Was auf jeden Fall für Leo spricht ist ja auch daß er den ganzen Film so schmutzig ist, daß keiner genau sagen kann ob er eigentlich schwarz, weiß oder rot ist. So hätte man einen tragfähigen Kompromiss um dann doch noch Spike Lee und Will Smith zumindest etwas zu besänftigen.
Ansonsten hat er auf jeden Fall den Oscar für die beste Zottelfrisur verdient. Ihn dabei zu übergehen wäre nun wirklich ein Skandal.
Re: Zuletzt gesehener Film
5807Was mich an The Revenant übrigens auch noch etwas gestört hat, war die Tatsache, dass DiCaprio defintiv mehr als nur einmal hätte abkratzen müssen. Ich dachte mir des öfteren "Bitte, tu uns den Gefallen und geh endlich drauf, ich kann das nicht mehr mit ansehen!".
Die Survival-Geschichte war an manchen Stellen irgendwie zuviel. Aber der wahre Glass muss ja auch so ziemlich das selbe erlebt haben.
Hier mal ein paar kritische Stellen, bei denen er locker hätte sterben können:
Der Angriff der Indianer: Da hat Glass Glück gehabt, dass er vorher mit seinem Sohn im Wald war und vermutlich auch etwas Ahnung von den Kampftechniken der Arikaree hat.
Der Bärenangriff: Schwierig zu überleben, vor allem weil der Bär nicht nachgelassen hat, aber mit einem Quäntchen Glück, durchaus möglich. Ganz klar die krasseste Szene des Films!
Seine Flucht im Fluss: Ich weiß nicht, wie lange er darin herumgetrieben ist, aber es muss schon ein ziemliches Stück gewesen sein. Da er vorher schon extrem geschwächt war, würde ich jetzt mal darauf tippen, dass er eigentlich hätte einschlafen und erfrieren müssen... Ist ja nicht so, als ob er Funktionskleidung für hunderte von Euro angehabt hätte.
Als er das französische Lager "überfällt" und darauf folgend von der Klippe stürzt: Dass ihn keine Kugel der Franzosen getroffen hat, spricht wieder von Glück. Der Sturz von der Klippe war allerdings wieder kritisch... Man hat ja schon mal gehört, dass Bäume den Fall bremsen. Das kann aber trotzdem gut und gern zu inneren Blutungen oder erneuten Brüchen führen, er sollte spätestens danach doch komplett am Ende sein.
Der Showdown mit Fitzgerald: Irgendjemand muss verlieren, und da Glass nun mal der Held ist, gewinnt er natürlich auch. Ist halt letztlich doch nur ein Film mit "Happy End".
Es war jetzt nicht extrem störend, aber ich hatte schon viel Mitleid für Glass übrig. Es wäre doch auch für ihn angenehmer gewesen, nicht so zu leiden müssen und dem Ganzen ein Ende zu setzen.
PS: Den Oscar für das beste Szenenbild hätte The Revenant übrigens auch verdient.
Die Survival-Geschichte war an manchen Stellen irgendwie zuviel. Aber der wahre Glass muss ja auch so ziemlich das selbe erlebt haben.
Hier mal ein paar kritische Stellen, bei denen er locker hätte sterben können:
Der Angriff der Indianer: Da hat Glass Glück gehabt, dass er vorher mit seinem Sohn im Wald war und vermutlich auch etwas Ahnung von den Kampftechniken der Arikaree hat.
Der Bärenangriff: Schwierig zu überleben, vor allem weil der Bär nicht nachgelassen hat, aber mit einem Quäntchen Glück, durchaus möglich. Ganz klar die krasseste Szene des Films!
Seine Flucht im Fluss: Ich weiß nicht, wie lange er darin herumgetrieben ist, aber es muss schon ein ziemliches Stück gewesen sein. Da er vorher schon extrem geschwächt war, würde ich jetzt mal darauf tippen, dass er eigentlich hätte einschlafen und erfrieren müssen... Ist ja nicht so, als ob er Funktionskleidung für hunderte von Euro angehabt hätte.
Als er das französische Lager "überfällt" und darauf folgend von der Klippe stürzt: Dass ihn keine Kugel der Franzosen getroffen hat, spricht wieder von Glück. Der Sturz von der Klippe war allerdings wieder kritisch... Man hat ja schon mal gehört, dass Bäume den Fall bremsen. Das kann aber trotzdem gut und gern zu inneren Blutungen oder erneuten Brüchen führen, er sollte spätestens danach doch komplett am Ende sein.
Der Showdown mit Fitzgerald: Irgendjemand muss verlieren, und da Glass nun mal der Held ist, gewinnt er natürlich auch. Ist halt letztlich doch nur ein Film mit "Happy End".
Es war jetzt nicht extrem störend, aber ich hatte schon viel Mitleid für Glass übrig. Es wäre doch auch für ihn angenehmer gewesen, nicht so zu leiden müssen und dem Ganzen ein Ende zu setzen.
PS: Den Oscar für das beste Szenenbild hätte The Revenant übrigens auch verdient.
Zuletzt geändert von BlofeldsKatze am 27. Januar 2016 21:11, insgesamt 1-mal geändert.
The name's Bond, James Bond.
Re: Zuletzt gesehener Film
5808Fitzgerald - Sie sind enttarntBlofeldsKatze hat geschrieben: Es war jetzt nicht extrem störend, aber ich hatte schon viel Mitleid für Glass übrig. Es wäre doch auch für ihn angenehmer gewesen, nicht so zu leiden müssen und dem Ganzen ein Ende zu setzen.
Ab einem bestimmten Zeitpunkt nervt es irgendwie, wenn immer weiter "draufgehauen" wird. Wenn man denkt, jetzt bessert es sich, taucht der nächste Stolperstein auf Glass' Reise auf. Ich glaube, es war nach der Franzosenlager-Szene, wo ich dachte: Jetzt zieht es sich aber...
It's the BIGGEST... It's the BEST
It's BOND
AND BEYOND
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AND BEYOND
Re: Zuletzt gesehener Film
5809Ja, da stimme ich dir voll zu, Thunderball. Spätestens nach der Szene im Franzosenlager ging es immer weiter bergab.
Habe bei der Flucht im Fluss vergessen, dass er zu allem Überfluss ja auch noch einen Wasserfall runter gestürzt ist... Das war der aller erste Moment, als man angefangen hat zu grübeln. Und da war der Film glaube noch nicht mal zur Hälfte gelaufen!
Habe bei der Flucht im Fluss vergessen, dass er zu allem Überfluss ja auch noch einen Wasserfall runter gestürzt ist... Das war der aller erste Moment, als man angefangen hat zu grübeln. Und da war der Film glaube noch nicht mal zur Hälfte gelaufen!
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Re: Zuletzt gesehener Film
5810Naja, aber davon handelt der Film ja, bzw. darum geht es ihm: Um extremen Überlebenswillen, um einen so starken Drang zu leben, wie man es heute wohl kaum noch bei Menschen in der westlichen Welt findet. Vermutlich übertreibt der Film deshalb auch an der ein oder anderen Stelle, auch wenn mich manches davon ebenfalls gestört hat.BlofeldsKatze hat geschrieben:Es war jetzt nicht extrem störend, aber ich hatte schon viel Mitleid für Glass übrig. Es wäre doch auch für ihn angenehmer gewesen, nicht so zu leiden müssen und dem Ganzen ein Ende zu setzen.
Im "Alejandro González Iñárritu"-Thread haben wir darüber ja schon gesprochen. Die ganzen Sachen waren durchaus alle überlebbar, wenn auch häufig nur mit viel Glück, das entscheidende ist eher, dass er keine Schäden (Unterkühlung, Knochenbrüche, etc.) davonträgt. Es geht nach der entsprechenden Situation meist weiter, als wäre nicht gewesen. Glass geschehn zwar immer wieder furchtbare Dinge, sein Zustand verschlechtert sich dadurch aber kaum (Gut, das geht auch schlecht, wenn man schon beim absoluten Tiefpunkt anfängt...)
"You only need to hang mean bastards, but mean bastards you need to hang."
Re: Zuletzt gesehener Film
5811Das ist ja genau der Punkt. Natürlich kann man jede der oben beschriebenen Situationen irgendwie überleben. Aber die einzige, die Glass wirklich ernsthaft mitnimmt, ist der Kampf mit der Bärin. Und bei allen anderen scheint es immer so, als wäre nichts gewesen, dabei hätte ihm DEFINITIV etwas passieren müssen. Und da sich diese Situationen ja häufen, wirkt sein Überleben um jede mehr immer unglaubwürdiger. Man kauft es ihm einfach nicht mehr ab, dass er tatsächlich unglimpflich davon kommt. Glass wirkt dadurch irgendwie "unsterblich". Von Survival bleibt da nicht mehr viel übrig, eher basiert alles auf der Willkür des Regisseurs, der immer wieder einen drauflegen wollte.
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Re: Zuletzt gesehener Film
5812Der Titel bezieht sich aber auch auf einen Wiedergänger, und das ist auch ein Untoter. Das kann also auch in der Absicht des Regisseurs gelegen haben. Und dan schildert der Film ja auch nur ein paar Höhepunkte aus einem Zeitraum der im realen Leben ca 6 Wochen betragen hat. (wobei das Meiste der "wahren Geschichte" eventuell auch nur eine Legende ist)BlofeldsKatze hat geschrieben:Das ist ja genau der Punkt. Natürlich kann man jede der oben beschriebenen Situationen irgendwie überleben. Aber die einzige, die Glass wirklich ernsthaft mitnimmt, ist der Kampf mit der Bärin. Und bei allen anderen scheint es immer so, als wäre nichts gewesen, dabei hätte ihm DEFINITIV etwas passieren müssen. Und da sich diese Situationen ja häufen, wirkt sein Überleben um jede mehr immer unglaubwürdiger. Man kauft es ihm einfach nicht mehr ab, dass er tatsächlich unglimpflich davon kommt. Glass wirkt dadurch irgendwie "unsterblich". Von Survival bleibt da nicht mehr viel übrig, eher basiert alles auf der Willkür des Regisseurs, der immer wieder einen drauflegen wollte.
Und es ist das Recht eines jeden Filmes dramaturgisch zu verdichten und zu übertreiben
Re: Zuletzt gesehener Film
5813Und genau das hat mir eben bei diesem Film nicht gefallen und war mir zu viel.Maibaum hat geschrieben: Und es ist das Recht eines jeden Filmes dramaturgisch zu verdichten und zu übertreiben
The name's Bond, James Bond.
Neeson? Who the fuck is Neeson?
5814John Wick
Für die Besetzung des titelgebenden Berserkers "John Wick" haben sich die beiden Regie-Debütanten und ehemaligen Stuntmänner Chad Stahelski & David Leitch einen ganz besonderen Gag überlegt, denn wer wäre wohl besser für den Job des ehemaligen Profikillers, der nach längerer Abwesenheit wieder in sein Geschäft einsteigt (bzw. einsteigen muss) besser geeignet als der kanadische Ex-"Matrix"-Star Keanu Reeves? Und tatsächlich: Reeves erfüllt alle Erwartungen, die man an ihn haben konnte und gibt die eiskalte, gebrochene und verbitterte Kampfmaschine mit zynischer Härte, schafft es, trotz der moralisch arg fragwürdigen Auslegung "seiner" Taten durch angedeutete menschliche Züge der Sympathieträger zu bleiben. Und so manche Actionszene muss man doch glatt zwangsläufig stilistisch mit so manch legendären Ballerorgien der "Matrix"-Trilogie vergleichen. Eigentlich die besten Voraussetzungen für einen modernen Klassiker des Genres, doch auch, wenn es dazu nicht unbedingt reicht, ist "John Wick" eine Überraschung der positiven Art.
Was Strahelski & Leitch im Vergleich zu ähnlich gelagerten Filmen jüngerer Zeit (wie etwa "Taken - 96 Hours") wirklich gut gelingt, ist die Tunnelblick-artige Exposition und Reduzierung der Handlung und Hintergrundinfos auf ein absolutes Minimum, sodass man als Zuschauer gerade genug erfährt, um die Motivation für den anschließenden Rachetrip Wicks nachvollziehen zu können. Wenngleich der Auslöser den ein oder anderen vielleicht anfangs irritieren könnte, entpuppt sich "John Wick" mit fortschreitender Laufzeit immer mehr als ein sehr effektiv gedachter Aufhänger für etwas, dass einmal ein ganzes Franchise werden könnte: Mit simplen, aber geschickten Mitteln entwerfen die beiden Regisseure ein beeindruckend-stylisches Negativ von New York City und gestalten durch oft nur angedeutete in der Vergangenheit liegende Ereignisse ein stimmiges lebendiges Universum im Gangstermillieu, welches optisch (durch seine kalte merkwürdig mechanisch-blaue Optik) nicht nur emotional unterkühlt wirkt, sondern oft die graphische Kraft und Atmosphäre einer Graphic Novel atmet und diesbezüglich gerne aus den Vollen schöpft. Da gibt es symmetrische Einstellungen, extravagante Kamerapositionen und natürlich eine gesunde Portion Mythik. Wenn John Wick seine kooperativeren Zeitgenossen mit Goldmünzen bezahlt, bekommt der wie ein Totengräber gekleidete Protagonist schnell den mythologischen Touch eines antiken Fährmannes.
Auch der Soundtrack von Tyler Bates und Joel J. Richard ist angenehm auffallend stilisiert und aggressiv, trifft aber auch gerne atmosphärische Töne und bleibt - dankenswerterweise - an entscheidenden Stellen auch einfach einmal ganz aus. Aufgesetzte Sentimentalitäten oder Subplots haben in "John Wick" keinen Platz, bis auf Reeves spielen alle Darsteller austauschbare Abziehbilder, die nur für ein wenig notwendige Interaktion vorhanden sind. Hierin liegt die vermutlich große Schwäche des Actionthrillers: Die meisten seiner Charaktere, Konstellationen und Situationen sind hinlänglich bekannt und die vielen Klischees und Stereotypen helfen zwar dabei, gemäß der gewünschten Reduziertheit die Fronten immer klar zu verhärten, rauben aber auch einiges an Spannung und Überraschung. Nur selten ist nicht abzusehen, worauf "John Wick" hinausläuft, was man in weiten Teilen auch dem Script anrechnen muss: Zwar ist die Mystifizierung der Figuren und Settings oftmals geglückt und mutet überaus gekonnt an, dennoch fällt die Handlung selbst unglaublich repetitiv aus, immer wieder folgt auf eine Ansicht von New York aus der Vogelperspektive eine Ruhepause, die in einem plötzlichem Actionfiasko endet. Nun mag man anmerken, dass dies bei diesem Genre quasi das erste Gebot sei, doch das die einzelnen Abschnitte in etwa immer exakt gleich lang sind und somit der Rhythmus schnell eindeutig heraus zu kristallisieren ist, sorgt besonders im Mittelteil für ein paar deutliche Längen.
Doch Strahelski & Leitch wissen, was ihr Publikum will und in diesem Bereich liefern sie ab: Die Actionszenen erreichen teilweise das Prädikat "Augenweide" und sind (wenn man noch mal den Vergleich zu "Taken" bemüht) im direkten Vergleich zu anderen Genrevertretern absolute Referenz. Dreckig, düster, brutal, aber dennoch zu jedem Zeitpunkt übersichtlich und kinetisch inszeniert präsentiert Keanu Reeves sein gesamtes Oeuvre an Wurf- und Schusstechniken. Dies geschieht stehts ideenreich gefilmt und mit einigen netten Kniffen angereichert, sodass es richtig Laune macht, wenn Wick als Ein-Mann-Armee schon mal einen Nachtclub voller russischer Gangster zerlegt. Die energischen Choreographien wandeln dabei stets geschickt auf dem schmalen Grad zwischen "zu langsam und schwerfällig" und "zu schnell und klinisch steril ausgeführt", der Bodycount erreicht je weiter man voranschreitet immer atemberaubendere Höhen. Aus dem direkten Vergleich mit "Matrix" kann man hier zwar nicht als Sieger herausgehen, nichts desto trotz ist kaum zu bestreiten, dass jeglicher gewaltsamer Ausflug hier dermaßen stilvoll und ultracool aufgezogen wird, dass Actionfans in jeder Hinsicht auf ihre Kosten kommen. Schön ist zudem, dass "John Wick" dem Hang zur Überdramatisierung widersteht und im Showdown nicht um jeden Preis einen draufsetzen will, sowie der ein oder andere unerwartete Moment (meist, wenn Wicks Selbstjustiz übende Kolleateralschäden von der Außenwelt reflektiert werden) leiser Selbstironie für den ein oder anderen Schmunzler sorgt. Schade ist es aber um Willem Dafoe, dessen Auftritt mit einer Laufzeit von ungefähren fünf Minuten den wohl überflüssigsten Quasi-Cameo des Jahres 2015 abgeben könnte.
Fazit: Müsste man "John Wick" in eine Schublade stecken, er läge wohl irgendwo zwischen John Woo und den Wachowski-Geschwistern, zwischen "Taken" und "Die Hard". Spaß machen ein auf jeden Fall bestens aufgelegter Keanu Reeves in physischer Höchstform, eine organische und tänzelnd-imposante Actioninszenierung, die kompromisslose Gangart und vornehmlich dreckige Gewaltdarstellung sowie der durchgehende Style over Substance Charakter des Thrillers, der einen in eine interessant angedeutete Parallelwelt entführt, allerdings nicht ganz verbergen kann, dass man inhaltlich das Ganze leider schon viel zu oft gesehen hat, um es noch wirklich aufregend zu finden. Für Genrefans eine Empfehlung, alle anderen sollten mit gesunder Skepsis aber ebenfalls mal einen Versuch wagen.
7/10
Für die Besetzung des titelgebenden Berserkers "John Wick" haben sich die beiden Regie-Debütanten und ehemaligen Stuntmänner Chad Stahelski & David Leitch einen ganz besonderen Gag überlegt, denn wer wäre wohl besser für den Job des ehemaligen Profikillers, der nach längerer Abwesenheit wieder in sein Geschäft einsteigt (bzw. einsteigen muss) besser geeignet als der kanadische Ex-"Matrix"-Star Keanu Reeves? Und tatsächlich: Reeves erfüllt alle Erwartungen, die man an ihn haben konnte und gibt die eiskalte, gebrochene und verbitterte Kampfmaschine mit zynischer Härte, schafft es, trotz der moralisch arg fragwürdigen Auslegung "seiner" Taten durch angedeutete menschliche Züge der Sympathieträger zu bleiben. Und so manche Actionszene muss man doch glatt zwangsläufig stilistisch mit so manch legendären Ballerorgien der "Matrix"-Trilogie vergleichen. Eigentlich die besten Voraussetzungen für einen modernen Klassiker des Genres, doch auch, wenn es dazu nicht unbedingt reicht, ist "John Wick" eine Überraschung der positiven Art.
Was Strahelski & Leitch im Vergleich zu ähnlich gelagerten Filmen jüngerer Zeit (wie etwa "Taken - 96 Hours") wirklich gut gelingt, ist die Tunnelblick-artige Exposition und Reduzierung der Handlung und Hintergrundinfos auf ein absolutes Minimum, sodass man als Zuschauer gerade genug erfährt, um die Motivation für den anschließenden Rachetrip Wicks nachvollziehen zu können. Wenngleich der Auslöser den ein oder anderen vielleicht anfangs irritieren könnte, entpuppt sich "John Wick" mit fortschreitender Laufzeit immer mehr als ein sehr effektiv gedachter Aufhänger für etwas, dass einmal ein ganzes Franchise werden könnte: Mit simplen, aber geschickten Mitteln entwerfen die beiden Regisseure ein beeindruckend-stylisches Negativ von New York City und gestalten durch oft nur angedeutete in der Vergangenheit liegende Ereignisse ein stimmiges lebendiges Universum im Gangstermillieu, welches optisch (durch seine kalte merkwürdig mechanisch-blaue Optik) nicht nur emotional unterkühlt wirkt, sondern oft die graphische Kraft und Atmosphäre einer Graphic Novel atmet und diesbezüglich gerne aus den Vollen schöpft. Da gibt es symmetrische Einstellungen, extravagante Kamerapositionen und natürlich eine gesunde Portion Mythik. Wenn John Wick seine kooperativeren Zeitgenossen mit Goldmünzen bezahlt, bekommt der wie ein Totengräber gekleidete Protagonist schnell den mythologischen Touch eines antiken Fährmannes.
Auch der Soundtrack von Tyler Bates und Joel J. Richard ist angenehm auffallend stilisiert und aggressiv, trifft aber auch gerne atmosphärische Töne und bleibt - dankenswerterweise - an entscheidenden Stellen auch einfach einmal ganz aus. Aufgesetzte Sentimentalitäten oder Subplots haben in "John Wick" keinen Platz, bis auf Reeves spielen alle Darsteller austauschbare Abziehbilder, die nur für ein wenig notwendige Interaktion vorhanden sind. Hierin liegt die vermutlich große Schwäche des Actionthrillers: Die meisten seiner Charaktere, Konstellationen und Situationen sind hinlänglich bekannt und die vielen Klischees und Stereotypen helfen zwar dabei, gemäß der gewünschten Reduziertheit die Fronten immer klar zu verhärten, rauben aber auch einiges an Spannung und Überraschung. Nur selten ist nicht abzusehen, worauf "John Wick" hinausläuft, was man in weiten Teilen auch dem Script anrechnen muss: Zwar ist die Mystifizierung der Figuren und Settings oftmals geglückt und mutet überaus gekonnt an, dennoch fällt die Handlung selbst unglaublich repetitiv aus, immer wieder folgt auf eine Ansicht von New York aus der Vogelperspektive eine Ruhepause, die in einem plötzlichem Actionfiasko endet. Nun mag man anmerken, dass dies bei diesem Genre quasi das erste Gebot sei, doch das die einzelnen Abschnitte in etwa immer exakt gleich lang sind und somit der Rhythmus schnell eindeutig heraus zu kristallisieren ist, sorgt besonders im Mittelteil für ein paar deutliche Längen.
Doch Strahelski & Leitch wissen, was ihr Publikum will und in diesem Bereich liefern sie ab: Die Actionszenen erreichen teilweise das Prädikat "Augenweide" und sind (wenn man noch mal den Vergleich zu "Taken" bemüht) im direkten Vergleich zu anderen Genrevertretern absolute Referenz. Dreckig, düster, brutal, aber dennoch zu jedem Zeitpunkt übersichtlich und kinetisch inszeniert präsentiert Keanu Reeves sein gesamtes Oeuvre an Wurf- und Schusstechniken. Dies geschieht stehts ideenreich gefilmt und mit einigen netten Kniffen angereichert, sodass es richtig Laune macht, wenn Wick als Ein-Mann-Armee schon mal einen Nachtclub voller russischer Gangster zerlegt. Die energischen Choreographien wandeln dabei stets geschickt auf dem schmalen Grad zwischen "zu langsam und schwerfällig" und "zu schnell und klinisch steril ausgeführt", der Bodycount erreicht je weiter man voranschreitet immer atemberaubendere Höhen. Aus dem direkten Vergleich mit "Matrix" kann man hier zwar nicht als Sieger herausgehen, nichts desto trotz ist kaum zu bestreiten, dass jeglicher gewaltsamer Ausflug hier dermaßen stilvoll und ultracool aufgezogen wird, dass Actionfans in jeder Hinsicht auf ihre Kosten kommen. Schön ist zudem, dass "John Wick" dem Hang zur Überdramatisierung widersteht und im Showdown nicht um jeden Preis einen draufsetzen will, sowie der ein oder andere unerwartete Moment (meist, wenn Wicks Selbstjustiz übende Kolleateralschäden von der Außenwelt reflektiert werden) leiser Selbstironie für den ein oder anderen Schmunzler sorgt. Schade ist es aber um Willem Dafoe, dessen Auftritt mit einer Laufzeit von ungefähren fünf Minuten den wohl überflüssigsten Quasi-Cameo des Jahres 2015 abgeben könnte.
Fazit: Müsste man "John Wick" in eine Schublade stecken, er läge wohl irgendwo zwischen John Woo und den Wachowski-Geschwistern, zwischen "Taken" und "Die Hard". Spaß machen ein auf jeden Fall bestens aufgelegter Keanu Reeves in physischer Höchstform, eine organische und tänzelnd-imposante Actioninszenierung, die kompromisslose Gangart und vornehmlich dreckige Gewaltdarstellung sowie der durchgehende Style over Substance Charakter des Thrillers, der einen in eine interessant angedeutete Parallelwelt entführt, allerdings nicht ganz verbergen kann, dass man inhaltlich das Ganze leider schon viel zu oft gesehen hat, um es noch wirklich aufregend zu finden. Für Genrefans eine Empfehlung, alle anderen sollten mit gesunder Skepsis aber ebenfalls mal einen Versuch wagen.
7/10
https://filmduelle.de/
https://letterboxd.com/casinohille/
Let the sheep out, kid.
https://letterboxd.com/casinohille/
Let the sheep out, kid.
Re: Zuletzt gesehener Film
5815Hübsches Review, auch wenn ich nach meinem Kinobesuch (der mittlerweile auch schon ein Jahr zurückliegt. Kinder, wie die Zeit verfliegt!) aufgrund der Kompromisslosigkeit, der prägnanten Stilistik und der visuell eindrucksvollen Actioninszenierung locker 8,5 Punkte vergeben habe. War Dafoes Rolle wirklich so klein? Hab ich anders in Erinnerung.
We'll always have Marburg
Let the sheep out, kid.
Let the sheep out, kid.
Re: Zuletzt gesehener Film
58169/10, ohne wenn und aber. 
http://www.vodkasreviews.de
https://www.ofdb.de/autor/reviews/45039/
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Re: Zuletzt gesehener Film
5817Wenn es mehr als fünf Minuten waren, dann würde ich mich doch arg wundern. Das ärgerliche ist ja, dass die Überflüssigkeit seiner Rolle vielleicht gar nicht so sehr auffallen würde, wenn man sie nicht so prominent besetzt hätte. Und mal ehrlich: Die vier Sätze hätte auch sonst wer sprechen können.GoldenProjectile hat geschrieben:War Dafoes Rolle wirklich so klein? Hab ich anders in Erinnerung.
Jep, hier sehe ich ebenfalls die Stärken (inklusive des starken Reeves, den ich als Actionstar eigentlich immer hervorragend finde). Schade ist eben die total blasse Handlung, die einerseits nett verknappt wurde, dann aber situationsbezogen das Kunststück vollführt, gleichzeitig vorhersehbar und dennoch streckenweise komplett unlogisch zu sein.GoldenProjectile hat geschrieben:Kompromisslosigkeit, der prägnanten Stilistik und der visuell eindrucksvollen Actioninszenierung
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Let the sheep out, kid.
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Let the sheep out, kid.
Re: Zuletzt gesehener Film
5818Bourne Ultimatum 8,5/10
Bester Teil der Reihe , der Ton ist wirklich genial, macht Richtig Spass im Heimkino.
Wusste gar nicht dass der Film 3 Oscars gewann, ua. für besten Tonschnitt (Per Hallberg & Karen Baker Landers), die 2 gewannen ja auch einen Oscar für die Arbeit an Skyfall
Bourne Identität 7,5/10
Bourne Verschwörug 5/10
Bourne Ultimatum 8,5/10
Bester Teil der Reihe , der Ton ist wirklich genial, macht Richtig Spass im Heimkino.
Wusste gar nicht dass der Film 3 Oscars gewann, ua. für besten Tonschnitt (Per Hallberg & Karen Baker Landers), die 2 gewannen ja auch einen Oscar für die Arbeit an Skyfall
Bourne Identität 7,5/10
Bourne Verschwörug 5/10
Bourne Ultimatum 8,5/10
Re: Zuletzt gesehener Film
5819Stil, nicht Stilistik.GoldenProjectile hat geschrieben:der prägnanten Stilistik
Wenn ich das falsch sehe, dann klärt mich auf, denn diesem Begriff begegne ich im WWW regelmäßig.
Re: Zuletzt gesehener Film
5820http://www.vodkasreviews.de
https://www.ofdb.de/autor/reviews/45039/
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