Maibaum hat geschrieben:Der Grammy ist ähnlich bekannt, aber der kommt mir total oberflächlich vor.
Der Grammy hat einfach nicht das Gewicht, weil er in knapp 100 Kategorien verliehen wird.
Wenn Katherine Hepburn 4 Oscars gewonnen hat, und Daniel Day-Lewis und Jack Nicholson jeweils 3, dann sind das Rekorde für die Ewigkeit.
Du kannst bei den Oscars nicht für dieselbe Leistung mehrfach ausgezeichnet werden.
Bei den Grammys kannst du als "Bester Newcomer", "Beste Soul-Gesangsleistung", "Beste Aufnahme des Jahres", "Bester Song des Jahres" und so weiter dutzende Grammys für dasselbe Lied gewinnen.
Dass die Preise selbst dort noch weiter an Bedeutung verloren haben, liegt auch daran, dass die TV-Show sich weg von einer Preisverleihung hin zu einer Performance-Show entwickelt hat.
Von den knapp 100 Kategorien werden nichtmal 10 live im TV überreicht. Dafür gibt es aber ca. 20 Show-Auftritte.
Das ist für die Zuschauer toll - aber der Preis an sich wird dadurch in den Hintergrund gedrängt.
Stevie Wonder hat z.B. 22 Grammys gewonnen.
Bei den Oscars kann in dieser Hinsicht nur Walt Disney mithalten, der von den 30ern bis in die 60er 26 Oscars in der Kategorie "Bester animierte Kurzfilm" gewann. Damals ging der Kurzfilmpreis noch an den Produzenten und nicht an den Regisseur.
Aber dass ein Schauspieler, Regisseur oder jemand anderes, der im "Vordergrund" steht, 22 Oscars in seiner Karriere gewinnt, ist schlicht unmöglich.
Deshalb ist ein Oscargewinn etwas Besonderes als ein Grammy-Gewinn.
Wichtig ist in dieser Hinsicht auch, dass nicht jedes Jahr andere Regeln und neue Kategorien erfunden werden. Es gibt auch bei den Oscars von Zeit zu Zeit Anpassungen. Aber im Großen und Ganzen werden seit 88 Jahren die gleichen Kategorien vergeben. Diese Beständigkeit macht auch einen Teil der Strahlkraft des Oscars aus.
Wenn sie jetzt z.B. ab nächstem Jahr weitere Kategorien wie "Bester Komödiendarsteller", "Bester Actiondarsteller" etc. einführen würden, würde die Bedeutung des Oscars ganz schnell sinken.
Das wäre dann so als würde man die Fußball-Weltmeisterschaft nicht nur alle 4 Jahre, sondern jedes Jahr austragen. Je seltener und einzigartiger eine Sache ist, desto mehr strahlt der Gewinn dieses Spektakels.
Warum man die Filmfestivals nicht mit Preisen wie den Oscars vergleichen kann, hab ich ja schon erwähnt. Und der bedeutendste Grund ist, dass bei den Festivals nicht JEDER ausgezeichnet werden kann. Bei den Oscars hat theoretisch jeder Film eine Chance.