Re: Kamera, Beleuchtung und das digitale Filmformat

#16
danielcc hat geschrieben: Schaust du QOS auf blu ray? Die anderen Bonds auch? Oder ist dir das auch im Kino so aufgefallen. Finde QOS wirklich nicht steril...
Ja, habe ihn letzens auf Blu-ray geschaut. Und auch einige andere Bonds, aber nicht alle, habe die Box noch nicht so lange.
Ich finde halt die Bilder wirken bei QOS irgendwie "künstlich" oder eben "steril", ich weiss auch nicht wie ich das erklären kann. Ich finde einfach, er sieht anders aus als die anderen Filme.

Re: Kamera, Beleuchtung und das digitale Filmformat

#18
danielcc hat geschrieben:
Skyfall wurde ja erstmals für einen Bondfilm digital gefilmt.
Falsch. Bei QOS wurden bereits einzelne Szenen mit den Digitalkameras Dalsa Origin und ARRI Arriflex D-21 gefilmt. Bereits bei QOS hatten wir einen Mix aus digitaler und klassischer Zelluloid-Fotografie.

Die bei Skyfall verwendete Kamera ist die ARRI ALEXA, eine Kamera die mithin den klassischen analogen Kinolook imitieren soll, wie auch schon die ARRI D-21. Diese Kamera ist nicht vergleichbar mit den Sony HDCAMS, die bei Star Wars Episode II und den letzten Filmen von Michael Mann (Miami Vice, Collateral, Public Enemies) eingesetzt wurde. Die HDCAM basiert außerdem auf einer TV Kamera, was sich auch im Bild niederschlägt. In Miami Vice hat der digitale Look schon was gehabt und war zum Stil des Films passend.

Zur cinematografie in Skyfall: Mir selber ist kaum etwas aufgefallen. Im Grunde finde ich, dass Skyfall sehr klassisch / zeitlos aussieht und durchaus nicht wie mitunter klischeeartiges "Digitalkino" aussieht. Sehr vieles im Film sieht aus wie mit Zelluloid gedreht bzw. nähert sich dem sehr nah an. Die Casino-Szenen halte ich überhaupt nicht für seltsam. Das dunstige Innere passt perfekt zum Umfeld und der Atmosphäre der Szenen und unterstreicht den Charakter der "Drachenhöhle", welche das Casino ja gewissermaßen für den "Drachen" Severine ist :wink:
Die Szenen auf der Yacht sind Hell, aber dieser überbelichtete Look scheint eher Stilmittel zu sein und sowas sah man auch schon in analog gedrehten Filmen.

Im Vergleich finde ich allerdings die cinematografie in CR bemerkenswerter, da dort in sehr vielen Bereichen das Bild etwas "golden" wirkt und fast etwas von den ersten Bonds in Technicolor hat. Besonders merkt man das in den Szenen in Montenegro. Wahrscheinlich hatten da die vorrangig verwendeten Angenieux Optimo Linsen und eine entsprechende Beleuchtung Anteil daran. Im Vergleich dazu wirkte Skyfall mitunter etwas Kalt in seiner Farbpalette, wobei andererseits ein bunteres Schottland oder London nicht zur Atmosphäre der Story gepasst hätten. Ich finde die Cinematografie in Skyfall großartig, aber halte die von CR für unterschätzt...
"In a Bond film you aren't involved in cinema verite or avant-garde. One is involved in colossal fun."

Terence Young

Re: Kamera, Beleuchtung und das digitale Filmformat

#19
Auch ich finde dass die Bilder in Skyfall einen gelungenen Spagat zwischen klassisch und modern machen, bzw. sehr zeitlos wirken. Deakins' Arbeit ist einfach fantastisch. Die farben sind relativ kräftig und der hell-dunkel Kontrast zwischen den einzelnen Szenen ebenfalls, das gehört meiner Meinung nach aber zum Film und sieht immer sehr schön aus.

Wenn ein Craig-Bond für mich visuell befremdlich wirkt dann ist es ohne Zweifel QoS. Und zwar gibt es da einige Einstellungen in der PTS, die Bond im Inneren des Aston Martins zeigen und mich immer wieder erstaunen. Weil die Verfolgungsjagd ja bekanntlich etwa zehnmal in der Sekunde geschnitten wird ist es kaum möglich, diese Bilder genauer zu analysieren, aber auch das kurze Aufblitzen reicht mir jeweils. Die gesamte Beleuchtung im Innenraum ist irgendwie bizarr, Craig hat in dieser Einstellung wirklich extrem blau leuchtende Augen und alles wirkt vollkommen künstlich. Vielleicht würde dieser Eindruck verfliegen, wenn ich mal ein Standbild der Sequenz sähe. Ich weiss es nicht.
We'll always have Marburg

Re: Kamera, Beleuchtung und das digitale Filmformat

#20
Vielleicht spiegelt sich der blue screen in seinen Augen ;-)

Also ich bin jetzt etwas verwirrt, weil scheinbar nur ich ein Problem mit SF habe. Wobei, ein Problem ist es gar nicht, ich finde es nur auffallend anders.

Vielleicht ist es auch so, dass Craig wirklich so aussieht, wie in der Szenen in Ms Haus, und in den anderen Szenen ist es so eine Art "Weichzeichner-Effekt" :-)

An SF ist aber noch etwas anders. Ich glaube, der Film spielt verhältnismäig oft im Freien mit natürlicher Beleuchtung und das bei viel Sonne. Ist mir sofort auf dem Zug aufgefallen, wenn Craig auf die Kamera zuläuft am Anfang oder auch auf dem Schiff. So gleißendes helles Licht sieht man selten im Kino, finde ich.
"It's been a long time - and finally, here we are"