Re: Der Spielberg Thread

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Da ich gerade in Minority Report rein schaue: Wie kriegt Spielberg das eigentlich hin, dass sein Sci-Fi-Film von 2002 jetzt schon veralteter aussieht als beispielsweise der 20 Jahre ältere Blade Runner? Dieser durchgehend verwendete Bleicheffekt lässt den Film bloß altbacken wirken, ganz unabhängig von den natürlich heute offensichtlichen CGI-Effekten, die aber für so einen Film doch recht dezent im Einsatz sind.
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Re: Der Spielberg Thread

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Casino Hille hat geschrieben: 1. Juli 2018 14:20 Da ich gerade in Minority Report rein schaue: Wie kriegt Spielberg das eigentlich hin, dass sein Sci-Fi-Film von 2002 jetzt schon veralteter aussieht als beispielsweise der 20 Jahre ältere Blade Runner? Dieser durchgehend verwendete Bleicheffekt lässt den Film bloß altbacken wirken, ganz unabhängig von den natürlich heute offensichtlichen CGI-Effekten, die aber für so einen Film doch recht dezent im Einsatz sind.
Tja, das ist leider generell das Schicksal der Filme aus den frühen Nuller-Jahren, dass sie viel schneller "altern" als die Filme aus den 70ern und frühen 80ern.
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Re: Der Spielberg Thread

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Samedi hat geschrieben: 1. Juli 2018 14:42Tja, das ist leider generell das Schicksal der Filme aus den frühen Nuller-Jahren
Das kann man so pauschal nie sagen, es gibt auch Kram aus allen anderen Jahrzehnten, der veraltet ist und genug Filme aus den frühen Nuller-Jahren, die überhaupt nicht so wirken.
Mr.Chrismas Jones hat geschrieben: 1. Juli 2018 16:43 Minority Report finde ich trotzdem tausendmal besser als Schlaftablette Blade Runner.
Geschmackssache, aber ich wollte den qualitativ auch nicht mit Blade Runner vergleichen, sondern eher darauf hinaus wie unglaublich hässlich der Film ausschaut mit dieser bleichen, farblosen Kalk-Note. Stilistisch gewählt hin oder her, das sticht nur permanent unangenehm ins Auge. Davon ab finde ich, dass in Minority Report deutlich zu wenig passiert. Nicht im Sinne einer Handlung, der hat schon einen Plot und der ist auch nicht schlecht, aber der Film ist zu sehr Tom-Cruise-Starvehikel und Actionspektakel, anstatt das alles etwas tiefer zu erforschen. Immer wenn ich gehofft habe, ein bisschen was von der Welt kennen zu lernen, haut mir Spielberg wieder eine kaum nötige Verfolgungsjagd um die Ohren, die dann auch noch jeweils extrem ausufert (was aber ein typisches Spielberg-Phänomen ist). Gute Unterhaltung, mit einem sympathischen Cruise und einem noch besseren Farrell, aber angesichts des Stoffes ein glasklarer Fall von extrem verschenktem (und sehr hässlich ausschauendem) Material. Wie sieht das Forum hier diesen Spätberg?
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Re: Der Spielberg Thread

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Casino Hille hat geschrieben:Wie sieht das Forum hier diesen Spätberg?
Kann da nur wenig dazu sagen, da Erst- und Einzigsichtung bereits mehr als 15 Jahre her. Habe ihn aber auch als visuell stark stilisiert in Erinnerung um nicht sogar zu sagen übertrieben kühl. Für konkreteres müsste ich ihn aber wirklich mal wieder sehen, wobei es sich mir jetzt nicht gerade aufdrängt. Damals gefiel er mir nur so la la.
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Re: Der Spielberg Thread

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Maibaum hat geschrieben: 2. Juli 2018 13:15 Minority Report war damals ein guter Film, aber keiner von dem viel hängen bleibt.
Das beste an "Minority Report" ist eindeutig Max von Sydow.
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Re: Der Spielberg Thread

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Um ehrlich zu sein: Max von Sydow ist gut, aber seine Rolle ist halt so offensichtlich der Villain, das es dem Film schon schadet. Erst recht bei so einem Verschwörungsthriller, bei dem man gemeinsam mit dem Protagonisten Schritt für Schritt hinter die Verstrickungen kommt, sollte der große Big Bad nicht nach wenigen Sekunden absehbar sein. Beim guten Max sind aber Anlage der Rolle und die Tatsache, dass ein so prominentes Schwergewicht für den bis dahin unwichtigen Part besetzt wurde, mehr als eindeutige Anzeichen für die Enthüllung am Ende. Ein sehr ähnliches Problem hat auch der viel gelobte zweite Captain America Film "The Winter Soldier" zu verzeichnen.

Ich sehe das am ehesten wie Anatol, und vielleicht etwas wie Maibaum. Minority Report ist schon ganz ordentlich und hat auch seine Momente, ist zudem wie in einem Guss inszeniert (wenn auch mit dem Spielberg-typischen Hang zur Überlänge). Aber er krankt daran, dass alles immer an der Oberfläche bleibt, weil Spielberg lieber einfach nur bebildert statt mit eigener Note den Plot zu kommentieren, und dann doch eher auf einen packenden Actionfilm als auf einen philosophischen Sci-Fi-Film hinaus will - nur eben mit wenig packender Action (zumindest fand ich das Pacing der Action hier sehr holprig).

PS: Ein nettes Detail für Kenner ist allerdings die späte Visualisierung der von Hitchcock für "North by Northwest" geplanten Autoszene, nur mit entgegen gesetztem Resultat. Wer das Truffaut Buch kennt, wird vielleicht wissen, was ich meine.
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Re: Der Spielberg Thread

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Hab mir nochmal den Soundtrack von "Bridge of Spies: Der Unterhändler" angehört und da könnte man wirkich glauben, dass er aus der Feder von John Williams ist, obwohl er von Thomas Newman komponiert wurde. Erinnert meiner Meinung nach stark an den Soundtrack von "JFK: Tatort Dallas".
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Re: Der Spielberg Thread

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Casino Hille hat geschrieben: 3. Juli 2018 00:01 PS: Ein nettes Detail für Kenner ist allerdings die späte Visualisierung der von Hitchcock für "North by Northwest" geplanten Autoszene, nur mit entgegen gesetztem Resultat. Wer das Truffaut Buch kennt, wird vielleicht wissen, was ich meine.
Oh das lese ich jetzt erst. Ja das ist natürlich lustig!

Ich mag Minority Report sehr. Den Vorwurf, dass der Film immer an der Oberfläche bleibt, verstehe ich nicht. Bzw was ist denn die Erwartungshaltung an einen Unterhaltungsfilm?
Ich finde aber im Gegenteil, dass der Film für einen solchen erstaunlich "tief" geht - im Rahmen seiner Möglichkeiten. Wie meine ich das?
a) Der Held ist alles andere als eine rein heldenhafte Figur mit sauberer Weste. Seine Konflikte prägen den Film schon sehr stark. Auch schön in dem Zusammenhang, dass er eigentlich kurz vorm Showdown verloren hat, und nur durch seine Frau alles aufgedeckt wird bzw. sie ihn rettet
b) kenne wenige Filme die so detailiert eine halbwegs realistische, nahe Zukunft skizzieren. Das ist zwar sicherlich nicht das, was du meintest, aber vergleiche das mal mit wirklich naiven/oberflächlichen Filme die an sich ähnlich sind wie zB Demolition Man oder Total Recall
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Re: Der Spielberg Thread

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danielcc hat geschrieben: 8. Februar 2019 12:48 b) kenne wenige Filme die so detailiert eine halbwegs realistische, nahe Zukunft skizzieren. Das ist zwar sicherlich nicht das, was du meintest, aber vergleiche das mal mit wirklich naiven/oberflächlichen Filme die an sich ähnlich sind wie zB Demolition Man oder Total Recall
Der Vergleich mit Recall und DemoMan ist aber insofern nicht ganz fair, da es sich bei beiden Filmen ja um Satiren handelt, in denen eben bewusst die Zukunft überspitzt dargestellt wird, um ähnliche Entwicklungen in der (damaligen) Gegenwart zu karikieren. Das ist bei einem Film wie Minority Report oder - um ein anderes Beispiel zu nennen - Blade Runner nicht der Fall, sondern hier wird versucht eine möglichst realistische (jedenfalls aus aktueller Sicht) Zukunft zu erschaffen.
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Re: Der Spielberg Thread

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Das tragische bei "Minority Report" ist meiner Meinung nach, dass das Kernthema des Films (also dass Menschen festgenommen werden, weil sie vielleicht in Zukunft ein Verbrechen begehen könnten) inzwischen mit der "Gefährder"-Regelung bereits Realität ist.
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