Re: Zuletzt gesehener Film

#9571
Frantz (2016, François Ozon)

Frantz schildert die Aufarbeitung der deutsch-französischen Beziehung nach dem Ende des ersten Weltkriegs, die Vorurteile und die Überwindung des individuellen Kriegstraumas anhand der Geschichte einer Deutschen und eines Franzosen, die über die Liebe zu einem gefallenen Soldaten zusammenfinden. Das Ganze wird in sehr klassischen, spartanischen Schwarz-Weiss-Bildern erzählt, mit ein paar ausgewählten, cleveren Abschweifungen in die Welt der Farbe, und hat so gar nichts mit den anderen mir bekannten Filmen von Ozon, erotisch aufgeladenen Gegenwartsdramen, gemeinsam. Und am Anfang war ich mir auch nicht so sicher was ich davon halten soll, bis es mich mehr und mehr gepackt hat und ein wirklich starkes Ende aufgefahren hat, das unterschwellig eine Zweitsichtung von mir verlangt.

Wertung: 8 / 10? 8,5 / 10?
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Re: Zuletzt gesehener Film

#9572
Parasites

Zwischen den Stühlen zu sitzen mag meistens danebengehen, aber dieser Film schafft wirklich den Spagat als lustige Sozialsatire beginnend in einem Sozialdrama zu enden.
Derweil ist die Handlung zwar linear, dennoch die Wendungen erscheinen mit Ausnahme dem etwas enttäuschenden Finale durchaus realistisch und verhindert, dass man irgendwann dem Faden nicht mehr folgen will.
Hat man gerade mal den Ärger überwunden, wie wegen der etwas naiven Hausherrin so platt die Proletenfamilie das Hauspersonal hinausintrigiert hat, wird es sogar in der Phase des Versteksspiels wider Willen richtiggehend spannend.
Der etwas tragische Schluss mit dem etwas eigenwilligen schwarzen Humor läßt dann einen doch etwas verstört zurück. Man hätte sich ein Happy End eher gewunschen.
Aber vielleicht will man sich doch die Tür für ein Sequel offen halten.
Bin schon aufs US Remake gespannt, das so sicher wie's Amen im Gebet kommen wird. Da wird's noch knalliger und bunter und v.a. das Ende wird sicherlich lustiger.
Wegen des etwas zu makabren Endes nur 9/10 Geburtstagstörtchen
Code Name: Anti Spy Agent 666-OH!
Real Name: Louis Duke "The Destroyer" Duck
Parents: illegitimate son of Scrooge McDuck and Magica de Spell

Re: Zuletzt gesehener Film

#9573
Sondervorstellung: Schwanensee (ohne Wertung) – gesehen am 23.02.2020 (deutscher Sonderstart: 23.02.2020)
Live-Übertragung von Pjotr Iljitsch Tschaikowskis „Schwanensee“ aus dem Bolshoi-Theater in Moskau. Die erste richtige Ballett-Erfahrung für mich im Kino und eine richtig interessante Erfahrung, wie durch ein Ballett nur mit Musik, Tanz und dem Ausdruck der Tänzer eine Geschichte erzählt wird. Vollen Respekt für alle darin Beteiligten und für die unfassbare Körperbeherrschung. Jedoch hat mich die Geschichte und seine Erzählung nicht vollends in den Bann gezogen und so kam durchaus auch mal die ein oder andere Länge bedingt durch die relativ überschaubare Handlung von „Schwanensee“ auf.
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Stand: 22.12.2018

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Serienboxen (8 BD / 69 DVD)
DVD: 782 Filme
BD: 498 Filme
Gesamt-Filme: 1280 Filme

Re: Zuletzt gesehener Film

#9574
iHaveCNit: Just Mercy (2020)
28.02.2020


Es wurde mal wieder Zeit für ein Justizdrama und da kam mir der neue Film von Destin Daniel Cretton gerade recht. Basierend auf dem gleichnamigen Buch von Bryan Stevenson hat Cretton ein routiniertes Justizdrama geschaffen, das vor allem mit seinem Hauptdarstellertrio und wichtigen Nebenrollen, aber auch mit seinem Thema glänzen kann.

Es ist 1987 und der junge Afroamerikaner Bryan Stevenson hat sein Jurastudium in Harvard abgeschlossen. Im stehen eigentlich alle Türen offen doch er sucht sich die Provinz in Alabama aus, um inhaftierten Todeskandidaten einen Rechtsbeistand zu geben. Dabei macht er unter anderem Bekanntschaft mit dem zum Tode verurteilten Afroamerikaner Walter McMillan, der für den Mord an einer 18-Jährigen verantwortlich sein soll. Bei den Recherchen stößt Bryan jedoch auf einige Ungereimtheiten, die ihn veranlassen für die Neuaufnahme der Verhandlungen und sogar die Freilassung von Walter zu kämpfen – trotz all den rassistisch orientierten Hindernissen, die ihm in den Weg gelegt werden.

Über die reine Inszenierung von „Just Mercy“ brauch ich an der Stelle nur kurz zu schreiben, denn diese ist sehr konventionell geraten und unterscheidet sich von anderen Justizdramen wenn überhaupt nur sehr gering. Viel wichtiger ist in diesem Film sein Thema und vor allem die sehr guten Schauspielleistungen von Jamie Foxx, Michael B. Jordan und Brie Larson und natürlich auch von einem Teil der wichtigen Nebenrollen wie Rafe Spall, Tim Blake Nelson, Rob Morgan und O´Shea Jackson Jr.. Der Film zeigt auf sehr eindringliche Weise, wie wichtig Bryan Stevensons Arbeit für die afroamerikanische Bevölkerung und gegen den durchaus auch auf juristischer Ebene vorhandenen strukturellen Rassismus in den vereinigten Staaten gewesen ist – und natürlich auch mit welchen Hindernissen und Gefahren sich Bryan Stevenson damals auseinandersetzen musste, weil auch er als Afroamerikaner in Alabama in einem für ihn sehr gefährlichem Pflaster unterwegs war. Der Film schafft es natürlich, dass du dich als Zuschauer unmittelbar ohne große Umschweife auf eine Seite schlägst, was mitunter auch zu einem sehr harten und emotionalen Punch führt, der mich auch im Laufe des Kampfes um Gerechtigkeit bekommen hat.

„Just Mercy“ - My First Look – 8/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

#9575
iHaveCNit: Bloodshot (2020)
07.03.2020


Basierend auf einem Comic von Valiant Comics kommt nun „Bloodshot“ in die Kinos. Der Science-Fiction-Actioner mit Vin Diesel in der Hauptrolle ist nun eher einer, den man eigentlich im B-Movie-Fach einordnen würde, aber auch auf der Kinoleinwand, bei der ich sogar die LED-Variante gewählt habe, war der Film einigermaßen unterhaltsam.

Ray Garrison ist Soldat und nach einem erfolgreichen Einsatz in Mombasa, Kenia will er eigentlich mit seiner Frau einen entspannten Italien-Urlaub genießen, doch kurz darauf werden er und seine Frau gefangen genommen, gefoltert und schlussendlich getötet. Jedoch wacht Ray danach kurze Zeit später in einer Forschungseinrichtung auf. Ein Experiment mit Nanotechnologie führt dazu, dass sein Körper immer wieder regeneriert wird und seine Kampfkraft um ein Vielfaches gesteigert wurde. Während er Rache für den Tod seiner Frau üben möchte muss er sich die Frage stellen ob es hier mit rechten Dingen zugeht.

Den Anfang von „Bloodshot“ könnte man an dieser Stelle etwas launig und holprig bezeichnen, aber er erfüllt seinen Zweck, einen erst mal in die Handlung einzuführen und quasi den Aufbau zu liefern. Ich hatte damit auf jeden Fall kein Problem. Die sich dann aus dem Film ergebenden Richtungswechsel machen den Film dann hinten raus dann noch etwas interessanter, auch wenn man dafür ein wenig von dem Potential das die Action und die Fähigkeiten des Titelhelden hergegeben hätte einbüßt. Wobei es gerade in der ersten Hälfte zu einer aufgrund des Looks großartigen Sequenz in einem Tunnel kommt. Vin Diesel ist eben Vin Diesel und rein von seiner Physis kann er auf jeden Fall überzeugen, auch wenn die Rolle selbst darstellerisch nicht viel hergibt und hergeben muss. Darüber hinaus haben wir mit Guy Pearce einen sehr fiesen und zwielichtigen Charakter, der sehr routiniert auch an seinen Aldrich Kilian aus „Iron Man 3“ erinnern kann. Vom Rest würde ich höchstens noch Eiza Gonzalez und auch Lamorne Morris hervorheben. Der Film hat selbst vom Produktionsdesign ein cooles Design zu bieten, jedoch sind die Spezialeffekte dann doch relativ unbeeindruckend und vor allem gegen Ende kommt es dann zu sehr schwachen Effekten, weshalb hier Sci-Fi-Action-Trash die wohl beste Bezeichnung für „Bloodshot“ ist. Auch wenn soweit ich gelesen habe eine Trilogie geplant ist, würde ich trotz allem sagen, dass „Bloodshot“ als einzelner für sich stehender Film schon rund genug ist und das ausreicht.

„Bloodshot“ - My First Look – 7/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

#9576
iHaveCNit: Contagion (2011)
17.03.2020


Die Filmwelt ist aktuell in einer großen Krise, auch ich muss mich aktuell mit dem Gedanken anfreunden, dass Kinos aktuell geschlossen sind und nahezu all meine Kino- und auch abseits der Filmwelt, Konzertplanungen vorerst aufs Eis gelegt worden ist. Doch nun habe ich vor allem Abends nach Feierabend genug Möglichkeiten, auch Filme, Bücher und Serien nachzuholen, für die ich bisher keine Zeit hatte. Einer dieser Filme passt sogar zur aktuellen Zeit. Man mag es für unangebracht halten in dieser Zeit Filme über die Verbreitung von Viren anzusehen, aber ich gehöre nicht dazu, viel eher helfen einem auch Filme, etwas aus dieser Situation zu lernen und die Situation für sich zu verarbeiten. Und dieser Film ist Steven Soderberghs starbesetzter „Contagion“ aus dem Jahre 2011.

Beth Emhoff ist von einer Geschäftsreise aus Hongkong wieder nach Minnesota zurückgekehrt. Zeit zur Entspannung bleibt ihr jedoch nicht. Sie stirbt kurz darauf an einer Viruserkrankung – ihr Sohn auch. Mit fortschreitender Dauer breitet sich der Virus weltweit mit rasanter Geschwindigkeit aus. Das wird zum Kampf gegen die Zeit für Virologen, Seuchenschutzexperten, die WHO um die Pandemie einzudämmen und einen Impfstoff zu entwickeln, während sich durch Verschwörungstheoretiker und diverse öffentliche Einschränkungen auch eine Panik innerhalb der Bevölkerung ausbreitet.

„Contagion“ ist akueller denn je. Gerade in der weltweiten Coronakrise kann man sich natürlich die Frage stellen, ob man sich bewusst war, dass ein solches Szenario einige Jahre später tatsächlich folgen wird, zwar nicht in der starken Ausprägung, aber dennoch gefährlich für viele Teile der menschlichen Bevölkerung. Aber statt hier in „Contagion“ auf eine überspitzte Dramaturgie zu setzen, gelingt es Soderbergh, den Film sehr nüchtern und unaufgeregt in Szene zu setzen und nur wenn nötig einige dramaturgische Kniffe einzubinden. Gerade die vielen unterschiedlichen Bereiche in dieser Krise wie Einzelschicksale, Gesellschaft, WHO, Virologie, Seuchenschutz und auch Verschwörungstheoretiker werden hier mehr oder weniger in vielen eigenen parallel laufenden , fast episodenhaften Erzählungen verwoben und in den zeitlichen Kontext der Ausbreitung gesetzt. Mit einem relativ realitätsgenauen wissenschaftlichen Hintergrund hat er auch eine kleine dokumentarische Note. Darüber hinaus ist der inszenatorische Fokus auf unterschiedlichste Wege von Kontaktübertragungen natürlich auch auf den Punkt. Der Film verbindet Familiendrama, Katastrophenfilm und Thriller auf eine sehr gute Art und Weise, auch wenn nicht jeder Handlungsstrang die gleiche Gewichtung bekommt. Den Beginn des Films auf den 2. Tag der Ausbreitung zu legen finde ich auch sehr clever, so bekommt man erst Stück für Stück eine Aufarbeitung der Ereignisse, die letztendlich den Ursprung der Ausbreitung gegeben haben. Lasst uns hoffen und miteinander bei all der zu wahrenden Distanz daran arbeiten, dass die aktuelle Coronakrise glimpflicher endet als die Krise in diesem Film. „Contagion“ ist für mich nach dieser Erstsichtung mein Lieblingsfilm von Steven Soderbergh geworden.

„Contagion“ - My First Look – 9/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

#9577
Sin City 2 – A dame to kill for

Wer Sin City aus dem Jahr 2004 als ein visionäres Meisterwerk bezeichnet bekommt mein volles Verständnis, auch wenn ich selbst vielleicht nicht ganz so weit gehen würde. Doch der visuelle Stil des Films war etwas völlig neues und entfaltete zusammen mit der Art seiner Erzählung, der Art der Dialoge, sowie der völlig überzeichneten Welt eine ganz eigene Magie. Der einige Jahre später erschienene zweite Teil kann sich dem anschließen, er weckt den Zauber ein zweites Mal und sticht so aus der Filmlandschaft heraus, obwohl im das qualitativ nur teilweise gelingt. SinCity 2 enthält weniger denkwürdige Szenen, weniger Zitate, die sofort haften bleiben und nur wenige neue, interessante Figuren. Die von Eva Green gespielte Ava sticht zwar etwas heraus, allerdings hat mich nur ein Teil von ihr wirklich überzeugt. Die Szenen mit den Polizisten hab ich ihr nicht abgenommen, ihr Schauspiel wirkte da auf mich sehr hölzern, während sie in anderen Szenen überragend war. Und Joseph Gordon Levitts Johnny fügte sich zwar gut in die Welt von Sin City ein, für große neue Wow-Elemente sorgte er aber nicht.
Doch auch wenn der Film hier Steigerungspotential hätte, macht er doch durchgehend Spass, lässt nie Langeweile aufkommen und beweist wie der Erstling durchgehend ein untrügliches Gefühl für coole Szenen. Damit fällt das ganze zwar etwas flacher aus, weshalb ich ihn wohl auch deutlich seltener erneut anschauen werde, als seinen Vorgänger, doch für einen gelungenen, spassigen Filmabend ist hier allemal gesorgt.

7,5/10
"You only need to hang mean bastards, but mean bastards you need to hang."

Re: Zuletzt gesehener Film

#9578
Ich sehe die beiden Sin Citys aus der Erinnerung recht ähnlich. Beide haben exzellente Passagen (Teil 1: Die Mickey Rourke und Elijah Wood Geschichte, Teil 2: Die Eva Green Geschichte) und schwächere Teile (Teil 1: Die Jessica Alba und Bruce Willis Geschichte, Teil 2: Die Joseph Gordon-Levitt Geschichte) aber bei beiden wird der wechselhafte Film durch den eigenwilligen visuellen Stil noch einmal stark aufgewertet. Aus der schwachen Erinnerung heraus sehe ich beide bei ca. 8 bis 8,5 Punkten, Teil 1 vielleicht noch ein bisschen vorne.

Übrigens würde ich die Sin Citys primär Frank Miller zuschreiben, ich glaube dass Rodriguez da weitgehend nur ausführende Kraft am Set war. Als Regisseur werden ja beide genannt, aber ich habe es immer so interpretiert dass Handwerk und Erfahrung von Rodriguez kamen, die Vision aber von Miller.
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Re: Zuletzt gesehener Film

#9579
World War Z

Es gibt Filme, die nicht besonders herausragend sind, die einen aber dennoch immer wieder aufs neue begeistern und in den Bann ziehen können. Einer dieser Filme ist für mich persönlich „World War Z“. Mark Fosters Zombiefilm mit Brad Pitt in der Hauptrolle macht mir jedes Mal enorm viel Spass. Er verschwendet keine Zeit mit einer langen Exposition, sondern kommt gleich zur Sache, schafft es in den wenigen Anfangsminuten aber dennoch die Familie Lane und ihr Verhältnis untereinander ausreichend tief zu zeichnen und eine Verbindung zu Zuschauer aufzubauen, sodass man im späeren Verlauf immer mit den Figuren mitfiebert.
Die Wahl der Schauspieler ist äußerst gut gelungen. Fehlende große Namen erweisen sich als Vorteil, weil so keiner Pitts One Man Show stört, die vielen talentierten Nebendarsteller sie aber durchweg unterstützen. Speziell Mirelle Enos hat mir sehr gut gefallen.
World War Z fährt mit gewaltigen Schauwerten auf, überzeugt mit dicht an dicht gepackten spannenden Actionsequenzen, die ihren Höhepunkt eindeutig in Jerusalem finden. Mit Ausnahme von ein oder zwei kurzen Kamerafahrten, denen man die Entstehung am Computer ansieht sind die Effekte beeindruckend gut gelungen und sorgen für einmalige Bilder, die auch bei der nun sicher vierten oder fünften Sichtung nichts an ihrem Reiz verloren haben. Dem Film gelingt nach zwei Dritteln auch der Genrewechsel vom Actionfilm zum Thriller erstaunlich gut, Forster inszeniert beide Genres und beide Teile des Films kompetent und effektiv.
Auch wenn der Film an vielen Stellen den typischen Hollywoodformeln zu sehr folgt und nie wirklich überraschend ist, so macht doch jede Minute Spass und es kommt nie Langeweile auf. „World War Z“ ist keiner meiner Lieblingsfilme, aber einer von denen, zu denen ich am häufigsten zurückkehre.

8/10
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Re: Zuletzt gesehener Film

#9580
Letter from an Unknown Woman (1948, Max Ophüls)

Stefan Zweig war einer der wenigen Autoren, die mir im Deutschunterricht Spass gemacht haben, und auch diese, wie ich gehört habe eher freie Verfilmung, konnte das Niveau gestern halten. Es handelt sich um eine bittersüsse, zunehmend ins tragische abgleitende Liebesgeschichte zwischen Kamal Khan und der bezaubernden Joan Fontaine im Wien des ausklingenden 19. Jahrhunderts. Und Max Ophüls schildert die anfangs charmante, später melancholisch-traurige Geschichte in eleganten und einfallsreichen Bildfolgen mit viel Gespür für die portraitierte Epoche.

Wertung: 8 / 10
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Re: Zuletzt gesehener Film

#9582
So mit ein paar Tagen Abstand tendiert er bei mir auch zu 8,5 Punkten.

La Ronde möchte ich noch sehen, hatte den glaube ich auch schon mal ausgeliehen, es aber versäumt ihn zu gucken und ungesichtet zurückgegeben. Womöglich ein fataler Fehler...
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Re: Zuletzt gesehener Film

#9583
Sehr fatal.
Die besten Ophüls Filme sind neben seinen letzten 4, die alle in Frankreich gedreht wurden, der hier genannte Letter from an Unknown Woman, der wichtigste Film den er im amerikanischen Exil drehte, und Liebelei (1933), seinem letztem Film in Deutschland, daß er kurz nach dessen Premiere wegen der Nazis verließ.

Diese 6 Filme ähneln sich alle ein wenig in der Beschwörung einer vergangenen Epoche, sie sind durchdrungen von dem dekadenten "Fin de siècle" Gefühl des Untergangs. Uns sie sind alle sehr virtuos inszeniert, mit einer sehr mobilen Kameraführung.

Re: Zuletzt gesehener Film

#9584
Dazu haben die beiden mir bekannten Letter und Madame
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ein ähnliches Ende mit dem Duell zwischen den beiden Rivalen.
Wobei ich Letter besser fand, aber Madame ist jetzt auch schon wieder etwa drei Jahre her und die Details weiss ich gar nicht mehr so genau, ausser dass es mir am Ende dramaturgisch alles ein bisschen zu schnell ging.

Wie spricht man den Namen eigentlich aus? Vermutlich nicht Opuls, wie vom Letter-Vorspann behauptet...
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Re: Zuletzt gesehener Film

#9585
Einfach auf deutsch Ophüls. Er war ja Saarländer, und ich glaube auch mit deutsch aufgewachsen, bzw eventuell zweisprachig.
Das ü ist natürlich bei englischer oder französischer Schreibweise meist weggelassen worden, bzw nicht durch ein ue ersetzt worden.

Und Liebelei hat ein ähnliches Ende, soviel sei verraten.

Ich halte Madame De für seinen besten Film, und der ist auch in meiner Top 50