Re: Deutsche Schauspieler und das deutsche Kino allgemein

#46
Maibaum hat geschrieben:
Samedi hat geschrieben:Der beste in Deutschland aktive deutsche Regisseur ist aktuell Marcus H. Rosenmüller.
Ahh, dann verstehe ich jetzt auch deine negative Betrachtung des deutschen Films ...
Wer ist denn aktuell dein Lieblingsregisseur (oder auch Lieblingsregisseurin) in Deutschland?
Böser schwarzer Mann

#SanMonique2020

"Wo man lacht, da lass dich ruhig nieder. Böse Menschen lachen immer wieder."

Re: Deutsche Schauspieler und das deutsche Kino allgemein

#51
iHaveCNit: Flashback 2017: Western (2017)

Film Nummer 8 der aktuell auf 10 Stück begrenzten Filme aus dem letzten Jahr, die ich dieses Jahr noch nachholen möchte, ist der deutsche Film „Western“ von Valeska Grisebach, bei dem ich bedauernswerterweise zu seinem Veröffentlichungszeitpunkt 24.08.2017 im Kino bereits Tage vorher „Atomic Blonde“ und am damaligen Wochenende eher „Tulpenfieber“ gesehen habe. Warum ich mir damals nicht „Western“ angesehen habe, frage ich mich nach der Sichtung nun, denn „Western“ ist einer der besten deutschen Filme seit Ewigkeiten, auch wenn er weitgehend unbemerkt blieb.

Eine Gruppe Bauarbeiter, darunter der Vorarbeiter Vincent und der Bauarbeiter Meinhard werden zur Montage nach Bulgarien geschickt, um ein Wasserkraftwerk zu bauen. Kurze Zeit später fangen die Bauarbeiten an zu stocken, weil wichtiges Material zum Bau fehlt. Doch man könnte sich helfen, indem man ein nahegelegenes Dorf und seine Bewohner um Hilfe bittet. Das gestaltet sich für die Gruppe jedoch aufgrund sprachlicher Barrieren sehr schwierig und es entstehen zwischen dem Dorf und den Bauarbeitern sowie auch zwischen Meinhard und Vincent Spannungen, da man unterschiedliche Ansichten zur Lösung der Probleme hat.

„Western“ fühlt sich als Film unglaublich rau, authentisch und pur an. Und die Machart des Films scheint sich auch in diversen Punkten an das Dogma95-Manifest der dänischen Regisseure Lars von Trier und Thomas Vinterberg halten. Und man hat sich ganz offensichtlich am namensgebenden Filmgenre des „Western“ bedient. Eine Gruppe Bauarbeiter, die sich in ein fremdes Land aufmacht und in Kontakt mit Einheimischen kommt, ist in gewisser Art und Weise genauso wie wenn Cowboys oder Pioniere ins Land der Indianerstämme aufziehen. Es geht in „Western“ um Kommunikation, um die Suche nach sich selbst, um die Art nach welchen Gesetzen man lebt. Um den höchstmöglichen Grad an Authentizität zu erreichen, wurden hauptsächlich Laiendarsteller aus der Baubranche verpflichtet und auch Bulgaren aus der direkten Umgebung dieses Dorfes. Sprachlich bekommen wir einen ostdeutschen, berlinerischen Dialekt und neben gebrochenem Deutsch und Englisch untertitelt bulgarisch, was für den Zuschauer herausfordernd ist aber die Wirklichkeit des Films unterstützt. Die warmen und schönen Bilder der bulgarischen Prärie und des bulgarischen Dorfs, die mit nahezu vollständiger natürlicher Beleuchtung aufgezeichnet worden sind unglaublich toll, genau wie das vollständige Fehlen von künstlich hinzugefügter Musik. Aber die wirklich große Stärke des Films ist das schlichte und reduzierte Spiel von Meinhard Neumann und das Vertrauen des Films auf seine ruhigen Momente und das Unausgesprochene in den entsprechenden Gesten. „Western“ sollte man sich auf jeden Fall nicht entgehen lassen.

„Western“ - My First Look – 9/10 Punkte.
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "
Spoiler
Show
Filmzähler Sammlung iHaveCNit/HCN007:
Stand: 22.12.2018

Spezielle Interessen: 42 DVDS (Musik, Wrestling, sonstiges)
Serienboxen (8 BD / 69 DVD)
DVD: 782 Filme
BD: 498 Filme
Gesamt-Filme: 1280 Filme

Re: Deutsche Schauspieler und das deutsche Kino allgemein

#52
Samedi hat geschrieben:Constantin Film produziert aktuell einen Streifen über die Nibelungensage unter dem Titel "Hagen von Tronje", basierend auf dem gleichnahmigen Roman von Wolfgang Hohlbein aus dem Jahr 1986. Der Kinostart ist für 2018 geplant.
Die Regie übernimmt David Wnendt.
Böser schwarzer Mann

#SanMonique2020

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Re: Deutsche Schauspieler und das deutsche Kino allgemein

#53
iHaveCNit: In den Gängen (2018)

Wer mich kennt, weiß, dass ich mir auch gerne den ein oder anderen deutschen Film im Kino ansehe. Und da kommt mir der Film „In den Gängen“ von Thomas Stuber mit Sandra Hüller und Franz Rogowski in den Hauptrollen ganz recht, der nun als volles Kontrastprogramm neben dem Sci-Fi-Abenteuer „Solo“ am gleichen Tag gestartet ist. „In den Gängen“ hat nicht nur seinem Hauptdarsteller Franz Rogowski den deutschen Filmpreis, sondern mir einen wundervollen Kinonachmittag beschert.

Christian tritt eine neue Stelle im Großmarkt an. Der schweigsame und leicht tolpatschige Christian wird Bruno in der Getränkeabteilung unterstellt. An die Abteilung grenzt die Süßwarenabteilung in der Marion arbeitet. Christian hat ein Auge auf Marion geworfen, was bei den Kollegen nicht unbemerkt bleibt. Doch Marion ist verheiratet und scheinbar unglücklich.

„In den Gängen“ ist ein feiner Film geworden. Fast poetisch und mit einer unfassbar tollen Symmetrie werden hier Bilder von unter anderem Gabelstapler zeigen, die passend zu klassischer Musik durch die Gänge des Großmarkts herumfahren. Auch poetisch wird hier die klassische Arbeiterklasse der DDR aus der Zeit nach der Wende im kleinen Mikrokosmos eines Großmarkts dargestellt. Aber den Kern der Geschichte stellen zwei Geschichten dar – eine Geschichte von Freundschaft und einem Verhältnis wie von einem Vater zum Sohn. Wundervoll, wie hier Peter Kurth hier als Bruno eine Art Mentorenrolle für Franz Rogowskis Christian einnimmt und selbst natürlich einiges an eigenem Charakter mitbringt. Der noch wichtiger Teil hier ist aber die sehr zarte und zurückhaltende Annäherung von Christian und der von Sandra Hüller gespielten Marion, die sich vollkommen auf kleine Gesten und wenig Dialog beschränkt, hier aber eine unglaublich schöne, warmherzige, witzige aber auch dramatische Tiefe unter der Oberfläche bietet. Für mich hat Rogowski hier zurecht den deutschen Filmpreis gewonnen – und er ist ein Gesicht, der aktuell ähnlich wie Frederick Lau derzeit viele tolle Filme in der Filmografie aufweisen kann. Den Sog, den der Film entwickelt, kann er aber leider nicht über die komplette Laufzeit aufrecht erhalten, weil etwas zu spät die Aufmerksamkeit einem bestimmten Charakter gewidmet wird. Aber alles in Allem ein feiner Film und für mich der beste deutsche Film in diesem Jahr bis jetzt aus Deutschland.

„In den Gängen“ - My First Look – 9/10 Punkte.
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "
Spoiler
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Filmzähler Sammlung iHaveCNit/HCN007:
Stand: 22.12.2018

Spezielle Interessen: 42 DVDS (Musik, Wrestling, sonstiges)
Serienboxen (8 BD / 69 DVD)
DVD: 782 Filme
BD: 498 Filme
Gesamt-Filme: 1280 Filme

Re: Deutsche Schauspieler und das deutsche Kino allgemein

#54
Deutsche Filme haben ich beinahe noch weniger gesehen als Werke von David Lean. Mich haben aber auch die ganzen Sachen von Herzog und Fassbinder nie so wirklich gereizt - kann natürlich sein, dass ich mich da irre - und was aktuell so abgeht bekomme ich gar nicht richtig mit. Vielleicht sollten mal die fachkundigen deutschen Forenuser ihre Top 5 oder Top 10 deutscher Filme posten, damit ich versprechen kann, mal reinzuschauen und es dann doch frühestens in 5 Jahren tue... Entschuldigung, ich meine natürlich, damit ich sie mir anschauen kann.
We'll always have Marburg

Re: Deutsche Schauspieler und das deutsche Kino allgemein

#55
Ganz interessant könnten z.B. sein:
- Western
- In den Gängen
- Toni Erdmann
- Victoria
- Fikkefuchs (kommt eben darauf an, welche eigene Schmerzgrenze man hat !)
- Aus dem Nichts
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "
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Stand: 22.12.2018

Spezielle Interessen: 42 DVDS (Musik, Wrestling, sonstiges)
Serienboxen (8 BD / 69 DVD)
DVD: 782 Filme
BD: 498 Filme
Gesamt-Filme: 1280 Filme

Re: Deutsche Schauspieler und das deutsche Kino allgemein

#56
GoldenProjectile hat geschrieben:Deutsche Filme haben ich beinahe noch weniger gesehen als Werke von David Lean. Mich haben aber auch die ganzen Sachen von Herzog (...) nie so wirklich gereizt
Das passt doch aber dann bestens zusammen - um mal Werner Herzog himself zu zitieren: "Was Brecht und David Lean gemacht haben ist mir wurschd!" :D
(zugegebenermaßen extrem aus dem Kontext gerissen und nicht auf Leans Werk gemünzt, sondern um dessen vermeintlichen Umgang mit Kläuschen Kinski)

Abgesehen von meinem wie üblich die Untiefen des Niveaus auslotenden Kalauer weiß ich aber gar nicht, was ich dir antworten bzw. raten soll. Der deutsche Film ist ja genau so vielschichtig wie der internationale und bietet daher die vielfältigsten Genres an, vom vielfältigen Angebot der einzelnen Jahrzehnte beginnend mit der Stummfilmära ganz zu schweigen. Ich selbst tat und tue mich z.B. auch recht schwer mit der „Kunstfilmschiene“ des deutschen Films a la Fassbinder, Wenders, Herzog etc. Das ist mir zumeist zu verkopft und sperrig, wogegen ich hier den Unterhaltungswert (nicht unbedingt im Sinne von „easy watching“ sondern eher im Sinne von filmisch zufriedenstellend bedient zu werden) oftmals nicht so recht erkennen kann. Bin aber hier auch kein richtiger Experte, da wie gesagt einfach nicht wirklich mein Bier. Herzog ist für mich eigentlich eh nur wegen seinen Kollaborationen mit Kinski interessant und wäre Klaus bei ihm nicht regelmäßig zu gigantischer Form aufgelaufen, hätte sein Werk wohl keinerlei Reiz für mich, da er mir gerade handwerklich einfach viel zu eigenwillig ist (und das ist jetzt sehr neutral formuliert).

Aber um zumindest am Ende dann noch halbwegs was Greifbares abzuliefern würde ich mal folgende drei Anschautipps in die Runde werfen:
ALT: M – Ein Stadt sucht einen Mörder / Fritz Lang (1931)


MITTELALT: Die Katze / Dominik Graf (1988)


JUNG: Toni Erdmann / Maren Ade (2016)


Drei sehr unterschiedliche Filme und allesamt höchst sehenswert wie ich finde.[/quote]
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Deutsche Schauspieler und das deutsche Kino allgemein

#57
Dem Beispiel unseres Forengenerals schließe ich mich ganz schnell an und liefere gemäß Vorlage 2 Tipps pro Kategorie:

ALT: Der blaue Engel / Josef von Steinberg (1930) | Die toten Augen von London / Alfred Vohrer (1961)




MITTEL: Schtonk! / Helmut Dietl (1992) | Lola rennt / Tom Tykwer (1998)




JUNG: Oh Boy / Jan Ole Gerster (2012) | Western / Valeska Grisebach (2017)


Prejudice always obscures the truth.

Re: Von Spielern, Mönchen und Kommunisten

#58
Hier meine drei deutschen Filmtipps, obgleich ich mich auch den beiden alten Filmtipps "M" und "Der blaue Engel" voll und ganz anschließen kann:

alt: "Das Testament des Dr. Mabuse", 1933


mittelalt: "Der Name der Rose", 1986


jung: "Friendship!", 2010
Böser schwarzer Mann

#SanMonique2020

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Re: Deutsche Schauspieler und das deutsche Kino allgemein

#59
GoldenProjectile hat geschrieben:Deutsche Filme haben ich beinahe noch weniger gesehen als Werke von David Lean. Mich haben aber auch die ganzen Sachen von Herzog und Fassbinder nie so wirklich gereizt - kann natürlich sein, dass ich mich da irre - und was aktuell so abgeht bekomme ich gar nicht richtig mit. Vielleicht sollten mal die fachkundigen deutschen Forenuser ihre Top 5 oder Top 10 deutscher Filme posten, damit ich versprechen kann, mal reinzuschauen und es dann doch frühestens in 5 Jahren tue... Entschuldigung, ich meine natürlich, damit ich sie mir anschauen kann.
Hattest du nicht zumindest was von Wenders gesehen?

Von den bisherigen Tipps halte ich den blauen Engel für einen der absolut überschätztesten unter den Klassikern, und dabei ich finde daß Von Sternberg ein großartiger Regisseur war, und fast alles andere was er gemacht hat ist so sehr viel besser. 6/10

Und Der Name der Rose ist für mich Anti-Kino, eher ein Literaturverbrechen als eine Literaturverfilmung.

Re: Deutsche Schauspieler und das deutsche Kino allgemein

#60
Der blaue Engel mag insgesamt überschätzt sein, aber die Dietrich ist einfach famos darin. Ist für mich ein Kindheitsfilm, der mir viel Freude macht. Finde meine anderen 5 Tipps aber auch alle besser.
Maibaum, guck endlich Western, falls du das noch nicht getan hast. Und Oh Boy natürlich auch, solltest du den schändlicherweise ebenfalls nicht kennen.

Und den Namen der Rose sollte man lieber lesen als den Film zu gucken. Ich finde den zwar okay, und Connery und Slater sind super, aber der Roman ist ein Jahrhundertwerk.
Prejudice always obscures the truth.