Die Filme des Quentin Tarantino

Für die Filmkenner: In unserem Cinema könnt ihr über den neuesten Blockbuster im Kino, alten Klassikern, neuen Kultfilmen bis hin zu euren Lieblingsserien uvm. diskutieren! Alles aus der TV/Kinowelt, das nicht ins Bondforum passt, bitte hier herein!

Welcher ist der beste Film von Tarantino?

Reservoir Dogs
2
7%
Pulp Fiction
8
28%
Jackie Brown
2
7%
Kill Bill: Volume 1
2
7%
Kill Bill: Volume 2
0
Keine Stimmen
Death Proof: Todsicher
0
Keine Stimmen
Inglourious Basterds
6
21%
Django Unchained
6
21%
The Hateful Eight
3
10%
 
Insgesamt abgegebene Stimmen: 29
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MX87
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12. Februar 2012 16:44

Endlich ist er da, der Tarantino-Thread. Meine Reviews kommen demnächst.

Seine Filmografie als Regisseur:

1992: Reservoir Dogs
1994: Pulp Fiction
1997: Jackie Brown
2003: Kill Bill: Volume 1
2004: Kill Bill: Volume 2
2007: Death Proof: Todsicher
2009: Inglourious Basterds
2012: Django Unchained
2015: The Hateful Eight
Zuletzt geändert von MX87 am 12. Februar 2012 18:30, insgesamt 1-mal geändert.
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Terence Young
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12. Februar 2012 17:57

Inglourious Basterds mochte ich gern, vorallem durch die vielen Anleihen an Alfred Hitchcock!

Seine restlichen Filme halte ich allesamt für überschätzt, genau wie ihn! :)
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12. Februar 2012 18:01

Wo ist Reservoir Dogs in der Liste ?
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MX87
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12. Februar 2012 18:32

Agent 009 hat geschrieben:Wo ist Reservoir Dogs in der Liste ?
Ganz vergessen, ist geändert :wink:

Bei der Abstimmung tue ich mich selber schwer. Überlege die ganze Zeit ob nun PF oder IB der beste ist. Beide gehören zu meinen absoluten Lieblingsfilmen.
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12. Februar 2012 19:13

Welche Filme von Tarantino habe ich gesehen und wie bewerte ich sie?

Ich habe bisher nur zwei Filme von Quentin Tarantino gesehen, nämlich Pulp Fiction und Inglourious Basterds. Von den anderen interessieren mich eigentlich nur Reservoir Dogs und - wenn er rauskommt - Django Unchained richtig, auf Kill Bill habe ich irgendwie keine Lust.

Also, wie bewerte ich diese beiden Filme denn nun? Pulp Fiction war auf jeden Fall etwas vom Besten, was ich in letzter Zeit so gesehen habe. Das Independent-Film-Feeling passt perfekt, die Schauspieler haben mich eigentlich alle überzeugt, wobei mir vor allem Bruce Willis, Ving Rhames und John Travolta positiv aufgefallen sind. Uma Thurman sieht leider nicht so gut aus. Der Film ist durchgehend unterhaltsam und sein Humor mischt Skurilles, Makabres mit gut pointierten Dialogen. Interessante Unterhaltungen der Charaktere wechseln sich mit lustigen Momenten ab und einige Szenen sind zu Beginn schon fast beängstigend makaber und brutal, bis man am Ende nur noch lachen kann (die Sequenz im Folterkeller). Die chronologische Verschachtelung ist clever und löst einen gewissen aha-Effekt aus. Chronologische Erzählung hätte den Film weitaus uninteressanter gemacht, finde ich.

Einziges Minus ist, dass PF sein Pulver zu früh verschiesst. Nach dem mitreissenden und schockierend-lustigen zweiten Kapitel bietet Part 3 eigentlich ausser einer fröhlich plätschernden, unterhaltsamen Comedy in Tarantinos Haus nicht mehr so viel.

Inglourious Basterds ist auch schon ein kleiner Klassiker. Auch hier wird mit exzellenten Darstellern aufgetreten (Pitt, Fassbender, Laurent und vor allem - wie sollte es anders sein - Waltz!) Die Story und der Erzählstil sind dermassen schräg und comichaft dass der Film zu jeder Minute Spass macht. Dennoch gibt es durchaus ernstzunehmende und sogar hochspannende Momente in IB (ich rede von den kapiteln eins und vier). Eigentlich kann Quentin Tarantino in den Basterds in fast jedem Moment geschickt seine Stärken ausspielen und diese mit einem starken und vielseitigen Schauspiel-Ensemble auch überzeugend umsetzen. Ein ganz grosser Pluspunkt der Basterds sind die verschiedenen Sprachen und wie sie in die Handlung eingebunden werden (Fassbender verrät sich durch britischen Akzent, mehrfach muss übersetzt werden, etc). Nur so wird in einem multinationalen WK2-Film ein realistischer Effekt erzielt, der in anderen Filmen zu vermissen ist.

Abgestimmt habe ich für Pulp Fiction.


Was mag ich an Quentin Tarantino? Wo liegen seine Stärken?

Was Tarantinos Stil ausmacht ist dass er in der Lage ist, längere und scheinbar uninteressante Dialoge sowie "Alltagssituationen", bzw Geschehnisse im eher kleineren Rahmen mit grosser Spannung zu inszenieren. Dennis Menochet und Christoph Waltz in IB oder John Travolta und Sam L. Jackson in PF (Treppenhaus) quasseln da teilweise vollkommen off-topic und dennoch fesselt es. Die Dialoge bauen die Charaktere auf (hier hat Tarantino natürlich auch den Vorteil, jeweils exzellente und vor allem passende Darsteller für seine Rollen engagieren zu können) und verleihen dem Geschehen oftmals durch Perfidität oder überspitze Situationskonflikte etwas Mitreissendes, spezielles. Gerade dieses Fehlen von Gradlinigkeit, die schrägen Handlunsstränge die schon fast unkontrolliert von den Geschehnissen im Film geleitet werden, verleihen den QT-Filmen ihren eigenen Stil. Einerseits spielt sich alles in einem vorstellbaren Rahmen ab, andererseits ist es derart schräg, makaber und überdreht dass man es nie realistisch betrachten kann (Gut, das sind die Bond-Filme gewissermassen auch aber auf eine ganz andere Art und Weise).


Was mag ich an Tarantino und seinem Hype nicht?
Ich kann gewisse Leute hier (vielleicht danielcc :wink: ) aber gleich beruhigen: trotz allen Lobes auf den Tarantino-Stil halte auch ich Onkel Quentin für masslos überschatzt, und das schon auf einer quantitativen Ebene. Warum? Quentin hat sechs Filme gedreht, sieben wenn man Kill Bill als zwei Teile nimmt. Auch ich bin der Ansicht dass Qualität vor Quantität kommt aber bei Quentin muss ich trotzdem den Kopf schütteln. Wer als Regisseur / Filmemacher / Autorenfilmer mit fast 50 Jahren mit seiner Anzeige auf erst sieben Filmen steht ist es wohl kaum wert, im selben Atemzug mit den ganz Grossen genannt zu werden.

Beispiel: kennt jemand den schwedischen Schriftsteller Mats Wahl? Der hat (unter anderem) einen Jugendroman geschrieben, Soap oder Leben. Die beiden Protagonisten sind jugendliche Film-Freaks / -Nerds (richtige Teenie-Quentins) die ständig Zitate rezitieren, sich über Daten und Fakten aus der Filmwelt abfragen etc. In diesem Buch wird Tarantino mit Spielberg in einem Atemzug genannt, wobei Spielberg jetzt der "ganz Grosse" in obigem Argument wäre. Nein, ich halte Spielberg auch für keinen grossen Film-Künstler, aber wenn man in ca. vierzig Jahren weitaus mehr als 20 Filme inszeniert hat und Kassenstars wie E.T., Schindlers Liste, die Indies usw. dabei sind dann ist es wohl kaum abstreitbar, dass man zu den grossen Regisseuren zählt. Und da soll Quentin mit seinen vier Filmen (der Roman erschien 2004, müssten also vier sein) auf gleicher Ebene stehen, nur weil Pulp Fiction auf gute Reaktionen gestossen ist? Nichts da!

Beinahe noch schlimmer wurde es in einem Englisch-Lehrmittel dass ich in der Neunten hatte. Um Ansprechender zu wirken wurden da oft Themen wie Filme, Musik und so weiter behandelt um etwa eine Grammatikregel zu verdeutlichen. Da wurde Tarantino auf einer Seite doch tatsächlich mit Hitchcock, Kill Bill mit den Vögeln verglichen! Hitchcock, mit laut Wikipedia über 50 Filmen, diversen Klassikern und dem wohl unumstrittenen Status als (einer der) Ur-Regisseur(e) und ein Mann mit einem halben Dutzend Independent-Filme in seinem Repertoire? Das geht doch einfach nicht!

Besonders schlimm finde ich die unnachgiebigen Tarantino-Fans (man könnte fast schon sagen, -Freaks) die im Internet Ranglisten aufstellen wie die zehn besten Filme von Quentin Tarantino. Und da "Sankt Quentin" keine zehn Filme als Autorenregisseur hat werden einfach noch ein paar Streifen mit seiner Drehbuchbeteiligung herangezogen, und wenn es ganz schlimm wird sogar noch Sin City (in dem Tarantino als Gag für etwa vier Minuten Screentime Regie führte). Die QT-Fans sollen sich doch einfach damit abfinden, dass Tarantino quantitativ ein langsamer, ineffezienter ist! Aber wenn diese Typen in Internet-Foren noch offen zugeben, alles wo "Tarantino" draufsteht krampfhaft zu konsumieren, vom "Meister" oder "Sankt Quentin" sprechen oder in keinem QT-Film einen Negativ-Punkt erkennen wollen dann kotzt mich dass nur an.

Auch Quentin selber ist nicht frei von Makeln. Irgendwann kann man es mit den ganzen Film-Anspielungen auch übertreiben und wenn Charaktere in Inglourious Basterds minutenlang über Filme und Filmemacher der dreissiger diskutieren dann ist das eindeutig zu viel, weil man als Zuschauer in der heutigen Zeit auch kaum mehr etwas davon versteht. Auch die ganzen krampfhaften "Merkmale" und Selbstverherrlichungen wie Cameo-Auftritte von Quentin sind irgendwann nicht mehr lustig (nach den Kritiken, die ich gelesen habe soll das in Death Proof auf die Spitze getrieben worden sein und sich in IB wieder einigermassen normalisiert haben).

Also - Fazit: handwerklich gut, clevere und spannende Inszenierungen, interessante und eigene Filme abseits des Einheitsbrei. Quantitativ (und trotz allem wahrscheinlich auch qualitativ) aber masslos überschätzt, ein viel zu grosser Hype von den Quentin-Kiddies und oftmals krampfhaft originell und selbstverliebt (bzw in seine eigenen Interessen und Vorlieben).
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12. Februar 2012 19:50

Ich schwanke zwischen Kill Bill (1), Pulp Fiction und Reservoir Dogs. Ich mag zwar alle seine Filme sehr gern, nur sind diese halt meine Lieblinge. Wobei ich Death Proof auch absolut geil finde. (War mein erster Kino Tarantino) Hatte damals auch unheimlichen Spass gemacht. Kurt Russell als Bad Ass ist richtig cool. :)
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12. Februar 2012 20:24

Ja, da ich hier schon erwähnt wurde... auch mal meine Meinung zu Tarantino.
Vorab:
Ich habe Pulp Fiction gesehen (2 mal), ich kenne Kill Bill 1, habe Inglorious Basterds im Kino gesehen und mal bei Jackie Brown reingeschaut.
Daher basiert meine Meinung über Tarantino auch nur auf diesen Filmen.

Pulp Fiction ist ein netter Film, der zweifellos sehr große Ausstrahlung auf einige Filme danach hatte. Man kann sagen,der Film war ein Trendsetter. Seit dem darf/muss man häufig im Kino das ertragen, was Pulp Fiction ausgemacht hat. Die Idee des Films, die Umsetzung mit Ninimal-Budget, die Wiederentdeckung älterer Filmstars, das Mittel des Episoden-Films und die eigentlich total unnötige nicht lineare Verschachtelung der Erzählung prägen seit dem meistens Tarantinos Filme. Damals wirkte das noch alles sehr frisch. Zusammen mit den natürlich großartigen Darstellern - die sonst nie für so wenig Geld gespielt hätten - kann man sich den Film wirklich anschauen. Revolutionär? Meisterhaft? Ich weiß nicht. Tarantinos Fans haben im Grunde für seine Werke das Wort "kultig" erfunden. Seit Pulp Fiction ist plötzlich alles "kultig" was nicht wirklich gut, aber durchgeknallt und vor allem pupertäre Ansprüche befriedigt.

Kill Bill
Nach Groschenromanen in Pulp Fiction und Blaxploitation in Jackie Brown, hatte ich Tarantino dieses mal wohl zu viel mit Kung Fu Filmen beschäftigt - er holt ja seine "Kreativität" praktisch ausschließlich aus seiner umfangreichen Filmothek. Gleiches Schema also: Episodenfilm, nicht-lineare Handlung, coole Sprüche, durchgedrehte Figuren, ultra-brutale Action. Kill Bill hat mich damals wirklich gereizt: Ein Kung Fu Film im neuen Gewand, mit modernen Mitteln umgesetzt, und der hochgelobte Tarantino... Tja, Pustekuchen! Der Film hat mich so dermaßen enttäuscht, dass ich Null Lust auf den Nachfolger hatte. Kill Bill 1 hat keinerlei neue Ideen, ist unglaublich langweilig umgesetzt und erfüllt nicht mals die Minimalanforderungen an einen Kung Fu/Tarantino Film: es gibt kaum tolle Action. Stattdessen schwelgt Tarantino teilweise minutenlang in albernen, hochstilisierten Vorankündigen einer jeden Szene. Doch ein echter Feuerwerk bleibt immer aus.

Inglorious Basterds
Die Tarantino-Manie kennt kaum noch grenzen. Vor allem aufgrund seiner eigenen, jahrelangen Internet-gepushten Selbstankündigungen. Wieder hat Tarantino Glück. Was das Travolta Comeback für Pulp Fiction war, ist die Entdeckung von Christoph Waltz für Inglorious Basterds. ER ist das einzige Highlight in einem Film, der unglaublich träge ist, mühsam aufgepeppt durch die üblichen Tarantino Elemente (Episodenfilm, nicht-linear, coole Sprüche, verrückte Titeleinblendungen). Wieder wird das eigentlich Versprochene, nämlich die Abrechnung mit den Nazis und die erwartete Brutalität, fast vollkommen vernachlässigt. Ich hatte mir zumindest in dieser Hinsicht deutlich mehr erwartet. So dümpelt I.B. über weite Strecken, nach dem grandiosen Waltz Intro, vor sich hin. Der ganze Film besteht auch nur aus wenigen, langen Szenen, die teilweise in unendlich trägen Dialogen ertränkt werden.


Fazit:
Keine Frage, Tarantino ist und war stilprägend im Hinblick auf "coole, kultige und ultra-brutale Pupertäts Filme". Einige Elemente waren zu Beginn seiner Filme wirklich frisch. Ein guter Drehbuchautor mag er ja sein, aber oft genug ist er einfach zu selbstverliebt um daraus wirklich etwas zu machen. Einem Regisseur, der seine "Kreativität" immer aus alten Genres oder gar Originalfilmen direkt zieht, dem kann ich nicht so viel abgewinnen.
Tarantinos wahres Genie besteht in seiner Fähigkeit zur Selbstinszenierung. Vielleicht seit Hitchcock hat es keinen Regisseur mehr gegeben, der durch Selbstinszenierung so viel Aufmerksamkeit für seine Filme erzeugt hat.
Doch wie schon gesagt: jemand der es in 20 Jahren auf grade mal 7 Filme bringt (kann man Kill Bill 2 und Death Proof eigentlich zählen) wird von mir nicht so mir nichts dir nichts als Meisterregisseur eingestuft, von der Qualität seiner Filme ganz zu Schweigen.

Übrigens:
Vor 10 -15 Jahren ist mir immer wieder aufgefallen, dass die meisten Bekannte, die "Tarantino total geil" fanden, glaubte, von ihm seien Desperado und From Dusk Till Dawn...
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12. Februar 2012 20:38

Ich hab im Moment nicht die zeit, mich ausführlicher zu äußern (kommt aber noch).

Nur eines vorweg: Qts Filme sind zu ziemlich alles, aber ganz sicher nicht pubertär, oder gar auf diese Zielgruppe zugeschnitten. Dazu sind sie viel zu sehr aufgeladen mit filmgeschichtlichen Zitaten und viel zu schräg in ihrem Humor.
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Maibaum
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12. Februar 2012 21:11

Daniel, "total unnötige nicht lineare Verschachtelung der Erzählung" ist alles andere als unnötig.
Sie erst macht aus den 3 Kurzgeschichten das geniale Ganze. Tatsächlich hat Tarantino sehr viel weniger verschoben als viele meinen. Nur da muß man erst mal drauf kommen, und es dann auch tun.
Hätte QT einfach die 3 KGs aneinandergereiht ,wäre der Film zwar immer noch sehr, sehr gut, aber es wäre nur Stückwerk. Aber die paar Umstellungen veredeln das Ganze auf eine umwerfende Art.

Und warum ist IB keine "Abrechnung mit den Nazis". Wenn auch eine extrtem eigenwilige.

Und auch hier wieder, einfach die Geschichte umschreiben in Bezug auf den 2. Weltkrieg, auch das wieder ist etwas was man sich erst mal trauen muß.

Was seine Drehbucharbeiten betrifft würde ich schon sagen daß True Romance Und From Dusk Till Dawn im großen und Ganzen Tarantino Filme sind.
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AnatolGogol
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12. Februar 2012 21:13

GoldenProjectile hat geschrieben:Welche Filme von Tarantino habe ich gesehen und wie bewerte ich sie?

Ich habe bisher nur zwei Filme von Quentin Tarantino gesehen, nämlich Pulp Fiction und Inglourious Basterds. Von den anderen interessieren mich eigentlich nur Reservoir Dogs und - wenn er rauskommt - Django Unchained richtig, auf Kill Bill habe ich irgendwie keine Lust.

Also, wie bewerte ich diese beiden Filme denn nun? Pulp Fiction war auf jeden Fall etwas vom Besten, was ich in letzter Zeit so gesehen habe. Das Independent-Film-Feeling passt perfekt, die Schauspieler haben mich eigentlich alle überzeugt, wobei mir vor allem Bruce Willis, Ving Rhames und John Travolta positiv aufgefallen sind. Uma Thurman sieht leider nicht so gut aus. Der Film ist durchgehend unterhaltsam und sein Humor mischt Skurilles, Makabres mit gut pointierten Dialogen. Interessante Unterhaltungen der Charaktere wechseln sich mit lustigen Momenten ab und einige Szenen sind zu Beginn schon fast beängstigend makaber und brutal, bis man am Ende nur noch lachen kann (die Sequenz im Folterkeller). Die chronologische Verschachtelung ist clever und löst einen gewissen aha-Effekt aus. Chronologische Erzählung hätte den Film weitaus uninteressanter gemacht, finde ich.

Einziges Minus ist, dass PF sein Pulver zu früh verschiesst. Nach dem mitreissenden und schockierend-lustigen zweiten Kapitel bietet Part 3 eigentlich ausser einer fröhlich plätschernden, unterhaltsamen Comedy in Tarantinos Haus nicht mehr so viel.

Inglourious Basterds ist auch schon ein kleiner Klassiker. Auch hier wird mit exzellenten Darstellern aufgetreten (Pitt, Fassbender, Laurent und vor allem - wie sollte es anders sein - Waltz!) Die Story und der Erzählstil sind dermassen schräg und comichaft dass der Film zu jeder Minute Spass macht. Dennoch gibt es durchaus ernstzunehmende und sogar hochspannende Momente in IB (ich rede von den kapiteln eins und vier). Eigentlich kann Quentin Tarantino in den Basterds in fast jedem Moment geschickt seine Stärken ausspielen und diese mit einem starken und vielseitigen Schauspiel-Ensemble auch überzeugend umsetzen. Ein ganz grosser Pluspunkt der Basterds sind die verschiedenen Sprachen und wie sie in die Handlung eingebunden werden (Fassbender verrät sich durch britischen Akzent, mehrfach muss übersetzt werden, etc). Nur so wird in einem multinationalen WK2-Film ein realistischer Effekt erzielt, der in anderen Filmen zu vermissen ist.

Abgestimmt habe ich für Pulp Fiction.


Was mag ich an Quentin Tarantino? Wo liegen seine Stärken?

Was Tarantinos Stil ausmacht ist dass er in der Lage ist, längere und scheinbar uninteressante Dialoge sowie "Alltagssituationen", bzw Geschehnisse im eher kleineren Rahmen mit grosser Spannung zu inszenieren. Dennis Menochet und Christoph Waltz in IB oder John Travolta und Sam L. Jackson in PF (Treppenhaus) quasseln da teilweise vollkommen off-topic und dennoch fesselt es. Die Dialoge bauen die Charaktere auf (hier hat Tarantino natürlich auch den Vorteil, jeweils exzellente und vor allem passende Darsteller für seine Rollen engagieren zu können) und verleihen dem Geschehen oftmals durch Perfidität oder überspitze Situationskonflikte etwas Mitreissendes, spezielles. Gerade dieses Fehlen von Gradlinigkeit, die schrägen Handlunsstränge die schon fast unkontrolliert von den Geschehnissen im Film geleitet werden, verleihen den QT-Filmen ihren eigenen Stil. Einerseits spielt sich alles in einem vorstellbaren Rahmen ab, andererseits ist es derart schräg, makaber und überdreht dass man es nie realistisch betrachten kann (Gut, das sind die Bond-Filme gewissermassen auch aber auf eine ganz andere Art und Weise).


Was mag ich an Tarantino und seinem Hype nicht?
Ich kann gewisse Leute hier (vielleicht danielcc :wink: ) aber gleich beruhigen: trotz allen Lobes auf den Tarantino-Stil halte auch ich Onkel Quentin für masslos überschatzt, und das schon auf einer quantitativen Ebene. Warum? Quentin hat sechs Filme gedreht, sieben wenn man Kill Bill als zwei Teile nimmt. Auch ich bin der Ansicht dass Qualität vor Quantität kommt aber bei Quentin muss ich trotzdem den Kopf schütteln. Wer als Regisseur / Filmemacher / Autorenfilmer mit fast 50 Jahren mit seiner Anzeige auf erst sieben Filmen steht ist es wohl kaum wert, im selben Atemzug mit den ganz Grossen genannt zu werden.

Beispiel: kennt jemand den schwedischen Schriftsteller Mats Wahl? Der hat (unter anderem) einen Jugendroman geschrieben, Soap oder Leben. Die beiden Protagonisten sind jugendliche Film-Freaks / -Nerds (richtige Teenie-Quentins) die ständig Zitate rezitieren, sich über Daten und Fakten aus der Filmwelt abfragen etc. In diesem Buch wird Tarantino mit Spielberg in einem Atemzug genannt, wobei Spielberg jetzt der "ganz Grosse" in obigem Argument wäre. Nein, ich halte Spielberg auch für keinen grossen Film-Künstler, aber wenn man in ca. vierzig Jahren weitaus mehr als 20 Filme inszeniert hat und Kassenstars wie E.T., Schindlers Liste, die Indies usw. dabei sind dann ist es wohl kaum abstreitbar, dass man zu den grossen Regisseuren zählt. Und da soll Quentin mit seinen vier Filmen (der Roman erschien 2004, müssten also vier sein) auf gleicher Ebene stehen, nur weil Pulp Fiction auf gute Reaktionen gestossen ist? Nichts da!

Beinahe noch schlimmer wurde es in einem Englisch-Lehrmittel dass ich in der Neunten hatte. Um Ansprechender zu wirken wurden da oft Themen wie Filme, Musik und so weiter behandelt um etwa eine Grammatikregel zu verdeutlichen. Da wurde Tarantino auf einer Seite doch tatsächlich mit Hitchcock, Kill Bill mit den Vögeln verglichen! Hitchcock, mit laut Wikipedia über 50 Filmen, diversen Klassikern und dem wohl unumstrittenen Status als (einer der) Ur-Regisseur(e) und ein Mann mit einem halben Dutzend Independent-Filme in seinem Repertoire? Das geht doch einfach nicht!

Besonders schlimm finde ich die unnachgiebigen Tarantino-Fans (man könnte fast schon sagen, -Freaks) die im Internet Ranglisten aufstellen wie die zehn besten Filme von Quentin Tarantino. Und da "Sankt Quentin" keine zehn Filme als Autorenregisseur hat werden einfach noch ein paar Streifen mit seiner Drehbuchbeteiligung herangezogen, und wenn es ganz schlimm wird sogar noch Sin City (in dem Tarantino als Gag für etwa vier Minuten Screentime Regie führte). Die QT-Fans sollen sich doch einfach damit abfinden, dass Tarantino quantitativ ein langsamer, ineffezienter ist! Aber wenn diese Typen in Internet-Foren noch offen zugeben, alles wo "Tarantino" draufsteht krampfhaft zu konsumieren, vom "Meister" oder "Sankt Quentin" sprechen oder in keinem QT-Film einen Negativ-Punkt erkennen wollen dann kotzt mich dass nur an.

Auch Quentin selber ist nicht frei von Makeln. Irgendwann kann man es mit den ganzen Film-Anspielungen auch übertreiben und wenn Charaktere in Inglourious Basterds minutenlang über Filme und Filmemacher der dreissiger diskutieren dann ist das eindeutig zu viel, weil man als Zuschauer in der heutigen Zeit auch kaum mehr etwas davon versteht. Auch die ganzen krampfhaften "Merkmale" und Selbstverherrlichungen wie Cameo-Auftritte von Quentin sind irgendwann nicht mehr lustig (nach den Kritiken, die ich gelesen habe soll das in Death Proof auf die Spitze getrieben worden sein und sich in IB wieder einigermassen normalisiert haben).

Also - Fazit: handwerklich gut, clevere und spannende Inszenierungen, interessante und eigene Filme abseits des Einheitsbrei. Quantitativ (und trotz allem wahrscheinlich auch qualitativ) aber masslos überschätzt, ein viel zu grosser Hype von den Quentin-Kiddies und oftmals krampfhaft originell und selbstverliebt (bzw in seine eigenen Interessen und Vorlieben).

Das Fazit steht aber irgendwie im Kontrast dazu, dass du die beiden einzigen Filme die du von QT kennst als "kleiner Klassiker" bzw besser einstufst. Also für mich las sich das erste Drittel jetzt so, als ob dir PF und UB sehr gut gefallen haben, da wundere ich mich dann schon dass du Tarantino derart abstrafst für Sachen, für die in erster Linie seine Anhängerschaft verantwortlich ist. Ich meine, dass dir der Hype um ihn nicht gefällt ist ja gut und schön, aber das hat doch mit seiner Arbeit als Filmemacher und deren Einschätzung nicht direkt was zu tun. Ich finde es schon etwas gewagt, einen Regisseur so abschliessend zu beurteilen von dem man gerade mal zwei Filme gesehen hat (vor allem da du dich ja direkt auf die wiederkehrenden Tarantinoschen Merkmale beziehst und dich darüber beschwerst, ohne ihre "Wiederkehr" jemals wirklich gesehen zu haben :wink: ). Übrigens: alle die von dir im Rahmen des QT-Hypes genannten Punkte empfinde ich bei Nolan als mindestens genauso stark, alles nur eine Frage des Standpunktes. :wink:
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12. Februar 2012 21:16

Maibaum hat geschrieben:Was seine Drehbucharbeiten betrifft würde ich schon sagen daß True Romance Und From Dusk Till Dawn im großen und Ganzen Tarantino Filme sind.
Jein, da beide Filme mindestens genauso von der Handschrift ihrer Regisseure leben und gerade FDTD eindeutig mindestens genauso das Kind von Rodriguez wie von Tarantino ist. Aber generell gebe ich dir recht, dass man beiden Filmen deutlich ansieht wessen Geistes Kind sie sind.
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12. Februar 2012 21:29

Golden Projectile, das sind aber sehr gewagte Aussagen wenn du nur 2 seiner Filme gesehen hast.

Jean Vigo ist ein ganz Großer der Filmgeschichte, aber er hat nur 2 Filme gedreht, von denen einer sogar nur halblang ist.

Auch andere legendäre Regisseure haben nur wenige Filme drehen können in großen Zeiträumen. Dreyer hat zwar etliche Stummfilme gedreht, aber seine 5 Meisterwerke (sowie ein 6. nicht ganz so berühmter) entstanden zwischen 1928 und 64. Orson Welles hat auch nur 12 fertige Filme hinterlassen. Kubrick hat auch nicht so viele gedreht, und nachher immer weniger. Terence Malick kommt gerade mal auf 5 Filme seit 1974. Und da gibt es noch sehr viel mehr die nur ein sehr überschaubares Gesamtwerk erstellt haben, und trotzdem extrem wichtig sind. Sergio Leone auch nur 7 wo sein Name als Regisseur draufsteht.
Da ist QT noch relativ flott gegen.
John Ford hat dagegen rund 130 gedreht. Macht ihn das nun besser als den vergleichsweise faulen Hitchcock?

QT hat aber für viele die ihn schätzen bislang auch noch keinen schwachen Film abgeliefert.
Ich hätte mir auch noch etwas mehr von ihm gewünscht, aber lieber wenige hochwertige als noch etliche Gurken dazu.
Für mich gehört er schon deswegen zu den größten der letzten 20 Jahre weil seine Filme auf einem konstant hohem Niveau ablaufen. Und rein handwerklich wird er eher immer noch besser.
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12. Februar 2012 21:32

Maibaum hat geschrieben: QT hat aber für viele die ihn schätzen bislang auch noch keinen schwachen Film abgeliefert.
.
hehe, diese Aussage trifft auf viele zu :-)
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Maibaum
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12. Februar 2012 21:34

AnatolGogol hat geschrieben:
Maibaum hat geschrieben:Was seine Drehbucharbeiten betrifft würde ich schon sagen daß True Romance Und From Dusk Till Dawn im großen und Ganzen Tarantino Filme sind.
Jein, da beide Filme mindestens genauso von der Handschrift ihrer Regisseure leben und gerade FDTD eindeutig mindestens genauso das Kind von Rodriguez wie von Tarantino ist. Aber generell gebe ich dir recht, dass man beiden Filmen deutlich ansieht wessen Geistes Kind sie sind.
True Romance fast 100%. Klar QT hätte das weniger glatt erzählt als Tony Scott, und die Handlung war natürlich auch wieder verschachtelt, was sich Scott oder seine Produzenten nicht getraut haben.
From Dusk ist sicherlich auch RR, aber insgesamt mehr QT für mich. Wäre aber klar ein weniger konzentrierter Tarantino Film geworden auch wenn von QT selber inszeniert.
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AnatolGogol
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12. Februar 2012 21:36

Maibaum hat geschrieben:QT hat aber für viele die ihn schätzen bislang auch noch keinen schwachen Film abgeliefert.
Ich hätte mir auch noch etwas mehr von ihm gewünscht, aber lieber wenige hochwertige als noch etliche Gurken dazu.
Für mich gehört er schon deswegen zu den größten der letzten 20 Jahre weil seine Filme auf einem konstant hohem Niveau ablaufen. Und rein handwerklich wird er eher immer noch besser.
Dem ist kaum etwas hinzuzufügen. Außer vielleicht, dass ich QT auch gerade deswegen für einen absolut bemerkenswerten Filmemacher halte, da er wie eigentlich kein Zweiter es versteht ein großes Publikum unabhängig von deren intellektuellem oder Bildungshintergrund anzusprechen - und das in erster Linie durch seine Dialoge! Mehrere Interpretations- und Zugangsebenen, um unterschiedliche Zuschauergruppen gleichermaßen anzusprechen ist ja nichts ungewöhnliches, dass dies aber hauptsächlich mittels Dialogen bewerkstelligt wird schon.
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