Warum ist Casino Royale anders als die bisherigen Bondfilme?

Hier könnt ihr allgemein über die unvergesslichen 007-Filme, Darsteller, Dreharbeiten, Lifestyle, Skurriles und alles andere diskutieren, was auf irgendeine Art und Weise etwas mit dem berühmtesten Geheimagenten der Kinogeschichte zu tun hat! Viel Spaß! Gezielte Reviews und Filmdiskussionen bitte in das entsprechende Unterforum - danke!
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Invincible1958
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19. Juni 2008 11:30

Joal hat geschrieben:Nur bin ich dreißig Jahre nach den 60ern geboren. Und das ist eine Ausrede.
Ich bin 1985 geboren, also auch weit entfernt von den 60ern.

Trotzdem weiß ich, wer die Beatles waren. Ich kann sogar noch weiter in der Geschichte zurückgehen. Ich weiß sogar, wer Adolf Hitler war, obwohl ich da noch gar nicht geboren war.

Natürlich muss man nicht über die "One-Hit-Wonder" bzw. kurzen Modeerscheinungen einer bestimmten Zeit genauestens Bescheid wissen.
Aber es gibt kulturelle Ereignisse, die IMMER aktuell sind - so wie James Bond.

Ich habe "Herr der Ringe" nicht gelesen, hatte aber davon gehört und wusste auch etwas damit anzufangen als ich ein paar Jahre vor Kinostart das erste Mal von Peter Jacksons Filmprojekt gehört hatte.

Genauso kannte ich "Star Wars", obwohl alle 3 Filme vor meiner Geburt entstanden.

Es gibt einfach gewisse kulturelle Phänomene, denen kann man sich nicht zu 100% entziehen. Natürlich war "Herr der Ringe" vor 2001 kein alltägliches Gesprächsthema.
Aber das sind Leute wie Walt Disney, Charlie Chaplin oder Alfred Hitchcock auch nicht. Und trotzdem hat eigentlich jeder zumindest schonmal ihre Namen gehört.
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GoldenEagle
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19. Juni 2008 14:20

Viele Fans von Herr der Ringe, die alle Bücher kannten, hatten bedenken, dass sie ihrer eigenen Fantasiewelt erliegen, wenn sie die Filme zu sehen bekämen und diese entsprechend schlecht würden.

Sie ließen nichts auf die Bücher kommen und viele bezweifelten sogar, dass man die Bücher überhaupt sinnvoll verfilmen könne.

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen.


Selbstverständlich kann man viele Dinge kennen(-lernen), die vor der eigenen Entstehungszeit handelte. Wahrscheinlich ist lediglich das Gefühl ein anderes. Wenn wir QoS in den Kinos erleben werden, wird das auf uns anders wirken als auf Menschen, die ihn, aufgrund ihrer Geburt, 15 Jahre später sehen werden.

Uns geht es mit älteren Bondfilmen ähnlich. Was den Menschen damals "neu" vorkam (bspw. das neue Frauenideal bei DN am Strand, genau, Ursula Andres), ist uns vielleicht so krass nicht aufgefallen. Wir werden den vormaligen Geschmack nicht unmittelbar durch die Filmszene erkennen können, wenn wir aufgrund des Gesehenen nicht auch noch uns darüber hinaus informieren würden.

Andererseits kann man sich bei älteren Filmen auch so einiges absehen, dass offensichtlicher ist (bspw. schnallten sich die Leute damals in den Fahrzeugen nicht an, wie man das bei frühen Heinz Rühmann - Filmen... sehen kann. Oder die Mode, die in den Bondfilmen ja bis heute trendgebunden verarbeitet wird).


Über manches Zurückliegende sollte man sich eben informieren, manches sieht man auch selbst oder erahnt es.


Wer selten liest, selten ältere Bücher bevorzugt, sich für andere Genres interessiert oder wenig Sinn darin sieht, ein Buch über einen bereits bekannten Film durchzulesen, wird natürlich weniger informiert sein, dass gerade die Bücher den Erfolg der zahlreichen Bondfilme entscheidend beeinflusst haben.


Ciao,
GE
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Invincible1958
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19. Juni 2008 16:02

Mir ging es aber gar nicht ums "Kennen" bzw. "beurteilen können", sondern nur um das "davon gehört haben".

Wenn mich jemand vor 10 Jahren gefragt hätte wie die Geschichte von "Herr der Ringe" ist, hätte ich ihm keine zufriedenstellende Antwort geben können. Aber dass es "Herr der Ringe" gab, wusste ich.

Darum ging es mir. Ich interessiere mich eigentlich überhaupt nicht für Fantasy. Und trotzdem hatte ich von "Herr der Ringe" gehört. Genauso hat heute eigentlich jeder mal den Namen "Harry Potter" gehört, auch wenn er weder ein Buch gelesen noch einen Film gesehen hat.
Und auch die nächste Generation, die weder die Bücher beim Erscheinen noch die Filme bei ihrer Erstaufführung mitbekommen haben, werden auch von Harry Potter hören - auch wenn es VOR ihrer Zeit lag.

@GoldenEagle:

Natürlich haben die äußeren Bedingungen einen immensen Einfluss darauf wie wir etwas wahrnehmen bzw. kennen lernen.
Wenn jemand nur Jason Statham-Filme guckt und dann zum ersten Mal einen Hitchcock sieht, wird er womöglich sagen: langweilig.
Wenn man sich dann aber ein bisschen mehr mit der Materie befasst, dann kann man sich auch mehr und mehr in die Zeit zurückversetzen und versteht die Faszination immer mehr. Und dann sieht man auch Filme wie "Dr. No" mit anderen Augen und bewertet diese auch ganz anders.

Ein Schauspieler wie James Stewart ist für mich auch heute noch genauso präsent wie z.B. Tom Hanks - auch wenn er schon seit 10 Jahren nicht mehr lebt. Aber durch seine Filme ist er für mich lebendiger als viele der heutigen Stars.
Da kommt bei mir nie das Gefühl auf: "Das war vor meiner Zeit". Denn es gibt Dinge, die sind einfach so zeitlos, dass Zeit überhaupt keine Rolle spielt.
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GoldenEagle
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19. Juni 2008 16:48

Invincible1958 hat geschrieben:Mir ging es aber gar nicht ums "Kennen" bzw. "beurteilen können", sondern nur um das "davon gehört haben".
Ja, ich weiß. Das hattest Du zuvor relativ ausführlich dargelegt, weshalb ich es in einem weiteren Schritt eher ergänzen / erweitern wollte, denn...
Invincible1958 hat geschrieben:@GoldenEagle:

Wenn man sich dann aber ein bisschen mehr mit der Materie befasst, dann kann man sich auch mehr und mehr in die Zeit zurückversetzen und versteht die Faszination immer mehr. Und dann sieht man auch Filme wie "Dr. No" mit anderen Augen und bewertet diese auch ganz anders.
Deshalb erwähnte ich, folgendes:
GoldenEagle hat geschrieben:Wir werden den vormaligen Geschmack nicht unmittelbar durch die Filmszene erkennen können, wenn wir aufgrund des Gesehenen nicht auch noch uns darüber hinaus informieren würden.
Oder
GoldenEagle hat geschrieben:Über manches Zurückliegende sollte man sich eben informieren, manches sieht man auch selbst oder erahnt es.

Hören kann man natürlich auch von einer Sache, wenn man sie noch nicht gesehen hat. Das ist richtig.

Invincible1958 hat geschrieben:Ein Schauspieler wie James Stewart ist für mich auch heute noch genauso präsent wie z.B. Tom Hanks - auch wenn er schon seit 10 Jahren nicht mehr lebt. Aber durch seine Filme ist er für mich lebendiger als viele der heutigen Stars.
Da kommt bei mir nie das Gefühl auf: "Das war vor meiner Zeit". Denn es gibt Dinge, die sind einfach so zeitlos, dass Zeit überhaupt keine Rolle spielt.
Ja, das sehe ich auch so. Ich kann mir einen John Wayne - Film ansehen und kann mir vorstellen, dass er ein großer Westernheld war.
Auch sind viele andere Filme, Interpreten,... zeitlos in meinem Verständnis, ohne dass ich sie von ihrem Karrierestart an verfolgt hätte.

Fazit:

Letztlich ist doch der Weg folgender: Von einer Sache hören oder selbst darauf stoßen und sich dann, auch wenn sie lange vor der eigenen Zeit entstanden sein sollte, darüber zu informieren.

Oder auch mal jemanden aus der betreffenden Zeit fragen. Da kommen Informationen zu Tage, die man so hätte nicht lesen können :) (Zeitzeugenberichte...).


Ciao,
GE
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Joal
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19. Juni 2008 17:16

Invincible1958 hat geschrieben:Mir ging es aber gar nicht ums "Kennen" bzw. "beurteilen können", sondern nur um das "davon gehört haben".
Dann hätten wir diesen Disput nie austragen müssen, den kennen tu ich das Buch auch.
Es steht keine 5Meter von mir entfernt... :wink:
"Wie lange habe ich noch?"
"30 Sekunden."
"Das lässt uns nicht viel Zeit..."


James Bond 007°'' - Quantum of Solace
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GoldenEagle
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19. Juni 2008 17:47

@ Joal

Hehe, na, dann weißt Du ja was als nächstes kommt:

Nehme, fühle, lese es und informiere Dich darüber hinaus :D :D


Ciao,
GE
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