Doch auch der lange Mittelteil, in dem Tracy keine Rolle spielt und Bond sich auf geheime Mission begibt, ist grandios gelungen. In den Schweizer Alpen trifft 007 erneut auf seine Nemesis Blofeld, der hier von Telly Savalas, bekannt aus "Kap der Angst - Ein Köder für die Bestie", gespielt wird, eine Besetzung, die sich als ideal beschreiben lässt und ein weiterer Schauspieler, der Lazenby mit Mühe an die Wand spielen kann. Genau wie sein Vorgänger Donald Pleasance spielt Savalas das wahnsinnige Genie mit überbordender Gigantomanie. Ansonsten lässt Hunt hier ebenfalls keine Wünsche offen. Der ironisch-süffisante Humor sitzt, die Dialoge sind spritzig, prickelnd und zweideutig, die Bedrohung banal, aber von gewaltigem Ausmaße, die Settings kreativ und extravagant und in der Action übertrifft er sich und die bisherigen Standards des Franchises noch einmal selbst. Die Skiverfolgungsjagden sind ein Triumph der Stuntmänner. Was man hier auf die Beine stellt, ist kaum in Worte zu fassen und setzte zweifellos Maßstäbe. Von den Kameraperspektiven über den Schnitt bis in die visuellen Tricks, hier stimmt alles bis in Detail. Und bei einer folgenden Verfolgungsjagd über eine Stock Car Rennstrecke bietet Hunt auch noch eine der lustigsten Actionszenen der Reihe.

Was dann im Showdown passiert, ist aber eine wahre Überraschung. Denn die Stürmung der Alpenfestung verkommt unter der Regie doch glatt zu einem Spektakel, dem man die eigentlich Bond-untypische Epik - auch durch die winterliche Atmosphäre - nicht absprechen will. Blofeld wird zu dem Drachen stilisiert, den der edle Ritter erst erschlagen muss, bevor er die holde Maid in Nöten in die Arme schließen kann. Unterlegt von dem mal wieder wunderbaren Soundtrack von John Barry, der verschiedene Leitthemen immer wieder geschickt arrangiert, stößt die Bond-Reihe hier in neue erzählerische Sphären vor. Auch das ungewöhnliche Ende bietet etwas für Bond völlig neues: Tragik. Am Ende sehen wir nicht mehr und nicht weniger als einen der fiesesten und undankbarsten Abschlüsse der Filmgeschichte, der sich anfühlt wie ein Tritt tief in die Magengrube. So ganz wird man den Eindruck aber nicht los, dass diese Szene vermutlich besser an den Anfang des siebten Bondfilmes gehört hätte. Doch so oder so ist dieser Moment grandios gemacht - insbesondere da dank intensiven Trainings Lazenby hier seinen stärksten Auftritt hat und seine Mimik dem Zuschauer doch in der Tat die ein oder andere Träne abverlangen kann. Hätte er etwas mehr von der Performance vorher gezeigt, "Im Geheimdienst ihrer Majestät" hätte die wenigen schwachen Momente (oft im Zusammenspiel mit der Standard-Crew Bernard Lee, Lois Maxwell und Desmond Llewelyn als M, Miss Moneypenny und Q) wohl nicht gehabt.

Fazit: Peter Hunt, der vorher als Cutter für das Franchise arbeitete, zeigt mit "Im Geheimdienst ihrer Majestät", dass er auch als führende Kraft hinter der Kamera genau weiß, was richtig für Bond ist. Wirkte der Vorgänger "Man lebt nur zweimal" noch teilweise, als würde sich die Erfolgsformel langsam abnutzen, zeigte Hunt auf, dass es immer mal wieder kleine Änderungen und Überraschungen brauchte, um Bond frisch und lebendig zu erhalten. Leider sah dies das Publikum 1969 anders. Der Film brauchte 5 Monate, um sein Budget von 12 Millionen Dollar einzuspielen und George Lazenby wurde von den Zuschauern nicht als Nachfolger Connerys akzeptiert, weswegen dies bis heute sein einziger Einsatz als 007 blieb. Dass seine mimisch schwache Leistung nicht sonderlich lobenswert war, mag zwar ein Fakt sein, dennoch kann sich Lazenby zumindest eines in den Lebenslauf schreiben: in einem der besten Bonds aller Zeiten mitgewirkt zu haben. Dieser überlange Film ist das Ergebnis von zwei Jahre langer harter Arbeit und ein wahnsinniger Actioncocktail mit schneeweißen Winterbildern. Ein Film, der auch heute noch aufregend und mitreißend wirkt. Und dessen Ende selbst Männer zum Weinen bringen wird.
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8. März 2015 01:15

James Bond 007 - Diamantenfieber

That's quite a nice little nothing you're almost wearing. I approve.

Ein Film über Goldfingers Zwillingsbruder statt über die Rache an Blofeld? Was erst wie ein schlechter Scherz klingt, wäre beinahe Realität geworden. Ohne Peter Hunt als Regisseur und George Lazenby als Hauptdarsteller dachten die Produzenten Harry Saltzman und Albert R. Broccoli gar nicht daran, einen richtigen Nachfolger zu "Im Geheimdienst ihrer Majestät" zu produzieren. Stattdessen wollte man wieder zu alten Glanztaten wie "Goldfinger" zurück und engagierte daher gleich den Regisseur dieses Filmes: Guy Hamilton. Der konnte sogar Sean Connery zurückgewinnen, welcher für eine enorme Summe zusagte, die Bond-Rolle noch einmal zu übernehmen. Im Entwicklungsprozess blieb es zwar dabei, den Vorgänger nicht wirklich fortzusetzen und den Cliffhanger in den ersten 5 Minuten aufzulösen, der Goldfinger-Zwilling ist Gott sei Dank aus dem Script verschwunden. Dieses hält allerdings dafür noch ein paar andere Inhalte parat, die nicht unbedingt als kreativer zu bezeichnen sind...

... eher als lächerlich. Natürlich ist "Diamantenfieber" ein Kind der 70er Jahre, doch in diesem Fall entschuldigt das nicht wirklich viel. Schon in den vorherigen Bond-Filmen ging es nie um Logik oder realistische Geschichten, doch der Plot dieses Filmes muss als Frechheit bezeichnet werden. 90 Minuten lang jagt Bond einem uninteressanten Schmugglerring nach, der ganz offensichtlich völlig konfus aufgebaut ist, nur, damit man uns in der letzten halben Stunde klar machen will, dass dahinter angeblich ein Weltbedrohungsszenario steckt. Viele Nebenfiguren treten auf, bleiben aber nie sonderlich lange und haben auch nichts, was sie wirklich erinnerungswert macht. Den meisten Dialogen meint man sogar anzumerken, dass die Macher hier ohne großen Elan oder Spaß am Werk waren, selbst einige gute Witze zünden nicht, ansonsten bleiben aber auch viel zu viele schlechte Jokes. Gefahrensituationen werden zudem eindeutig ohne Zusammenhang zur Story eingebaut, mit dem Ziel, einfach mal ein wenig Action präsentieren zu können. Wobei dies sicher sogar noch in Ordnung wäre, wenn dafür diese wenigstens gut wären. Doch Fehlanzeige: die beiden großen Autoverfolgungsjagden durch die Wüste und Las Vegas werden lustlos aneinander geschnitten, ein Kampf zwischen Bond und zwei Amazonen ist eine dramatische Peinlichkeit für die Reihe und der Massen-Showdown ein ermüdendes Gefecht, dass nicht an die großen Schlachten eines "Feuerball" oder "Man lebt nur zweimal" heranreicht. Einzig ein Faustkampf in einem fahrenden Fahrstuhl überzeugt und das sagt auch schon alles.

Nebenbei enttäuscht auch das große Comeback der Reihe. Sean Connery wirkt nach Lazenbys Darbietung zwar wie eine Offenbarung, verliert mit Bierbauch in diesen oft stark konstruierten Dialogen aber stark an charismatischer Erscheinung. Jill St. John als Bond-Girl Tiffany Case bleibt ebenfalls blass und hat wenig Möglichkeiten, etwas Sex-Appeal zu beweisen. Auch die kleineren Nebenrollen, wie beispielsweise der bereits bekannte Felix Leiter, den dieses Mal Norman Burton verkörpert, können nicht so recht begeistern, sind aber insgesamt schon passend besetzt, auch wenn grade im Falle von Burton ein etwas auffälligerer Typ Mann nett gewesen wäre. Wirklich gut ist auf Seiten der Hauptdarsteller nur Charles Gray, der den Fiesling mit kühler Arroganz spielt und besonders in den Aufeinandertreffen mit Bond seine Dominanz gut zeigen kann. Zwar hat auch er Momente, die seine Figur zum Abschuss freigeben, doch kommt er aus der Chose letzten Endes am besten heraus. Eine wahre Meisterleistung, welche man fairerweise klar erwähnen muss, sind die Charaktere Mr. Wint und Mr. Kidd. Zwei schwule Auftragskiller, dargestellt von Bruce Glover und Putter Smith, bekommen nicht nur die besten Szenen, sondern haben sichtlichen Spaß an ihren Rollen. Immer, wenn sie auftauchen, hat man plötzlich Freude an "Diamantenfieber".

Ansonsten bleibt diese leider aus. Hamilton bekommt überhaupt keine klare Linie in seinen Film. Man mag gar nicht glauben, dass er den viel viel besseren "Goldfinger" inszeniert hat. Direkt das Intro ist bereits dermaßen einfallslos und ungelenkt, dass einem schnell der Spaß an dem vergeht, was folgen mag. Dass der Vorgänger einfach ignoriert wird, mag hier geschenkt sein, aber das eigentliche Abenteuer unterhält nicht, hat kein Ziel und ist voll gestopft mit unnötigen Füllerszenen (ganz schlimm: ein ewig langer Zirkusbesuch). Spannung kommt daher auch nicht so recht auf, besonders im letzten Drittel gähnt man nur noch ein paar Mal müde vor "Bewunderung" für das Gebotene. Dennoch gibt es spannende Momente, denn "Diamantenfieber" bezieht diese eher aus kleineren Einzelmomenten, als aus dem großen Ganzen. Das geht selten auf, da wie erwähnt die Action schwach ist, sorgt aber doch für gute Momente, wenn Bond in einem Bestattungsinstitut die letzte Reise angeht oder plötzlich zweimal der gleiche Schurke vor Bond steht. Leider passieren solche Momente zu selten. Traurig ist auch, wie John Barry versucht, Tempo in die lahmarschigen Aktionen zu bekommen. Sein Score ist nicht schlecht, passt aber witzigerweise genau deshalb so gar nicht zum eigentlichen Film, der uninspiriert bekanntes wiederholt und in völlige Routine verfällt.

Fazit: Tja, man will ja selbst eigentlich jeden Film loben können. Aber mit "Diamantenfieber" machen es einem die Beteiligten doch wirklich nicht einfach. Was gefällt? Der Oberbösewicht, mehr aber seine "tuntigen" Gehilfen überzeugen, es ist schön, Connery noch ein allerletztes Mal als 007 zu sehen und hin und wieder ist mal eine Szene dabei, in der man überrascht mitfiebert. Reicht das aus? Nein. Was gefällt nicht? Der ganze Rest. Der Humor kommt nicht wirklich im Film an, für die meisten Charaktere gilt dasselbe, die Handlung ist nett gesagt unverschämt schlecht, die Action ist, den sechs in dieser Hinsicht stets überzeugenden Vorgängern, nicht einmal handwerklich ebenbürtig und die Dialoge dürften schon in den frühen 70ern bei den meisten Zuschauern ungewolltes Fremdschämen erregt haben. Oft ist man ja durchaus gewillt, ein Auge zuzudrücken, doch "Diamantenfieber" begeht leider das schwerste Verbrechen überhaupt am Publikum: er langweilt. Und das nicht zu knapp.
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1. April 2015 18:16

James Bond 007 - Leben und sterben lassen

Just testing an old adage: "Unlucky at cards..."

Burt Reynolds, Robert Redford, Julian Glover, John Gavin, Paul Newman, Jeremy Brett und viele weitere wurden in Betracht gezogen, um in riesige Fußstapfen zutreten, denn als die wilden 60er vorbei waren und Sean Connery nach "Diamantenfieber" endgültig die Rolle seines Lebens abgab, waren sich Kritiker und Presse einig: James Bond ist tot! Guy Hamilton, der bereits bei "Goldfinger" und "Diamantenfieber" Regie führte, sollte mit dem achten Teil der Reihe beweisen, dass dem nicht so war. Die Wahl für Connerys Nachfolger fiel schließlich auf den britischen TV-Star Roger Moore, der 1962 bereits für die Rolle in "007 jagt Dr. No" vorgesehen war. Mit weiteren internationalen Stars, aufwendigen Actionszenen und einer frischen, sich deutlich von den Vorgängern abgrenzenden Story, kam "Leben und sterben lassen" 1973 in die Kinos. Doch eine Frage blieb: Wie würde Moore als James Bond 007 funktionieren?

Die Antwort darauf ist schnell gefunden: fantastisch! Allerdings deshalb, weil sich die Produzenten Albert R. Broccoli und Harry Saltzman einen radikalen Schnitt trauten und die Bond-Figur komplett an den neuen Hauptdarsteller anpassten. Oberflächlich betrachtet ließ man zwar nur den Hut weg und ließ ihn Zigarren statt Zigaretten rauchen, doch wo Connery den eiskalten Pragmatiker in Person verkörperte, einen Mann, der Frauen gleichermaßen verführen wie ermorden konnte und seine Darstellung allgemein etwas animalisch-wildes hatte, legt es Moore in seiner Interpretation viel mehr auf die britischen Züge der Figur an. Seine etwas steife Performance lässt Bond zu einem stilsicheren Engländer werden, der gleichermaßen Snobismus wie Kultiviertheit ausstrahlt, welche Moore selbst mit einem Hauch leiser (Selbst-)Ironie verknüpft, die humoristisch weit weg von der bitterschwarzen und zynischen Art Connerys angelegt ist. In den weiteren Hauptrollen überzeugen außerdem Yaphet Kotto als zwielichtiger Kananga und Jane Seymour, die den perfekten Ton zwischen sinnlicher Erotik und unschuldiger Jungfräulichkeit hinbekommt. Besonders gut sind Kotto und Seymour im Zusammenspiel, da sie sich (für Bond) ungewöhnlich viele Szenen teilen.

Die Handlung für den neuen 007 erinnert in ihren Grundzügen an den Erstling der Reihe, verzichtet jedoch völlig auf ein Weltbedrohungsszenario und trotz Karibik-Kulisse auf die exotisch-globale Optik. Hamilton gibt sich reichlich Mühe, besonders in der ersten Hälfte den Eindruck zu erwecken, dass man es wie nie zuvor mit einem eher geerdeten und nüchternen Detektivabenteuer zu tun hat. So dauert es über eine Stunde bis zur ersten Actionszene und thematisch handelt der Film eben eher von der New Yorker Unterwelt und dem organisierten Drogengeschäft, als von Super-Lasern und geklauten Atombomben. Auf der einen Seite eine willkommene und nötige Abwechslung, allerdings auch ein Grund dafür, dass "Leben und sterben lassen" etwas braucht, um in Fahrt zu kommen und anfänglich nur durch die vorsichtigen Voodoo-Elemente etwas Spannung erzeugt. Selbst der Soundtrack, der hier erstmals nicht von John Barry, sondern Beatles-Produzent George Martin stammt, verzichtet auf große epische Stücke, sondern eher auf atmosphärische Melodien. Der achte Bond-Film erscheint tatsächlich deutlich kleiner und bescheidener und kommt damit im Kontext der Reihe wie ein vollständiger Neubeginn daher. Und nach etwa 65 Minuten vermag dieser dann auch wirklich zu zünden. Man hat sich an Moore und den neuen "leichteren" Stil gewöhnt und mit der ersten Verfolgungsjagd mit einem Doppeldeckerbus kommt richtig Fahrt auf, wobei besonders erfreulich ist, dass Hamilton alle Actionszenen sehr ruhig mit Totalen filmt und ohne große Schnitte hantiert und auch die Musik meistens fehlt, um das Augenmerk ganz auf die großartige Stuntarbeit zu konzentrieren.

Allgemein ist die zweite Hälfte des Filmes eine vorzügliche Aneinanderreihung verschiedener Episoden, die ihren Höhepunkt zweifellos in einem der Actionhighlights der Reihe findet: einer kolossalen Bootsfahrt, die in der Hinsicht bemerkenswert ist, als das sie nicht Bond, sondern den ulkigen und heute noch urkomischen Sheriff Pepper, gespielt von Komiker Clifton James, in den Vordergrund stellt und so dessen absurden Charakter nutzt, um mal einen anderen Blick auf das Ausmaß Bondscher Verfolgungsjagden zu erhalten. Hamilton beweist hier ein unglaublich ausgeprägtes Gespür für Tempo, Rhythmus und Atmosphäre, die besonders im Finale noch einmal richtig zunimmt. Drei Elemente sollten außerdem besonders gewürdigt werden: David Hedison ist der erste Darsteller der Reihe, dem es gelingt, aus Felix Leiter eine interessante Nebenfigur zu machen, Julius W. Harris als Henchman Tee Hee ist eine genial absurde Figur, die sich perfekt in den für Bond typisch bunten Unfug einfügt und Bonds Ausflug auf eine Krokodilfarm, die in einem der beeindruckendsten Stunts der Filmgeschichte endet, lässt einen heute noch die Luft anhalten. Etwas enttäuschend ist eigentlich nur, dass in Form von Rosie Carver (süß: Gloria Hendry) der Film es sich dann doch nicht nehmen lässt, eine zu offensichtlich dämliche Figur in die Handlung zu quetschen und diese selbst hin und wieder die Frage aufwirft, was ein britischer Agent eigentlich mit einem amerikanischen Drogenbaron zu tun hat. Auffällig ist auch, wie sehr die Kleidung im Film von den 70er-Jahren geprägt ist, was Hamiltons dritten Streich heute leider etwas weniger zeitlos wirken lässt, als andere 007-Abenteuer.

Fazit: Auch wenn "Leben und sterben lassen" anfänglich längere Zeit braucht, um in die Gänge zu kommen, genießt der Zuschauer besonders die zweite Hälfte des Filmes und lässt sich von den Actionszenen und all den üblichen Bondschen Elementen, so wie durch einen der besten Casts der Reihe begeistern. Roger Moores Einstand als 007 glückt insbesondere durch den feinen, aber großzügig pointierten Humor, die spritzige Mischung, die Hamilton nach seinem vorherigen Fehlgriff "Diamantenfieber" erstaunlicherweise wieder perfekt zu beherrschen scheint und den Sonderstatus, den dieser Film aufgrund seiner gewollten Andersartigkeit in Bezug zu den früheren Connery-Filmen, innerhalb der Reihe einnimmt. Die Produzenten konnten glücklich sagen: "Patient lebt, ist hellwach und wieder auf den Beinen!" Die Welt hatte einen neuen 007.
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2. April 2015 20:40

James Bond 007 - Der Mann mit dem goldenen Colt

I like a girl in a bikini. No concealed weapons.

Schon bei den Dreharbeiten zu "James Bond 007 - Man lebt nur zweimal" 1966 hatten die Produzenten Harry Saltzman und Albert R. Broccoli die Idee, Ian Flemings letzten James Bond Roman "Der Mann mit dem goldenen Colt" zu verfilmen. Doch erst 1973, als der dritte 007-Darsteller Roger Moore mit "Leben und sterben lassen" sehr erfolgreich vom Publikum und den Kritikern angenommen wurde, sollte das Projekt wirklich in Angriff genommen werden. Die Grundhandlung folgt dabei wie schon in der Romanvorlage einem interessantem Gedanken: Wie sähe ein Duell zwischen James Bond und einem ihm absolut ebenbürtigen Kontrahenten aus? Zwar zieht Regisseur Guy Hamilton, der hier zum vierten und letzten Mal inszenierte, diese spannende Idee nicht immer konsequent durch, ein unterhaltsamer zweiter Auftritt Moores kommt am Ende dabei aber - trotz einiger Schwächen - dennoch zustande.

Das Motiv des Widersachers Scaramanga als "böses Spiegelbild" von James Bond ist ein ungemein packender Aufhänger. Und wie Hamilton mit einfach und effektiven Mittel diesen am Anfang aufzieht ist so clever gemacht, dass man allein daran seinen Spaß haben kann. Schon im raffinierten Intro des Filmes wird Christopher Lee in seiner Rolle als Schurke viel Platz gegeben, seine eigene Interpretation der Bondfigur zu präsentieren und seine schauspielerische Begabung im Zusammenspiel mit seiner enormen Leinwandpräsenz machen aus Scaramanga einen interessanten Villain, der mit dem kleinwüchsigen Nick Nack, gespielt von Hervé Villechaize, auch einen nicht minder interessanten Nebenpart verpasst bekommt. Besonders die etwas andere Beziehung zwischen Nick Nack und Scaramanga bleibt ziemlich undurchsichtig, was jedoch durchaus in diesen Film hineinpasst. Denn anders als in der Vorlage findet der Großteil der Handlung im asiatischen Hongkong statt und Hamilton nutzt dies, um ähnlich wie schon Lewis Gilbert mit Japan in "Man lebt nur zweimal" ein wenig von dem Flair und Kultur des Landes einzufangen. Sehr gelungen ist ihm dabei das Erschaffen einer fernöstlichen Atmosphäre, die durch Szenen wie die im prunkvollen Garten voller Statuen greift und auch enorm von John Barrys geheimnisvollem musikalischen Thema getragen wird.

Die Geschichte selbst ist insgesamt wohl recht konstruiert und eher schwach, aber wie immer bei Bond nur ein Mittel zum Zweck für eine Reihe amüsanter Momente. Und mit amüsant trifft man es hier wieder einmal ziemlich eindeutig: Roger Moore, der von Natur aus mit einer komödiantischen Erscheinung gesegnet wurde, hat als 007 zwar auch harte Momente, ist insgesamt aber eher der britische Draufgänger, der sich ein wenig durch das Abenteuer schummelt. Toll wirken daher Szenen, in denen Hamilton zeigt, dass sein Film sich bewusst nicht sonderlich ernstnimmt, den Höhepunkt erreicht das bei der Rückkehr von Clifton James als Sheriff Pepper, der diesmal noch mehr aufdreht, als im Vorgänger. Die Actionszenen sind dabei durch die Bank weg für einen Bond eher bescheiden und bieten keine echten Höhepunkte, sind dafür aber elegant gesetzt und flüssig inszeniert. Spaß macht "Der Mann mit dem goldenen Colt" eigentlich durchgehend, obwohl verglichen mit einigen Vorgängern recht wenig aktives passiert. Man merkt schnell, dass die Bondformel eben mittlerweile sehr ausgereift ist und dramaturgisch einwandfrei funktioniert. Charmant sind Szenen wie Bonds Besuch beim Waffenfabrikanten Lazar und ein Genuss sind alle seine Begegnungen mit Scaramanga, die ein paar wahre Dialogperlen in den Mund gelegt bekommen. Dass das ganze eher von Lees und Moores Spiel lebt, als von der Handlung selbst, ist dabei zweitrangig, da der Unterhaltungswert sitzen muss und da Hamilton seinen Film in einem höchst angenehmen Tempo erzählt, gibt es hier keinerlei nennenswerte Probleme.

Hin und wieder schwächelt "Der Mann mit dem goldenen Colt" dann aber leider doch. Besonders auffallend bei den beiden weiblichen Hauptrollen und einigen überflüssigen Nebencharakteren sowie der Handlungsentwicklung. Maud Adams hat so als Miss Anders die undankbare Aufgabe, für die überraschende Wendung des Filmes zu sorgen, die leider aber viel von der vorher aufgebauten Bedrohung durch Scaramanga zu Nichte macht und bleibt selbst ansonsten zu substanzlos. Ähnlich ergeht es Charakteren wie dem Gangsterboss Hai Fat, der ebenfalls für einen Kniff sorgt, den der Film eigentlich nicht gebraucht hätte und die vorherige Gefahr (Morddrohung eines tödlichen Killers) zu Gunsten eines simplen MacGuffins verwässert, der dann noch nicht einmal zünden will. Hier wäre es besser gewesen, diesen inhaltlichen Teil komplett zu streichen und Bond lieber nur in ein Katz- und Mausspiel mit seinem Antagonisten zu verwickeln, was man Hamilton angesichts des stark gemachten Showdowns, der abwechslungsreich gestaltet wurde und spannende Sequenzen gekonnt aneinander reiht, allerdings verzeihen mag. Völlig unverständlich sind dafür die von Soon-Tek Oh und Britt Ekland gespielten Charaktere Hip und Mary Goodnight. Beide sind für die Geschichte leider absolut überflüssig und sollten wohl für den komischen Aspekt sorgen, strapazieren mit ihrem auffallend dummen Verhalten allerdings auf Dauer nur die Geduld des Zuschauers und sind beide auch leider ziemlich schwach gespielt.

Fazit: Wie schon bei dem Klassiker der Reihe - "James Bond 007 - Goldfinger" - ist auch Hamiltons letzter Serienbeitrag besonders dann richtig spannend, wenn entweder der Held oder sein Feind zentral im Fokus des Geschehens stehen und sich alles ganz auf sie konzentriert. Immer dann, wenn der Fokus ein wenig in eine andere Richtung gelenkt wird (der überflüssige MacGuffin oder die vielen Nebenfiguren), merkt man als Zuschauer zu offensichtlich die im Kern stark banale Geschichte. Da Hamilton aber glücklicherweise sich seiner Stärken bewusst ist, bekommt der geneigte Zuschauer auch mit "Der Mann mit dem goldenen Colt" das gewohnte Aufgebot an Spannung, Spaß, Sex und Stil, das durch die bewährten Erfolgszutaten immer noch zu zünden vermag, aber schlussendlich nicht den entscheidenden Funken überspringen lässt, um auf einem Niveau mit einigen der ganz starken Vorgängern mitzuspielen. Wer diese jedoch mochte, kann auch mit dem neunten Ableger der Reihe nicht sonderlich viel falsch machen.
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6. Mai 2015 00:40

James Bond 007 - Der Spion, der mich liebte

Well, well... a British agent in love with a Russian agent. Détente, indeed.

Nach Harry Saltzmans Rückzug 1975 war Albert R. Broccoli schlagartig alleiniger Produzent des James-Bond-Franchises. Der zehnte Bondfilm sollte pünktlich zum 15-jährigen Jubiläum erscheinen und nicht nur der spektakulärste, sondern der beste Bond-Film aller Zeiten werden. Mit dem alten Bond-Veteranen Lewis Gilbert ("James Bond 007 - Man lebt nur zweimal") auf dem Regiestuhl und einer großartigen Geschichte, die mitten im kalten Krieg von einer anglo-sowjetischen Kooperation gegen einen größenwahnsinnigen Weltenzerstörer erzählt, wollte Broccoli der Welt und sich selbst beweisen, dass er auch alleine einen Bond stemmen kann. Das Ergebnis ist nicht nur ein umwerfender Bond-Film, der das beste aus den vorherigen 15 Jahren beinhaltet, sondern auch heute noch wohl zu den großartigsten Unterhaltungsfilmen überhaupt gezählt werden kann.

Die Bedrohung des Filmes ist immens, das Verschwinden gut bestückter Atom-U-Boote ein Albtraumszenario sondergleichen. Doch wie immer dient selbst eine solche Katastrophe bei Bond nur als Aufhänger für eine perfekte Mischung aus Spaß und Action. Und Action gibt es hier mehr als jemals zuvor. Wo Vorgänger wie "Feuerball" oder "Im Geheimdienst ihrer Majestät" sich durch ihre Tauch-/bzw. Skiszenen auszeichneten, sind solche in Gilberts Film nur kurze Sequenzen eines beeindruckenden Ganzen. Bond jagt die Alpen hinunter, rast mit einem Lotus Esprit über den Asphalt, schlägt sich über die Dächer Kairos und rettet scheinbar im Vorbeigehen mal eben die gesamte Menschheit. Roger Moore als Bond ist ein unantastbarer Superheld, aber einer, der sich seinen Sieg hart erarbeiten muss. Als ewigen Kontrahenten bekommt er hier Richard Kiel als Jaws gegenüber gestellt, der sich mit einem Metallgebiss und einer beängstigenden Größe von mehr als zwei Metern als unüberwindbare Hürde erweist. Wenn er auftaucht, hält man den Atem an und genießt die packenden Aufeinandertreffen mit ihm und Bond. Wenn Jaws ein ganzes Auto mit seinen Händen zerlegt und sogar Haiangriffe und Explosionen überlebt, hat das mit der Realität überhaupt nichts mehr zu tun und ist völlig überzeichnet, aber dabei eine konsequente Weiterentwicklung von Charakteren wie Tee Hee oder Oddjob aus den Vorgängern. Dem Zuschauer wird klar: Jaws ist unbesiegbar - und eben deshalb der einzig wahre Gegner für 007.

"Der Spion, der mich liebte" ist ein Film der Superlative: Neben einem göttlich-starken Antagonisten und einem möglichen Untergang der menschlichen Rasse sind mit Kairo, Sardinien und den österreichischen Alpen auch ein paar der schönsten Locations der Welt vertreten, doch sie alle können Barbara Bach nicht die Show stehlen. Als russische Agentin spielt sie nicht nur überraschend stark und sowohl humorvoll als auch intelligent, sondern zieht durch ihre hinreißende Attraktivität alle Blicke auf sich. Curd Jürgens erreicht derweil als Bondgegner Stromberg die Aura eines verrückten Professoren und übertrumpft mit seinen gigantomanischen Blicken sogar Vorgänger wie Gerd Fröbe oder Telly Savalas. Was Gilbert jedoch besonders herausragend gelingt, ist, seine comichaften Figuren in eine temporeiche Erzählung zu bekommen, die ungemein effizient ist. Immer passiert irgendwas, kein Dialog, keine Einstellung bringt die Leinwand zum stehen, Bond ist stetig am Ermitteln und erfährt ständig neues, rutscht von einer Gefahr in die nächste. Potenzielle Situationen werden angedeutet (wie ein todbringender Fahrstuhl) und mit den erschaffenen Erwartungen wird sagenhaft gespielt, der Soundtrack von Marvin Hamlisch unterstreicht stets mit der gleichen Ironie das Geschehen, welches Moore an den Tag legt und dessen Oneliner erreichen ein neues Höchstniveau. Der Witz ist, dass alles in "Der Spion, der mich liebte" alte Zutaten sind, doch Gilbert bringt diese in ihrer Mixtur mit einem solchen Einfallsreichtum und Rhythmus, dass man meinen könnte, er hätte direkt nach den Dreharbeiten auch noch das Rad erfunden.

Das sollen aber nicht die letzten Superlative gewesen sein. Hatte sich Ken Adam als Produktions Designer schon vorher immer wieder selbst übertroffen, muss man hier wohl neue Begriffe für sein Werk finden. Die Sets sind in der Tat einfach nur sagenhaft und eines Bond-Filmes absolut würdig. Wenn der fantastische Showdown beginnt, steht dort nicht nur alles auf dem Spiel, sondern das Ausmaß der Räumlichkeiten und der beeindruckende Sound machen aus dem Geschehen ein audiovisuelles Erlebnis, wie Gilberts Regie überhaupt sehr einfallsreich daherkommt und durch die wunderbare Kameraarbeit von Claude Renoir noch imposanter wirkt, besonders der Base Jump des Stuntmans Rick Sylvester dürfte in die Annalen der Filmgeschichte eingegangen sein. "Der Spion, der mich liebte" wirkt nicht nur in solchen Momenten wie ein Fazit Broccolis, eine Zusammenfassung der letzten 15 Jahre, eine Ansammlung von Höhepunkten, die lose mit einer "Handlung" verknüpft sind, aber das alles so flüssig und straff inszeniert, dass es geschmeidig wie ein Uhrwerk den Zuschauer unterhält und beinahe applaudieren lässt, sich in einigen Momenten auch ungezügelter Selbstparodie hingibt und gerade deshalb so unverschämt sympathisch ist.

Fazit: Nein, man kann "Der Spion, der mich liebte" einfach nichts vorwerfen. Wer die Vorgänger auch nur ansatzweise mochte, muss diesen Film hier lieben, aber selbst Nicht-Fans sollten mit Gilberts Geniestreich gehörig ihren Spaß haben. Der zehnte Bond macht alles richtig, was man nur richtig machen kann: Umwerfende Locations, hinreißend-attraktive Frauen, ein Koloss von einem Schurken, reichlich Humor, Action von vorne bis hinten und die mögliche Ausrottung der menschlichen Existenz. All diese Zutaten werden nicht etwa überladen präsentiert, sondern fügen sich perfekt ein und ergeben am Ende einen der besten Unterhaltungsfilme aller Zeiten und zugleich den absoluten Höhepunkt der 007-Reihe, der bei all seinen Superlativen schlussendlich selbst den Ultralativ darstellt und damit nicht nur eine Zusammenfassung des Franchises, sondern auch ein kleiner Höhepunkt der Filmgeschichte sein dürfte. Wer hier nicht begeistert mitgeht, wird die Faszination des beliebten britischen Agenten wohl nie begreifen können. Bigger! Better! Bond!
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24. Juli 2015 23:39

James Bond 007 - Moonraker

James Bond. You appear with the tedious inevitability of an unloved season.

"The Sky is not the limit." - Nach dem "Der Spion, der mich liebte" bewiesen hatte, dass die Lust auf neue Abenteuer von Geheimagent 007 größer war als jemals zuvor, war es Produzent Albert R. Broccoli und Regisseur Lewis Gilberts größtes Bestreben geworden, den größten James-Bond-Film von allen ins Kino zu bringen. Auf dem Ende der 70er aufkommenden Sci-Fi-Boom mitreiten wollend, machte man sich an eine Verfilmung von Ian Flemings Moonraker, auch wenn am Ende wie so oft nicht mehr als ein paar Namen aus der Vorlage übrig blieben und das Drehbuch selbst größenteils die Handlung des Vorgängers kopierte und an andere Orte verlagerte. Den Wunsch, alles noch eine Nummer größer anlegen zu wollen, sieht man dem fertigen Resultat nicht nur an, es ist auch das Ergebnis eines 11-Filme-lang andauernden Entwicklungsprozesses von Bond-Filmen, der in "Moonraker" auf lange Sicht seinen spektakulären Höhepunkt finden sollte.

Gilberts "Der Spion, der mich liebte" war in jeder Hinsicht der vollkommene Bond-Film und eindeutig das beste, was man aus der etablierten Bond-Formel machen konnte. An diesem heiligen Gral herumzupfuschen, hatte daher keiner so recht vor und es verwundert wenig, dass die Handlung um einen am Gott-Komplex erkrankten größenwahnsinnigen Weltverbesserer, der hier von Michael Lonsdale ähnlich ruhig und majestätisch wie von Curd Jürgerns zuvor verkörpert wird, nicht groß verändert wurde. Doch wie gehabt gelingt es Gilbert erneut, Action, Humor und Exotik (die drei wichtigsten Zutaten eines Bonds) so gekonnt und einfallsreich zu vermischen, dass die zwei Stunden Laufzeit in Windeseile vergehen und man vom hohen Tempo wieder einmal mitgerissen wird. Dass Roger Moore als James Bond ein absolut würdiger Connery-Nachfolger ist, will hier niemand mehr bezweifeln, seine Selbstsicherheit in der Rolle lässt ihn ungemein überlegen vorkommen und sein Auftreten gestanden wirken und seine ironischen Kommentare sind eh längst zum Markenzeichen seiner Ära geworden. Auch so muss man aber einfach anerkennen, dass es einfach nur ein wunderbar spaßiges Vergnügen ist, den tollen Verfolgungsjagden (besonderes Highlight: eine modifizierte Gondel) und Kampfszenen zuzuschauen, die wie immer den benötigten selbstironischen Touch haben.

Ansonsten ist "Moonraker" zweifelsohne wahrlich der optisch beeindruckendste Bond von allen geworden. Mit den atemberaubend hübschen Frauen bis in kleinste Nebenrollen (Lois Chiles, Corinne Cléry, Emily Bolton, Leila Shenna etc.) besetzt und einigen der beeindruckendsten Locations der Welt, wie Venedig, Rio de Janeiro oder dem Schloss Vaux-le-Vicomte, wird dem Auge ein Fest nach dem anderen präsentiert und die Ausstattung ist wahrlich gigantisch. Dazu kommen die wie immer einfallsreichen Gadgets von Desmond Llewelyns Q, aber noch wichtiger die gigantischen Sets von Ken Adam, der sich in seinem letzten Auftrag für 007 selbst übertraf und seine ganze Kunst noch einmal zur Schau stellte. Man muss zugeben, dass Gilbert, dessen erster 007-Film "Man lebt nur zweimal" noch einige Kinderkrankheiten hatte, das Konzept Bond nun perfekt verstanden hat: Ohne dramaturgische Probleme hetzt er seinen Protagonisten von einer Gefahrensituation in die nächste und einmal um die Welt, bis er ihn im letzten Drittel darüber hinaus sogar in die Weiten des Universums entlässt und "Moonraker" mit den gelungensten Special Effects der 70er ein Finale bietet, dass einen inszenatorisch nur noch ungläubig staunen lässt. Wenn sich das Schicksal der Menschheit plötzlich in ungewohnten Territorien entscheidet und die letzten 20 Minuten dann noch gleich mehrere Wendungen und ein riesiges Gefecht entfesseln, dann ist das Bond im allerbesten Sinne und bildlich festgehaltene Freude. Überhaupt zeigt Gilbert ein Talent dafür, den Zuschauern im Rahmen des Vorhersehbaren zu überraschen, besonders als er eine ungewöhnlich brutale Tötungssequenz einbaut, die ob ihrer Grausamkeit den bekannten Kloß im Hals erzeugt.

Man mag "Moonraker" dank der im Finale völlig ignorierten Logik (die bei 007 allerdings selten relevant war) für überzogen halten, doch wenn es wirklich etwas auszusetzen gäbe, dann eher, dass die spektakulärste Szene (die man für sich als Stärke verbuchen sollte) gleich zu Beginn verpulvert wird: Direkt in den ersten fünf Minuten wartet Gilbert mit der - ohne Übertreibung - besten Stuntarbeit der Filmgeschichte auf. Klar, dass er dies später nicht mehr toppen kann. Auch die musikalische Rückkehr von John Barry verlässt sich dieses Mal etwas zu sehr auf ein großes (tolles) Thema, während die vielen unauffälligeren Melodien immerhin besonders zum Schluss hin zur Atmosphäre und Spannung beitragen. Als größter Störfaktor erweist sich allerdings die wichtigste Kopie aus "Der Spion, der mich liebte": Richard Kiels zweiter Auftritt als Gegenspieler Jaws. Während dieser aus Gilberts vorheriger Arbeit als erschreckend unüberwindbare Hürde in Erinnerung blieb, wird er hier leider zum Pausenclown degradiert und reichlich erzwungen in die Handlung reingequetscht (so kommt es mit ihm zur überflüssigsten Actionszene der gesamten Reihe: einer zweiten (!!) Bootsverfolgungsjagd), zumal der Slapstick-Humor um ihn herum immer eine Spur zu viel des guten ist. Am Ende macht das alles nicht so viel, da "Moonraker" immer noch ein mitreißendes Stück Film ist, doch unterscheiden diese kleineren Probleme "Moonraker" dann eben vom meisterhaften Vorläufer.

Fazit: Das deftige Budget von etwa 30 Millionen Dollar sieht man zu jeder Sekunde auf der Leinwand. Doch der wahre Verdienst von "Moonraker" liegt besonders in den Personen Roger Moore, Lewis Gilbert und Ken Adam begründet, die auf dem Höhepunkt ihres Könnens vielleicht durch die etwas zu großen Ähnlichkeiten zu "Der Spion, der mich liebte" nicht das zweite ganz große Meisterwerk zu Stande brachten, dank eines optisch überragenden und temporeichen Abenteuers auf mehreren Kontinenten allerdings dafür ein kleines Meisterwerk schufen, dass ohne Frage zu den besten Bond-Filmen gezählt werden kann und neben dem Protagonisten selbst auch die Reihe finanziell in ganz neue Sphären vordringen ließ. Da kann man sich nur eines wünschen: Take us around the world one more time, James.
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30. Juli 2015 19:33

James Bond 007 - In tödlicher Mission

I love a drive in the country. Don't you...?

Willkommen in den 80ern, 007! Nach "Moonraker", in dem der beste Geheimagent ihrer Majestät sogar die Tiefen des Universums erkunden durfte, ging es 1981 für Roger Moore in seinem fünften Einsatz als James Bond zurück auf die Erde in die Mittelmeerregion Europas. Lewis Gilbert, der mit den beiden direkten Vorgängern zwei der wohl bis dato spektakulärsten Bonds abgeliefert hatte, wurde für den nun schon zwöflten Streich unter Produzent Albert R. Broccoli durch Bond-Debütant John Glen auf dem Regiestuhl abgelöst. Dieser präsentiert mit "In tödlicher Mission" zwar kein Highlight der Reihe, sodass Bonds diesmalige Rettung der Weltkugel eher einen Lückenfüller-Status im Franchise einnehmen dürfte, entpuppt sich aber doch als passabler und ordentlicher Unterhaltungsfilm.

Mit Spanien, Italien und Griechenland als Locations kann "In tödlicher Mission" zwar vom puren Exotik-Faktor her nicht ganz mit seinen beiden opulenten Vorgängern mithalten, doch wirkliche Qualitätsunterschiede zwischen diesen Filmen äußern sich am Ende in der Tat in der Besetzung des Regie-Postens. John Glens Regie beweist zwar enormes handwerkliches Können, doch leider wirken viele Szenen, meist besonders Dialoge und Landschaftsaufnahmen hier recht bieder und trotz Strand und Schnee-Aufnahmen bleibt der Film farblich wenig eindrucksvoll. Während ein "Der Spion, der mich liebte" noch viel Flair durch seine optischen Vorzüge atmete, hat man hier den durchgehenden Eindruck, der Film hangle sich von einem Postkartenmotiv zum nächsten. Auch den typisch ironischen Humor hat Glen nicht immer treffsicher parat, besonders der Nebencharakter der Bibi, gespielt von der süßen Lynn-Holly Johnson, funktioniert in ihrer gewollten auflockernden Funktion überhaupt nicht und auch eine weitere weibliche Nebenfigur, welche Cassandra Harris portraitiert, will nicht wirklich organisch zum Geschehen passen. Dazu kommt leider, dass Bill Conti, welcher hier statt John Barry die Musik beisteuerte, besonders in den Actionszenen einen Pop-Musik-artigen Disco-Sound als Untermalung wählte, der "In tödlicher Mission" nicht nur weniger zeitlos als seine Vorgänger macht, sondern in vielerlei Hinsicht die Dramatik eher abschwächt, als das er sie fördern würde. Bis auf das nette Hauptthema ist leider gerade das neu arrangierte Bondthema eher schlecht als recht zum eigentlich Film passend.

Doch es gibt auch vieles, dass funktioniert, meist, wenn Glen sich an die etablierte Bond-Formel hält. Die wie üblich von einem MacGuffin angetriebene Geschichte ist erfreulich gut erzählt und behält durch eine etwas weniger offensichtliche Schurkenrolle und zwei diesbezüglich zunächst verworren integrierte Nebencharaktere (zum einen Julian Glover und zum anderen der hier genüsslich spielende Topol) sogar eine für Bond-Filme unübliche Überraschung bereit. Der Mix aus Action, Handlung und Witz stimmt zumeist ebenfalls, doch wirklich sehr erfreulich fällt auf, dass "In tödlicher Mission" einigen seiner Figuren mal ein paar ernstere und ernstzunehmendere Momente schenkt, als dies bei Bond gemeinhin üblich ist. So darf sich ein wie immer glänzend britisch agierender Roger Moore hier in wenigen Szenen entgegen seiner eigentlichen Darstellung des 007-Charakters mal als eiskalter Killer im Stile eines Sean Connerys beweisen und mit Carole Bouquet als Protagonistin Melina, die den Tod ihrer Eltern zu rächen versucht, bekommt der Film allein durch die Thematik der Selbstjustiz und Melinas Todesengel-Funktion einen etwas ernsthafteren Anstrich. So ist auch auffallend gelungen, wie die Beziehung zwischen Bond und Melina geschrieben ist und sich hier zwei Personen mit Respekt begegnen, statt dass die Bondine sich hemmungslos dem Charme des männlichen Gegenübers hingibt.

Ebenfalls glücken auch unter Glens Führung wieder die meisten Actionszenen und es finden sich auch wieder einige Highlights. Neben einer ulkigen Autoverfolgungsjagd, die nicht nur brüllend komisch auf pointierte Gags setzt, sondern auch mit den Erwartungen des Publikums durch die für Bond üblichen Gadgets von Desmond Llewelyns Q (der wie Lois Maxwells Moneypenny natürlich dennoch nicht fehlt) spielt, begeistert eine höchstspannende Kletterpartie am Ende des Filmes und ganz extrem die langen Skiszenen, die zwar filmisch nicht ganz mit der Qualität ähnlicher Sequenzen im 1969er Bond "Im Geheimdienst ihrer Majestät" mithalten können, dafür aber noch wahnwitzigere und halsbrecherische Stunts aufweisen, die einem mal wieder gerne den Atem rauben. Auch Unterwasseraction gibt es und somit bedient "In tödlicher Mission" wie immer alles, was das Fan-Herz begehren dürfte. Doch leider sind nicht immer alle Actionszenen geschickt genug in die Handlung eingebaut. Die anfängliche Szene vor den Titeln, welche hier das Rachethema einführen soll, kommt durch die unnötige Einbindung eines alten Bekannten leider inhaltlich zehn Jahre zu spät, viel schlimmer ist aber, dass am Ende dieses Mal keine große Schlussaction kommt, sondern der Film ohne ein echtes Crescendo endet. So fehlt es "In tödlicher Mission" an dem einen großen Höhepunkt und ein wenig wundert man sich, wie schnell und knapp Glen die Geschichte zu Ende bringt. Schade, da eine größere Schlacht im Mittelteil des Filmes zu finden ist, diese aber zu uninspiriert abgefilmt wirkt, um genug Eindruck zu hinterlassen.

Fazit: "In tödlicher Mission" mag nicht als bester Ableger der 007-Serie in die Geschichte eingehen und kann auch mit etwas stärkeren Beiträgen wie "Leben und sterben lassen" oder "Liebesgrüße aus Moskau" nicht mithalten, doch unterhält dafür immer noch 120 Minuten bestens und hat natürlich gerade in den Kampfszenen und Verfolgungsjagden wieder seine Höhepunkte zu finden, auch wenn das ganz große Staunen diesmal ausbleibt. Dafür bekommen Fans allerdings wohl die beste Roger-Moore-Performance überhaupt zu sehen und werden auch an diesem Film wieder ihre Freude haben. Die letzte Anmerkung sollte Bernard Lee gewidmet sein, der von 1962 bis 1979 in den ersten 11 Bondfilmen die Rolle des M verkörperte. Er verstarb kurz vor den Dreharbeiten und wurde aus Respekt hier von keinem anderen Darsteller ersetzt. Er bleibt unvergessen.
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28. September 2015 19:05

James Bond 007 - Octopussy

You know what they say about the fittest.

Nach Sean Connerys Abgang als Bond Anfang der 70er erlebte die Bondreihe mit der Besetzung von Roger Moore eine kolossale Neuausrichtung, die Bond in komödiantischere Gefilde geraten ließ und die Gigantomanie der Filme ins Unermessliche steigerte. Als John Glen 1981 bei "In tödlicher Mission" das Ruder übernahm, ließ sich im bescheideneren Ton zum Ende des Filmes hin bereits ein leichtes Umdenken erkennbar machen. Wie man nun den Eskapismus der Reihe wirklich mit einer intelligenten Spionage-Handlung verknüpft, zeigt Glens zweite Arbeit am Mythos 007: "Octopussy".

Und hinter dem oberflächlich pubertären Titel versteckt sich tatsächlich eine neue Form von Bond, eine, die zum ersten Mal wirklich offen den Kalten Krieg thematisiert. Glen jagt Bond nicht einfach einem austauschbaren MacGuffin und einem Weltbedrohungsszenario hinterher und lässt ihn von Episode zu Episode flitzen. In der Tat ist auch "Octopussy" zwar episodisch aufgebaut, doch ordnet Glen dem Film eine übergeordnete Spannung zu, die sich aus dem hervorragenden Drehbuch der Autoren Richard Maibaum und Michael G. Wilson ergibt. Um gleich ein riesiges Lob auszusprechen: Der Plot um einen Kunstschmuggelring in Indien, dem Bond hinterher jagt und der sich später als intelligent aufbereitetes Täuschungsmanöver eines russischen Generals entpuppt, ist komplex genug, um den Zuschauer wirklich mit ihm zu beschäftigen und ihn ein paar gedankliche Irrwege eingehen zu lassen und erreicht trotzdem eine gewisse Simplizität, um im Rahmen eines Unterhaltungsfilmes wie Bond nicht zu prätentiös zu erscheinen. Durch die intelligenten Figurenkonstellationen erscheint die Handlung zudem reichhaltiger, auch weil Glen den Persönlichkeiten oberflächlich ein paar Hintergründe verleiht, die ausreichen, um den Stereotypen mehr Gewicht zu verleihen. Durch die grandiosen Besetzungen von Louis Jourdan als Anti-Bond-Gentleman, Kabir Bedi als physische Herausforderung und Maud Adams als deutlich reifere Bondine werden die akzentuierten Dialoge zusätzlich mit Leben gefüllt.

Doch sie alle verblassen neben der Performance des fantastischen Steven Berkoffs, der in wenigen Szenen dem russischen General Orlov eine ganz eigene Note mit auf den Weg gibt und in jeder seiner Szenen beängstigend gut agiert. Selbiges gilt für Roger Moore, der in seiner sechsten Performance als Bond keinen Zweifel daran lässt, dass es keinen besseren Connery-Nachfolger als ihn hätte geben können. Er selbst steht dann auch für den schmalen Grad, den "Octopussy" zu meistern weiß: Die Mixtur aus Komik und Ernsthaftigkeit. Erweist sich nämlich besonders die erste in Indien angesiedelte Hälfte als typisch selbstironisch und Bond-mäßig verspielt (wie sich in einem wunderbaren Kampf zwischen Bond und seinen Widersachern auf einem indischen Marktplatz äußert), so wird mit zunehmender Verdichtung der Erzählung immer mehr Ernsthaftigkeit erkenntbar und wenn dann eine große und genial eingefädelte Überraschung nach neunzig Minuten die gesamte vorherige Handlung in einem neuen Licht erscheinen lässt, zeugt das im Bonduniversum von einer neuen erzählerischen Dimension, die Glen auch humorlos und konsequent zum Ende durchzieht und den Zuschauer unmittelbar erwischt. Clever daher auch, wie Glen diesen Ansatz visuell durchspielt und zunehmend Glanz aus dem Film nimmt. Während Indien zu Beginn noch klassisch ausbeutend inszeniert wird, wie die Vorgänger unter anderem es mit Rio, Kairo oder der Mittelmeer-Region taten, so wird es später deutlich exotischer und der Wert mehr auf kulturelle Aspekte gelegt, während in der letzten halben Stunde Deutschland nur noch als austauschbarer Handlungsort fungierend den Fokus auf die Geschichte legt.

Auch John Barrys Score verlässt später selbstironische Züge und nimmt deutliche Thriller-Anleihen, setzt aber wie immer auf Themen und starke Melodien. Am beeindruckendsten sind aber wieder einmal die fantastischen Actionsequenzen, die es erneut schaffen, den Standard der Reihe sogar noch zu übertreffen und in ihrer ausufernden Art Fanherzen höher schlagen lassen. Das brillante Intro (das als eigener Kurzfilm funktioniert) zeigt einen packenden Mix aus echter Stuntarbeit und verblüffend guten Modellen, eine spätere Verfolgungsjagd durch den indischen Dschungel begeistert durch den sehr gefährlichen Einsatz echter Tiere und On location Drehs und wenn Bond später an, auf und sogar unter einem fahrenden Zug seine Feinde bekämpft und im ultimativen Showdown auf den Flügeln eines fliegenden Flugzeuges in unfassbaren Höhen herumklettert, wagt man kaum noch zu atmen und muss nach jeder Sequenz wieder einmal vor lauter Bewunderung applaudieren und dem Produzenten Albert R. Broccoli sowie allen Beteiligten das größtmögliche Lob aussprechen. Sich immer wieder neue abgedrehte echte (!) Aktionen einfallen zu lassen und dies über so einen langen Zeitraum überraschend und packend zu inszenieren, vor allem aber eben stets auf höchstmögliche Authenzität zu setzen, verdient größten Respekt und ist so einmalig in der Filmgeschichte und das Alleinstellungsmerkmal des britischen Agenten! So ist aus "Octopussy" als Actionfilm wieder voll mit fantastischen Aufnahmen, die nur vom Herzblut der Stuntabteilung noch übertroffen werden. Chapeau!

Fazit: Auch im 13. Anlauf gelingt es den Machern, neue Akzente innerhalb ihrer Reihe zu setzen und erneut in neue erzählerische und actiontechnische Spähren zu stoßen, sodass man sich wieder fragen muss, wie sie dies beim nächsten Mal überbieten werden. Während der Vorgänger noch etwas halbgar und unfertig einzelne Motive einstreute, hat Glen nun einen Weg gefunden, Bond um ein weiteres Mal mit neuen Eigenschaften auszustatten und ihm hier einen eleganten Thriller-Anstrich zuzumuten, ohne ihn in seinen Kernelementen (wie dem fabelhaften Mooreschen Humor) zu vernachlässigen. "Octopussy" erweist sich damit als ein weiteres Highlight der Bond-Reihe, welches mit seinem Liebäugeln mit etwas komplexeren Plots eine vielversprechende neue Richtung vorgibt.
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3. Oktober 2015 17:08

James Bond 007 - Sag niemals nie

Good to see you, Mr. Bond. Things've been awfully dull 'round here. I hope we're going to see some gratuitous sex and violence in this one!

Die Entstehungsgeschichte des von Fans oft als "inoffziell" bezeichneten Bond-Filmes "Sag niemals nie" beginnt bereits in den 50er Jahren, als der Amerikaner Kevin McClory mit Jack Whittingham und dem britischen Autoren und James-Bond-Erfinder Ian Fleming das Drehbuch zu einem nie erschienenen Kinofilm verfasste. Als Fleming später Teile der Handlung für seinen Bond-Roman "Feuerball", verwendete, folgte ein jahrelanger Rechtsstreit, sodass McClory schließlich die Erlaubnis bekam, einen Bond-Film basierend auf dem "Feuerball"-Skript (welches 1965 bereits als Vorlage zum vierten Bond-Film diente) zu drehen. Sein Remake des 65er Filmes erschien 1983 als Konkurrenzbond fast zeitgleich mit dem von Albert R. Broccoli "offiziell" produzierten Bond-Film "Octopussy", hatte aber dennoch alles, was ein Bond braucht: Action, schöne Frauen, tolle Locations und - Sean Connery!

Richtig gelesen: Sean Connery is back! 12 Jahre nach seinem Abschied als Bond in "Diamantenfieber" konnte McClory ihn dazu überreden, noch einmal in die Rolle des britischsten aller Geheimagenten zu schlüpfen. Und ganz unter dem Motto dieser Rückkehr steht auch der von Irvin Kershner inszenierte Film. So stellt "Sag niemals nie" Bond, aber vor allem Connery als Bond mehr in den Fokus als je ein anderer Film zuvor und zeichnet ein sehr pointiertes Bild des 00-Agenten. Diesem Bond kann niemand etwas anhaben, Connery wandelt unantastbar und mit einer prächtigen Leinwandpräsenz, die man von dem 53-jährigen Star so nicht erwartet hätte durch den Film und hat sichtlich Spaß daran, noch einmal seine berühmteste Rolle auszufüllen. Richtig Spaß macht auch, wie die Regie von Kershner mit klassischen Bondschen Konventionen umgeht. Berühmte Figuren wie Geheimdienstchef M oder Gadget-Tüftler Q erfahren hier durch die Darstellung der herrlich überzeichnet spielenden Darsteller Edward Fox und Alec McCowen eine reizvolle Neuinterpretation, ebenso wie Kershner hin und wieder ein paar Seitenhiebe in Richtung der Bond-Ära von Roger Moore (gerade im Bezug auf die technischen Spielereien) austeilt. Wenn Gadgets plötzlich einmal nicht funktionieren oder ein von Bond als solches präsentiertes sich in Wahrheit als völlig harmlos entpuppt, sorgt das für herzerfrischende Lacher im Publikum, die durch ihre Andersartigkeit verglichen mit den "Originalen" eine nette und auch spannende Variation darstellen.

Gleichzeitig ist "Sag niemals nie" aber auch eine reizvolle Mischung aus klassischer Bond-Erzählung und gezielter Demontage des berühmten Filmprotagonisten. Gerade in der ersten halben Stunde zerpflückt Kershner mit Genüsslichkeit das Image Bonds, doch auch später noch findet er immer wieder genug Gelegenheit, durch und mit Connery am Mythos Bond zu kratzen. Zugleich nimmt Kershner die Arbeit an seinem ganz eigenen Bond-Film aber absolut ernst. So gelingt es ihm, die bereits bekannte "Feuerball"-Geschichte natürlich nah am 65er Film zu erzählen, aber dennoch so viel stilistische Eigenständigkeit einzubauen, dass "Sag niemals nie" wenig Remake-Charakter hat und als für sich stehendes Abenteuer überzeugen kann. Durch zwei fabelhafte besetzte Villains, dem grandios theatralisch auftretendem Klaus Maria Brandauer und der lasziv-gefährlichen Barbara Carrera, und der geschickt mit ihrer Unschuld spielenden Kim Basinger als Bond-Girl hat Connery schauspielerisch genug würdige Mit- und Gegenspieler, um die Begegnungen der einzelnen Charaktere interessant zu halten und durch den unterschwellig stets mitwirkenden leisen Witz unterhalten die teilweise grandiosen Einzelszenen vorzüglich. Besonders alle Szenen von Carrera werden zu einem Fest der Sinnlichkeit (die Sexszene dürfte ein Highlight ihrer Art bei Bond darstellen), aber auch eine toll gefilmte Tauchszene, eine beeindruckene Stuntleistung im Zusammenhang mit einer Motorradverfolgungsjagd, Bond und Herzdame Domino beim Tangotanzen und ein Duell der etwas anderen Art zwischen Connery und Brandauer im Casino in Südfrankreich bleiben als Höhepunkte im Gedächtnis, nicht zu vergessen natürlich die perfekt pointierten Oneliner und Schlagabtausche.

Gepaart mit den tollen Locations Nassau, Nizza und Nordafrika ist "Sag niemals nie" eindeutig ein Film fürs Auge und kann auch in dieser Hinsicht mit seinen Vorbildern mithalten. Zu Gute kommt Kershners Film ansonsten vor allem seine Position als Außenseiter, da ihn gerade die (teilweise rechtlich-bedingten) fehlenden Bond-Elemente (wie das berühmte Musik-Thema oder die anfängliche Gunbarrel) sehr frisch erscheinen lassen. Ein wenig schade ist es dann angesichts des schwachen Soundtracks von Michael Legrand, der auf wenig inspirierende Jazz-Rhythmen setzt, aber doch, dass ein John Barry nicht verfügbar war. Und leider muss man auch festhalten, dass "Sag niemals nie" im letzten Drittel zunehmend die Puste ausgeht und der kurze Showdown in einem recht langweiligen Studio-Set doch etwas belanglos vorbei geht. Allgemein ist der Film mit 130 Minuten Laufzeit wohl etwas zu lang und Kershners Regie in vielen Szenen zu ausführlich und ausschweifend in der Art, wie er jeden einzelnen Gang von Anfang bis Ende zeigt, doch mögen Fans ihm dies sicher verzeihen, da sie so immerhin noch ein letztes Mal die volle Dosis Connery atmen können. Trotzdem wäre eine etwas strammere Dramaturgie für den ein oder anderen Zuschauer sicher wünschenswert gewesen.

Fazit: Im direkten Vergleich zum Original "Feuerball" und dem anderen 83er Bond-Streifen "Octopussy" mag "Sag niemals nie" den Kürzeren ziehen. Doch ist der Vergleich insofern auch etwas unfair, als das diese beiden wohl zu den besten Filmen der Reihe gehören dürften. Macht man sich von solchen Vergleichen also frei, bietet der etwas andere 007-Film eine wie immer spritzige Mischung aus all jenen Zutaten, für die diese Filme berühmt geworden sind mit ein paar frischen Ideen und Variationen von Altbekanntem und ist nicht zuletzt durch Sean Connerys letztes famoses Auftreten in seiner Paraderolle für Fans ein Genuss der besonderen Art, der trotz einiger Längen rundum gelungene Unterhaltung verspricht und einhalten kann. Prädikat: Bond.
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