Re: Sylvester Stallone Thread

#362
vodkamartini hat geschrieben:Teil 2 ist eine dumpfe B-Granate, die in der richtigen Stimmung schon Spaß macht, aber mich nie so recht begeistern konnte.
ich finde den FIlm auch nicht "dumpfer" als z.B. Jurassic Park oder Die Hard. Natürlich beutet Rambo II seinen politischen Hintergrund schamlos aus und nutzt ihn zur stockkonservativen Propaganda inklusive unterschwelliger Geschichtsumschreibung. Aber die beiden genannten Beispiele machen das auch keinen Deut besser wie ich finde, nur dass sie statt Weltpolitik dann halt eine moralinsaure Heile-Welt-Werte-Botschaft propagieren. Das ist ist in meinen Augen genauso würg - um es mal lautsprachlich auszudrücken - und zumindest bei Die Hard und Rambo II letztlich auch völlig unerheblich, da beide auf handwerklichem Gebiet als Actionfilm dafür viel zu herausragend sind. Als B-Film sehe ich Rambo II übrigens nicht, dafür ist er viel zu hochwertig produziert und in Bezug auf seine Schauwerte state-of-the-art anno 85.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Sylvester Stallone Thread

#363
Rambo 2 bietet tatsächlich ganz gutes Handwerk, und ist leider viel besser inszeniert als Teil 1, der unter seiner durchschnittlichen Regie leidet.

Aber leider ist R 2 auch ein so schematisch konstruierter Film daß er zunehmend langweiliger wird, und nach dem Tod der Vietnamesin ist er nur noch öde.

Re: Sylvester Stallone Thread

#364
Ich sehe Rambo II als Vorreiter und Wegbereiter für den harten Actionfilm der 80er und frühen 90er Jahre. Schematisch finde ich ihn nicht, wenn überhaupt entwickelt er selbst ein später oftmals variiertes Schema und ist so gesehen wie ich finde innovativ. Schematisch finde ich dagegen Cliffhanger, der bei mir auch deshalb verloren hat, weil er in seiner Machart so typisch für die damalige Zeit ist und diesbezüglich kaum nennenswerte eigene Variationen vorweisen kann. Zudem fehlt ihm in Bezug auf das ganz große Actionspektakel (und deren Inszenierung) dann doch eine Schippe zu sagen wie Die Harder - oder eben Rambo II. Übrigens finde ich dass gerade die direkt an den Tod von Co Bao anknüpfende Szene das Highlight des Films darstellt mit der inszenatorischen Krönung in Form von Rambos Flucht vor dem Sprengstofffass kongenial untermalt von Maestro Goldsmiths einmaligem Score. Auch die Vernichtung des Conglangers und der Kampf im Helicopter ist Machoaction vom Feinsten.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Sylvester Stallone Thread

#365
Möchte auch noch erwähnen, dass Cliffhanger so ein Film ist, bei dem ich doch immer wieder hängen bleibe zur Weihnachtszeit. Irgendwie hat dieses typische Die Hard Szenario doch eine eigene Anziehungskraft die immer wieder funktioniert. Dazu die schöne Schnee Stimmung - passt in diese Jahreszeit.

und das ohne dass der Film besondere Qualitäten hätte
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Sylvester Stallone Thread

#366
AnatolGogol hat geschrieben:Ich sehe Rambo II als Vorreiter und Wegbereiter für den harten Actionfilm der 80er und frühen 90er Jahre.
Ja, die sind ja auch alle fast alle nur wenig interessant für mich. Fast alles Filme die ich damals schon gemieden habe, zumindest im Kino.

Klar ist Cliffhanger kein besonders origineller Film, aber er hat ein paar Ideen, und Harlin ist einer der handwerklich besseren Regisseure dieser Art Filme. Besser als McTiernan, und deswegen sind CH und DH 2 für mich auch unterhaltsamer als der gemessen an seinen Möglichkeiten enttäuschende erste DH.
Cosmatos war auch ein handwerklich guter Regisseur, aber er blieb stets unprofiliert.

Und Rambo 2 ist für mich ein Film der halt zu vorhersehbar ist, und außer der Vietnamesin nur extrem langweilige Charaktere hat. Wenn dann die Handlung erst einmal einen bestimmten Punkt überschritten hat, dann ist der Rest so durchschaubar daß jegliche Spannung, jegliches Interesse raus ist. Das empfinde ich dann als sehr schematisch. Ich würde R 2 und 3 insgesamt schon als primitive Filme empfinden, aber nicht auf eine positive Art.
Die haben damals zu Recht so schlechte Kritiken bekommen, während das bei Red Dawn, den ich kürzlich mal gesehen habe, etwas ungerechtfertigt war, da der Film nach einem doch gräßlichen Anfang, dann doch sehr viel differenzierter wird als erwartet.

Re: Sylvester Stallone Thread

#369
War er schon immer. Damals im Kino war ich total enttäuscht, und später ist das nur wenig besser geworden. Bestenfalls 6/10 (immerhin, könnte auch viel schlechter sein), eher 5.

Für mich ist das eine tolle Geschichte mit einer mittelmäßigen Umsetzung. Teil 2 und 3 waren schon immer die besseren Filme, aber großes Kino ist das auch nicht.

Re: Sylvester Stallone Thread

#370
Maibaum hat geschrieben:Die haben damals zu Recht so schlechte Kritiken bekommen, während das bei Red Dawn, den ich kürzlich mal gesehen habe, etwas ungerechtfertigt war, da der Film nach einem doch gräßlichen Anfang, dann doch sehr viel differenzierter wird als erwartet.
Oh, das klingt aber sehr interessant. Würde mich freuen, wenn du darüber im Milius-Thread noch etwas schreiben würdest. Ich sehe den FIlm auch deutlich differenzierter als wie er gemeinhin dargestellt wird.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Sylvester Stallone Thread

#371
AnatolGogol hat geschrieben:Würde mich freuen, wenn du darüber im Milius-Thread noch etwas schreiben würdest.
Und mich, wenn du bei Gelegenheit deinen Jahresrückblick in Vodkas Thread abgeben würdest.

Übrigens, den Zweiten Rambo kenne ich nicht aber das Erste Blut war ein "gut"-Film. Ein paar interessante gedankliche Ideen zum Nachkriegsthema, grundsolide Action aber weit weg vom Meisterwerk.

Da sind Departed und 2001 wesentlich besser im Vergleich.
We'll always have Marburg

Re: Sylvester Stallone Thread

#375
Creed (2015) – Ryan Coogler

Kaum ein anderer Leinwand-Charakter wurde so stark von seinem Darsteller geprägt wie der des „italienischen Hengstes“ Rocky Balboa von Sylvester Stallone. Über sechs Filme hinweg verlieh Stallone der Figur nicht nur absolute Authentizität, sondern ließ darüber hinaus in seiner Funktion als Drehbuchautor und Regisseur eine Menge autobiographischer Züge einfliessen. Wie das Leben der Hauptfigur so durchlief auch die Filmsaga die unterschiedlichsten Stadien von Erfolg und Qualität und fand in dem 2006 entstandenen sechsten Teil einen in dieser Güte nicht mehr für möglich gehaltenen (vermeintlichen) Abschluß. Entsprechend skeptisch musste man beim Auftauchen der ersten Informationen über ein Rocky-Spin-Off sein, da die Ausgangsidee den Sohnemann von Rockys Erzrivalen und Freund Apollo Creed ins Zentrum eines neuen Filmes zu stellen unter gütiger Mitwirkung von Stallones altem Boxidol doch stark nach einer Schnapsidee klang mit latent drohender Gefahr die Rocky-Figur zu beschädigen. Um so erstaunter muss man als vorzeitig unkender Skeptiker dann aber neidlos anerkennen, dass der fertige Film weit davon entfernt ist und dem „Franchise“ ganz neue Facetten abgewinnt bei gleichzeitiger Beibehaltung von all dem, was Fans über die Jahrzehnte so an Figur und Serie liebgewonnen haben.

Zunächst ist festzuhalten, dass Creed sich stilistisch recht deutlich vom 76er Rocky unterscheidet. Creed ist ein lupenreiner Sport-Film mit gut entwickelten Charakteren und einer kleinen Lovestory, im Gegensatz zu Avildsens Original aber eben keine Charakter- und Milieu-Drama, in welchem die Liebesgeschichte zweier sozialer Aussenseiter den Hauptanteil des Filmes einnimmt und bei dem sein Box-Hintergrund fast zufällig erscheint. Entsprechend viel Zeit wird den Boxszenen gewidmet, so gibt es dreieinhalb Ringkämpfe zu bestaunen und der Zuschauer darf viel Zeit beim Training mit den Hauptfiguren verbringen. Diese Fokusierung auf den Sportteil trägt viel zum durchgängig hohen Tempo des Films bei, da so permanent etwas passiert und zudem die Box- und Sportszenen sehr einfallsreich gefilmt sind. Gleichzeitig verbindet Regisseur Coogler diese „Action“-Elemente aber sehr gekonnt mit den Szenen, die zur Charakterisierung seiner Figuren dienen. Apollos unehelicher Spross Adonis sucht dabei bei seinem Versuch sich als Profiboxer zu etablieren Rat und Hilfe beim alten Kumpel seines Vaters Rocky und erhält diese letztlich auch. Vor allem in der Beziehung zwischen dem jungen Adonis und dem alten Rocky blüht der Film dann auch förmlich auf, da sowohl Chemie als auch die dramaturgische Entwicklung der beiden Figuren höchst zufriedenstellend sind.

Etwas weniger gelungen ist hingegen die Liebesgeschichte zwischen Adonis und einer hörgeschädigten Musikerin, die etwas zu beliebig wirkt und auch dramaturgisch nie die Bedeutung hat wie das diesbezüglich große Vorbild Rocky/Adrian. Hier und da bremsen die Zweisamkeits-Szenen das Tempo und den Fluß des Filmes sogar etwas aus, wobei das zugegebenermaßen schon Klagen auf sehr hohem Niveau ist, da auch diese romantischen Szenen durchaus Unterhaltungswert besitzen (und den einen oder anderen Aufhänger für sehr amüsante Szenen mit Rocky bieten). Dennoch bleibt festzuhalten, dass der Film nicht verlieren würde ohne die Beziehungsszenen (tatsächlich sind diese sogar so inszeniert, dass man sie nahezu problemlos aus dem Film herausschneiden könnte).

Der Film stellt entsprechend seines Titels die Figur des Adonis ins Zentrum und folgt seinem Aufstieg und seinen diversen Problemen, die er zu überwinden hat. Wer nun aber befürchtet, dass der vielgeliebte Rocky nur eine bessere Nebenrolle einnimmt sei beruhigt: Stallones Boxerikone spielt ganz klar die zweite Hauptrolle und ist ebenfalls über nahezu die komplette Laufzeit präsent. Zum Glück, denn Stallone ist das Herz und die Seele des Films. Hauptdarsteller Michael B. Jordan macht seine Sache als innerlich zerrissener, oftmals überambitionierter Adonis sehr gut, auch wenn er nicht über das immense Charisma von Stallone verfügt. Coogler ist aber klug genug genau deshalb Jordan auch in vielen Szenen mit Stallone zu kombinieren, wodurch vor allem der jüngere Darsteller (aber auch wie bereits erwähnt der Film an sich) profitiert. Es wird gerne vergessen, dass Stallone seine Karriere im Charakterfach begann und dort durchaus beachtliche Leistungen ablieferte bevor sein Status als Action-Superstar ihn fast vollständig auf kommerzielle Rollen festlegte. Creed zeigt eindrucksvoll, dass Stallone über die Jahre nichts von seinen darstellerischen Fähigkeiten eingebüsst hat. Was seinen Rocky Anno 2016 so interessant macht ist, dass Stallone ihm durchaus neue Facetten abgewinnt. Rocky ist müde geworden, wenn er zu Beginn des Film über Apollo sinniert, dass die Zeit ihn letztlich besiegt hat, so spricht er zu einem guten Teil auch von sich selbst. Durch den Verlust von Adrian und Paulie ist ihm praktisch nichts mehr geblieben für was es sich noch lohnt zu leben und erst die Beziehung zu seinem neuen „Ziehsohn“ Adonis gibt ihm einen Grund zum Weiterleben. Die Brüchigkeit und Subtilität mit der Stallone seinen ausgebrannten Paradecharakter spielt ist bemerkenswert, etwa in einer Szene in der sich Adonis nach Rockys Sohn erkundigt (der Film zeigt ein Bild von Stallone mit dessen mittlerweile verstorbenen Sohn Sage als Kind) ist der Schmerz des Verlustes den Stallone in seine Darstellung legt (Rocky Sohn Robert hat Philadelphia und damit Rocky den Rücken gekehrt) geradezu fühlbar. Spielt Stallone in Creed besser als in Rocky? Nein, aber er spielt anders und kaum weniger beeindruckend,
Spoiler
Show
gerade auch in den Passagen in der zweiten Filmhälfte, in der er seine Figur im Zuge der Krebserkrankung so depremiert und schwach wie nie zuvor spielt
. Gebt dem Mann den Oscar, er hat ihn längst verdient!

Die große Stärke von Cooglers Film neben seinem herausragenden zweiten Hauptdarsteller ist dann die Tatsache, dass er viele Dinge bewusst anders macht als seine Franchise-Vorgänger. So legt Creed weit mehr Wert auf visuelle Gestaltung und nutzt die Kamera deutlich einfalls- und variantenreicher. Etwa wird keiner der diversen Boxkämpfe auf die gleiche Art inszeniert, jeder Kampf weist passend zur Dramaturgie und Entwicklung der Adonis-Figur ihre eigene Charakteristik auf. So ist beispielsweise Adonis erster richtiger Profikampf sehr direkt mit hohem Handheld-Anteil in Szene gesetzt während der finale WM-Kampf dann ganz im Stile der früheren großen Rocky-Ringschlachten inszeniert ist (und glücklicherweise nicht in dem realistischen TV-Look von Rocky Balboa). Doch auch letzterem drückt Coogler seinen eigenen Stempel auf, wie er generell viele schon Rocky-obligatorische Teile wie die Tranings-Montage oder den „Gonna-Fly-Lauf“ auf eine sehr eigenständige Art zeigt. Denn genau das ist Creed in vielen Dingen: ein Blick auf die bekannte Rocky-Reihe von einem anderen Betrachtungswinkel. Alles ist da, aber eben doch alles in bisschen anders. Hier macht es sich wirklich bezahlt, dass Stallone sich von seinem „Baby“ verabschiedet hat und Coogler die Verantwortung für Drehbuch und Regie überlassen hat, da nur so dieser „Blick von außen“, diese gelungene Modernisierung möglich war. Und glücklicherweise erweist sich Coogler als großer Fan der Serie, dessen Liebe zu den alten Filmen in vielen Szenen offensichtlich wird und der nicht nur Dinge verändert und modernisiert des Änderns willen.

Mit Creed erlebt die Rocky-Saga eine in dieser Form nicht mehr für möglich gehaltene Fortsetzung und mehr als das eine regelrechte Wiedergeburt. Regisseur Coogler beweist dabei genau das richtige Händchen für seine Mischung aus eigenständiger Neuausrichtung und traditioneller Hommage, wodurch sein Film zu keinem Zeitpunkt klischeehaft oder altbekannt wirkt (wie beispielsweise in jüngster Zeit Southpaw). Dies ist um so erstaunlicher, da in Papierform der Film fast schon ein Quasi-Remake des Originals darstellt: nicht mehr ganz junger Boxer ist unzufrieden mit seinem bisherigen Leben, sieht sich als Versager und will im Boxen Anerkennung finden, sucht Unterstützung beim weisen Boxmentor, der sie ihm erst versagt, sie ihm dann aber doch gewährt und letztlich genau so viel von der Beziehung profitiert, der junge Boxer findet Halt in einer neuen Liebe und bekommt überraschend die Chance um den WM-Titel zu kämpfen.
Spoiler
Show
Selbst das Ende des Kampfes entspricht mit seiner „Sieger der Herzen“-Botschaft dann exakt dem Original, wobei man sich hier etwas mehr Originalität gewünscht hätte.
Dennoch ist Creed letztlich viel zu eigenständig und dramaturgisch und inszenatorisch viel zu versiert, als dass dieser Remake-Charakter wirklich auffallen würde – wie gesagt eben wie ein frischer Blick von außen. Ein paar kleinere Schönheitsfehler verhindern den ganz großen Wurf, aber auch so ist Creed ein herausragender Film geworden, der Lust auf mehr macht, aber gleichzeitig auch sehr deutlich macht, wie wichtig und unentbehrlich Stallone nachwievor für die Serie ist.

Wertung: 9 / 10
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"