Re: Zuletzt gesehener Film

#9691
iHaveCNit: Corpus Christi (2020)
04.09.2020


Bei der letzten Oscarverleihung war „Parasite“ zwar der alles überstrahlende Sieger gewesen, aber es ist natürlich immer interessant sich anzusehen, welche Filme denn sonst noch neben „Parasite“ in der Kategorie „Bester internationaler Film“ nominiert waren. Ich hatte ehrlich gesagt den polnischen Beitrag „Corpus Christi“ nicht auf dem Schirm, aber nach dem Trailer hatte ich dann doch richtig Lust auf den Film bekommen. Und der Film hat sich definitiv gelohnt.

Der zwanzigjährige Daniel sitzt aktuell in einer Jugendstrafanstalt. Durch die Arbeit als Messdiener für den im Knast praktizierenden Pater Tomasz hat Daniel eine Passion für die Arbeit als Priester entwickelt, doch mit seinen Vorstrafen wird er nie für die entsprechenden Seminare zugelassen. Aufgrund guter Führung wird er auf Bewährung freigelassen und soll zur Resozialisierung in einem Sägewerk am anderen Ende des Landes arbeiten. Dort angekommen macht er sich erst einmal ins Nachbardorf, tritt mit dem dortigen Priester in Kontakt und gibt sich selbst als Pater Tomasz aus. Aufgrund krankheitsbedingten Ausfalls des dortigen Würdenträgers übernimmt er fortan dessen Aufgaben. Mit seinen unkonventionellen, frischen Methoden findet er sehr schnell Anschluss im Dorf, doch kann seine Fassade lange aufrecht gehalten werden ?

Das interessante an „Corpus Christi“ ist, dass der Film auf einer wahren Geschichte beruht und in seiner Gesamtheit sehr authentisch und bodenständig rüberkommt. Einen großen Anteil an der Strahlkraft und dem Sog, den dieser Film entwickelt liegt an dem großartigen Bartosz Bielenia in der Hauptrolle des Daniels bzw. Pater Tomasz, hinter dessen markanten, durchdringenden Augen ein einnehmendes, freundliches, aber auch geheimnisvoll gefährliches Wesen liegen kann. Der Film und auch seine Rolle zeigt eigentlich, dass genau diejenigen am besten über Sünden, Vergebung, Menschlichkeit und Humanität reden können, die selbst ganz am Boden angekommen sind und selbst Sünden begangen und Absolution geleistet haben. Es ist ganz unterhaltsam mit anzusehen, wie sich Daniel schrittweise mit seiner Rolle engagiert, die junge Marta kennen- und lieben lernt, sich eine interessante Auseinandersetzung mit dem Bürgermeister liefert und auch dem Dorf bei einem lange schwelenden Konflikt hilft. Klar kann damit der Handlungsverlauf etwas vorhersehbar erscheinen, aber das Ende hinterlässt noch einen richtigen Tiefschlag.

„Corpus Christi“ - My First Look – 9/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

#9692
iHaveCNit: The Hunt (2020)
08.09.2020


Irgendwie schwierig, in welche Richtung ich diesen Film am Ende des Jahres werten werde. Eigentlich hätte er im Kino erscheinen sollen, dann ist er im Mai per VOD erschienen und nun Anfang September fürs Heimkino, wo ich ihn mir nun geholt habe, weil ich ihn unabhängig seiner Kontroverse zur Veröffentlichung in den Staaten anhand des Trailers gerne sehen wollte. Ähnlich wie im letzten Jahr „Ready Or Not“ mir richtig kurzweiligen Spaß bereitet hat, hat dies auch „The Hunt“ geschafft.

Eine Gruppe aus unbekannten Menschen erwacht in einem Waldstück. Als sie auf einer offenen Wiese eine Kiste mit Waffen entdecken, wird bereits Jagd auf sie gemacht. Während einer nach dem anderen getötet wird, müssen sie sich die Antworten holen: Warum sind wir hier ? Wer ist hinter uns her ? Wem können wir trauen ?

„The Hunt“ könnte rein plakativ als menschenverachtender Film gesehen werden, wenn man sich hier ansieht, wie konsequent, scheinbar grundlos unbescholtene Menschen auf grausame Art und Weise getötet werden, aber damit würde man dem Film an sich keinen Gefallen tun. Denn er hält der amerikanischen Gesellschaft (und vielleicht auch nicht nur dort) den Spiegel vor und lässt jede Seite ihr entsprechendes Fett weg bekommen. Der Maß an Gewalt ist hier in seiner Übertriebenheit auch ein tolles Mittel zur Überspitzung dieser mit schwarzem Humor angereicherten Gesellschafts-Satire, in der wir Anfangs noch gar nicht wissen, wer überhaupt der Hauptprotagonist ist und dann durch elegant geschriebene Ambivalenz (hatte mich erst mit Ami-Valenz verschrieben) am Ende mit Betty Gilpin und Hilary Swank zwei großartige Schauspielerinnen gefunden hat, die die beiden wichtigen Charaktere hier spielen. Das Beide keine Probleme damit haben, körperlich aktiv zu sein, haben sowohl Swank (in Karate Kid 4 und Million Dollar Baby) als auch Gilpin (Glow) bereits in Film und Serien bewiesen. Gepaart mit einer tollen Kampfchoreographie und einem relativ großen Maß an handgemachter Action und Effekten kann der Film auch auf diesem Sektor überzeugen. Es wäre interessant gewesen, wie tief die Satire hätte gehen können, würde man den Film von seinen 90 Minuten dann doch noch etwas ausdehnen. Aber so bleibt ein sehr kurzweiliger Mix aus brutalem Actionthriller und schwarzhumoriger Satire übrig.

„The Hunt“ - My First Look – 8/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

#9693
iHaveCNit: Follow Me (2020)
09.09.2020


Mein Stammkino hatte in den letzten Wochen ein paar Umbauarbeiten, so dass in einigen Sälen nun Premiumsessel verfügbar sind, in denen man sich leicht zurücklehnen und auch die Füße hochlegen kann. Mit breiteren Armlehnen, tollem Sitzkomfort und einem zusätzlichen Ablagetisch könnte ich mir durchaus vorstellen, diese Sitze häufiger zu nutzen, würde ich damit kein Problem haben, auch in den letzten Reihen statt wie gewohnt eher weiter vorne zu sitzen. Aber genug davon, den Film, den ich mir zum Test der Sitze angesehen habe ist der eigentlich für eine direkte Heimkinoveröffentlichung vorgesehene „Follow Me“, der es dann doch im Zuge der Corona-Situation ins Kino geschafft hat. „Follow Me“ ist ein fieser Thriller, der aber an einigen Stellen einiges zu wünschen übrig lässt.

Cole Turner ist seit 10 Jahren mit seinem Social Media-Konzept „ERL – Escape Real Life“ am Start und ein Star der Szene. Zum Jubiläum bekommt er eine Einladung eines Russen, der ihn bittet nach Moskau zu fliegen, damit Cole und seine Freunde an einem personalisierten Escape Room teilnehmen. Was sich dann jedoch für den extrem hartgesottenen Cole bietet, ist extremer und härter als alles, was er bisher gesehen hat.

„Follow Me“ ist als Thriller irgendwo eine Mischung aus Social-Media-Horror gepaart mit einigem an Torture-Porn-Elementen und bietet dort relativ fiese und bodenständige, eher simple Rätsel die gelöst werden müssen. Diese Mischung aus „Escape Room“ ; „Saw“ und „Hostel“ funktioniert auf jeden Fall und auch der Grad an Gewalt ist schon extrem, so dass die Altersfreigabe mit FSK16 durchaus auch hinterfragt werden kann. Auch wenn man hier natürlich mitfiebert und sich ein gewisses Maß an Spannung ergibt, so kann man durchaus einiges vorhersehen. Auch die Konklussion des Films, die ein wenig an einen gewissen Film von David Fincher erinnert, war etwas vorherzusehen. Die schauspielerischen Leistungen in „Follow Me“ sind absolut nicht der Rede wert.

„Follow Me“ - My First Look – 5/10 Punkte
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Re: Zuletzt gesehener Film

#9694
iHaveCNit: Faking Bullshit (2020)
10.09.2020


Ich glaube der Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler Alexander Schubert war sich zum Zeitpunkt der Entstehung des „Kops“-Remakes „Faking Bullshit“ nicht bewusst, dass die Arbeit der Polizei so in die Kritik geraten ist, umso mehr steht natürlich die Frage im Raum, ob eine Kömodie über die Arbeit der Polizei zum aktuellen Zeitpunkt überhaupt passt – und ich denke, eine leichtfüßige Komödie passt auf jeden Fall in diese Zeit.

Wir befinden uns in einem kleinen Örtchen inmitten von Nordrhein-Westfalen. Die Polizistin Tina kommt in der dortigen Polizeiwache an und ist mit der Aufgabe betraut, die Arbeit der Wache unter die Lupe zu nehmen. Das Problem, das kleine Örtchen hat nahezu nichts zu tun für die Polizeiwache von Deniz, Rocky, Hagen, Netti und Rainer. So kommt die Polizeiwache auf die Idee Straftaten zu inszenieren, um die Statistik in die Höhe zu treiben, doch sie müssen vorsichtig sein, dass ihnen Tina nicht auf die Schliche kommt. Wie lange können Sie das Treiben verbergen ?

Mit „Faking Bullshit“ habe ich eine weitere Privatvorstellung als einziger Gast im Kinosaal verbracht. Normalerweise lebt eine Komödie auch von der guten Laune und der Stimmung im Kinosaal. Aber da ich selbst richtig Lust auf den Film und seine Idee hatte, hatte ich auf jeden Fall meinen Spaß. Das Treiben der Polizisten, die im Grunde ihren Job behalten wollen und denen dafür jedes Mittel recht ist, führt schon in richtig witzige und teilweise trottelige Situationen. Natürlich offenbart das auch, welche Dynamik in der Kleinstadt herrscht. Das Ensemble des Films leistet hier natürlich auch einen großartigen Job. Ganz witzig ist hier auch durchaus Bjarne Mädel in einer Nebenrolle. Ganz interessant ist, dass der Film seine Struktur dann von einigen kleinen Schauplätzen dann zu einer größeren Geschichte entwickelt. Auch wenn der Film es sich durchaus nicht nehmen kann, auf aktuell herrschende Themen wie Diskriminierung von Bevölkerungs- und Geschlechtergruppen einzugehen, finde ich die Einbettung dieser Thematiken ein wenig zu flach, oberflächlich und unentschlossen. Entweder wäre es besser gewesen, die Einbettung dieser Thematiken komplett aus dem Film zu entfernen oder mit ein wenig mehr Biss und Tiefgang zu integrieren. Aber ein Bild fand ich in seiner Symbolik und Botschaft schon sehr interessant und auch passend – wenn die von Sina Tkotsch gespielte Tina, die im Grunde mit der Prüfung für eine Schließung der Polizeiwache betraut ist an einem Graffiti mit der Aufschrift „Anarchie“ vorbeiläuft. Symbolischer kann man es nicht besser ausdrücken, welche Folgen durchaus die Schließung von Polizeieinrichtungen oder auch Einschneidungen in den finanziellen Mitteln der Polizei haben kann. Viel wichtiger als Schließung oder die Einschneidung finanzieller Mitteln sollte die Ausbildung, sorgfältige Personalauswahl und Souveränität bei der Ausübung der Aufgaben stehen. Und gerade diese leichtfüßige Komödie zeigt auch, dass hinter der Polizei auch Menschen stehen und die Arbeit der Polizei ein doch wichtiger Teil unserer Gemeinschaft und dieser Film auch in gewisser Art und Weise eine kleine Liebeserklärung an die Polizei ist.

„Faking Bullshit“ - My First Look – 7/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

#9695
Days of Heaven (1978, Terrence Malick)

Malick bei der Landarbeit und als Naturbeobachter. Dieses frühere Werk lässt nur relativ selten den urtypischen Malick-Touch seiner jüngeren Filme in den graziösen und unverwechselbar befreiten Kamerafahrten durchblitzen, umso eindrucksvoller ist dafür das Zusammenspiel aus Lichtsetzung und Landschaftsbildern, wenn Felder, Wiesen und Himmel in den prächtigsten Farben des Sonnenuntergangs erstrahlen. Das geht ihm teilweise etwas monoton bzw. statisch von der Hand, treibt die Erzählung um ein Liebesdreieck auf dem Lande aber gut und teilweise auch wirklich bildgewaltig voran, wozu auch die sehr eigenartige Erzählstimme bzw. Erzählperspektive der jüngeren Schwester viel beiträgt.

Der Film lief ja als Teil der Morricone-Reihe. Ich wusste vorher gar nicht, dass Ennio den Score gemacht hat und verglichen mit sämtlichen Filmen von Leone, den frühen Argentos, Two Mules for Sister Sara, I comme Icare, dem Profi oder Untouchables ist das ein ziemlich guter, gediegener aber auch wenig einprägsamer und für mich nicht wirklich Morricone-mässiger Score.

Days of Heaven war nette, teilweise wirklich stark gefilmte Unterhaltung für über eine Stunde, die mich aber nie wirklich in den Bann gezogen hat wie Malicks Meisterwerke und immer ein wenig gepflegt und brav blieb für das, was ich vom Texas-Terry gewohnt bin. Leider fand ich dann die letzte Viertelstunde des 90-minütigen Films sogar etwas schwach. Der Film fühlte sich nach dem Verbrennen der Heuschrecken an, als müsste er jetzt zu Ende sein, aber da kommt noch eine relativ schwache Actionszene die Malicks zwanzig Jahre später entstandenen Kriegsbildern nicht das Wasser reichen kann und ein insgesamt ziemlich müdes Ende, mit einem Schlussbild das irgendwie wirkungslos verpufft.

Wertung: 6 / 10
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Re: Zuletzt gesehener Film

#9696
iHaveCNit: The Photograph (2020)
11.09.2020

Das Kinostartwochenende des 10.09.2020 steht im Grunde in Zeichen diverser Filme, die eigentlich bereits in der selben Woche wie Nolans „Tenet“ gestartet wären, aber vermutlich aufgrund der Konkurrenzsituation 2 Wochen nach hinten verschoben worden sind. Neben „Faking Bullshit“ und „X-Men: New Mutants“ ist „The Photograph“ auch auf meiner Liste gewesen. Der Liebesfilm von Stella Meghie hat mich nach seinem Trailer und seiner interessanten Geschichte neugierig gemacht.

Der Reporter Michael Block vom New Yorker „The Republic“ kommt bei Recherchen zu einer Story in Louisiana zu einem Foto einer jungen Frau und Fotografin. Die weiteren Recherchen führen ihn zu der Tochter Mae, die als Kuratorin in New York arbeitet. Während er an seiner Story arbeitet und sie sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzt, kommen sich beide näher.

„The Photograph“ von Stella Meghie ist wunderbar fotografiert und musikalisch mit einem coolen Jazz-Soundtrack untermalt. Darüber hinaus ist das gesamte Ensemble des Films und vor allem das Duo aus Issa Rae und Lakeith Stanfield großartig, auch wenn die Chemie zwischen beiden für mich nicht einwandfrei gewesen ist. Das wichtige an einem Liebesfilm ist ja, dass man als Zuschauer auch einen gewissen Zugang zur Geschichte bekommt. Auch wenn diese interessant ist, bleibt der Zugang für mich etwas distanziert und kühl. Der Aufbau dieser Romanze arbeitet sich natürlich auch einem gewissen Schema ab, bietet aber mit der Verknüpfung einer zweiten Zeitebene ein interessantes Element, das jedoch mitunter für eine etwas holprige Dramaturgie sorgt, auch wenn sich damit die Geschichte scheinbar wiederholt. Am Ende hat mich die Geschichte und der Film jedoch sehr unterhalten und auch gegen Ende hin dann doch emotional bekommen, und das ist das Wichtigste.

„The Photograph“ - My First Look – 7/10 Punkte
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Filmzähler Sammlung iHaveCNit/HCN007:
Stand: 22.12.2018

Spezielle Interessen: 42 DVDS (Musik, Wrestling, sonstiges)
Serienboxen (8 BD / 69 DVD)
DVD: 782 Filme
BD: 498 Filme
Gesamt-Filme: 1280 Filme

Re: Zuletzt gesehener Film

#9697
GoldenProjectile hat geschrieben:
11. September 2020 23:42
Days of Heaven (1978, Terrence Malick)

Wertung: 6 / 10
Warum tust du das nur? Autsch, mein Herz…

Nein, ohne Flachs: Schade! Ich habe "Days of Heaven" als großen Genuss empfunden, und für mich ist es mittlerweile mit klarer Sicherheit der beste Film von Terrence Malick, obwohl natürlich auch "The Tree of Life" oder "The Thin Red Line" ihre Klasse haben. Aber während ich bei diesen beiden Filmen eher passiver Beobachter geblieben bin und sie konzeptionell hoch interessant finde, hat mich "Days of Heaven" noch einige Tage beschäftigt. Inszenatorisch finde ich den wahnsinnig schön, auch gerade die tolle Schlusseinstellung und der fast elegische Ennio-Morricone-Soundtrack. Und dann ist das gleichzeitig ein sehr religiös alttestamentarisch aufgeladener Film, der eine wirklich stark gespielte Ménage à trois erzählt und ganz nebenbei dem Industriekapitalismus hübsch einen auf den Deckel gibt. 9/10, mindestens.
Prejudice always obscures the truth.

Re: Zuletzt gesehener Film

#9698
Casino Hille hat geschrieben:
14. September 2020 09:35
Warum tust du das nur? Autsch, mein Herz…

für mich ist es mittlerweile mit klarer Sicherheit der beste Film von Terrence Malick.
Weil er ungefähr auf Ebene 6 Spass gemacht hat im Kino. Eigentlich hätte ich auch etwas mehr erwartet aber noch einmal mit etwas Abstand scheint das richtig zu sein.

Tree of Life und The Thin Red Line sind seine Meisterwerke. Danach käme wohl schon The Hidden Life, der richtig gut war. Andere Filme von Malick finde ich "nur" gut, wie Knight of Cups, der die berieselnden Qualitäten eines Bildschirmschoners hatte, sich bei aller Schönheit auch etwas ziellos in der Spiritualität verirrte. Oder eben Days of Heaven, der mir - ebenfalls bei aller Schönheit - nicht wirklich Malick genug war, und am Ende auch etwas nachliess.

Grosse Hoffnungen lege ich gerade noch in The New World, ein Freund schwört auf den.

Days of Heaven 6 / 10
The Thin Red Line 10
Tree of Life 10
Knight of Cups 6
Song to Song 6,5
A Hidden Life 8

Fehlen tun mir noch
Badlands
The New World
To The Wonder
Voyage of Time
We'll always have Marburg

Re: Zuletzt gesehener Film

#9699
GoldenProjectile hat geschrieben:
14. September 2020 10:20
Grosse Hoffnungen lege ich gerade noch in The New World, ein Freund schwört auf den.
Die ersten 60 Minuten haben mir so gut gefallen (also überhaupt nicht), dass ich mich seitdem an keinen neuen Malick mehr rangetraut habe (bei Tree of Life war ich ein paar mal nah dran). Das war genau das, was mehr in vermindertem Maße auch bei den drei alten Malicks nicht gefallen hat, diese entrückte Sinnsuche in langsam vor sich hinziehenden Bildern. Malick und ich - das passt nicht wirklich.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Zuletzt gesehener Film

#9700
Boah, mit Malick kannst du mich jagen! In seinen Filmen passiert ja echt gar nichts. Die haben nur schöne Landschaften und das war´s. Malick sollte lieber Regisseur von Dokumentarfilmen von Landschaften sein. Aber als Filmregisseur hat er definitiv seinen Beruf verfehlt. Ist zumindest meine Meinung.
"Verstehen Sie mich nicht falsch es ist nichts persönliches, es ist was rein geschäftliches."

Re: Zuletzt gesehener Film

#9701
iHaveCNit: Der Unsichtbare (2020)
14.09.2020


Der nächste Film für das deutsche Kinojahr 2020, den ich nun im Heimkino nachgeholt habe ist der von Leigh Wannell inszenierte Film „Der Unsichtbare“, der eine Neuverfilmung des klassischen Stoffs ist. Eigentlich war angedacht gewesen, den Film selbst in vermutlich komplett anderer Ausführung als Teil des von Universal großspurig angekündigten Dark Universe in die Kinos zu bringen, aber nach dem leichten „Die Mumie“-Fiasko hat Universal dann doch einen Rückzieher gemacht, der sich aber sicherlich unglaublich positiv auf das Endergebnis ausgewirkt hat.

Cecilia lebt in einer Beziehung mit dem Wissenschaftler Adrian und leidet unter seiner Kontrollsucht und seiner Gewalt. Sie flieht eines Nachts mithilfe ihrer Schwester und sie taucht bei einem guten Freund unter. Kurze Zeit später nimmt sich Adrian das Leben und er vererbt Cecilia einen großen Teil seines Vermögens. Doch es häufen sich auch vermehrt Vorfälle, die Cecilia glauben lassen, dass Adrian noch lebt. Handelt es sich hierbei um ein Hirngespinst von Cecilia oder hat sie mit ihrer Behauptung recht ?

„Der Unsichtbare“ ist ein unfassbar spannender Psychothriller, der wunderbar aussieht. Vom Produktionsdesign über die gesamten Kameraaufnahmen und auch die visuellen Effekte machen „Der Unsichtbare“ zu einem Augenschmaus. Das effektive und gute an „The Invisible Man“ ist auch, wie er seine Schockeffekte integriert, die sich mal in interessant choreographieren Sequenzen als auch in sehr subtilen und schnellen Momenten zeigt. Die kräftige Musik von Benjamin Wallfisch leistet hier auch einen großartigen Dienst. Aber der wohl stärkste Schlüssel für den Film ist die „Tour de Force“, die hier Elisabeth Moss in der Hauptrolle der Cecilia liefert. Ohne ihr Schauspiel wäre der Film wesentlich geringer effektiv geworden. Das einzige, was mir ein wenig gefehlt hat war in Anbetracht der stellenweise auftretenden Ruhe ein wenig mehr Tempo, das mit einer geringeren Laufzeit sicherlich den Film hätte noch effektiver werden lassen. Und in seiner zweiten Hälfte hat mit der Film den einen oder anderen Haken zu viel geschlagen. Da wäre weniger sicherlich mehr gewesen.

„Der Unsichtbare“ - My First Look – 9/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

#9702
Last Man Standing (1996, Walter Hill)

Ein weiterer Aufguss der alten Yojimbo-Geschichte, diesmal als Mischung aus Gangsterfilm und Western zur Prohibitionszeit. Um es kurz zu machen: er bleibt deutlich hinter Kurosawas und Leones Adaption des Stoffes zurück. Vor allem halten sich der Film und besonders sein Hauptdarsteller zu sehr für cool, was halt nicht richtig rüberkommt wenn Willis verglichen mit Mifune und Eastwood wie eine Lusche daherkommt. Die restlichen Charaktere bleiben entweder blass und konturlos oder wirken als grotesk überzeichnete Schurken wie einem Cartoon entsprungen. Ein Bruce Dern oder David Patrick Kelly kann da leider nicht viel beitragen, am ehesten wohl noch der als stoische Killer auftretende Walken, aber auch nicht so wirklich. Hills Inszenierung wechselt zwischen bemerkenswert guten und atmosphärischen Einzelbildern und -szenen und eher holprigen bis belanglosen Arrangements des altbekannten Stoffes. Es ist milde unterhaltsam, erzählerisch etwas wechselhaft und die Actionszenen sind okay, aber auch nicht mehr.

Wertung: 5 / 10
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Re: Zuletzt gesehener Film

#9703
GoldenProjectile hat geschrieben:
15. September 2020 10:07
Last Man Standing (1996, Walter Hill)
Ich mochte den auch nie so wirklich, was für mich bei einem Hill-Film schon recht ungewöhnlich ist. Ich hab den als recht behäbig in Erinnerung und hab ihn glaub ich auch nur einmal gesehen, wäre eigentlich mal wieder eine Auffrischung angebracht.
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Re: Zuletzt gesehener Film

#9705
iHaveCNit: Jean Seberg (2020)
19.09.2020


Kommen wir nun zu einem weiteren Biopic, das dieses Jahr den Weg in die Kinos gefunden hat. Der Regisseur Benedict Andrews, dessen vor allem auch im Bezug auf #metoo interessantes Drama „Una und Ray“ mit Rooney Mara und Ben Mendelsohn mich begeistert hat, hat sich in seinem neuen Film der Schauspielerin Jean Seberg und einer wichtigen Zeit der Privatperson Jean Seberg gewidmet. Herausgekommen ist eine interessante Mischung aus Bürgerrechtsdrama, Spionagethriller und Charakterdrama.

Die Schauspielerin Jean Seberg zieht für die Dreharbeiten zu einem neuen Film von Paris nach Hollywood und lernt auf dem Flug dorthin Hakim Jamal, einen großen Kopf der Black Panther-Bewegung kennen. Ihre Unterstützung für die Black Panther-Bewegung als auch die daraus entstehende Affäre mit Jamal sorgt dafür, dass sie in den Fokus des FBI gerät, der sie auf Schritt und Tritt überwacht. Sie ahnt jedoch noch nicht, welche Auswirkungen diese Entscheidungen für Sie haben wird.

Auch wenn ich für mich persönlich keinerlei Bezug bis dato zur Schauspielerin Jean Seberg und ihrer Person hatte, fand ich die Idee des Films und auch den Trailer einigermaßen interessant genug, ihn mir im Kino anzusehen. Der Film hat mit seiner Mischung aus Biopic, Bürgerrechtsdrama, Spionagethriller und Charakterdrama jedoch für die sehr knappe Laufzeit von ca. 100 Minuten nur sehr wenig Zeit, allem den notwendigen Raum und Tiefe zu geben. So wird das Werk der Schauspielerin Jean Seberg nur grob umrissen, genau wie ihr Zusammenhang mit der Black Panther-Bewegung und der Affäre zu Hakim Jamal. Aber genau dort, wo der Film in meinen Augen sehr gut geworden ist, ist der Spionagethriller und die Auswirkungen auf den Charakter von Jean Seberg genau wie die Entwicklung des jungen Agenten und Abhörspezialisten Jack Solomon, der von Jack O´Connell gespielt wird. Aber während ein Großteil der Schauspieler und deren Rollen eher oberflächlich und plakativ geraten sind, so ist der Film vor allem auf Kristen Stewart und ihre Rolle der Jean Seberg zugeschnitten, die eine unfassbar großartige Performance abgibt und dem Film richtig gut tut.

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