Filmbesprechung: "Moonraker (MR)"

Dieses Forum ist für die detailierte Diskussion und Userkritiken/Reviews über/zu den einzelnen Bondfilmen aller 007-Darsteller gedacht.

Wie findet ihr Moonraker?

1/10 - Grottenschlecht
2
1%
2/10 - Sehr schlecht
2
1%
3/10 - Schwach
6
4%
4/10 - Mässig
10
7%
5/10 - Durchschnittlich
16
12%
6/10 - Nicht übel
15
11%
7/10 - Recht Gut!
18
13%
8/10 - Gut!
24
18%
9/10 - Sehr gut!
25
18%
10/10 - Überragend!
19
14%
 
Insgesamt abgegebene Stimmen: 137
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NickRivers
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10. März 2013 10:20

hm? Für manche scheint es besser zu sein weniger zu wissen, als dass deren Seele schaden nimmt
"There is sauerkraut in my lederhosen."
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SirHillary
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10. März 2013 16:50

NickRivers hat geschrieben:hm? Für manche scheint es besser zu sein weniger zu wissen, als dass deren Seele schaden nimmt
Was hat das ganze mit Wissen zu tun? Oder denkst du, wir schätzen dein 'Wissen' um die Bond-Filme nicht hoch genug ein? Ich würde es aber eher als Ansichten oder Meinungen bezeichnen als als Wissen.
Und du meinst, dass gute oder schlechte Filme ein Seelenleben beeinflussen können? So dass du aufklären musst, was ein guter oder schlechter Film ist?!
Ich hoffe, es hat keinen Einfluß auf dein Seelenleben, denn nach dem Schauen mittlerweile einiger Bond-Filme, die dir ja alle nicht gefallen..könnte dies dann sehr ins Wanken geraten! Also, immer schön aufpassen!! Übrigens wünsche ich dir weiterhin viel Spaß beim vergeuden deiner Zeit mit schlechten Filmen, dazu wäre mir meine Zeit zu schade.
Es gibt im Leben wichtigeres als Filme. Sie gehören für mich einfach zu einer schönen (schönsten) Nebensache der Welt. Aber man sollte das ganze auch nicht zu wichtig nehmen. Wichtig in der Hinsicht, was mir nicht gefällt, darf dem anderen auch nicht gefallen oder was mir gefällt, muss auch dem anderen gefallen...wieso sieht der das auch nicht ein?!
Ich steige immer noch nicht ganz hinter deine Motivation..aber gut..muss ich auch nicht.
Nur so viel sei dir noch gesagt. Du befindest dich hier in einem Fan-Forum. Selbst dir (tschuldigung für die Herabsetzung) muss klar sein, dass du hier keinen 'bekehren' kannst bzw. von seiner 'Fan-Liebe' abbringen kannst.
Also, ist deine genannte Motivation doch nur ein Farce.
Wir mögen, lieben die Bond-Filme oder sympathiesieren zumindest mit ihnen. Die einen mehr, die anderen weniger. Die einen sind kritischer, die anderen weniger. Die einen mögen die Klassiker, die anderen die modernen Filme. Die einen diesen Darsteller, die anderen mehr den anderen Bond..oder auch mal alle..
Aber wir diskutieren mit dem Hintergrund oder auf der Basis, dass wir generell die Filme mögen
und Interesse an ihnen haben.
Und wir diskutieren (meistens) fair und auf einem gewissen Niveau ..natürlich gibt es da manchmal auch Ausnahmen. ;-)
Wir (ich hoffe, nicht viele stören sich jetzt an der Verallgemeinerung) mögen die Filme so wie sie sind. Trotzdem gibt es natürlich subjektive Meinungen/Emotionen, die den einen oder anderen Film favorisieren lassen oder vielleicht auch sogar mal ablehen. Wäre ja auch schlimm, wenn alle die gleichen Filme mögen würden oder alle den gleichen Streifen als Lieblingsfilm hätten. Manche fordern Stilveränderungen, andere wollen alles so behalten wie gehabt. Das eine ist nicht schlechter als das andere. Und wir (ich) wissen, dass Bond nie ein anspruchsvoller Film sein wird. Aber das muss er auch nicht. Und das ist auch nicht die Motivation der Produzenten. Wenn Bond allerdings etwas mehr Tiefe, eine Geschichte gegeben wird, dann begrüße ICH das auch. Wobei mir die alten genauso lieb sind wie die neuen. Bleib bei deinem 'Dandy in Aspik' und schau danach noch 'Top Secret', dann bist du bestens bedient. Ich denke, Bond ist kein typischer Agentenfilm..oder Agententhriller.
Spontan als 'klassische Agentenfilme' fallen mir 'Tinker, Tailor, Soldier, Spy' ein oder 'der Schakal' (das Original) oder 'das Russlandhaus'. Aber diese Filme sind meilenweit entfernt von Bond und natürlich viel zu realistisch..denn auch das gehört zu Bond..ein gewisses Maß von Utopie..mal mehr, mal weniger..aber immer dabei.
Bond ist eine Mischung aus verschiedenen Genres oder vielleicht sogar ein eigenes Genre.
(Das könnte wieder eine lange Diskussion zwischen Maibaum und Daniel geben :-) )
Und das macht unter anderem auch seinen Reiz aus.
Und, das habe ich schon in einem anderen Thread geschrieben, wer natürlich gerne sehen würde, dass Grant in FRWL Bond tötet, der stellt natürlich das komplette Franchise auf den Kopf.
So, das wars von mir.
Ciao, tschüss!!

P.S. Falls ich zu oft 'wir' geschrieben habe und einige können sich nicht mit meinem Geschreibsel identifizieren, sorry!
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MrWhiTe
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10. März 2013 17:31

SirHillary hat geschrieben: P.S. Falls ich zu oft 'wir' geschrieben habe und einige können sich nicht mit meinem Geschreibsel identifizieren, sorry!
also ich stimme dir voll und ganz zu!
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GoldenProjectile
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10. März 2013 17:57

MrWhiTe hat geschrieben:
SirHillary hat geschrieben: P.S. Falls ich zu oft 'wir' geschrieben habe und einige können sich nicht mit meinem Geschreibsel identifizieren, sorry!
also ich stimme dir voll und ganz zu!
Ich auch.
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RedGrant
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10. März 2013 19:39

NickRivers hat geschrieben:hm? Für manche scheint es besser zu sein weniger zu wissen, als dass deren Seele schaden nimmt

Ich bin Fan vom 1.FC Köln und versuche auch nicht im Kackbachforum die Leute zu überzeugen, dass deren Lieblingsverein ein Haufen Scheisse ist!
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NickRivers
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11. März 2013 09:07

Hi Sir Hillary!
Ich möchte nochmal bekräftigen, dass es mir hier überhaupt nicht um einen Glaubenskrieg geht, und es wäre wirklich langweilig, würden hier sogar eingefleischte Bond-Fans alle Filme gleich gerne mögen.
Wie schon gesagt, es ging mir darum, zu verstehen, was die Attraktivität Bonds ausmacht.
Denke ich z.B. mal an was ganz anderes, z.B. "Vom Winde verweht", dann werden die meisten hier jetzt sagen "Hör doch auf mit diesem kitschigen Weiberkram! Was soll dieser Südstaaten-Schinken hier zu suchen haben??..". Es stimmt alles, aber sehe ich die herausragenden Leistungen von Gable und Leigh, sowie die für damalige Verhältnisse sensationellen Filmeffekte, beschreibt dieses Werk das Gefühl der Krise, in der sich die USA damals befanden. Diese Lovestory eingebettet in diese für die USA bis dato größe interne Katastrophe wurde sensationell toll verarbeitet. Vergleicht das nur mit dem Mist, was dann unter "Scarlett" kam! Dass T. Dalton sich gegen Bond für diesen wirklichen TV-Schmachtfetzen entschied, ist mir bis heute unverständlich, und über Mrs. Kilmers (übrigens die Ex-Frau des Nick Rivers spielenden Val Kilmers) schauspieler. Talent hüllen wir lieber das Mäntelchen des Schweigens.
Analoges, dass die dramaturg. Mängel und totale Ungereimtheiten durch hervorragende Regiearbeit und oder durch schauspieler. Leistungen wett gemacht werden, sucht man bei Bond vergeblich (in den 50 Jahren keinen einzigen Haupt-Oscar gewonnen, geschwiege den nominiert!!). Genausowenig wie eine tiefergehende Beschäftigung mit Recht und Unrecht, Gut und Böse in der "zivilisierten" Gesellschaft. Bond will einfach nur cool sein, loyal zum Gesetz sein indem er über diesem steht, so wie es sich der Disco Racer mit seinem (halblegal) getunten und Wörthersee geeichten Golf es sich vorstellt.
PS: kann sich noch wer an den "Scarlet" Contest erinnern? Da wurde weltweit ein Casting für die Rolle der Scarlett ausgeschrieben. Hunderte Mädchen bewarben sich fürs Grand Finale in Hollywood. Die Vorausscheidungen wurden u.a. auch im ZDF lange vor "DSDS" und ähnliche Formate groß vermarktet und gesendet.
And the winner was......? Weiss niemand mehr. War eh wurscht, da im Kleingedruckten stand, dass das nur ein Talentewettbewerb ohne verpflichtendes Engagement für die TV-Serie sein wird.
War die größte Fopperei der TV-Geschichte.

PPS: hier noch die Oscar Nominierungen und Gewinne von Bond:
http://www.bondmovies.com/oscar.shtml

dass weder Marvin Hamlisch noch Paul McCartney den Oscar gewannen, verwundert allerdings wirklich!
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Dingens
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11. März 2013 14:43

Moin
sehe alles wie Sir Hillary.
Und da es Nick nicht schafft, darauf einzugehen und das mal einzusehen, landet er jetzt auch auf der Ignorierliste.
Danke
Der Dingens
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supersonic
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12. März 2013 21:24

also ich finde seine subjetiven meinungen überhaupt nicht als störend. es bringt im gegenteil für mich sehr angenehme abwechslung in das forum und ich fühle mich, als bekennender bondfan, überhaupt nicht so angegriffen / provoziert wie viele andere hier.

was mich an seinen beiträgen sehr stört sind die witze, die nichtmal achtjährigen ein lächeln ins gesicht zaubert.
wenns nach mir geht, sollte er diese einfach lassen und weiterschreiben.
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danielcc
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Lieblings-Bond-Darsteller?: Sean Connery

13. März 2013 12:20

Das mit dem Ingnorieren ist doch keine so gute Idee. Dann fragt man sich anschließend, auf was sich denn die Antworten beziehen... Mist :-)
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MrWhiTe
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Lieblings-Bondfilm?: Casino Royale
Wohnort: Germany

13. März 2013 18:48

danielcc hat geschrieben:Das mit dem Ingnorieren ist doch keine so gute Idee. Dann fragt man sich anschließend, auf was sich denn die Antworten beziehen... Mist :-)
haha... genau diese Erfahrung musste ich auch machen
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Cinefreak
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Lieblings-Bondfilm?: zu viele ;)
Lieblings-Bond-Darsteller?: Pierce Brosnan

15. März 2013 12:22

NickRivers hat geschrieben:hm? Für manche scheint es besser zu sein weniger zu wissen, als dass deren Seele schaden nimmt
Also, ich kann dich beruhigen, auch durch den wirklich üblen Bond-Film (zumindest hats draufgestanden :mrgreen:) DIAMANTENFIEBER fühle ich mich seelisch nicht kränker als zuvor...;) :mrgreen:

Ist aber schön zu sehen, dass sich jemand um das Seelenleben anderer Sorgen macht - nur ob diese Besorgnis gerade hier von unabdingbarer Notwendigkeit wäre, das sei mal dahingestellt. :mrgreen:
http://michael.huenecke.hat-gar-keine-homepage.de/
Seit Daniel Craig geht es mit Bond abwärts...hätte man nur niemals diesen neustart gemacht...:-(
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UNIVERSAL EXPORTS
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30. Mai 2013 17:18

Hier meine Kritik zu Moonraker (ich springe in meinem Marathon nach Belieben …)
Dieser Film ist gemacht für Fans, die das bunte und unterhaltsame Spektakel lieben, ohne allzu große Ansprüche an Logik und Realismus zu stellen. Es fällt auf, dass er nahezu ein Remake vom Vorgänger TSWLM ist – vielleicht hätte man sich trotz des großen Erfolgs etwas Originelleres ausdenken können. Hier wird der Seriencharakter besonders deutlich. In verschiedenen Sequenzen versucht der Film seinen direkten „Konkurrenten“ zu toppen. Manchmal klappt das, manchmal nicht. Die PTS übertrifft ihn in der Tat, etwas ähnlich Cooles gab es meiner Meinung nach erst wieder in GE zu sehen. Auch die Szene in der Zentrifuge, die Sequenz in Venedig, die Seilbahn in Rio, die Bootsverfolgung und die letzten paar Minuten, als die Globen abgeschossen werden sollen: spannend, manchmal witzig, toll inszeniert.

Mir gefällt auch, dass Bond ermittelt, Fakten sammelt und im Fall Schritt für Schritt weiterkommt – anders als im sehr vom Zufall geleiteten TB (dem ich, jaja, ich weiß, dennoch die Höchstpunktzahl gegeben habe). Die Locations sind traumhaft, nur wenige Bondfilme haben eine so gute Auswahl. Roger Moore spielt stark auf, sein charmant-freches Vertreterlächeln, immer wenn er auf den Beißer trifft, ist sagenhaft. DAS könnten Connery und Craig nicht. Auch sehr stark: Michael Lonsdale als arroganter Drax. Und Manuela in Rio ist ein rechtes Schneckchen.

Minuspunkte gibt es natürlich trotzdem: Der Beißer wird zur Witzfigur – wie ja schon viele bemängelt haben. Ein paar düstere Morde, in letzter Minute die Hinwendung zum Guten und dann ein Heldentod, das hätte ich besser gefunden. Oder auch ohne Hinwendung zum Guten, warum auch eigentlich. Zweiter Punkt: Es sind ein wenig zu viele humoristische Elemente drin, die dem Ganzen zwar eine schöne Note der Abgehobenheit verleihen – ich mag sowas – aber deutlich die Spannung rausnehmen. Wenn der Beißer die armdicken Drähte der Seilbahn zerkaut oder die Irrenärzte Bond und Goodhead mitnehmen – das hat schon was Parodistisches. Dritter Punkt: Der Aufhänger, die Moonraker-Entführung, löst sich viel zu banal auf („Weil ich ihn dringend brauchte“). Das hätte man besser lösen müssen. Die Zentrifugen-Szene ist sehr spannend, aber komplett überflüssig, sie verrät Drax in seinen Absichten ja gleich zu Anfang. Das wiederum ist in TB besser gemacht. Ich hatte mal geschrieben, mich nicht allzusehr an so etwas stören zu wollen, aber es muss doch in gewissen halbwegs plausiblen Grenzen bleiben. Diese Grenzen sind hier fast überschritten. Die Rolle der Holly Goodhead finde ich zudem etwas unglücklich: Schon wieder eine Konkurrenz-Spionin, mit der Bond zusammenarbeiten muss, als love interest? Remake, ich sag’s ja.

Alles in allem ist der Film ein sehr guter Kosum-Bond (wie die meisten Moore-Filme): Hirn auf Halbmast, Popcorn raus, funktioniert. Und im Vergleich zum aktuellen, unglaublich schlechten „Stirb langsam“-Film etwa ist er sogar noch ziemlich gut gescripted. Und er lässt sich immer wieder nett anschauen. Locations, Stunts, Girls, Gimmicks: Es ist offensichtlich, dass die Bondreihe im Erscheinungsjahr im Action-Genre weltweit immer noch allein auf weiter Flur stand. Heute ist mir "Moonraker" (inklusive eines Sympathiepünktchens für Roger) 8 von 10 Punkten wert. Wer Roger nicht mag, kann den Punkt meinetwegen wieder abziehen …
"Schnickschnack! Tabasco!"
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UNIVERSAL EXPORTS
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6. Juni 2013 22:55

Hmpf. Mag denn niemand was dazu sagen? Ist "Moonraker" schon so durchdiskutiert?
"Schnickschnack! Tabasco!"
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danielcc
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6. Juni 2013 23:58

Ich habs jetzt erst gelesen und stimme nahezu zu 100% deiner Kritik zu. So sehe ich MR auch. Der Film ist bei Weitem nicht so schlecht wie ihn viele machen. Aber es eben diese Mischung aus "von allem etwas zu viel" bei gleichzeitiger Armut an neuen Ideen, die dem Film einen fahlen Beigeschmack geben. Das Weltraum Thema hat mich nie gestört und du erwähnst es ja auch nicht als Kritikpunkt. Da sind offensichtliche Albernheiten und die Beißer Sache ein viel stärkerer Dorn im Auge
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AnatolGogol
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7. Juni 2013 08:58

Ich finde bei allen persönlichen Vorlieben sollte man bei der Einordnung der Filme immer auch den historischen Kontext bedenken. MR ist in meinen Augen einer der stimmigsten Filme der Serie und vermutlich auch genau deswegen derart erfolgreich gewesen. Er traf und bediente den Zeitgeist in ähnlich perfekter Weise, wie es acht Jahre zuvor DAF getan hatte oder 1995 GE und 2006 CR tun sollten. Die 70er Jahre gingen in vielerlei Weise in die Geschichtsbücher ein als Jahrzehnt der Ausschweifungen. Die ausklingenden 70er bildeten hier keine Ausnahme sondern vielmehr einen letzten Höhepunkt geschmacklicher und kultureller „Exzesse“. Dies gilt auch oder gerade auch hinsichtlich der Filmlandschaft. Das Kino der frühen 70er war vor allem geprägt durch die Bewegung des New Hollywood, welches eine Abkehr von den früheren Großproduktionen darstellte und Reduktion als bewusstes filmisches Stilmittel einsetzte. Entprechend „ausgehungert“ war das Publikum nach aufwändigen Produktionen und diesen Nährboden wusste die mit Spielbergs Weissem Hai entstehende Blockbuster-Entwicklung für sich zu nutzen. Nach den Jahren der Reduktion durfte bzw. musste nun wieder alles mehrere Nummern größer sein. Moonraker war in seiner barrocken Üppigkeit der konsequente Höhepunkt dieser Entwicklung. Auch der häufig für aktuelle Sehgewohnheiten irritierende Humor der 70er Jahre muss unbedingt im Kontext seiner Zeit gesehen werden. Eine Zeit, in der Didi Hallervordens Kalauer- und Slapstickparade „Nonstop Nonsens“ zum Straßenfeger wurde, eine Zeit als die platten Derbheiten der Eis am Stil-Reihe weltweite Erfolge feiern konnten und diverse internationale Nachahmer hervorbrachten. Und eine Zeit, in der einer der größten Kassenhits der Kinosaison 1977/78 einen auf einen Raser jagd machenden, von einem Fettnäpfchen ins andere tretenden, permanent vor sich hin schimpfenden Südstaatensheriff zum Protagonisten hatte (und da sage noch einer die Bondfilme wären ab den 70ern nicht mehr innovativ und stilprägend gewesen!).

Und bei aller Kritik, die der filmische Exzess MR provoziert muss man doch anerkennend konstatieren, dass der Film nie etwas anderes sein will als ein buntes, sich nie wirklich ernst nehmendes Unterhaltungsfeuerwerk. Von daher bin ich skeptisch, ob Änderungen der „MR-Rezeptur“ wirklich einen besseren Film hervorgebracht hätten. Ein ernsterer Beisser, weniger Albernheiten oder ähnliche Veränderungen hätten vermutlich wiederum diejenigen Kritiker auf den Plan gerufen, die dadurch Verweise auf frühere „ernsthaftere“ Bondthriller erkannt hätten und die diese durch die dann ja immer noch massiv vorhandenen „exzessiven“ Elemente massiv gestört gesehen hätten. In jedem Fall wäre der Film dadurch deutlich weniger stimmig gewesen und wäre im Endresultat eher in eine ähnliche Richtung gegangen wie vier Jahre später OP – ein Film der häufig ob seines unentschlossenen Schwankens zwischen Thrill und Albernheiten kritisiert wird. Mag sein, dass viele Fans OP als „weniger schlimm“ empfinden als MR, ich wage aber zu behaupten dass auch bedeutend weniger Fans von OP begeistert sind als von MR. Denn es gibt sie tatsächlich (noch), die Fans die MR als das lieben was er ist und vor allem gerade weil er so ist wie er ist.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"
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