Größte Rezensionsschwankungen nach mehrmaligen Sichtungen

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Der Thread-Titel ist zwar etwas sperrig, aber das Thema an sich finde ich ganz interessant. Wenn jemand eine Idee für einen prägnanteren Titel hat, kann dieser jederzeit geändert werden.

Aber jetzt zum Punkt:

Es gibt ja immer wieder solche Filme, die bei mehrmaligen Sichtungen erheblichen Rezensionsschwankungen ausgesetzt sind. In die eine oder die andere Richtung.

Bei mir sind das vor allem zwei Filme:

DAF, der früher mein Lieblingsbond war und jetzt zusammen mit DAD auf den unteren Plätzen rangiert

und

der Wallace-Streifen "Die Tote aus der Themse", den ich lange als den schlechtesten der Reihe gesehen habe und der in letzter Zeit stark in meiner Gunst gestiegen ist.

Wie sieht es bei euch aus? Bleiben eure Filmbewertungen stabil oder ändert sich auch bei euch im Laufe der Zeit die Sicht auf Filme vom Positiven ins Negative oder umgekehrt? :?:
Böser schwarzer Mann

#SanMonique2021

"Wo man lacht, da lass dich ruhig nieder. Böse Menschen lachen immer wieder."

Re: Größte Rezensionsschwankungen nach mehrmaligen Sichtungen

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Schöner Thread, Samedi!

Da fallen mir spontan zwei Filme ein:

John Wick, Teil 2: Bei der Kinosichtung fand ich den richtig doof, bei der Heimsichtung ist der Film mindestens um 2 Punkte gestiegen. Schöner Actionfilm mit noch schöneren Bildern und guter Filmmusik und Inszenierung. Vor allem die Szenen in Rom sind ein Genuss.

Und der Bondbezug: Octopussy mochte ich früher nicht so sehr, eher im hinteren Mittelfeld platziert. Mittlerweile mag ich den viel lieber und der Film ist in meiner Gunst stark gestiegen.
#Marburg2021

Though this be madness, yet there is method in’t
William Shakespeare, Hamlet

Re: Größte Rezensionsschwankungen nach mehrmaligen Sichtungen

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Das passiert imo hauptsächlich bei Filmen, die man Jahre (10 und mehr) nicht gesehen hat. Generell schwanken meine Bewertungen ansonsten bei wiederholten Sichtungen vielleicht mal um einen Punkt rauf oder runter.
Ich habe z.B. inzwischen sehr viel Spaß an den Cannon-Produktionen der 80er (Bronson, Dudikoff, VanDamme, Norris), die ich seinerezit ziemlich trashig fand. Das sind sie natürlich immer noch, aber inzwischen sehr gut abgehangen und mit dem typischen 80er-Flair, das man damals natürlich so gar nicht wahr genommen hat, da ja alles so war.
Demgegenüber kann ich den Spencher/Hill Filmen und auch den meisten DeFunes Streifen - die ich in der Kindheit sehr gern gesehen hab - heute nur noch wenig abgewinnen (Ausnahme sind da nur, warum auch immer, die Karl May-Filme, die ich noch immer mag).
http://www.vodkasreviews.de

https://ssl.ofdb.de/view.php?page=poste ... Kat=Review

Re: Größte Rezensionsschwankungen nach mehrmaligen Sichtungen

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vodkamartini hat geschrieben:Das passiert imo hauptsächlich bei Filmen, die man Jahre (10 und mehr) nicht gesehen hat.
Das stimmt, wobei ich auch keine große Lust verspüre, Filme von Spencer/Hill oder de Funès, die mir früher auch oftmals gefallen haben, heute wieder zu sichten.

Einen Film, den wir damals geliebt und zigmal gesehen haben, war "Die Glückritter" mit Eddie Murphy. Ob der mir heute noch so gefallen würde? Vermutlich nicht, deshalb behalte ich ihn lieber in guter Erinnerung.
#Marburg2021

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William Shakespeare, Hamlet

Re: Größte Rezensionsschwankungen nach mehrmaligen Sichtungen

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Ganz klar Layer Cake von Matthew Vaughn.

Erste Sichtung: Was ist das für ein wirrer, unnötig komplizierter Schmarrn und wo ist der Humor der Guy-Ritchie-Filme (zu dessen Umfeld der Film ja gezählt werden kann)? Habe etwa zwanzig Minuten vor Schluss ausgemacht und mich hier im Forum mit einer 4/10 enerviert.

Zweite, widerwillige Sichtung, mit meinem Cousin, der den Film besser verstanden hat als ich und mir am Ende ein paar der Zusammenhänge erklären musste. Zum ersten Mal bis ganz zum Schluss gesehen. Fazit: Ist eigentlich ganz interessant und macht Sinn, vielleicht steckt ja noch mehr dahinter?

Dritte Sichtung: Prima Film, clevere Geschichte, stark erzählt und macht richtig Spass.

Vierte Sichtung: Mühelos 9+/10. Unglaublich spannend und virtuos aufgebaut und inszeniert, und - um das Wortspiel zu bemühen - erstaunlich vielschichtig. Ein herausragendes Darsteller- und Figurenensemble, angeführt von einem mehr als überzeugenden Craig.

Fünfte Sichtung mit einem Freund, der den Film vorher nicht kannte: Alter, schau dir dieses Meisterwerk an! Das musst du sehen!

Bei Bond fallen mir spontan OHMSS und QOS ein, die nach längeren Pausen in meiner Gunst gestiegen sind.
We'll always have Marburg

Re: Größte Rezensionsschwankungen nach mehrmaligen Sichtungen

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Samedi hat geschrieben:Hatte ganz vergessen, dass Burn Gorman auch bei "Layer Cake" dabei war. Muss mir den Film also demnächst auch nochmal gönnen.
Nicht nur der, auch Michael Gambon, Sienna Miller, Colm Meaney, Stephen Walters, Kenneth Cranham, Jamie Foreman, Sally Hawkins, George Harris, Ben Whishaw, Jason Flemyng, Dexter Fletcher... Soll ich weitermachen?

Am Figurenensemble von Layer Cake ist so grossartig, wie all diese Charaktere im Handlungsverlauf zusammenspielen. Die Geschichte bricht sehr oft mit erwarteten Figurenkonstellationen, so kann es schon mal vorkommen dass einer der am Anfang mal kurz in einer vermeintlichen Nebenhandlung auftaucht später immens wichtig für die Auflösung aller Erzählstränge ist, und wer den zu diesem Zeitpunkt nicht mehr im Kopf hat dürfte Schwierigkeiten haben, alle Zusammenhänge zu verstehen, so wie ich damals. Der Film macht es einem enorm schwierig, die Charaktere in eine Art Hierarchie zu bringen, es gibt nicht einmal eine wirkliche klassische Aufteilung in Haupt- und Nebencharaktere (abgesehen von Craigs Erzählprotagonist).

Das ist für mich mittlerweile tatsächlich ein Film, in dem jedes noch so kleine Bausteinchen perfekt ins grosse Ganze passt. Und visuell und erzählerisch ist er ein Genuss.
We'll always have Marburg