Wie findet ihr SPECTRE?

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Re: Filmbesprechung: "SPECTRE (SP)"

#316
Casino Hille hat geschrieben:
dernamenlose hat geschrieben:Ernsthaft? Du hälst ihn jetzt schon für den besten Bond aller Zeiten?
Er hielt ihn doch schon vor ein paar Monaten für den besten Bond aller Zeiten.
Nö! Er hat gesagt, nach allem was man bisher weiß ist es gut möglich, dass er es wird. Und diese Meinung habe ich auch vertreten.
Oder irre ich mich da Samedi?
"You only need to hang mean bastards, but mean bastards you need to hang."

Re: Filmbesprechung: "SPECTRE (SP)"

#317
Soeben aus dem Film gekommen. Nach der ersten Sichtung: Bester Bond-Film seit mindestens 20 Jahren.
Spoiler
Show
Wo Leute die Schwächen in Waltz' Darstellung gesehen haben weiß ich nicht. Er hat relativ wenig Auftritte, aber die sind sehr intensiv. Erst in Rom, wo wirklich das gesamte Kino geschwiegen hat, man hätte eine Stecknadel fallen hören können, da hat niemand nach Popcorn gebuddelt oder an seiner Cola genuckelt. Da war Totenstille. Dann die Szenen in seinem Headquarter und die Foltersequenz, wo einem auch fast das Herz stehen bleibt. Und schließlich das große Finale mit der Narbe... Das hat das Kino echt erschaudern lassen.

Hinzu kommen all die tollen Zutaten:
- Blofeld ist zurück (mit Katze und Narbe 8) )
- eine geniale PTS
- Top Locations
- die beste TS bisher von Kleinman, die den recht lahmen Song von Sam Smith doch noch erträglich macht
- Gunbarrel am Anfang, wo sie hingehört
- ein guter Henchman
- endlich mal wieder ein Hauptquartier, das seinen Namen verdient hat
- hervorragende M, Q und Moneypenny in aktiven Rollen
- ein selbstbewusstes Bond-Girl
- Blofeld überlebt

Nach erstmaligem Sehen und direkter Bewertung 9,5/10.

Logiklöcher sind mir nicht aufgefallen, ich bin da aber auch nicht so gut drin.
Zuletzt geändert von DerGeneral am 5. November 2015 00:52, insgesamt 1-mal geändert.

Re: Filmbesprechung: "SPECTRE (SP)"

#319
dernamenlose hat geschrieben:Er hat gesagt, nach allem was man bisher weiß ist es gut möglich, dass er es wird. Und diese Meinung habe ich auch vertreten.
Oder irre ich mich da Samedi?
Genau.

Die einzigen Kritikpunkte, die mir spontan einfallen:

- Zu wenig Screentime in Ms Büro
- Die Verwendung des Begriffs "New World Order"
-
Spoiler
Show
Die Video-Botschaft von M, aber das war ja vorher schon durchgesickert
- außerdem hätte man die Liebesszenen noch etwas länger zeigen können, aber sie waren nicht so extrem kurz wie in QOS
Böser schwarzer Mann

#SanMonique2020

"Wo man lacht, da lass dich ruhig nieder. Böse Menschen lachen immer wieder."

Re: Filmbesprechung: "SPECTRE (SP)"

#320
Habe ich doch gesagt, dass ihr den FIlm nicht sofort einordnen könnt :-)

Mir hat die deutsche Version deutlich BESSER gefallen! Da waren wirklich einige Details die ich jetzt besser verstanden habe. Waltz synchronisiert sich extrem gut!!! Ist mir wirklich positiv aufgefallen.

Ein riesiges Logikloch habe ich erst dieses Mal entdeckt :-)
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Filmbesprechung: "SPECTRE (SP)"

#321
DerGeneral hat geschrieben:Soeben aus dem Film gekommen. Nach der ersten Sichtung: Bester Bond-Film seit mindestens 20 Jahren.
Spoiler
Show
Wo Leute die Schwächen in Waltz' Darstellung gesehen haben weiß ich nicht. Er hat relativ wenig Auftritte, aber die sind sehr intensiv. Erst in Rom, wo wirklich das gesamte Kino geschwiegen hat, man hätte eine Stecknadel fallen hören können, da hat niemand nach Popcorn gebuddelt oder an seiner Cola genuckelt. Da war Totenstille. Dann die Szenen in seinem Headquarter und die Foltersequenz, wo einem auch fast das Herz stehen bleibt. Und schließlich das große Finale mit der Narbe... Das hat das Kino echt erschaudern lassen.

Hinzu kommen all die tollen Zutaten:
- Blofeld ist zurück (mit Katze und Narbe 8) )
- eine geniale PTS
- Top Locations
- die beste TS bisher von Kleinman, die den recht lahmen Song von Sam Smith doch noch erträglich macht
- Gunbarrel am Anfang, wo sie hingehört
- ein guter Henchman
- endlich mal wieder ein Hauptquartier, das seinen Namen verdient hat
- hervorragende M, Q und Moneypenny in aktiven Rollen
- ein sebstbewusstes Bond-Girl
- Blofeld überlebt

Nach erstmaligem Sehen und direkter Bewertung 9,5/10.

Logiklöcher sind mir nicht aufgefallen, ich bin da aber auch nicht so gut drin.

Sehe ich eigentlich ähnlich wie du, vor allem was Waltz betrifft.
Zuletzt geändert von ColeTrickle am 5. November 2015 00:55, insgesamt 1-mal geändert.

Re: Filmbesprechung: "SPECTRE (SP)"

#322
danielcc hat geschrieben:Habe ich doch gesagt, dass ihr den FIlm nicht sofort einordnen könnt :-)

Mir hat die deutsche Version deutlich BESSER gefallen! Da waren wirklich einige Details die ich jetzt besser verstanden habe. Waltz synchronisiert sich extrem gut!!! Ist mir wirklich positiv aufgefallen.

Ein riesiges Logikloch habe ich erst dieses Mal entdeckt :-)
Hmmmm...... was wäre denn das Logikloch?
" You are a Kite dancing in a hurricane Mr. Bond"

Wodka Martini, shaken, not stirred!

Re: Filmbesprechung: "SPECTRE (SP)"

#323
hier noch mal meine Rezension, die ich auch nach drei mal Schauen nicht ändern muss.

“It’s been a long time – and finally, here we are“

Wie schon bei Skyfall, gelingt es auch bei SPECTRE geschickt doppeldeutige Aussagen im Script unterzubringen und so trifft dieser Satz gesprochen vom Bösewicht zwar oberflächlich auf den Inhalt der bisherigen Craig Filme zu, doch in Wahrheit drückt Regisseur Sam Mendes hier auch das aus, was viele Bondfans wohl beim Schauen von SPECTRE über den Stil der Serie an sich decken sollen. So versprach es schon der erste Teaser.

Nach dem riesigen Erfolg von Skyfall, hatte man sich bewusst entschieden nun stärker in Richtung der Spektakel-Bonds zu gehen und damit auch die Fans zufriedenzustellen, die von der Über-Dramatisierung und Emotionalisierung der Craig Filme bei gleichzeitigem Verzicht auf Over-the-Top Elemente und Humor nicht so begeistert waren.

Ich bin immer der Meinung gewesen, dass die Bondfilme wirklich „groß“ werden, die es schaffen die verschiedenen „Glaubensrichtungen“ innerhalb der Fan- und Zuschauer-Schichten zu vereinen. Da gibt es Leute die stehen stärker auf bodenständige, emotionale, dramatische Agentenabenteuer, und da gibt es die, die sich auf jeden Fall den Epos wünschen, auch Over-the-Top Elemente und flache Sprüche in Kauf nehmen. Letztlich muss jeder Bondfilm alles abdecken, doch manchmal schlägt das Pendel zu stark in eine Richtung aus.
Zudem erfuhr der Protagonist in den bisherigen drei Filmen eine kontinuierlich und durchaus einzigartige Charakterentwicklung, vom rauen Anfänger der sich unsterblich verliebte, enttäuscht wurde, nach Rache sinnte, den Verlust verarbeiten musste und dann gleich vollends ob seiner Tauglichkeit, seinem Alter und seiner Bedeutung in Frage gestellt wurde.

SPECTRE ist nun der Film, der alle glücklich machen soll. Sieht man sich den Erfolg von Skyfall an, ist die Frage berechtigt, warum eigentlich eine Richtungsanpassung nötig sein sollte. Kein Bondfilm hat mehr Tickets verkauft. So erscheint es fast eher gefährlich, dass man es allen Recht machen will.

In der Tat hat diese schwierige Aufgabe schon in der Pre-Production für erhebliche Probleme gesorgt. Letztlich zeichnen vier Autoren für das Drehbuch verantwortlich, wo eigentlich John Logan nicht nur Bond 24 sondern gleich auch Bond 25 alleine schreiben sollte. Doch die von den Sony Servern geleakten Informationen zeugen davon, dass Logan über lange Zeit in die falsche Richtung entwickelte und letztlich das zuvor verabschiedete Duo Neil Purvis & Robert Wade in Kombination mit Jez Butterworth ran mussten. Spricht nicht grade für einen reibungslosen Ablauf in der Entwicklung des 24ten Bondfilms.

Umso mehr stellt sich die Frage:
Kann SPECTRE die exorbitanten Erwartungen dennoch erfüllen und wie gelingt Mendes die Kombination von all den Elementen die sich Fans wünschen?

SPECTRE bringt in der Tat den „alten“ bzw. „mittelalten“ Bond der Zeit TB bis TSWLM zurück –in mancher Hinsicht noch mehr als es die Brosnan Filme taten. SPECTRE ist stolz, bunt, groß, episch und bombastisch, er ist lang aber kurzweilig, er ist in Teilen etwas naiv oder albern aber immer ein unterhaltsames Event. Eine Überraschung und Erleichterung vor allem für Fans, die bis dato in Craig keinen würdigen Bond gesehen haben, die seine Filme als zu bodenständig und trist, zu tragisch und humorlos gesehen haben. Ein Fest für alle, die nicht genug von der Wandlungsfähigkeit und Coolness des blauäugigen Engländers bekommen können.
Der Sprung den SP im Vergleich zu SF in dieser Hinsicht nimmt, ist streckenweise gewaltig. Das mag andererseits die Hardcore-Verfechter des Craig-Ansatzes sogar etwas abschrecken. SP ist kein Film den man auf Anhieb einschätzen kann. Man muss ihn verdauen und irgendwie ist er beim ersten Mal wohl für viele doch anders als erwartet.

Dabei strotz der Film nur so vor einer Liebe zum Bond Franchise auf Seiten Craigs und Mendes. Da werden Bond Klassiker liebevoll zitiert und da findet auch ein nie genutzter Fleming Titel seinen Platz. Da darf Craig nun endlich voll und ganz Bond sein, eiskalt aber humorvoll, stolz und selbstbewusst. Da wird in allerbester Moore Manier einem Bösewicht hier und da zugelacht oder gleich zugewunken, da ist inmitten einer Actionszene auch mal Platz für eine Ablenkung, und da sind endlich ausreichend hübsche Girls um den Appetit unserer Lieblingsagenten zu befriedigen. Craig spielt das alles mit einer Souveränität, als habe er nie etwas anders gemacht und als solle er nie wieder etwas anderes machen. Ja, Daniel Craig IST jetzt der beste Bond aller Zeiten.

Bei Bondfilmen im Besonderen lohnt es vorne anzufangen, und so kommt man nicht umher über die Pre Title Sequenz zu sprechen. Oft ist es die Szene, die den Ton eines Bondfilms bestimmt, das Publikum in die richtige Stimmung bringt, und eben deswegen hat Mendes hier besonders viel Arbeit reingesteckt. Dabei gehen Drehbuch und Umsetzung in Form einer unfassbaren Arbeit von Special Effects und Stunt Personal hier Hand in Hand, garniert mit einer besonders starken und in der Serie einzigartigen Art der Inszenierung und einer extra für die Szene geschriebenen, beinahe hypnotischen Trommler-Komposition. Doch schon hier werden frühzeitig Girls und Humor eingebaut. Ohne ins Detail zu gehen: Die PTS gehört für mich nicht nur zu den besten ihrer Art innerhalb der Serie, es sind vielleicht die inszenatorisch besten zehn Minuten der Serie.

Kaum weniger beeindruckend ist abermals Daniel Kleinmans Arbeit an der Titelsequenz und auch hier geht man stolz und furchtlos neue Wege – die hier nicht verraten werden sollen. Kleinman ist ein Segen für die Reihe und kann in seiner Bedeutung für diese auf eine Stufe mit Ken Adam oder John Barry gestellt werden.

A propos: Auch bei der tollen Arbeit von Denis Gassner zeigt sich der neue Mut zum Bombast. Da wird bei Locations und Sets geklotzt und nicht gekleckert. Entsprechend dem Motto des Films scheut man sich auch nicht vor einer Rückkehr zum guten alten „Villain Lair“ zurück. Alles zumeist wunderbar eingefangen von Kameramann Hoyte van Hoytema. Dieser scheint sich jedoch mit großen Panorama Aufnahmen leichter zu tun als mit Interiors. Seine Außenaufnahmen sind allesamt toll, nicht selten wahrlich atemberaubend – wobei oft auch ein irrsinniger Aufwand in Ausleuchtung der vielen Nacht-Locations gesteckt wurde. Dagegen wirken einige Innenaufnahmen etwas trübe oder nebelig. Schade, dass in einem starken Stuntmoment einer Actionszene durch falsch gewählte Nahaufnahmen die Szene unnötig künstlich wirkt – hier hätte man den ganzen Stunt zeigen müssen.

Unbedingt ausdrücklich erwähnen möchte ich die Arbeit von Komponist Thomas Newman. Sein Score ist pulsierend, pompös und oft bombastisch. Dabei setzt er weniger auf ausgefeilte Melodien sondern auf reduzierte Akkorde die aber mit brutaler Wucht wiederholt und variiert werden. Ja, einige Verwendungen von SF Motiven sind auffällig, aber es wird entschädigt durch eine viel bessere und stärkere Integration des Bondthemas – und ja, auch der Titelsong findet akustisch seinen Weg in den Film.

Was nach zweimaligem Sehen des Films wirklich bemerkenswert ist, ist die brillante Inszenierung des gesamten ersten Teils des Films. Hier reiht sich eine tolle Szene an die andere, mit flüssigen Übergängen, nahezu ausschließlich tollen Einstellungen. Das ist locker das Beste was ich in der Reihe bislang gesehen habe. Mexiko, London, Rom, Österreich – Action, Humor, mysteriöse und hoch spannende Szenen, Bond-Standards mit teilweise netten Abwandlungen und gänzlich Neues. Man merkt, dass dieser Teil des Films schon lange feststand, entsprechend durchdacht und brillant wirkt er.

Einer der viele Höhepunkte ist die aus dem Trailer bekannte Szene des Spectre Meetings. Wie es Mendes hier versteht mit Ruhe, Pausen, Licht und Ton eine Stimmung zu kreieren ist atemberaubend. Waltzs Oberhauser wird hier so bedrohlich aber auch auf gute Weise over-the-top präsentiert, das es eine Wonne ist und ein wunderbarster Fan-Service.

Gleichzeitig wird uns hier der beste Henchman der Reihe seit Odd Jobb oder dem TSWLM Beißer geschenkt. Dave Bautista ist nicht nur ein würdiger Gegner für Craigs physischen Bond, er ist auch nach langer Zeit der erste Henchman mit einer ausgeprägten „Spezialität“. Doch es ist vor allem Bautistas physische Präsenz und seine wuchtige Schnelligkeit die eine Konfrontation mit Bond zu einer weiteren Franchise-Sternstunde werden lässt. Auch in dieser Szene fällt die präzise geplante Inszenierung auf. Wie bei allen Actionszenen behält man den Überblick selbst wenn man richtig nah dran ist und Craigs Bond Schnaufen und schmerzverzerrt Aufschreien hört.

Die erste Hälfte des Films ist auch so stark, weil wir einen Bond erleben, der voller Tatendrang ist und die Handlung treibt. Stärker als bei Skyfall ist er Herr des Geschehens und es macht Spaß Bond bei seinen Ermittlungen von einem Ort zum anderen zu begleiten.

Stärker auch als bei Skyfall gibt es jedoch auch eine Nebenhandlung, die sich mit M in London abspielt. Überhaupt fällt auch, dass SP sehr stark auf das MI6 Team setzt. M hat seinen eigenen „Kampf“ zu kämpfen, Moneypenny wird zu einer echten Vertrauten des Vertrauens-scheuen Bonds und dann ist da Q… Tja, Ben Whishaw als Q ist vielleicht sogar der heimliche Star des Films. Auf sein Konto und die vielen Interaktionen mit Bond gehen die meisten Lacher. Man hat wirklich das Gefühl, hier ist ein Q für die nächsten Jahrzehnte. An den Gadgets kann noch etwas gearbeitet werden – vieles davon kennt man schon aber nett, dass auch mal was schief geht. Trotz des starken Casts und der vielen Interaktionen gerät SP nicht zum Buddy Movie oder zu einem „Rogue Nation“ artigen Teamplay. Im richtigen Moment ist Bond dann wieder ganz auf sich gestellt.
Eine Nebenbemerkung: auch Rory Kinnears Nebencharakter Tanner darf nebenbei schön unauffällig ein paar Nebensätze anbringen. Immerhin wirkt er dabei nicht ganz so dusselig unterfordert wie in SF.

Das Ensemble ist ohnehin dieses Mal sehr stark. Eine frühe Szene mit Bonds ehemaligem Widersacher aus CR und QOS mit Jesper Christensen wird zu einem der Glanzpunkte an intensivem Spiel. Monica Beluccis Auftritt im Film wird sicher kritisiert werden, aber ihre Szenen mit Bond sind ebenfalls vom Feinsten und liefern ganz nebenbei den erotischsten Kuss der Serie.

Komplizierter verhält es sich mit Lèa Sedoux als Madeline Swan. Dem oft missbrauchten Wort vom „untypischen Bondgirl“ wird sie durchaus gerecht. Sie verfällt nicht gleich Bonds Charme sondern schreit ihn an, sie steht auf eigenen Füßen und in einer besonders ausweglosen Situation rettet sie einem hoffnungslos unterlegenen Bond mal eben den Allerwertesten. Doch ist auch eine gewisse Ambivalenz in ihrer Rolle und ihrem Spiel, die ihren Charakter etwas unnahbar wirken lässt. Spät im Film wird klar, dass sie für Bond mehr bedeutet als die beiden anderen Girls im Film. Doch keine Angst: Mendes und das Drehbuch überschreiten hier nicht den schmalen Grat zwischen einem gekonnten Mehr an Emotionen und einem kitschigen und wiederholten sich verlieben. Nein, auch SP macht klar, dass es in Bonds Leben nur eine besondere Frau gab und dabei bleibt es.

Was mich an den Craig Filmen immer schon verblüfft hat, sind die vielen Dinge die Bond vermenschlichen und die Filme so viel zugänglicher machen. Davon gibt es in SP sogar noch mehr. Oft sind es Kleinigkeiten deren Andersartigkeit im Rahmen des Franchises man nur wahrnimmt, wenn man sich en Detail mit dem Film beschäftigt. So erlebt man hier einen Bond, der auch mal emotional und wütend aufschreit, einer der sich gefühlvoll aber ohne Kitsch einsetzt für seine Begleitung. Oder er lässt aggressiv seine Drinks fallen und schaltet blitzschnell von Romantik auf Aggressivität um.

Sehr viel könne ich noch lobend erwähnen. Ich bin mir sicher, dass SP für viele weitere Sichtungen Potenzial hat, viele Serien Highlights liefert und inszenatorisch zu den Top 3 gehört. Doch ich möchte auch die Schwächen des Films nennen.

Alles beginnt wie immer mit dem Script. Was man unterbewusst im Film merkt, bestätigt sich mit dem Wissen aus den Sony Leaks. Es gab Probleme mit dem dritten Akt und so wurde kurzer Hand noch bei Drehbeginn einiges umgeschrieben oder es wurde auf ältere Drafts des Films zurückgegriffen. Das ist nicht schlimm, da man hier mit einer komplett neuen Folterszene sogar eine gruselige Anomalie für das Franchise geschaffen hat. Doch man merkt auch, dass in diesem Teil weder die Dialoge so geschliffen sind, noch die Inszenierung durch Mendes besonders raffiniert ist.

Ein weiteres Problem ist die Dramaturgie und der Plot an sich. Nein, SP ist nicht ein solches Logik-Loch wie SF. Die Handlung ist weitestgehend logisch und vor allem flüssig. Aber es fehlt eben - und das scheint sich durch alle Craig Bonds zu ziehen – eine echte Bedrohung. Man hat hier etwas unschlüssig versucht, Persönliches mit Ermittlungstätigkeit zu verbinden und dann noch parallel eine Bedrohung einzubauen, die aber am Ende nicht für die nötige Spannung sorgt. Zu offensichtlich naiv ist ein später Versuch, über zwei Countdowns Spannung einzubauen. Auch gibt es eine kleine Phase im Film, wo zu häufig zwischen den Handlungsorten gewechselt wird.
Ein Schwachpunkt ergibt sich – fast eine Konsequenz aus dem genannten – auch im Hinblick auf den Bösewicht. So grandios dieser auch eingeführt wird, so bedrohlich er anfangs inszeniert wird – gegen Ende fragt man sich was nun wirklich seine Motivation ist. Zudem hätte Mendes in den späteren Szenen stärker eingreifen müssen und auf mehr Kontinuität im Spiel des Darstellers achten müssen.

Unvermeidlich dagegen war wohl – und das ist keine Schuld von SP -, dass man nur mühsam die Integration von Spectre in die bisherigen Filme geschafft hat. Zwar wird dies optisch und Drehbuch-mäßig mehrmals im Film versucht, aber so richtig schlüssig ist dies nicht.


Fazit:
Wenn man sich erstmal damit abgefunden hat, dass nicht jeder neue Beitrag zur Serie direkt das Prädikat „bester Bondfilm aller Zeiten“ bekommen muss, kann man ganz entspannt feststellen, dass SP ein weiterer sehr starker Beitrag zur Serie ist. Ein Film der gleichzeitig den Bogen der Craig Filme weiter spannt, aber auch vom Stil her in eine deutlich andere Richtung geht. Bombast, Epos, Humor und „Sex“ sind wieder stärker an Bord. Mendes inszeniert weite Teile des Films auf absolutem Spitzenniveau und die grandiosen Leistungen der Crew (Kamera, Musik, Production Design, Special Effects) und des Casts (Craig! Whishaw! Fiennes, Sedoux, Christensen und Waltz) tragen dazu bei aus dem Drehbuch noch deutlich mehr zu machen. Schade, dass man nicht die Zeit oder den Überblick hatte, die Dramaturgie des Films im Hinblick auf den letzten Akt zu schärfen – ein Ansatzpunkt dafür lege eigentlich auf der Hand. Emotional kann SP nicht so berühren wie CR, und er bietet nicht das persönliche Drama was SF so erfolgreich gemacht hat. Aber vielleicht hat er dadurch das Potenzial, die Craig Fans und seine bisherigen Ablehner zu versöhnen.
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Filmbesprechung: "SPECTRE (SP)"

#324
danielcc hat geschrieben:Habe ich doch gesagt, dass ihr den FIlm nicht sofort einordnen könnt :-)

Mir hat die deutsche Version deutlich BESSER gefallen! Da waren wirklich einige Details die ich jetzt besser verstanden habe. Waltz synchronisiert sich extrem gut!!! Ist mir wirklich positiv aufgefallen.

Ein riesiges Logikloch habe ich erst dieses Mal entdeckt :-)
Das da wäre?
"You only need to hang mean bastards, but mean bastards you need to hang."

Re: Filmbesprechung: "SPECTRE (SP)"

#327
danielcc hat geschrieben:Smart blood, position Bonds... Krater???
Spoiler
Show
Zugriff darauf hat doch nur Q. Und Smart Blood?
Naja, das klingt zwar alles extrem over the top, aber das Militär arbeitet schon seit Jahren an solchen Möglichkeiten. So ist das unsichtbare Auto aus DAD auch nicht ein Hirngespinst, sondern daran wird ernsthaft gearbeitet. Dass ein Bond-Film sowas auf die Spitze treibt, ist doch klar. Ist genau genommen sogar weniger absurd als Enterhaken-Uhren, Villain-Unterwasser-Stationen oder -Raumstationen.

Re: Filmbesprechung: "SPECTRE (SP)"

#329
Hier mal eine erste kurze Meinung von mir:

Richtig geil! Die erste hälfte des Films ist sehr Humorvoll und es sind ein paar richtig geile Sprüche dabei. Die Eröffnungsszene ist auch total super, erstklassige Action und dazu ein super Gag. Und dann das Into mit Writings on the Wall: Herlich. War von dem Song ja anfangs auch nicht so begeistert, aber Daniel Kleinman hat richtig coole Bilder dazu gezaubert. Ich würde sagen, vieleicht sogar seine Beste Arbeit bis jetzt: Ein großes Lob! Q war auch absolut herrlich und hat super Sprüche beigetragen und jede Szene absolut bereichert, eine absolute Idealbesetzung, wie sich spätestens jetzt zeigt. Er muss auf jeden Fall mindestens noch 40 Jahre oder so Q bleiben. Ansonsten hat man viele klassische Bond Elemente wieder aufgegriffen, es in der ein oder anderen Actionszene auch ein bischen übertrieben, was aber absolut zu Bond gehört und überhaupt nicht kritisch zu sehen sein sollte! Waltz Screentime war wirklich ziemlich begrenzt, aber dafür war jede Szene, wo er dabei war absolut großartig. Außerdem hat SPECTRE wirklich sehr viel Bezug auf die vergangenen Craig Filme genommen und alles was bisher geschah noch mal einen finalen Sinn gegeben, plötzlich setzt sch ein Puzzle zusammen.

Fazit: Auf jeden Fall ein absolut sehenswerter und würdiger Bond Film, den sich. 2,5 Stunden absolut Beste Unterhaltung!

9/10 Punkte
"Sie haben Ihr Hemd gewechselt Mr. Bond, ich hoffe unser Spielchen bringt Sie nicht zum transpirieren"
"Doch etwas, aber ich bin vollkommen unbesorgt, solange ich kein Blut weine"

Casino Royale