Anthony Horowitz - Forever And A Day

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3. Juni 2018 17:00

Forever And A Day von Anthony Horowitz ist Freitag mir eingetroffen. Habe meine aktuelle Lektüre erstmal an die Seite gelegt :) und direkt begonnen.

Bei dem Buch handelt es sich um das Prequel von Ian Flemings Casino Royale. Also Quasi Becoming Bond. Enthält auch wieder unveröffentlichtees Originalmaterial von Fleming (aber ich glaube Nicht-Bond-Material...), wie bei Trigger Mortis.

Das erste Kapitel hat es direkt in sich: Le roi est mort - vive le roi! Mehr möchte ich nicht spoilern.
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Gernot
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18. Juni 2018 22:25

Es folgt ein Gastbeitrag eines alten Bekannten :)

danielcc hat mich gebeten, seine Rezension zum neuen Bondroman zu posten. Dem komme ich natürlich gerne nach. Viel Spaß:

Forever And A Day, Anthony Horowitz, 2018

Mit den James Bond Romanen der letzten Jahre ist das so eine Sache.
Mal spielten sie in der Gegenwart, mal in der Vergangenheit, mal fühlten sie sich gar nicht wie Flemings Bond an, und zuletzt waren sie direkt in die Fleming Chronologie integriert.
Mehr noch, Anthony Horowitz konnte für seinen Bond-Erstling „Trigger Mortis“ sogar auf original Fleming Material zurückgreifen, und es gelang ihm fast eine perfekte Kopie des Fleming’schen Stils.

So darf Horowitz nun ein weiteres Mal ran und wieder konnte er ein Kapitel aus nicht verwendeten Restbeständen des Bonderfinders einbauen.

Zudem gelang in gewisser Weise ein Marketing Clue: So titelt der Roman etwas großspuring „How it all began“ und mehr noch „The explosive prequel to Casino Royale“. Aus Marketing Sicht also alles richtig gemacht: Prequels und „... Begins“ sind grade en vogue, und die besondere Bedeutung von Casino Royale hat auch der letzte Nicht-Fan inzwischen wohl mitbekommen.

Doch wie viel Substanz steckt hinter der Marketing Fassade?

Wie immer gibt es Licht und Schatten doch um geich eines vorweg zu nehmen: Forever And A Day (FAAD) fühlt sich mehr nach Fleming an als alle Romane der letzten Jahre, und vielleicht sogar mehr als Flemings spätere Werke. Horowitz gelingt eine perfekte Kopie dessen was Fleming (bei aller womöglichen literarischen Durschnittlichkeit seines Werkes) auszeichnete. Bei genauer Betrachtung zeigt der Roman sogar, wie wenig dafür eigentlich nötig ist – in der Beschränkung liegt die Kunst. FAAD ist sowohl „back to the roots“, als auch „reduce to the bare essentials”. Was heißt das?

„Back to the roots“:
Horowitz setzt seinen Roman vor die Ereignisse von Casino Royale, was wie gesagt ein interessanter Schachzug ist. Zum einen kam das Konzept ja schon beim ersten Daniel Craig Film gut an, zum anderen erlaubt es Horowitz in unzähligen Details geschickt mit dem Wissensvorsprung der Fans zu spielen. Da werden immer wieder Charaktereigenschaften des späteren Bonds angedeutet, eingeführt, oder zunächst als noch nicht ausgeprägt dargestellt. Purer Fan Service also - aber doch so dezent, dass es nicht störend auffällt sondern Spaß macht. Nicht alles mag überzeugend oder glaubwürdig erklärt sein, aber doch ist es immer wieder unterhaltsam zu erfahren, warum der spätere Bond den wir kennen, etwa eine bestimmte Marke Zigarretten raucht, was es mit seinem geliebten Bentley auf sich hat, warum der Martini geschüttelt sein muss, etc. Besonders schön fand ich die kleine aber feine Begründung für Bonds berühmte Agentennummer.

Da der Roman auch in der original Zeit spielt (50er), bringt Horowitz auch hier das echte Fleming Feeling zurück, und das ohne dass der Roman auffallend unmodern erscheint. Zwar bringt der Autor viel geschichtlichen Background mit ein (offensichtlich kommt Bond aus dem Kriegsgeschehen), aber über weite Strecken vermeidet es Horowitz Dinge zu nennen, die die Story antiquiert erscheinen lassen würden (es wird kaum über Technologie gesprochen).

„Reduce to the bare essentials“:
Hier sind wir wiederum bei einem Punkt, der mich selbst überrascht hat beim Lesen. Horowitz erzählt eine denkbar simple Geschichte. Bond bekommen einen Auftrag, reist zum Ort des Geschehens, trifft 4 Leute die irgendwie relevant sind, erkennt den Plan des Bösewichts, und vereitelt diesen. Es gibt kaum Überraschungen, es gibt kein schmückendes Beiwerk, nichts erscheint überflüssig. So einfach kann Bond sein – und wer weiß, dass mir eben grade Filme wie Dr. No gefallen mit ihrer simplen Struktur, der wird verstehen, warum mir FAAD so viel Spaß gemacht hat.
Auch Action gibt es in den ersten zwei Dritteln praktisch nicht. Erst im letzten Drittel wird an der Actionschraube gedreht.
Es geht aber nicht nur darum, was der Schreiber weglässt. Es geht vielmehr um das, was er dadurch ins Zentrum stellen kann: Den Charakter Bonds und die jeweiligen Interaktionen mit den wenigen anderen Figuren, und hier beweist Horowitz seine Klasse. Bei jeder Geste, jedem Gedankengang, jeder Aussage im Roman kann ich mir den jungen Daniel Craig als idealen Darsteller des Bonds im Roman vorstellen. Das passt! Humor und Sarkasmus blinzeln durch, werden aber nie zum Selbstzweck. Teilweise ist ds Geschehen oder die Sprache hart, aber so muss es sein.


Welches sind also die Schattenseiten?
Zunächst mal wirkt all das tatsächlich etwas zu simpel. Man könnte Horowitz auch fehlende Kreativtät oder Rafinesse vorwerfen
Doch schlimmer als das ist, dass man fast alles so oder ähnlich bei Bond schon gelesen oder gesehen hat. Es scheibt fast so, als habe er die Bondfilme gar nie gesehen, sonst wärem ihm wohl selbst die Ähnlichkeiten zu dumm gewesen. Ein paar Beispiele:

Der Plan des Bösewichts entpupput sich als nahezu 1 zu 1 Kopie eines anderen Romans bzw. dessen filmischer Umsetzung!
Das Eindringen in eine Chemiefirma unter dem Vorwand Chemikalien beziehen zu wollen gab es fast genau so im YOLT
Eine Kasinoszene direkt „vor“ dem Roman Casino Royale?
Zwei (besonders spannende) folterartige Sequenzen erinnern an ähniliche Szenen in CR, GF, SP,...

Manche Dinge wirken auch all zu Schablonen haft:
Haupt-Bondgirl die eine besodnere Bedeutung für Bond hat? Check
Neben Girl dass als Opferlamm endet? Check
Bösewicht mit spezieller Neigung? Check
CIA Kontaktmann? Check

Vor allem aber ist die Aussage „how it all began“ ein wenig übertrieben. Genau genommen macht Horowitz noch mal genau das, was schon der CR Film tat. Er behauptet in einem anfänglichen Kapitel eine Art „Anfang“, zeigt dann aber fast alles so wie es immer war, streut nur hier und da Fan-Service Dinge ein, die zeigen, dass der Bond hier noch nicht 100% der ist, den man kennt. In gewisser Weise fühlt sich FAAD so an, als sei er schon geplant gewesen bevor es den CR Film gab. Die kurze „Vorgeschichte“ könnte man bequem auch in die PTS von CR integrieren, und es würde nichts ändern. Zudem erzählt Horowitz noch ein mal die Morde die als Qualifikation zu Bonds Doppelnull Status führen.


Alles in allem, eine schöner, kurzer, spanneder Roman im perfekten Fleming Stil. Ich habe ihn in 3 Tagen im Urlaub am Pool „konsumiert“, und dazu den ein oder anderen Cocktail– und genau so sollte man ihn genießen.

Von den Romanen der letzten 10 Jahre (Devil May Care, Carte Blanche, Solo, Trigger Mortis) wahrscheinlich sogar der Beste. Gerne noch ein weiterer Roman von Anthony Horowitz.
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Casino Hille
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19. Juni 2018 10:29

Ich sehe vieles wie Daniel. Einige Sachen mochte ich an dem Roman, vieles nicht. Das liegt aber auch daran, dass ich mit Fleming als Autor wenig anfangen kann - und in der Tat ist Horowitz hier sehr dicht an Fleming. Nicht nur der Schreib-, sondern AUCH der Erzählstil sind überdeutlich an Romanen wie MR, FRWL und TB angelehnt. Und das ist (auch wenn es mir dadurch kaum schmeckt) sicherlich nichts schlechtes, sondern genauso gewollt und genau das, was die Ur-Romanbondfans lesen wollen. Was Daniel ebenfalls richtig beobachtet, ist das Abharken der Checkliste, das erinnert Filmfans in dieser Deutlichkeit fast an die Brosnan Ära, die ebenfalls alle bondschen Klischees durchnudeln mussten - oder zumindest so wirkten.
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Tanaka
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29. Juni 2018 11:29

Hallo Gernot! Hallo an alle!
Gernot hat geschrieben:
18. Juni 2018 22:25

danielcc hat mich gebeten, seine Rezension zum neuen Bondroman zu posten. Dem komme ich natürlich gerne nach. Viel Spaß:

Forever And A Day, Anthony Horowitz, 2018

Mit den James Bond Romanen der letzten Jahre ist das so eine Sache.
Mal spielten sie in der Gegenwart, mal in der Vergangenheit, mal fühlten sie sich gar nicht wie Flemings Bond an, und zuletzt waren sie direkt in die Fleming Chronologie integriert.
Mehr noch, Anthony Horowitz konnte für seinen Bond-Erstling „Trigger Mortis“ sogar auf original Fleming Material zurückgreifen, und es gelang ihm fast eine perfekte Kopie des Fleming’schen Stils.
Vielen Dank für deine Rezension, Gernot! Klingt für mich nach einem Roman, der "Bondgefühl" aufkommen lässt. Ich werde mir das Buch daher kaufen - danke für den Hinweis!

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Gernot
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29. Juni 2018 11:38

Hallo Tanaka,

schön wieder einmal von dir zu lesen!

Sehr gerne - ich möchte aber noch betonen, dass die Rezension von danielcc stammt. Ich habe mir das Buch zwar auch schon gekauft, aber bin noch nicht zum Lesen gekommen (werde ich aber noch im Sommer machen)... ;)
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29. Juni 2018 11:49

Gernot hat geschrieben:
29. Juni 2018 11:38
Hallo Tanaka,

schön wieder einmal von dir zu lesen!

Sehr gerne - ich möchte aber noch betonen, dass die Rezension von danielcc stammt. Ich habe mir das Buch zwar auch schon gekauft, aber bin noch nicht zum Lesen gekommen (werde ich aber noch im Sommer machen)... ;)
Ok, das war ein Missverständnis von meiner Seite - danke für die Rezension, danielcc und dir fürs Posten, Gernot! Schönes Wochenende!

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5. Juli 2018 23:03

Ich lese den Roman auch gerade und finde ihn ganz angenehm. Horowitz kann von mir aus weitermachen, mir gefällt der Stil und die Einbettung in den Flemingschen Kanon der Romane. Aber mehr dazu dann, wenn es bei mir dann am Ende heißt: iHaveCNit (or read it) !
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GoldenProjectile
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12. Juli 2018 14:37

Irgendwie habe ich jetzt gerade Lust auf den Roman, wenn ich mir das hier so durchlese. Ich mag ja auch Horowitz' Agentenreihe um Alex Rider sehr gerne, in der er ja schon zünftig bei Bond geklaut hat (aber auch durchgehend gut).

Liege ich richtig dass FAAD Horowitz' zweiter Bond-Roman ist und wenn ja, müsste man den ersten vorher auch lesen?

EDIT Sollte der Thread hier nicht in den Romanbesprechungs-Teil?
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14. Juli 2018 21:39

iHaveCNit: (or read it): Anthony Horowitz – Forever And A Day (2018)

Gelesen wurde hier die englische Originalversion in Ermangelung einer deutschen Übersetzung.

Dies ist das 2. von Anthony Horowitz Bond-Romanen nach seinem ersten „Trigger Mortis“ aus dem Jahre 2015. „Forever And A Day“ markiert somit den 40. Bond-Roman.

Worum geht es in „Forever And A Day“ ?

Im La Joilette-Basin von Marseille wird die Leiche eines britischen Agenten gefunden – Es ist 007. Die wichtigen Entscheidungsträger der Doppelnullabteilung berufen somit den jungen James Bond nach 2 erfolgreichen Tötungen in den Doppelnullstatus so dass er fortan die 007 trägt. Sein erster Auftrag führt ihn auch direkt nach Marseille und die französische Riviera, wo er nicht nur die Ursache für den Tod des Vorgängers herausfinden soll, sondern auch direkt in einen gefährlichen Konflikt mit einem Untergrundboss der korsischen Union, einem schwerreichen Unternehmer aus den vereinigten Staaten und einer faszinierend erfahrenen Doppelagentin gerät.

Kapitelverzeichnis der englischen Originalversion 2018:

1. Killing by Numbers
2. Strawberry Moon
3. First Day
4. Meeting with M
5. „Hold it right there …“
6. Madame 16
7. Russian Roulette
8. Not So Joliette
9. Called To Accounts
10. The Acid Test
11. Shame Lady
12. Le Grand Banditisme
13. Love in a Warm Climate
14. Secrets and Lies
15. Down to the Wire
16. Suicide Doors
17. Hell´s Kitchen
18. Number Four
19. Pleasure … or Pain ?
20. Bad Medicine
21. The Dark Blue Sea
22. Death at Sunset

Seitenzahl: 276 / 22 Kapitel: Frequenz von durchschnittlich 12-13 Seiten pro Kapitel

Hauptschauplätze: Die französische Riviera (Monte Carlo, Nizza, Marseille, Antibe, Menton, Aubagne), London, Stockholm, Los Angeles

Wichtige Charaktere neben James Bond:

Joanne Brochet / Madame 16 / Sixtine
Jean-Paul Scipio
Irwin Wolff
Reade Griffiths

Was halte ich von „Forever And A Day“ ?

Rückblickend hierzu ein Zitat aus meiner Review vom Vorgänger-Roman von Anthony Horowitz „Trigger Mortis“: „Ich würde mich freuen, wenn Horowitz noch einen weiteren Roman schreiben darf.“

Und was kann ich sagen: Toll, dass er noch einen geschrieben hat. Wie auch bei „TM“ hat Horowitz bei „FAAD“ auf Originalmaterial von Fleming zurückgreifen können. Nur ist „FAAD“ keine Fortsetzung von „TM“ sondern setzt noch weiter früher in den Ereignissen ein – noch vor Flemings erstem Bond-Roman und meinem Lieblingsbuch „Casino Royale“. Man darf also miterleben, wie unser Bond seine ersten Schritte als Agent und Doppelnullagent macht. Woher manche charakterlichen Eigenschaften, Erfahrungen und auch Details kommen, die uns bekannt vorkommen. Verpackt wird die Story von „FAAD“ in einen Roman, der wie auch schon „TM“ vom Gefühl her auch ein Roman von Ian Fleming sein könnte – so sehr hat Horowitz den Stil Flemings getroffen und adaptiert. Das ist zugleich Fluch als auch Segen.

Im direkten Vergleich für mich zwischen „TM“ und „FAAD“ zieht „FAAD“ leider leicht den kürzeren. „TM“ hatte für mich einen interessanteren Bösewicht, eine aktivere Handlung, die einprägsamere Actionsequenzen und perfide Foltermethoden zu bieten hat und es leichter hatte, gerade weil die Action im Buch ausgewogener verteilt wurde, den Leser (mich) bei der Stange zu halten.
Bis auf wenige kleine Spitzen braucht das Buch knapp 2/3 seiner Handlung mit Ermittlungsarbeit, damit verbundener Exposition über Orte, Charaktere, Motivation, Hintergründe und den obligatorischen doppelbödigen Twists, die einen aber gerne mal tief in der Magengrube treffen können - bis es dann mal mit richtiger Action losgeht und die Story an Fahrt aufnimmt und natürlich neben der Action auch noch einiges an überraschenden und doppelbödigen Twists zu bieten hat. Die Action selbst hat mir dann richtig gut gefallen, auch wenn es natürlich in anderen Romanen definitiv stärkere Sequenzen gibt, aber das ist ja nur der Anfang für Bond. 2 Folterszenen und ihre Auswirkungen sind auch sehr stark geschrieben. Mir gefällt bei den Bond-Romane ja immer, wenn man sich auf wenige Charaktere fokussiert und hier macht auch „FAAD“ keine Ausnahme. Das sorgt für Übersichtlichkeit und die Geschichte wirkt somit nicht überladen.
Charakterlich haben wir mit Jean-Paul Scipio und auch Irwin Wolff in gewisser Art und Weise klassische Bondgegner bekommen. Auch wenn der fette Korse und der alte Ami schon interessant sind, bleiben sie im direkten Vergleich zur wundervoll ausgearbeiteten Sixtine klar zurück. Dazu bekommen wir noch ein junges Mädchen das zum Bauernopfer wird und den klassisch zwielichtigen CIA-Agenten spendiert, die das Ensemble neben ein paar nicht so wichtigen Nebencharakteren und dem klassischen MI6-Personal abrunden und für einen Bond der alten Schule sorgen. Das Cover des Buchs enthält ein Schiff – Wäre das Buch ein Schiff, würde es sehr lange in hinplätschernden Gewässern unterwegs sein, bis es zum Ende hin in einen heftigen Sturm gerät. - aber dadurch sorgt das Buch dafür, keinen Schiffbruch zu erleiden. Es hat mich auf jeden Fall trotzdem begeistert und ich bin froh, dass Horowitz das Buch geschrieben hat. Mein Zitat von weiter oben gilt auch weiterhin. Gerne dann auch, mit ein bisschen mehr eigenem Profil.

„Forever and a Day“ bekommt von mir auf der 007er-Skala 006/007 Punkte

Im 10er-System würde ich das ganze auf 8/10 bewerten.
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24. Juli 2018 17:13

GoldenProjectile hat geschrieben:
12. Juli 2018 14:37
EDIT Sollte der Thread hier nicht in den Romanbesprechungs-Teil?
Hast recht. Kannst du den verschieben? Ich hab beim Anlegen nicht aufgepasst, dass hier nur Flemings hingehören...


Zum Buch will ich gerne noch ergänzen, dass ich das Coverartwork extrem gelungen finde. Auch haptisch ist der Umschlag ein Highlight, da 'das Meer' sich sehr samtig in der Hand anfühlt :).
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25. Juli 2018 13:04

Revoked hat geschrieben:
24. Juli 2018 17:13
GoldenProjectile hat geschrieben:
12. Juli 2018 14:37
EDIT Sollte der Thread hier nicht in den Romanbesprechungs-Teil?
Hast recht. Kannst du den verschieben?
Eric braucht immer so lange, die jungen Leute haben ja für nichts mehr Zeit...

In diesem Sinne
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25. Juli 2018 13:35

Scherzlichen Dank von der Cote D'Lybec.
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4. September 2018 16:56

So, habe mich durch das Buch gearbeitet.
Ich finde die Abkürzung fasst es gut zusammen: Fad (FAAD). Mehr als 3 Punkte spendiere ich nicht.

Habe nie wirklich Zugang zur Story gefunden (Kann daran liegen, dass ich 3 Monate dran gelesen habe).

Und am Ende hatte Horowitz Bond schon die Beretta in die Hand geschrieben und dann nicht mal den Anstand diesen Fanservice zu liefern: Ich war von Anfang an davon ausgegangen, dass der Roman mit Bonds Handverletzung endet....
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10. September 2018 15:40

Revoked hat geschrieben:
4. September 2018 16:56
So, habe mich durch das Buch gearbeitet.
Ich finde die Abkürzung fasst es gut zusammen: Fad (FAAD). Mehr als 3 Punkte spendiere ich nicht.

Habe nie wirklich Zugang zur Story gefunden (Kann daran liegen, dass ich 3 Monate dran gelesen habe).

Und am Ende hatte Horowitz Bond schon die Beretta in die Hand geschrieben und dann nicht mal den Anstand diesen Fanservice zu liefern: Ich war von Anfang an davon ausgegangen, dass der Roman mit Bonds Handverletzung endet....
Dann magst du aber auch die Fleming Roman nicht oder?
Würde mich nämlich wundern, dass jemand FAAD nicht mag, aber Fleming liebt
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10. September 2018 18:47

Ich liebe Fleming nicht. Einige Bücher sind gut (OHMSS, TB, FRWL, YOLT) einige mittel (MR, GF, DN) und einige gefallen mir gar nicht (TSWLM, TMWTGG, DAF).

Und Horowitz' ersten fand' ich um längen besser.
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