Welcher Film von Christopher Nolan ist der Beste?

- Following (1998) (Keine Stimmen)
- Memento (2000)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 3 (13%)
- Insomnia (2002)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (4%)
- Batman Begins (2005)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (4%)
- Prestige (2006)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 2 (9%)
- The Dark Knight (2008)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 9 (39%)
- Inception (2010)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 2 (9%)
- The Dark Knight Rises (2012) (Keine Stimmen)
- Interstellar (2014)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (4%)
- Dunkirk (2017)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 2 (9%)
- Tenet (2020)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 2 (9%)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 23

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1516
DonRedhorse hat geschrieben:
22. Februar 2016 15:12
- Following (1998) -/10
- Memento (2000) 10/10
- Insomnia (2002) 7/10
- Prestige (2006) 9/10
- Inception (2010) 9/10
- Interstellar (2014) 10/10
- Dark Knight Trilogie (2005, 2008, 2012) 10/10

Interstellar liegt noch ungesehen auf der Festplatte.
Nach fünf Jahren habe ich es nun auch endlich geschafft, Interstellar zu schauen. Mich hat der Film gefesselt und emotional eingefangen. Der Film behandelt die zwei elementaren Dinge des Lebens, nämlich Liebe und Tod (bzw. das Altern, die Vergänglichkeit) auf vorzügliche Weise. McConaughey spielt toll, aber auch der restliche Cast. Klasse Film. 10/10
#Marburg2021

Though this be madness, yet there is method in’t
William Shakespeare, Hamlet

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1517
Sooooo, besser etwas später als nie, nicht wahr? Ich habe Tenet im Wiener Gartenbaukino auf 70mm Filmrolle und in OV gesehen...
Und bin absolut überwältigt!
Zwar hatte auch ich große Schwierigkeiten, den Dialogen aufgrund des sehr merkwürdigen Masters zu folgen, aber hey, sch**ß drauf, ich kam plottechnisch trotzdem mit und wurde selten Zeuge eines derart spektakulären, originellen, manchmal bizzarren oder irritierenden visuellen und akustischen Rausches! Dafür gehe ich ins KINO.
Nolan zieht gekonnt alle Register seines Fachs und hat sich auch dieses Mal mit den fähigsten Filmschaffenden umgeben, um die Messlatte dessen, was technisch machbar ist, nach oben zu verschieben. Allen voran der Einsatz praktischer Effekte und realer Stunts kam mir dieses Mal sehr viel präsenter und offensichtlicher vor, eine sehr angenehme Überraschung.
Besonders gut gefallen hat mir Göranssons retrofuturistischer industrial Soundtrack/Klangteppich, der mich stellenweise sehr an Gesaffelstein erinnert hat, für alldiejenigen, die das Werk des französischen Technoproduzenten kennen. Selten hat mich Filmmusik derart an die Kante meines Kinositzes getrieben, selten haben sich in meinem Kopf Bild und Ton derart synästhetisch verhalten.
Das außergewöhnliche und kulturell vielfältige SchauspielerInnen-Ensemble ergänzt sich hervorragend, allen voran Kenneth Branagh ist mir im Wechselspiel zwischen bedrohlicher Ruhe und völlig ungebändigter Impulsivität in Erinnerung geblieben. Natürlich werden sich einige bei Washington an die zahlreichen Debatten um einen dunkelhäutigen Bond erinnert haben, er leistet als Protagonist fantastische Arbeit, wie ich finde. Auch Pattinson und Debicki haben mich voll und ganz überzeugt, um mich jetzt auf den Maincast zu begrenzen.
Sehr angenehm fand ich dieses Mal das starke Reduzieren üblicher Nolan'scher Sentimentalitäten und Melodramen, da hat er in seinem Schaffen meiner Ansicht nach einen sehr großen Schritt nach vorne gemacht.
Es ist natürlich eine Frage des persönlichen Geschmacks, aber ich für meinen Teil brauche keine durchpsychologisierten Charaktere um einer Filmhandlung folgen zu können und zu immersieren. Ich halte das für eine Nebenwirkung des seriellen Formats, das zwar völlig ungebremst Küchentisch-Psychoanalyse betreibt, dabei jedoch oft vergisst einen Handlungsbogen effizient zu spannen.
Ich sehe in Tenet, Nolans ersten Konzeptfilm, der die formalen Aspekte des Konzeptes in den Vordergrund stellt - dort liegt meines Erachtens auch Nolans Talent, anstatt sich zu sehr auf die inneren Konflikte seiner Figuren zu fokussieren, denn dort liegt meiner Ansicht nach wiederum seine größte Schwäche.

Das ist, was mir zu Tenet aus dem Stehgreif so einfällt. Ich muss ihn nochmal in Ruhe und mit Untertiteln oder auf Deutsch sehen. Vielleicht schreibe ich dann, wenn mir danach ist, eine detailliertere Kritik.

Für mich einer seiner besten bis jetzt, auf rein visueller und akustischer Ebene auf jeden Fall.

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1518
Vor einer Woche, am letzten Tag vor dem Lockdown war ich ein viertes Mal in Tenet und muss mich in diesem Zusammenhang selbst korrigieren (Achtung: Es werden Spoiler folgen):

Nach meiner letzten Sichtung habe ich einen Kontinuitätsfehler beschrieben, als Neil, Kat und der Protagonist von Talinn zurück zum Flugzeugcrash in Oslao reisen. Ich meinte, dass man dort das Flugzeug in intaktem Zustand sehen würde, die drei also den Zeitpunkt verpasst hätten. Das ist nicht der Fall. Dieser Eindruck entsteht nur, weil zu diesem Zeitpunkt bereits das Feuer gelöscht wurde und man nur für ca. eine Sekunde den vordern Teil des Flugzeugs samt Gebäude sieht und den intakten hinteren Teil länger. Hier ist alles richtig.
Und Hille hat auch vollkommen recht mit der Art und Weise, wie er die eigentliche Gefahr im Finale beschreibt. Der Film erklärt das tatsächlich so, allerdings zweigeteilt. Die eigentliche Erklärung findet (noch nicht bezogen auf den Ort des Finales) bereits in Tallinn statt, beim Gespräch mit Kat auf dem Schiff kurz vor dem Finale ist die Erklärung dann extrem verkürzt, sodass sie nur dann verständlich ist, wenn man zuvor schon gut aufgepasst und sich diesen Teil auch gemerkt hat. Aber es ist tatsächlich alles da.
Was den "Briefkasten" für den gesamten Algorithmus angeht, haben wir aber etwas zu viel reininterpretiert. Es gibt gar keinen Tiefen Schacht, in dem der Algorithmus versenkt wird. Der Boden der Höhle, in der der invertierte Neil stirbt ist bereits das Lager. Die Explosion soll nur den Hohlraum zu Einsturz bringen. Letzten Endes handelt es sich also lediglich um vielleicht zwanzig Meter Gestein, die man jederzweit hätte aufbuddeln können. So wirklich überzeugt das als die ultimative Bedrohung also nicht...

Zusätzlich ist mir die Geste dieses Mal zum ersten Mal in Gebrauch aufgefallen. Da meine ersten beiden Sichtungen (wie jetzt auch die vierte) auf Deutsch waren habe ich den Einsatz des Codeworts immer verpasst, weil im Deutschen ja nur von Grundsatz die Rede ist und nie das Wort Tenet fällt. Daher habe ich den Einsatz des codewortes erst bei meiner dritten Sichtung entdeckt und erst bei der vierten auf die Hände geachtet. Eigentlich komplett offensichtlich, aber ich war scheinbar blind...
Insgesamt hat mich Tenet jetzt beim vierten Mal erneut überzeugt und sogar wieder mehr begeistern können als bei den Sichtungen 2 und 3. Könnte auch am Soundsystem liegen, dass dieses Mal wieder alles gegeben hat und die Musik mehr spür- als hörbar gemacht hat. Jedenfalls hat mich die Opera-Sequenz wieder völlig überwältigt und der Flugzeugcrash ist für mich schon jetzt einer der beeindruckendsten Szenen der Filmgeschichte. Man muss nicht wissen, dass sie mit einer tatsächlichen 747 gedreht wurde. Man spürt es in jeder Faser des Körpers.

Und auch auf der Metaebene entdecke ich jedes Mal ein klein bisschen mehr, auch wenn ich mir da vermutlich noch einiges an Interpretation erklären lassen muss.
Sollte Tenet nach dem Lockdown nochmal ins Kino kommen werde ich ihn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch ein fünftes Mal im Kino sehen.
"You only need to hang mean bastards, but mean bastards you need to hang."

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1519
craigistheman hat geschrieben:
15. Oktober 2020 16:02
Es ist natürlich eine Frage des persönlichen Geschmacks, aber ich für meinen Teil brauche keine durchpsychologisierten Charaktere um einer Filmhandlung folgen zu können und zu immersieren. Ich halte das für eine Nebenwirkung des seriellen Formats, das zwar völlig ungebremst Küchentisch-Psychoanalyse betreibt, dabei jedoch oft vergisst einen Handlungsbogen effizient zu spannen.
Absolut richtig. Man muss sich immer fragen, was es der erzählten Geschichte bringen würde. Und da kann im Falle von Tenet die Antwort nur lauten: Gar nichts! Der Protagonist handelt nicht in erster Linie aus persönlichem Interesse, sondern er wird beauftragt. Es ist sein Job die Welt zu retten. Was würde irgendeine Hintergrundstory oder ein zu überwindendes Kindheitstrauma an Mehrwert bringen? Rein gar nichts, also hat es in Tenet auch nichts zu suchen. Es geht schließlich um die Rettung der Welt und nicht um den Protagonisten. Priya sagt nicht ohne Grund zum Protagonisten: Glaubst du, du wärst der einzige, der diesen Job machen könnte? Dieser Dialog zwischen ihr und dem Protagonisten ist sicherlich auch ein Metakommentar zum Genre allgemein. Gleichzeitig steckt aber erstaunlich viel Persönlichkeit im Protagonisten, es wird nur nicht thematisiert, aber die Figur ist definitiv kein bloßes Abziehbild.
Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr fällt mir auf auf wie vielen Ebenen dieser Film genial geschrieben ist. Er hat ein oder zwei Schwachpunkte im Skript, doch über die kann ich mehr und mehr hinwegsehen.
craigistheman hat geschrieben:
15. Oktober 2020 16:02
Ich sehe in Tenet, Nolans ersten Konzeptfilm, der die formalen Aspekte des Konzeptes in den Vordergrund stellt
Hier weiß ich wiederum nicht, ob ich zustimmen würde. In meinen Augen könnte man auch Memento als Konzeptfilm bezeichnen und Dunkirk ebenfalls. Gerade letzterer ordnet alles dem Konzept des Films unter und erreicht dadurch viele Menschen nicht mehr wirklich.
"You only need to hang mean bastards, but mean bastards you need to hang."

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1520
dernamenlose hat geschrieben:
8. November 2020 15:08
Hille hat auch vollkommen recht
Mehr hättest du gar nicht sagen müssen, Nalo. :mrgreen:

Schöner Post btw, mit viel Begeisterung geschrieben! Eine Anmerkung muss mir aber gestattet sein, die – so schwöre ich – nicht der Provokation (angesichts dessen, dass wir dieses Thema bereits erörterten) dienen soll:
dernamenlose hat geschrieben:
8. November 2020 15:08
Es gibt gar keinen Tiefen Schacht, in dem der Algorithmus versenkt wird. Der Boden der Höhle, in der der invertierte Neil stirbt ist bereits das Lager. Die Explosion soll nur den Hohlraum zu Einsturz bringen. Letzten Endes handelt es sich also lediglich um vielleicht zwanzig Meter Gestein, die man jederzweit hätte aufbuddeln können. So wirklich überzeugt das als die ultimative Bedrohung also nicht...
Im Hinblick auf deinen geologischen Background bzw. dein Fachwissen kann ich diese Sichtweise voll und ganz verstehen. Aber eines möchte ich anmerken: Sowohl auf dem Papier als auch in meiner subjektiv gefühlten Wahrnehmung halte ich dieses Bedrohungsszenario (abgesehen davon, dass es mit dem ablaufenden Timer, der Bombe, etc. sehr klassisch und "Bondig" ist) für greifbarer als selbiges im finalen Akt von Nolans oft zum Meisterwerk erklärten "The Dark Knight". Warum? Nun: In "Tenet" wird etwas physisch verhindert, was ich leicht verstehen kann: Geht die Bombe hoch, bevor die Metallbüchse entfernt wurde, dann ist Armageddon. In "The Dark Knight" hingegen kämpft Batman um "Gothams Seele", wie der Joker es nennt. Fliegen die Fähren in die Luft, dann hat Joker seinen Standpunkt bewiesen. Erfährt Gotham von den Morden, die Harvey Dent begangen hat, dann hat Joker seinen Standpunkt bewiesen – so what? Das mag auf einer narrativen Ebene im Sinne eines griechischen Dramas irgendwo Sinn ergeben, aber warum sollte eine ganze Stadt, die so kaputt, korrupt und kriminell ist wie Gotham nur dadurch zusammengehalten werden, dass ein Anwalt sich für das Gute einsetzt? Warum sollte Gotham zur Hölle fahren, nur weil die Bewohner von Dents Verbrechen erfahren?

Ich finde, in "Tenet" gelingt es Nolan, ein Bedrohungsszenario zu schaffen, dass vielleicht nicht "realistisch" oder "glaubwürdig" (gemessen am Standard der Realität) ist, aber in Ursache und Wirkung direkt ersichtlich ist – u.a., weil in Spionagefilmen seit mindestens fünfzig Jahren Standard. Aber was wäre in "The Dark Knight" passiert, wenn Gotham von Dents Morden erfahren hätte? "Joker hätte gewonnen", sagt Batman. "Ist mir egal, der sitzt im Knast", sage ich mal ganz frech. :wink:

Tl;dr: Wenn eine Bombe explodiert, ist das schlecht. Verstanden. Wenn eine Stadt erfährt, dass ein Anwalt vier Menschen ermordet hat, ist das schlecht… weil? :)
Prejudice always obscures the truth.

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1522
Casino Hille hat geschrieben:
10. November 2020 14:11
Mehr hättest du gar nicht sagen müssen, Nalo
Jetzt heiß ich auf einmal wieder Nalo. Hatten wir uns nicht mal auf Nami geeinigt? :wink:

Dein Vergleich mit The Dark Knight ist auf alle Fälle interessant und ich versteh deinenen Ansatz. Wobei zumindest bei den Fähren ja exakt die gleiche Situation herrscht wie in Tenet: Es soll verhindert werden, dass eine Bombe hochgeht. Bzw. in TDK soll das verhindert werden, in Tenet soll es ja eben nicht verhindert werden. Und vielleicht liegt darin schon der Unterschied. TDK kann man auch schlichtweg auf dieser Ebene Folgen: Es geht am Ende um mehrere hundert Menschenleben (und im Finale nach dem Finale unter anderem um das Leben eines Kindes, das zieht immer), die eigentliche viel abstraktere Bedrohung muss man überhaupt nicht verstehen um mitfiebern zu können. Auch wenn der Film schon davor deutlich genug ist um die Wichtigkeit dieser Frage für Bruce Wayne und den Joker zu verdeutlichen, sodass es für mich spätestens bei der zweiten Sichtung, vermutlich aber schon bei der ersten auch auf dieser Ebene völlig schlüssig war.
In Tenet ist das Problem: Du musst das Bedrohungsszenario komplett verstehen, sonst verstehst du nicht, warum Team Tenet an der Entschärftung der Bombe scheitern soll. 'Wir hatten ja nicht ohne Grund lange Diskussionen über die Funktionsweise des Algorithmus. Denn wenn man das Bedrohungsszenario nicht zu 100% versteht, dann wird im Finale manches, wie eben die Tatsache, das Sator stirbt und die Welt trotzdem nicht verloren ist, ziemlich unverständlich. Hier muss man also in die Tiefe gehen (haha Wortspiel :D), und dann ist das Bedrohungsszenario eben nicht mehr so wirklich überzeugend. Auch ganz ohne geologisches Hintergrundwissen. Dass man zwanzig Meter Gestein relativ problemlos weggebuddelt bekommt sollte jedem bewusst sein. Das braucht maximal ein paar Wochen, und sie hätten mehrere Generationen Zeit.
The Dark Knight ist deshalb so viel populärer und wird es wohl auch immer bleiben, weil man ihn deutlich simpler konsumieren kann. In der Geschichte steckt zwar unglaublich viel drin und der Film ist extrem gut geschrieben und inszeniert, aber man kann ihn auch wie einen simplen Sommerblockbuster konsumieren und daran Spass haben, was bei Tenet sehr viel schwieriger wird.
Casino Hille hat geschrieben:
10. November 2020 14:11
Wenn eine Bombe explodiert, ist das schlecht. Verstanden.
Aber so einfach ist es ja eben nicht. Da die Mission ist, an der Entschärfung zu scheitern sagt Tenet: "Wenn eine Bombe explodiert, ist das gut. Immer noch verstanden?
"You only need to hang mean bastards, but mean bastards you need to hang."

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1523
Für die Freunde des physischen Heimkinos: Der deutsche Heimkinostart von "Tenet" ist am 17.12.2020 und wird bei den Steelbook-Versionen eine weitere Disc enthalten mit einem extrem langen (über 1 Stunde) Behind-The-Scenes-Material, das sehr interessant sein dürfte. Der Soundtrack von Ludwig Göransson ist in der Deluxe-Variante auch physisch ab 27.11.2020 zu haben.
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "
Spoiler
Show
Filmzähler Sammlung iHaveCNit/HCN007:
Stand: 22.12.2018

Spezielle Interessen: 42 DVDS (Musik, Wrestling, sonstiges)
Serienboxen (8 BD / 69 DVD)
DVD: 782 Filme
BD: 498 Filme
Gesamt-Filme: 1280 Filme

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1524
Ehrlich gesagt hoffe ich aber, dass er noch nach diesem Datum im Kino läuft. Tenet ist einfach komplett fürs Kino gemacht und wird diese Intensität auf einem (im Vergleich zur Kinoleinwand) kleinen Bildschirm ohne brachiales Soundsystem verlieren. Er wird immer noch hervorragend sein, aber wie schon Dunkirk wird dieses ganz spezielle Etwas verlieren. Sollten die Kinos im Dezember wieder öffnen und sollte er dann bei uns noch laufen gehe ich sicher noch ein fünftes Mal rein.
"You only need to hang mean bastards, but mean bastards you need to hang."

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1525
Schöne Beiträge von Hille und Nami, aber für mich funktioniert das Ende von TDK in dieser Form viel besser. Bei Tenet wusste ich am Ende eh nicht mehr genau, was abläuft in diesem Bunker, das war ein ziemliches Chaos.

So abstrakt dass sie nicht zu verstehen wäre ist die Bedrohung in TDK aber auch nicht. Dent war halt der einzige halbwegs gute Mensch in diesem Haufen, der einzige dem man irgendwie noch vertrauen konnte. Klar zielt das stärker auf eine Art Tragödien-Metaebene ab als eine konkrete Explosion (oder was auch immer da am Ende von Tenet abging), aber absurd ist es nicht. Und ich wundere mich über Hilles Bemerkung, dass ein Sieg des Jokers nichtig wäre weil er im Knast bzw. in der Gummizelle sitzt. Vor nicht allzu langer Zeit hast du mir noch zugestimmt, dass der Joker auch im Jenseits gewonnen hätte.
We'll always have Marburg

Re: Die Filme des Christopher Nolan

#1526
GoldenProjectile hat geschrieben:
11. November 2020 12:31
So abstrakt dass sie nicht zu verstehen wäre ist die Bedrohung in TDK aber auch nicht. Dent war halt der einzige halbwegs gute Mensch in diesem Haufen, der einzige dem man irgendwie noch vertrauen konnte. Klar zielt das stärker auf eine Art Tragödien-Metaebene ab als eine konkrete Explosion (oder was auch immer da am Ende von Tenet abging), aber absurd ist es nicht. Und ich wundere mich über Hilles Bemerkung, dass ein Sieg des Jokers nichtig wäre weil er im Knast bzw. in der Gummizelle sitzt. Vor nicht allzu langer Zeit hast du mir noch zugestimmt, dass der Joker auch im Jenseits gewonnen hätte.
Ich habe nicht gesagt, dass der Sieg nichtig wäre. Joker würde sich über seinen Sieg natürlich bis in alle Ewigkeit in der Gummizelle freuen. Aber ich finde die "Seele einer Gesellschaft" bzw. einer Stadt in Gefahr zu wissen etwas weniger greifbar als die Frage, ob eine Explosion den Untergang der Welt bedeutet. :wink: Anders gesagt: EIne Explosion, die alle Menschen auf der Welt töten könnte (wenn auch nur in Konsequenz, nicht direkt durch ihre Sprengkraft) empfinde ich als das leichter verständliche Bedrohungsszenario, verglichen mit der Frage, ob drei Morde, die ein Anwalt verübt hat, eine Gesellschaft erschüttern kann. Den Teil in "The Dark Knight" finde ich tatsächlich auch nicht zu 100 Prozent überzeugend, weil dieser ganze Sprech von wegen "Harvey ist der Goldjunge von Gotham" nie visuell untermauert wird und ich nicht das Gefühl habe, dass Harveys Existenz wirklich für eine andere Stimmung innerhalb Gothams sorgt. Im Gegenteil: Bei Batman wird das visuell untermauert, wenn die Verbrecher schnell wieder in ihre Verstecke rennen, sobald das Bat-Signal aufleuchtet. Aber Harvey? Welchen spürbaren Unterschied macht seine Existenz für Gotham? Eigentlich fechten Bruce, Gordon und Harvey in der Finalszene ihre privaten Konflikte aus, aber diese Verhandlung um Gothams Seele kommt bei mir nicht an. Ist mir zu schwammig für ein echtes Bedrohungsszenario – im Rahmen einer klassischen Dramentragödie ergibt es schon mehr Sinn (für alle, die sich an den schmerzvollen Deutschunterricht erinnern).
dernamenlose hat geschrieben:
10. November 2020 18:50
Casino Hille hat geschrieben:
10. November 2020 14:11
Wenn eine Bombe explodiert, ist das schlecht. Verstanden.
Aber so einfach ist es ja eben nicht. Da die Mission ist, an der Entschärfung zu scheitern sagt Tenet: "Wenn eine Bombe explodiert, ist das gut. Immer noch verstanden?
Nö, es bleibt einfach. Wenn die Bombe explodiert, bevor Gegenstand ABC in Sicherheit gebracht wurde, ist Armageddon. Warum das so ist ist ziemlich egal, es ist immer noch ein sehr simples Bedrohungsszenario. Nicht anders als bei jedem Finale, in dem Geiseln oder sonstiges gerettet werden muss.
Prejudice always obscures the truth.