Welches ist der beste Leone-Film?

1960: Der Koloß von Rhodos (Il colosso di Rodi) (Keine Stimmen)
1964: Für eine Handvoll Dollar (Per un pugno di dollari)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (6%)
1965: Für ein paar Dollar mehr (Per qualche dollaro in piu) (Keine Stimmen)
1966: Zwei glorreiche Halunken (Il buono, il brutto, il cattivo)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 7 (44%)
1968: Spiel mir das Lied vom Tod (C’era una volta il West)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 4 (25%)
1971: Todesmelodie (Giù la testa) (Keine Stimmen)
1973: Mein Name ist Nobody (Il mio nome è Nessuno)* (Keine Stimmen)
1984: Es war einmal in Amerika (Once Upon a Time in America)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 4 (25%)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 16

Re: Der Sergio Leone Thread

#332
Es war einmal in Amerika

der Film ist definitv ein Meilenstein des Italo-Kinos. Für mich wohl der beste Sergio Leone Film und Robert de Niro als Ganove (übrigens das jiddische Wort für Ganuer!) Noodles in einer seiner besten Rollen überhaupt.
Leone gelingt es unfassbar gut, das Klima der jüd. Einwanderergesellschafft in New York beginnend mit der Zeit der Prohibition bis in die 1960iger Jahre einzufangen, auch die gnadenlose Brutalität der Gangsterkriege mit einem gerade noch erträglichem Level zu zeigen.
Positiv hervorzuheben ist auch der Aufbau dieser drei Zeitebenen ineinander ohne aber dass man den Faden der Gesamthandlung verliert. Keine sinnlosen Twists and Turns als Selbstzweck verwirren die Zuseher!
Einzig alleine negativ anzumerken ist Leones sublim transformierte Misogynie. Außer mag sein Debbie, die aber deswegen wohl von Noodles vergewaltigt wird und sich trotzdem dann auch Max hingibt, sind alle Frauen nur masochistische Betthupferl. Das kostet ihm einen Punkt.
9/10 Punkte!
"There is sauerkraut in my lederhosen."
Bild

Re: Der Sergio Leone Thread

#339
AnatolGogol hat geschrieben:
7. Dezember 2019 18:02
nein, nur auf BD (Code A):
https://www.kinolorber.com/product/the- ... on-blu-ray
Und wenn man den Internet-Foren glauben schenken darf ist selbst diese von Kino Lorber nachgeschnittene Fassung nicht 100% identisch mit der damaligen Kinofassung (Details dazu hab ich nicht im Kopf, bei Interesse mal bei blu-ray.com recherchieren).
Danke für die Info! Ich hoffe da kommt noch mal was. Solche Fassungen mit einer teilweisen Nachsynchro nerven einfach. Vor allem bei so Meisterwerken wie diesem.
Böser schwarzer Mann

#SanMonique2020

"Wo man lacht, da lass dich ruhig nieder. Böse Menschen lachen immer wieder."

Re: Der Sergio Leone Thread

#340
Mich nervt das nicht, ist mir immer lieber als gekürzte Fassungen (gilt also z.B. auch für OHMSS). Mir reicht allerdings auch immer OmU für hinzugefügte Szenen.

Im Falle von GBU hier wäre es allerdings vernünftig auch die 161 min KF fürs Heimkino anzubieten, da diese, so wie sie ist, sehr gut funktioniert. Aber ich mag die 178 Min Fassung dann doch etwas lieber, auch wenn diese 2 überflüssigen Szenen enthält (+ die ganz überflüssige, die da aber auch gar nicht hineingehört).

Die neue US Blu entspricht weitgehend der KF, aber ein paar Kleinigkeiten stimmen dann doch nicht, weil es kein Transfer einer Kinokopie war, sondern eine Rekonstruktion ausgehend von der Langfassung.
In Deutschland gab es DVDs die der KF entsprachen, aber für eine FSK 16 Freigabe minimal gekürzt wurden.

Am besten mal bei OFDB schauen was es da so alles gab. Auf jeden Fall ein großes, böses, hässliches Durcheinander.
Zuletzt geändert von Maibaum am 10. Dezember 2019 19:50, insgesamt 1-mal geändert.

Re: Der Sergio Leone Thread

#341
Maibaum hat geschrieben:
7. Dezember 2019 18:35
In Deutschland gab es DVDs die der KF entsprachen, aber für eine FSK 16 Freigabe minimal gekürzt wurden.
Maibaum hat hier recht, ich dachte die Gold Edition wäre die erste und einzige DVD bislang gewesen im deutschen Sprachraum. Das stimmt aber nicht, diese (von Maibaum erwähnte) kam schon vorher raus:
https://www.ebay.de/itm/Zwei-glorreiche ... Sw7oldwr5c
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Der Sergio Leone Thread

#342
Leones Meisterwerk C'era una volta in West (Spiel mir das Lied vom Tod) war ja in Deutschland ein überragender Kassenerfolg, in der Inside Kino Liste ab 1963 immer noch auf Platz 3 mit etwas über 13 Mio Zuschauern (1. Das Dschungelbuch 27,3 mio; 2. Titanic 18,8 mio ; 4. Doktor Schiwago 12,75 mio; 5. Harry Potter und der Stein der Weisen 12,25 mio; 11. Feuerball 11,25 mio).

Jetzt gibt es etwas mehr Infos über die Verteilung des Erfolges, und wie erwartet hat er viel davon erst später gemacht, ich würde sogar vermuten, daß er anfangs eher bescheiden anlief:
"Spiel mir das Lied vom Tod ist der gewaltigste Langläufer aller Zeiten, die Hälfte der 13 Mio. Besucher gab es z.B. von 1974-1976 und 2,5 Mio. von 1980-1984."

Re: Der Sergio Leone Thread

#343
Ich habe gestern und heute mal wieder die ersten beiden Dollarfilme geschaut.

Dollar 1 ist für Leone noch sehr roh und ungeschliffen, alles wirkt eine Nummer kleiner und dreckiger als in seinen späteren Werken und nimmt zugleich schon seinen Stil und sein visuelles Talent vorweg. Die etwas schwächeren Momente dieses insgesamt sehr guten Westerns liegen für mich fast alle in der ersten Hälfte, vor allem die langen Nachtszenen auf und um den Friedhof. Technisch bedingt vermutlich kurz vor Dämmerung gedreht sind diese viel zu sehr abgedunkelt, es sieht nicht schön aus und die Friedhofsschiesserei leidet darunter. Die zweite Hälfte ist dafür nahezu makellos, vor allem das Gemetzel der Baxters und das finale Duell mit dem Nachladen sind grossartig. In Leones Gesamtwerk eher ein Rohling ist Dollar 1 insgesamt schon ein sehr deutlicher (und sehr unterhaltsamer) Schritt auf dem Weg eines grossen Regisseurs.

Dollar 2 ist schon wesentlich runder und ausgefeilter, sowie grösser in Scope und Scale. Leone hat seinen Stil gefunden und weist bereits klar in Richtung der folgenden drei Filme - während die Grösse des Spektakels und das Abenteuerflair schon ein bisschen GBU in sich haben bilden das Wesen der Rache und ihre erzähltechnische Einbettung, die stilisierten Rückblenden und das Spiel mit der Musik als Leitmotiv eher einen Schritt in Richtung CuViW und GlT. Auch hier halte ich die erste Hälfte für die schwächere, alles schön und gut und unterhaltsam, aber es ist erstaunlich dass es fast eine Stunde dauert bis zur Annäherung zwischen Mortimer und dem USN (in dem grandios inszenierten "Hütchenspiel"), da ist die sehr ausführliche Etablierung der Protagonisten in GBU eleganter und stimmiger. Alles danach ist mehr oder weniger herausragend, von den Szenen zwischen den beiden Kopfgeldjägern, über den Bankraub, die Rückblenden bis hin zum Showdown. Erzähltechnisch, visuell und überhaupt fehlte mir da nicht mehr viel bis zum Niveau des überragenden dritten Westernstreichs.

Vor und teilweise auch noch während dieser Zweitsichtungen hätte ich nicht sagen können, welcher von beiden für mich besser ist. Im Nachhinein siegt eindeutig die (Standalone-)Fortsetzung. Fistful würde ich jetzt starke 8 Punkte geben, Few Dollars More aber glasklare 9.
We'll always have Marburg

Re: Der Sergio Leone Thread

#344
Das sehe ich für Für ein paar Dollar mehr umgekehrt was die Hälften betrifft. In der ersten Hälfte ist das sehr virtuoses Erzählen, aber in der 2. Hälfte finde ich auch so manches erstaunlich Einfallslose. Da wirkt das als hätte El Indio das im Drogenrausch geschrieben. Das tolle finale Duell reißt dann aber wieder alles heraus.

Re: Der Sergio Leone Thread

#345
Find ich gar nicht. In der ersten Hälfte passiert ja recht wenig, halt je eine Kopfgeld-Episode um Mortimer und den USN einzuführen, El Indios Flucht und das belauern der beide Helden in El Paso. Wenn ich grade nichts vergessen habe ist es erstaunlich, dass das alles circa 55 Minuten dauert, weil es wenig Stoff ist aber nicht die Virtuosität der ebenfalls sehr langen Henkerseil-Kopfgeld-Trick-Episode mit Tuco im Nachfolger hat (Jammern auf hohem Niveau). Was in der zweiten Hälfte besonders einfallslos sein soll weiss auch nicht, ich denke die einzige Szene aus der Leone inszenatorisch noch mehr hätte machen können (was nicht heisst, dass sie schlecht ist) ist die in der Taverne mit dem Aufeinandertreffen von Mortimer und der Indio-Bande bzw. vor allem Kinski.

Aber ist jetzt nicht so, dass ich die erste Hälfte schlecht finden würde, nur dass der Film in der zweiten gefühlt noch mehr Fahrt aufnimmt.
We'll always have Marburg