Welcher Film von Christopher Nolan ist der Beste?

- Following (1998) (Keine Stimmen)
- Memento (2000)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 3 (13%)
- Insomnia (2002)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (4%)
- Batman Begins (2005)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (4%)
- Prestige (2006)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 2 (9%)
- The Dark Knight (2008)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 9 (39%)
- Inception (2010)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 2 (9%)
- The Dark Knight Rises (2012) (Keine Stimmen)
- Interstellar (2014)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (4%)
- Dunkirk (2017)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 2 (9%)
- Tenet (2020)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 2 (9%)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 23

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1306
iHaveCNit/tiNCevaHi: TENET (2020)
26.08.2020 und 28.08.2020


Auf „TENET“ liegt ein großer Druck. Seit Beginn der Corona-Pandemie sind nahezu alle großen Filmproduktionen von den Studios nach hinten verschoben worden, weil kein Filmstudio das Risiko eines finanziellen Misserfolgs tragen möchte, dass durch eine Einschränkung der möglichen Besucherstärke in den Kinos weltweit einhergehen kann. Aber ein Filmstudio und ein großer Film muss eben der Erste in dieser Zeit sein. In diesen Zeiten muss ein Film eben Langstreckenläufer sein, um seine Kosten wieder einspielen zu können. Die Frage ist nun, wie viel Puste hat Christopher Nolans neuester Film um eine möglichst lange und hoffentlich ertragreiche Strecke zurückzulegen. Nach 2 Sichtungen und 2 weiteren bereits geplanten Besuchen hoffe ich zumindest einen sehr kleinen Teil dazu beizutragen.

Christopher Nolan ist einer der wenigen Namen in Hollywood (neben Tom Cruise, Tom Hardy, Denis Villeneuve und James Bond), bei dem ich mir immer sicher sein kann, dass er meinen Geschmack trifft. Nachdem er sich bereits Obsessionen (Following), Erinnerungen (Memento), Schlaflosigkeit (Insomnia), Angst, Chaos und Schmerz (Die Dark-Knight-Trilogie), Magie (Prestige), Träumen (Inception), Liebe (Interstellar) und Zeit (Dunkirk) gewidmet hat, ist sein neuester Film eine Mischung aus einem James-Bond-artigen internationalen Spionagethriller, bei dem er natürlich seinen eigenen Obsessionen mit der Zeit nachgegangen ist und den wohl realistischsten und wissenschaftlichsten Ansatz für „Zeitreisen“ integriert hat, so dass der Film durchaus auch einen anderen Namen hätte tragen können: Inversion. Aber er hat sich für TENET entschieden – ein Palindrom, ein Wort, dass invertiert ist und von vorne wie von hinten genau gleich geschrieben und ausgesprochen wird. TENET ist der 11. Film von Nolan mit einer Laufzeit von 151 Minuten – so viel akribische Arbeit ist der Grundsatz (eine Übersetzung des Wortes TENET) der Arbeit eines Christopher Nolans. Gerade da ich in der aktuellen Zeit nicht weiß, welche meiner groß erwarteten Filme die noch 2020 erscheinen sollen tatsächlich erscheinen oder nicht, bleibt für mich nur zu sagen, dass TENET mein aktueller Film des Jahres 2020 ist.

An dieser Stelle würde ich eigentlich in eigenen Worten den Inhalt des Films wiedergeben, aber ich nehme hier die weitestgehend spoilerfreie Synopsis, die auch bereits aus den Trailern zu erkennen ist: Ein Agent wird rekrutiert, um einen besonderen Auftrag auszuführen. Er soll den 3. Weltkrieg verhindern. Diesmal ist jedoch keine nukleare Bedrohung der Grund. Es muss eine Person gestoppt werden, die die Fähigkeit besitzt, die Zeit zu manipulieren.

Meine persönliche Höchstwertung bekommt ein Film auch, wenn der Film per se nicht allgemeingültig die Bezeichnung „Meisterwerk“ tragen wird. Ich denke nicht, dass es sich bei TENET um ein Meisterwerk handelt, aber trotzdem um einen Film, dessen Konzept mich vollends begeistert hat und der Film durchaus das Potential zum persönlichen Langstreckenläufer und Lieblingsfilm haben wird. Für ein unbestrittenes „Meisterwerk“ hätte der Film entsprechend schon wesentlich länger sein müssen, um sowohl den hier handelnden Charakteren die vollständige Tiefe als auch der Thematik den notwendigen Raum zu geben. Des weiteren fällt es auf, dass der Schnitt des Films diesmal nicht durch Lee Smith, sondern durch Jennifer Lame übernommen worden ist, die in Dialogen und allgemein ein wenig hektisch geschnitten hat. Aber genau das fällt für mich hier absolut nicht ins Gewicht, weil der Film genau das geschafft hat, was ein Film schaffen sollte – mich ins Staunen zu versetzen und Bilder zu erschaffen, die es so noch nie auf der Leinwand gegeben hat. Nicht zu vergessen, dass dem Film zugrundeliegende Konzept. Als großer Fan der James-Bond-Filme und mittlerweile ausgehungert, weil die Zeit seit dem letzten Film bereits so weit zurückliegt und ich mir nicht sicher bin, ob der neue Film tatsächlich im November in die Kinos kommt, habe ich mich gefreut, wieder einen klassischen Spionagethriller mit internationalem Einschlag zu bekommen, der viel von dem Glamour und dem Hochglanz von Bondfilmen mitbringt und sich auch an der klassischen Struktur orientiert. Auch die Aufstellung des Casts weiß in diesem Fall zu gefallen. Wir haben John David Washington in der Hauptrolle, der seine Sache großartig macht. Für „BlacKkKlansman“ bereits für den Oscar und Golden Globe nominiert sehe ich für ihn eine ähnlich großartige Karriere wie die von seinem legendären Vater Denzel Washington. Den hauptsächlichen Antagonisten haben wir hier mit Kenneth Branagh, der vielleicht etwas plump den russischen Oligarchen spielt, aber mit unterschwelliger Raffinesse und Brutalität punktet. Die Dame im Bunde des Films ist dann Elizabeth Debicki, deren persönliches Drama durchaus einer der emotionalen Ankerpunkte des Films ist und sie natürlich das auch großartig macht. Den wichtigen Part des Sidekicks übernimmt hier Robert Pattinson als zwielichtiger Neil, der ebenfalls eine scheinbar interessante Verbindung zum Protagonisten hat. Weitere Charaktere erfüllen den Zweck von Pendants zu z.B. M, Q, und diversen Informanten. So bietet Nolan in der Grundstruktur eben eine Blaupause eines bondähnlichen Spionagethrillers. Eine großartige Liebeserklärung an das Genre und durchaus auch eine Empfehlung für künftige Aufgaben – wer weiß ? Das klingt vielleicht für einen Nolan schon sehr simpel aber Nolan wäre nicht Nolan, wenn er durchaus auch noch eine harte Aufgabe parat hätte. Seine Obsessionen mit der Zeit haben bereits schon einige großartige Ideen hervorgebracht, so z.B. in Inception die parallele Erzählung von unterschiedlichen zeitlichen Horizonten je tiefer die Traumebene ist, in Interstellar das unterschiedliche Zeitgefüge auf Planeten, in Dunkirk die Kombination aus unterschiedlichen zeitlichen Horizonten. Aber eine Sache hat er selbst noch nicht auf Leinwand gebannt. Was passiert, wenn Menschen und Objekte ein gegenläufiges Zeitgefüge haben. Wenn Dinge sowohl vorwärts als auch rückwärts ablaufen. Hierzu nutzt Nolan eine narrative Mischung aus immer wieder eingeschobener klassischer Exposition und dem „Fish-Out-Of-Water-Prinzip“, das für mich eine sehr gute Mischung darstellt. Denn es geht hier wie im Film auch betont darum es zu fühlen und nicht unbedingt darum es zu verstehen. Das Gefühl muss ja nicht unbedingt in emotionaler Bindung zu den Charakteren liegen, sondern im Erleben des Films mit seinem audiovisuellen Konzept. Christopher Nolan hat hier nach Interstellar wieder mit Kip Thorne zusammen gearbeitet um das Thema der Zeitreisen möglichst wissenschaftlich genau und realistisch darzustellen. Und genau das erfordert vor allem bei der Choreographierung von feinsten Nuancen bishin zu riesigen Actionsequenzen zu einer enormen inszenatorischen Planung und einem riesigen Aufwand, den Nolan hier mithilfe seiner gesamten Crew auf die Beine gestellt hat. Mit einem extremen Minimum an computergenerierten Effekten bedient sich Nolan hier ausschließlich handgemachter Action und handgemachten Effekten, die dafür sorgen werden, dass der Film in dieser Hinsicht den Test der Zeit bestehen wird. Die Kameraarbeit von Hoyte van Hoytema ist wieder mal großartig. Da Hans Zimmer mit „Dune“ ; „Top Gun: Maverick“ ; „Wonder Woman 1984“ und „James Bond 007: No Time To Die“ ganze 4 Filmscores in der Pipeline hat, ist leider keine Zeit mehr für einen Score für „TENET“ gewesen, so dass der Schwede Ludwig Göransson hier das Ruder übernommen hat. Göransson hat bereits für „Black Panther“ den Oscar gewonnen und ist mir insbesondere mit seinen Scores für „Creed“ und „Creed 2“ im Gedächtnis geblieben. Er ist bekannt dafür, wummernde und wuchtige Beats in seinen Score einzubinden und da sorgt er bei „TENET“ natürlich auch für einen treibenden, temporeichen, wuchtigen und sehr guten Score, der an manchen Stellen sogar invertiert ist. Was für Göransson üblich ist, war es bisher bei Nolan noch nicht – die Zusammenarbeit mit Rappern und der Einfluss von Hip-Hop. So kam es für den Film zu einer Zusammenarbeit mit Travis Scott, der den interessanten Song „The Plan“ beisteuert, dessen Beats auch im Film zu finden sind. Nolans „TENET“ hat mich auch bei der 2. Sichtung begeistert und ich bin als großer Liebhaber von Kinos natürlich auch ein großer Fan von Nolans konservativer Ideologie was das Erlebnis von Filmen im Kino anbelangt. Wegen Filmen wie „TENET“ gehe ich gerne ins Kino und lasse mich gerne darauf ein, etwas neues zu erleben. Mit „TENET“ erlebt man definitiv unter der konservativen Oberfläche etwas neues, das wieder zum Staunen einlädt. Versuch es nicht zu verstehen, fühle es.

„TENET“ - My First Look – 10/10 Punkte / etknuP 01/01 – kooL tsriF yM - „TENET“

Das invertierte Wortspiel konnte ich mir am Ende und am Anfang dann doch nicht verkneifen, aber die gesamte Review invertiert, dass wäre dann doch Zuviel des Guten.
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "
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Stand: 22.12.2018

Spezielle Interessen: 42 DVDS (Musik, Wrestling, sonstiges)
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DVD: 782 Filme
BD: 498 Filme
Gesamt-Filme: 1280 Filme

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1307
Tenet (rückwärts geschrieben, wer hat's gemerkt?)

Die erste Hälfte

Für alle die sich seit Jahren einen Nolan-Bond wünschen, hier habt ihr ihn. Action, Spionagemissionen, abgedrehte Infiltrierungspläne, Location-Hopping, Agent macht sich über gepeinigte Ehefrau an grössenwahnsinnigen Schurken ran, sogar ein paar witzige Sprüche gibt es. Alles da. Und auf dem Papier klingt es schön und gut, aber die bildsprachliche und erzählerische Ausgestaltung erscheint mir wie tendenziell oft bei Nolan so kalt, kalkuliert, annähernd seelenlos, dass ich einem Nolan-Bond weiterhin sehr skeptisch gegenüberstehe, wenn nicht sogar skeptischer als zuvor. Ergänzt wird diese Kälte und Künstlichkeit durch den Score des neusten Ersatzzimmermannes, der sich anhört wie Discolärm in Zeitlupe und mir in seiner basslastigen, vibrierenden und tief dröhnenden Art an mehreren Stellen nicht nur akustisch, sondern auch körperlich richtig unangenehm war.


Die zweite Hälfte

Hier kommt die übliche, zuvor noch recht stiefmütterlich behandelte Nolan-SciFi-Idee zum tragen, die mich ehrlich gesagt auch ziemlich kalt gelassen hat und die ich in allen Details auch nicht immer verstanden habe. Das Prinzip ist exakt dasselbe wie in Memento, nur dass es von der erzählerischen auf die inhaltliche Ebene gebracht wird und damit allerhand Verkomplizierungen und Erklärungsdialoge mit sich bringt. Das erinnert alles sehr an Inception und Interstellar, eine einfache Science-Fiction-Idee wird beim Versuch, sie in die Geschichte einzubauen oder selbige sogar darum zu spinnen, immer komplizierter erklärt und aufgeblasen. Mein Interesse am Film hat da teilweise leider ziemliche Aussetzer. Wenn in der grossen Ballerschlacht mit hundert Teilnehmern die mehr oder weniger gleich aussehen, einige Figuren in die entgegengesetzte Zeit laufen ist das in z.B. in den Details schwer ersichtlich, für die filmische Wahrnehmung der Actionszene oft wenig relevant und wenn dann doch der Handlungsclou darum gestrickt werden soll, wirr und, ich wiederhole mich, kompliziert auf eine kalte und kalkulierte Art.


Die Schauspieler

Ich war positiv überrascht von JD Washington, der in die reichlich kontur- und seelenlose Figur erstaunlich viel Coolness und Charisma mit reinbringt, und an einigen Stellen der ersten Hälfte sogar tatsächlich eine gewisse Bondnote. Mein darstellerisches Highlight war natürlich Pattinson. Kein versiertes Charakterspiel diesmal, keine völlige Immersion in eine komplexe Rolle, das gibt der Film auch nicht her. Aber was für eine Ausstrahlung, was für ein einvernehmender Charme, welch faszinierende Coolness in allem was er tut! Der spannendste und charismatischste Schauspieler aktuell, wenn nicht aller Zeiten. Branagh gibt den klassischen Schurken solide, der Rest ich auch absolut in Ordnung mit den Figuren, die sie kriegen. Debicki hat wohl die besten darstellerischen Facetten nach Pattinson und Aaron Tyalor-Dingsbums ist auch mal wieder sehr cool in dem was er macht.


Das Fazit

Nolan und ich entfremden uns allmählich. Er hat immer häufiger diese eine Idee, meist im Sci-Fi-Bereich, die im Kern sehr spannend klingt, aber wenn sie dann umgesetzt wird kommt verstricktes Erklärbär-Zeugs raus, das aus sehr wenig eine filmische Welt um diese eine Idee spinnen will. Für mich sollte er wieder weggehen von diesen gut gemeinten, aber am Ende gewollt cleveren Inception-Tenet-raumzeitliches-Paradoxon-Ideen und kleinere, elegantere Filme drehen. Und auch Tenet wirkt halt einfach sehr kühl, distanziert, fast kalkuliert in der Zeichnung der handlungsinneren Welt und in der Bildsprache und (audio)visuellen Umsetzung. Roboterhaft vielleicht.

Ich fand den Film nicht schlecht, einige der Bond-Reminiszenzen so gut es ging sogar recht launig und das Doppelpack Washington/Pattinson ist vielversprechend und so cool und charmant wie der Film es hergibt (vor allem natürlich letzterer). Aber so richtig gepackt hat's mich nicht, im Showdown habe ich die raumzeitlichen Verschachtelungen teils sogar halbwegs abgeschaltet weil's mir auch einfach zu viel war in der Art wie die Kriegsszenen und das was Nolan unter Musik versteht gleichzeitig auf mich einprügeln wollten. An einer viel tieferen Auseinandersetzung habe ich dann ehrlich gesagt auch kein grosses Interesse.

Wertung: 5 / 10
We'll always have Marburg

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1308
Schade, aber jeder empfindet anders. Das mit den kalten Figuren wird Nolan ja oft vorgeworfen und bei interstellar und vor allem dunkirk (wobei mich da noch mehr gestört hat) ging mir es so, dass es mir den Zugang verleidet hat. Übrigens halte ich kubrick (den Nolan ja sehr bewundert) da für wesentlich „schlimmer“, seine Figuren lassen mich praktisch immer völlig kalt, einen emotionalen Zugang finde ich zu seinen Filmen nie, lediglich einen intellektuellen zu manchen.
In Tenet dagegen ist alles für mich eine perfekt austarierte Einheit, Figuren inklusive, da greift alles ineinander und bewirkt einen Sog, den ich schlicht faszinierend empfand. Der Sound ist dabei ein wesentlicher Faktor, denn er ist nicht nur hörbar, sondern regelrecht spürbar. Ich hab’s schon mal geschrieben glaub ich, für mich ein ganzheitliches Erlebnis. Toll, weil ich so gar nicht damit gerechnet hatte.
http://www.vodkasreviews.de

https://ssl.ofdb.de/view.php?page=poste ... Kat=Review

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1309
Ich aktualisiere mal die Umfrage zu Nöhlen, hier der aktuelle Stand:
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- Following (1998)
0
Keine Stimmen

- Memento (2000)
3
10%

- Insomnia (2002)
1
3%

- Batman Begins (2005)
2
6%

- Prestige (2006)
4
13%

- The Dark Knight (2008)
10
32%

- Inception (2010)
6
19%

- The Dark Knight Rises (2012)
3
10%

- Interstellar (2014)
2
6%

Insgesamt abgegebene Stimmen: 31
Memento selbstvernatürlich.
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Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1311
danielcc hat geschrieben:
28. August 2020 17:45
Habe gerade die Wiki Zusammenfassung gelesen. Eigentlich ein recht simpler Film.
Danke, genau das sage ich hier ja die ganze Zeit. :) Der Plot ist ziemlich "einfach", auch alle deine Fragen zum Showdown sind easy zu beantworten. Aber da würde ich dann dir wirklich empfehlen, ihn wirklich ein zweites Mal zu gucken, danach ist ziemlich sicher alles klar. Der Plot ist in der ersten Hälfte ein typischer Bond-Film (natürlich mit dem Gag, dass der Agent sich über die Frau des Bösen an diesen ranmachen will, aber JDW im Vergleich zu Bond der Sex-Appeal fehlt – und er deshalb ein Gemälde mopsen muss), in der zweiten Hälfte dann ein klassischer Zeitreisefilm à la "Terminator".
danielcc hat geschrieben:
28. August 2020 17:45
Was ehrlich? Ich habe es jetzt gar nicht auf den Soundmix geschoben - ich dachte einfach, dass es mir grundsätzlich in Filmen schwerer fällt Englisch zu verstehen als im echten Leben.
Möglich, das Phänomen haben ja viele Zuschauer auch bei deutschen Filmen (Stichwort: Warum nuscheln die im "Tatort" immer so?). Aber im Falle von "Tenet" erwähnt jeder zweite in englischen Filmforen, dass sie extreme Probleme hatten, die Dialoge akustisch zu verstehen. Das Sound Mixing des Films scheint eine Katastrophe zu sein – und nicht zum ersten Mal. Bei "Inception" und "Dunkirk" gab es damals bei den Kinoveröffentlichungen ähnliche Probleme. Keine Ahnung, wie sowas bei so großen Filmen passieren kann.
Prejudice always obscures the truth.

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1312
Eines der Probleme könnte daran liegen, dass Nolan alles am Set machen will. Soweit ich weiß kommen die Darsteller bei seinen Filmen nicht später nochmal in eine Soundkabine um einige Dialoge noch mal zu vertonen, sondern alles wird ausschließlich beim Dreh aufgenommen. Möglicherweise ist da die Aufnahmequalität dann nicht immer perfekt. Das würde erklären, warum es durch Synchronisation verschwinden würde.
"You only need to hang mean bastards, but mean bastards you need to hang."

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1313
Inwieweit sich das Soundmixing und Soundediting in der Originalfassung auswirkt, davon überzeuge ich mich mal am Dienstag selbst, wenn ich mir die Originalfassung anschaue.

Um den Film auch noch in die letzten Fingerspitzen zu fühlen, werde ich mangels Alternativen im Kino sicherlich noch eine Vorstellung in D-BOX besuchen (Premium-Rüttelsitze) und das wird auch vor allem was diese Sitze anbelangt mein eigenes Debüt. Da bin ich mal gespannt, wie sich das auf das Filmerlebnis auswirkt und ob mir genau das am Ende vielleicht "auf den Sack gehen wird"
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Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1314
Mir ist in der OV auch nichts aufgefallen, aber solche technischen Mängel darf es bei einem Film mit über 200 Mio. Budget nicht geben. Bei "Inception" ist das auch auf der Blu-ray ein Ärgernis, weil ich alle drei Minuten die Fernbedienung in der Hand habe, um den Ton zu korrigieren. So soll es nicht sein.
Prejudice always obscures the truth.

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1315
Der Film hat meinen Sitz auch ohne D-Box durchgeschüttelt...

Vodka, ich finde es eher spannend dass dir Tenet anscheinend herausragend gefallen hat, nachdem du letztens z.B. Dunkirk und Interstellar eher zwiespältig aufgenommen hast, oder? Bei einem Nami oder HC war es eher zu erahnen, dass sie den Film lieben werden (was nicht als Stichelei oder so gemeint ist, sondern einfach als gut begründete Vermutung weil ihr zu Nolan offenbar immer einen enormen Zugang findet) und bei mir, dass ich den Saal leicht gespalten verlassen werde, weil ich Nolan zwar nie schlecht finde, mit den Ausprägungen seines Stils Post-TDK aber zunehmend etwas fremdle.
We'll always have Marburg

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1316
Ja, ich war selbst überrascht, mochte ja auch den dritten Batman nicht so sehr. Tenet hat bei mir einfach klick gemacht, ob es die Bond Allegorien sind (wie auch bei dem ebenfalls von mir sehr geschätzten incepttion), keine Ahnung. Zum Teil sicher. Aber da ist noch so viel mehr. Ich war einfach von Beginn an mittendrin im Geschehen, emotional, sinnlich, geistig. Eine sehr befriedigende Erfahrung, die ich bei seinen letzten Filmen nicht annähernd hatte (gut, historische Stoffe sind bei mir immer ein spezielles Thema). Ich bin kein sogenannter Nolan Jünger, aber auf jeden seiner Filme immer sehr gespannt. Das ist ein Regisseur mit einer Vision (und einer Handschrift), im Blockbuster Segment gibt es da nicht viel Konkurrenz.
http://www.vodkasreviews.de

https://ssl.ofdb.de/view.php?page=poste ... Kat=Review

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1317
Heute die 3. Sichtung hinter mir gehabt, dieses Mal mit Begleitung - mein Bruder und Mitbewohner. Ganz kurzes Fazit auch von seiner Seite - er ist begeistert und fand den Film großartig. Er lebt auch nicht ganz in der Film-Bubble wie ich und ist dementsprechend absolut unvoreingenommen was Filme anbelangt.
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Gesamt-Filme: 1280 Filme

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1319
Komm gerade aus dem Kino. Hier mal meine ersten Eindrücke...

Ich seh den Film zwar nicht ganz so kritisch wie offenbar danielcc und Invincible1958, aber trotzdem gehört TENET für mich ganz klar zu den schwächeren Nolan-Filmen.

Auch ich finde, dass hier viel zu viel gelabert wird. Wirklich sogar mehr als in jedem Tarantino-Film oder vielleicht gleich viel wie in H8, aber das müsste man mal genauer analysieren.

Dass Nolan hier so viel mehr Bond eingebaut hat als bisher sehe ich übrigens nicht. Das war in TDK und auch in Inception viel stärker.

Der letzte Akt von TENET geht meiner Meinung nach eher in Richtung Star Wars. Vor allem die Besprechung ist wie eine Kopie aus ANH, ROTJ oder TFA.

Den Soundtrack fand ich übrigens sehr gelungen, auch wenn ich mir für Bond etwas vollkommen anderes wünsche und erwarte. Aber für einen Nolan-Film genau richtig.

Zu den Bildern (also der Cinematography) muss man ja nichts weiter sagen, die sind sowieso bei jedem Nolan-Film seit TDK irgendwie gleich. Trotz wechselnder Crew.

Der Schnitt war mir zum Teil (vor allem in den eigentlich ruhigen Szenen) zu hektisch.

Zu den Darstellern:

Pro
Fiona Dourif (Beste Darstellerin des Films, trotz der relativ kleinen Rolle)
John David Washington
Robert Pattinson

Contra
Kenneth Branagh
Aaron Taylor-Johnson

Elizabeth Debicki war so mittel, aber hier hat mich vor allem auch die deutsche Stimme gestört, die meiner Meinung nach nicht so recht gepasst hat.

Michael Caine war leider total verschenkt. Der musste wohl irgendwie eingebaut werden, ohne dass es wirklich nötig gewesen wäre.

Fazit:

Nolan gefällt sich inzwischen leider wirklich immer mehr als Erklärbär. Wie Hille immer so schön sagt "Show, don´t tell". Das wäre besser gewesen. Zumal die ganze Rumerklärerei sowieso keinen wirklichen Mehrwert bringt.

Ein weiteres Problem ist, dass die ganzen Sachen von so vielen Figuren erkärt werden, die einfach hier und dort auftauchen, kurz was erklären und dann wieder verschwinden und für den Rest des Films vollkommen ohne Bedeutung sind.

Das kann man vielleicht bei einer Filmreihe wie Bond mit einer wiederkehrenden Figur wie Sir Frederick Gray machen, aber so wie das Nolan hier umgesetzt hat, hätte man sich die ein oder andere Figur auch sparen können.

Wertung: 5,5/10
Böser schwarzer Mann

#SanMonique2020

"Wo man lacht, da lass dich ruhig nieder. Böse Menschen lachen immer wieder."
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