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Re: Filmbesprechung: "The Living Daylights (TLD)"

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AnatolGogol hat geschrieben: 7. Mai 2021 07:35 W&L (habe bestimmt 5 Minuten gebraucht, bis ich wusste was gemeint ist :) ) ist landschaftlich doch etwas abwechslungsreicher - gerade auch durch den Wechsel der Erzählperspektiven Raisuli/Teddy und damit verbunden der kontrastierenden Umgebung. Das hat man in TSWLM sogar noch stärker durch das Wechselspiel Tempel, Wüste und romantische Nilfahrt.
In einem Bond-Forum sollte das aber sitzen :mrgreen:

TSWLM finde ich diesbezüglich auch sehr vergleichbar mit Der Wind und der Löwe. Das passt für mich ganz gut, der von dir angesprochene Kontrast. Schöne Szene, wenn in der Wüste auf einmal die Oase am Nil auftaucht und dann die romantische Bootsfahrt folgt. Das Nobody does it better-Instrumental unterstreicht das gut (Oder habe ich die Szene gerade völlig falsch in Erinnerung?). Bevor Anya alles wieder kaputtmacht :)

Re: Filmbesprechung: "The Living Daylights (TLD)"

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TLD hat noch einige "Albernheiten" aus der Moore-Ära, aber Dalton legt die Rolle schon ernster an. Dadurch entsteht (zumindest bei mir) schon ein anderer Eindruck, gepaart mit ein paar guten Drehbuch-Ideen (die Überlaufszene, der vermeintliche Anschlag auf den russischen Geheimdienstchef, Afghanistan, etc. Dadurch hebt der Film sich von den anderen Glens ab. Auch die Wut von Bond nach der Tötung seines Informanten in Wien hätte Moore so nicht gespielt.

Insgesamt trotz einiger Schwächen ein guter Bond im oberen Mittelfeld.
#Marburg2021

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Re: Filmbesprechung: "The Living Daylights (TLD)"

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AnatolGogol hat geschrieben: 7. Mai 2021 07:35 QoS ist diesbezüglich finde ich sogar noch viel schlimmer. Hab den Film zwar nicht so oft gesehen, aber die Bolivianische Einöde hat für mich immer wie ein langweiliges Schotterfeld ausgesehen. W&L (habe bestimmt 5 Minuten gebraucht, bis ich wusste was gemeint ist :) ) ist landschaftlich doch etwas abwechslungsreicher - gerade auch durch den Wechsel der Erzählperspektiven Raisuli/Teddy und damit verbunden der kontrastierenden Umgebung. Das hat man in TSWLM sogar noch stärker durch das Wechselspiel Tempel, Wüste und romantische Nilfahrt. Bei TLD ist hingegen eigentlich die komplette 2. Hälfte sehr einseitig, da wird wenig Abwechslung geboten. Es ist aber nicht nur das, sondern auch die Art und Weise wie es gefilmt und in Szene gesetzt ist. Wenn man das mit Leans arabischem Larry vergleicht (zugegebenermaßen die diesbezügliche Speerspitze), dann sieht TLD doch sehr trist aus.
Kann es denn sein dass du mit Wüsten generell weniger anfangen kannst wenn sogar die Einschätzung zu W&L (so schwer? Ich habe doch extra angefügt dass ein Jimbo dabei ist) eher relativierend klingt? Allen vier Beispielen gemein sind finde ich grossartige Bilder in der Einöde und je mindestens eine starke Actionszene in der Wüste. Aber um noch ein hämisches Gegenbeispiel loszuwerden: Bei SP sieht die unspektakuläre Haltestelle ganz in gelb um ein vielfaches reizloser aus und auch die dortige Wüstenaction (00's statisches Fluchtgeballer im Hauptquartier von Brüderchen Ernst) ist schwächer als sämtliche Beispiele.
AnatolGogol hat geschrieben: 7. Mai 2021 07:35 Das passt ja dann, da ich bekanntlich mit Barrys TMWTGG auch nicht allzuviel anfangen kann. Das ist natürlich Klagen auf hohem Niveau, aber von Barrys Arbeit für Bond außerhalb der 60er kann mich eigentlich nur MR wirklich begeistern, die restlichen Arbeiten fallen eher in die Kategorie kompetente Routine (gemessen an seinen Verhältnissen - wie gesagt, sehr sehr hohes Klageniveau :) ). Und bei TLD ist es mehr noch als der inhaltliche Faktor der stilistische. Während ich Barrys Modernisierungsversuche bei AVTAK (mit den jaulenden verzerrten Gitarren) eigentlich ganz gern mag und es sich auch besser mit dem Orchesterteil verbindet stört mich das Keyboardgedudel bei TLD doch schon sehr.
Geschmackssache - FRWL will mir nie so richtig hängenbleiben, obwohl erst letzten Herbst wieder gesichtet (da gab's bei mir DN, FRWL und Untouchables in einer Woche und kurz darauf meldet sich Sir Sean ab - einerseits schlechtes Timing, andererseits kam es so als Tributsichtung zu einer Auffrischung unserer Lieblingsabkürzung W&L). GF ist recht gut vergleichbar mit TMWTGG, weil beide sich sehr stark am Sound und Melodie des Titelsongs orientieren, aber TMWTGG gefällt mir einfach besser. Vielleicht liegt es Nostalgie und adoleszenter Indoktrinierung, aber für mich ist das mit die einprägsamste Melodie die es je bei einem Bond gab. TB war gefühlt immer der beste Score der ersten vier aber erst bei der letzten Sichtung (ebenfalls zu Seans Ableben) habe ich mir einen konkreten Anhaltspunkt für die Einschätzung gemerkt, und zwar die oben genannte "Switching the Body" Melodie.

TLD und AVTAK haben sicher gemein dass es mit die härtesten und "coolsten" Barry-Scores sind. Aber während es bei AVTAK nie so recht zum Film passen will (Der Duran-Titelsong und das für sich gesehen sehr starke Gitarrenjaulen sind einfach irgendwie zu hart und cool für diesen Biederfilm mit Quiche-backendem Bond auffem Ponyhof) geht es in TLD ein stimmiges Gesamtkonzept mit dem Film ein. Auch ist TLD (habe grade die fetten Keyboards als Tim in Gibraltar am Jeep hängt laufen) für mich variantenreicher UND einprägsamer, bei AVTAK bleibt halt vor allem das Gitarrenjaulen im Ohr.
AnatolGogol hat geschrieben: 7. Mai 2021 07:35
Casino Hille hat geschrieben: 6. Mai 2021 20:34Die deutsche Synchro ist hier besonders unglücklich, mit üblen Ausrutschern wie dem berüchtigten "Pferdehintern".
Warum findest du hier die Synchro denn unglücklicher als das Original?
Ist dasselbe.
"What does that mean?"
"It means backend of horse"
"You're calling me horse's arse?"
AnatolGogol hat geschrieben: 7. Mai 2021 07:35 Da sehe ich zwischen TLD und LTK aber doch deutlich Unterschiede. Bei LTK sind es doch nur ganz wenige Ausreisser wie die Kneipenkeilerei während sich die Albernheiten bei TLD wie ein roter Faden durch den Film ziehen. Und ehrlich gesagt finde ich die Dosierung bei LTK auch angemessen, da es den ansonsten sehr harten und teilweise auch düsteren Film dann doch wieder etwas auf die leichtere Seite zurückholt - etwas, was ich eigentlich von jedem Bondfilm erwarte.
Absolut sind da Unterschiede. Ob einem der eine zu hart und humorlos oder der andere gemessen daran zu albern und huMoorig ist, ist Ansichtssache. Für mich passen beide Filme sehr gut und jetzt's kommts, TLD hat sich bei dieser jüngsten Sichtung LTK noch einmal stärker angenähert, der erste Dalton müsste bei mir aktuell ebenfalls ein 10er-Film sein. Darf ich jetzt die Dalton-Fraktion des Forums präsidieren? :mrgreen:
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Re: Filmbesprechung: "The Living Daylights (TLD)"

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DonRedhorse hat geschrieben: 7. Mai 2021 09:39 TLD hat noch einige "Albernheiten" aus der Moore-Ära, aber Dalton legt die Rolle schon ernster an. Dadurch entsteht (zumindest bei mir) schon ein anderer Eindruck, gepaart mit ein paar guten Drehbuch-Ideen (die Überlaufszene, der vermeintliche Anschlag auf den russischen Geheimdienstchef, Afghanistan, etc. Dadurch hebt der Film sich von den anderen Glens ab. Auch die Wut von Bond nach der Tötung seines Informanten in Wien hätte Moore so nicht gespielt.
Dalton ist natürlich schon ein Faktor, da hast du sicher recht. Aber es ist in seinen 80er Filmen ja auch nicht so, dass Moore da nur den entspannt-lockeren Sprücheklopfer gibt. Gerade hinsichtlich der von dir erwähnten Wut nach dem Anschlag auf Saunders findet sich sowas in ähnlicher Form auch in FYEO (Ferraras Ermordung), OP (Rache für 009) und AVTAK (nach Tibbetts Ermordung). Klar, Moore spielt das anders (eben mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln), aber prinzipiell ist Bond in diesen Szenen genau so angelegt wie der Dalton-Bond. Auch die anderen von dir genannten Passagen kann man so ähnlich auch in den 80er-Jahre-Moores finden, man denke beispielsweise an die Ermordung von Melinas Eltern, die Ermordung von Vijay oder wenn Zorin und Scarpine nehezu endlos sich dabei vergnügen ihre eigenen Männer in der Mine abzuknallen. Von daher würde ich immer noch sagen, dass da keine wirklicher Unterschied hinsichtlich der Ernsthaftigkeit zwischen TLD und den 80er Moores ist - gleichwohl ich auch immer genau den Eindruck hatte. Aber mittlerweile denke ich, dass viel von diesem Eindruck auch Dalton als Typ geschuldet ist, er kommt halt einfach immer ernsthafter rüber weil es seine natürliche Art ist, während Moore immer eine gewisse Leichtigkeit verströmt. Inhaltlich ist dieser Unterschied aber oftmals kaum wahrnehmbar - zumindest für mich. :)



GoldenProjectile hat geschrieben: 7. Mai 2021 09:41 Kann es denn sein dass du mit Wüsten generell weniger anfangen kannst wenn sogar die Einschätzung zu W&L (so schwer? Ich habe doch extra angefügt dass ein Jimbo dabei ist) eher relativierend klingt?
Also zumindest den Larry kann ich als grandioses Gegenbeispiel anführen und auch Basil Deardens Wüsten-Epos Khartoum finde ich visuell sehr gelungen. Ebenso hat Anthony Minghella wie ich finde beim englischen Patienten der Wüste eine geradezu poetische Schönheit entlockt. Von daher sollte das eigentlich kein grundsätzliches Problem sein.

GoldenProjectile hat geschrieben: 7. Mai 2021 09:41 GF ist recht gut vergleichbar mit TMWTGG, weil beide sich sehr stark am Sound und Melodie des Titelsongs orientieren, aber TMWTGG gefällt mir einfach besser.
Vielleicht bin ich da eher auf das Formale fokusiert, als dass sich mir zwischen dem mondän-reichhaltigen Orchesterscore von GF und dem eher reduzierten und mit modernen Elementen vermengten Soundtrack von TMWTGG Parallelen aufdrängen könnten. Und so stört mich ja auch bei TLD eher das Formale als das Inhaltliche (obwohl ich auch hier einen qualitativen Abfall gegenüber Barrys besten Werken in- und außerhalb der Serie sehe).

GoldenProjectile hat geschrieben: 7. Mai 2021 09:41 Ist dasselbe.
"What does that mean?"
"It means backend of horse"
"You're calling me horse's arse?"
Deshalb habe ich auch verwundert nachgefragt. :)

GoldenProjectile hat geschrieben: 7. Mai 2021 09:41 Darf ich jetzt die Dalton-Fraktion des Forums präsidieren? :mrgreen:
Mach mal, ich komme aufgrund meiner inneren Zerissenheit hinsichtlich Tims 00-Werk da eher nicht für in Frage. :D
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Re: Filmbesprechung: "The Living Daylights (TLD)"

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Ich denke schon, dass die Ernsthaftigkeit zum einen an der etwas komplizierteren Story liegt und zum anderen natürlich an Dalton. Die Plots der Moores waren doch immer recht einfach gestrickt. Bei TLD hat man zumindest zeitweise das Gefühl, einen richtigen Agentenfilm zu sehen. ;-)
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Re: Filmbesprechung: "The Living Daylights (TLD)"

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AnatolGogol hat geschrieben: 7. Mai 2021 07:35
Casino Hille hat geschrieben: 6. Mai 2021 20:34Beide Dalton-Filme leiden für mich unter diesen überflüssigen Albernheiten, aber bei TLD ist es deutlich geballter vorhanden. Es fehlte schlicht der Mut, den ernsteren Stil wirklich durchzuziehen.
Da sehe ich zwischen TLD und LTK aber doch deutlich Unterschiede. Bei LTK sind es doch nur ganz wenige Ausreisser wie die Kneipenkeilerei während sich die Albernheiten bei TLD wie ein roter Faden durch den Film ziehen. Und ehrlich gesagt finde ich die Dosierung bei LTK auch angemessen, da es den ansonsten sehr harten und teilweise auch düsteren Film dann doch wieder etwas auf die leichtere Seite zurückholt
Ja, es ist gibt da Unterschiede, da in TLD dieser alberne Klamauk viel prägnanter ist, und stärker zum Konzept gehört. In LTK sind es eher Überbleibsel der Bondformel. Neben der Kneipenkeilerei à la Spencer/Hill wäre noch der berüchtigte Zwinkerfisch zu nennen, wobei man dem wenn man will zugute halten kann, dass er nach Ende der Rachegeschichte erst seinen Auftritt hat. Doof finde ich ihn persönlich allerdings trotzdem. Und da waren bei der letzten Sichtung von LTK noch 1-2 Dinge, die mir negativ aufgestoßen sind in der Hinsicht, aber auch wenn es sonst meine Art ist, Butter bei die Fische zu machen, kann ich mich leider gerade konkret nicht erinnern. Ich teile übrigens deine Ansicht, jeder Bond solle trotz vorhandener Düsternis auch die leichte Seite bedienen und auflockernd angelegt sein, aber Auflockerung kann mit Würde und Stil passieren oder mit plattem Klamauk. Je nach Ton des Films, sogar je nach Ton der jeweiligen Szene kann der Maßstab, bzw. die gefühlte Angemessenheit, variieren.
GoldenProjectile hat geschrieben: 7. Mai 2021 09:41 Kann es denn sein dass du mit Wüsten generell weniger anfangen kannst wenn sogar die Einschätzung zu W&L (so schwer? Ich habe doch extra angefügt dass ein Jimbo dabei ist) eher relativierend klingt? Allen vier Beispielen gemein sind finde ich grossartige Bilder in der Einöde und je mindestens eine starke Actionszene in der Wüste. Aber um noch ein hämisches Gegenbeispiel loszuwerden: Bei SP sieht die unspektakuläre Haltestelle ganz in gelb um ein vielfaches reizloser aus und auch die dortige Wüstenaction (00's statisches Fluchtgeballer im Hauptquartier von Brüderchen Ernst) ist schwächer als sämtliche Beispiele.
Hehe, ich bin zwar nicht Anatol, aber: In "The Wind and the Lion" finde ich die Wüstenaufnahmen sensationell, das ist ohnehin ein atemberaubend fotografierter Film, dem großartigen Billy Williams sei Dank. Und auch in "The Spy Who Loved Me" gelingen viele hübsche Einstellungen, er gehört denke ich zu den am schönsten gefilmten Bonds. "Lawrence of Arabia" wäre eh ein unfairer Vergleich, mit diesen Panoramen kann kein Bond im Entferntesten konkurrieren. "The Living Daylights" halte ich wie alle Glen-Filme für eher unauffällig im visuellen Bereich, gekonntes Handwerk eben, aber es ist eine Art "Lernkurve" erkennbar, also eine Entwicklung bei der Bemühung zu einer etwas bewussteren Bildsprache, doch es bleibt meist bei Bemühungen. Bei dem Afghanistan-Kapitel weiß ich, dass es zwei oder drei Momente gibt, einzelne Einstellungen, die merklich etwas ästhetischer sein sollen, die auf Exotik angelegt sind, aber das fand ich nicht so überzeugend und es hilft da in der Tat wenig, dass die Action im Finale nur auf eine recht gewöhnliche Ballerei hinausläuft, bei der ich etwas den Einfallsreichtum in der Gestaltung vermisse.
AnatolGogol hat geschrieben: 7. Mai 2021 09:14
Henrik hat geschrieben: 7. Mai 2021 08:59 Was mir an TLD besonders gefällt, ist, dass uns das alles viel ernster präsentiert wird als in der Moore-Ära. Das macht für mich den besonderen Reiz dieses Filmes aus, dieses auf den ersten Blick etwas widersprüchlich wirkende Verhalten.
Das kann ich nicht wirklich erkennen. TLD ist in vielen Dingen immer noch ein typischer Film in der Tradition der 80er-Jahre-Moorefilmen. Eine viel ernstere oder ernsthaftere Präsentation sehe ich da nicht. Der einzige diesbezügliche Unterschied ist die bewusste Verwendung des Afghanistan-Krieges, welcher den Film (noch) mehr mit der "echten" Welt verbandelt. Das hatte man aber auch bereits bei OP (Kalter Krieg, atomare Gefahr in den frühen 80ern) und AVTAK (Silicon Valley, Computer-Chips), nur fühlt sich Afghanistan noch etwas "realer" an.
Dem schließe ich mich haargenau an. Es hat in den 80ern eine schrittweise Entwicklung gegeben, bei der die Filme langsam etwas kleiner und geerdeter (nicht aber realistischer) wurden. FYEO ist in vielerlei Hinsicht noch ein Gilbert-Bond mit viel Location-Hopping, Weltuntergangs-Szenario, viel Humor etc., nur der kleine Showdown fällt etwas heraus. OP ist in der ersten Hälfte noch ein sehr prunkvoller Bond, wird im letzten Drittel aber verhältnismäßig seriös und ernst. AVTAK geht einen Schritt weiter, zeigt Bond vermehrt in Alltagssituationen, die Beziehung zum Bondgirl wird freundschaftlicher, feinfühliger. TLD ist da ein kleiner weiterer Schritt, in Nuancen erkennbar, vor allem durch den Bezug zum real politischen Geschehen durch die Einbindung des Afghanistan-Krieges. Aber in der Präsentation ist auch dieser Film den drei Glen-Vorgängern mit der Langzeit-Doppelnull Roger ähnlich. Die oft so empfundene "neue Ernsthaftigkeit" gibt es nur im Spiel von Dalton zu finden, denn auf dem Papier ist TLD kaum wirklich ernster (selbst für die von mir als herausragend empfundene Pushkin-Szene hat in der Moore-Ära ihre direkten Vorgänger). Als Star hat Timmy aber natürlich einen großen Einfluss auf die Wirkung seines Films.

TLD ist allerdings bei den Glen-Filmen der erste Film, bei dem ich die Intention verspüre, ein paar Dinge mal anders zu machen, aber sie landen dann nicht so wirklich auf der Leinwand, weil man letztlich dem Bond-Konzept folgen will. Mit kleinen Schnitten, kleinen Auslassungen des Humors hätte man aus TLD einen konsequenteren Bond machen können, und Dalton auch mehr eigene Identität zugestehen. Aber Szenen wie die Ablenkung des Pipeline-Aufsehers durch den beherzten Einsatz von Rosika zeigen gut, dass man sich eben doch vom Stil der Moore-Zeit (noch) nicht trennen wollte, man im Grunde einfach weiter gemacht hat wie bisher.
AnatolGogol hat geschrieben: 7. Mai 2021 07:35
Casino Hille hat geschrieben: 6. Mai 2021 20:34Die deutsche Synchro ist hier besonders unglücklich, mit üblen Ausrutschern wie dem berüchtigten "Pferdehintern".
Warum findest du hier die Synchro denn unglücklicher als das Original?
Ist einzig dem Eindruck geschuldet, den die Szene auf mich macht. Die Sprecherin von Kara lässt die Figur auf mich mindestens vier oder fünf Stufen naiver wirken, um nicht sogar ein wenig dümmlich zu sagen. Zugegeben ist der Dialog aber schon im Original eher ein Tiefpunkt des Films. :)
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Re: Filmbesprechung: "The Living Daylights (TLD)"

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Casino Hille hat geschrieben: 7. Mai 2021 11:16 "Lawrence of Arabia" wäre eh ein unfairer Vergleich, mit diesen Panoramen kann kein Bond im Entferntesten konkurrieren.
YOLT geht - wenig überraschend, da ebenfalls von Freddie Young gefilmt - schon in diese Richtung (und ist - zusammen mit TSWLM - für mich eh der visuell eindrucksvollste Bondfilm), zumindest was die betörende Schönheit der Bilder angeht. Aber bei Lawrence kommt noch eine extra Schippe künstlerische Brillanz mit dazu (sowas wie die Fata Morgana ist halt schon brillant), vermutlich am Ende dann doch der oft bemühte Lean-Touch. :)
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Re: Filmbesprechung: "The Living Daylights (TLD)"

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Casino Hille hat geschrieben: 7. Mai 2021 11:16 es hilft da in der Tat wenig, dass die Action im Finale nur auf eine recht gewöhnliche Ballerei hinausläuft, bei der ich etwas den Einfallsreichtum in der Gestaltung vermisse.
Gerade der Einfallsreichtum in der Gestaltung konnte diese Woche ganz gross punkten. Teilweise schneller geschnitten als gedacht - und in welchem anderen Bond finden sich Ego-Shooter-Perspektiven?
Casino Hille hat geschrieben: 7. Mai 2021 11:16 Neben der Kneipenkeilerei à la Spencer/Hill wäre noch der berüchtigte Zwinkerfisch zu nennen, wobei man dem wenn man will zugute halten kann, dass er nach Ende der Rachegeschichte erst seinen Auftritt hat. Doof finde ich ihn persönlich allerdings trotzdem.
Tja, mein liebstes Schlussbild eines jeden Bondfilms, und kann auch mit meinen Lieblingen allgemein gut mithalten. Die noch offene Lupe/Pam-Entscheidung, der Sprung in den Pool, Q's vielsagendes Kopfschütteln, die Umkehrung des "Why don't you ask me?"-Dialogs, und BÄM: If - you - asked me to. Zwinkerfisch for life. Ich habe nie ganz verstanden, was ausgerechnet daran so schrecklich doof sein soll, er bricht auch nicht aus der filminneren Logik aus, das ist halt ein Mechanismus der Kreuzung aus abstrakter Skulptur und Springbrunnen, dass der die Augen schliesst, und subtil ist es auch, ich glaube die Hälfte aller unvoreingenommenen Zuschauer (also Fans die schon drüber diskutiert haben ausgenommen) würden das gar nicht merken bzw. nicht auf Anhieb als Augenzwinkern interpretieren.

Vizepräsident der Dalton-Fraktion Anatol (bezüglich TLD werden wir ihn noch bekehren) wird mir zustimmen. Oder? ODER? :wink:
AnatolGogol hat geschrieben: 7. Mai 2021 11:41 YOLT geht - wenig überraschend, da ebenfalls von Freddie Young gefilmt - schon in diese Richtung (und ist - zusammen mit TSWLM - für mich eh der visuell eindrucksvollste Bondfilm), zumindest was die betörende Schönheit der Bilder angeht. Aber bei Lawrence kommt noch eine extra Schippe künstlerische Brillanz mit dazu (sowas wie die Fata Morgana ist halt schon brillant), vermutlich am Ende dann doch der oft bemühte Lean-Touch. :)
Tat-Sächlich? YOLT? War da noch mehr ausser der zehnminütigen Fischerhochzeit in der Barry, Young und Gilbert gemeinsam zu Hochform auflaufen und die besser ist als die restlichen zwei Stunden zusammen? Ich würde da viel eher noch TB und OHMSS aus der Zeit nennen, wenn es um die visuell eindrucksvollsten Bönder geht.
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Re: Filmbesprechung: "The Living Daylights (TLD)"

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GoldenProjectile hat geschrieben: 7. Mai 2021 12:47 Vizepräsident der Dalton-Fraktion Anatol (bezüglich TLD werden wir ihn noch bekehren) wird mir zustimmen. Oder? ODER? :wink:
Zwinkerfisch rules! 8)
GoldenProjectile hat geschrieben: 7. Mai 2021 12:47 Tat-Sächlich? YOLT? War da noch mehr ausser der zehnminütigen Fischerhochzeit in der Barry, Young und Gilbert gemeinsam zu Hochform auflaufen und die besser ist als die restlichen zwei Stunden zusammen?
Un-be-dingt!
http://4.bp.blogspot.com/-3CR1YTD1lVA/T ... reddie.jpg

https://flim-1-0-2.s3.eu-central-1.amaz ... ba44f.jpeg

https://screenmusings.org/movie/blu-ray ... ce-620.jpg

Nur mal ein paar Beispiele, gibt aber noch etliches mehr - wobei der Fischer-Sonnenaufgang schon mit das Beste in YOLT ist. Und ganz besonders gern mag ich auch diese interessant gefilmte Sequenz:

https://seattlescreendraft.files.wordpr ... .png?w=656
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Filmbesprechung: "The Living Daylights (TLD)"

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Das sind die besten bzw. visuell eindrucksvollsten Teile des Films, die Fischerhochzeit und die Anreise zum Vulkan. Wobei mich Beispiel Nummer 3 nicht sonderlich beeindruckt, ist das gleiche wie bei dir und dem TLD-Geröll: Wald, na toll, zwar schön die Weite der Szenerie eingefangen aber geht auf dem Hügel dort auch kaum anders. Grosse andere Teile des Films habe ich aber ausgesprochen bieder im Kopf, du kennst mein letztes YOLT-Urteil ja.
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Re: Filmbesprechung: "The Living Daylights (TLD)"

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GoldenProjectile hat geschrieben: 7. Mai 2021 12:47
Casino Hille hat geschrieben: 7. Mai 2021 11:16 Neben der Kneipenkeilerei à la Spencer/Hill wäre noch der berüchtigte Zwinkerfisch zu nennen, wobei man dem wenn man will zugute halten kann, dass er nach Ende der Rachegeschichte erst seinen Auftritt hat. Doof finde ich ihn persönlich allerdings trotzdem.
Tja, mein liebstes Schlussbild eines jeden Bondfilms, und kann auch mit meinen Lieblingen allgemein gut mithalten. Die noch offene Lupe/Pam-Entscheidung, der Sprung in den Pool, Q's vielsagendes Kopfschütteln, die Umkehrung des "Why don't you ask me?"-Dialogs, und BÄM: If - you - asked me to. Zwinkerfisch for life. Ich habe nie ganz verstanden, was ausgerechnet daran so schrecklich doof sein soll, er bricht auch nicht aus der filminneren Logik aus, das ist halt ein Mechanismus der Kreuzung aus abstrakter Skulptur und Springbrunnen, dass der die Augen schliesst, und subtil ist es auch, ich glaube die Hälfte aller unvoreingenommenen Zuschauer (also Fans die schon drüber diskutiert haben ausgenommen) würden das gar nicht merken bzw. nicht auf Anhieb als Augenzwinkern interpretieren.
Das sehe ich auch so. Früher ist mir das tatsächlich auch nicht aufgefallen, wohl erst, nachdem darüber schon hier diskutiert wurde. Davon abgesehen gefällt mir das Ende von LTK ohnehin sehr gut. If yor asked me to, schöner Song. GP hat es schon perfekt auf den Punkt gebracht, für mich jedenfalls neben TLD und TND das beste Ende.

Viel merkwürdiger finde ich diesbezüglich die ähnlich gelagerte Endszene aus NSNA, die viel mehr aus der Handlung des Filmes ausbricht. Ob ich nun grundsätzlich ein Problem mit diesen fourth wall breaking-Momenten habe? In NSNA, wo direkt James Bond mit mit Sean Connerys Rückkehr zur Bondrolle verglichen wird, ist mir das jedenfalls zu viel. Im Gegensatz zu NSNA bricht das Ende von LTK jedenfalls überhaupt nicht aus dem Film aus. Ich bin sowieso nicht unbedingt der größte NSNA-Fan. Was ich demgegenüber von LTK halte, sollte wohl allgemein bekannt sein.
GoldenProjectile hat geschrieben: 7. Mai 2021 12:47 ich glaube die Hälfte aller unvoreingenommenen Zuschauer (also Fans die schon drüber diskutiert haben ausgenommen) würden das gar nicht merken bzw. nicht auf Anhieb als Augenzwinkern interpretieren.
... ganz anders in NSNA. Die Szene ist mir zu deutlich, durchbricht die vierte Wand viel stärker und ist völlig losgelöst von Rest des Filmes.

Ich nehme an, dass Hille genau konträr zu meiner Meinung steht.

Btw.: OHMSS und LTK liegen gerade vorne.

Re: Filmbesprechung: "The Living Daylights (TLD)"

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Henrik hat geschrieben: 17. Mai 2021 18:18
GoldenProjectile hat geschrieben: 7. Mai 2021 12:47
Casino Hille hat geschrieben: 7. Mai 2021 11:16 Neben der Kneipenkeilerei à la Spencer/Hill wäre noch der berüchtigte Zwinkerfisch zu nennen
ich glaube die Hälfte aller unvoreingenommenen Zuschauer (also Fans die schon drüber diskutiert haben ausgenommen) würden das gar nicht merken bzw. nicht auf Anhieb als Augenzwinkern interpretieren.
Das sehe ich auch so. Früher ist mir das tatsächlich auch nicht aufgefallen, wohl erst, nachdem darüber schon hier diskutiert wurde.
Bügelt ihr alle beim Filmegucken? :mrgreen: Dieser Moment passiert nicht im Hintergrund, er passiert nicht nebenbei, er wird frontal von der Kamera ins Bild genommen und ist das abschließende ironische Bild eures "Lieblingsbonds". Wenn euch das erst auffällt, nach dem ihr darauf hingewiesen wurdet, muss ich ernsthaft hinterfragen, ob ihr den Film eigentlich richtig angeschaut habt. :wink: Vielleicht erklärt das ja die Begeisterung für LTK …
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Re: Filmbesprechung: "The Living Daylights (TLD)"

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Ich habe die ganze Zeit überlegt, woran mich die Diskussion gerade erinnert. jetzt ist es mir wieder eingefallen.

Die Entschärfung der Atombombe, ähh, sorry, des "Atomgerätes" in GF. Früher habe ich auch nicht so wirklich realisiert, dass der Coutdown bei "007" stehen bleibt. Klar, ich habe es schon gelesen. 007, was soll mir das sagen? Noch 7 Sekunden bis zu Explosion. Das ist eben eine dreistellige Zahl, genau wie 008, 056, 385 etc.

cron