Welcher Film von Christopher Nolan ist der Beste?

- Following (1998) (Keine Stimmen)
- Memento (2000)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 3 (10%)
- Insomnia (2002)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (3%)
- Batman Begins (2005)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 2 (7%)
- Prestige (2006)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 3 (10%)
- The Dark Knight (2008)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 10 (33%)
- Inception (2010)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 6 (20%)
- The Dark Knight Rises (2012)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 3 (10%)
- Interstellar (2014)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 2 (7%)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 30

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1006
Das war eine absichtliche kleine Provokation, Maibaum. Auch wenn ich zugegeben tatsächlich überhaupt nicht verstehe, was das Verrücken der Zeit in Dunkirk für einen Mehrwert haben soll. Gemeint ist damit nicht ausschließlich ein narrativer Zweck, sondern ein für mich irgendwie spürbarer Effekt, der über "Gepose" (et voila: Provaktion Nr. 2) hinausgeht.
Prejudice always obscures the truth.

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1007
Hmm, egal ob man das mag oder nicht, Dunkirk wäre ein vollkommen anderer Film, wenn das mit den Zeitebenen nicht so wäre. Dann hätte er es entweder chronologisch erzählen müssen, was aber de Film massiv in seiner Wirkung verändert hätte. Wobei dann natürlcihauch wieder diskutiert werden kann ob das den Film besser oder schlechter gemacht hätte.
Oder Nolan hätte was Anderes bzw sich auf einen Aspekt konzentrieren erzählen müssen, oder den Film ganz anders aufziehen.

Aber das gilt ja für jeden anderen Film auch. Wie wären z.B. Memento oder Pulp Fiction oder die beiden Westworld Staffeln wenn man banal normal nur chronologisch erzählt hätte?

Das man so was nur als Gepose einstuft (auch sehr daniellistisch) ist ein für mich etwas fremder Gedanke.
Sich darüber zu unterhalten ob das für einen persönlich funktioniert oder nicht, das ist natürlich was Anderes.

Es ist auf jeden Fall ein origineller Einfall, etwas das nicht jeder macht (und für so was stehen die Nolan Bros ja), und es war etwas daß auch weitgehend funktioniert hat, also nicht nur für mich, sondern auch im Sinne von der Film hat damit ein Publikum gefunden (war kein Flop), und hat damit auch genügend positive Kritiken bekommen (neben den üblichen Negativen). Und hat es auf jeden Fall vermocht einen Teil seines Publikums damit zu begeistern. Und das immerhin ohne viel kommerzielle Zugeständnisse zu machen. Das Ende sehe ich in der Hinsicht ja auch anders und weitaus positiver als du.

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1008
Kann man alles sehen wie man möchte und wie geschrieben meine ich die Begriffe auch nur so halb ernst. Aber ich sehe das doch eher wie TB65, dass diese chronologische Verrückung in Dunkirk durch nichts motiviert ist, außer dadurch, dass Nolan eben Regie führt, während sich mir bei Prestige, Inception oder Westworld oder eben Pulp Fiction direkt erschließt, warum das so sein muss. Bei Dunkirk scheint es mir aber zu sehr Selbstzitat zu sein (so musst du es nicht sehen, das ist eben Empfindungssache), und der große Aha Moment blieb bei zwei Sichtungen leider aus. Das ist so ein bisschen wie mit bspw. manchen Dialogen in Django Unchained, die zu sehr Tarantino-haft sind um der Tarantino-haftigkeit willen (sprich: Das ganze ergibt sich (für mich) nicht mehr aus sich selbst). Während ich also bei Prestige sagen würde, dass erst die verschobene Chronologie dem Film den entscheidenden Kick gibt, spüre ich da in Dünkirchen nur Ratlosigkeit.
Prejudice always obscures the truth.

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1009
Wie ich zu "Dunkirk" und auch Nolan stehe, brauche ich hier ja niemanden mehr zu erzählen. Und die Verknüpfung der 3 Zeitebenen und der 4 unterschiedlichen Handlungsperspektiven (Der Soldatentrupp, die Mole, im Boot und in der Luft) ist die perfekte Art, wie Nolan den Film konzeptioniert und dramaturgisch aufgebaut hat. Mit einer chronologischen Erzählweise hätte es glaube ich soweit weniger gut funktioniert. Aber das ist mein subjektiver Eindruck. Während mir die Konzeption und der dramaturgische Aufbau einen der spannendsten und nervenaufreibendsten Kinobesuche beschert hat, lässt das den ein oder anderen unbeeindruckt gelangweilt kalt. Meine sehr ambivalente und ausdifferenzierte Meinung lässt auch diese Stimmen zu. Das ist doch ganz normal ! Das zeigt, dass der Film auch noch einige Zeit später viel Raum für Diskussion und unterschiedliche Meinungen bietet.
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "
Spoiler
Show
Filmzähler Sammlung iHaveCNit/HCN007:
Stand: 22.12.2018

Spezielle Interessen: 42 DVDS (Musik, Wrestling, sonstiges)
Serienboxen (8 BD / 69 DVD)
DVD: 782 Filme
BD: 498 Filme
Gesamt-Filme: 1280 Filme

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1010
„Dunkirk" wird ja vielerorts als Meisterwerk und Nolans bis dato ungewöhnlichster weil untypischster Film gefeiert. Zutreffend ist keine der beiden Behauptungen, am wenigsten letztere. Nolans größte Stärke liegt in seiner wuchtigen Überwältigungsoptik. Wie kein zweiter zeitgenössischer Filmemacher schafft er kraftvolle Bildkompositionen, die sich beim Zuschauer förmlich einbrennen. Während das moderne Blockbusterkino auf pausenlose Schnitte, eine enervierend hibbelige Kamera und völlig überladene CGI-Effekte setzt, erinnern Nolans Filme mit ihren elegischen 70mmm-Panoramen und betont ruhigen Kamerafahrten an Cinemascope und Breitwand-Epen der 50er und 60er Jahre. Dieser bewusst altmodische Ansatz ist zum Nolanschen Markenzeichen geworden, das er spätesten mit seinen beiden Batman-Sequels („The Dark Knight" und „The Dark Knight Rises") perfektioniert hat.
Diese Bilder präsentiert Nolan mit Vorliebe und dunklen, gedeckten Farbtönen, die den ernsten, kühlen Ton seiner Filme visuell verstärken bzw. komplettieren. Dazu passt es gut, dass er sich mit Gefühlen, vor allem romantischen, äußerst schwer tut, oder sich erst gar nicht dafür interessiert. Versucht er es dann doch einmal wie in „Inception" oder „Interstellar", gleitet er entweder in Oberflächlichkeiten oder Kitsch ab, in jedem Falle bleibt einem der emotionale Zugang verwehrt. Nolan nähert sich damit mehr und mehr seinem Vorbild Stanley Kubrick an, der trotz aller inszenatorischer Meisterschaft und Intelligenz ebenfalls nie ein Gespür für Gefühle besaß.
Schließlich haftet seinen Filmen stets etwas Akademisches und Analytisches an. Seine Charaktere gleichen dabei Schachfiguren, die für die jeweiligen Erkenntnisse, Thesen und Ansichten in Stellung gebracht werden. Das lässt sie mitunter abstrakt und chiffrenhaft wirken, was im Wirkungsfeld eines Spielfilms zumindest gewagt ist. Nolans Faszination für Wissenschaft und Mathematik tritt damit noch stärker hervor und wird vor allem in seiner „Raum-Zeit-Trilogie" („Prestige", „Inception" und „Interstellar") zum bestimmenden Faktor.

So gesehen ist „Dunkirk" reinster Nolan, mehr noch, er treibt all seine Manierismen und bevorzugten filmischen Stilmittel auf die Spitze, so dass man zum allerersten Mal einen völlig unverstellten Blick auf das Wesen der Nolanschen Formel bekommt. Die Bilder der von der Wehrmacht eingekesselten englisch-französischen Truppen gleichen elegischen Gemälden. Hier gibt es keine Hektik, keine Unübersichtlichkeit, keine Orientierungslosigkeit. All dies spielt sich in den Köpfen der Soldaten ab, in ihren angsterfüllten, traumatisierten und resignierten Blicken. Das äußere Kriegsgeschehen wird dagegen betont sachlich, nüchtern und gänzlich unaufgeregt präsentiert. Selbst die Luftkämpfe zwischen einer Handvoll britischer und deutscher Flugzeuge sind fast aufreizend übersichtlich und langatmig inszeniert.
All dies taucht Nolan in eine monochrome Farbpalette mit der klaren Dominanz eines enorm kalt wirkenden Türkis. Nähe, oder gar Realismus erzeugt er so nicht, was bei seiner abstrakten Herangehensweise vordergründig sinnig erscheint, im Endeffekt aber die Schwächen des Films nur noch verstärkt. Denn wo keine emotionalen Anküpfungspunkte, wo keine Empathieangebote, da auch keine nachhaltige Wirkung. Nolan will den Krieg zeigen wie er wirklich ist, wie er sich auf die Psyche des Menschen auswirkt und vergisst dabei das Menschliche. Er scheint weit mehr an seinem vermeintlich genialen Konzept dreier Zeitebenen interessiert, als am Schicksal seiner Figuren. Vermeintlich, weil der anfangs spannende Aspekt nicht nur schnell verpufft, sondern am Ende keinerlei Relevanz besitzt. Vermeintlich auch, weil Nolan diesen Kniff gleich zu Beginn via Einblendungen („Am Strand - eine Woche, auf See - ein Tag, in der Luft - eine Stunde") „verrät" und vermeintlich, weil man es ohne diese Ankündigung wohl nicht einmal bemerkt hätte. Die drei Protagonisten (Fion Whitehead und Harry Styles als einfache Soldaten am Strand, Mark Rylance als ziviler Skipper auf nationaler Rettungsmission und Tom Hardy als Pilot der Royal Air Force) stehen symbolisch für die jeweiligen Zeitabschnitte, persönlich erfährt man über sie so gut wie nichts. Darüber hinaus verzichtet Nolan über weite Strecken gänzlich auf jedweden Dialog, was die Figuren noch abstrakter und symbolhafter wirken lässt.
http://www.vodkasreviews.de

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Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1011
Casino Hille hat geschrieben:
19. Januar 2019 14:40
Kann man alles sehen wie man möchte und wie geschrieben meine ich die Begriffe auch nur so halb ernst. Aber ich sehe das doch eher wie TB65, dass diese chronologische Verrückung in Dunkirk durch nichts motiviert ist, außer dadurch, dass Nolan eben Regie führt, während sich mir bei Prestige, Inception oder Westworld oder eben Pulp Fiction direkt erschließt, warum das so sein muss. Bei Dunkirk scheint es mir aber zu sehr Selbstzitat zu sein
Wie kann etwas ein Selbszitat sein was jemand das erste Mal macht? Und was überhaupt vorher nur selten, wenn überhaupt mal gemacht worden ist.

Aber wenn das nur ein überflüssiges Gimmick ist, wie müsste der Film denn dann sein wenn er das nicht gemacht hätte?

Diese Sorte Kriegsfilme, die ein bekanntes historisches Sujet aus der Sicht vieler verschiedener Parteien erzählen, die gibt es ja immer wieder mal, aber wenn ich jetzt mal Dunkirk mit so konventionellen und relativ mittelmäßigen Filmen wie Der längste Tag oder A Bridge too Far vergleiche, dann ist er diesen konzeptuell, inszenatorisch, intellektuell und sogar in der differenzierten Zeichnung der meisten Charaktere weit überlegen. Lediglich gut photographiert sind sie alle 3.
Und da ist es gerade auch die Zeitstruktur die Nolan hilft, nicht so banal episodenhaft zu erzählen, sondern einen erzählerisch geschlossenen Film zu kreieren.

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1012
Ich stimme Maibaum in vielem zu, aber nicht im Fazit. Gimmick ist mir ebenfalls zu hart, das wird Nolans ernsthaftem und intelligenten Ansatz nicht gerecht. Aber er macht eben leider nichts wirkunsgvolles draus, was nicht nur an seiner (leider) gewohnt unterkühlten Inszenierung liegt. Originell ist die konzeptionelle Idee absolut, nicht aber die Umsetzung bzw. Ausführung. Die Kritik muss sich Nolan dann schon gefallen lassen, gerade weil man an ihn geiwisse Ansprüche stellt.
http://www.vodkasreviews.de

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Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1013
Maibaum hat geschrieben:
19. Januar 2019 17:07
aber wenn ich jetzt mal Dunkirk mit so konventionellen und relativ mittelmäßigen Filmen wie Der längste Tag oder A Bridge too Far vergleiche, dann ist er diesen konzeptuell, inszenatorisch, intellektuell und sogar in der differenzierten Zeichnung der meisten Charaktere weit überlegen. Lediglich gut photographiert sind sie alle 3.
In Bezug auf die Charakterzeichnung halte ich das zumindest im Vergleich mit Attenboroughs figürlich wie ich finde sehr vielschichtigem Epos für eine ungewöhnliche Einschätzung. Ist Dunkirk konzeptionell oder intellektuell der einen Brücke zu viel überlegen? Vielleicht in Papierform, vieles von den Ansätzen verpufft aber wie ich finde im Film. Wobei, intellektuell sehe ich Attenboroughs Film auch als deutlich stimulierender, weil dem Zuschauer erst nach 3 Stunden wirklich klar ist, worauf der Film in letzter Konsequenz eigentlich hinaus will. Das was du Dunkirk alles zuschreibst kann ich allerhöchstens in Ansätzen erkennen, Arnheim dagegen ist in vielen Dingen in meinen Augen der perfekte Kriegsfilm.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1014
vodkamartini hat geschrieben:
19. Januar 2019 18:34
Ich stimme Maibaum in vielem zu, aber nicht im Fazit. Gimmick ist mir ebenfalls zu hart, das wird Nolans ernsthaftem und intelligenten Ansatz nicht gerecht. Aber er macht eben leider nichts wirkunsgvolles draus, was nicht nur an seiner (leider) gewohnt unterkühlten Inszenierung liegt. Originell ist die konzeptionelle Idee absolut, nicht aber die Umsetzung bzw. Ausführung. Die Kritik muss sich Nolan dann schon gefallen lassen, gerade weil man an ihn geiwisse Ansprüche stellt.
Von mir her betrachtet muß er sich das nicht gefallen lassen, denn das funktioniert bei mir alles bestens.

Ich finde das z.b. auch gar nicht so unterkühlt. Sondern finde daß ihm hier sogar recht interessante Charaktere gelingen, auf jedem Fall auf dem Boot. Und das im Rahmen eines Konzeptes, daß durchaus auf eine gewisse Distanz setzt, aber doch weitaus näher dran als z.B. Kubrick in Full Metal Jacket.

Ich finde auch gerade die Actioninszenierung sehr gelungen (und da hat Nolan früher auch schon mal ganz schön was versiebt), und auch da besonders in den Flugszenen, die mit einer interessanten Gleichmäßigkeit inszeniert sind, und dabei einen faszinierenden Sog entwickeln.

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1015
Wenn ich das richtig verstehe, Maibaum, entsteht für dich das Gut des Films also durch die verschachtelten Erzählebenen. Ich stimme dir zu, dass es andernfalls ein ganz anderer Film geworden wäre.
Wie findest du es in dem Kontext, dass die 3 Orte (Land Luft Wasser) und die vergehende Zeit durch simple Texteinblendungen festgesetzt werden? Auf mich wirkte das sehr platt und hatte sicherlich auch Einfluss auf meine Wahrnehmung dieser Verschachtelung im Folgenden.

Bei den Charakteren bin ich anderer Meinung, sie wirkten eher so, als habe man jegliche Charakterzeichnung vor Drehbeginn aus dem Skript entfernt. Dadurch werden sie unspezifischer, aber in der Mini-Kammerspielszene im Boot wird das schon zu einem klaren Problem und zeigt auch die Vorteile auf, Figuren in Filmen zu charakterisieren, bevor man sie in verschiedene Situationen setzt.
It's the BIGGEST... It's the BEST
It's BOND

AND BEYOND

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1016
Thunderball1965 hat geschrieben:
20. Januar 2019 11:40
Wie findest du es in dem Kontext, dass die 3 Orte (Land Luft Wasser) und die vergehende Zeit durch simple Texteinblendungen festgesetzt werden? Auf mich wirkte das sehr platt und hatte sicherlich auch Einfluss auf meine Wahrnehmung dieser Verschachtelung im Folgenden
Das finde ich sehr interessant, da ich absolut zustimmen kann. Habe gerade mit großem Interesse die Unterhaltung über die Zeitebenen nachgelesen und kann aus meiner Warte Hille absolut zustimmen, auch wenn ich die Argumente der anderen ebenfalls sehr. Natürlich wäre Dunkirk ein anderer Film geworden, hätte Nolan chronologisch erzählt. Trotzdem hinterlassen diese Zeit- und Raumebenen und vor allem deren Einblendungen (ohne die ich, wie Vodka schon so schön sagte, das Konzept nicht einmal bemerkt hätte) eben doch wirklich wie eine Nolan-Spielerei
um der Spielerei willen. Damit meine ich gar nicht mal, dass der Film Schauplätze und Zeiträume wechselt, sondern, wie er es tut. Mir ist bis heute nicht ganz klar, welche Ereignisse im Film eigentlich doppelt gezeigt werden (ist zB Cillian Murphy auf dem Rettungsboot, nachdem das eine Schiff gesunken ist?) Auch scheint mir an der Mole keinesfalls eine Woche zu vergehen. Will sagen: Das ganze hat zwar seinen Sinn, das erkenne ich ja an, wie es aber umgesetzt wurde, vermag mich nich zufrieden zu stellen. Auf mich wirkt der ganze Film trotz der paar Nachtszenen an der Mole, als würde er einen relativ kurzen (geschlossenen!) Zeitraum abdecken.
"Hiermit kündige ich meine Mitgliedschaft!" - "Wir sind kein Countryclub, 007!"

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1019
Nico hat geschrieben:
25. Januar 2019 20:07
as finde ich sehr interessant, da ich absolut zustimmen kann. Habe gerade mit großem Interesse die Unterhaltung über die Zeitebenen nachgelesen und kann aus meiner Warte Hille absolut zustimmen, auch wenn ich die Argumente der anderen ebenfalls sehr. Natürlich wäre Dunkirk ein anderer Film geworden, hätte Nolan chronologisch erzählt. Trotzdem hinterlassen diese Zeit- und Raumebenen und vor allem deren Einblendungen (ohne die ich, wie Vodka schon so schön sagte, das Konzept nicht einmal bemerkt hätte) eben doch wirklich wie eine Nolan-Spielerei
um der Spielerei willen.
Es ist weitaus mehr als eine Spielerei um der Spielerei willen. Und du erklärst bis zu einem gewissen Grad sogar selbst wieso: Es sorgt für Orientierungslosigkeit. Es muss dem Zuschauer gar nicht klar werden, welche Szenen doppelt gezeigt werden (auch wenn ich das bei der zweiten Sichtung recht eindeutig fand). Es geht nicht um den Aha Effekt, sondern um eine große zeitliche Orientierungslosigkeit. Das ist ein weiteres Mittel das Nolan nutzt um den Zuschauer den Krieg erleben zu lassen. Wie die Soldaten an der Mole bekommt der Zuschauer keine lineare Zeitlinie, auf der er sich entlang hangeln kann, sondern wird von einem Handlungsstrang in den nächsten geworfen, ohne, dass er weiß, wo er sich gerade zeitlich gesehen befindet. Die erste FLugzeugszene ist so hinter die Moleszenen geschnitten, dass sie dirkt danach spielen könnte. In Wirklichkeit spielt sie erst eine Woche später. Das ist aber im Grunde genommen egal, für die Soldaten macht das keinen Unterschied, für sie fühlt es sich immer gleich an. Und für den Zuschauer eben auch.

Es wäre sicher konsequenter gewesen auch die Einblendung zu den drei Zeitebenen wegzulassen, dann wären jedoch sehr viele Zuschauer sehr verwirrt gewesen, wenn sie gewisse Szenen plötzlich ein zweites Mal gesehen hätten.
"You only need to hang mean bastards, but mean bastards you need to hang."