Re: Die Filme von Paul Verhoeven

#151
Danke für die Berichtigung, ich dachte das gilt durchgängig. Aber die Sinnhaftigkeit dahinter erschliesst sich mir dadurch noch weniger. Ein 15jähriger darf trotz Begleitung und Einwilligung eines Elternteils einen FSK16 Film nicht sehen, ein 7jähriger aber in der gleichen Konstellation einen FSK12-Film. Oder auch sehr schön unsinnig: will man einen FSK18-Film in D online kaufen darf man alle möglichen Schikanen hinsichtlich Altersnachweis über sich ergehen lassen, bei nem FSK16-Film ist es völlig egal. Bei meiner neuen Online-Videothek musste ich um auch Filme ab 18 leihen zu können eine Erklärung abgeben, dass nur keine Personen unter 18 Jahren an meinen Briefkasten können. Bei 16er Filmen spielt das hingegen überhaupt keine Rolle. Altersbeschränkungen mögen auf der prinzipiellen Ebene ja durchaus eine Berechtigung haben, aber die praktische Umsetzung ergibt für mich oftmals überhaupt keinen Sinn, gerade auch vor dem Hintergrund der Diskussion, ob das Alter für Führerschein oder Wahlberechtigung nicht noch weiter runtergesetzt werden soll. Die Menschen werden demnach also immer früher reif für "den Ernst des Lebens", sind aber immer noch genau so unreif zu bevormunden bei solch "trivialen" Sachen wie Filmen.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Die Filme von Paul Verhoeven

#152
Ich finde die Altersbeschränkungen sinnvoll. Nur weil man das auch umgehen kann, ist das imo überhaupt kein Argument, dass man es gleich völlig lässt. Ich bin definitiv überzeugt, dass nicht jeder Inhalt für jedes kindliche Gemüt geeignet ist und ich halte generell nur wenig vom Psychologisieren. Natürlich gibt es immer weider auch "Fehlurteile" und merkwürdige Einstufungen, aber das ist ja bei der "richtigen" Justiz genauso.
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Re: Die Filme von Paul Verhoeven

#153
vodkamartini hat geschrieben:Ich finde die Altersbeschränkungen sinnvoll. Nur weil man das auch umgehen kann, ist das imo überhaupt kein Argument, dass man es gleich völlig lässt. Ich bin definitiv überzeugt, dass nicht jeder Inhalt für jedes kindliche Gemüt geeignet ist
Aber auch da sehe ich wenig Grund für Beschränkungen jenseits der FSK12. Wie ist eine doch recht stringente Restriktion bei Filmen zu rechtfertigen, während auf dem wesentlich gefährlicheren Medium Internet praktisch überhaupt keine Restriktion besteht? Eine Regelung sollte in sich sinnvoll sein, das kann ich aber gerade bei dem Sprung zwischen FSK16 und FSK18 und den damit verbundenen zusätzlichen "Schutzmaßnahmen" überhaupt nicht erkennen. Das hat dann am Ende des Tages doch das Geschmäckle "FSK18-Filme = böse, da müssen wir die Leute vor schützen!". Gut dass Tante Ursel so gut auf uns alle aufpasst, was würde ansonsten nur aus unserer Gesellschaft werden.


@vodka: Hand aufs Herz, hast du in deinen jungen Jahren keine Filme gesehen, die du eigentlich nicht hättest schauen sollen? Wenn ja, haben die dich "versaut"? Oder ist es am Ende nicht doch eher das soziale Umfeld, welches negativen Einfluss nimmt?
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Re: Die Filme von Paul Verhoeven

#154
Natürlich habe ich einige Arnold-Filme schon vor der Volljährigkeit gesehen, aber mal Hand aufs Herz, da waren die Indizierungen z.T auch wirklich lächerlich und heute sind die alle ab 16. Mir geht es auch mehr um die Spannen bis 16 und viel weniger um die zwischen 16 und 18.

Was den Level an Gewalt und Geschmacklosigkeitren betrifft, haben wir imo heute ein ganz anderes Level erreicht. Einen Müll wie Human Centipede bräuchte ich jetzt nicht für eigene Kinder frei zugänglich. Und gerade für die unter 10-Jährigen, die noch nicht so gut mit Graustufen umgehen können, macht das Ganze durchaus Sinn. Ich kenne Kinder die haben mit 6 oder 7 problemlos Winnetou konsumiert (trotz eines enormen Body-Counts wie du je weißt), waren aber tagelang beschäftigt mit der Eingangssequenz von für eine Handvoll Dollar (könnte auch Teil 2 gewesen sein) (wo Clint in die Stadt reitet und alles in die Häuser flieht und ein kleiner Junge Angst hat (in der Szenen stirbt niemand).

Kurz, ich traue vielen Erwachsenen keineswegs einen angemessenen und verantwortungsvollen Umgang mit Medien zu und begrüße deshalb im Kern die FSK. Natürlich gibt es dann die politisch korrekten Oberlehrer, die ein Gemetzel wie "Ryan" (geht ja gegen Nazis, also bildend) ab 12 frei geben (was ich für idiotisch halte) und den neuen "Ötzi"-Film (ist ja Archäologie) für Schulklassen frei geben, was dann dazu führt, dass einige unserer Lehrer mit manchen Schülern (der 6. Klasse) das Kino verlassen mussten.
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Re: Die Filme von Paul Verhoeven

#155
vodkamartini hat geschrieben:Kurz, ich traue vielen Erwachsenen keineswegs einen angemessenen und verantwortungsvollen Umgang mit Medien zu und begrüße deshalb im Kern die FSK.
Das ist aber halt sehr dünnes Eis, gerade auch wenn man bedenkt, dass die gleichen Leute ja freien Zugang zu weit bedenklicheren Rechten haben. Ich will nicht immer die gleichen Beispiele wiederkäuen, aber jedem Esel steht es frei den Führerschein zu machen und fahrlässig andere Leute totzufahren (und der Glaube daran, dass der Grossteil der Verkehrsteilnehmer sich verantwortungsvoll verhält schwindet mit jedem zusätzlichen Tag, den ich auf Deutschlands Straßen verbringe). Oder halt nach Lust und Laune zu wählen und den Kurs des Landes mitzubestimmen. Und ausgerechnet bei Medien soll ihn der Staat dann vor eigenmächtigem Handeln schützen? Ich will deinem Punkt noch nicht einmal widersprechen, ich gebe halt nur zu bedenken wie problematisch der selektive Einsatz von staatlicher Restriktion ist.
vodkamartini hat geschrieben:Natürlich habe ich einige Arnold-Filme schon vor der Volljährigkeit gesehen, aber mal Hand aufs Herz, da waren die Indizierungen z.T auch wirklich lächerlich und heute sind die alle ab 16.
Was sagt das aber dann über die Entwicklung unserer Gesellschaft? Die Filme an sich haben sich ja nicht geändert. Ein Film wie Predator ist heute noch genau so gewaltsam wie 1987, lediglich wirkt er in Relation zum heutigen "Level" nicht mehr so extrem. Was hat die Schutzmaßnahme der Indizierung dann überhaupt gebracht wenn die heutige Gesellschaft einen Gewaltlevel, der vor 30 Jahren noch als besorgniserregend für die "Volksmoral" angesehen wurde, fast schon als Usus ansieht? Spricht das nicht gerade dafür, dass Restriktionen eh keinerlei "Schutz" für moralische Verrohung bieten? Ich weiss, dir geht es eher darum, dass es durchaus seine Sinnhaftigkeit hat jüngeren Kindern den Zugang zu nicht ihrem alter enstprechenden Filmen zu verwehren (einen Ansatz, den ich prinzipiell auch teile), aber gerade das Spektrum FSK16/FSK18/Indizierung/Beschlagnahmung zeigt mMn sehr deutlich, wie unsinnig eine staatliche Bevormundung von (beinahe) erwachsenen Bürgern ist. Der Glaube an mündige Bürger sieht meiner Ansicht nach anders aus.
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Re: Die Filme von Paul Verhoeven

#158
Da ich ja kein großer Freund von Verhoevens Filmen bin, macht es ja vielleicht Sinn daß mir Elle ausgesprochen gut gefallen hat. Sinn, weil er irgendwie so vollkommen anders ist als alle anderen Paul Filme, ausgesprochen französisch in seiner relativ subtilen Art, mit seinem vielfältigen Personenensemble, und seinen differenzierten Charakterisierungen. Dazu dann eine sehr starke Schauspielerführung die auch aus kleinen Rollen viel herausholt.

Das ist dann nicht nur Verhovens unterhaltsamster Film, sondern auch sein spannendster. 9/10

Re: Die Filme von Paul Verhoeven

#159
Ach, so arg anders gegenüber seinem übrigen Oevre finde ich Elle gar nicht. In Bezug auf den französischen Einschlag bin ich aber bei dir, das hat sich mir auch so aufgedrängt. Vielfältige Personenensemble findest du aber in sehr vielen anderen seiner Filme auch, nicht unbedingt in seinen Hollywood-Streifen, aber in seinen europäischen Produktionen auf alle Fälle. Exemplarisch werfe ich einfach mal Soldat von Oranien, Spetters und Black Book in den Raum – allesamt bevölkert von einer ganzen Reihe vielschichtiger und vergleichsweise gleichberechtigter Figuren (in Bezug auf letzteres ist z.B. Spetters Elle sogar „überlegen“, da es hier im Gegensatz zu Hupperts Michelle keine einzelne Zentralfigur gibt - ohne das jetzt in irgendeiner Form wertend zu meinen). Das gleiche gilt auch für Charakterisierung und Schauspielführung, da sehe ich bei den genannten Beispielen keinen erkennbaren Nachteil gegenüber Elle. Aber es ist natürlich dennoch schön, dass du mit Pauls jüngstem Werk so viel Freude hast. :)
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Re: Die Filme von Paul Verhoeven

#161
Weiß nicht, Anatol, Black Book ist ja auch ein europäischer Film, auch ein Film der knifflige Themen behandelt, aber da scheint mir die Herangehensweise bzw die erzählerische Umsetzung und auch die Charaktere sehr nah dran zu sein an Verhoevens vorherigen Filmen, während Elle da anders ist, und auch das Spektakuläre anders in Szene setzt.

Mir kam er ganz anders vor, auch als Türkische Früchte, den Einzigem den ich aus seinem Frühwerk kenne, bzw in den letzten Jahren gesehen habe.

Re: Die Filme von Paul Verhoeven

#163
Hier noch ein Hinweis (ich hoffe er kommt für einige noch nicht zu spät...) für alle Freunde physischer Datenträger, die mit dem Gedanken liebäugeln sich Elle auf Blu-ray zu holen: die deutsche BD ist tunlichst zu meiden, da man das Kunststück vollbracht hat den Film beschleunigt in PAL-Geschwindkeit auf die blaue Scheibe zu hauen. Von daher sind internationale VÖ des Films die deutlich bessere Wahl, wenn einem korrekte Tonhöhe und Geschwindigkeit wichtig sind. Denjenigen, die den Film gerne mit der deutschen Synchro erwerben möchten sei die schweizer VÖ von Frenetic ans Herz gelegt, bei der man den Fauxpas der deutschen Scheibe glücklicherweise nicht hinbekommen hat.
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Re: Die Filme von Paul Verhoeven

#164
AnatolGogol hat geschrieben:Hier noch ein Hinweis (ich hoffe er kommt für einige noch nicht zu spät...) für alle Freunde physischer Datenträger, die mit dem Gedanken liebäugeln sich Elle auf Blu-ray zu holen: die deutsche BD ist tunlichst zu meiden, da man das Kunststück vollbracht hat den Film beschleunigt in PAL-Geschwindkeit auf die blaue Scheibe zu hauen.
Oh je, wie kann denn so was passieren. Unglaublich ...