Re: Oscars / Golden Globes 2020

#49
In dem Thread hier geht es nicht um Mad Max, ich habe nur meine Prognose für den Oscarverlauf zu Joker anhand eines anderen Beispiels zu erläutern versucht. Natürlich ist Fury Road ein sehr viel besserer Film als Joker, das weiß ich - aber es gibt auffallende Überschneidungen darin, wie beide Filme Publikum und Fachkritik vereint erreicht haben.
Prejudice always obscures the truth.

Re: Oscars / Golden Globes 2020

#50
Joker wird wahrscheinlich Hauptdarsteller, Musik, Kostüme und Make-Up/Hairstyling bekommen. Damit wären dann 4 Oscars auf dem Zähler von Joker.

Ich würde hier viel eher einen Vergleich zwischen 1917 und Mad Max Fury Road ziehen. 1917 könnte für meinen Geschmack Film, Regie, Kamera, visuelle Effekte, Produktionsdesign, Ton und Tonschnitt abräumen. Schade, dass man ihn bei den Nominierungen für den Schnitt übergangen hat, denn auch hier hätte ich 1917 vorne gesehen.
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Re: Oscars / Golden Globes 2020

#51
Witzigerweise ist es eine Art ungeschriebenes Gesetz, dass der Best Picture Sieger immer auch für Best Editing nominiert ist. Einzige Ausnahme in den letzten Jahren war Birdman - und ausgerechnet mit dem hat 1917 ja eine nicht unwesentliche Gemeinsamkeit. :wink:
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Re: Oscars / Golden Globes 2020

#52
Casino Hille hat geschrieben:
17. Januar 2020 19:57
Witzigerweise ist es eine Art ungeschriebenes Gesetz, dass der Best Picture Sieger immer auch für Best Editing nominiert ist. Einzige Ausnahme in den letzten Jahren war Birdman - und ausgerechnet mit dem hat 1917 ja eine nicht unwesentliche Gemeinsamkeit. :wink:
Yep.

Ist ja auch logisch. Ein schlecht geschnittener Film kann unmöglich "Bester Film" werden.
Ein richtig guter Schnitt trägt aber extrem viel zum Gelingen eines Films bei. Das ist schon eine der Königsdisziplinen beim Filmemachen,
und für mich auch immer eine der Hauptkategorien bei den Oscars.

Re: Oscars / Golden Globes 2020

#53
Invincible1958 hat geschrieben:
17. Januar 2020 21:16
Ein schlecht geschnittener Film kann unmöglich "Bester Film" werden.
Ein richtig guter Schnitt trägt aber extrem viel zum Gelingen eines Films bei. Das ist schon eine der Königsdisziplinen beim Filmemachen,
und für mich auch immer eine der Hauptkategorien bei den Oscars.
Wobei ein richtig schlechter Schnitt aber auch sehr viel mehr auffällt als ein richtig guter Schnitt.
Böser schwarzer Mann

#SanMonique2020

"Wo man lacht, da lass dich ruhig nieder. Böse Menschen lachen immer wieder."

Re: Oscars / Golden Globes 2020

#54
Samedi hat geschrieben:
17. Januar 2020 21:44
Invincible1958 hat geschrieben:
17. Januar 2020 21:16
Ein schlecht geschnittener Film kann unmöglich "Bester Film" werden.
Ein richtig guter Schnitt trägt aber extrem viel zum Gelingen eines Films bei. Das ist schon eine der Königsdisziplinen beim Filmemachen,
und für mich auch immer eine der Hauptkategorien bei den Oscars.
Wobei ein richtig schlechter Schnitt aber auch sehr viel mehr auffällt als ein richtig guter Schnitt.
Ja, das ist in den anderen Metiers genau so.

Bestenfalls nehmen die Zuschauer die Einzelteile des Films gar nicht wahr, sondern sehen das Große Ganze.
Eine Filmemusik, die man alle paar Minuten bewusst wahrnimmt (damit meine ich getrennt von den Bildern) ist auch keine gute Filmmusik - auch wenn sie für sich eine gute Musik sein kann.

Re: Oscars / Golden Globes 2020

#55
Invincible1958 hat geschrieben:
17. Januar 2020 23:19
Eine Filmemusik, die man alle paar Minuten bewusst wahrnimmt (damit meine ich getrennt von den Bildern) ist auch keine gute Filmmusik - auch wenn sie für sich eine gute Musik sein kann.
So pauschal kann man das nicht sagen.

Die Musik von John Williams nimmt man eigentlich fast immer bewusst wahr und es ist trotzdem meistens super. Gleiches gilt für die Musik von Ennio Morricone.
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Re: Oscars / Golden Globes 2020

#56
Samedi hat geschrieben:
17. Januar 2020 23:33
Invincible1958 hat geschrieben:
17. Januar 2020 23:19
Eine Filmemusik, die man alle paar Minuten bewusst wahrnimmt (damit meine ich getrennt von den Bildern) ist auch keine gute Filmmusik - auch wenn sie für sich eine gute Musik sein kann.
So pauschal kann man das nicht sagen.

Die Musik von John Williams nimmt man eigentlich fast immer bewusst wahr und es ist trotzdem meistens super. Gleiches gilt für die Musik von Ennio Morricone.
Ja, aber passend zu den Bildern, und damit in sich stimmig.

Dass die Musik auch ohne Film wunderbar funktioniert (vor allem bei Morricone und Williams, und auch bei John Barry), ist natürlich auch ein qualitätsmerkmal.

Aber wenn ich aus dem Film gerissen werde, weil die Musik sich "unpassenderweise" in den Vordergrund spielt, dann ist sie nicht gut - jedenfalls nicht in dem Zusammenhang.
Wenn die Musik von Morricone dick aufträgt, dann meist im Einklang mit den Bildern.

Re: Oscars / Golden Globes 2020

#57
Die Qualität eines Schnittes zu beurteilen ist natürlich abhängig davon, was die Intention des Filmemachers ist. Wenn ich einen One-Take wie in "1917" machen möchte mit der Illusion, dass der Zuschauer eine einzelne Kamerafahrt verfolgt, dann muss der Schnitt eben dafür sorgen, dass diese Illusion aufrecht erhalten wird. Diese Illusion ist auch bei allgemeiner Stuntarbeit wichtig, denn gute Stuntarbeit ist ähnlich wie ein Schnitt bei einem "One-Take". Ist es gut, sieht man nichts.

Allgemein bei Action z.B. bin auch nicht ein Freund von richtig schnellen Schnittfolgen, die vollkommen ohne Plan die Bilder aneinanderhängen. Für mich muss bei Action, es sei denn die Intention des Filmemachers ist dass das Gefühl von Hektik und Unübersichtlichkeit zu vermitteln, eben eine Ruhe und Übersichtlichkeit auch durch den Schnitt geschaffen werden.

Aber wie immer gilt bei einer Preisverleihung. Gerade die Leute, die im Auswahlgremium sitzen haben bei einer solchen Verleihung nicht das Prämieren von Qualität im Sinn, sondern das Prämieren von Leistungen, die ihnen besonders gut gefallen haben und welche sie gerne auszeichnen würden, unabhängig von der eigentlichen Qualität vom z.B. "Schnitt". Das erkennt man z.B. an der Auszeichnung von Bohemian Rhapsody im letzten Jahr !
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Re: Oscars / Golden Globes 2020

#58
Invincible1958 hat geschrieben:
17. Januar 2020 23:55
wenn ich aus dem Film gerissen werde, weil die Musik sich "unpassenderweise" in den Vordergrund spielt, dann ist sie nicht gut - jedenfalls nicht in dem Zusammenhang.
Naja, aber ob man die Musik bewusst wahrnimmt oder ob die Musik einfach nicht zum gezeigten passt, das sind nochmal zwei paar Schuhe.

Wirklich unpassende Musik ist meiner Meinung nach auch weniger der Fehler von Komponisten, sondern passiert meistens dann, wenn der Regisseur einfach irgendeine Musik über seine Filme drüberlegt ohne es genau durchdacht zu haben.

Das ist auch genau das, was Tarantino in seinem "Tarantino talks"-Special auf dem "Pulp Fiction"-Soundtrack kritisiert.
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Re: Oscars / Golden Globes 2020

#59
HCN007 hat geschrieben:
18. Januar 2020 00:20
Allgemein bei Action z.B. bin auch nicht ein Freund von richtig schnellen Schnittfolgen, die vollkommen ohne Plan die Bilder aneinanderhängen. Für mich muss bei Action, es sei denn die Intention des Filmemachers ist dass das Gefühl von Hektik und Unübersichtlichkeit zu vermitteln, eben eine Ruhe und Übersichtlichkeit auch durch den Schnitt geschaffen werden.
Das kann man aber dennoch viel eleganter machen. Johnson hatte in Knives Out beispielsweise eine wunderbare Unruhe und Hektik vermittelt, als Martha nach der Testamentsverlesung das Haus fluchtartig verlässt, ohne auf ein Schnittmassaker zurückzugreifen. Und doch kam das Gefühl seutlich besser rüber als bei einem Schnittmassaker ala Bourne oder Taken (3).
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Re: Oscars / Golden Globes 2020

#60
Ich finde absolut nicht, dass Action übersichtlich sein muss - und gerade auch schnelle Schnitte können aus Actionszenen Kunstwerke schaffen, während abgefilmte Choreographien genauso leicht langweilig werden können. Sam Peckinpah hat erst durch seinen schnellen, rasanten Schnitt das grandiose Schlussgefecht in "The Wild Bunch" zu einem Höhepunkt der Filmgeschichte werden lassen. Gleichzeitig kann Action ganz ohne Schnitt ebenso wuchtig und imposant sein - beste Beispiel hierfür wären mehrere tolle One-Take-Actionsequenzen in "Children of Men" von Alfonso Cuarón. Man kann das schlicht nicht verallgemeinern.

Wollen wir dieses Jahr wieder auf die Oscar-Sieger tippen? Bester Film und Beste Regie werden denke ich zu Tausend Prozent an 1917 / Sam Mendes gehen, nachdem dieser jetzt auch bei den DGA Awards gewonnen hat. Alles andere wäre eine große Überraschung.
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