Erbarmen, Schändung, Erlösung, etc - Jussi-Adler-Olsen-Filme

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HCN007
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7. Juni 2016 20:23

Ich habe mal das Forum durchstöbert und noch keinen eigenen Thread zu den dänischen Filmen "Erbarmen", "Schändung" und "Erlösung" gefunden.

Daher mache ich mal den Anfang hier. Ich bin als Thrillerfan damals nur zufällig bei der Heimkinoveröffentlichung von "Erbarmen" auf den ersten Film gestoßen.

Die Filme über den Sonderermittler Carl Morck vom Sonderdezenat Q aus Kopenhagen sind in meinen Augen erstklassige Hochglanz-Thriller, die weitaus mehr sind als nur ein Krimi.

Am Donnerstag kommt der 3. Teil "Erlösung" in die Kinos - Wird sich jemand von euch den Film ansehen ?

Ich denke mal, dass man defintiv noch 3 weitere Filme produzieren wird - "Verachtung" ; "Erwartung" und "Verheissung"

Was haltet ihr bereits von den ersten beiden Filmen, "Erbarmen" und "Schändung" ?
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Maibaum
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7. Juni 2016 21:03

Sind beide nette Unterhaltung so im Bereich 6 -7 /10
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HCN007
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9. Juni 2016 23:39

Review zu „Erlösung“ (2016)

„Erlösung“, mit dem deutschen Beititel „Flaschenpost von P“ bzw. im Originaltitel „Flaskepost fra P“ ist die 3. Verfilmung der Jussi Adler-Olsen-Romane um das Ermittlerteam Carl Morck und Assad , die im Sonderdezernat Q der Kriminalpolizei Kopenhagen alten, ungelösten Fällen nachgehen.
Im ersten Teil „Erbarmen“ wird das Verschwinden einer jungen Politikerin aufgeklärt. „Schändung“ ist der zweite Teil. Hier wird eine Mordserie einer Internatsclique aufgeklärt.

Nun bekommen Carl Morck und Assad eine 7 Jahre alte Flaschenpost zugestellt, die mit dem Verschwinden von 2 Jungen zu tun hat. Als im selben Moment 2 weitere Kinder verschwinden, kommen die beiden einer über Jahre durchlaufenden Maschinerie im Kreise der „Zeugen Jehovas“ im idyllischen Jütland auf die Spur.

Eines vorweg – Mir gefallen Filme aus Skandinavien und speziell die dänischen Filme, egal ob es sich um Thriller, Dramen und schwarze Komödien handelt, da die Filme neben ihrem Fokus auch weitaus mehr zu bieten haben. Für jemanden wie mich, der die deutsche Krimilandschaft bedingt durch qualitative Schwächen, gepflegte Langeweile und einer gewissen Repetitivät und Redundanz eher meidet, mag das ein wenig unglaubwürdig klingen – Auch wenn sich die Filme „Erbarmen“, „Schändung“ und jetzt „Erlösung“ in Ihrer Struktur kaum vom Konzept deutscher Krimis unterscheiden ist es doch eher wichtig, wie die Konzepte umgesetzt werden. Hier können sich die Filme klar über die deutschen Vertreter hervorheben. Es liegt entsprechend an mehreren Faktoren.

Fangen wir mit der Story an. Auch wenn es eine Romanverfilmung ist, finde ich es immer in heutigen Zeiten mutig, sich mit religiösen bzw. quasireligiösen Themen auseinanderzusetzen. Vor allem der Konflikt von „Zeugen Jehovas“ gegenüber Muslimen und auch Atheisten wird sehr behutsam und unaufdringlich integriert. Bis auf ein paar schwarzhumorige Dialoge ist der Umgang sogar sehr respektvoll.

Von den Schauspielern her sind Nicolaj Lie Kaas und Fares Fares zum 3. Mal gemeinsam als Team vor der Kamera zu sehen. Man spürt die unglaublich gute Chemie der beiden. Kaas ist als depressiver, ausgebrannter und von den vorherigen Fällen gezeichneter Carl Morck und als Hauptprotagonist wirklich die treibende Kraft in der Schauspielerriege. Doch ein Film sowie der Protagonist wird nur dann richtig gut, wenn er durch den Antagonisten unterstützt wird. Nachdem ein „Niemand“ im ersten Film und eine „einflussreiche Internatsclique in hohen Kreisen“ im zweiten Film als Gegner platziert worden sind, ist es nun ein extrem undurchsichtiger, intelligenter „Zeuge Jehova“, der sein Treiben jahrelang unerkannt durchziehen konnte. Der Charakter ist sehr gut ausgearbeitet und ein extrem fieser Gegner der Ermittler. Der Rest des Cast spielt ebenfalls auf hohem Niveau.

Der Film setzt auch im Gegenzug zu seinen Vorgängern Flashbacks bzw. parallel erzählte Geschichten nur noch sehr spärlich ein und legt seinen Fokus auf die Handlung in der aktuellen Zeitlinie. Das macht den Film extrem spannend und fokussiert. Egal ob es sich um dramatische intensive Dialoge, starke Actionsequenzen oder auch extrem spannende Szenen handelt – Der Film ist nicht nur extrem spannend und fokussiert, sondern auch extrem nervenzehrend und unterhaltsam, wenn man in diesem Sinne von Unterhaltsamkeit sprechen kann.

Ich finde, dass dieser Film der bisher stärkste Film der Reihe ist und ich freue mich schon auf den nächsten Teil, der sicherlich produziert wird.

Ich habe etwas darüber nachgedacht, ob ich dem Film eine 9 oder eine 10 geben werde. Unabhängig davon wird er der 10. Film in der Kandidatenliste für die TOP10 meines Jahres sein. Lieblingsfilme oder Favoriten im Allgemeinen, die in meinen Augen weniger das Zeug zu einem Genremeisterwerk oder Kultklassiker haben, werden von mir bei entsprechender handwerklicher Qualität immer mit einer 9/10 bewertet.

„Erlösung“ bekommt von mir 9/10 Punkte


Ehrlich, ein Film mit dem Namen "Erlösung" - einem quasireligiösen Thema - und dann mein 666. Beitrag im Forum ? Ich bin nicht abergläubisch !
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Revoked
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9. Juni 2016 23:43

HCN007 hat geschrieben:Ich habe mal das Forum durchstöbert und noch keinen eigenen Thread zu den dänischen Filmen "Erbarmen", "Schändung" und "Erlösung" gefunden.

Was haltet ihr bereits von den ersten beiden Filmen, "Erbarmen" und "Schändung" ?
Ich habe vor einigen Jahren den ersten Teil gelesen. Als Buch recht kurzweilig, aber auch nicht besonders. Deswegen habe ich mir die weiteren Buecher gespart.
Als Filme kann ich mir die sehr gut vorstellen. Ich warte mal bis die im Fernsehen kommen.
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HCN007
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11. Juni 2016 20:41

Review zu „Erbarmen“ (2013)

Worum geht es in „Erbarmen“ ?

Der Kopenhagener Polizist Carl Morck wird nach einem gescheiterten Einsatz in eine neue Abteilung, dem Sonderdezernat Q, versetzt und muss ungewollt nicht nur alte Akten sortieren, sondern auch mit seinem neuen Kollegen Assad zusammenarbeiten. Doch nach nicht allzu langer Zeit kommt den beiden die Akte der vor Jahren verschwundenen, jungen Politikerin Merete Lynggaard in die Hände – welcher durch einen Suizid als abgeschlossen gilt. Carl und Assad haben Zweifel daran und machen sich auf eigene Faust auf die Suche nach Merete.

Was halte ich davon ?

Vor ca. 2 Jahren habe ich mir den Film einfach aus Interesse im Laden besorgt und weil ich den Trailer interessant fand. Ich kann mich bis auf wenige Außnahmen gar nicht mit der deutschen Krimilandschaft anfreunden, aber skandinavische (dänische) Thriller haben es mir angetan. „Erbarmen“ ist so ein Film. Zu dem Zeitpunkt waren mir nur wenige dänische Schauspieler bekannt, so dass ich aufgrund der für mich unverbrauchten Gesichter gut in die Geschichte und die Charaktere reinfühlen konnte. Nikolaj Lie Kaas und Fares Fares haben eine wunderbare Chemie, die sich aus der gegenseitigen Symphatie bzw. Antiphatie ableiten lässt. Auch die beiden unterschiedlichen Charaktere werden schön eingeführt. Aber auch Sonja Richter als die verschwundene Merete Lynggaard und Mikkel Boe Falsgaard als ihr autistischer Bruder Ove sind toll und funktionieren in dem Film prächtig.

Der Film nutzt bereits ein Konzept, was auch in den folgenden Filmen „Schändung“ und „Erlösung“ mal größer und auch mal kleiner in Erscheinung tritt. Die Handlung wird über mehrere Zeitebenen bzw. Flashbacks erzählt und laufen in Richtung des Höhepunkts zusammen – jedoch nie so plakativ, dass der nicht krimi- und thrillererprobte Zuschauer auch erst weiß was abgeht, wenn es abgeht. Der Fall selbst ist in seinen 90 Minuten kurz, kompakt und spannend auserzählt. Die Atmosphäre ist sehr düster und hoffnungslos. Die Darstellung und Inszenierung ist hin und wieder sehr kompromisslos, konsequent und derb – vor allem im Bezug auf die Druckkammer, in der Merete Lynggaard von ihrem Entführer festgehalten wird. Dieser entpuppt sich als Niemand mit Kindheitstrauma und Rachegedanken.

Ich fand den Film sehr unterhaltsam, spannend und natürlich auch mit Luft nach Oben. Es freut mich, dass dieser Film in den Kategorien „Bester dänischer Film“ - „Bester männlicher Darsteller“ - „Beste weibliche Darstellerin“ und „Bester ausländischer Schauspieler“ bei der Preisverleihung des „Svend Prisen 2014“ honoriert wurde.

„Erbarmen“ bekommt von mir 8/10 Punkte

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Review zu „Schändung“ (2015)

Worum geht es in „Schändung“?


Ein Doppelmord vor 20 Jahren – eine Internatsclique in Verdacht. Doch jemand gesteht die Tat und der Fall wird zu den Akten gelegt. Ein Polizist begeht Suizid. Das Brisante – der Polizist hat auf eigene Faust in dem Fall ermittelt und seine Ermittlungsergebnisse an das Sonderdezernat Q geschickt. Carl und Assad kommen bei ihren Ermittlungen einer Serie von Verbrechen auf die Spur, die auf die Kappe der Internatsclique gehen. Diese sind jedoch mittlerweile an der einflussreichen Spitze der Kopenhagener Gesellschaft und finden die Ermittlungen gar nicht witzig. Auch sehen sie sich einer Racheaktion aus einem Drama innerhalb der Clique entgegen.

Was halte ich davon ?


Nach dem kurzen und kompakten Erstling „Erbarmen“ konnte es für „Schändung“ nur eine Richtung geben. In „Schändung“ ist alles weitaus größer angelegt. Er wirkt düsterer als der Vorgänger und auch weitaus brisanter und gefährlicher. Der Film wechselt gekonnt zwischen seinen beiden Zeitebenen mit den aktuellen Ereignissen und der Geschichte um die Internatsclique. Diese kommt in der aktuellen Zeitlinie durch den Einfluss sowie auch durch seine Darsteller Pilou Asbaek und David Dencik sehr bedrohlich rüber.

Die Ermittlungen selbst werden dadurch sehr erschwert und machen den Film mit seinen 2 Stunden definitiv spannend und abgründig. Die Story ist damit auch sehr kompromisslos und konsequent.
Auch durch die Optik des Ganzen wird uns damit ein Hochglanzthriller geboten, der weit über TV-Niveau herauskommt und auch keine Probleme hat, sich mit US-amerikanischen Vertretern messen lassen zu können.

Aus allen guten Filmen des Jahres 2015 hat sich dieser Film sogar den 9. Platz in meiner Jahres-Top10 2015 erkämpft – Es freut mich, dass es dieses Jahr mit „Erlösung“ die Geschichte um Carl Morck weiter erzählt wird.

„Schändung“ bekommt von mir 9/10 Punkte
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Casino Hille
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11. Juni 2016 20:46

Auch eine Trilogie, an der ich Interesse hätte, aber momentan wohl kaum die Zeit.
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DonRedhorse
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11. Juni 2016 20:58

Die ersten beiden Filme habe ich gesehen, sehr zu empfehlen!
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12. Juni 2016 12:37

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Im Fahrwasser von Stieg Larssons »Millennium-Buchtrilogie« hat der deutsche Verleger wohl bei der Kriminalbuchreihe des Dänen Carl Valdemar Jussi Henry Adler-Olsen zur »Carl-Mørck-Dezernat-Q-Serie« es auch vorgezogen reißerische, provokante Substantive als Buchtitel zu etablieren, die den Originaltiteln nicht im Geringsten nahe kommen. Nach dem Motto Skandinavien Krimis for its best - egal ob diese nun aus Schweden oder Dänemark stammen hat der beühmte Vorläufer weitere Kollegen auf den Plan gebracht.

Die ersten fünf Thriller der Adler-Olsen Reihe habe ich gelesen. Die Buchvorlagen sind filmtechnisch gut umzusetzen, wobei die inhaltliche Themen und die agierenden Personen jetzt nicht so neuartig sind, als dass sie auf der großen Leinwand oder auf der Mattscheibe den Zuschauer andauernd überraschen könnten.

Verfilmbarkeit
Gerade der US-amerikanische Regisseur David Andrew Leo Fincher hat im Vorfeld solch gearteter Romanverfilmungen mit den Werken "Se7en" (1995) und "Zodiac" (2007) zwei hervorragende Genrebeiträge geschaffen, so dass er bei der Neuverfilmung des ersten Teils der Millennium-Trilogie "The Girl with the Dragon Tattoo" (2011), förmlich die perfekte Wahl darstellte, da die Romanvorlage von Stieg Larrson sich in Teilen wie ein Zwitter aus den beiden erst genannten Genreverfilmungen über gefährliche Serienmörder zeigt. Leider konnte "The Girl with the Dragon Tattoo" für Leser, die das Buch kennen, nicht wirklich sensationell punkten, da Kompromisse, die der Film gegenüber der Buchvorlage eingeht, sich dann in Einzelpunkten doch eher als enttäuschend erwiesen.

Meine persönlichen Differenzen zwischen diesen Romanvorlagen und deren filmischer Adaption
Zurück zum eigentlichen Thema:
Das Bild, welches sich mir als Leser im Kopf von Carl-Mørck aufgebaut hat, entspricht für mich persönlich nicht unbedingt dem dänischen Schauspieler Nikolaj Lie Kaas, der die Rolle in den aktuellen Verfilmungen übernommen hat, so dass man als Zuschauer, der die Bücher kennt, etwas Distanz zum Hauptdarsteller entwickeln kann. Rose und Kollege Assad finde ich besser besetzt.

Ich habe die ersten beiden Verfilmungen im Fernsehen gesehen, wobei ich es bei »Schändung« (2014) bedauert habe, dass man sich nicht stärker an der exakten Vorlage des Buches gehalten hat, da diese noch "bösartiger" ist und entsprechend besser einschlagen würde, wenn diese konsequent durchgezogen worden wäre.
Die Melange aus jugendlicher, mörderisch, verzogener "Uhrwerk Orange"-Gang, die sich schließlich gegen eine der eigene Mitglieder stellt und deren High-Society-Gebaren im Erwachsenenleben, hat gewaltiges Potential in einer Verfilmung richtig zu provozieren und zu schocken. Stanley Kubrick hat es mit der Verfilmung von Anthony Burgess Kultroman vorgemacht und ähnliches könnte ein großer Regisseur vielleicht aus der Vorlage »Schändung« heraus kitzeln.


So empfinde ich die beiden jetzigen Verfilmungen als recht ordentlich, aber sehe bei möglichen Neuverfilmungen auch Potential, dass die Romanvorlagen auch Psycho-Thriller in der Qualität von "Prisoners" (2013) offerieren – sprich da ist meines Erachtens mehr möglich.
Wer die Bücher dagegen nicht gelesen hat, wird die Verfilmungen vermutlich um einiges besser finden.
Aber dies trifft meiner Ansicht in Teilen genauso auf die Bestsellerverfilmungen von Dan Brown mit seinem Helden Robert Langdon oder auf die Fantasy-Romanreihe von Joanne K. Rowling mit ihrem Zauberlehrling Harry Potter als Hauptfigur zu.


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25. Juni 2019 23:03

iHaveCNit: Verachtung (2019)
25.06.2019


Ganz ehrlich gesagt kommen wir nun zu einem Film, auf den ich dieses Jahr schon richtig gewartet habe. Mir gefallen skandinavische Thriller – und mir gefallen auch die Verfilmungen der Jussi-Adler-Olsen-Romane um die kopenhagener Ermittler Carl Morck und Assad und dem Sonderdezernat Q. Nach „Erbarmen“ , „Schändung“ und „Erlösung“ kommt nun mit „Verachtung“ der 4. Film in die Kinos, der auch in dieser Konstellation der vorläufige Abschluss der Filmreihe darstellen wird. Das finde ich zum einen schade, aber es ist auch ein sehr versöhnlicher Abschied geworden, der es mal wieder in sich hat und mir einen spannenden Kinobesuch beschert hat.

In einer kopenhagener Wohnung wird zufälligerweise ein sehr unheimliches Tableau offengelegt. 3 Leichen sind an einem Tisch sitzend platziert worden, während es scheinbar durch einen nicht besetzten auf dem Boden liegenden vierten Stuhl noch ein viertes Opfer folgen soll. Der perfekte Fall für Carl Morck und Assad, die beide damit zu kämpfen haben, dass Assad in Kürze die Abteilung wechselt. Die Ermittlungen führen beide in eine alte verlassene Klinik in der Dinge passiert sind, die zu einem der düsteren und verschwiegenen Kapitel der dänischen Geschichte gehörten. Doch was hat dies dem Fall von Carl und Assad zu tun ?

Nach Mikkel Norgaard und Hans Petter Moland ist nun Christoffer Boe mit der Inszenierung betraut worden. Und Boe kann sich voll und ganz auf die eingespielte Mischung in diesen Filmen verlassen. Da ist zum einen das tolle Gespann aus dem etwas sozial inkompetenten Carl Morck und des engagierten Ermittler Assad, die wie immer großartig von Nikolaj Lie Kaas und Fares Fares gespielt werden. Ergänzt werden beide von der großartigen Johanne Louise Schmidt, die wieder Rose Knudsen spielt. Gerade da die Fälle immer einen Bezug in die Vergangenheit haben, arbeitet man natürlich auch hier wieder sehr toll mit parallelen Handlungssträngen und Rückblenden. Und hier ist vor allem der jungen Schauspielerin und Tochter des dänischen Regisseurs Ole Bornedal, Fanny Bornedal mit ihrem Charakter der Nete eine sehr tolle Performance gelungen, die uns auch einen emotionalen Bezugspunkt wie es auch im weiteren Verlauf des Films diesen emotionalen Bezugspunkt bei Assad gibt, der die Sache hier sehr persönlich macht. Während es bei den vorherigen Filmen ausschließlich fiktiv konstruierte Geschichten gab, die keinen Bezug zu reellen geschichtlichen Ereignissen hatten, ist die hier erzählte fiktive Geschichte eng mit einem sehr dunklen und düsteren, sehr unbekannten Kapitels der dänischen Geschichte verzahnt. So wurden über Jahrzehnte zur Reinigung des dänischen Volkes Frauen mit körperlichen und geistigen Behinderungen sowie psychischen Störungen und ungebührlichem Verhalten in Spezialkliniken interniert und zwangssterilisiert. Richtig perfide ist es natürlich, dass das alles auch von öffentlicher Seite gebilligt und über Jahrzehnte verheimlicht wurde. Gerade damit ist der Film auch sehr mutig und liefert eine extrem spannende und dramaturgische Fallhöhe, die den ganzen Film richtig gut tut.

„Verachtung“ - My First Look – 9/10 Punkte.
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