Mein John Milius Favorit ist ... ?

Jagd auf Dillinger (Dillinger) (Keine Stimmen)
Der Wind und der Löwe (The Wind and the Lion)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (17%)
Tag der Entscheidung (Big Wednesday)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (17%)
Conan der Barbar (Conan he Barbarian)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 4 (67%)
Die rote Flut (Red Dawn) (Keine Stimmen)
Der Dschungelkönig von Borneo (Farewell to the King) (Keine Stimmen)
Flug durch die Hölle (Flight of the Intruder) (Keine Stimmen)
Motorcycle Gang (Keine Stimmen)
Rough Riders (Keine Stimmen)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 6

Re: The Days of High Adventure – Der Filmemacher John Milius

#62
AnatolGogol hat geschrieben:
6. März 2014 16:57
Big Wednesday (1978) – John Milius
So, auch dieser einst weisse Punkt auf der Milius-Karte ist abgehakt.
AnatolGogol hat geschrieben:
6. März 2014 16:57
Ebenso hält Milius auch hier wieder jede Menge erinnerungswürdiger Moment in großartigen Bildern fest. Momente wie das einsam zurückbleibende mexikanische Mädchen, die mitternächtliche Ehrbezeugung auf dem Soldatenfriedhof oder die mehrfach grandios eingefangenen Sonnenuntergänge erinnern an ähnlich große Momente im Werk von Künstlern wie Ford, Lean oder Peckinpah. Geradezu überwältigend sind die Surfszenen festgehalten. Nicht nur, dass die Naturgewalt der haushohen Brandungen eindrucksvoll und wuchtig wiedergegeben wird, die abenteuerliche Kameraarbeit, mit der die waghalsigen Surfeskapaden eingefangen wird (gerade auch wenn die Kamera in die subjektive Perspektive der Surfer wechselt) ist schlicht und ergreifend spektakulär.

Den wohl allergrößten Anteil an der Wirkung des Films hat neben der Inszenierung ohne Zweifel Basil Poledouris sensationeller Soundtrack. Poledouris Arbeit für Big Wednesday unterstreicht zum einen perfekt den gefühlvollen, melancholischen Ton des Filmes mit wunderschönen, feineren Stücken wie auch die beeindruckend wuchtigen Surf- und Brandungsszenen mit epischen, mächtigen, ja geradezu triumphierenden Stücken. Dabei ist der Soundtrack nie überdominant oder kleistert den Film zu sondern verschmilzt förmlich mit Milius Bilderpracht.
Sehe ich genauso, visuell holt Milius wirklich viel Stimmung aus der Geschichte heraus und unterstreicht die Intention der Szenen immer wieder trefflich. Das Surfthema erhält nicht zuletzt dadurch eine nahezu mythologische Bedeutung für die Protagonisten, vor allem im letzten Segment, als die drei Freunde sich an der motivisch immer wieder eingewobenen Strandtreppe treffen und ohne grosse Fragen mit dem Brett unterm Arm in Richtung Wellengang marschieren, hier entfaltet sich eine ungemeine Stimmung des Surfsports als unvergängliches Freundschaftselement, aber auch als verführerisch-zerstörerische Faszination für die Charaktere, ähnlich wie etwa der Tauchsport in Bessons Le Grand Bleu. Nicht zuletzt da Milius die Wellen des "Big Wednesday" eindrucksvoll als gigantische Naturgewalt bebildert und Poledouris' sehr gelungener Soundtrack wie du sagst besonders hier mit den Bildern verschmilzt. Die Surfszenen sind natürlich die sorgfältig gesetzten Höhepunkte und funktionieren als gleichermassen eindrucksvoll-spektakuläre wie meditativ-schöne Momente.
AnatolGogol hat geschrieben:
6. März 2014 16:57
Zwar sucht man in der Besetzung von Big Wednesday die ganz großen Namen vergeblich, ähnlich wie zB auch in Conan nutzt Milius dies jedoch als Vorteil, indem er zum einen mit der Unverbrauchtheit seiner Darsteller die Charakterisierung seiner Hauptfiguren perfekt unterstreicht und zum anderen auch dieses mal wieder das Maximum an Darstellerleistungen von seinen Schauspielern abrufen konnte. Gerade Jan-Michael Vincent, der in seiner Karriere als Film- und TV-Star nicht wirklich als darstellerisches Schwergewicht aufgefallen ist, spielt in der Schlüsselrolle des Ausnahmesurfers Matt, dem auf seinem Board alles gelingt, der mit seinem Leben aber nur schwer klarkommt, ganz bemerkenswert auf. Wie er die diversen Facetten und Brüche seiner vielschichtigen Figur meistert das ist schon sehr stark. Auch William Katt in der Rolle des eher besonnenen und den Konventionen folgenden Jack liefert eine tolle Darstellung. Völlig überdreht und ausgeflippt darf man Gary Busey in einer für ihn typischen Rolle als Leroy, der Masochist bewundern, wobei sein Auftritt in Big Wednesday sowas wie der Prototyp für viele ähnlich geartete Busey-Rollen darstellt die folgen sollten. Dennoch hat selbst Busey seine ruhigeren, melancholischeren Momente, in denen er ebenfalls stark aufzutrumpfen weiss.
Auch hier kein Einspruch von meiner Seite, ich möchte nur noch ergänzen wie überzeugend der Wandel von verspielten Teenagern zu gereiften Anfangdreissigern sowohl darstellerisch als auch optisch gelöst wird. Ich musste im Nachhinein zuerst einmal recherchieren, ob hier drei Jungs auf älter gemacht oder drei erwachsene Schauspieler zunächst Jugendliche gespielt haben - letzteres ist der Fall, zumindest bei Vincent und Busey, während Katt altersmässig etwas dazwischen liegt. Aber gerade Katt schafft den Sprung vom etwas biederen Schulbuben zum beschnauzten Vietnam-Veteran meisterlich, was ich einem makellosen Zusammenspiel aus Darsteller, Regie und Makeup-/Frisur-Departement anrechnen würde.

Mir hat Big Wednesday viel Spass gemacht in seiner Überschneidung von Drama, Komödie und Coming-of-Age, immer mit dem Thema Freundschaft und Erwachsenwerden im Zentrum und katalysiert durch die mythologisch geschilderte Surferthematik. Vieles von dem was du geschrieben hast würde ich so oder in ähnlicher Form unterschreiben und eine weitere Sichtung bietet sich irgendwann definitiv an, hier könnte der Film durch die von Anfang an gegebene Kenntnis der Charaktere und ihres gemeinsamen Weges durchaus noch mehr Eindruck machen. Was gibt man hier also notenmässig? 9 Punkte? 9,5? Keine Ahnung, aber bei mir hat der Film auf jeden Fall einen starken Eindruck hinterlassen.
We'll always have Marburg

Re: The Days of High Adventure – Der Filmemacher John Milius

#63
GoldenProjectile hat geschrieben:
11. Dezember 2018 14:08
AnatolGogol hat geschrieben:
6. März 2014 16:57
Big Wednesday (1978) – John Milius
So, auch dieser einst weisse Punkt auf der Milius-Karte ist abgehakt.

Was gibt man hier also notenmässig? 9 Punkte? 9,5? Keine Ahnung, aber bei mir hat der Film auf jeden Fall einen starken Eindruck hinterlassen.
Freut mich, dass der Film bei dir so gut angekommen ist!

GoldenProjectile hat geschrieben:
11. Dezember 2018 14:08
Auch hier kein Einspruch von meiner Seite, ich möchte nur noch ergänzen wie überzeugend der Wandel von verspielten Teenagern zu gereiften Anfangdreissigern sowohl darstellerisch als auch optisch gelöst wird. Ich musste im Nachhinein zuerst einmal recherchieren, ob hier drei Jungs auf älter gemacht oder drei erwachsene Schauspieler zunächst Jugendliche gespielt haben - letzteres ist der Fall, zumindest bei Vincent und Busey, während Katt altersmässig etwas dazwischen liegt. Aber gerade Katt schafft den Sprung vom etwas biederen Schulbuben zum beschnauzten Vietnam-Veteran meisterlich, was ich einem makellosen Zusammenspiel aus Darsteller, Regie und Makeup-/Frisur-Departement anrechnen würde.
Ja, das ist wirklich bemerkenswert. Gerade Busey war ja zum Dreh bereits 33 Jahre alt, durch sein ungezügeltes Spiel meistert er aber vor allem seinen Part als wilder Jugendlicher bravourös. Katts Leistung mag ich auch sehr gern, er ist so etwas wie der darstellerische Anker zwischen den deutlich extremer angelegten und gespielten Rollen von Busey und Vincent. Mit seiner sehr seriösen und zuweilen zurückhaltenden Darstellung bietet Katt zudem ein schönes Kontrastprogramm zu seiner Rolle in De Palmas Carrie zwei Jahre zuvor, in welchem er einen typischen Highschool-Sunnyboy spielte. Schade, dass seine Karriere im Anschluß ziemlich im Sande verlief.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: The Days of High Adventure – Der Filmemacher John Milius

#64
Gerade mal Dillinger gesehen.
Seltsamer Film bei dem nicht viel zusammenpasst, und der erzähltechnisch sich an besseren Vorbildern abarbeitet, ohne selber etwas interessantes zu dabei hervorzubringen . Historisch so korrekt wie in Hollywood üblich (also viel frei erfunden) bleiben die Charaktere vollkommen blass, obwohl Oates trotzdem einen ganz guten Dillinger abliefert.

Aber geschossen wird ohne Ende, leider ohne viel Sinn, und meist daneben, jedenfalls von Seiten der FBI Jungs, die dafür im Dutzend sterben.

Immerhin eine überzeugende Nachtphotographie.



1973: Dillinger 5/10
1975: Der Wind und der Löwe 6
1978: Big Wednesday -
1981: Conan, der Barbar 6
1984: Red Dawn 6
1988: Farewell to the King -
1991: Flight of the Intruder -
1994: Motorcycle Gang -
1997: Rough Riders -

Re: The Days of High Adventure – Der Filmemacher John Milius

#66
GoldenProjectile hat geschrieben:
24. April 2019 21:36

Den sehe ich dann doch positiver. Cooler kleiner Bruder von Penns Bonnie & Clyde, tolle Actionszenen, tolles New-Hollywood-Feeling und die Bloody-Sam-Jungs waren super in den beiden Hauptrollen. 8/10 Nachzulesen hier irgendwo.
Habe ich beim Überfliegen des Threads nicht gefunden. Wo genau?

Ansonsten kann ich da nicht zustimmen. Milius Action ist selten schlecht, aber auch selten gut. Sie wirkt immer wie bei besseren Vorbildern abgekupfert, aber weniger inspiriert umgesetzt. Und sie passt mir zu oft nicht zum Film.

Bei The Wind and the Lion dachte ich zu oft an The Wild Bunch, bei Conan zu oft an Excalibur, bei Dillinger zu oft an, klar, Bonnie and Clyde (und auch an Butch Casidy & The Sundance Kid und again TWB). Und Red Dawn hatte mich auch zu oft an anderes erinnert, auch wenn ich nicht mehr weiß an was.

Was Dillinger von den anderen unterscheidet, war daß er nicht durchgehend unterhaltend war. Schade ...

Re: The Days of High Adventure – Der Filmemacher John Milius

#67
Maibaum hat geschrieben:
26. April 2019 12:09
Habe ich beim Überfliegen des Threads nicht gefunden. Wo genau?
GoldenProjectile hat geschrieben:
2. Juli 2018 00:02
Den Minderheitenbericht kenne ich nicht, aber vielleicht kann ich dein ob dessen angeblicher Hässlichkeit erhitztes Gemüt mit wohligen Erinnerungen an einen Film beruhigen, der optisch nicht ganz so abstossend ausschaut, und gleichzeitig noch Samedis Aussage bestätigen, dass Filme aus den 70ern und frühen 80ern einfach gut altern (auch wenn ich das eher auf die späten 60er und 70er auslegen würde): John Milius' 1973er Debüt Dillinger hat hier gerade eben gute Laune verbreitet, ein schöner Actionkracher! Der Film fühlt sich durch Setting und Zeitgeist (sowohl der filmemacherische Zeitgeist der New-Hollywood-Welle als auch der inhaltliche Zeitgeist der amerikanischen 1930er) ein bisschen wie der kleine Bruder von Penns Bonnie & Clyde an. Hässlich ist bei Milius auch gar nichts, dafür sind die sonnenbeschienen, von kontrastreichen Brauntönen angehauchten Weiten der Südstaaten zu schön in Szene gesetzt und die Actionszenen zu packend und dynamisch. Wenn das FBI auf die Public Enemies trifft (und davon handelt der Film selbstverständlich) und abgelegene Farmhäuser mit Tommy Guns zerfetzt werden, dann geschieht das mit allerhand verschiedenen spannenden Kameraperspektiven und wunderbar durchgetaktetem Schnitt und ist einfach nur starkes und sehenswertes Actionhandwerk. Nimmt man zur reichhaltigen Atmosphäre und der guten Action noch Peckinpah-Schützling Warren Oates als schlitzohrig-lässiger John Dillinger und Peckinpah-Schützling Ben Johnson als abgebrüht-cooler FBI-Verfolger, gibt ihnen eine schöne Struktur der unnachgiebigen aber auch respektvollen Erzfeinde und packt noch Kempen mit Namen wie Richard Dreyfuss, HD Stanton und Frank McRae obendrauf dann sind 100 Minuten auch schon im Nu um.
Wertung: 8 / 10
Musste ich selber kurz suchen.

Klar ist B&C als Vorbild erkennbar und klar macht Penns Film auch alles noch etwas besser, ist für mich aber kein gravierender Kritikpunkt, da Dillinger doch ausreichend auf eigenen Beinen steht und mich glaube ich im Gegensatz zu dir durchgehend unterhalten hat.

1973: Dillinger 8/10
1975: Der Wind und der Löwe 8,5
1978: Big Wednesday 9
1981: Conan, der Barbar -
1984: Red Dawn 6
1988: Farewell to the King -
1991: Flight of the Intruder -
1994: Motorcycle Gang -
1997: Rough Riders
We'll always have Marburg

Re: The Days of High Adventure – Der Filmemacher John Milius

#68
Allen Interessierten an John Milius und Red Dawn im Speziellen sei diese herausragende Studie über den Film ans Herz gelegt:

Der Autor geht darin explizit auf den Vorwurf ein, Red Dawn sei simplistische rechte Propaganda und zeigt detailliert auf, welche Komplexität und inhaltliche Tiefe der Film besitzt. Dies ist eine wirklich aussergewöhnliche Auseinandersetzung mit dem Film und seiner kritischen Wahrnehmung auf geradezu wissenschaftlichem Niveau.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: The Days of High Adventure – Der Filmemacher John Milius

#69
"Red Dawn" ist allein deshalb schon toll, weil er immer wieder daran erinnert, dass wir kleinen unbedeutenden Sünder das Werk von Basil Poledouris nicht verdient haben. Und dabei ist dieser schöne Kriegsfilm von Milius weit davon entfernt, die beste Arbeit des Poledouris zu sein. Einer der ganz ganz Großen!

Das Video ist ja ein richtiger Mammut-Beitrag und hebt sich in seiner Machart und in der Tat enorm kühl analytischen Herangehensweise erstaunlich vom sonstigen ähnlichen Content auf YouTube ab! Danke für die Empfehlung, Anatol, und der Kanal hat in der Tat mehrerer solcher Videos zu bieten, die auf ähnlichem Niveau zu sein scheinen.
Prejudice always obscures the truth.