Wie findet ihr SPECTRE?

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Re: Filmbesprechung: "SPECTRE (SP)"

#3541
Henrik hat geschrieben:
14. September 2020 07:38
SMERSH hat geschrieben:
13. September 2020 14:37
Ihc hatte auch irgendeinen Leak gelesen und erinnere mich eigentlich nur, das es anstelle der Folterszene ein Abendesse mit Kartenspiel mit anschließender Uhrexplosion gab (was mir wesentlich besser gefallen hätte)
Da bin ich aber froh, dass es das nicht geworden ist. Keine Zweifel, die Folterszene ist schon extrem brutal, aber ein Abendessen, das ist doch etwas langweilig und passt nicht unbedingt zum Hass von Oberhauser auf Bond. Das erinnert an TMWTGG, wo ich es auch etwas seltsam finde, wenn Scaramanga Bond wie einen guten Freund behandelt, um am nächsten Tag auf ein Duell um Leben und Tod anzutreten.
Die Szene las sich im Script aber besser als die abgeänderte Umsetzung, die am Ende dann gedreht wurde.
Hatte was Hitchcock-artiges.

Re: Filmbesprechung: "SPECTRE (SP)"

#3543
Henrik hat geschrieben:
14. September 2020 07:38
SMERSH hat geschrieben:
13. September 2020 14:37
Ihc hatte auch irgendeinen Leak gelesen und erinnere mich eigentlich nur, das es anstelle der Folterszene ein Abendesse mit Kartenspiel mit anschließender Uhrexplosion gab (was mir wesentlich besser gefallen hätte)
Da bin ich aber froh, dass es das nicht geworden ist. Keine Zweifel, die Folterszene ist schon extrem brutal, aber ein Abendessen, das ist doch etwas langweilig und passt nicht unbedingt zum Hass von Oberhauser auf Bond. Das erinnert an TMWTGG, wo ich es auch etwas seltsam finde, wenn Scaramanga Bond wie einen guten Freund behandelt, um am nächsten Tag auf ein Duell um Leben und Tod anzutreten.
Naja, dafür quasselt Oberhauser jetzt mit Bond ewig lang über Kometen, Kuckucksnester und bringt den gehaltvollsten Satz der jüngeren Filmgeschichte: "Information ist alles." :mrgreen: :lol: Blofeld / Oberhauser ist wie viele Bondschurken ein kultivierter, intellektueller Bösewicht, tatsächlich ist die Folterszene in meinen Augen der größere Stilbruch, der sich nicht mit dem Charakter vereinen lässt. Mit einem Bohrer im Kopf herumzustochern ist merkwürdig stillos. Zu einem erbärmlichen Wicht wie Las Numbros aus CR passt das vielleicht, aber doch nicht zu einem gut gekleideten Gentleman-Terroristen wie Brofeld. Und die Szene in TMWTGG finde ich großartig: Zwei Männer auf Augenhöhe, die zusammen speisen und sich für das Duell am nächsten Morgen verabreden, ganz wie in "alten Zeiten". Das ist Bond – denn das hat Stil.
Prejudice always obscures the truth.

Re: Filmbesprechung: "SPECTRE (SP)"

#3544
Casino Hille hat geschrieben:
14. September 2020 12:14
"Information ist alles." :mrgreen: :lol:
Du wirst es nicht glauben, aber den Satz habe ich tatsächlich schon häufiger in meinem stillen Kämmerchen gesagt, wo mich niemand hören sollte. :lol: :lol: Einmal hat meine Mutter das mitbekommen und gefragt "Wieso ist denn Information alles?" Naja, ist lange her.

Die Folterszene gehört auch nicht zu meinen Favoriten aus NTTD, aber sie passt meiner Meinung nach immer noch besser als ein gemeinsames Dinner.
"Ich glaube nie, was in den Zeitungen steht." - TND

Re: Filmbesprechung: "SPECTRE (SP)"

#3545
Nunja. Es passt schon zu dieser schaurigen Verbindung und tiefsitzenden Hass, dass Bro ihn grausam aber klinisch perfekt foltert. Auch wenn mich das bloße schreiben darüber schon fremdschämen lässt.
Das hätte aber auch wunderbar nach einem Abendessen stattfinden können bzw. solch eine Folter Bond in Aussicht gestellt werden können, bevor dieser dank Uhr dem ganzen Martyrium zuvorkommt. Zumal man sich doch sowieso fragt, wie er danach noch einen fuss vor den anderen setzen kann.

Ich meine auch, das Szenario in dieser vorherigen Fassung las sich recht gut. Gerade das, ich glaube, gezinkte Kartenspiel mit Oberhauser war eine nette Verbindung zu CR.

Re: Filmbesprechung: "SPECTRE (SP)"

#3547
SMERSH hat geschrieben:
14. September 2020 15:30
Zumal man sich doch sowieso fragt, wie er danach noch einen fuss vor den anderen setzen kann.
Das ist ohnehin die größte Drehbuchsünde des Filmes. Da versucht man im Zug der Madeleine-Figur durch die Kindheitsgeschichte mit der Wumme etwas mehr Tiefe zu verleihen, und dann schießt sie Bond noch nicht einmal den Weg frei, wo dieser doch nicht mal in der Lage sein dürfte, geradeaus zu schauen. Das hätte sich doch perfekt angeboten... Unverständlich sowas. Die beiden hätten eingekesselt werden können, woraufhin Bond in letzter Minute und wieder einigermaßen bei Verstand, einen zu nahe gekommenen Wiedersacher kalt macht... Nur so als Idee. Oder die Explosion hätte durch einen unglücklichen Schuss der nicht ganz so zielsicheren Madeleine ausgelöst werden können...

Re: Filmbesprechung: "SPECTRE (SP)"

#3548
Die Zugszene war vor dem Hintergrund dessen, was Madeleine kurz vorher gesagt hatte ("I hate weapons...") schon ziemlich heftig. Da brauchte es eine solche Szene wie sie hier vorgeschlagen wird eigentlich nicht mehr. Vielleicht wäre das auch zu viel gewesen.

Davon abgesehen dürften sich die meisten bei der Erstsichtung nicht mehr unbedingt an die Szene im Zug erinnert haben.

Das ist doch typisch Bond. Er wird mit deres Situation fertig. Beispiel TWINE: Gerade noch saß Bond auf Electras Folterbank, sah sehr gequält aus und wäre fast gestorben, kurz darauf ist er wieder so fit, dass man sich nicht mehr vorstellen kann, was vorher passiert ist.
"Ich glaube nie, was in den Zeitungen steht." - TND

Re: Filmbesprechung: "SPECTRE (SP)"

#3549
Die Zugszene ist vor allem einer der vielen Dialoge der Craig-Ära, die hoffnungslos überzogen sind im Dialog-Writing. Für mich nach wie vor das größte Problem der Craig-Filme. Lustigerweise las ich eben noch einen YouTube Kommentar, der es perfekt auf den Punkt bringt:
The dialogue in modern Bond films has got weird. Overwritten and never feels like a conversation between people, just a series of statements.
"A series of statements" ist sehr hübsch formuliert, und erklärt, woher solche Blüten wie "Information is everything" oder "I think you're just getting started" kommen. Und sicher, bevor es jemand anderes schreibt: Bondfilme waren nie Dialog-Filme, die Bond-Drehbücher konnten selten durch großartige Dialogzeilen à la Coen Brothers oder Paul Thomas Anderson auffallen, mussten sie auch gar nicht. Aber die Konversationen in den neueren Bonds sind erstaunlich artifiziell. Für mich der absolute Negativ-Höhepunkt des Ganzen ist folgende Szene in Spectre:



Das ist fast schon komödiantisch, wenn man mal darauf achtet. Die ganze Szene ist so weit weg von einer echten Unterhaltung wie ein Sci-Fi-Film von physikalischen Gesetzen. Alles an der Szene ist gestellt und über-inszeniert: Dr. Swann spricht laut und deutlich über die Diagnose eines anderen Patienten, während ein wildfremder neuer Patient ins Zimmer kommt? Sie stellt psychologische Erstsemester-Fragen und lässt sich von Bonds Nicht-Antworten abspeisen, anstatt direkt bei der zweiten Frage Beschwerde zu äußern? Sie will die Aussicht versperren, aber fährt dann nur ein paar kleine Rolläden an der Seite des Raums auf halbe Höhe herunter? Als Bond sich als mehr als nur ein Patient offenbart, wird es ganz absurd: Ab jetzt besteht der Dialog nur noch daraus, dass 007 ihr Informationen gibt, die wir längst kennen und die dadurch unterbrochen werden, dass er nur in kurzen Hauptsätzen antwortet und sie ALLES nachfragen muss!

M: "You're paying a lot of money to be here, Mr. Bond. Who's asking the questions? You or me?"
J: "Of course. Carry on."
M: "I see you left this final question blank. What is your occupation?"
J: "Well, that's not the sort of thing that looks good on a form."
M: "And why is that?"
J: "I kill people. Small world, eh?"
M: "Where is he?"
J: "Your father is dead. Two days ago."
M: "How'd you know?"
J: "Because I was there."
M: "Did you kill him?"
J: "I didn't had to. He did it himself."
M: "And you came all the way just to tell me this – that my father's dead?"
J: "I came to tell you that your life is in danger and I need your help."
M: "Why?"
J: "I made a deal with him to protect you."
M: "You're lying. Why would he trust you?"
J: "Because he knew that I needed something in return."
M: "And what was that?"
J: "To find L'Americain".
M: "This interview is over".

Finden Drehbuchautoren heute wirklich keine besseren Wege, Dialoge zu schreiben? Der ganze Dialog ist nur die Wiedergabe uns bereits bekannter Informationen, die nichts über die beiden Charaktere verraten. Was auch daran liegt, dass Bond ausschließlich die vorherigen Szenen toterklärt und Madeleine nach jedem seiner Sätze eine Nachfrage stellt, damit die Szene wie ein Dialog wirkt, obwohl sie eigentlich keiner ist. Furchtbar. Und eines von vielen Beispielen für solche Szenen in den jüngeren Bondfilmen.

Btw: Warum sollte Bond einer völlig fremden Frau in so einer Situation gegenüber den Tod seiner Eltern erwähnen? Antwort: Weil die Drehbuchautoren auf die Formel ihres "How To Write A Script"-Buches geschaut haben und dort stand, dass jetzt ein Charaktermoment für Bond dran ist. :roll: Warum sollte er das tun? Er kennt sie nicht, hat keinen Grund ihr zu trauen, baut darüber auch keinerlei Rapport zu ihr auf… wieso erwähnt er das? Und will dann 10 Sekunden später nicht mehr drüber reden, wohlgemerkt…
Prejudice always obscures the truth.

Re: Filmbesprechung: "SPECTRE (SP)"

#3550
Ich kann dem nur beipflichten. Ich hoffe, dass P&W nach der Craig-Ära entweder tatkräftig von außen unterstützt und gelenkt werden (das Gespann mit Paul Haggis funktionierte meines Erachtens am besten, aber das ist Geschmackssache), oder das Feld räumen. Etwas frischer Wind würde wirklich nicht schaden. Am besten sie holen sich einen richtig guten Autoren, der dann auch länger an Bord bleibt. Warum nicht ein Gespann aus Autor&Autorin?
Ich denke auch, es wäre ein deutlich progressiveres Zeichen mal eine Frau auf den Regiestuhl zu lassen, als mit irgendwelchen halbherzigen pseudofeministischen Konsenz-Ansichten um die Ecke zu kommen, die im Endeffekt nichts transportieren, da sie inzwischen im Blockbusterkino Standard und somit Teil des Kalküls geworden sind. Ein Gimmick, das über die wahren Ungerechtigkeiten innerhalb der Filmbranche hinwegtäuschen soll, damit das Produkt ja keine schlechte Presse bekommt. Mal sehen, wie es sich da mit NTTD verhält. Vielleicht revidiere ich in dieser Hinsicht meine Meinung ja noch!

Re: Filmbesprechung: "SPECTRE (SP)"

#3551
craigistheman hat geschrieben:
30. September 2020 10:42
Ich hoffe, dass P&W nach der Craig-Ära entweder tatkräftig von außen unterstützt und gelenkt werden (das Gespann mit Paul Haggis funktionierte meines Erachtens am besten, aber das ist Geschmackssache), oder das Feld räumen. Etwas frischer Wind würde wirklich nicht schaden.
Purvis & Wade sind doch nach QOS von selbst gegangen, und wurden ähnlich wie Craig im Anschluss für SF, SP und NTTD immer wieder von Broccoli zurückgeholt. Aufgedrängt haben die sich, glaube ich, nicht.

Re: Filmbesprechung: "SPECTRE (SP)"

#3552
craigistheman hat geschrieben:
30. September 2020 10:42
Am besten sie holen sich einen richtig guten Autoren, der dann auch länger an Bord bleibt.
Ich glaube es ist nicht ein Problem der Autoren. Die haben genug Qualität, sonst wären sie nicht schon jahrelang erfolgreich im Business. Das Problem sind die Regisseure und Produzenten. "Spectre" ist ein einziger zusammengeschusterter Flickenteppich, der von Logan, Purvis, Wade, Butterworth und Mendes wechselseitig zusammengestückelt wurde. Man entwickelt die Drehbücher zu Tode. Das ist leider eine gängige Praxis bei Blockbuster-Filmen. Aber Eon und der Regisseur müssen den Überblick behalten und Fehlentwicklungen entgegenwirken. Mendes ist ein Theater-Regisseur und hat solche Dialoge abgenickt? Vermutlich hat jeder der genannten Autoren an diesem Dialog-Fragment herumgedoktert und dadurch wurde es so artifiziell. Bond braucht nicht qualitativere Autoren, sondern eine klarere und zielführende Vision seitens der Filmverantwortlichen, in welche Richtung man den Film überhaupt entwickeln will. Daran hat es bei "Spectre" offensichtlich gemangelt.

Re: Filmbesprechung: "SPECTRE (SP)"

#3555
Verstehe die Argumentation auch nicht. Nur weil jemand auch am Theater arbeitet, bedeutet das nicht, dass er dadurch automatisch der bessere Regisseur ist oder sich besser mit Dreh- bzw. Textbüchern auszukennen hat.
Böser schwarzer Mann

#SanMonique2020

"Wo man lacht, da lass dich ruhig nieder. Böse Menschen lachen immer wieder."
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