Re: B-Action und DTV-Kloppereien

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Geschätzter vodka, ich habe auf IMDb ja schon reihenweise Reviews von dir konsumiert, und allesamt zeichnen sich sowohl inhaltlich als auch sprachlich durch feine, humorvolle Rhetorik und Liebe zum Medium aus.
Zudem bin ich bei über 90 % deiner von mir bislang gelesenen Filmbesprechungen auch nah bei dir, was die Bewertung der einzelnen Werke betrifft – mit Ausnahme einiger B-Actioner und namentlich sei hier insbesondere diese Perle genannt: Death Kiss (2018).

Du weißt schon, das Ding mit dem Charles Bronson – Verschnitt. Und da ich an Bronsons Schaffen eigentlich immer einiges an Spaß hatte und du "Death Kiss" mit 6/10 – in Worten: SECHS von ZEHN – Punkten bewertet hattest, hab ich einen Blick riskiert...tragischerweise.

Denn, was ich da sehen musste, hat so ziemlich alles in den Schatten gestellt, was ich jemals in bewegten Bildern auf Leinwänden oder im TV miterleben durfte. Das war wirklich schlimm und ich weiß gar nicht, wo ich hier mit meiner Kritik ansetzen sollte?! Denn vom strunzdämlichen Drehbuch angefangen, über die Auswahl der (Laien)Darsteller bis hin zur praktisch nicht wahrnehmbaren "Inszenierung" ist das eine einzige Katastrophe. Selbst die eingesetzte Technik ist derart miserabel, dass bspw. die Riesen - Wumme des Helden wie eine schallgedämpfte 22er klingt. Auch die Auswahl der Schauplätze oder die Kameraführung sind an Dilettantismus nicht zu überbieten. In diesem Zusammenhang sei etwa die "Action-Szene" und Schießerei am Schrottplatz – oder was das auch war – zu nennen, die so unfassbar mies gefilmt und geschnitten ist, dass es einem die Tränen in die Augen treibt – ich bin mir nur nicht mehr sicher, ob vor Lachen oder vor Weinen.

Selbst ein Verbrechen an der Filmkunst, wie Steven Seagals "Halb Tot – Half Past Dead" von 2002, in welcher der mittlerweile zur 130 kg Kampfwurst mutierte ehemalige Martial – Artist bei jeder Action – Szene gnadenlos gedoubelt werden musste, wirkt im Vergleich zu "Death Kiss" wie ein Oscar-Kandidat. Und egal, wie minimal die finanziellen Mittel, die für diesen "Film" aufgewendet werden mussten auch gewesen sein mögen, nichts aber auch gar nichts rechtfertigt es, diesen Murks auf die Öffentlichkeit loszulassen. Da wäre es noch sinnvoller gewesen, das investierte Geld einem afrikanischen Diktator zu spenden. :mrgreen:

Um auf den Punkt zu kommen: Lieber vodka, mir ist bis zum heutigen Tag absolut unbegreiflich, wie du zu der 6/10 – Bewertung dieser cineastischen Offenbarung im negativsten Sinn gekommen bist, denn selbst deine offen eingestandene Vorliebe für das B-Film Action – Genre kann das nicht im Ansatz erklären. Und deshalb hoffe ich, du nimmst es mir nicht allzu übel, wenn sich bei mir heute und zukünftig nach der Lektüre einer deiner Filmbesprechungen inkl. der dazugehörigen Bewertung von B – Actionern, ein Hauch von Skepsis einstellt. :wink:
Lieber in der Kaiserin als Imperator.

Re: B-Action und DTV-Kloppereien

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Zu Grant:

Der erste Film in dem ich Hugh Grant bewusst wahrgenommen habe war Bitter Moon. "Bewusst wahrnehmen" heisst in diesem Fall dass ich wusste, dass er dabei war, aber ich habe den ganzen Film über gedacht Peter Coyote sei Hugh Grant. Damals lief gerade der Gentlemen-Trailer rauf und runter (und der war eigentlich das erste, worin ich Grant bewusst wahrgenommen habe) und ich fand dass Peter Coyote in Bitter Moon viel mehr aussah wie Hugh Grant in Gentlemen als Hugh Grant in Bitter Moon. :D
We'll always have Marburg

Re: B-Action und DTV-Kloppereien

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@Doppelnull
Ich verstehe das mit Death Kiss, das ist wirklich grenzwertig. Aber der ist insgesamt gar nicht so schlecht bewertet (ofdb, Blurayrezensionen, selbst die imo immer recht obeflächlichen und massenkompatiblen Filmstarts geben 2,5 von 5). Ich mag die Bronson-Filme der Cannon-Ära und genau für jene Fans ist das Ganze gemacht. Klar, sieht ein wenig nach Laientheater aus, aber das hat einen ganz besonderen Charme der zumindest in unser damaligen Nerd-Runde gefunkt hat. Die richtigen Leute, zur richtigen Zeit, in der richtigen Stimmung. Oft ist es so simpel.

Die Ähnlichkeit zu Bronson ist schlicht verblüffend und der Tonfall angemessen derb. Klar, Handlung, Darsteller und Regie sind alle Wumpe, aber zumindest ich verspürte da echten Elan und Liebe zum Original (das ja ebenfalls schon Trash-Züge trägt). Das ist keine billige Auftragsarbeit um schnell Kohle zu machen, da sind Fans am Werk gewesen und davor habe ich Respekt und dafür empfinde ich Sympathie.
Und der Vergleich mit den späten Schandtaten des Aikido-Moppelchens war ein bißchen unfair. :)

Den Adkins kann ich dir aber bedenkenlos empfehlen, der ist in jeder Hinsicht "wertiger", wenn natürlich auch in jedem Sinne "B".
Zuletzt geändert von vodkamartini am 8. April 2021 12:01, insgesamt 3-mal geändert.
http://www.vodkasreviews.de

https://ssl.ofdb.de/view.php?page=poste ... Kat=Review

Re: B-Action und DTV-Kloppereien

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@Goldie
Grant erst durch Bitter Moon kennen zu lernen ist eine gar nicht zu unterschätzende Leistung. Schließlich war der Mann gefühlt 2 Jahrzehnte der King of RomCom. :) Dazwischen hat er aber immer schon mal sein etwas "dunkleres" Talent aufblitzen lassen und inzwischen - als definitiv zu alt für den Scheiß - lässt er es so richtig krachen. Freue mich jedes Mal wenn er auf der Besetzungsliste steht und mit Ritchie hat er jemanden gefunden, der seine Bandbreite zu schätzten und zu nutzen weiß. Vor Gentlemen hat er ja auch schon Codename UNCLE aufgewertet.
http://www.vodkasreviews.de

https://ssl.ofdb.de/view.php?page=poste ... Kat=Review