Wie findet ihr FYEO?

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Re: Filmbesprechung: "For Your Eyes Only (FYEO)"

1231
Revoked hat geschrieben: 4. März 2019 21:48
Maibaum hat geschrieben: 4. März 2019 21:43 Eine sinnvolle Straffung der Szene müsste jedoch im Millisekundenbereich statt finden ...
Also genau so lange wie es dauert die Szene komplett zu entfernen?
Ich meinte die Länge der Szene nach einer sinnvollen Kürzung, die alle redundanten Teile entfernt. Komplett streichen würde ich sie nicht, dafür ist sie zu wichtig für die Handlung.

Re: Filmbesprechung: "For Your Eyes Only (FYEO)"

1232
Maibaum hat geschrieben: 4. März 2019 21:43 Eine sinnvolle Straffung der Szene müsste jedoch im Millisekundenbereich statt finden ...
Immer diese Befindlichkeiten. :wink:

Schau dir die Originalszene mal an, die war furchtbar im Rhythmus, da wurde sinnvoll gekürzt, sodass die Szene genau die gewünschte Wirkung bekommen hat. Wirklich mögen tu ich sie wie gesagt auch nicht und meinetwegen hätte sie ganz raus gekonnt, aber für sich war diese Straffung sehr sinnvoll und on point umgesetzt.
Prejudice always obscures the truth.

Re: Filmbesprechung: "For Your Eyes Only (FYEO)"

1237
Das sehe ich auch so!
Genauso wie ich TSWLM und MR wesensverwandt finde, gehören auch FYEO und OP stilistisch zusammen.
Und daher bin ich stets verwundert, wenn jemand TSWLM gut und MR schlecht oder FYEO schlecht und OP gut findet (oder halt andersrum).

Tja, ich bin ja der Verfechter der These, dass MR die Quintessenz der Moore-Bonds darstellt. Ich habe gestern Abend nochmal FYEO geschaut und sehe schon, dass Moore einen komplett anderen Bond als in MR gibt. In FYEO ist er weitaus menschlicher und sympathischer. Aber ich frage mich halt, was der Figur des JB näher kommt. Verdeckt diese Humanität nicht ein wenig die Identität von JB? Ist es nicht gerade dieses „Bigger than life“, was mich an JB reizt? Wobei man sicherlich Beide Interpretationen nebeneinander stehen lassen kann...

FYEO hat mich sicherlich gut unterhalten, hatte tolle Actionszenen und viele Schauwerte zu bieten.
Aber Einiges störte mich schon:
1) Ich habe selten solch dämliche Gegner gesehen. Zb als Bond von der Schanze springt und alles für den Schuss des Snipers vorbereitet war, fährt der Mitstreiter des Snipers in die Schussbahn. Oder warum will ihn Glover in Cortina immer killen lassen, obwohl Bond doch seinen Rivalen beseitigen soll?
2) Die erste Szene am Grab von Tracy erzeugte Nostalgie. Aber anstatt dies für eine gewisse Tiefgründigkeit zu nutzen, macht Bond seine Scherze, als er denjenigen, der für ihren Tod verantwortlich ist, emotionslos entsorgt—-verschenkt.
3) Topol spielt eine charismatische Figur und da hätte viel mehr Tiefe zwischen ihm und Bond entstehen sollen (man vergleiche Kerim Bay und JB in FRWL)—-auch verschenkt.
4) Glover als Bösewicht fand ich lächerlich. Diese Eifersuchtsszene wegen Bibi...man vergleiche da Largo in TB (viel subtiler und nachvollziehbarer)...

Und trotzdem, selbst diesen etwas bodenständigeren Moore-Bond würde ich einem Brosnan oder Craig vorziehen, da Moore (fast wie Connery, aber aus anderen Gründen natürlich) dieses Bondflair schon transportiert...

Ein 7,5 von 10 hat FYEO schon verdient...


AnatolGogol hat geschrieben: 1. März 2019 10:27
Casino Hille hat geschrieben: 28. Februar 2019 23:24Natürlich ist mir klar, dass du das als bekennender FYEO-Verehrer anders empfindest. Aber ich hoffe, meinen Standpunkt einigermaßen nachvollziehbar gemacht haben zu können.
Sogar sehr gut nachvollziehbar und vielen Dank für deine ausführliche Antwort.
Casino Hille hat geschrieben: 28. Februar 2019 23:24 aber nichts davon entschuldigt in meinen Augen den doch sehr sehr missratenen Humoreinschlag, den ihr Charakter mit sich bringt. Ja, die Rolle muss etwas dümmlich und nervig erscheinen, aber für mein eigenes Schmerzempfinden ist FYEO da einfach einen entschiedenen Schritt zu weit gegangen, an der die Rolle in ihrer extremen Naivität nicht mehr glaubwürdig erscheint. Sie ist eines dieser Elemente, die es leider in FYEO und auch besonders in TLD zu Hauf gibt (vielleicht nicht nur in den zwei Filmen, aber das sie mir als erstes in den Sinn kommen, ist bezeichnend), nämlich ZU absurd alberne Mimente in eher bodenständig angelegten Filmen. Mit einer hochgradig albernen, inkompetenten Figur wie Goodnight habe ich in einem Film wie TMWTGG, in der ein Zwerg mit Messer auf Bond losgeht und zwei Sumorai-Ringer herum schubst, wenig Probleme. In FYEO, der deutlich mehr dramatisches Gewicht mit sich herumschleppt, finde ich eine Figur wie Bibi dafür umso deplatzierter, zumindest in dieser Ausrichtung.
Ich kann gut nachvollziehen, dass dir die vielen Albernheiten bei TMWTGG nicht so sehr aufstossen wie bei FYEO (oder dem von dir diesbezüglich ebenfalls genannten TLD), da dieser bereits konzeptionell sich viel mehr in einer Fantasiewelt bewegt, während ab 1981 die Filme dann wieder in ein deutlich greifbarers Paralleluniversum gepackt wurden. Aber erlaube mir die Frage - rein aus Neugier und nicht etwa, weil ich deine Argumentation torpedieren möchte - warum du als bekennender OP-Fan bei diesem Film scheinbar dann weniger Probleme mit den zahlreichen Albernheiten hast. Rein gefühlsmäßig war für mich OP immer die logische Fortführung des in FYEO begonnenen Mischverhältnisses zwischen Ernsthaftigkeit und überdrehtem Humor, rein stilistisch sehe ich diese beiden Filme als sehr ähnlich. Empfindest du das anders? Zugegeben, eine Figur wie Bibi findet man in OP nicht, aber da du TLD nanntest, welcher auch ohne eine ähnliche Figur auskommt, muss es ja mehr sein als nur die in einer Person manifestierte Albernheit.
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Re: Filmbesprechung: "For Your Eyes Only (FYEO)"

1238
satre70 hat geschrieben: 24. April 2019 11:58 Oder warum will ihn Glover in Cortina immer killen lassen, obwohl Bond doch seinen Rivalen beseitigen soll?
Wie kommst du zu der Schlussfolgerung, dass Bond Columbo für Kristatos beseitigen soll? Erwähnt wird das ja nirgends wenn ich jetzt nicht was komplett ignoriert habe. Kristatos schickt Bond doch nur deshalb auf Columbos Fährte, damit er selbst lange genug aus der Schusslinie ist (bis Bond liquidiert wurde). Der FIlm ist da eigentlich sehr klar: Kristatos (bzw. bis zu dessen Enttarnung vermeintlich Columbo) will Bond liquidieren lassen, damit dieser seine Machenschaften mit dem ATAC nicht stören kann (wie er es zuvor auch schon bei den Havelocks gemacht hat). Daher die diversen Anschläge in Cortina und auf Korfu. Auch erweckt der Film ja nicht gerade den Anschein, dass die jahrzehntelangen Animositäten Kristatos wichtiger sind als die Bergung des ATAC, dafür kümmert sich FYEO doch viel zu wenig (praktisch ja eigentlich gar nicht) um die Beziehung zwischen den beiden Griechen.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Filmbesprechung: "For Your Eyes Only (FYEO)"

1240
Stimmt, den Dialog hatte ich vergessen. Aber hinsichtlich der zeitlichen Abfolge ist zu bedenken, dass dies die direkte Replik auf das Gespräch zwischen Bond und Kristatos ist, in welchem Ari etwas von „man müsste ihn beseitigen – endgültig“ sagt (Columbo spielt die Tonbandaufzeichnung davon ab). Es scheint hier zwar so, als ob Kristatos Bond auf Columbo ansetzen würde – allerdings erst nachdem er bereits mehrfach versucht hat ihn liquidieren zu lassen (Biathlon/Marktplatz/Eis-Stadion). D.h. seine primäre Intention war und ist Bond loszuwerden, da dieser das ATAC-Vorhaben gefährdet. In diesem Zusammenhang nutzt Kristatos den Dialog also zunächst einmal nur dazu, keine Verdachtsmomente gegen sich selbst aufkommen zu lassen. Ob er tatsächlich ernsthaft damit liebäugelt, dass Bond seinen Widersacher aus dem Weg räumt ist eher fragwürdig, da er ja bereits wenige Stunden nach dem Gespräch im Casino-Restaurant erneut am Strand einen Mordanschlag auf Bond in die Wege leitet, ohne dass dieser überhaupt Gelegenheit gehabt hätte an Columbo heranzukommen. Die Dialogführung/Argumentation von Columbo ist daher eher etwas ungeschickt (da er direkt Bezug nimmt auf das aufgezeichnete Gespräch), als tatsächlich ein Beleg dafür, dass Kristatos Columbo durch Bond aus dem Weg schaffen lassen will.
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Re: Filmbesprechung: "For Your Eyes Only (FYEO)"

1242
Also in Cortina lenkt er ihn schon auf Columbo...warum? Im Casino fordert er ihn sogar detailliert zum Mord auf, um ihn dann am nächsten Morgen killen zu wollen?

Wozu das alles?

Und was ist das für ein Idiot, sich für eine Bibi zu erniedrigen?
(Wie schon gesagt, bei Domino in TB verstehe ich das durchaus :-))) )
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Re: Filmbesprechung: "For Your Eyes Only (FYEO)"

1243
satre70 hat geschrieben: 24. April 2019 23:05 Also in Cortina lenkt er ihn schon auf Columbo...warum? Im Casino fordert er ihn sogar detailliert zum Mord auf, um ihn dann am nächsten Morgen killen zu wollen?

Wozu das alles?
Hallo satre70,

wie schon gesagt sehe ich da keinen inhaltlichen Widerspruch. Ich versuche das mal noch etwas zu vertiefen: Bond ist in Cortina, um über die Spur Locque an die Hintermänner an dem Mord an den Havelocks heranzukommen, die gleichzeitig auch das ATAC in ihren Besitz bringen wollen. Kristatos wird als englischer Mittelsmann eingeführt, der ihm dafür die notwendigen Informationen gibt. Da Kristatos a) selbst der gesuchte Hintermann ist und b) seit Jahrzehnten als Doppelagent den Briten falsche oder zumindest stark selektive Informationen liefert liegt es auf der Hand, dass er Bond auf eine falsche Fährte schicken muss, die weg von ihm selbst führt. Daher ist es ebenfalls naheliegend, dass er seinen alten Rivalen Columbo (der wie er über die notwendigen Verbindungen und Organisation für eine Bergung des ATAC verfügt) als den unbekannten Hintermann und Auftraggeber Locques ins Spiel bringt.

Nicht unwichtig in diesem Zusammenhang ist zudem, dass er beim ersten Treffen mit Bond in Cortina keinerlei Andeutungen hinsichtlich einer wünschenswerten Liquidierung Columbos macht, er liefert zunächst nur einmal falsche Infos, um von sich selbst abzulenken. Dies ist deswegen nicht ganz unwichtig, da hätte das Drehbuch tatsächlich den Plotpunkt intergrieren wollen, dass Kristatos Columbo durch Bond liquidieren lassen will, dann wäre man hier vermutlich von Anfang an eindeutiger mit diesem Thema umgegangen - wie beispielsweise im inhaltlich nicht unähnlichen TLD, in welchem Koskov bereits beim ersten Treffen (streng genommen beim zweiten, aber beim ersten Treffen am „Schwein“ blieb ja keine Zeit für einen großen Plausch) Bond auf Pushkin ansetzt und ihm quasi dessen Liquidierung nahelegt. Bei FYEO wird dieser Gedankengang hingegen erst wesentlich später von Kristatos geäussert und das zu einem Zeitpunkt, zu welchem bereits aufgrund der zahlreichen Mordanschläge klar ist, dass er kein Interesse daran hat, dass Bond weiterlebt (da er ansonsten befürchten muss, dass sein ATAC-Unterfangen wie auch seine Doppelagenten-Tätigkeit auffliegt) – jedenfalls mit dem Wissen einer mehrmaligen Sichtung, dass Kristatos der eigentliche Hintermann ist.

Besagte Äusserung auf Korfu (dass Bond Columbo endgültig beseitigen soll) legt nun zwei Schlussfolgerungen nahe:
1. Dass Kristatos hier tatsächlich ausnahmsweise die Wahrheit spricht und er Columbo durch Bond liquidieren lassen will.
2. Dass er auch hier Bond wieder nur Mumpitz erzählt (wie bis dahin immer) und ihn auch weiterhin von sich selbst weglocken will (wie ebenfalls bis dahin immer).

Wäre tatsächlich 1. die Intention des Drehbuchs, dann ist deine Kritik berechtigt, da es keinen Sinn ergibt, dass Kristatos kurz darauf (und damit bevor Bond überhaupt Gelegenheit hatte sich um Columbo zu kümmern) Bond abermals liquidieren lassen will. Sollte aber 2. die zu vermittelnde Absicht der Herren Maibaum und Wilson sein, dann ergibt alles Sinn, da erstens stimmig zu den vormaligen Handlungen von Kristatos und zweitens stimmig hinischtlich dessen originärer Interessen (ATAC sichern und Bond aus dem Weg haben). Und selbst hier wäre es zumindest denkbar, dass Kristatos als gewiefter Taktiker (der er sein muss, da er ansonsten sicher nicht mehrere Jahrzehnte als Doppelagent hätte überleben können) von Anfang an aufgrund der Reputation von Bond mit einbezieht, dass seine Mordanschläge nicht sofort Erfolg haben werden und daher durchaus auch die Möglichkeit besteht, dass Bond quasi als Bonus Columbo auch noch beseitigt, bevor er selbst einem der fortgesetzten Mordanschläge zum Opfer fällt.





satre70 hat geschrieben: 24. April 2019 23:05 Und was ist das für ein Idiot, sich für eine Bibi zu erniedrigen?
(Wie schon gesagt, bei Domino in TB verstehe ich das durchaus :-))) )
Auch hier finde ich das Drehbuch absolut stimmig. Bereits in Kristatos erster Szene wird unterschwellig, aber dennoch sehr effektiv, angedeutet, dass sein Interesse an seinem Protege nicht ausschliesslich sportlicher Natur ist (wodurch gleichzeitig die ersten subtilen Vedachtsmomente gegen seine Figur gestreut werden). Verstärkt wird dieser „Verdacht“ noch durch die Szene mit Bibi und Bond im Hotelzimmer, in welcher beide recht deutlich auf „Onkel Aris“ Absichten anspielen. Wenn dann der Film im Finale, also zu einem Zeitpunkt zu welchem die Figur Kristatos die wohl dynamischste charakterliche Wandlung alles Bondschurken hingelegt hat, diesen Aspekt aufgreift dann ist dies nicht nur inhaltlich von langer Hand vorbereitet, sondern auch dadurch legitimiert, da man so Bond und seinen Mitstreiter Hilfe „von innen“ zukommen lassen kann (was den letztlichen Erfolg ihrer Mission ein kleines Stück glaubhafter wirken lässt). Das geht aber nur, indem man zuvor sich eindeutig auf der Seite bzw. zumindest im Dunstkreis von Kristatos aufhaltenden Figuren die Möglichkeit gibt „überzulaufen“. Und da sind Onkel Aris „unnatürliche“ Absichten doch ein perfekt glaubhafter Grund. Dass er Bibis Desinteresse an ihm nach allem was er für sie bzw. ihre Karriere getan hat nicht ohne Groll und angedrohte Konsequenzen hinnimmt (und damit das Überlaufen in Gang setzt) ist nachvollziehbar - gerade für einen als gemeinhin heissblütig geltenden Griechen.

Übrigens empfinde ich die von dir angeführte Beziehung Largo-Domino in TB als praktisch identisch zu der von Kristatos und Bibi. In beiden Fällen wird die Beziehung eines älteren Mannes zu einer wesentlich jüngeren, äusserst attraktiven Frau für die Öffentlichkeit anders deklariert als das, was es eigentlich ist, um gesellschaftlichen Konventionen zu entsprechen. In beiden Fällen ist zudem das Interesse des Mannes offensichtlich deutlich stärker als das der Frau, wodurch es fast schon zwangsläufig auf einen Bruch der Beziehung hinausläuft. Der einzige wirkliche Unterschied ist die Rolle, die Bond innerhalb dieses Figurengeflechts einnimmt. In TB ist er sowohl der Auslöser des Bruchs als auch der Ausweg für Domino aus der einengenden Beziehung, während er in FYEO lediglich als letzteres in Erscheinung tritt und selbst hier nur indirekt.
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Re: Filmbesprechung: "For Your Eyes Only (FYEO)"

1244
Mir ist dieser Fehler zwar bisher noch nie bewusst aufgefallen, muss der Kritik aber zustimmen. Kristatos tut noch mehr, als dass der den Verdacht auf Columbo lenkt. Er legt Bond schon ziemlich nahe, Columbo zu liquidieren. Dazu kommt noch die von Hille zitierte Aussage. Ich war bisher auch immer davon ausgegangen, dass Kristatos Columbo loswerden will.
"Ich glaube nie, was in den Zeitungen steht." - TND

Re: Filmbesprechung: "For Your Eyes Only (FYEO)"

1245
Hallo AnatolGogol

Vielen Dank für Deine ausführliche, sehr interessante Ausführung!

Jedoch teile ich sie nach wie vor nicht so recht, da dieses Motiv nickt neu ist und vorher -zumindest für mich- logischer und stringenter behandelt wurde.
Nehmen wir FRWL...nicht nur, dass Grant Bond nicht nur nicht tötet, er rettet ihm sogar bei den Zigeunern das Leben, da er ihn noch braucht.

Wenn Du Recht hättest, wäre Kristatos ein Vollidiot! Er könnte Columbo elegant beseitigen lassen....

Genauso ist sein Verhalten in Griechenland völliger Schwachsinn: Er lässt Bond erst von einem Taucher angreifen und danach noch von einem Mini-U-Boot, statt oben auf dem Schiff in Seelenruhe zu warten, bis Bond ihm das ATEC bringt (so wie er es ja nachher auch tatsächlich tut)...Geduld scheint nicht sein Ding zu sein...

Bezüglich Bibi und TB: Domino ist eine „richtige Frau“ und ich denke schon, dass sie sich gerne von Largo hat aushalten lassen... und sie hätten sicherlich auch sexuell etwas am laufen...

Bibi ist nassforsch und unreif und Onkel Ari durfte auch noch nicht bei ihr rann (siehe Dialog am Ende)...wohingegen Largo zumindest Sex bekam (wenn auch keine Liebe)...(auch wenn TB dem Remake überlegen ist, zeigt Brandauer diese verletzliche Seite und seine Liebe zu Domino in NSNA sehr deutlich in der Szene im Boot oder beim Dialog mit Fiona)...

AnatolGogol hat geschrieben: 25. April 2019 07:52
satre70 hat geschrieben: 24. April 2019 23:05 Also in Cortina lenkt er ihn schon auf Columbo...warum? Im Casino fordert er ihn sogar detailliert zum Mord auf, um ihn dann am nächsten Morgen killen zu wollen?

Wozu das alles?
Hallo satre70,

wie schon gesagt sehe ich da keinen inhaltlichen Widerspruch. Ich versuche das mal noch etwas zu vertiefen: Bond ist in Cortina, um über die Spur Locque an die Hintermänner an dem Mord an den Havelocks heranzukommen, die gleichzeitig auch das ATAC in ihren Besitz bringen wollen. Kristatos wird als englischer Mittelsmann eingeführt, der ihm dafür die notwendigen Informationen gibt. Da Kristatos a) selbst der gesuchte Hintermann ist und b) seit Jahrzehnten als Doppelagent den Briten falsche oder zumindest stark selektive Informationen liefert liegt es auf der Hand, dass er Bond auf eine falsche Fährte schicken muss, die weg von ihm selbst führt. Daher ist es ebenfalls naheliegend, dass er seinen alten Rivalen Columbo (der wie er über die notwendigen Verbindungen und Organisation für eine Bergung des ATAC verfügt) als den unbekannten Hintermann und Auftraggeber Locques ins Spiel bringt.

Nicht unwichtig in diesem Zusammenhang ist zudem, dass er beim ersten Treffen mit Bond in Cortina keinerlei Andeutungen hinsichtlich einer wünschenswerten Liquidierung Columbos macht, er liefert zunächst nur einmal falsche Infos, um von sich selbst abzulenken. Dies ist deswegen nicht ganz unwichtig, da hätte das Drehbuch tatsächlich den Plotpunkt intergrieren wollen, dass Kristatos Columbo durch Bond liquidieren lassen will, dann wäre man hier vermutlich von Anfang an eindeutiger mit diesem Thema umgegangen - wie beispielsweise im inhaltlich nicht unähnlichen TLD, in welchem Koskov bereits beim ersten Treffen (streng genommen beim zweiten, aber beim ersten Treffen am „Schwein“ blieb ja keine Zeit für einen großen Plausch) Bond auf Pushkin ansetzt und ihm quasi dessen Liquidierung nahelegt. Bei FYEO wird dieser Gedankengang hingegen erst wesentlich später von Kristatos geäussert und das zu einem Zeitpunkt, zu welchem bereits aufgrund der zahlreichen Mordanschläge klar ist, dass er kein Interesse daran hat, dass Bond weiterlebt (da er ansonsten befürchten muss, dass sein ATAC-Unterfangen wie auch seine Doppelagenten-Tätigkeit auffliegt) – jedenfalls mit dem Wissen einer mehrmaligen Sichtung, dass Kristatos der eigentliche Hintermann ist.

Besagte Äusserung auf Korfu (dass Bond Columbo endgültig beseitigen soll) legt nun zwei Schlussfolgerungen nahe:
1. Dass Kristatos hier tatsächlich ausnahmsweise die Wahrheit spricht und er Columbo durch Bond liquidieren lassen will.
2. Dass er auch hier Bond wieder nur Mumpitz erzählt (wie bis dahin immer) und ihn auch weiterhin von sich selbst weglocken will (wie ebenfalls bis dahin immer).

Wäre tatsächlich 1. die Intention des Drehbuchs, dann ist deine Kritik berechtigt, da es keinen Sinn ergibt, dass Kristatos kurz darauf (und damit bevor Bond überhaupt Gelegenheit hatte sich um Columbo zu kümmern) Bond abermals liquidieren lassen will. Sollte aber 2. die zu vermittelnde Absicht der Herren Maibaum und Wilson sein, dann ergibt alles Sinn, da erstens stimmig zu den vormaligen Handlungen von Kristatos und zweitens stimmig hinischtlich dessen originärer Interessen (ATAC sichern und Bond aus dem Weg haben). Und selbst hier wäre es zumindest denkbar, dass Kristatos als gewiefter Taktiker (der er sein muss, da er ansonsten sicher nicht mehrere Jahrzehnte als Doppelagent hätte überleben können) von Anfang an aufgrund der Reputation von Bond mit einbezieht, dass seine Mordanschläge nicht sofort Erfolg haben werden und daher durchaus auch die Möglichkeit besteht, dass Bond quasi als Bonus Columbo auch noch beseitigt, bevor er selbst einem der fortgesetzten Mordanschläge zum Opfer fällt.





satre70 hat geschrieben: 24. April 2019 23:05 Und was ist das für ein Idiot, sich für eine Bibi zu erniedrigen?
(Wie schon gesagt, bei Domino in TB verstehe ich das durchaus :-))) )
Auch hier finde ich das Drehbuch absolut stimmig. Bereits in Kristatos erster Szene wird unterschwellig, aber dennoch sehr effektiv, angedeutet, dass sein Interesse an seinem Protege nicht ausschliesslich sportlicher Natur ist (wodurch gleichzeitig die ersten subtilen Vedachtsmomente gegen seine Figur gestreut werden). Verstärkt wird dieser „Verdacht“ noch durch die Szene mit Bibi und Bond im Hotelzimmer, in welcher beide recht deutlich auf „Onkel Aris“ Absichten anspielen. Wenn dann der Film im Finale, also zu einem Zeitpunkt zu welchem die Figur Kristatos die wohl dynamischste charakterliche Wandlung alles Bondschurken hingelegt hat, diesen Aspekt aufgreift dann ist dies nicht nur inhaltlich von langer Hand vorbereitet, sondern auch dadurch legitimiert, da man so Bond und seinen Mitstreiter Hilfe „von innen“ zukommen lassen kann (was den letztlichen Erfolg ihrer Mission ein kleines Stück glaubhafter wirken lässt). Das geht aber nur, indem man zuvor sich eindeutig auf der Seite bzw. zumindest im Dunstkreis von Kristatos aufhaltenden Figuren die Möglichkeit gibt „überzulaufen“. Und da sind Onkel Aris „unnatürliche“ Absichten doch ein perfekt glaubhafter Grund. Dass er Bibis Desinteresse an ihm nach allem was er für sie bzw. ihre Karriere getan hat nicht ohne Groll und angedrohte Konsequenzen hinnimmt (und damit das Überlaufen in Gang setzt) ist nachvollziehbar - gerade für einen als gemeinhin heissblütig geltenden Griechen.

Übrigens empfinde ich die von dir angeführte Beziehung Largo-Domino in TB als praktisch identisch zu der von Kristatos und Bibi. In beiden Fällen wird die Beziehung eines älteren Mannes zu einer wesentlich jüngeren, äusserst attraktiven Frau für die Öffentlichkeit anders deklariert als das, was es eigentlich ist, um gesellschaftlichen Konventionen zu entsprechen. In beiden Fällen ist zudem das Interesse des Mannes offensichtlich deutlich stärker als das der Frau, wodurch es fast schon zwangsläufig auf einen Bruch der Beziehung hinausläuft. Der einzige wirkliche Unterschied ist die Rolle, die Bond innerhalb dieses Figurengeflechts einnimmt. In TB ist er sowohl der Auslöser des Bruchs als auch der Ausweg für Domino aus der einengenden Beziehung, während er in FYEO lediglich als letzteres in Erscheinung tritt und selbst hier nur indirekt.
Die Hölle? Das sind die Anderen! (Satre)
Widerlich! Einfach widerlich! (Bond in Goldfinger)