Jean-Paul Belmondo

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AnatolGogol
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6. April 2013 19:00

Am kommenden Dienstag wird Jean-Paul Belmondo 80 Jahre – Grund genug wie ich denke einem der größten Stars des europäischen Films einen eigenen Thread zu spendieren. Für mich ist Bebel - wie die Franzosen ihren Belmondo liebevoll nennen – zusammen mit Clint Eastwood mein absoluter Lieblingsdarsteller, diese Begeisterung wurde bereits in frühen Jahren (die seligen 80er) durch zahlreiche TV-Ausstrahlungen seiner Filme in den öffentlich rechtlichen Sendern (damals gab es ja noch nichts anderes) indoktriniert. Belmondo hatte in den 80ern im deutschsprachigen Raum eine enorme Popularität inne und entsprechend waren Ausstrahlungen seiner Filme eine genauso große Sache wie die damaligen TV-Erstausstrahlungen der Bondfilme. Wie man Belmondo überhaupt auch als so etwas wie die kontinentale Antwort auf den britischen Doppelnull Agenten verstehen kann, da sich im Oevre von Bebel durch die Jahrzehnte hindurch immer wieder Überschneidungen mit der Stilistik und dem Inhalt der Bondfilme finden lassen (der Schreiber dieser Zeilen – immerhin bekennender und glühender Fan der Fleming-Verfilmungen - liess sich sogar einmal zu der Bemerkung hinreissen, Bebel sei ja eigentlich der bessere James Bond gewesen). Trotz der Tatsache, dass das französische Kino der 60er und 70er Jahre alles andere als arm an charismatischen Stars war (Ventura, Delon, Gabin - um nur einige zu nennen) hatte Belmondo immer eine Sonderstellung inne. Gelang es ihm doch wie keinem anderen den Spagat zwischen den Genres und zwischen „E“ und „U“ scheinbar genau so problemlos zu bewältigen wie viele seiner Stunts. Er wusste genau so in schauspielerisch anspruchsvollen dramatischen Rollen zu überzeugen wie auch als kraftstrotzender ironisch-cooler Held in zahlreichen Actionreissern. Als besonderen Bonus brillierte Bebel obendrein durch sein wunderbares komödiantisches Talent in einigen der schönsten und besten Komödien der 60er und 70er Jahre. Die Tatsache, dass Belmondo nahezu alle seiner Stunts immer selbst durchführte (was zu einigen sehr ernsthaften Verletzungen führte) trug genauso zu seiner Legendenbildung bei wie seine charmante und unkomplizierte Art (gern denke ich daran zurück, als ein junger Boris Becker bei den French Open in den 80ern nach dem Versuch einen Ball noch zu erlaufen ungebremst in Belmondos Loge krachte und dieser dem deutschen Tennisstar lachend wieder auf die Beine half). Darum: ein dreifach hoch auf die Lederblouson-Ikone mit der charakteristischen Boxernase – a votre sante und hoffentlich noch viele Jahre!

Bebels 80er kommt mir als Anlass zur Wiederholungssichtung einiger seiner Filme gerade recht, ich werde versuchen in den nächsten Tagen und Wochen an dieser Stelle jeweils ein paar Zeilen zu den betreffenden Filmen zu schreiben. Damit es hier vorerst nicht so leer ist und der Thread noch etwas „content“ bekommt hier schon mal als Appetizer ein paar meiner früheren Kritiken zu Belmondo-Filmen.


Angst über der Stadt (1975) - Henri Verneuil

Mit den Belmondo-Klassikern der 70er Jahre ist es genau wie mit den großen französischen Weinen: sie werden mit zunehmendem Alter im besser! Da ist Verneuils knochentrockener Psycho-Reisser keine Ausnahme, im Gegenteil stellt er einen von Belmondos besten Actionfilmen dar. Belmondo gibt die Rolle des ultratoughen Superbullen, die er in den Folgejahren noch diverse mal zelebrieren sollte, bereits hier derart überzeugend und kompromisslos dass es die reine Freude ist. Tiefgang oder großartige Figurenzeichnung sind hier nicht gefragt, die Figuren werden sattdessen charakterisiert durch ihr Handeln sowie ihr Umfeld. Das mag in vielen Dingen überzeichnet sein, passt aber perfekt zum supergrimmigen Gesamteindruck des Films. Angst über der Stadt ist ein enorm atmosphärischer Film und wirkt in vielen Szenen fast schon dokumentarisch. Hier hat sich Verneuil offensichtlich stark von Friedkins French Connection inspirieren lassen. Mehr noch als das ist die große Verfolgungsjagd in der Mitte des Films ganz offensichtlich stark an den sehr ähnlich aufgebauten Verfolgungsklassiker in French Connection angelehnt. Erstaunlich ist dabei, dass Verneuil hier das Kunststück gelang das Original sogar noch zu toppen, nicht zuletzt dank des schier unglaublichen physischen Einsatzes seines Hauptdarstellers. Belmondos Stunts in Angst über der Stadt sind nicht mehr von dieser Welt: er klettert in schwindelerregender Höhe über den Dächern von Paris, jagt in höchstem Tempo durch den BErufsverkehr von Paris, sprintet aufrechtstehend auf einer fahrenden Metro oder springt an einem HElicopter hängend in ein Penthouse - alles natürlich wie immer ungesichert und ohne doppelten Boden - einfach irre! Unterstützt werden diese mehr als eindrucksvollen Szenen durch ungewöhnliche Kamerawinkel, die das Ausmaß der GEfahr noch besser verdeutlichen. Verneuils Inszenierung ist flüssig und lässt keine Hänger aufkommen. Die Spannung wird permanent hochgehalten, die Actionszenen sind dramaturgisch klug gesetzt. Morricones verstörender Score setzt dem Ganzen dann noch die Krone auf. Fazit: grimmig, sarkastisch, clever, einfach nur hervorragend!
Wertung: 9,5 / 10






Der Puppenspieler (1980) – Georges Lautner

Lautners Genremix Der Puppenspieler sah Hauptdarsteller Belmondo auf dem Zenith seiner zweiten Karrierephase als Action- und Komödienstar. Entsprechend ist hier auch alles auf die Lederblouson-Ikone ausgerichtet und funktioniert trotz durchaus namhafter Nebendarsteller wie Michel Galabru oder Charles Gerard als One-Man-Show. Und das ist gut so, Belmondo zieht alle Register seines Könnens, brilliert genauso in den gewohnt herrlich überzeichneten komödiantischen Szenen wie als „Hansdampf-in-allen-Gassen“ in den handfesten (und wie üblich von Bebel selbst übernommenen) Actionszenen. Lautners Inszenierung ist launig, temporeich und mixt gekonnt die diversen Genreversatzstücke von Komödie über Spionagethriller bis hin zum Actionflick. Ausschmückende oder gar aufhaltende Szenen sucht man im Puppenspieler vergeblich, nahezu jede einzelne Szene ist auf einen Höhepunkt hin inszeniert, was die Kurzweiligkeit des Ganzen enorm fördert. Und trotzdem funktioniert der Film auch als zusammenhängende Story, wenn gleich natürlich vor allem der Anfang und der Schluss schon etwas merkwürdig in der Luft hängen. Wirklich ins Gewicht fällt das aber nicht, da der Film und sein Hauptdarsteller vor allem eines machen: Spass! Wenn dann auch noch gekonnt Anleihen beim kein Jahr zuvor an gleicher Stelle gedrehten MR gemacht wird ist der augenzwinkernde Verweis auf die (bessere?) kontinental-europäische Antwort auf James Bond perfekt. Der Puppenspieler ist einer von Belmondos schönsten Filmen und gerade für Bebel-Neulinge ein empfehlenswerter Einstieg in das Schaffen des größten europäischen Filmstars der 70er und 80er Jahre. Gekrönt wird das gleichermaßen rasante wie witzig-übedrehte Spektakel durch die furiose deutsche Fassung von Synchron-Legende Rainer Brandt, der dem ganzen die richtige Mischung aus albern-kalauernden Sprüchen („Madame, mir steht die Überraschung nicht nur im Gesicht!“) und cool-sarkastischen Onelinern verpasste („Ich werde sie kriegen – mit aller Macht!“ „Was sie kriegen können ist vielleicht was aufs Maul!“). Bon Appetit!
Wertung: 9 / 10






Der Teufelskerl (1973) – Philippe de Broca

Der Teufelskerl ist eine der besten und schönsten Komödien von Frankreichs „Hans-Dampf-in-allen-Gassen“ Jean-Paul Belmondo. Für Bondfans ist der Film auch deshalb sehr interessant, da er liebevoll viele Klischees der Bondfilme auf die Schippe nimmt. Die Story dreht sich um den Überagenten Bob Saint-Clair, der wie man es von einem Überagenten erwarten kann problemlos jede Krise meistert, Horden von Gegnern niedermäht und nebenbei natürlich auch noch das Mädchen bekommt. Das alles ist wunderbar bunt und übertrieben in Szene gesetzt und rast in abenteuerlichem Tempo von Höhepunkt zu Höhepunkt. Ernst und heilig ist hier nichts, da spritzt das Kunstblut gleich gallonenweise, eine handvoll Gegner werden dann auch mal durch einen Schuss niedergestreckt oder ein Agent in einer Telefonzelle von einem Hai gefressen (!). Doch dann – zack – das Publikum wird abrupt aus der bunten Agent des Superagenten Bob Saint-Clair gerissen und mitten in die triste Welt seines Schöpfers, des Autors Francois Merlin katapultiert (natürlich ebenfalls verkörpert von Bebel). Dieser hat seine liebe Mühe mit diversen Problemen des Alltags, sei es nun eine störende Putzfrau, faule Handwerker oder eine kaputte R-Taste auf seiner Schreibmaschine (weswegen seine Figuren in der Parallelwelt kurzzeitig alle ohne R sprechen). Zu all dem gesellt sich auch noch das Problem, dass ihm sein jüngster Bob Saint-Clair-Roman weit weniger flott von der Hand geht wie die 42 Vorgängerromane und er in drei Tagen abliefern muss. Entsprechend spinnt er seine Alltagserlebnisse in seinem Saint-Clair Roman weiter und so bekommen beispielsweise die im echten Leben wieder einmal unverrichteter Dinge von Dannen gezogenen Handwerker von dem guten Bob dann auch die Rechnung in Blei präsentiert.

Das permanente Wechseln zwischen den beiden Ebenen ist der eigentliche Clou des Films, man darf miterleben wie Autor Merlin sein Privatleben immer mehr auf sein literarisches Werk projeziert – was zu allerlei kunterbunten Episoden führt, wie man sie gemeinhin nicht in einem Agentenfilm erwarten würde. Belmondo ist fabelhaft und trumpft sowohl als ultracooler und handfester Superagent wie auch als kurzatmiger, tapsiger und kauziger Autor auf. Letzteres gibt ihm die Möglichkeit alle Register seines komödiantischen Könnens zu zeigen. Ähnlich wie der zwei Jahre später entstandene und ebenfalls von de Broca inszenierte „Der Unverbesserliche“ hat auch „Der Teufelskerl“ über weite Strecken ein enorm hohes Tempo und eine hohe Gagdichte. Einziger Wehrmutstropfen für mich als bekennender Synchronfan: Der Teufelskerl ist wohl der Film, bei dem ich mir Rainer Brandt am meisten auf Belmondo gewünscht hätte. Kindler macht zwar – wie immer – einen guten Job. Aber gerade in den überdrehten komödiantischen Szenen wäre ein Brandt in „Der Unverbesserliche“-Form die Krönung gewesen. Aber auch so ist der Film ein großer Spass.
Wertung: 8 / 10

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GoldenProjectile
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7. April 2013 18:06

Sehr schön zu lesen, deine „paar Zeilen“ schaffen wieder einmal sofort Interesse an der Materie. Der Teufelskerl habe ich vor ein paar Jahren mal im TV gesehen, war ein grosser Spass da herrlich überzeichnet und selbstironisch. Wenn es sich einrichtet werde ich in näherer Zukunft ein paar Anschaffungen zu „Bebel“ machen, habe mir auch gerade die verlinkten Trailer zusammen mit meinem Vater angesehen. Der kennt sich aus mit dem französischen Kino der 1970er und 1980er und wäre sofort auch mit dabei.
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AnatolGogol
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8. April 2013 16:02

GoldenProjectile hat geschrieben:Sehr schön zu lesen, deine „paar Zeilen“ schaffen wieder einmal sofort Interesse an der Materie. Der Teufelskerl habe ich vor ein paar Jahren mal im TV gesehen, war ein grosser Spass da herrlich überzeichnet und selbstironisch. Wenn es sich einrichtet werde ich in näherer Zukunft ein paar Anschaffungen zu „Bebel“ machen, habe mir auch gerade die verlinkten Trailer zusammen mit meinem Vater angesehen. Der kennt sich aus mit dem französischen Kino der 1970er und 1980er und wäre sofort auch mit dabei.
Danke für deine netten Worte, es freut mich wenn es mir gelungen ist meine Begeisterung in Worte zu fassen. :D Es freut mich zu hören, dass du dich des Themas Belmondo etwas annehmen möchtest, da gibt es jede Menge toller Filme zu entdecken, ich denk du wirst nicht enttäuscht werden.

Ich habe mir am Samstag und Sonntag drei sehr unterschiedliche Filme aus dem Oevre von Belmondo vorgenommen, hier ein paar Worte dazu:


Der Unverbesserliche (1975) – Philippe De Broca

Der Unverbesserliche ist in meinen Augen Belmondos beste Komödie, vereint sie doch auf grandiose Art und Weise Hochgeschwindigkeitssprachwitz und –Slapstick mit einer charmanten Gaunerkomödie. Belmondo zieht in der Rolle des liebenswerten Hochstaplers Victor Vauthier alle, aber auch wirklich alle Register und liefert sein komödiantisches Meisterstück ab. Er grimassiert, gestikuliert, imitiert, fabuliert auf alle erdenklichen Arten und das in einem Tempo dass man kaum hinterherkommt. Höhepunkt dabei sind sicherlich die verschiedensten Rollen in die er als Hochstapler schlüpft: sei es als debiler Gärtner, englischer Waffenhändler, plattdeutscher Seebär, glatzköpfiger Lieferant oder lispelnder Hausmeister – wobei er auch nicht davor zurückschreckt in Toga oder Frauenfummel durch die Gegend zu stolzieren. Man muss den guten Victor ob seiner fantasievollen und charmanten Art die Leute hinters Licht zu führen einfach mögen. Kongenial wird Belmondos spektakuläre Darbietung von Synchron-Ass Rainer Brandt unterstützt, der als Bebels deutsche Stimme hier ebenfalls eine Meisterleistung abliefert. Die deutschen Dialoge sind dabei spritzig, pointiert und vor allem in einem solchen Tempo, dass man schon wirklich sehr gut aufpassen muss, damit man alle Gags mitbekommt. Die tolle Besetzung (Bujold, Guiomar, Gerard, Ferreol, Capucine) tut ihr übriges und sorgt dafür, dass Der Unverbesserlich nicht nur zur Ein-Mann-Show wird sondern auch durch eine Reihe herrlich skurriler Nebenrollen begeistern kann. Gibt es einen Kritikpunkt an diesem Gute-Laune-Feuerwerk, dann dass das Tempo in der zweiten Hälfte etwas nachlässt - aber was heisst das schon angesichts des schier aberwitzigen Tempos der ersten Dreiviertel Stunde. Denn ansonsten macht der Film seinem Namen alle Ehre: er ist in der Tat unverbesserlich.
Wertung: 9,5 / 10






Dünkirchen, 2. Juni 1940 (1965) – Henri Verneuil

Die Kombination Verneuil-Belmondo war eigentlich (fast) immer ein Garant für äußerst sehenswerte Filme – man denke nur an den großartigen Angst über der Stadt – da ist auch diese Mischung aus Kriegsfilm und Drama keine Ausnahme. Erzählt werden die Ereignisse rund um die Einkesselung und Evakuierung der alliierten Streitkräfte in bzw. aus Dünkirchen zu Beginn des 2. Weltkrieges. Der Film wartet dabei mit zwei recht unterschiedlichen Perspektiven auf: zum einen die Betrachtung der historischen Ereignisse, welche sehr spekatkulär und aufwändig in Szene gesetzt wurden. Unmengen an Statisten, beeindruckende Kullissen bzw. Locations und allerlei an Kriegsgerät sorgen für eine authentische Darstellung der Geschehnisse in und um Dünkirchen. Die zweite Perspektive ist eine weit intimere, nämlich die aus Sicht der einfachen Soldaten. Als solcher zu sehen ist der junge Jean-Paul Belmondo, der innerhalb dieser ereignisreichen zwei Tage ein „Weekend“ der besonderen Art erlebt. Der Film begleitet ihn und seine Kameraden bei ihren Erlebnissen, die immer wieder durch die permanenten Angriffe der deutschen Luftwaffe unsanft gestört werden. Entsprechend ist „Kamerad Tod“ ein dauerhafter Begleiter, der den Soldaten im Laufe des Films immer wieder begegnet. Man wird Zeuge, wie die Soldaten inmitten der Kriegswirren auch immer auf der Suche nach so etwas wie „zivilen Momenten“ sind, welches bei Belmondos Figur in einer Romanze mit einer Einheimischen kulminiert. Verneuils Film hebt sich damit deutlich vom „normalen“ Kriegsfilm ab und ist wesentlich mehr am Innenleben seiner Protagonisten interessiert denn an spektakulärem Feuerzauber (den der Film aber dennoch auch bietet). Wirkt Dünkirchen, 2. Juni 1940 (ein noch sperrigerer Titel ist dem deutschen Verleih wohl nicht eingefallen) zuweilen auch etwas episodenhaft und manche der Dialoge allzu moralinsauer, so gelingt es ihm dennoch über die gesamte Laufzeit zu unterhalten und sein Anliegen zu vermitteln. Belmondo bietet eine starke Vorstellung als durch den Krieg zunehmend zynischer werdender Soldat, der aber dennoch immer darauf bedacht ist sich seine Menschlichkeit zu erhalten.
Wertung: 7,5 / 10






Der Profi 2 (1987) – Jacques Deray

Selbst Belmondos glanzvolle Karriere hatte nicht ausschliesslich Höhepunkte zu bieten, die Pseudo-Fortsetzung zu Georges Lautners Riesenerfolg Der Profi muss man in diesem Zusammenhang wohl als Karrieretiefpunkt von Bebel ansehen. Selbst das Wort „Pseudo-Fortsetzung“ geht natürlich völlig am Thema vorbei, handelt es sich bei dem im Original „Le Solitaire“ betitelten Streifen doch um einen völlig eigenständigen Film, der mit Lautners Klassiker außer dem Hauptdarsteller (und den gewohnten Lederblousons) gar nix gemein hat. Aber wäre dieses marketingtechnische Schelmenstück des deutsche Verleihs der einzige Schwachpunkt des Films, man würde ähnlich wie bei den kuriosen deutschen Titeln der Lethal Weapon-Reihe mit einem Schmunzeln darüber hinweggehen. Leider versagt „Der Profi 2“ auch in jeglicher anderer Hinsicht. Derays Film ist ein Actioner ohne Action, ein Drama ohne Dramatik, eine Komödie ohne Humor. Und das alles schön zäh und spannungslos angerichtet. Belmondo rüpelt sich durch den Film mit gewohnt rustikalen Methoden, nur geht seiner Darstellung des Superbullen diesesmal jeglicher Charme und sämtliche Coolness früherer Filme ab. Entsprechend wirkt es dumpf und stupide, wenn er mal wieder jemanden „die Fresse verbeult“. Handlungstechnisch ist das Machwerk eine ziemliche Nullnummer, Belmondos Kommissar Stan (was für ne Lachplatte, der Kommissar wird von Freund und Feind immer nur mit Dienstgrad und Vorname genannt) will Rache für seinen toten Kollegen und Freund, der von „Frankreichs Public Enemy Nummer 1“ (wie die deutsche VHS-Kladde seinerzeit herrlich denglishte) Schneider (sprich: Schneeedäääärrrr) höchst unsanft das Lebenslicht ausgeblasen bekam. Zu allem dramatischen Überfluss darf sich Superbulle Stan dann auch noch um den verwaisten und pubertierenden Bengel seines dahingemeuchelten Kollegen kümmern. Die hilflos zwischen Drama und Komödie schwankenden Szenen mit dem Kommissar und seinem Patensohn sind dann auch in ihrer bleiernen Belanglosigkeit mit die schwächsten des ganzen Films – zum Fremdschämen schön.

Aber auch die zentrale Rachegeschichte ist ein besserer Witz, man verfolgt knappe 90 Minuten lang ermüdende „Polizeiarbeit“, wenn mal wieder ein kleines Unterweltlicht von Kommissar Stan und seinen Leuten runtergeputzt wird oder gleich „was in die Fresse“ bekommt. Alles natürlich im Dienste der höheren Gerechtigkeit um „Schneeedäääärrr“ dingfest zu machen (bzw. der Rache von Kommissar Stan zuzuführen). Dass dies moralisch fragwürdig und in den seltensten Fällen politisch korrekt ist: geschenkt. Viel schlimmer ist die lahmende Monotonie mit der die Geschichte im Stile einer unterdurchschnittlichen Derrick-Folge behäbig vor sich hin tuckert. Selbst als Trashfest scheitert der Film – trotz einiger skurril-witziger Momente (man könnte mit dem Machwerk ob seiner hölzernen Klischeehaftigkeit durchaus seinen Spass haben – wäre es nicht so furchtbar langweilig). Der Profi 2 wird häufig in einem Atemzug mit dem ebenfalls von Deray inszenierten „Der Aussenseiter“ als Tiefpunkt in Belmondos Karrierre genannt. Der Unterschied zwischen diesen beiden Film ist jedoch: Der Aussenseiter – inhaltlich ähnlich simplizistisch und moralisch mindestens genauso dumpf – überzeugt mit einigen grandiosen Actionszenen und einem Belmondo, dessen Kommissar Jordain trotz aller Ruppigkeit auch ein gewisser Charme und eine ordentliche Portion Coolness nicht abgeht. Zudem punktet Der Aussenseiter mit einem von Henry Silva verkörperten tollen Schurken und einem gewohnt erstklassigen Score von Maestro Morricone. Bei Der Profi 2: Fehlanzeige in allen Belangen. Am vielleicht schlimmsten: der Film hat außer ein paar kleineren Schusswechseln und Prügeleien keinerlei Actionszene, vermutlich eine Reaktion auf Belmondos schweren Unfall bei den Dreharbeiten zu Der Boss zwei Jahre zuvor, nach welchem Bebel eigentlich seine Karriere als Actionstar beenden wollte. Hätte er es mal lieber getan, denn so markiert Der Profi 2 den unwürdigen Endpunkt seines Karrieresegments als Actionheld und Superbulle.
Wertung: 4 / 10

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8. April 2013 16:14

angst über stadt und der puppenspieler sind unschlagbar :)

kenne leider noch bei weitem nicht alle, aber der profi, der windhund, der unverbesserliche, der greifer, ein irrer typ und das as der asse habe ich unzählige male seit meiner kindheit gesehen. es gibt kaum einen sympatischeren schauspieler als ihn. ausserdem rechne ich ihm hoch an dass er die meisten stunts selbst gemacht hat.
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8. April 2013 16:41

Habe noch keinen seiner Filme gesehen, muss ich gestehen :(
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8. April 2013 16:44

Muss GoldenProjectile da völlig zustimmen, kaum liest man einen Moment deinen ersten Beitrag, schon hat man gleich Lust daran, sich die Filme mal vorzunehmen, war schon beim Dario-Argento-Therad und bei Edgar-Wallace so :)

Muss auch gestehen, keinen dieser Filme zu kennen, aber das werde ich (jetzt) sicherlich nachholen.
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9. April 2013 10:41

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Medienbeiträge zu Jean-Paul Belmondos Achtzigsten


Zum 80. Geburtstag von Frankreichs Weltstar von Hanns-Georg Rodek

Kultschauspieler Jean-Paul Belmondo feiert seinen 80. Geburtstag

Stern TV - Die überraschenden Seiten eines Filmstars


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23. April 2013 16:19

Die Glorreichen (1984) – Henri Verneuil

Das 1983 entstandene Kriegsabenteuer „Die Glorreichen“ war die letzte Zusammenarbeit des Erfolgsduos Belmondo/Verneuil, leider fiel das Endresultat zwispältig aus. Der Film steht thematisch und in seiner Machart ganz in der Tradition von Filmen wie Stosstrupp Gold, es handelt sich also um keinen „echten“ Kriegsfilm, sondern das Kriegsszenario wird als Backdrop für eine launige Abenteuergeschichte benutzt, in welcher durchaus auch Platz für Humor ist. Belmondo spielt einen Fremdenlegionär, der im Frühjahr 1943 mit den verbliebenen Soldaten seiner Einheit den Inhalt einer französischen Bank im nordafrikanischen El Ksour auf eigene Faust abgreifen möchte. Dummerweise stehen ihm da eine deutsche Einheit, ein Bankdirektor und dessen ebenfalls eigene Absichten verfolgende Frau, ein deutscher Panzerkommandant und der nicht an kriminellen Machenschaften interessierte Sergeant seiner Einheit im Weg – aber Belmondo wäre nicht Belmondo (schon gar nicht in einem Film der frühen 80er) wenn ihn das aufhalten würde. Entsprechend rummst und knallt es ordentlich und Belmondo kann zeigen, wie erstaunlich fit er für seine damals immerhin schon 50 Lenze noch ist. Die Actionszenen sind Belmondotypisch rau und hart, die Schlägerei zwischen ihm und Constantin ist gleichermaßen spektakulär wie realistisch, nichts wirkt hier gestellt.

Dadurch dass der Film über große Teile der Laufzeit nur an einem Schauplatz spielt (dem weitgehend verwüsteten Stadtkern von El Ksour inklusive Bank und Fort) fehlt es dem Film allerdings etwas an scope und scale. Dafür hat sich der kräftezehrende Dreh im Glutofen von Tunesien bezahlt gemacht, da Sets und Locations entprechend authentisch wirken. Die Geschichte entwickelt sich etwas zäh und es hilft dem Film auch nicht wirklich, dass er recht episodenhaft daherkommt. Ebenso bleiben die Figuren sehr klischeehaft und oberflächlich, am interessantesten ist dabei noch der „jeder-legt-jeden-rein“-Ansatz und die Tatsache, dass hier in Punkto Moral nicht nach Nationalitäten unterschieden wird - alle handeln gleichermaßen amoralisch und auf den eigenen Vorteil bedacht. Der Film hat durchaus einige ernstere Momente, etwa wenn beispielsweise gleich in der Eröffnungsszene nahezu eine komplette Einheit der Fremdenlegion ausgelöscht wird und Belmondo anschschliessend über die Sinnlosigkeit dieses Himmelfahrtskommandos siniert. Aber angesichts des vergleichsweise lässigen und zynischen Tons den der Film über weite Strecken anschlägt sind dies nur vereinzelte Tropfen auf den heissen nordafrikanischen Wüstenstein. Man sollte um bei diesem Film auf seine Kosten zu kommen daher auch keine Probleme damit haben, dass Belmondo auch in Mitten der Kriegswirren zum ultracoolen und sprücheklopfenden Alleskönner stilisiert wird. Das mag in unserer heutigen über-politisch-korrekten Welt befremdlich anmuten, hat aber durchaus seinen eigenen, rüden Charme und wer „seinen Bebel“ genau so sehen möchte (und das waren in den 80ern sehr viele), der ist hier an der richtigen Stelle. Denn Sprüche (Brandt sei dank) und coole Posen gibt es hier in Hülle und Fülle, dass der Film praktisch ohne echtes Ende aufhört (und damit fast schon so etwas wie eine Homage an Der Puppenspieler darstellt) spielt da dann auch kaum mehr eine Rolle.

Fazit: Wer auf raue, ungeschliffene Kriegsaction steht und in Punkto political correctness eher schmerzfrei ist kann bei Die Glorreichen durchaus auf seine Kosten kommen. Mit einer zügigeren Inszenierung und einer konsistenteren Handlung wäre sogar noch wesentlich mehr drin gewesen, so bleibt unterm Strich aber immerhin noch eine weitgehend unterhaltsame Heldenschau.
Wertung: 6,5 / 10






Ho! – Die Nr. 1 bin ich (1968) – Robert Enrico

„Ho!“ oder „Die Nr. 1 bin ich“ wie er im üblichen deutschen Titelwahnsinn so schön heisst ist ein interessantes Thrillerdrama, das nicht unbedingt die Pfade einschlägt, die man (vor allem auch angesichts des deutschen Titels) vermuten würde. Belmondo spielt einen in die Kriminalität abgerutschten ehemaligen Rennfahrer, der nach diversen Dingern als kleiner Lakei und einem kurzfristigen Knastaufenthalt sich aus Eitelkeit und Selbstüberschätzung dazu berufen fühlt der ganzen Welt den großen Gangsterboss vorzuspielen. Sein Spiel mit Presse, Öffentlichkeit und der Polizei geht einige Zeit gut, endet aber im Fiasko. Entsprechend bekommt man hier den „üblichen“ Belmondo auch nur in recht kleinen Dosen zu sehen, stattdessen erlebt man die meiste Zeit einen kleinen, unbeholfenen und und auch nicht unbedingt sympathischen Ganoven, der nicht nur sich sondern auch sein Umfeld ins Verderben zieht. Belmondos Darstellung ist erstaunlich, gerade weil er hier zwar oft den „Coolen“ markiert – aber seine Darstellung letztlich darauf ausgerichtet ist dem Publikum zu zeigen: hier ist jemand, der gerne so wäre, es aber letztlich nicht ist. Man erlebet ihn in einer Szene gar völlig zusammenbrechend ob des verhängnisvollen Niedergangs, den sein Leben nach einem Unfall als Rennfahrer genommen hat. Das ist sehr intensiv gespielt und Belmondo weiss in dieser für ihn ungewöhnlichen Rolle zu überzeugen.

Passend zu dieser Charakterisierung der Hauptfigur sind auch Stil und Stimmung des Filmes eher trist und düster. Man hat angesichts dessen auch nie wirklich den Eindruck, dass die Aktionen von Belmondos Figur irgendwo anders enden könnten als in einer Katastrophe. So gesehen hat „Ho!“ fast schon etwas von einer klassischen Tragödie, in welcher die Götter den Lauf der Dinge bereits im Vorefeld unweigerlich festgelegt haben. Das ist dennoch fesselnd zu beobachten und der Film punktet durchaus auch mit einigen netten Wendungen, so zB der Art und Weise wie sich Belmondo aus dem Knast befreit. Allerdings scheitert die Regie daran dem Film echte Spannung zu vermitteln. Selbst die Inszenierung der Überfälle erfolgt merkwürdig nüchtern und unspektakulär. Hier verschenkt der Film in meinen Augen viel Potenzial und das führt dann letztlich auch dazu, dass vor allem die zweite Filmhälfte durchaus ihre Hänger hat. So ist der Film unterm Strich als Milieu- und Charakterstudie deutlich gelungener denn als Thriller.
Wertung: 6,5 / 10

P.S. Interessante Randnotiz zu Die Nr. 1 bin ich ist die Tatsache, dass es zwei deutsche Fassungen gibt. Die erste wurde Ende der 60er erstellt mit Klaus Kindler auf Belmondo und entspricht in ihrer nüchterenen, fatalistischen Art der Stimmung des Originals. Die zweite Fassung entstand in den frühen 80ern im Zuge des großen Erfolgs von Filmen wie Der Profi, als man dem Film eine zweite Kinoauswertung spendierte. Hier ist Rainer Brandt auf Belmondo zu hören und entsprechend wird aus der zum scheitern veruteilten Hauptfigur der in gewohnter Manier sprücheklopfende „Supertyp“. Da man zudem einige Szenen entfernte, die zu diesem Bild nun gar nicht passten bekommt der Film in dieser Fassung ein merkwürdiges Eigenleben, hat aber immer noch genügend von der ursprünglichen Grundstimmung, so dass der brandtsche Ansatz um so eigentümlicher wirkt (etwa wenn in der dramatischen Schlusseinstellung Brandt einen Witz über Belmondos zersauste Frisur macht, nur um sich Sekunden später in völlig ernstem Ton nach dem Tod einer zentralen Figur zu erkundigen).




Der Profi (1981) – Georges Lautner

Georges Lautners Der Profi ist in vielerlei Hinsicht Belmondos bester Film, verknüpft er doch auf meisterliche Art einen harten und actionreichen Reisser mit einer hintergründigen und durchaus anspruchsvollen Geschichte. Belmondo spielt den französischen Agenten Joss Beaumont, der von der französischen Regierung den Auftrag erhält einen missliebigen afrikanischen Diktator zu liquidieren. Doch die Staatsinteressen drehen sich und Beaumont wird von seinen Auftraggebern verraten, wodurch er nach einem Schauprozess in einem afrikanischen Arbeitslager landet. Beaumont gelingt die Flucht und nach zwei Jahren keht er nach Frankreich zurück mit der Absicht auf Rache, just in dem Moment als sich sein ehemaliges Ziel zum Staatsbesuch angekündigt hat. Was folgt ist ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Beaumont und den französischen Behörden, wobei nie zweifelsfrei klar ist wer die Katze und wer die Maus ist. Die Figuren sind durch die Bank großartig gezeichnet, zwar ergreift der Film jederzeit die Partei des „ausgenutzten“ Beaumont, gleichzeitig bekommen aber auch seine Gegenspieler genügend Szenen um sich definieren zu können. So ist es vor allem der von Robert Hossein wunderbar widerwärtig verkörperte Kommissar Rosen („von der wilden Brigade. Man nennt uns so, Madame.“) , der einen mehr als nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Dennoch ist Belmondo das Zentrum des Films und seine Präsenz und sein Charisma dominieren jede Szene, in welcher er mitspielt. So wie die gekonnte Mischung aus Actionfilm, Thriller, Drama und Komödie die große Stärke des Filmes ist, so glänzt auch Belmondos Darstellung aus dem gelungenen und nie unpassenden Wechselspiel zwischen toughem „Supertyp“ (man verzeihe mir den inflationären Gebrauch dieses in Bezug auf Belmondos Rollenklischee der 70er und 80er absolut passenden Begriffs) und sprücheklopfendem Pfiffikus („Gestatten: Beaumont, Spionage und Schnauzen-Polierer“). Dennoch wird Der Profi trotz aller auflockernden Heiterkeit nie albern und verliert nie seinen grimmigen Charakter. Das Arbeitslager und der Verrat mögen Beaumont körperlich nicht gebrochen haben, aber im Inneren ist er nicht mehr der Mann, der er war als er zu seiner Mission aufbrach. Dieser desillusionierte, tief enttäuschte Aspekt der Beaumont-Figur wird in Belmondos Darstellung großartig herausgearbeitet.

Lautners Inszenierung ist famos, es wechselt mühelos zwischen enorm spannenden Szenen, auflockernden humoristischen Einlagen und spektakulär in Szene gesetzten Actionpassagen, in denen Belomondo in gewohnter Manier immer mitten im Geschehen ist. Der Film bleibt immer irgendwo unberechenbar, da man nie weiss welches Genre er als nächstes zitieren wird (selbst der Western wird im Duell zwischen Beaumont und Rosen angerissen) genau wie auch der Verlauf der Handlung nie vorhersehbar ist. Beaumonts ausgeklügelter Racheplan, bei dem er sich letztlich noch nicht einmal selber die Hände schmutzig machen muss, verblüfft das Publikum mit diversen Wendungen und Überraschungen. Auch dieser Belmondofilm wird wieder kongenial von Morricones meisterhafter Musik (man kann es einfach nicht anders bezeichnen, der Mann ist wahrlich ein Meister) unterstützt. „Chi Mai“ verkörpert in seiner Melancholie einen der Schlüsselaspekte von Der Profi und sorgt wann immer es während des Films ertönt für Gänsehautmomente. Der Profi ist ein großartiger Film, dessen famose Mischung aus zupackender Action und spannender Handlung vor anspruchsvollem Hintergrund ein echtes Highlight nicht nur in Belmondos Karriere sondern auch im europäischen Actionkino darstellt.
Wertung: 10 / 10





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Lieblings-Bondfilm?: zu viele ;)
Lieblings-Bond-Darsteller?: Pierce Brosnan

24. April 2013 17:52

"Ein irrer Typ" fand ich z. b. echt unterhaltsam mit ihm, und ALLE MEINE VÄTER mit S. Marceau fand ich auch ganz knorke. ANGST ÜBER DER STADT liegt noch ungesehen bei mir auf der FP meines Recorders. Mal sehen, wann ich den schaue ;)
http://michael.huenecke.hat-gar-keine-homepage.de/
Seit Daniel Craig geht es mit Bond abwärts...hätte man nur niemals diesen neustart gemacht...:-(
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photographer
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8. Mai 2013 09:30

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09.30 Uhr in Deutschland - genau das richtige Leckerli für unseren Anatol zur Frühstückspause :wink: :

Herrlicher Backstage-Bericht zu Bébel auf Eines Tages.



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AnatolGogol
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8. Mai 2013 12:34

photographer hat geschrieben:.

09.30 Uhr in Deutschland - genau das richtige Leckerli für unseren Anatol zur Frühstückspause :wink: :

Herrlicher Backstage-Bericht zu Bébel auf Eines Tages.



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Hihihi, sehr schön, vielen Dank für den Link! Hat auch zur Mittagszeit noch bestens gemundet! :D
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photographer
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15. Oktober 2013 13:42

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Quelle: http://de.nachrichten.yahoo.com/taranti ... 20773.html

Tarantino würdigt Belmondo als "König" des Kinos


Als "König" des Kinos hat US-Starregisseur Quentin Tarantino die französische Schauspiellegende Jean-Paul Belmondo gewürdigt. "Die Filme der Nouvelle Vague, Actionfilme, Krimis - Belmondo hat alles gemacht", sagte Tarantino bei der feierlichen Eröffnung des Filmfestivals Lumière im französischen Lyon. Der heute 80-jährige Schauspieler stehe für Lebenskraft, Charisma und "Super-Coolness".

Tarantino erinnerte bei der Eröffnungsfeier an den anwesenden Belmondo gerichtet an den Film "Außer Atem", mit welchem dem Schauspieler 1960 der Durchbruch gelang. "Am Anfang von 'Außer Atem' von Jean-Luc Godard sieht man vor einem Kinoplakat einen jungen Schauspieler, der davon träumt, eines Tages Humphrey Bogart zu werden. In den 20 folgenden Jahren haben wir alle gehofft, eines Tages Jean-Paul Belmondo zu werden."

Das Filmfestival Lumière ist Kinoklassikern gewidmet, im Verlauf der Woche werden in Lyon auch mehrere Belmondo-Filme gezeigt. Bei dem Festival wird Tarantino, Regisseur von Filmen wie "Pulp Fiction", "Reservoir Dogs" und "Inglourious Basterds", mit einem Preis geehrt.


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AnatolGogol
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16. Oktober 2013 09:01

Einer der Gründe warum ich den Tarantino so mag ist seine unermüdliche „Lobbyarbeit“ für gemeinhin eher verkannte und/oder vergessene Filmemacher und Schauspieler (Castellari, Di Leo, Vohrer, Trenchard-Smith, Chiba, Liu usw usf) - gerade abseits des Hollywoodkinos. Tarantino trennt in seinem Urteil nie nach „Kunst“ und „Pulp“ (diese Gleichbehandlung der „verschiedenen Welten“ ist eine Eigenschaft, die sich auch durch sein gesamtes eigenes Werk zieht und für mich einen wesentlichen Reiz seiner Filme ausmacht), für ihn hat jeder Ansatz die gleiche Wertigkeit und allein die Qualität ist für ihn das Kriterium. Das ist für einen Big Player aus Hollywood schon mehr als außergewöhnlich, da idR eigentlich nur „ernstzunehmende“ Filme und Filmemacher vom Schlage eines Kurosawa, Fellini oder Truffaut eine Würdigung erfahren, während gerade das internationale „Unterhaltungskino“ kaum nennenswerte Beachtung erfährt und hier häufig der Eindruck vermittelt wird, es sei nicht konkurrenzfähig mit Hollywoodproduktionen. Da passt dann auch ganz gut Tarantinos Würdigung für Belmondo ins Bild, der zwar auch heute nicht wirklich vergessen ist aber zumindest insofern verkannt wird, da er in Hollywood eigentlich auch nur für seine „ernsthaften“ Arbeiten im Rahmen der Nouvelle Vague respektiert wird – was seine eigentliche einzigartige Begabung, nämlich dass er wir kaum ein zweiter in allen Genres gleichermaßen überzeugen konnte völlig ignoriert, von der hohen Qualität vieler seiner „U“-Filme ganz zu schweigen.
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Invincible1958
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19. Oktober 2013 12:44

AnatolGogol hat geschrieben:Das ist für einen Big Player aus Hollywood schon mehr als außergewöhnlich.
Ich glaube nicht, dass sich Tarantino selbst als Big Player aus Hollywood sieht.
Er war und ist doch eigentlich Independent und nichtmal Mitglied in der Writers Guild of America.

In Deutschland wird häufig komischerweise alles, was filmtechnisch aus Amerika kommt, als Hollywood abgestempelt. Teilweise werden ja sogar britische Produktionen (wie z.B. die Filme von Richard Curtis) als Hollywoodproduktionen wahrgenommen. Man könnte fast sagen: Jeder Film, der auf englisch gedreht wird, ist in den Köpfen der Menschen ein Hollywoodfilm.
Jüngstes Beispiel: "Rush". Eine unabhängig produzierte deutsch-britische Koproduktion, die nichts mit Hollywood zu tun hat. Aber weil der Regisseur ein Amerikaner ist, ist es für viele ein Hollywoodfilm.

Um zum eigentlichen Thema zurückzukommen:
Ich mag genau diese Offenheit von Tarantino für das Weltkino genauso wie du.
Und wer weiß? Vielleicht sehen wir Belmondo ja im nächsten Tarantino-Werk?
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AnatolGogol
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19. Oktober 2013 13:07

Invincible1958 hat geschrieben:Ich glaube nicht, dass sich Tarantino selbst als Big Player aus Hollywood sieht.
Er war und ist doch eigentlich Independent und nichtmal Mitglied in der Writers Guild of America.
Mit den vielen Millionen der Weinsteins im Rücken lässt es sich aber leicht als "independent artist" leben. :wink: Sicherlich standen auch die Weinsteins ursprünglich für den unabhängigen Gegenentwurf zum klassischen Studio-Hollywood, aber rein praktisch sind die Grenzen nach dem vielen Geld das sie in der Zwischenzeit mit grossen Publikumserfolgen gemacht haben doch ziemlich verschwommen. Tarantino mag künstlerisch sich nach wie vor "independent" sehen, und in gewisser Weise ist er das sicher auch, aber dennoch sind er und seine Filme mittlerweile ein so großes Massenphänomen geworden und sprechen ein so großes und breites Publikum an, dass man nur schwer drumherum kommt zu konstatieren dass auch er mittlerweile im Mainstream angekommen ist - was ja nicht zwingendermaßen gleichbedeutend mit einer qualitativen Verschlechterung sein muss. Gerade durch die scheinbar unbegrenzte Unterstützung durch die Weinsteins, welche es ihm ermöglicht eigentlich jedes seiner Projekte zu realisieren (und seien sie noch so ausgefallen, man denke nur an die Grindhouse-Idee, die ohne seine Beteiligung zumindest in dieser Größenordnung von Rodriguez wohl nicht zu stemmen gewesen wäre) denke ich kann man ihn schon als Big Player in Hollywood bezeichnen, denn ein praktischer Unterschied zB zu Spielberg sehe ich da nicht - auch wenn der gute Steven sicherlich über bedeutend mehr eigenes Kapital verfügt. Da er davon idR aber ja eh kaum was in seine eigenen Projekte investiert bzw riskiert ist das dann auch egal.
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