Welcher Film von Christopher Nolan ist der Beste?

- Following (1998) (Keine Stimmen)
- Memento (2000)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 3 (13%)
- Insomnia (2002)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (4%)
- Batman Begins (2005)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (4%)
- Prestige (2006)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 2 (9%)
- The Dark Knight (2008)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 9 (39%)
- Inception (2010)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 2 (9%)
- The Dark Knight Rises (2012) (Keine Stimmen)
- Interstellar (2014)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (4%)
- Dunkirk (2017)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 2 (9%)
- Tenet (2020)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 2 (9%)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 23

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1427
Casino Hille hat geschrieben:
5. September 2020 19:59
Das ewige Gejammere um Logikfehler mag ich auch nicht mehr hören und "emotionale Kälte" ist ein Vorwurf, der reflexartig jedem Film entgegen geworfen wird, der mal nicht nach dem Blockbuster-Schema-F designt ist. Wie er sagt: Viele haben verlernt, wie man sich einem Film (oder einem Buch oder einem Musikalbum oder einem Theaterstück) richtig nähert.
Das würde ich so nicht sagen. Ich glaube vielmehr, dass das so wirkt, weil heute im Internet die Meinung zu allem und jedem breitgetreten wird. Frühere Generationen gingen (meist spontan) in diesen oder jenen Film, fanden ihn gut oder schlecht und haben sich danach auf dem Heimweg ein wenig darüber unterhalten. Das war's. Heute werden Filme im Vorlauf, Filmeinsatz und Nachgang multimedial rauf und runter seziert. Da wundert es auch nicht, dass vieles als penible Erbsenzählerei erscheint. Weil vorher nie so breit darüber öffentlich und privat diskutiert wurde. Internet und Social Media haben diese Tendenzen noch einmal massiv verstärkt. Es wird noch immer genug Zuschauer geben, die sich auf einen Film vorbehaltlos einlassen können. "Tenet" kommt bislang doch recht gut weg, nur für Nolan-Verhältnisse (jeder Film von ihm ein Meisterwerk!) nicht so wie gewohnt. Ich denke er ist jetzt auch am Zenit oder schon drüber. Und "emotionale Kälte" ist ein Vorwurf, der Nolan doch schon seit dem Beginn seiner Karriere begleitet. Ich finde schon, dass da etwas dran ist. Selbst Nolan-intern: DiCaprio hat wenigstens einen emotonalen Konflikt im Gegensatz zum Protagonisten. Man fiebert mit den "Tenet"-Figuren wenig bis gar nicht mit. Diese Distanz zwischen Charakteren und Zuschauern forciert der Film doch mit seiner minimalistischen Rollenzeichnung bewusst. Man hat das Gefühl der Visualisierung eines wissenschaftlichen Experiments beizuwohnen. Die Hauptpersonen haben soviel Eigenleben wie eine Gamerfigur.

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1429
vodkamartini hat geschrieben:
5. September 2020 18:12
Bei Tenet dröselt er sehr schlüssig die drei Reflexvorwürfe Kälte, schwache Figurenentwicklungen, Logiklöcher auf.
Mich stört an TENET keiner dieser drei Punkte. Zumindest sind diese nicht entscheidend. Mir ist bei TENET einfach diese ewige Rumerklärerei zuviel des Guten. Weniger wär hier echt mehr gewesen. Zumal am Ende alles ganz gut aufgelöst wird.
Böser schwarzer Mann

#SanMonique2020

"Wo man lacht, da lass dich ruhig nieder. Böse Menschen lachen immer wieder."

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1430
TENET startet in den USA und Kanada nur mit $20 Mio.

Da ist das erste Wochenende in Kanada, wo der Film zeitgleich mit Europa bereits letzte Woche startete, sowie die ganzen Preview-Screenings in den USA seit letztem Montag mit eingerechnet.

Für Warner wird das ziemlich enttäuschend sein, zudem der Film auch in China nur $30 Mio am Startwochenende eingespielt hat.
Zum Vergleich: der neulich gestartete chinesische Film "The Eight Hundred" hat dort bereits über $350 Mio gemacht.

Hoffen wir, dass andere Verleiher (vor allem MGM/Universal) jetzt nicht doch noch einen Rückzieher machen.
Denn diese Zahlen lassen vermuten, dass TENET in den USA und China am Ende als Flop bewertet wird.

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1431
Ranking von Christopher Nolans Filmen

Ausgangslage:

Following (9/10)
Memento (10/10)
Insomnia (10/10)
Batman Begins (10/10)
Prestige (10/10)
The Dark Knight (10/10)
Inception (10/10)
The Dark Knight Rises (10/10)
Interstellar (10/10)
Dunkirk (10/10)
Tenet (10/10)

Nachdem ich Nolans neuesten Film „TENET“ gesehen habe, versuche ich mich mal an der wohl schwierigsten Aufgabe überhaupt – für mich ein Ranking von Christopher Nolans Filmen aufzustellen. Bei allen anderen Bereichen, für die ich mich filmisch interessiere ist das wesentlich einfacher !

Dazu gibt es am Ende 2 Rankings – Das Erste schlüsselt die „The Dark-Knight-Trilogie“ in seine Einzelteile auf, das Zweite übernimmt diese Trilogie als Einzelwerk.

Ranking 1: Einzelranking

Platz 11: Following

„Following“ liegt punktemäßig mit den anderen Filmen nicht auf einer Ebene und da ich mit einem Film anfangen möchte, ist das natürlich dann Nolans Erstlingswerk, das durchaus mit seiner nonlinearen Narration besticht und erst zum Schluss alle Puzzleteile zusammensetzt.

Platz 10: Insomnia

Hierzu müsste ich mir noch das skandinavische Original ansehen, aber gerade da es sich hier um die Neuverfilmung von einem bereits bekannten Konzept geht, indem Nolan seine Qualitäten nicht ausspielen kann, ist „Insomnia“ auch eher weiter hinten anzusiedeln.

Platz 9: Tenet

Ausschlaggebend für Nolans neuesten Film Tenet ist im Grunde die miserable Soundqualität der Originalfassung, die bedingt durch Nolans konservativer Ideologie und seinem Purismus durch unterschiedlichen Slang, Akzente und Sprechen durch Masken und Helme einfach schlicht es unmöglich macht, den Dialogen zu folgen. Die nicht immer ausgewogene Exposition und die relativ blassen Charakter erzeugen nicht den gewünschten Sog anderer Nolanfilme, auch wenn natürlich die filmische Umsetzung von Inversion großartig ist und Bilder erzeugt, die man so noch nie im Kino wirklich gesehen hat.

Platz 8: Dunkirk

Kommen wir zum vorletzten Nolan Film „Dunkirk“, der auf einem bekannten historischen Ereignis beruht, das Nolan mit seiner Obsession für Zeit in ein regelrecht adrenalingeladenes Spannungskino verwandelt, wenn er unterschiedliche zeitliche Horizonte auf dem Strand, auf einem Boot und in der Luft miteinander verknüpft. Da wir es hier aber mit einer nur unterbewussten Bedrohung wie auch bereits in Tenet zu tun haben und auch die emotionale Bindung zu den Charaktern fehlt, verwehrt das „Dunkirk“ eine höherer Platzierung.

Platz 7: Interstellar

Nolans Science-Fiction-Epos „Interstellar“ befindet sich dann hier auf Platz 7. Trotz unfassbar starker Sequenzen, die sowohl Spannung als auch Emotionen zu bieten haben – vor allem die gesamte parallel geschnittene Sequenz zwischen den Ereignissen auf dem Planeten von Dr. Mann bis zur Dockingsequenz und den Ereignissen auf der Erde ist unfassbar spannend und nervenzerrend. Jedoch braucht der Film stellenweise um in Fahrt zu kommen und der Epilog gegen Ende wirkt etwas zu lang, um zum Schluss zu kommen.

Platz 6: Batman Begins

Der Beginn von Nolans meisterhafter „The Dark Knight-Trilogie“ erdet den comichaften dunklen Ritter auf den bestmöglichen realistischen Weg. Mit einer interessant strukturierten 4-Akt-Struktur schafft Nolan einen großartigen Neuanfang, der für mich in seiner Gesamtheit einfach meisterhaft ist. Bei dem, was hier noch danach gekommen ist, ist „Batman Begins“ noch der eher bodenständige Anfang.

Platz 5: The Prestige

Das Duell zweier Magier – Angier und Borden – Hugh Jackman und Christian Bale – verpackt Nolan in einem großartig wie einen Zaubertrick verschachtelten Thriller, das zu Zeiten Nikola Teslas passiert. So großartig dieses Duell ist, es wird von einem noch größeren Duell in einem späteren Film aus Nolans Filmografie überschattet.

Platz 4: The Dark Knight Rises

Das großartige Finale der „The Dark-Knight-Trilogie“ hat mich als Epos im Kino in den Sitz gedrückt und mir einfach die Kinnlade dauerhaft hat runter klappen lassen. Tom Hardy als körperlich beeindruckender Antagonist und einfach das Ausmaß des Films ist extrem stark.

Top 3: So bleiben auf dem Treppchen nur noch „Memento“ ; „Inception“ und „The Dark Knight“ - Und das wird nun extrem schwierig, den Einen gegen die Anderen aufzuwiegen. Nuancen werden da für mich entscheidend sein. Ich habe mir hierzu auch nochmal die Kritiken angesehen, die ich vor 3 Jahren zur Vorbereitung auf Dunkirk geschrieben habe. Und auch damit habe ich mir keinen Gefallen getan, denn je mehr ich darüber nachdenke, umso schwieriger wird es.

Platz 3: Memento

Auch wenn ich mit diesem Film eine durchaus persönliche Geschichte verbinde – Ich habe vor 8 Jahren jemanden kennengelernt, der ebenfalls eine Passion für Nolans Filme hat, aber bereits seit 6 Jahren nicht mehr lebt und mit dieser Person habe ich bei einem privaten DVD-Abend „Memento“ gesehen, konnte mich aber irgendwie nicht auf eine Beziehung einlassen – so finde ich dass „Memento“ in seiner innovativen narrativen Struktur durchaus noch Luft nach oben gewesen ist, was seine späteren Filme zeigen. Nicht zu vergessen die Erfolge, die er mit seinen folgenden Filmen einstreichen konnte.

Platz 2: The Dark Knight

Normalerweise sind die 2. Filme einer Trilogie immer nur ein Mittelteil und ein Aufbau auf das Finale hin, aber „The Dark Knight“ liefert das beste Beispiel wie man den Mittelteil einer Trilogie als absoluten Höhepunkt darstellt. Einzig und allein das Duell zwischen Bale und Ledger bzw. Batman und Joker ist eines der grandiosen Duelle der Filmgeschichte. Die Struktur des Films ist zwar linear, aber großartig. Ein eingebettetes folgenreiches Liebesdreieck gibt dem Film die emotionale Note. Das ist nicht mehr einfach nur eine Batman-Verfilmung – es ist ein Meisterwerk im Bereich der Crimedramen.

Platz 1: Inception

Mein erster Kinobesuch eines Nolanfilms, so dass ich gut und gerne auch 10 Jahre später den Film erneut im Kino gesehen habe. Ein Film, den ich auch in meinen Allzeit-Top10 habe. Allein der Cast, die Leute hinter der Kamera und einfach der gesamte Aufbau des Films mit dem emotionalen Hintergrund von Leonardo DiCaprios Charakter zu Marion Cotillard und seinen Kindern. Genau wie auch die Bindung von Cillian Murphy zu Pete Postlethwaite, die für einen auch mit dem Stück „528491“ zu einem der wohl emotionalsten und spannendsten Momente des Films sorgt. Ein Song, den ich auch in einem der bisher emotionalsten Momente in meinem Leben zur Verarbeitung gebraucht habe. Der gesamte Einfluss von „Inception“ auf die Art, wie ich Filme betrachte ist einfach genau der Grund, warum ich „Inception“ im Einzelranking der Filme auf den Top-Platz setze.

Ranking 2: Mit Zusammenfassung der „The-Dark-Knight-Trilogie“ als einzelnes Werk.

Platz 9: Following
Platz 8: Insomnia
Platz 7: Tenet
Platz 6: Dunkirk
Platz 5: Interstellar
Platz 4: The Prestige
Platz 3: Memento
Platz 2: Inception
Platz 1: The Dark-Knight-Trilogie

So großartig der gesamte Einfluss von „Inception“ auf mich gewesen ist, ist die Trilogie in einem solchen Ranking unschlagbar. Die in meinen Augen zum Großteil in sich sehr stimmige und mit dem größtmöglichen und bodenständigen Realismus umgesetzte Trilogie um den dunklen Ritter ist in seiner Gesamtheit ein Crimedrama, welches problemlos mit den ganz großen Trilogien der Filmgeschichte mithalten kann. Genau wie „Inception“ ist der Einfluss der gesamten Trilogie auf mich und mein Leben als Filmfan unfassbar groß und wichtig gewesen.

Damit beantworte ich anhand des Rankings Nummer 1 die Umfrage mit „The Dark Knight“ und „Inception“.
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "
Spoiler
Show
Filmzähler Sammlung iHaveCNit/HCN007:
Stand: 22.12.2018

Spezielle Interessen: 42 DVDS (Musik, Wrestling, sonstiges)
Serienboxen (8 BD / 69 DVD)
DVD: 782 Filme
BD: 498 Filme
Gesamt-Filme: 1280 Filme

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1432
Hier mein Nolan-Ranking:

1. Interstellar
2. The Dark-Knight
3. Inception
4. The Dark Knight rises
5. Batman begins
6. The Prestige
7. Memento
8. Tenet
9. Insomnia
10. Dunkirk
11. Following
Böser schwarzer Mann

#SanMonique2020

"Wo man lacht, da lass dich ruhig nieder. Böse Menschen lachen immer wieder."

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1433
Schwierig. Sehr schwierig. Einige müsste ich dringend mal wieder auffrischen und Insomnia kenne ich immer noch nicht. Mal ganz spontan von der Leber:

10. The Dark Knight Rises
Der Abschluss von Nolans loser Trilogie, die ich stilistisch und qualitativ nie als Einheit betrachten könnte, hat bei mir bisher zunehmend abgebaut. Der Film ist bei allem Unterhaltungswert - den er zumindest zuletzt immer noch besass - bemerkenswert schlaff und träge. Batman und Dark Knight haben sehr geschlossen funktioniert und hatten eine sehr klare, individuelle stilistische Ausprägung. Rises fühlt sich einfach nicht mehr so organisch und natürlich an, figürlich, erzählerisch und inszenatorisch ist das eher eine matte Kompromisslösung, um aus dem Ganzen eine Trilogie zu machen.

9. Dunkirk
Weltkriegscollage in Türkis - Aus der Erinnerung betrachtet hätte der Stoff eher Potential gehabt für einen Kurzfilm oder ein Videoexperiment. Viel hängengeblieben ist bei mir nicht. Das Zeitverschachtelungs-Konzept fühlte sich nicht wirklich befriedigend an, Charaktere in dem Sinn gibt es eigentlich keine.

8. Tenet
Nolan goes Bond, und das teilweise gar nicht schlecht, und hat mit Washington, Johnson, Debicki, Branagh und vor allem Pattinson das beste und interessanteste Schauspiel-Ensemble seiner jüngeren Filme und am meisten daraus gemacht. Viel Potential, aber in seiner Nolan-typisch unterkühlten Art nie so ganz mein Ding in der Umsetzung und für meinen Geschmack mit seiner ebenfalls Nolan-typischen Raumzeit-Paradaxons-Idee zu gewollt auf "Mindfuck" getrimmt.

7. Inception
Verdammt schwierig einzuordnen aktuell. Aber auch hier steht eine etwas gesucht clevere Sci-Fi-Idee im Mittelpunkt, die aber immer wieder zu Tode erklärt werden muss damit sie als dramaturgischer Aufhänger halbwegs funktioniert, und sich dabei nie so recht auszahlen will. Letzten Endes vor allem auf einer viel einfacheren Ebene als actiongepackter Heistfilm zu geniessen, aber die Charaktere sind wieder die reinsten Schachfiguren für Nolans eine, fixe Idee.

6. Interstellar
Hat mich damals in seiner Struktur frappierend an 2001 erinnert, natürlich ohne dessen alles überragende Klasse jemals zu erreichen. Aber es liegt Nolan einfach, volle Kanne Science-Fiction zu gehen, da kommt ihm das Setting verglichen mit Tenet oder Inception auch dramaturgisch entgegen und dank McConaughey ist auch die Figurenseite nicht ganz so emotionslos und roboterhaft.

5. Following
Wie lange ist denn bitte der her? In der Erinnerung ein gelungenes, cleveres Debüt. Klar fehlen ihm die Schauwerte, die überlange Laufzeit und die Superstars einiger späterer Filme, aber da Nolan für mich sowieso kein besonderer Action- oder Schauwerte-Regisseur ist, funktioniert das trotzdem oder umso mehr wunderbar. Meine ich mich zu erinnern.

4. The Prestige
Cooles historisches Setting und gerade Nolans Sci-Fi-/Twist-Idee funktioniert hier sehr gut, weil sie auch etwas nebulös bleiben darf und nicht der halbe Film auf das Etablieren und Erklären von Handlungsregeln hin investiert werden muss. Gefiel mir immer gut.

3. Batman Begins
Nolan findet die exakte Schnittmenge zwischen handfester Interpretation des Fledermaus-Mythos' und gelungener Comic-Verbeugung. Hier entwickelt er einen konsequenten Stil und eine Handlungswelt, wie sie Rises irgendwie fehlt. Wie man an meinem Ranking sehen kann halte ich Nolans frühere Filme insgesamt für besser, da sie, blöde Wortwahl, ich weiss, auch filmischer und lebendiger wirken als die späteren, und da ist Batman keine Ausnahme. Und Cillian Murphy als Jonathan Crane ist immer ein Gewinn. Ein grosser Gewinn.

2. Dark Knight
Geht witzigerweise einen ganz eigenen Weg, weiter weg von einer "wirklichen" Batman-Verfilmung, hin zu einem in allen Aspekten (vor allem aber die handlungsinnere Welt und Logik) sehr modernen und realen Terrorismus-Thriller, der eher zufällig durch Konzepte und Figuren des Fledermaus-Mythos' katalysiert wird, diese gleichzeitig aber verblüffenderweise herrlich erfüllt. Der Joker ist dabei das beste Beispiel, denn es ist eine sehr gezielte und eigenständige Interpretation der Figur, die den Kern aber besser trifft als alles was vor- oder nachher kam.

1. Memento
Nolans Meisterstück. Dialoglastig, aber auch immer in Bewegung, filmisch und organisch. Clever und eigenwillig, aber vielmehr durch seine Erzähltechnik und deren Verbindung zur Geschichte. Verblüffend logisch und sinnig in seiner Auflösung, und doch mit einer Doppelbödigkeit, einem Geheimnis. Mich hat Memento vor einigen Monaten immer noch gepackt und faszinierend. Mehr als jeder andere Film von Nolan, aber sowas von.
We'll always have Marburg

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1434
Invincible1958 hat geschrieben:
5. September 2020 20:09
Casino Hille hat geschrieben:
5. September 2020 19:59
Wie er sagt: Viele haben verlernt, wie man sich einem Film (oder einem Buch oder einem Musikalbum oder einem Theaterstück) richtig nähert.
Gibt es denn da ein "richtig"?
Nein, aber es gibt ein eindeutiges falsch. Die Kritikpunkte "Logiklöcher" und "fehlende emotionale Bindung" sagen in diesem Fall mehr über den, der sie äußert, als über "Tenet". Deshalb können sie für das Individuum trotzdem gültig sein. Aber dann hat man sich an dieser Stelle nur mit sich selber auseinander gesetzt - nicht mit Nolan's Film. Den meisten wird das aber sicherlich reichen. Wie Herr Schmitt im Video auf der Vorseite argumentiert: Es ist dann allerdings nichts anderes als auf ein Gemälde von Picasso zu schauen und zu sagen, dass das für einen jetzt nicht viel mit Gesichtern zu tun hat.
Spoiler
Show
dernamenlose hat geschrieben:
1. September 2020 11:58
Casino Hille hat geschrieben:
1. September 2020 10:18
Hehe, dann braucht er ja gar keine Bombe. Wie gesagt, ich habe das zugegebenermaßen beim ersten Mal auch falsch verstanden und dachte, der Totmannschalter würde die Bombe aktivieren. Das ist aber Quatsch, denn dann hätte die Bombe keinen Timer, der runterzählt, und den hat sie offensichtlich. Und wenn Nolan gewollt hätte, dass man den Algorithmus direkt in der Vergangenheit "aktivieren" kann, hätte er ihn nicht Algorithmus nennen brauchen. Dann hätte er uns auch erzählen können: Fräulein Oppenheimer hat in der Vergangenheit eine Maschine gebaut, mit der sich die Zeit invertieren lässt, hat diese in neun Teile zerlegt und per Inversion zurückgeschickt. Er nennt das Teil aber Algorithmus und das ergibt auch Sinn – allerdings nur, wenn es wirklich nicht mehr als eine wissenschaftliche Formel ist. Kats Satz mag unglücklich formuliert sein ("Sein Totmannschalter aktiviert den Algorithmus"), aber tatsächlich erklärt der Film genau das, was ich gesagt habe: Der Totmannschalter sendet die Koordinaten der Explosion, die Explosion geschieht unabhängig vom Totmannschalter und der Algorithmus soll einfach vergraben werden. Ansonsten könnte sich Sator das alles ja komplett sparen. Wenn er per Totmannschalter den Algorithmus aktivieren kann, braucht er überhaupt keine Explosion (er muss den Algorithmus nur irgendwo sehr gut aufbewahren), wenn er per Totmannschalter die Bombe aktivieren kann, braucht die Bombe keinen Timer (wäre der Sache sogar eher hinderlich). Und da Kat ihn schließlich erschießt, und es keine Auswirkung auf Bombe oder Algorithmus hat, könnte es eh nur so sein, selbst wenn der Film es nicht erklären würde.
Wie gesagt, deine Erklärung ist an sich schon schlüssig, aber es wird im Film nicht klar ausgesprochen, weshalb ich weder der erste, noch der letzte bin, der sich darüber wundert. Hier hätte Tenet zwei, drei Sätze mehr benötigen können. Denn im Film wird zwar etwas von einer E-Mail gesagt die versandt wird, aber damit hat es sich dann auch. An wen die gehen soll und was die enthält, das sagt der Film nicht.
Tja, da ich den Film gerade ein drittes Mal genossen habe: Doch. Das sagt der Film. Pattinson sagt, bei dem Fitnesstracker handelt es sich um einen Totmannschalter. Als Kat nachfragt, sagt er (fast wortwörtlich): "Wenn er stirbt, sendet der Schalter ein Signal, worauf eine E-Mail verschickt wird, die die Koordination des Algorithmus enthält. So übermittelt er ihnen die Daten." Daraufhin sagt der Protagonist: "Der Totmannschalter aktiviert den Algorithmus." Pattinson ergänzt: "Wenn wir den Algorithmus also nicht aus der Kapsel nehmen, bevor die Bombe hochgeht und Sator sich umbringt, nimmt er uns alle mit in den Tod."

Nolan erklärt das alles sehr genau (und man muss dennoch mitdenken, da er einem nicht jeden Schritt der Erklärung vorkaut), und das trotz des hohen Erzähltempos. Ein meisterhaftes Script.
Übrigens:
Spoiler
Show
Es ist irre, wie viele Hinweise Nolan dafür streut, dass es sich bei Neil um Max handelt. Daniel hat sich bezüglich des roten Bandes zwar geirrt, aber es gibt so viele subtile Andeutungen, dass man es nicht mehr als Fantheorie bezeichnen kann. Herrlich auch, wie Nolan selbst in Interviews immer dezent auf diese Idee hinweist. Stark!
Prejudice always obscures the truth.

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1436
Casino Hille hat geschrieben:
7. September 2020 00:54
Die Kritikpunkte "Logiklöcher" und "fehlende emotionale Bindung" sagen in diesem Fall mehr über den, der sie äußert, als über "Tenet".
Das trifft ja im Prinzip auf alle Kritikpunkte bei allen Filmen zu. Denn eine Kritik spiegelt ja eben die persönliche Sichtweise und die eigenen Vorlieben wider.

Ich halte daher, obwohl ich diese beiden Punkte persönlich nicht als das größte Problem von TENET sehe, auch das für eine legitime Kritik und würde das nicht von vornherein als "falsch" einstufen.
Böser schwarzer Mann

#SanMonique2020

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Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1437
Samedi hat geschrieben:
7. September 2020 13:58
Das trifft ja im Prinzip auf alle Kritikpunkte bei allen Filmen zu.
Nein, tut es nicht. Kritik kann subjektiv und individuell und trotzdem der Versuch einer Annäherung an das Kunstwerk sein. Was bei diesen Kritikpunkten in diesem Fall nicht gegeben ist. Das Video auf Seite 95 von Herrn Schmitt (verlinkt von HCN) erklärt das sehr schön und wenn ich mehr Zeit habe, führe ich das auch gerne noch weiter aus.
Prejudice always obscures the truth.

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1438
Casino Hille hat geschrieben:
7. September 2020 14:09
Kritik kann subjektiv und individuell und trotzdem der Versuch einer Annäherung an das Kunstwerk sein. Was bei diesen Kritikpunkten in diesem Fall nicht gegeben ist. Das Video auf Seite 95 von Herrn Schmitt (verlinkt von HCN) erklärt das sehr schön und wenn ich mehr Zeit habe, führe ich das auch gerne noch weiter aus.
Käm mir auch sehr gelegen, wenn du das noch weiter ausführst, denn unter einer "Annäherung an das Kunstwerk" kann ich mir hier tatsächlich nichts vorstellen. Zumal eine Kritik ja automatisch schon eine Auseinandersetzung mit einem Kunstwerk ist und daher schon mehr als nur eine "Annäherung".
Böser schwarzer Mann

#SanMonique2020

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Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1439
Ich finde "fehlende emotionale Bindung" ist schon ein sehr valider Kritikpunkt - unter der Annahme, dass der Film das überhaupt erzielen wollte. Aber selbst wenn er es nicht erzielen wollte, ist es völlig legitim es zu kritisieren, wenn der Zuschauer das Gefühl hatte, das etwas fehlt um richtig mitzufiebern.

"fehlnde Logik" hingegen - nun ja. Nicht alles muss in einem Film und vor allem in einer Sci-Fi Utopie Logik sein
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1440
Casino Hille hat geschrieben:
7. September 2020 14:09
Samedi hat geschrieben:
7. September 2020 13:58
Das trifft ja im Prinzip auf alle Kritikpunkte bei allen Filmen zu.
Nein, tut es nicht. Kritik kann subjektiv und individuell und trotzdem der Versuch einer Annäherung an das Kunstwerk sein. Was bei diesen Kritikpunkten in diesem Fall nicht gegeben ist. Das Video auf Seite 95 von Herrn Schmitt (verlinkt von HCN) erklärt das sehr schön und wenn ich mehr Zeit habe, führe ich das auch gerne noch weiter aus.
Natürlich kann man sich intensiver mit dem Kunstwerk beschäftigen, und es dadurch mehr wertschätzen.

Aber das ändert ja nichts daran wie der Erstkontakt empfunden wird.
Denn wenn ich ganz unvoreingeommen ins Kino gehe und den Film nur auf mich wirken lasse, und dann aber kaum was "fühle" - dann ist das erstmal ein subjektiver Fakt.