Die Filme des Francis Ford Coppola

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GoldenProjectile
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15. August 2013 00:49

Unter den Diskussionsthreads über Filmemacher fehlt noch einer; ein ganz grosser Geschichtenerzähler, Künstler und Meister seines Fachs...

Zum Einstieg mal ein paar Worte von mir über die Godfather Saga (1972-1990, mit Al Pacino, Robert Duvall, Marlon Brando, Talia Shire, Robert De Niro, John Cazale, Eli Wallach, Richard Bright, James Caan, Andy Garcìa, Michael V. Gazzo u.v.a.)

Coppolas dreiteiliges Familienepos ist ohne Zweifel ein riesiges Vermächtnis der Filmgeschichte. Achtzig Jahre und drei Generationen der Corleone-Familie werden darin in 9 Stunden Filmlaufzeit verarbeitet. In der Ruhe liegt bekanntlich die Kraft, und die Intensität und Präzision mit der Coppola die lange und facettenreiche Geschichte der Sippschaft aufrollt ist unvergleichlich; das ist Kino in seiner reinsten Form. Wenn man sich einen der drei Filme ansieht, wenn die Erzählung direkt an der Schlussszene des Vorgängers anknüpft und dazu die magische Melodie von Carmine Coppola erklingt, dann hat man das Gefühl, zu seiner zweiten Familie zurückzukehren, als wäre man nie fort gewesen. Die Figuren wirken nicht nur greifbar sondern bestens vertraut. Im Zentrum steht natürlich Al Pacino, der uns, mal liebenswürdig und mal furchterregend, den wechselreichen Werdegang von Michael Corleone als eigentlichen Dreh- und Angelpunkt der Geschichte vorführt. Im zur Seite steht aber eine ganze Anhäufung von Schauspielern und Charakteren, die alle dieses Gefühl von Vertrautheit mitbringen. Mein geheimer Favorit ist Robert Duvall als Tom; er bildet im Film die Brücke zwischen der Familie und den Aussenstehenden, auch den Zuschauern.

Neben den Figuren sind es aber auch viele Kleinigkeiten, die eben diese Atmosphäre der Vertrautheit mit einbringen, und seien es winzige Anspielungen wie Anthonys Zeichnung, die Kirche in Corleone, die kleinen Anekdoten gegenüber Kay oder die Familienfotos. Überhaupt wirken die Besuche auf Sizilien jeweils wie eine Heimkehr.

Obwohl ich die Filme qualitativ sehr nahe beieinander sehe ist Teil 1 mein klarer Favorit. Ein farbenfrohes und zugleich überschattetes Portrait der wohl wichtigsten Zeitspanne in der Familiengeschichte, die Dramaturgie und die emotionale Bindung zum Geschehen sind perfekt. Ich wüsste gar nicht, welche Szene des Films ich als meine liebste nennen sollte. Die subtile Spannung, wenn sich Michael mit Sollozzo und McCluskey im Restaurant trifft? Die schönsten Landschaftsaufnahmen aller Zeiten während seines Exils auf Sizilien? Die ergreifenden Gefühle wenn der gealterte Don Vito ein letztes Mal mit seinem Enkelkind im Garten spielt? Oder die erschreckende Parallelmontage während der Taufe? Als ob das Spiel der Darsteller und Coppolas ruhiger aber kraftvoller Inszenierungsstil in gerade diesen Szenen nicht schon gut genug wären, hat die Saga noch ein atemberaubendes Kolorit. Marlon Brando und Robert Duvall, die im Halbdunkeln in einem edel ausgestatteten Büro sitzen. Das Licht gedämpft, die Rot- und Brauntöne gesättigt. Ich warte immer noch auf eine Einstellung, die auch nur ansatzweise so schön aussieht.
In Teil 2 wird dies durch gekonntes Variieren sogar noch ein bisschen gesteigert. Während gerade Michaels Büro stilistisch fast gleich wie das seines Vorgängers eingefangen wird, erleben wir auf Kuba viel hellere und modernere Einstellungen. Die Szenen mit De Niro dagegen wirken alle etwas verblichen, fast schon Sepia. In Verbindung mit dem New York der 1920er-Jahre sieht das umwerfend aus.

Teil 3 ist marginal schwächer als die beiden Vorgänger. Der Einstieg fällt beim ersten Mal ein wenig schwerer, weil das neue Thema des Katholizismus noch etwas ungewohnt wirkt und man (oder ich) Vito, Sonny, Fredo und Tom vermisst. Doch spätestens ab dem zweiten Drittel liefert Coppola Material, welches locker mit den Vorwerken mithalten kann. Die Geschichte betritt mit dem Bezug auf den Vatikan zwar Neuland, webt aber die Erlebnisse von Michael und der Familie gewohnt gut mit ein. Die grossartige Verbindung von Farben, Sets, Musik, Schnitt und Dialogen ist nicht nur ganz im Stil von Teil 1 und 2 sondern auch ähnlich faszinierend. Pacinos Darstellung eines zerbrechlichen und reuevollen Michaels ist vielleicht sogar die beste in der ganzen Saga und zum Schluss findet die Trilogie einen würdigen Abschluss. Schweren Herzens nimmt man nach achtzig Jahren und drei Generationen Abschied von der Familie Corleone.

Bei Teil 3 reicht das sage und schreibe immer noch locker für 9,5 Punkte. Die beiden Vorgänger dagegen zählen für mich beide zu den zehn besten Filme aller Zeiten. Teil 1 wirkt mit seiner Chronologie noch etwas runder im Gesamtbild (obwohl die Wechsel zwischen den Zeitebenen und die damit verbundenen stilistischen Differenzen in Teil 2 sehr faszinierend sind), ansonsten tun sich die beiden da nicht viel.

Jetzt bin ich mal gespannt...
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RicoSchulze1
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15. August 2013 02:47

Dementia 13 (1963) 6/10

Netter Schocker der fast nur im Dunkeln spielt. Ist noch nicht wirklich ein wahrer Coppola aber immerhin stammt auch das Drehbuch von ihm. Die Filme bei denen er nicht oder nur teilweise am Drehbuch beteiligt war, sind mir dann doch lieber.


Der Pate (1972) 8,5/10

Ganz klar einer der besten Filme allerzeiten. Besonders gefallen tut mir die perfekte Besetzung und die dichte Atmosphäre, die sich über den ganzen Film erstreckt. Gelingt selten dass das Szenenbild und die Inszenierung ausserhalb von Sci-Fi so etwas schafft.
Für mich der beste Mafia-Film, ein Unter-Genre das ich eigentlich überhaupt nicht mag, weshalb der Film bei mir wohl auch deutlich schwächer wegkommt als dei dem Durchschnitt.


Der Pate II (1974) 7,5/10

Ein Sequel das immer wieder als Beweis hinhalten muss dass die ersten Teile nicht immer unbedingt besser bzw die Nachfolger schwächer sein müssen. Ich erwähne da lieber Cameron mit T2 und Aliens denn der Pate II ist für mich dann doch schwächer.
Die Rückblende zu Vito Corleone wirken auf mich nicht interessant genug und machen mir die Hauptstory soger etwas madig. Pacino spielt seine Rolle, wie es nicht besser hätte sein können, für mich eine noch bessere leistung als die von Brando.


Apocalypse Now (1979) 8/10

Ebenfalls ein Meilenstein und sicherlich des Meisters wichtigstes Werk ausserhalb seiner Trilogie. Hier lässt es jede Szene einem im inneren brennen. Vielleicht der Film, bei dem ich am liebsten die Charaktere verfolge.


Der Pate III (1990) 6/10


Dann letzlich doch noch eine Fortsetzung die nicht mehr mit den Vorgängern mithalten kann. Oft soger als Schwach belächelt, wo eher Schwach im Vergleich zu den Meisterwerken die richtige Wortwahl wäre. Dennoch für mich ganz klar der Verlierer im Duell mit Goodfellas.
Die Rolle des Andi Garcia bringt frischen Wind und Realismus in die Reihe, jedoch zerstört sie auch etwas die ruhige Erzählweise der Vorgänger. Trotz vieler Kritik, für mich aber mit Garcia richtig besetzt. Für mich ein Film der nicht mehr, wie sonst bei Coppola, durch die Stimmung, sondern durch einzelne Szenen unterhält. Sodass mich letzlich eigentlich nur interessiert wie es mit Michael Corleone weiter bzw zu Ende geht.


Bram Stokers Dracula (1992) 8/10

Ein Szenenbild wie ein Paralleluniversum, dass es in der Form nur in den frühen 90ern zu finden gibt.
Gary Oldman beschert uns den besten Dracula den es jemals gab und vielleicht für mich den besten Vampirfilm seit 1931. Kommt für mich dann aber doch nicht ganz an den Klassiker heran.


Die letzte Sichtung von Die Outsider, Jack und Der Regenmacher ist zu lange her.
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AnatolGogol
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15. August 2013 09:05

@GP: das hört man selten, dass Teil 3 so hoch gelobt wird und da ich es genauso sehe kann ich deine Argumentation bestens nachvollziehen. Für mich ist Teil 3 nämlich auch ein sehr guter Film, der in vielen Dingen nur knapp hinter den beiden meisterhaften Erstlingen landet. Vor allem das begnadete Spiel von Pacino und Wallach, aber auch die Vielfältigkeit der Geschichte und die Virtuosität mit der sie bis zum logischen und superben Schluss entwickelt wird sehe ich auf allerhöchstem Niveau. Auch Garcia als klar zu erkennender Nachfolger von Caan, aber dennoch mit einer sehr eigenständigen Interpretation liefert eine sehr starke Leistung ab.

Vom Frühwerk Coppolas kenne ich nix, hat mich aber auch nie so wirklich interessiert da ich FFCs Oevre außerhalb der Paten-Trilogie weit skeptischer und kritischer sehe als es gemeinhin eingestuft wird. Seine jüngsten Werke haben mich aus dem selben Grund auch nicht mehr interessiert. Machen wir also mal einen kurzen Rundflug.


1972: Der Pate 10 / 10
Ein perfekter Film, auf allen Gebieten meisterliches Niveau. Darstellerisch, visuell, erzählerisch, atmosphärisch phantastisch. Für mich einer der 20 besten Filme aller Zeiten.


1974: Der Dialog 5,5 / 10
Sehr sperriges, typisches 70er Jahre Paranoia-Kammerspiel. Hackman und Cazale spielen sehr stark aber die lahmende Inszenierung machten den Film für mich zu einer schwer geniessbaren Erfahrung.


1974: Der Pate – Teil II 10 / 10
Die einzige Frage die sich mir bei diesem Film stellt ist, ob er nun besser als Teil 1 ist oder nicht. Vermutlich einen Hauch, da durch die parallel erzählte zweite Zeitebene der Film in seiner Erzählstruktur sogar noch etwas stärker ist als Teil 1. Zudem profitiert er enorm davon, dass der einzigartige John Cazale hier eine echte Hauptrolle inne hat und entsprechend den Rest des Weltklasse-Besetzung in Grund und Boden spielt.


1979: Apocalypse Now 6 / 10
Wilde, wüste Vietnam-Allegorie. Ich kenne nur die kurze Kinofassung und selbst die war mir in Punkto Erzählfluss und Tempo zu langatmig. Ein bildgewaltiges Erlebnis, ein Fest für Interpretationswütige, aber nicht wirklich meines nicht zuletzt da ich bei Brandos grotesker Vorstellung regelmäßig unfreiwillige Lachtränen vergiessen muss. Für mich der eigentliche Sargnagel des New Hollywood.


1983: Die Outsider 7 / 10
Gut gespieltes, kurzweilig aber auch unspektakulär inszeniertes Jugenddrama.


1983: Rumble Fish 7,5 / 10
Ähnliche Thematik wie Die Outsider, wirkt aber deutlich kammerspielartiger und profitiert enorm durch die herausragende Darstellung von Rourke.


1984: Cotton Club 6,5 / 10
Großangelegtes, prächtig ausgestattete Hommage an die 20er Jahre. Solide gespielt und weitgehend unterhaltsam inszeniert, aber mehr auch nicht.


1986: Peggy Sue hat geheiratet 7 / 10
Nettes Zeitreisemärchen im Fahrwasser von Zemeckis Zurück in die Zukunft. Turner als 16jähriger Backfisch ist natürlich grotesk, aber der Film hat dennoch einen nicht zu verleugnenden Charme.


1987: Der steinerne Garten 6,5 / 10
Sehr dialoglastiges, fast schon theaterhaft anmutendes Militärdrama. Caan, Huston und Earl Jones spielen stark, der Film weist aber gerade in der zweiten Hälfte deutliche Längen auf.


1988: Tucker 8 / 10
Für mich Coppolas stärkster Film seiner recht belanglosen Phase in den 80ern. Bridges spielt den enthusiastischen Idealisten stark und mit viel Herzblut und erinnert sicherlich nicht ohne Grund desöfteren an einen mindestens ebenso fanatischen Filmemacher, der ebenfalls Haus und Hof für die Realisierung seiner Träume aufs Spiel setzte.


1989: New Yorker Geschichten 3 / 10
Grundgütiger, wie kann ein halbstündiger Kurzfilm nur so langweilig und langatmig sein? Im Vergleich zu Scorseses exzellentem Segment und Allens grundsoliden Beitrag fast schon ein Offenbarungseid des Regisseurs Coppola und eigentlich der passende Schlusspunkt eines für ihn über weite Strecken künstlerisch belanglosen Jahrzehnts.


1990: Der Pate – Teil III 9,5 / 10
ich zitiere einfach mal meine Kurzkritik aus dem Zuletzt gesehener FIlm-Thread:
Es war mir immer schon ein Rätsel warum Coppolas abschliessender Teil seiner Pate-Trilogie bei der Kritik verhältnismäßig schlecht weggekommen ist. Für mich ist auch Teil 3 ein nahezu makelloser Film, dem man nicht hoch genug anrechnen kann dass ihm das Kunststück gelang nach immerhin 16 Jahren die Saga qualitativ, stilistisch und inhaltlich im Geiste der beiden Vorgänger zu komplettieren.
Es gibt vieles an Der Pate III was hervorzuheben wäre. Da ist die Story um einen gealterten und scheinbar auch reuigen Michael Corleone, der sich von seiner verbrecherischen Vergangenheit reinwaschen will und ironischerweise ausgerechnet vom Vatikan und der Hochfinanz aufs Kreuz gelegt wird. Die Vermengung der fiktiven Handlung mit realen Geschehnissen ist Coppola hier genauso gut geglückt wie in Teil 2 mit Einbeziehung des Umsturzes in Kuba.
Da wäre die permanente Bezugnahme auf die vorangegangenen beiden Teile, die unaufdringlich und dennoch immer präsent den Film durchzieht. Wir haben in Teil 3 ein herausragendes Darstelleraufgebot welches den Vergleich zu den Vorgängern wahrlich nicht scheuen muss. Pacino liefert als müder, desillusionierter Pate seine in meinen Augen beste Leistung innerhalb der Trilogie ab, allein die finale Szene auf den Treppen ist so gut und intensiv gespielt wie man es nur sehr selten zu sehen bekommt. Ihm zur Seite steht ein ausgezeichneter Andy Garcia, der in seiner Rolle gekonnt die Darstellung Caans in Teil 1 aufleben lässt, der darüber hinaus die Rolle mit Charme, Aggressivität, Loyalität und Rationalität aber eben auch sehr eigenständig meistert. Dem wunderbaren Eli Wallach bei seinem Spiel zuzusehen ist eh ein absoluter Genuss und für mich ist er auch der heimliche Star des Films. Die vielgescholtene Sophia Coppola mag keine Glanzleistung abliefern, aber so schlecht wie sie die Kritik machte spielt sie nun auch nicht. Ihre Darstellung bleibt etwas blass, wer in dem Film aber richtig schlechtes Spiel sehen möchte sollte lieber mal auf John Savage in der finalen Treppen-Szene achten, das ist Overacting in Perfektion – glücklicherweise nur im Hintergrund wahrnehmbar.
Coppolas Gespür für Szenenkompositionen ist auch im dritten Teil meisterlich, der finale Akt eingebettet in Mitten der Opernaufführung ist fantastisch. Auch hier erlaubt er sich Reminiszenzen an seine Vorgänger in der Montage der Abrechnung mit Lucchesi & Co.. Und mal ehrlich: gab es in der gesamten Trilogie eine bessere Mordszene als die von Lucchesi?
In Summe ein nahezu perfekter Film, der eben das Pech hat zwei makellose Vorgänger als Erbe zu haben. Respekt Mr. Coppola, ein solch grandioser Abschluss nach einer so langen Zeit sucht seines gleichen.
Wertung: 9,5 / 10


1992: Bram Stokers Dracula 8 / 10
Auf nicht ganz so hohem Niveau wie der grandiose Vorgänger, aber dennoch eine erfreulich ambitionierte und qualitativ starke Verfilmung der Beisser-Mär. Vor allem optisch und akustisch ein echtes Erlebnis für die Sinne. Die Besetzung einiger Hauptrollen (Ryder und Reeves) ist in meinen Augen weniger geglückt, dafür spielen Hopkins und vor allem Oldman aber bärenstark.


1996: Jack 2,5 / 10
Hahaha, was für eine Gurke. Unfreiwillig komisch wenn der Film dramatisch sein will, zum Ausgleich dafür als Komödie ein witzloser Rohrkrepierer. Robin Williams chargiert als gäbe es kein Morgen.


1997: Der Regenmacher 7 / 10
Solide, aber auch wieder völlig unspektakuläre Grisham-Verfilmung. In echter Erinnerung bleiben eigentlich nur die bärenstarken Nebenrollen (Voight, Madsen, Rourke).



Wie also soll man eine allgemein anerkannte Regielegende einstufen, wenn mit Ausnahme von drei Filmen, die thematisch und stilistisch weitgehend dasselbe Feld beackern, man dessen Oevre für lediglich knapp überdurchschnittlich erachtet? Natürlich bin ich mir dessen bewusst, dass Coppolas Klassiker Der Dialog und Apocalypse Now gemeinhin als Meisterwerke angesehen werden und sich sein Ruf nicht zuletzt darauf stützt. Aber was hilft das mir persönlich, da ich gerade von diesen beiden Filmen mit am meisten enttäuscht bin. Daher ist Coppola für mich - trotz der drei grandiosen Paten-Filme - eigentlich immer eher nur ein Regisseur unter vielen geblieben. Vor allem auch deshalb, weil er spätestens nach AN fast nur noch weitgehend belanglose, austauschbare Produktionen vom Stapel lies. Das hing natürlich auch mit seiner selbstverschuldeten privaten Insolvenz im Rahmen des Einer mit Herz-Fiaskos zusammen, da er dadurch gezwungen war diverse Auftragsarbeiten des Geldes wegen anzunehmen, an denen sein Herz offensichtlich weit weniger hing als an seinen Arbeiten der 70er. Mein Urteil ist aber trotz seiner zugrundeliegenden Logik meiner subjektiven Wahrnehmung wohl dennoch etwas ungerecht, da ein Regisseur der mit zwei Filmen in meiner Top20-Liste vertreten ist eigentlich kein Regisseur unter vielen sein kann. Wahrscheinlich spielt hier mit rein, dass ich die Patenfilme unterbewusst irgendwie immer als einen großen Film wahrnehme, was dazu führt das Coppola für mich eigentlich nur einen überragenden Film gedreht hat. Das ist natürlich schon deshalb nicht richtig und fair, da Fortsetzungen idR deutlich schwieriger umzusetzen sind - zumindest wenn man qualitativ das gleiche Niveau erreichen möchte.
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Maibaum
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15. August 2013 20:52

Früher war Coppola einer meiner bevorzugten Regisseure, und in den 80gern war jeder Coppola noch ein must-see. Jetzt zähle ich ihn nicht mehr mit auf, dabie hat kaum ein anderer Regisseur gleich 3 10/10er geschafft. Und auch wenn nach Apo Now meine anfangs immer übergroßen Erwartungen nur noch selten erfüllt wurden hat er eigentlich auch danach meist interessante Filme abgeliefert. Und andere große Regisseure haben auch oft später nur noch Schwächeres abgeliefert.

Witzigerweise wird er auch in anderen Auflistungen bevorzugter Regisseure nie genannt (soweit ich mich erinnere). Seine besten Filme dagegen aber oft in Umfragen nach Lieblingsfilmen (siehe die Sight and Sound Liste). Vielleicht liegt es daran daß er nicht nur am Anfang, sondern genau genommen über sein Gesamtwerk hinweg immer sehr disparate Filme gemacht hat. Den typischen Coppola Film scheint es gar nicht zu geben.

Aber egal wie, Coppolas große Zeit waren die 70ger. Die 4 Filme aus dieser Zeit haben Filmgeschichte geschrieben, wurden mit Preisen überhäuft, und haben insgesamt auch groß Kasse gemacht.

Interessanterweise macht er wieder Filme, fast abseits jeglicher Öffentlichkeit, und mit sehr schmalen Budgets.
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GoldenProjectile
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15. August 2013 21:58

@Anatol. Ich kann es sowieso nicht ganz nachvollziehen, wenn der dritte Teil heftig kritisiert wird. Die Linie der Vorgänger wird in Sachen Optik, Farben und Emotionen würdig fortgesetzt, gleichzeitig wird besonders durch die Vatikan-Thematik und den in die Jahre gekommenen Michael eine ganz eigene Komponente mit eingebracht. Zumindest für mich ist Teil 3 in jeder Hinsicht mit den Vorläufern kompatibel und alle drei bilden zusammen eine geschlossene Saga. Die von dir erwähnte Parallelmontage der Vergeltung ist auch im dritten Akt gewohnt grandios, übrigens ein Element welches in allen Filmen extrem gut gelingt ohne als Kopie anzumuten. Hier sticht allerdings der zweite Akt noch etwas hervor, da besonders Fredos Schicksal einen absolut unerwarteten Twist hergibt, der inszenatorisch und emotional völlig ins Schwarze trifft, natürlich mit der grandiosen Überleitung in die Rückblickszene, bei der wir Caan, Duvall und Cazale noch einmal sehen dürfen. Diese nicht-chronologisch eingebrachte Sequenz ist mit dem Vorwissen über Michaels späteren Wandel etwas ganz Besonderes, und als er alleine sitzen bleibt während seine Brüder im Flur Don Vito empfangen, dann spricht die Stille mehr als tausend Worte (auch wenn ich zunächst noch die vage Hoffnung gehabt hatte, dass gleich der alte Marlon durchs Türchen reinkommt).
Maibaum hat geschrieben:dabei hat kaum ein anderer Regisseur gleich 3 10/10er geschafft.
Godfather 1+2 und Apocalypse? Ok, eigentlich eine rhetorische Frage.
Maibaum hat geschrieben:Interessanterweise macht er wieder Filme, fast abseits jeglicher Öffentlichkeit, und mit sehr schmalen Budgets.
In Interviews begründet er das damit, dass er genug vom Druck der Hollywood-Maschinerie habe und ihm die Low-Budget-Filme viele Möglichkeiten für visuelle Experimente geben. Hier der Link:
http://www.spiegel.de/kultur/kino/franc ... 70943.html
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Maibaum
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16. August 2013 00:59

GoldenProjectile hat geschrieben: Wenn man sich einen der drei Filme ansieht, wenn die Erzählung direkt an der Schlussszene des Vorgängers anknüpft und dazu die magische Melodie von Carmine Coppola erklingt, dann hat man das Gefühl, zu seiner zweiten Familie zurückzukehren, als wäre man nie fort gewesen.


Die stammt von Nino Rota, Fellinis langjähriger Hauskomponist, der die Musik zu den ersten beiden Teilen schrieb, aber 1979 verstarb. Coppolas Vater vertonte dann den 3. Teil, wobei die die markante Titelmelodie natürlich wieder verwendet wurde.

Teil 3 ist für mich allerdings nur ein etwas müder Abklatsch der beiden genialen Vorgänger. Kein schlechter Film, aber es wäre mir lieber gewesen er wäre nie gedreht worden.
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RicoSchulze1
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16. August 2013 01:13

Ich finde es schon gut das man Teil 3 auch produziert hat, der Film macht diese ganze Geschichte noch einmal umso größer und epischer. Jedoch wäre ich für den von Coppola eigentlich gewünschten Titel "The Death of Michael Corleone" gewesen um die Story mehr auf die Weiterführung der Hauptfigur zu beschränken und sich erst garnicht mit den einzigartigen Meisterwerken anlegen zu wollen.
Wahrscheinlich hätte er wohl aber spürbar weniger eingespiet.
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Maibaum
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18. August 2013 19:59

Also der Coppola:

1963: Dementia 13 5/10
1966: You’re a Big Boy Now 6,5
1968: Finian's Rainbow 7
1969: The Rain People 8
1972: Der Pate 10
1974: Der Dialog 8,5
1974: Der Pate – Teil 2 10
1979: Apocalypse Now 10
1982: Einer mit Herz 7
1983: Die Outsider 6 (Kinofassung)
1983: Rumble Fish 9
1984: Cotton Club 8
1986: Peggy Sue hat geheiratet 6,5
1987: Der steinerne Garten 6
1988: Tucker 7,5
1989: New Yorker Geschichten 5
1990: Der Pate III 6
1992: Bram Stokers Dracula 8
1996: Jack - (schau, schau, gern versäumt)
1997: Der Regenmacher 6
2007: Jugend ohne Jugend 6
2009: Tetro -
2011: Twixt -

Und dann noch vielen Dank für Sofia die mit Lost in Translation auch einen 10er inszeniert hat, und auch sonst nur schöne Filme gemacht hat, und auf deren neues Werk The Bling Ring ich mich schon mächtig freue.
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GoldenProjectile
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7. September 2013 01:01

Ich denke dass Maibaum und Anatol soweit recht haben und dass Coppolas Oeuvre ausserhalb seiner „anerkannten Meisterwerke“ relativ belanglos ist. Folglich interessiert mich eigentlich keiner seiner sonstigen Filme ausser seiner Version von Dracula mit Gary Oldman als Graf und Anthony Hopkins als Van Helsing und vielleicht noch Der Dialog aus dem Jahr 1974.

Zunächst aber zu der zweiten grossen Saga, mit der Coppola in die Filmgeschichte eingegangen ist: Apocalypse Now Redux (1979, mit Martin Sheen, Albert Hall, Frederic Forrest, Marlon Brando, Robert Duvall, Sam Bottoms, Laurence Fishburne, Dennis Hopper, Harrison Ford, G.D. Spradlin u.v.a.)

Die beiden haben dem Film ja genau wie Godfather III zwei völlig konträre Bewertungen verpasst und ich muss jetzt schon anmerken, dass ich beide Einschätzungen nachvollziehen kann und mit meiner eigenen Meinung genau in der Mitte dazwischen liege. Für mich steht ausser Frage dass Apocalypse Now in Sachen Bildkomposition perfekt ist. Visuell ist das alles einfach nur urgewaltig und anders hätte man diesen animalischen, wahnsinnigen Dschungelalbtraum gar nicht umsetzen können. Epische Bilder wie Willards selbstzerstörerischer Wahn, Kilgores Luftattacke im flammenden Morgenrot oder der nebelverhangene Urwaldfluss verschmelzen mit der sparsam eingesetzten Musik zu einer beklemmenden, verstörenden audiovisuellen Atmosphäre, die kein anderer mir bekannter Film bisher in dieser Form erreicht hat.

Eine weitere Komponente die den Film für mich zu etwas Speziellem macht und wohl das Markenzeichen von Apocalypse Now darstellt ist der erste Hauptteil, mit dem vom Prolog in die Flussreise übergeleitet wird. Ich spreche natürlich von dem berühmten Walkürenritt mit Robert Duvall und der anschliessenden Surfszene. Die spektakuläre, technisch herausragende und auf grausame Weise ästhetische Zerstörungswut mit dem einfliessenden Irrsinn durch den von Duvall grandios verkörperten Kilgore bildet für mich den Höhepunkt von Apocalypse Now. Allein Kilgores Monolog mit dem vielleicht bekanntesten Zitat der Filmgeschichte sorgt schon dafür.

Trotz allem Lob: das mittlere Drittel kann mit dieser Ikonenhaftigkeit nicht mehr mithalten und ist mir in Summe einfach zu zäh. Die Szenen mit dem Dossier sind stark, aber einige der Stationen auf der Flussreise wirken auf mich doch ziemlich belanglos, zum Beispiel diejenige mit den Playboy-Bunnies. Und auch der viel zu lange Teil bei den Franzosen wirkt doch wie ein ziemlicher Fremdkörper, auch wenn er sehr informativ sein mag.

Der Schlussakt von Apocalypse Now ist auch so eine Sache für sich. Wie diese Szenen eben sind - ein surrealer, befremdlicher und alptraumhafter Höllenritt im kambodschanischen Urwaldtempel - sollte ich sie eigentlich auch als Fremdkörper bezeichnen, was ich aber nicht tue da die Station „The Horror“ die logische Folge der vorangegangenen Trips ist und das eigentliche Herz des Films darstellt. Nennenswert ist hierbei vor allem der Auftritt Marlon Brandos. Wenn man bedenkt dass es sich sowohl bei der Art, den Charakter Walter E. Kurtz zu präsentieren als auch der Darstellung durch den Schauspiel-Titanen um improvisierte Notlösungen handelt ist die gesamte Sache doch stilistisch hochinteressant. In meinen Augen wird Brando durch sein Erscheinungsbild, die atmosphärische Inszenierung im Dunkeln des Tempels und seinen fragwürdigen Wahn nur noch unheimlicher, suspekter und mysteriöser. Gemessen an seinen üblichen Leistungen merkt man ihm eine gewisse Unterforderung zwar an, das ändert jedoch kaum etwas an der furchterregenden und visuell atemberaubenden Dschungelsequenz.

Apocalypse Now war auf alle Fälle ein grossartiges Projekt und ist thematisch wie atmosphärisch ein abgründiger und fesselnder Film, der jedoch durch die zu langen und im Kontext wenig kohärenten Passagen des mittleren Drittels ein wenig abnimmt.

8 / 10
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AnatolGogol
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7. September 2013 07:30

Schöne Kritik, ich dachte mir schon dass du mit dem Film mehr anfangen kannst als ich da du ja auch einen Zugang zu 2001 gefunden hast der mir immer verwehrt blieb und ich beide Filme als geistesverwandt sehe - audiovisuelle Erlebnisreisen für die Wahrnehmung.
GoldenProjectile hat geschrieben:Allein Kilgores Monolog mit dem vielleicht bekanntesten Zitat der Filmgeschichte sorgt schon dafür.
Und wer hat´s erfunden? Mein hochverehrter Milius. :D
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AnatolGogol
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7. September 2013 14:30

A propos Apocalypse Now & Milius: allen Interessierten sei dieser höchst informative Dialog zwischen Francis Ford Coppola und John Milius über die Entstehung des Apocalypse Now-Drehbuchs ans Herz gelegt:
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7. September 2013 18:16

Vielen Dank, das werde ich mir wenn ich Zeit habe angucken.
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Maibaum
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8. September 2013 12:11

GoldenProjectile hat geschrieben:Ich denke dass Maibaum und Anatol soweit recht haben und dass Coppolas Oeuvre ausserhalb seiner „anerkannten Meisterwerke“ relativ belanglos ist.
Das habe ich aber nicht gesagt. Das seine 4 Filme aus den 70gern der absolute Höhepunkt in seinem Schaffen waren wird wohl fast jeder so sehen. Aber auch mit seinen anderen Filmen würde ich ihn immer noch über viele andere Regisseure stellen die damals am Arbeiten waren. Das Frühwerk ist interessant und The Rain People ist bereits ein sehr gelungener Film. One from the Heart , der Film mit dem er sich ruiniert hat, und den nicht viel gesehen haben, galt damals schon einigen als kühn konzipiertes Meisterwerk. Danach musste er immer wieder Kompromisse machen, aber erst nach Dracula beginnt er uninteressant zu werden.

Rumble Fish ist ein toller Film (trotz einiger prätentiöser Dialoge) und Cotton Club und Dracula enthalten auch noch viel tolles. Dann war Tucker auch noch so ein Filme der damals sehr gelobt wurde.

Manche dieser Filme müsste ich einfach noch einmal schauen.

Was ich mir gerade noch einmal angesehen habe war die Pate Trilogie, oder besser das Pate Duo plus der überflüssige Nachschlag. Teil 1 und 2 sind dabei nach wie vor aufregendes und überragend konzipiertes und gefilmtes Kino. Die jeweiligen Schlußeinstellungen sind ein tief berührender emotionaler Kick.
Außerdem erinnern mich beide daran was für großartige Schauspieler Pacino und De Niro mal waren bevor sie begannen ihre Manieriesmen zu kultivieren. Gerade Pacino spilet hier ohne viel zu spielen, beweist wie gut er war wenn er sich zurückhält.

Der 3. Teil dagegen ist schon von der Konzeption her ein Verrat an den ersten beiden. Der sentimental gezeichnete Michael Corleone dieses Filmes ist kaum noch derselbe aus den Originalen. Fast alle Rollen, auch da wo sie Fortführungen aus den alten Filmen sind, bleiben blass, und können sich auch schauspielerisch kaum mit Teil 1 und 2 messen. Auch ist Coppola schon längst nicht mehr in diesem Stil zuhause, mit dem er sich seinen Namen gemacht hat. Der Anfang und das Ende zeigen zwar noch die Ansätze von Größe, bzw lassen die Möglichkeit eines weitaus besseren Filmes erahnen mit den Grundzügen des Plots, aber da ist zwischendurch zu wenig interessantes um den Film zu mehr zu machen als zu einer netten Fingerübung. Interview Aussagen Coppolas verraten auch das zum Ergebnis passende Desinteresse des Regisseurs. Nach wie vor 6/10
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AnatolGogol
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8. September 2013 16:13

Maibaum hat geschrieben: Der 3. Teil dagegen ist schon von der Konzeption her ein Verrat an den ersten beiden. Der sentimental gezeichnete Michael Corleone dieses Filmes ist kaum noch derselbe aus den Originalen.
Stimmt, das ist er nicht, dass soll er aber auch nicht sein. Der Don ist alt und müde geworden. Die zum Wohl der Familie aus seiner Sicht notwendige Härte gegen Feinde aber eben auch Wegbegleiter und Familie haben ihn emotional zum Wrack gemacht. Und genau das ist dann absolut stimmig zum Ausgangspunkt des Charakters in Teil 1, der nichts mit den Geschäften und Methoden seiner Familie zu tun haben wollte. Zudem ist er ein schwerkranker Mann, was ihn zusätzlich angreifbar und (Amts-)müde macht. Ich finde nicht, dass Michael im dritten Teil sentimentaler gezeichnet wird als in Teil 1, da er hier ähnlich emotional und (zu Beginn) angreifbar agierte und Coppola ihn auch da schon als tragische Figur in Szene setzte. Ich finde Michael Entwicklung wie auch Pacinos Spiel im dritten Teil die logische Konsequenz der ersten beiden Teile.
Maibaum hat geschrieben:Fast alle Rollen, auch da wo sie Fortführungen aus den alten Filmen sind, bleiben blass, und können sich auch schauspielerisch kaum mit Teil 1 und 2 messen.
Bzgl Michael sieh oben, ansonsten ist ja auch nur noch Talia Shire erneut mit von der Partie. Ist ihre Rolle bzw. ihr Spiel in Teil 3 deutlich schlechter? Das denke ich überhaupt nicht, da mir die Entwicklung ihrer Figur vom schwachen Anhängsel in Teil 1 über die rebellierende Schlampe in Teil 2 hin zur bedingungslosen (aber in Bezug auf Michael immer noch blauäugigen) Familienkriegerin sehr gut gefällt. Ich mag auch Shires Spiel, die Härte gegenüber den Feinden wie auch ihre falschen einschmeichlerischen Momente mit Wallach. In der Beziehung zu Vincent ist sie vielleicht dann sogar am stärksten, wie sie über ihn Einfluss auf die Familie geltend macht und letztlich zur Königsmacherin wird und damit zur heimlichen Familienpatriarchin.

Ach halt, Diane Keaton gibbet ja auch noch. Keatons Rolle in Teil 3 ist die schwächste Hauptrolle, aber das war sie auch schon in Teil 1 und 2. Ihre Rolle hat eigentlich nur die Funktion Michaels Wandel zu verdeutlichen. Als eigenständige Figur fand ich sie in allen Teilen weitgehend uninteressant.

Wallachs Rolle wie auch sein Spiel sind für mich einer der Höhepunkte der gesamte Trilogie. Mantegna ist ziemlich gut, seine Rolle hätte ruhig noch etwas ausführlicher sein dürfen. Seine Auftritte in Michaels Arbeitszimmer und vor dem Attentat im Hotel sind sehr gut, sein Ende passend. Garcia mag nicht ganz die Naturgewalt, dieser menschliche Vulkan sein mit welchem Caan in Teil ein beeindruckte. Dafür hat seine Rolle aber andere Facetten, wie die Abgeklärtheit und die Disziplin mit der er sich den Familienentscheidungen unterordnet. Ich gebe dir allerdings in sofern recht, dass die Nebenrollen in den ersten beiden Teilen deutlich farbiger und interessanter gestaltet waren als in Teil 3. Rollen wie die von Hamilton, Vallone, Berger oder Savage hätten mehr hergegeben - zumal bei ihrer passenden und prominenten Besetzung. Solche Nebenrollen wie die von Castellano, Vigoda, Gazzo oder Moschin fehlen im dritten Teil dann doch. Aber das ist wie ich finde nicht wirklich eine Schwäche des Films sondern zeigt nur, wie dermaßen überragend die ersten beiden Teile doch sind. 10/10 ist da eigentlich eine viel zu schwache Bewertung, das ist eher irgendwo bei 18 oder 19. :D
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Maibaum
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8. September 2013 18:00

Ja, Shire ist ok. Sie ist auch die einzige die eine interessante Entwicklung durchmacht. Aber das ist dann immer noch keine große Rolle.
In den kleineren Rollen sind noch ein paar Überbleibsel aus den alten Filmen dabei. Neri, Johnny Fontane, Hagens Frau, Vincents Mutter.
Ansonsten ist Mantegna gut, aber seine Rolle bleibt klein. Wallach dagegen finde ich eher nervig.

Keaton war durchaus gut in den alten Filmen, und hatte eine Funktion die wichtig war. Aber hier langweilt sie total. Sofia Coppola ist nicht ganz so schlecht wie sie von allen gemacht wurde, aber sie wirkt überfordert, kann der Rolle nichts geben, einer Rolle die überhaupt unentschlossen konzipiert ist.

Bei Michael sehe ich das anders. Seine Entwicklung ist klar wie sie gemeint ist, aber es passt nicht zu dem kalten und berechnenden und unnachgiebigen Mörder aus den ersten beiden Filmen. Selbst Pacino selber scheint ein anderer Pacino zu sein. Shires Conny macht Sinn, Keaton auch (obwohl sehr schwach geschrieben und dementsprechend gespielt), aber Michael konnte ich zu keinem Zeitpunkt in Übereinstimmung bringen mit dem jungen Michael. Dessen Entwicklung vom Anfang in Teil 1 bis zum Ende in Teil 2 war absolut nachvollziehbar, aber die Entwicklung zu dem in Teil 3 hin gar nicht. Der Michael, der den sinnlosen Mord an seinem Bruder begehen lässt, kann zwar später vielleicht mal Reue dafür empfinden, aber dann verlangt das trotzdem einen anderen Film als es Pate 3 ist.

Anfangs dachte ich beim Wiederschauen daß ich früher zu hart war in der Beurteilung wegen des übergroßen Gewichts der beiden Meisterwerke, aber im Verlauf des Filmes blieb dann doch nur wieder ein guter Film übrig. Hey, das ist immer noch besser als jeder Peter Jackson Film (außer Braindead natürlich).
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