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Re: Der beste Film dieses Jahrzehnts

Verfasst: 9. Mai 2021 13:47
von vodkamartini
So sperrig hab ich den nicht in Erinnerung, hab nämlich normalerweise wenig Sympathie für Sperriges und dabei massive Einnschlafreflexe.

Re: Der beste Film dieses Jahrzehnts

Verfasst: 9. Mai 2021 14:02
von Casino Hille
GoldenProjectile hat geschrieben: 9. Mai 2021 13:43 TTSS ist bei mir Jahre her. Meine Erinnerung: Sperrig, zäh, wirr. Müsste ich mal wieder schauen.
Schien damals die vorherrschende Meinung zu sein bei Veröffentlichung, aber das ist meines Ermessens eher einer falschen Erwartungshaltung an den Film geschuldet: Natürlich wird das dicke Buch auf kunstvolle Weise hier (ohne große Aussparungen) in zwei Stunden erzählt, was ein ziemlich irres Pacing zur Folge hat. Gleichzeitig ist das Script aber vollkommen meisterhaft darin, einen Berg an Informationen zügig zu vermitteln und dabei übersichtlich zu bleiben. Brillant finde ich die Mechanismen, mit denen Tomas Alfredson die Konventionen des Agententhrillers unterwandert und aus den Angeln hebt, hier ist nämlich fast nichts so, wie es sonst in diesen Filmen ist, selbst die simpelsten Kleinigkeiten bekommen einen eigenen Dreh, einen individuellen Twist, sind mit einem kunstvollen Kniff ausgestattet. Aber ich bin mir bewusst, dass ich mit meiner so hohen Meinung für den Film etwas alleine dastehe. Es kann auch tatsächlich helfen, ihn mehrfach zu sehen, denn sobald man den Plot "verinnerlicht" hat, ist es möglich, noch viel mehr zu entdecken, was sich aus kleinen Details ergibt, aus scheinbaren Unwichtigkeiten, die aber mit viel Bedacht eingebaut sind.
GoldenProjectile hat geschrieben: 9. Mai 2021 13:43 Wenn der beste Film der 2010er nur vielleicht einer der zwanzig besten Filme aller Zeiten sein könnte spricht das aber nicht gerade für das vergangene Jahrzehnt. :wink:
Nicht lachen: Ich versuche gerade mal eine individuelle Top 100 zu erstellen (und bin schockiert, wie langweilig mein Geschmack ist: Da stehen nur die ganzen anerkannten Klassiker – irgendwie ist das deprimierender als gedacht), und da kriege ich kaum Filme aus den letzten zwanzig Jahren unter. Woran das genau liegt, kann ich gar nicht so richtig erklären. Manchmal habe ich aber das Gefühl, es fehlt etwas der zeitliche Abstand zu ihnen, um sie so richtig in Betracht zu ziehen und zu beurteilen. Kann aber auch nur mein ganz persönliches Problem bei solchen Vergleichen quer durch ein Jahrhundert sein. Möglich auch, dass die Antizipation eine Rolle spielt, die "ältere" und "anerkannte" Filme mit sich bringen.

Re: Der beste Film dieses Jahrzehnts

Verfasst: 9. Mai 2021 14:50
von dernamenlose
vodkamartini hat geschrieben: 9. Mai 2021 13:25 Ok, das ist mal ne Ansage. Würde mich mal eine ausführliche Begründung interessieren, hab ja bekanntlich kein Problem mit gegen den Trend furchtbar finden (siehe Irishman).
Ich würde das ja gerne ausführlich begründen, aber dafür ist das zu lange her. Den hab ich vermutlich 2016, vielleicht auch anfang 2017 gesehen. Und einen Film den ich so schlecht bewertet habe schaue ich eigentlich kein zweites Mal (außer es ist ein Bondfilm), dafür gibt es einfach zu viele Alternativen, von denen ich weiß, dass sie mich gut unterhalten, auch wenn ich sie zum zehnten Mal anschaue.
Irgendwo hier im Forum wird sicher eine kurze Rezi dazu sein, ich kann schauen ob ich die finde...

Re: Der beste Film dieses Jahrzehnts

Verfasst: 9. Mai 2021 14:51
von vodkamartini
Casino Hille hat geschrieben: 9. Mai 2021 14:02 Nicht lachen: Ich versuche gerade mal eine individuelle Top 100 zu erstellen (und bin schockiert, wie langweilig mein Geschmack ist: Da stehen nur die ganzen anerkannten Klassiker – irgendwie ist das deprimierender als gedacht).
Ach wieso? Viele Klassiker / oder damalige Publikumsrenner haben heute einen deutlich schlechteren Ruf bzw. sind fast in Vergessenheit geraten. Da sind die "immer noch Standhaften" vermutlich kein Schrott.
Abgesehen davon find ich es im Gegenteil immer befremdlich, wenn in solchen Listen vornehmlich Filme auftauchen, die kein Schw... kennt und nur ein ganz mickriger Kreis gesehen hat. Für beides gibt es nicht selten ganz handfeste Gründe. Kommt mir oft wie ein elitäres Schaulaufen vor, nach dem Motto "sieh mal was für einen erlesenen Geschmack bzw. für ein verästeltes Spektrum ich habe im Unterschied zur Film nur so nebenbei wegmampfenden Masse". Das soll natürlich im Umkehrschluss nicht heißen, dass kleine / auf ein Arthous-Publikum zielende / unbequeme Stoffe alle nichts taugen und schon gar nicht, dass Massenerfolge einfach gut sein müssen.

Re: Der beste Film dieses Jahrzehnts

Verfasst: 9. Mai 2021 14:54
von vodkamartini
dernamenlose hat geschrieben: 9. Mai 2021 14:50
vodkamartini hat geschrieben: 9. Mai 2021 13:25 Ok, das ist mal ne Ansage. Würde mich mal eine ausführliche Begründung interessieren, hab ja bekanntlich kein Problem mit gegen den Trend furchtbar finden (siehe Irishman).
Ich würde das ja gerne ausführlich begründen, aber dafür ist das zu lange her. Den hab ich vermutlich 2016, vielleicht auch anfang 2017 gesehen. Und einen Film den ich so schlecht bewertet habe schaue ich eigentlich kein zweites Mal (außer es ist ein Bondfilm), dafür gibt es einfach zu viele Alternativen, von denen ich weiß, dass sie mich gut unterhalten, auch wenn ich sie zum zehnten Mal anschaue.
Irgendwo hier im Forum wird sicher eine kurze Rezi dazu sein, ich kann schauen ob ich die finde...
Kann ich verstehen. Geht mir ähnlich. Meist gefallen einem die Filme im Spektrum 4 und abwärts auch nach Jahren nicht besser. Hin und wieder passiert es aber doch, dass ich wohl auf dem falschen Fuß erwischt worden war. Und dann ist das ein ein fast surreales Erlebnis. Ohnehin passiert es in die andere Richtung viel häufiger. Also dass einem früher gern Gesehenes egal wird bzw. man sich fragt, was man denn daran mal so toll gefunden hat.

Re: Der beste Film dieses Jahrzehnts

Verfasst: 9. Mai 2021 23:33
von HCN007
Nachdem ich mich mal gedanklich in die Zeit zurück versetzt und über die Filme im Zeitraum der Jahre 2010 bis 2019 nachgedacht habe, habe ich nun für mich selbst eine Vorauswahl von jeweils 5 Filmen aus den jeweiligen Jahren getroffen und werde die nächsten Tage die ganze Liste austarieren und ausbalancieren, weil es dann doch sehr schwer ist, ein richtiges Ranking von 50 Filmen aufzustellen. Alternativ könnte ich meine Liste hier ungeordnet reinpacken.

Re: Der beste Film dieses Jahrzehnts

Verfasst: 10. Mai 2021 20:02
von Maibaum
vodkamartini hat geschrieben: 9. Mai 2021 14:51
Ach wieso? Viele Klassiker / oder damalige Publikumsrenner haben heute einen deutlich schlechteren Ruf bzw. sind fast in Vergessenheit geraten. Da sind die "immer noch Standhaften" vermutlich kein Schrott.
Abgesehen davon find ich es im Gegenteil immer befremdlich, wenn in solchen Listen vornehmlich Filme auftauchen, die kein Schw... kennt und nur ein ganz mickriger Kreis gesehen hat. Für beides gibt es nicht selten ganz handfeste Gründe. Kommt mir oft wie ein elitäres Schaulaufen vor, nach dem Motto "sieh mal was für einen erlesenen Geschmack bzw. für ein verästeltes Spektrum ich habe im Unterschied zur Film nur so nebenbei wegmampfenden Masse".
In welchen Listen tauchen denn Filme auf die kein Schwein kennt?

Ich habe eher das umgekehrte Gefühl, daß Listen zunehmend imdbmäßig zu 90 % aus Filmen besteht die jedermann kennt, und alles was etwas schwieriger ist kaum noch wahrgenommen wird. Es ist nun einmal so, daß es genügend tolle Filme gibt die halt nur einer Minderheit gefallen, weil die halt nicht den üblichen dramaturgischen Vorgaben folgen. Und trotzdem haben die via TV oder DVD eine Verbreitung von der selbst viel populäre Romane nur träumen können.

Re: Der beste Film dieses Jahrzehnts

Verfasst: 10. Mai 2021 20:05
von Maibaum
Casino Hille hat geschrieben: 9. Mai 2021 14:02

Schien damals die vorherrschende Meinung zu sein bei Veröffentlichung, aber das ist meines Ermessens eher einer falschen Erwartungshaltung an den Film geschuldet: Natürlich wird das dicke Buch auf kunstvolle Weise hier (ohne große Aussparungen) in zwei Stunden erzählt, was ein ziemlich irres Pacing zur Folge hat. Gleichzeitig ist das Script aber vollkommen meisterhaft darin, einen Berg an Informationen zügig zu vermitteln und dabei übersichtlich zu bleiben. Brillant finde ich die Mechanismen, mit denen Tomas Alfredson die Konventionen des Agententhrillers unterwandert und aus den Angeln hebt, hier ist nämlich fast nichts so, wie es sonst in diesen Filmen ist, selbst die simpelsten Kleinigkeiten bekommen einen eigenen Dreh, einen individuellen Twist, sind mit einem kunstvollen Kniff ausgestattet. Aber ich bin mir bewusst, dass ich mit meiner so hohen Meinung für den Film etwas alleine dastehe. Es kann auch tatsächlich helfen, ihn mehrfach zu sehen, denn sobald man den Plot "verinnerlicht" hat, ist es möglich, noch viel mehr zu entdecken, was sich aus kleinen Details ergibt, aus scheinbaren Unwichtigkeiten, die aber mit viel Bedacht eingebaut sind.

Gut, vielleicht liegt es daran, daß ich ihn auch nur einmal gesehen habe, aber ich fand ihn auch enttäuschend. Er wirkte wie so viele Romanverfilmungen, die einen Stoff so stark verkürzen, daß die Wirkung des Stoffs dabei flöten geht.

Re: Der beste Film dieses Jahrzehnts

Verfasst: 10. Mai 2021 20:18
von Casino Hille
Hat dir dann die 70er Jahre Miniserie mit Alec Guinness besser gefallen? Die hat mich dafür eher etwas enttäuscht, weil sie sich zu sehr mit den Sachen aufhält, die für den Roman zwar entscheidend, aber für eine Verfilmung nicht mehr allzu essentiell sind. Ich empfehle diesen schönen Text, der sehr gut darauf eingeht, warum die neue "Tinker Tailor Soldier Spy"-Verfilmung u.a. in meinen Augen ein absolutes Meisterwerk ist:

http://www.davidbordwell.net/blog/2012/ ... perplexed/

Re: Der beste Film dieses Jahrzehnts

Verfasst: 11. Mai 2021 00:00
von Maibaum
Doch, die Serie fand ich damals klasse. die hat vieles richtig gemacht. Guiness war toll als Smiley, obwohl er ihm vom Aussehen her sehr schmeichelte.
Und es gab 6 faszinierende Charaktere, von denen 3 fast gar nicht auftauchen, die aber trotzdem die ganze Zeit präsent sind, aber jeweils durch eine einzige Szene alles mittragen. Das alles ist nah am Roman, und ergänzt ihn doch hier und da auf intelligente Weise, bietet da auch mal Bilder, wo der Roman etwas für sich behält.