Re: Oscars / Golden Globes 2020

#106
Casino Hille hat geschrieben:
10. Februar 2020 17:53
Invincible1958 hat geschrieben:
10. Februar 2020 17:48
Warum du ihn generell nicht als massentauglich bezeichnest, frage ich mich immer noch.
Ohne groß zu spoilern: Der Film ist in einem gesunden Maße artsy-fartsy, ohne gleich Lynch oder Malick zu sein. Er ist erstaunlich schwarzhumorig (eben keine seichte RomCom), er ist zum Ende hin auch ordentlich brutal, die Hauptfiguren sind allesamt gewissermaßen Zensiertlöcher etc. Klar kann man jetzt sagen: "Parasite muss massentauglich sein, er hat ja die Masse erreicht", aber das ist in meinen Augen ein Trugschluss. Das haben genug andere Filme auch, die auch nicht wirklich massentauglich waren. Dass Parasite kein Arthaus ist, habe ich schon gesagt, aber Mainstream? Mitnichten.

Eigentlich ist mir diese Definiererei aber zu mühselig, der Film ist für einen Oscarsieger wahnsinnig ungewöhnlich und nicht umsonst eine Überraschung gewesen, während 1917 und Once Upon a Time das nicht gewesen wären.
Tarantino ist inzwischen auch Mainstream.
Und die Gewalt in Parasite ist dem nicht unähnlich.

Ich verstehe deine Argumentation.
Aber nur als Mainstream zu bezeichnen, was einen leichten Schenkelklopferhumor hat, ist zu einfach.

Der schwarze Humor in Parasite ist für mich ein mainstreamiger, schwarzer Humor.
Ja, sowas gibt es für mich.

Dass ein Film nie Alle erreicht, ist klar.
Die Art von Humor, die man in vielen Til Schweiger-Filmen findet, erreicht mich z.B. gar nicht. Trotzdem würde ich die Filme dem Mainstream zuordnen.

Wenn man das ganze Spektrum des Filmemachens betrachtet, dann ist Parasite sehr stark auf der Mainstreamseite.
Im Grunde sind alle Oscar-Nominees Mainstream.

Re: Oscars / Golden Globes 2020

#107
Nee, Parasite ist natürlich kein Mainstream, und Tarantino nach wie vor auch nicht. Glücklicherweise, auch wenn er mittlerweile, oder besser nach wie vor, erstaunlich viel Erfolg mit seiner Art Film hat.

Arthaus ist im übrigen ein ziemlich blöder Begriff, während Mainstream ein sehr sinniger Begriff ist.

Ansonsten wäre der erste fremdsprachige Film der den BP-Oscar gewonnen hat eigentlich doch The Artist, auch wenn er ... ich weiß! Nebenbei gesagt, eigentlich auch kein Mainstream Film.
Jedoch sind die meisten Filme die den BP-Oscar gewonnen haben doch recht eindeutig Mainstream Filme. Nach einem kurzen Blick auf die Gewinner bin ich fast geneigt zu sagen der erste nicht-Mainstream Gewinner war vielleicht Tom Jones (1963), auch wenn sich natürlich über den ein anderen der früheren Gewinner in der Hinsicht streiten lässt, und erst ab 1970 haben auch immer wieder mal Nichtmainstreamer gewonnen.

Re: Oscars / Golden Globes 2020

#109
Maibaum hat geschrieben:
10. Februar 2020 19:02
Ansonsten wäre der erste fremdsprachige Film der den BP-Oscar gewonnen hat eigentlich doch The Artist, auch wenn er ... ich weiß!
Nö, der erste Internationale ja. Aber in The Artist wird gesprochen, wenn auch nur am Ende und wenn ich mich richtig erinnere, dann auf Englisch. Bei Parasite ist ja gerade so erstaunlich, dass trotz Sprachbarriere die lese faulen Amis den zum Best Picture wählen.
Prejudice always obscures the truth.

Re: Oscars / Golden Globes 2020

#110
Casino Hille hat geschrieben:
10. Februar 2020 19:56

Nö, der erste Internationale ja. Aber in The Artist wird gesprochen, wenn auch nur am Ende und wenn ich mich richtig erinnere, dann auf Englisch.
Auch in der französischen Fassung?

Wäre natürlich gut möglich, da der Film ja in Hollywood spielt.

Hat nichts mit Lesefaulheit zu tun, sondern damit daß die Amis keine UT Filme mögen, die Deutschen ja genau so wenig.

So weit ich weiß mochten sie z.b. auch früher nicht die synchronisierten europäischen Genrefilme, was aber auch daran lag, daß diese oft schlecht synchronisiert waren. In der Konsequenz hatten es nicht englischsprachige Filme in den USA grundsätzlich sehr schwer.

Der Oscar für Parasite könnte da jetzt eine neue Zeit anbrechen lassen, in der die Sprachbarriere an Wichtigkeit verliert. Und The Artist ging auch schon in diese Richtung, denn es war ja zumindest der erste Film aus einem nicht-englischsprachigen Land.
Ende der 40er waren ja auch mal die ersten nominierten Filme aus England einen Aufstand wert. Kurze Zeit später gewannen dann solche regelmäßig, wenn auch zunächst meist mit US Dollars produziert oder co-produziert.

Re: Oscars / Golden Globes 2020

#111
Insgesamt stehe ich der diesjährigen Oscarverleihung mit gemischten Gefühlen entgegen. Bei der Verleihung gab es eine Mischung aus absoluter Berechenbarkeit und auch einigen Überraschungen, die eigentlich wenn man ein wenig tiefer und logischer die bereits vorangestellten Verleihungen der Filmfestivals, der Golden Globes, der Writers Guild Awards, der Directors Guild Awards, der Screen Actors Guild Awards, der Producer Guild Awards und auch den BAFTAS verfolgt hat, auch sehr berechenbar gewesen sind. Dazu hilft es natürlich auch sehr zu wissen, wie der allgemeine Nominierungs- und Auszeichnungsprozess funktioniert und welche Gremien hier eigentlich nur die Entscheidung treffen.

„Es gibt keine 2. Chance, einen ersten Eindruck zu machen, aber der letzte Eindruck ist der Bleibende“

Der Einstieg in die Veranstaltung war mit der Musicalnummer von Janelle Monae und der Rede von Steve Martin und Chris Rock etwas holprig. Klar war natürlich auch die relativ maue Quote bei 0 % Frauen in der Regiekategorie und auch 5 % Darsteller mit afroamerikanischen Hintergrund sowie diverse nicht berücksichtigte Filme das Thema. Für meinen Geschmack wird das Thema hier von Seiten Hollywoods ein wenig zu undifferenziert und oberflächlich betrachtet, aber um die Menge zu unterhalten und in der Kürze der Zeit geht das hier klar. Wenn man sich dann aber die Quote anschaut, wie entsprechend ausgezeichnet worden ist, dann kann man im Kontext zu dem was nominiert war schon sehen, dass viele Frauen und auch Afroamerikaner und nicht zu vergessen ein anderes auftrumpfendes Land ausgezeichnet worden sind. Ob das hier in dem Rahmen eher zu wenig gewesen ist, muss jeder selbst entscheiden. Das ist ja immer so, wenn man jemandem Zucker gibt, dass da gleich die Banane gefordert wird.

Etwas, was mir persönlich gefehlt hat, was ich bei früheren Preisverleihungen sehr toll fand, war ein Videozusammenschnitt aller nominierten Filme als Supercut und dann auch als kleine Showelemente die Vorstellung der einzelnen nominierten Filme in der Hauptkategorie.

Wie quasi immer sind mir die Preisträger in den Sparten Live Action Short, Animated Short, Documentary Short Subject und ggf. Documentary Film nicht so wichtig, so dass die Kategorien nur an mir vorbeziehen. Bis auf vielleicht letztes Jahr, als „Free Solo“ ausgezeichnet worden ist, der am Ende Platz 3 in meinem Jahresranking belegt hat. Platz 2 aus meinem Jahresranking 2019 wurde komplett ignoriert, aber zu Platz 1 komme ich noch !

Der Gewinn von „Toy Story 4“ war hier vielleicht überraschend, aber ging auch in Ordnung.

Die Darstellerkategorien waren auch gesetzt nach dem Verlauf der Awardsaison, ähnlich wie die Drehbuchkategorien. Technisch war es klar, dass sich in meinen Augen „Ford v Ferrari“ und „1917“ die Preise holen werden. Im Designbereich hat es sich auch abgezeichnet, dass es Richtung „Once Upon A Time in Hollywood“, „Little Women“ und „Bombshell“ geht. Musikalisch war es auch unausweichlich, dass Hildur Gudnadottir für „Joker“ und Elton John für „Rocketman“ gewonnen haben.

Die musikalische Gestaltung der Show war mit der klassischen Performance jedes Nominierten klar und hat auch gepasst. Sehr schön war Billie Eilishs sehr ruhige und gefühlvolle „Yesterday“-Version bei der In Memoriam-Sektion. Aber der Hammer war natürlich die Kamikaze-Performance von Eminem. Genauso überraschend wie der Release der letzten beiden Alben. Irgendwie kam das dann so überraschend, dass vermutlich versäumt worden ist, den Sound und die Technik noch korrekt abzustimmen, denn die Qualität des Sounds hat nicht zur Qualität des Auftritts gepasst.

Ja, hatte ich hier bereits folgenden Spruch gebracht ?:

„Es gibt keine 2. Chance, einen ersten Eindruck zu machen, aber der letzte Eindruck ist der Bleibende“

Bei einem relativ holprigen und durchaus überraschungsarmen Abend, bei dem sich auch gerne mal so etwas wie Langeweile einstellen konnte, war der Ersteindruck nicht der Beste, aber kommen wir zum letzten Eindruck des Abends.

Wer mich hier im Forum kennt weiß, welcher Film Platz 1 für mich im Jahre 2019 gewesen ist – und dieser hat hier insgesamt 6 Nominierungen gehabt – und wurde am Ende der Große Gewinner des Abends - „PARASITE“ holt hier 4 Trophäen (bis auf Schnitt und Setdesign) und dann noch in der Kombination „Bestes Originaldrehbuch“ ; „Beste Regie“ ; „Bester Internationaler Film“ und „Bester Film“ - was ich persönlich als Ritterschlag für Regisseur Bong Joon-Ho und „Parasite“ ansehe. Sehr sympathische Reden und sehr sympathischer Typ. Ich gönne es ihm, dem Film und dem gesamten Ensemble von „Parasite“ ! Ich habe während der Veranstaltung das Gefühl gehabt: „Die werden doch jetzt nicht „Parasite“ den Hauptpreis geben ?“ Was habe ich mich gefreut, als am Ende dann der Name gefallen ist. Und der letzte Eindruck dieser Veranstaltung hat mir auf jeden Fall überaus gut gefallen. Gerade im Vergleich zu diversen Gewinnern aus den vorigen Jahren hat mir „Parasite“ auch als Film am Besten gefallen.

Zum Abschluss meine Auswertung:

1. Bester Film – Tipp: 1917 – Sieger: Parasite
2. Beste Regie – Tipp: 1917 – Sieger: Parasite
3. Bestes Originaldrehbuch – Tipp/Sieger: Parasite
4. Bestes adaptiertes Drehbuch – Tipp/Sieger: Jojo Rabbit
5. Beste Hauptdarstellerin – Tipp/Sieger: Judy
6. Bester Hauptdarsteller – Tipp/Sieger: Joker
7. Beste Nebendarstellerin – Tipp/Sieger: Marriage Story
8. Bester Nebendarsteller – Tipp/Sieger: Once Upon A Time In Hollywood
9. Beste Filmmusik – Tipp/Sieger: Joker
10. Bester Song – Tipp/Sieger: Rocketman
11. Beste Kamera – Tipp/Sieger: 1917
12. Bester Schnitt – Tipp/Sieger: Ford v Ferrari
13. Bester Ton – Tipp/Sieger: 1917

14. Bester Tonschnitt – Tipp: 1917 – Sieger: Ford v Ferrari
15. Bestes Kostümdesign – Tipp/Sieger: Little Women
16. Bestes MakeUp/Hairdesign – Tipp/Sieger: Bombshell

17. Bestes Produktionsdesign – Mein Tipp: 1917 – Sieger: Once Upon A Time In Hollywood
18. Beste visuelle Effekte – Tipp/Sieger: 1917
19. Bester Animationsfilm – Tipp: Klaus - Sieger: Toy Story 4
20. Bester animierter Kurzfilm: Hair Love (ohne Tipp)
21. Bester Dokumentarfilm: American Factory (ohne Tipp)
22. Bester Dokumentarkurzfilm: Learning the Skateboard (Ohne Tipp)
23. Bester Kurzfilm: The Neighbours Window (Ohne Tipp)

24. Bester Internationaler Film: Tipp/Sieger: Parasite

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"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "
Spoiler
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Filmzähler Sammlung iHaveCNit/HCN007:
Stand: 22.12.2018

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BD: 498 Filme
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