Filmbesprechung: "On Her Majesty's Secret Service (OHMSS)"

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Maibaum
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27. Dezember 2017 15:23

Das Nick auch immer wieder an eher einfachen Handlungen scheitert ist sicher kein Zufall ...
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AnatolGogol
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7. Februar 2018 08:50

Im Geheimdienst Ihrer Majestät / On Her Majesty’s Secret Service (1969) – Peter Hunt

Durch das Ausscheiden ihres Zugpferdes Sean Connery auf dem Höhepunkt der Bondmanie der 60er Jahre befanden sich Harry Saltzman und Albert R. Broccoli in einer denkbar schwierigen Situation. Den EON-Machern war klar, dass jeder Nachfolger Connerys – und sei er noch so prominent - es zu diesem Zeitpunkt schwer haben würde in die gewaltigen Schuhe des bereits zum damaligen Zeitpunkt zur Ikone gewordenen Schotten zu treten. Nichtsdestotrotz hatten die Produzenten sehr genaue Vorstellungen, wie ihr neuer Hauptdarsteller auszusehen hatte: eine blendende Erscheinung von beeindruckender Statur mit einer außergewöhnlichen Ausstrahlung auf seine Mitwelt (besonders auf die weibliche). Vor allem sollte der neue Mann aber kein Star sein, da man ihn kontrollieren und formen wollte. Die Wahl fiel auf den bis dahin nahezu unbekannten Dressman George Lazenby, der in Aussehen und Statur sicherlich nicht von Ungefähr eine deutliche Ähnlichkeit zu seinem Vorgänger aufwies. Statt eines eigensinnigen und (verständlicherweise) zunehmend teurer werdenden Originals hatte man eine vermeintlich kontrollierbare und deutlich günstigere Kopie aus dem Ärmel gezaubert.

Über die Beweggründe für diese Entscheidung lässt sich freilich trefflich spekulieren. Die bereits angesprochene finanzielle Komponente sowie eine langfristige Planungssicherheit aufgrund einer vorgesehenen mehrjährigen und exklusiven Rollenbindung Lazenbys waren sicherlich die Hauptmotivation des Produzentenduos. Darüber hinaus ist es aber auch gut denkbar, dass aufgrund des massiven Erfolges der Serie man selbst mit einem völligen Neuling von einem Selbstläufer ausging. Und es wäre wohl nur menschlich, wenn auch der Gedanke an eine kleine Revanche mitgespielt hätte nach dem Motto: „seht her, der Erfolg ist im Produkt begründet, nicht in seinem Hauptdarsteller! Wir können nehmen, wen wir wollen!“. So oder so: EON ging ein nicht unbeträchtliches Risiko mit der Wahl eines Unbekannten ein, zumal Lazenby bis dato keinerlei schauspielerische Erfahrung vorzuweisen hatte.

Die Verantwortung den darstellerischen Novizen Lazenby fit für die Hauptrolle eines Multimillionen-Dollar-Films zu machen gedachte man Peter Hunt zu. Obwohl strenggenommen genauso ein Berufsanfänger wie sein Hauptdarsteller Lazenby (da zuvor nie eigenverantwortlich als Regisseur tätig), genoss er jedoch aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit als Editor und Bond-Veteran der ersten Stunde nicht nur hohes Ansehen bei den Produzenten, sondern war darüber hinaus ein bestens belesener Kenner des Flemingschen Kanons. Als solcher schien er prädestiniert den gemeinhin als Kronjuwel im Oevre des Autors angesehenen „On her Majesty’s Secret Service“ auf die Leinwand zu bringen.

Angesichts Hunts Begeisterung für Flemings Werk ist es keine Überraschung, dass OHMSS sich deutlich enger an seine literarische Vorlage hält als die direkten Vorgängerfilme (vor allem YOLT hatte sich diesbezüglich doch sehr große Freiheiten erlaubt). Aufgrund dessen kommt der Film auch erkennbar weniger formelhaft daher, gerade im Vergleich mit TB und YOLT. Der Spagat zwischen ernsthafteren und tiefergehenden Beziehungen zwischen den Charakteren (im Wesentlichen zwischen Bond und Tracy) einerseits und einem fantastischen Bedrohungsszenario andererseits ist erstaunlich selbstverständlich gelungen. Die Inszenierung blendet dabei den romantischen Aspekt der Bond-Tracy-Beziehung (welche in einer kurzen, aber im Zusammenspiel mit der sentimentalen Louis Armstrong Nummer „We have all the time in the World“ sehr effektiven Szenenkollage etabliert wird) im auf dem Piz Gloria spielenden Mittelteil bewusst aus und entpuppt sich dadurch in diesen Passagen als „normaler“ Bond-Film, bevor er ihn im finalen Drittel wieder aufgreift und den Film vorlagengetreu mit einem Paukenschlag in Moll ausklingen lässt.

Die Ausnahmestellung, die OHMSS innerhalb der Serie aufgrund der ungewöhnlich starken emotionalen Involvierung des Protagonisten genießt ist sowohl inhaltlich als auch inszenatorisch begründet. Neben der bereits erwähnten filmischen Kollage ist dies vor allem in der Rettung Bonds durch Tracy vor Blofeld und seinen Häschern in der Schweiz auffällig. Äußerst ungewöhnlich für die Serie ist hier, dass Bond kurz vor dem Treffen mit Tracy allein in einer scheinbar ausweglosen Situation in Szene gesetzt wird. Für einen kurzen Moment scheint Bond tatsächlich am Ende zu sein. Das wunderbar gefilmte Auftauchen (man sieht zunächst nur ihre Schlittschuhe) von und die damit einhergehende Rettung durch Tracy bekommt so ein viel stärkeres Gewicht als beispielsweise inhaltlich ähnliche Szenen mit Aki im direkten Vorgänger. Zudem erweitert diese Szene die Beziehung der beiden auch dadurch, dass die Rettung nicht nur auf vordergründiger Ebene erfolgt (also vor Blofelds Meute), sondern Tracy in letzter Konsequenz Bond auch vor sich selbst rettet (was sehr deutlich wird, als Bond ihr seinen Entschluss mitteilt, den Geheimdienst zu verlassen). Dies ist dann auch die Verknüpfung zwischen dem „klassischen“ Bond, der auf dem Piz sein amouröses „Unwesen“ treibt und dem „neuen“ Bond, der sich verliebt und eine Bindung eingeht. Durch diese unterschwellig moralisierende Komponente entfernt sich OHMSS dann auch sehr deutlich von seinen Vorgängern (und Nachfolgern), in welchen Bonds Rolle als nichts anbrennen lassender Womanizer nie in Frage gestellt wurde (jedenfalls hinsichtlich des „klassischen“ Kanons bis 1985/89 – je nachdem, wie weit man diesen fasst und ob man die „one-woman-policy“ von TLD als ähnlich moralisierend ansieht).

Ungewöhnlich ist darüber hinaus auch die Lauflänge des beinahe zweieinhalbstündigen Films. Auch wenn nie wirklich langatmig, so macht sich vor allem in den Szenen auf dem Piz Gloria durchaus eine gewisse Länge bemerkbar. Man sieht über eine recht lange Zeit hinweg Bond bei dessen amourösen Bemühungen zu. Diese sind zwar amüsant geschrieben und gespielt, gleichzeitig kommt die Handlung hier aber kaum voran bzw. wird durch die sich wiederholenden Szenen ausgebremst. Zudem hat der Film einige Szenen an Bord, die dramaturgisch nur bedingt notwendig sind und auf die man problemlos durch kleinere Änderungen im Drehbuch hätte verzichten können. Ich denke hierbei beispielsweise an die krawallige und auch nicht besonders gut in Szene gesetzte Stock-Car-Sequenz oder die Einbruchszene im Büro der Kanzlei Gumbold. Letztere ist zwar eine sehr schöne Fingerübung in Sachen Suspense, hält die eigentliche Handlung aber nur auf. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die gekürzte deutsche Kinofassung auf genau diese Szene verzichtet hat, ohne dass es dramaturgische Auswirkungen hatte. Letztlich leidet meines Erachtens OHMSS durchaus etwas an seiner langen Laufzeit, da eine straffere Handlungsentwicklung dem Tempo des Films gut zu Gesicht stehen würde.

A propos Tempo, dieses nimmt OHMSS vor allem in den Actionszenen auf, wodurch gerade nach der langen und recht ereignislosen Piz Gloria-Sequenz die von Willi Bogner konzipierte und vom späteren Bondregisseur John Glen überwachte Ski-Verfolgung eine ganz erstaunliche Dynamik gewinnt (wodurch der etwas lahmende Mittelteil des Films dann zumindest teilweise seine Berechtigung erhält). Egal ob vorwärts, rückwärts oder auf einem Ski fahrend: Bogner und Glen haben mit den spektakulären Ski-Stunts einen stilprägenden Meilenstein geschaffen, der fraglos zu den besten Actionszenen der Serie zu zählen ist. Ebenfalls höchst spektakulär sind alle Faustkämpfe, von denen es in OHMSS reichlich gibt. Neben Lazenbys bemerkenswertem Talent für solche handfesten Szenen ist es vor allem das gekonnte Zusammenspiel von Regie und Schnitt, wodurch die Schlagabtäusche ihre brachiale Wirkung erzielen (z.B. durch den effektiven Einsatz von Soundeffekten). Dieses ganz hohe Niveau können die restlichen Actionszenen nicht halten, da sowohl die Autoverfolgung (bei der wie bereits erwähnt eine Straffung nottun würde), als auch der weitgehend auf Schauwertbedienung setzende Sturm auf den Piz Gloria keine echten Highlights bieten. Dies gilt bedingt auch für die klimaktische Bob-Verfolgung, die zwar stunttechnisch gut umgesetzt ist, aber gleichzeitig auch unter den oftmals sehr unecht (da im Studio gedreht) wirkenden Inserts mit den Gesichtern der Schauspieler leidet. Auch wenn der Film in Punkto Setdesign deutlich reduzierter agiert und es keine Mega-Kulisse wie den gigantischen Adam-Krater in YOLT gibt, so wird dies durch die gut gewählte Location des Piz Gloria nahezu vollständig ausgeglichen. Das seinerzeit gerade erst entstandene Gipfeldomizil ist als Schurkenbastion und Schauplatz der finalen Actionszene perfekt gewählt und ermöglicht grandiose Alpenpanoramen.

Interessant ist das in OHMSS wiederkehrend betriebene Spiel mit dem Thema Zeit. Am auffälligsten sicherlich im Quasi-Titelsong „We have all the time in the World“ und daraus resultierend Bonds finalen Worten. Der Film greift dieses Thema aber auch an anderen Stellen auf, beispielsweise in der von Maurice Binder einmal mehr grandios kreierten Titelsequenz (in Form des durchs Stundenglas rinnenden Sands), mit Bonds Messerwurf auf den Kalender in Dracos Büro oder durch die gelungenen Anspielungen an die Vorgängerfilme, wenn Bond in seinem Büro Erinnerungen an vergangene Zeit(en) Revue passieren lässt (durch letzteres schafft der Film dann auch sehr elegant die Verbindung zur Connery-Ära). Ähnlich wie beim Motiv des „gerettet werden“ ist die Thematisierung von Zeit (und damit Vergänglichkeit) bemerkenswert, da man es in einem Bondfilm, noch dazu in einem der 60er Jahre und als direkter Nachfolger des Prototyps des (weitgehend) oberflächlichen Over-the-Top-Spektakels, nicht unbedingt erwarten würde.

Es war fraglos ein gewagter Entschluss der Produzenten Flemings Ende mit Teresas Ermordung so zu belassen und damit dem Publikum in der letzten Sekunde des Films einen echten Tiefschlag zu versetzen. Die Frage, ob es sinnvoller gewesen wäre, den Film nicht derart deprimierend enden zu lassen ist diskutabel. Als Alternativen wären in Frage gekommen, den Film direkt nach der Hochzeit enden zu lassen oder nach der Ermordung Teresas noch quasi die PTS aus DAF vorweg zu nehmen und damit Bond zumindest einen Teil-Erfolg in Form seiner Rache zuzugestehen. Beide Alternativen hätten dem Ende den trostlosen Eindruck genommen und dadurch insgesamt besser in den Gesamtkontext der Filmserie gepasst. Gleichzeitig muss man dem radikalen Ende aber auch zugestehen, dass es einer der Gründe für die Ausnahmestellung des Films innerhalb der Serie ist, da durch eine der angesprochenen Alternativen OHMSS fraglos konventioneller ausgefallen wäre (nicht zuletzt auch, da die „We have all the time in the World“-Szene dann weitgehend ihres Gewichts beraubt worden wäre – wenn es sie denn überhaupt gegeben hätte). Wie nachhaltig die Resonanz des Endes von OHMSS noch Jahrzehnte später spürbar ist zeigt die Tatsache, dass man sich bei der Verfilmung des dramaturgisch ähnlich düsteren Stoffes Casino Royale im Jahre 2006 bewusst dazu entschloss, den Film mit einer positiven, triumphierenden Szene zu beenden und eben nicht mit dem Tod Vespers.

Die PTS von OHMSS stellt für mich neben der Ski-Verfolgung den eigentlichen Höhepunkt des Films dar. Die komplette Sequenz ist prächtig gefilmt, auch da sich die Entscheidung im Zwielicht der Dämmerung zu drehen als goldrichtig erweist. Auch setzen die packenden und rauen Kampfszenen am Strand einen unerhört hohen Standard, den die nachfolgenden Actionszenen (sieht man von der Ski-Verfolgung ab) im besten Fall nur noch erreichen, aber nicht mehr überbieten. Im Zentrum steht natürlich die Einführung des neuen James Bond als Zwischending aus Hommage an Youngs Vorgehen in DN (auch dieses Mal ist wieder eine Fluppe unabdingbares Requisit, Bonds Gesicht wird lange nicht gezeigt) und eigenständigem Ansatz – letzteres vor allem durch den Einsatz von Witz (die klassische pointierte Auflösung der PTS „das wär dem Anderen nie passiert“) und Barrys nervös-treibender Musik. A propos Barry: mit OHMSS schuf er den fünften Klassiker in Folge ohne sich dabei zu wiederholen oder Qualität einzubüßen. Das Fehlen eines Titelsongs fällt überhaupt nicht negativ ins Gewicht, da sich das instrumentale Titelthema als enorm flott und eingängig erweist. Barrys Score brilliert nicht zuletzt im Spagat zwischen flotter Actionuntermalung und romantischen Momenten, die von ihm geschriebene melancholische Louis Armstrong-Nummer trägt einen nicht geringen Teil zur Glaubwürdigkeit der Liebesbeziehung zwischen Bond und Tracy bei.

Aufgrund der Neubesetzung der Bondrolle durch einen Nobody wurde bei der Verpflichtung der beiden anderen Hauptrollen Wert auf vergleichsweise große und potenziell zugkräftige Namen gelegt. Telly Savalas und vor allem die durch ihre Rolle als Emma Peel in der TV-Serie „The Avengers“ (deutsch „Mit Schirm, Charme und Melone“) zu Weltruhm gekommene Diana Rigg erfüllten diese Vorgabe mustergültig. Zwar stand Savalas noch vor seinem Karrierehöhepunkt als Theo Kojak, hatte sich aber längst als bekannter Darsteller in Großproduktionen etabliert und besaß damit ein ganz anderes internationales Gewicht (vor allem im Hinblick auf den so wichtigen US-amerikanischen Markt) als seine vorangegangenen Schurkenkollegen (mit der Ausnahme von vielleicht Pleasance).

So gelungen die Besetzung von Rigg und Savalas für sich genommen ist (Rigg ist das schauspielerisch vielleicht befähigtste Bondgirl und Savalas Blofeld-Darbietung strotzt nur so vor Charisma und Vitalität), so gnadenlos legt diese Konstellation die Defizite des eigentlichen Hauptdarstellers offen. Lazenbys Darstellung variiert zwischen ordentlich-zweckdienlich und hölzern-unbeholfen, was ihm aber vor allem abgeht ist die leinwandfüllende Ausstrahlung, nach der die Bondrolle förmlich schreit. Der Australier ist dabei noch nicht einmal schlecht, angesichts seines Anfängerstatus ist er sogar oftmals bemerkenswert gut, es gelingt ihm aber zu keiner Zeit dem Film seinen Stempel aufzudrücken und die Leinwand zu dominieren. Dies wird wie bereits angedeutet vor allem im direkten Kontrast zu Rigg und Savalas deutlich und es verwundert daher eigentlich auch nicht, dass zu Lazenbys besten Szenen die amourösen Episoden mit Blofelds darstellerisch auch nicht übermäßig talentierten Todesengeln gehören. So oder so: Lazenbys mangelndes Charisma erweist sich als durchgängige Bürde, da dem Film so das leuchtende Zentrum fehlt.

Absolut grandios ist hingegen Ilse Steppat als Blofelds Wachhund Irma Bunt. Die deutsche Charakterdarstellerin zieht in ihrer Rolle alle Register und steht Lotte Lenyas ähnlich angelegter Rosa Klepp aus FRWL in nichts nach. Ebenfalls eine echte Bereicherung des Films ist Gabriele Ferzetti als Draco. Seine joviale Vertrautheit lässt nicht von Ungefähr Erinnerung an Pedro Armandariz in FRWL wachwerden wie auch Ferzettis Darstellung in derselben Liga spielt wie die des großartigen Mexikaners. Und nicht zu vergessen: der einzigartige Gert Günther Hofmann sorgt durch seine gewohnt souveräne und erstklassige Synchronisation dafür, dass selbst der zuweilen hölzerne Schauspielnovize Lazenby in der deutschen Fassung humorvoll und elegant rüberkommt. Akustisch zumindest (wobei dadurch zugegebenermaßen auch der Eindruck einer Connery-Kopie weiter verstärkt wird).

OHMSS ist einer der erstaunlichsten Serienbeiträge, da es ihn eigentlich gar nicht geben dürfte. Die eindeutigen Tendenz hin zu immer mehr Spektakel und Oberflächlichkeit, zu Schauwerten statt Charakteren wird mit dem sechsten Beitrag der Serie nicht nur jäh unterbrochen, sondern in Teilen sogar auf den Kopf gestellt. Dies ist sicherlich zum Großteil der Vision Peter Hunts geschuldet Flemings Schlüsselwerk möglichst authentisch auf die Leinwand zu bringen. Auch erscheint es im Nachhinein äußerst ungewöhnlich, dass sich die ansonsten so dominanten Produzenten Saltzman und Broccoli hier weitgehend bedingungslos den Ideen Hunts anschlossen bzw. diese teilten (was sicherlich auch der Bewunderung für Flemings literarische Vorlage zu verdanken ist). Man kann aber wohl davon ausgehen, dass der eher verhaltene Publikumsanklang des Films die EON-Bosse dies im Nachhinein hat bereuen lassen, jedenfalls wurde mit dem im Anschluss produzierten DAF genau die Art Film gedreht, die man eigentlich der Serienentwicklung folgend bereits 1969 erwartet hätte (inklusive des Zurückgreifens auf so vertraute Schlüsselfiguren wie Guy Hamilton und Sean Connery).

Ungeachtet der filmhistorischen Einordnung muss man Peter Hunt jedoch Anerkennung für seine Leistung zollen – auch wenn ihm in seinem Erstling als Regisseur nicht alles gelungen ist. Viele Szenen weisen eine sehr eigenständige Handschrift auf und begeistern durch visuell elegante Ideen (etwa der zeitliche Wechsel von Tag zu Nacht über eine zeitgerafft eingebundene Hotelpool-Reflektion oder der örtliche Wechsel von der Schweiz nach London im Anschluss an die Lawine, bei welchem ein Teil der vorangegangenen Szene als Reflektion in Ms Fenster weiterläuft). Leider gelingt es Hunt nicht immer Tempo und Fluss des Films so zu kontrollieren, wie man (respektive ich) sich das wünschen würde und generell erweist sich die Laufzeit als mindestens 15-20 Minuten zu lang. Die wohl größte Bürde des Films ist aber die Absenz eines strahlenden, die Gesamtqualität verbessernden Hauptdarstellers, was besonders im Kontrast zu den diesbezüglich so vorbildlichen Filmen der Connery-Ära sehr augenscheinlich wird. Ebenso hätte gerade der in OHMSS vorhandene zusätzliche charakterliche Tiefgang einen erfahreneren und versierteren Schauspieler erfordert - der Rezensent erlaubt sich hier gerne den Hinweis auf Mr. Oliver Reed.

Wertung: 7 / 10
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7. Februar 2018 10:40

Tolle Review, Anatol, die ich in manchen Punkten nicht teile, da ich den Film und auch Lazenby positiver als Du sehe. OHMSS ist durch seine Ausnahmestellung ein klare 10 für mich und in einer Liga mit TSWLM und QOS, mit Abstrichen auch mit LALD und CR. Gerade die zurückhaltende, ja vielleicht etwas schüchterne Art von Lazenby passt perfekt in diesen Film. Connery hätte in OHMSS überhaupt nicht gepasst, bzw. es wäre vermutlich ein ganz anderer Film geworden. Das Gesamtpacket Lazenby stimmt für mich, ich kann da keine schauspielerischen Schwächen oder eine mangelnde Chemie zwischen ihm und Diana Rigg - wie ja auch gerne kolportiert wird - erkennen.
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7. Februar 2018 11:07

DonRedhorse hat geschrieben:Gerade die zurückhaltende, ja vielleicht etwas schüchterne Art von Lazenby passt perfekt in diesen Film. Connery hätte in OHMSS überhaupt nicht gepasst, bzw. es wäre vermutlich ein ganz anderer Film geworden. Das Gesamtpacket Lazenby stimmt für mich, ich kann da keine schauspielerischen Schwächen oder eine mangelnde Chemie zwischen ihm und Diana Rigg - wie ja auch gerne kolportiert wird - erkennen.
Das finde ich sehr interessant, wie Lazenby auf dich wirkt, Don. Als schüchtern oder zurückhaltend empfinde ich sein Spiel eigentlich gar nicht, sondern eher wie geschrieben öfter mal etwas unbeholfen. Mit Ausnahme seiner Tarnidentität als Sir Hillary (die übrigens kaum weniger fantastisch anmutet als der japanische Bond im Vorgänger: ein muskelbepackter 1,90-Hüne ist als unsportlicher Bücherwurm in Punkto Glaubwürdigkeit doch ein sehr schwer zu lutschender Drops) verlangt die Bond-Rolle in OHMSS doch nach einem selbstischeren Kerl, gerade im Umgang mit dem weiblichen Geschlecht. So muss er Tracy im Anfangsdrittel ja nicht nur retten, sondern dann ja auch „im Sturm nehmen“ und auf dem Piz lässt er dann den „alten“ Bond hemmungslos von der Leine. Ich bin aber insofern bei dir, dass der zweifellos beabsichtigte Effekt Bond in vereinzelten Szenen mit Tracy ungewöhnlich einfühlsam darzustellen gut gelungen ist (insbesondere in der Szene direkt vor der Liebes-Collage und bei der Übernachtung im Heustall).

Ich teile übrigens deine Meinung, dass Connery in OHMSS (so wie wir den Film Kennen) unpassend gewesen bzw. es mit ihm ein ganz anderer Film geworden wäre. Echte emotionale Bindung und Ergriffenheit sehe ich allerhöchstens ansatzweise im Conneryschen Bond (z.B. bei Akis Tod). Die in OHMSS erforderliche volle emotionale Bandbreite hätte einen weitgehenden Bruch mit dem etablierten Connery-Bond erfordert und das hätte ich gar nicht sehen wollen. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass für mich das machohafte Auftreten des Connery-Bonds (und auch des Moore-Bonds) keine Fassade oder einen Schutzpanzer, sondern eben die Essenz des Charakters darstellt. Bond sehe ich als Genussmenschen, der das was er macht gern und bewusst macht und nicht als aus einem Trauma geborene Überschuss- oder Ersatzhandlung. Dieser Punkt stellt für mich dann auch einen essentiellen Unterschied zwischen der Bond-Darstellung der Connery- und Moore-Ära und dem der Craig-Ära dar – und in Teilen auch zu dem aus OHMSS.
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7. Februar 2018 11:37

Schüchtern ist vielleicht zu viel, einfühlsam trifft es besser. Unbeholfen oder hölzern finde ich ihn nicht, kannst Du da mal eine beispielhafte Szene nennen? Vielleicht stört mich so etwas auch nicht, weil ich mich durch das Gesamtergebnis blenden lasse. OHMSS ist auf jeden Fall ein Film, der mich auch noch nach der zwanzigsten Sichtung begeistert und emotional berühren kann.
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7. Februar 2018 12:00

DonRedhorse hat geschrieben:Unbeholfen oder hölzern finde ich ihn nicht, kannst Du da mal eine beispielhafte Szene nennen?
z.B. als er das ersten Mal die berühmte Rollenvorstellung „my Name is Bond, James Bond“ bringt. Da fehlt mir die überwältigende Selbstsicherheit eines Connery, seine Mimik wirkt hier recht unschlüssig. Eine weitere Szene, die mir auch diesbezüglich negativ auffällt ist, wenn er über das Wesen seines Jobs philosophiert (kurz bevor er Tracy mitteilt, dass er den Geheimdienst verlassen will). Der Monolog ist für sich genommen schon recht „schwafelig“, durch Lazenbys etwas „vergeistigte“ Mimik wird diese Wirkung aber noch weiter potenziert. Das „Hözerne“ sehe ich u.a. auch in der Szene mit M nach der Lawine, als er Tracys Einsatz und die Tatsache, dass der Geheimdienst ihr etwas (also die Rettung) schuldet anführt. Gerade verglichen mit der brodelnden Unzufriedenheit, die Connery in der sehr ähnlichen M-Szene in GF nach Jills Tod zeigt wirkt Lazenby darstellerisch hier wiederum sehr unschlüssig und steif.
DonRedhorse hat geschrieben:Vielleicht stört mich so etwas auch nicht, weil ich mich durch das Gesamtergebnis blenden lasse. OHMSS ist auf jeden Fall ein Film, der mich auch noch nach der zwanzigsten Sichtung begeistert und emotional berühren kann.
Das kann ich gut nachvollziehen, auch wenn mir einige handwerkliche Dinge die mir nicht so taugen den ganz großen Genuss etwas verhageln. Emotional werde ich persönlich übrigens immer kurz vorm Ende, wenn Bond Moneypenny den Hut zuwirft. Diese kleine Szene finde ich sehr ergreifend (wie ich generell finde, dass Penny in OHMSS ihre wohl besten Szenen überhaupt hat) und auch richtig toll gespielt, sowohl von Maxwell als auch von Lazenby.
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7. Februar 2018 12:36

Danke für die Erläuterungen, ich werde bei der nächsten Sichtung (spätestens an Weihnachten :) ) bei den von Dir erwähnten Szenen darauf achten.
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7. Februar 2018 13:16

OHMSS kommt bei mir natürlich auch bald wieder an die Reihe, und es ist neben MR derjenige der Serie, den ich gar nicht mehr so genau auf dem Schirm habe und ihn im Augenblick daher auch nicht wirklich beurteilen kann. Mal schauen, inwiefern ich dem Kollegen Anatol werde zustimmen können.
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7. Februar 2018 13:26

Ich teile die Einschätzung, dass der wenig charismatische und etwas unbeholfene Lazenby vielleicht ganz gut zum Film auf inhaltlicher Ebene passt, aber die Probleme daher wiederum auf der inhaltlichen Ebene beginnen.
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7. Februar 2018 13:31

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Einige Anmerkungen meinerseits zu Anatols umfangreichem Review

Als Sean Connery bei der Premiere von YOU ONLY LIVE TWICE in Anwesenheit von Queen Elizabeth II unwiderruflich der Welt zu Protokoll gab, dass er für den nächsten von EON Productions Limited zu produzierenden Bond-Film für die Hauptrolle nicht mehr zu Verfügung stände, geriet das Franchise erst einmal in ein Vakuum, da die Produzenten Saltzman und Broccoli sich nicht ernsthaft Gedanken bezüglich einer Neubesetzung im Vorfeld gemacht hatten, und das Verhältnis zwischen den beiden sich aufgrund der weltweiten Erfolgsgeschichte nicht nur zum Guten entwickelt hatte. Statt zweier Team-Player, welche zusammen agieren, gingen beide auch anderen Projekten immer mehr nach.
Harry Saltzman erwies sich dabei als der Vielseitigere, da er neben Filmproduktionen auch seine Fühler in andere Bereiche ausstreckte, bevor er sich mit der Übernahme der Technicolor Motion Picture Company übernehmen sollte und am Ende sein Vermögensanteile an Danjaq veräußern musste. Mit seiner Firma Lowndes Productions hatte Saltzman ab 1965 durch mehrere nachfolgende Harry Palmer-Verfilmungen bewiesen, dass er mehrgleisig fahren konnte und die Bond-Filme nicht alles waren, was er auf die Beine stehen wollte. So sollte Saltzman in der rund zweieinhalbjährigen Wartezeit zwischen YOU ONLY LIVE TWICE (1967) und ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE (1969) seinen neuen Star Michael Caine (gebürtig: Maurice Joseph Micklewhite Jr) verstärkt protegieren, da er diesen neben den Agentenverfilmungen von Len Deightons Romanen, ihn noch in PLAY DIRTY (1969) und BATTLE OF BRITAIN (1969) als Hauptdarsteller einsetzte. Albert R. Brocolli brachte dagegen das Kinder-Musical CHITTY CHITTY BANG BANG auf die Leinwand welches zu Weihnachten 1968 in die angloamerikanischen Kinos kam.


Was nun die Vakanzzeit in Sachen Bond in jenen Tagen anbetrifft, so verweisen unterschiedliche Quellen auf verschiedene Parallelstränge hin. So berichtet Roger Moore etwa, dass nach YOU ONLY LIVE TWICE Recherchen zu THE MAN WITH THE GOLDEN GUN aufgenommen worden sind und Teile des Filmteams sich nach Kambodscha begeben hat um vor Ort nach passenden Schauplätzen Ausschau zu halten. Mit dem immer stärker werdenden Kriegskonflikt durch die Roten Khmer im Januar 1968 wurde der Plan auf Eis gelegt, wodurch Roger Moore dann ihn in Sachen Bond betreffend nichts weiter mehr gehört hat, wobei er im Gegenzug für seine Weiterverpflichtung in seiner Rolle als Simon Templar den Bond-Produenten auch irgendwann nicht mehr zur Verfügung hat stehen können.
In dieser Phase dürften sich die Produzenten auch an viele etablierte Filmstars gewandt haben, wobei es nachweislich Aussagen von Clint Eastwood und Adam West gibt, die abgesagt haben, da sie sich des undankbaren Erbes durch den etablierte Performance von Sean Connery mehr als bewusst waren, dass sie hier gegenüber dem Vorgänger beim Massenpublikum nur verlieren konnten.
Was Oliver Reed anbetrifft, ist er als Aspirant für die Neubesetzung auch erfasst gewesen, jedoch ging es bei der Neubesetzung nicht um schauspielerische Qualitäten allein, sondern auch um das Bild des entsprechenden Darstellers in der Öffentlichkeit. Hier war Oliver Reed nicht nur durch seinen Hang zum Alkoholismus mehr als auffällig geworden, sondern auch durch zahlreiche Schlägereien in der Öffentlichkeit zu trauriger Berühmtheit gelangt.
Eine Notiz von Seiten Albert R. Broccolis verweist auf seinen Stellenwert in der Analogie des Franchises und sein bedingtes Scheitern hin:
Oliver Reed – Narrowly missed out on playing superspy James Bond because of his love of alcohol and fighting. A new biography of the star uncovered a letter from Bond mastermind Albert R. Broccoli outlining how close he came to replacing Sean Connery in the role. Broccoli wrote, "With Reed we would have had a far greater problem to destroy his image and re-mold him as James Bond. We just didn't have the time or money to do that." According to Cliff Goodwin, author of the book "Evil Spirits", "Oliver was probably within a sliver of being cast as Bond." He adds, "But by 1968 his affairs were public and he was already drinking and fighting - as far away from the refined Bond image as you could get."


Es entbehrt natürlich einer gewissen Ironie, dass der später für die Rolle genommene George Lazenby am Ende auch beweisen sollte, dass er einen eigenen Kopf haben sollte und sich nicht jeglichen Diktat der Produzenten beugen würde. So ist es George Lazenby zu "verdanken", dass der Bond-Film mit dem Tod Tracys endet, nach mit Ende der Dreharbeiten unumstößlich klar wurde, dass der Australier nicht weiter machen würde. Ursprünglich war vorgesehen, dass Peter Hunt den Film mit der Hochzeit enden lassen wollte.

Nachtrag:
Übrigens glaube ich, dass wenn Roger Moore, diesen Film im "gleichen Korsett" hätte spielen müssen, meines Erachtens weitaus schlimmer gescheitert wäre. Was den Film im Einsteig meiner Meinung nach weitaus schwieriger und komplexer macht, ist der Tatbestand, dass Tracy im Film selbstmordgefährdet ist und dies eine Bank darstellt, die für meisten Interpreten in dieser Rolle eine Belastung dargestellt hätte, die mit ihrem Rollen Alter-Ego sich nicht verträgt - gerade in Hinblick der späteren Ehelichung.


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Zuletzt geändert von photographer am 7. Februar 2018 13:49, insgesamt 1-mal geändert.
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7. Februar 2018 13:42

photographer hat geschrieben:Es entbehrt natürlich einer gewissen Ironie, dass der später für die Rolle genommene George Lazenby am Ende auch beweisen sollte, dass er einen eigenen Kopf haben sollte und sich nicht jeglichen Diktat der Produzenten beugen würde. So ist es George Lazenby zu "verdanken", dass der Bond-Film mit dem Tod Tracys endet, nach mit Ende der Dreharbeiten unumstößlich klar wurde, dass der Australier nicht weiter machen würde. Ursprünglich war vorgesehen, dass Peter Hunt den Film mit der Hochzeit enden lassen wollte.
Korrekt. Im Making Of schwärmt Hunt davon, die Szene so gestaltet zu haben, dass sie zwei Schlusspunkte zuließ. In seiner Vorstellung hätte der Film mit dem Shot enden können, als Bond und Tracy mit dem Aston Martin davon fahren und mit Blumen beschmissen werden. Hier hätte der Abspann eingesetzt und der Armstrong Song uns aus dem Kino begleitet. Die PTS des nächsten Bondfilms hätte dann die Szene sein können, die in Hunts Film im Anschluss folgt. Bond und Tracy beim Fahren und der Diskussion ums Kinderkriegen, inklusive der anschließenden Ermordung der holden Maid. Nicht unwahrscheinlich, dass mit einem solchen Beginn ein weiterer Bondfilm mit Lazenby die Rache-Komponente ausgespielt und damit unter Umständen sogar LTK und QOS vorweg genommen hätte, während Hamilton sich bekanntermaßen in DAF dazu entschloss, OHMSS komplett zu ignorieren und an das Ende von YOLT anzuschließen.
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7. Februar 2018 14:19

Nicht dass ich euch nicht glaube (würde mir gerade bei photographer, dem in Sachen Bond zweifelsfrei kompetentesten User hier im Forum, im Traum nicht einfallen), aber in welchen Quellen wird das mit dem glücklichen OHMSS-Ende genannt? Wird das bei Helfenstein erwähnt? Ich kann mich da gar nicht dran erinnern. Es scheint mir auch insofern etwas widersprüchlich, da Lazenby die Rolle doch erst kurz vor der Premiere hinschmiss, als der Schnitt des Films schon weitgehend durch gewesen sein müsste. Ich frage mich auch – wie bereits im Review angedeutet – auf was man dann mit der „we have all the time in the world“-Komponente hinaus hätte wollen, wenn man den Film ohne den Tod Tracys hätte enden lassen, da dieser Kerngedanke dann ja seiner Vollendung entbehrt hätte. Es scheint auch etwas ungewöhnlich für die damalige Zeit, dass man bereits eine für den Folgefilm vorgesehene Szene drehte (auch wenn es da fraglos Präzedenzfälle gab, aber die Bondfilme waren diesbezüglich ja doch immer klar abgeschlossen). Also bitte entschuldigt meine Rolle als „ungläubiger Thomas“, aber ich höre das tatsächlich zum ersten Mal.

photographer hat geschrieben: Übrigens glaube ich, dass wenn Roger Moore, diesen Film im "gleichen Korsett" hätte spielen müssen, meines Erachtens weitaus schlimmer gescheitert wäre. Was den Film im Einsteig meiner Meinung nach weitaus schwieriger und komplexer macht, ist der Tatbestand, dass Tracy im Film selbstmordgefährdet ist und dies eine Bank darstellt, die für meisten Interpreten in dieser Rolle eine Belastung dargestellt hätte, die mit ihrem Rollen Alter-Ego sich nicht verträgt - gerade in Hinblick der späteren Ehelichung.
Es fällt schwer sich bei der Einschätzung, ob Moore glaubwürdig in OHMSS gewesen wäre, von seiner späteren Rollenauslegung zu lösen. Im Gegensatz zu Connery hätte er in einem potenziellen 1969er OHMSS zumindest nicht den rollentechnischen Ballast der Vorgängerfilme gehabt. Ebenfalls hätte es Moore sicherlich in die Karten gespielt, dass auch der OHMSS-Bond ja nur zu einem kleineren Teil der empfindsame, verliebte „Mensch“ ist und zum größeren Teil der selbstbewusste, keine Kost verachtende Lebemann. Gerade auch die „Charade“ als Sir Hillary hätte Moore denke ich allerlei Möglichkeiten geboten seinen Charme und sein komödiantisches Talent auszuspielen. Auch hätte er vermutlich aufgrund seiner hier bereits beträchtlichen schauspielerischen Erfahrung wesentlich selbstsicherer und hinsichtlich seiner Darstellung kontrollierter agiert als es Lazenby aufgrund seiner fehlenden Vorkenntnisse im Stande war. Von daher hätte das durchaus funktionieren können, wobei Moores OHMSS-Rollenvariation wohl mehr mit seiner späteren Auslegung in LALD als dem dann ab TSWLM perfektionierten "Moore-Bond wie wir ihn kennen und lieben“ gemein gehabt hätte.
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photographer
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7. Februar 2018 15:08

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AnatolGogol hat geschrieben:... aber in welchen Quellen wird das mit dem glücklichen OHMSS-Ende genannt?
Einige Beispiele für Dich zur Einsicht, Anatol:

https://en.wikipedia.org/wiki/Tracy_Bond
Originally, it had been planned that On Her Majesty's Secret Service would end with Bond and Tracy driving away from their wedding. The scenes where she was shot were filmed at the same time with the intention that they would form the pre-title sequence of Diamonds Are Forever. This was rendered inviable when George Lazenby left the role.


http://whatculture.com/film/james-bond- ... rvice-1969
When Bond returns to the car interior it is revealed that Tracy has been killed. The power of this scene is down to a combination of Hunt's directorial style and Lazenby's handling of the role. Hunt made Lazenby repeatedly rehearse the scene from 8 clock in the morning to 5 o' clock in the afternoon when the scene was eventually shot with Lazenby drained and exhausted. It is a rare thing to see Bond broken but Lazenby makes the scene all the more convincing in probably his strongest scene of the whole movie. The veneer of cool is stripped away and we see Bond as a mortal man with an ordinary heart and soul. Originally the scene was supposed to be split into two with the film ending at the close of the wedding as Bond and Tracy drive away then the next film would begin withTracy's death as the opening pre-credit scene. It is an extremely brave ending to the film and I imagine closing the film on such a downer must have left audiences speechless at the time of release.


http://www.imdb.com/title/tt0064757/tri ... tt_trv_trv
Peter R. Hunt wanted to direct James Bond 007 - DIAMONDS AR FOREVER (1971), and would have, if George Lazenby had remained with the franchise. His original plan for the ending was to show Bond and Tracy driving away from their wedding, then have Diamonds Are Forever open with the shooting. When Lazenby declined to appear again, the idea was scrapped.

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AnatolGogol
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7. Februar 2018 17:27

photographer hat geschrieben: Einige Beispiele für Dich zur Einsicht, Anatol:
Vielen Dank für die aufschlussreichen Quellen, photographer! Aber – ganz der ungläubige Thomas, der ich nun mal bin :D – so ganz überzeugt bin ich nicht, da die Formulierung „originally“ doch einigen Spielraum offen lässt, wann konkret mit einem alternativen Ende geliebäugelt wurde. Und um noch weiter zu unken bin ich bei wiki und imdb auch immer durchaus skeptisch hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der Angaben. Ich bezweifle nicht, dass man zu welchem Zeitpunkt auch immer mit der Möglichkeit gespielt hat Tracys Tod in den Nachfolger zu verlagern. Die Tatsache, dass Charles Helfenstein in seinem quintessentiellen Buch das nicht im Zusammenhang mit dem Dreh (und wenn ich mich recht erinnere auch nicht innerhalb der Drehbuchentwürfe) erwähnt macht mich aber schon sehr skeptisch, da er es eigentlich wissen sollte als langjähriger Freund von Peter Hunt (dem er sein Buch ja gewidmet hat). Er erwähnt ja auch, dass Richard Maibaum bereits im Herbst 1969 - also deutlich vor der Premiere von OHMSS im Dezember und Lazenbys öffentlichem Rollenrücktritt im November - mit den Arbeiten am ersten Drehbuchentwurf zu DAF begann, in welchen die Handlung mit einem trauernden Bond einsetzt und eben nicht mit der bereits gedrehten Todesszene von Tracy.

Mal Butter bei die Fische: hälst du die Quellen für glaubwürdig bzw. denkst du, dass man tatsächlich bis weit in die Postproduction hinein ein potenzielles Ende ohne Tracys Tod in Erwägung zog? Ich persönlich denke, dass zum Zeitpunkt des Drehs die Entscheidung Tracy am Ende sterben zu lassen bereits feststand und nicht mehr von Lazenbys Entschluss die Serie zu verlassen beeinflusst wurde. Diese Einschätzung stütze ich vor allem auf die bereits angeführte Nichterwähnung in Helfensteins Buch (wie es auch in keiner anderen mir bekannten Hintergrundliteratur erwähnt wird).
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Casino Hille
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7. Februar 2018 17:32

Anatol, im Making Of auf der Bluray von OHMSS (bzw auf DVD 2 der Ultimate Edition) sagt Hunt selbst etwas in die Richtung. Vielleicht magst du da mal rein gucken, wie konkret er da genau wird, erinnere ich nicht. Wohl aber, dass er von der Möglichkeit spricht, den Film bei der Hochzeit zu enden, was dann auch dementsprechend visualisiert wird.
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