Welches ist der beste Film von Peter Jackson?

Bad Taste (Keine Stimmen)
Meet the Feebles (Keine Stimmen)
Braindead
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (17%)
Heavenly Creatures (Keine Stimmen)
Forgotten Silver (Keine Stimmen)
The Frighteners – Herr der Geister (Keine Stimmen)
Der Herr der Ringe: Die Gefährten
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (17%)
Der Herr der Ringe: Die zwei Türme
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (17%)
Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (17%)
King Kong (Keine Stimmen)
In meinem Himmel (Keine Stimmen)
Der Hobbit: Eine unerwartete Reise (Keine Stimmen)
Der Hobbit: Smaugs Einöde (Keine Stimmen)
Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere (Keine Stimmen)
They Shall Not Grow Old
Insgesamt abgegebene Stimmen: 2 (33%)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 6

Re: The Lord of the Ring – Die Filme des Peter Jackson

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AnatolGogol hat geschrieben: 26. Mai 2021 07:35 Ich glaub Jackson ist tatsächlich der Regisseur, bei dem ich die allgemeine und in großen Teilen auch kritische Glorifizierung am wenigsten nachvollziehen kann. Tatsächlich halte ich ihn für ziemlich untalentiert - aber was weiss ich schon. :D
Ich hätte mich vor 2 Tagen über solche Sätze noch gewundert, aber habe auch nur seine LotR, Hobbit und Kong Filme gesehen, und jeweils nur einmal – und hatte da das meiste in positiver Erinnerung. Jetzt aber, einige Jahre reifer und zig Filme oben drauf gepackt, muss ich dir vermutlich zustimmen. Ich war einigermaßen schockiert, als ich "Der Herr der Ringe: Die Gefährten" gestern eingelegt habe und schon in den ersten zehn Minuten viele Aufnahmen drin sind, die merkwürdig planlos aussehen. Es gibt da ganz früh eine Szene, in der Isildur (so ein Rittersjunge, der den Ring spazieren trägt) durch den Wald reitet, und von Orks attackiert wird. Da wechselt die visuelle Ästhetik plötzlich für wenige Sekunden in eine "Videokamera"-Optik à la "Law & Order". Ganz skurril und ich habe keine Ahnung, warum Jackson an der Stelle so filmt. Ungefähr im Video bei 4:15 starten, um den Effekt zu erkennen:



Hinzu kamen unzählige Szenen, die schlicht unfreiwillig komisch aussehen und in denen Jackson seine Trash-Kinowurzeln nicht verleugnen kann. Relativ mittig im Film fällt Frodo in eine Art Koma, und erwacht kurz darauf in der Elbenstadt Bruchtal. Von dem Moment an, als er ohnmächtig wird, befindet er sich allerdings plötzlich in einem der miesesten 90er Jahre Musikvideos, die je auf MTV ausgestrahlt wurden: Maximale Lacher gibt es ab 4:26 zu sehen:



Und seine Actioninszenierung fand ich gestern größtenteils so bedeutend schwach, dass ich mir sicher bin, jeder einzelne Bondfilm hat locker deutlich bessere Fights zu bieten. Wie können sich "Lord of the Rings"-Fans über QOS oder Bourne aufregen, wenn die vielen Kampfszenen mit Schwertern und Messer hier dermaßen katastrophal geschnitten sind. Kein Gefühl für Pacing, kein Gespür für Szenengeographie. Jeder haut irgendwo hin, und irgendwann zeigt dann eine Totale, dass der Kampf gewonnen wurde. Besonders peinlich: Ein Kampf der Magier zwischen Gandalf und Saruman, der damit beginnt, dass Gandalf viermal vor eine sich schließende Tür rennt, während Christopher Lee im Hintergrund seine Augen verdreht wie ein Cartoon-Schurke aus "Scooby Doo". 2:43 macht euch glücklich. Und ab 3:50 sieht man gut, was ich meine: In wenigen Sekunden wird mehrfach auf komplett neue Perspektiven geschnitten, teils dreht sich das Bild dabei um fast 180 Grad. Sehr seltsam, die Mise-en-scene so zu gestalten:



Warum ausgerechnet diese Filme teilweise in eine Ecke mit David Lean oder Akira Kurosawa gestellt werden, erschließt sich mir gar nicht. Bzw. wenn, dann im Ausmaß der Produktion, in der herauf beschworenen Epik der Bilder. Ich denke aber, genau hier scheitern die Filme enorm. Die Kinematographie ist an vielen Stellen sehr grob und roh, der Schnitt ebenfalls von bestürzender Planlosigkeit. Jede Sensibilität lässt Jackson vermissen. Der Großteil seines ersten "Der Herr der Ringe"-Films pendelt zwischen Nahaufnahmen und weiten Landschaftsaufnahmen, ohne große Variationen. Sicherlich ist das auf praktische Zwänge zurückzuführen, da man teilweise eben großzügig mit Spezialeffekten arbeitete, aber für mich sieht es letztlich unkreativ aus – und sehr repetitiv. All das erinnert mich an die handwerklich teils miserablen Superheldenfilme von Marvel (insbesondere von den Russo Brüdern), die zu 95 Prozent vor Greenscreen gedreht werden und dementsprechend fast in jeder Einstellung die austauschbaren Hintergründe unscharf verschwimmen lassen, um die Technik zu verschleiern – eine wahnsinnig nervige Vorgehensweise, die nahezu jede Szene auch noch so bestürzend langweilig aussehen lässt.

Im LotR-Making-Of erzählt Jackson übrigens auch, dass seine Vorgehensweise war, mit vielen Kameras gleichzeitig zu drehen, so viele Blickwinkel wie möglich zu bekommen und alles an Material später im Schneideraum zusammenzusetzen. Genau deshalb sind die Actionszenen wohl so chaotisch, weil in vielen Szenen von einem drastisch anderen Blickwinkel zu einem anderen geschnitten wird, ohne echte Not, um das gefilmte Material möglich vollständig zu nutzen. Ein letztes Mal, weil es irgendwie Spaß bringt: Ab 2:41 finden sich so manche Schnitte, die verboten gehören.



Jedenfalls war es so gestern ein wahnsinnig ernüchterndes Erlebnis für mich. Manche Erinnerungen sollte man wohl einfach so lassen, wie sie sind. Aber während ich vor "Die Gefährten" noch motiviert war, alle Mittelerde-Filme endlich ein zweites Mal zu sehen, ist mir jetzt eigentlich jede Lust vergangen. Erstaunlich, wie sich die Wahrnehmung ändern kann.
Prejudice always obscures the truth.

Re: The Lord of the Ring – Die Filme des Peter Jackson

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Da hat du dir ja richtig Mühe gemacht mit den drögen Schhinken. :)

Aber im Ernst, das jetzt so mal aufgedröselt zu sehen ist tatsächlich sehr erhellend und sehr schockierend. Hab die lange nicht mehr gesehen und es handwerklich nicht so übel in Erinnerung gehabt. Also ja, Maibaum, die sind auch handwerklich schlecht. Beim Hobbit war mir das noch bewusst gewesen, aber TLOTR ist nicht besser. Die Kampfszenen sind ein Schnittdesaster.
http://www.vodkasreviews.de

https://ssl.ofdb.de/view.php?page=poste ... Kat=Review

Re: The Lord of the Ring – Die Filme des Peter Jackson

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Auch mal von mir noch ein Wort zum Thema "Handwerk". Gerade in Bezug auf Jackson selbst finde ich seine Film handwerklich mindestens unterdurchschnittlich, zumeist aber sogar noch deutlich schlechter. Wenn ich bei einem Regisseur von Handwerk spreche, dann denke ich vor allem an zwei Kernkompetenzen, die ich damit verbinde: zum einen sollte ein Regisseur in der Lage sein seinen Film visuell interessant zu gestalten und nach Möglichkeit gleichzeitig visuelle Stilmittel auch dramaturgisch bzw. figürlich zweckdienlich einzusetzen. Letzteres mag nicht immer absolut notwendig (oder möglich) sein, bereichert einen Film aber wie ich finde zusätzlich. Die zweite Kernkompetenz ist die Kontrolle von dem, was ich blumig in meinen Reviews gerne als dramturgischen Fluss bezeichne. Ich erwarte von einem Regissseur, dass seine Inszenierung keinen (oder zumindest keinen größeren) Hänger zulässt, dass der Film sich flüssig und/oder dynamisch bewegt, dass die Führung des Regisseurs (eben die Inszenierung) den Zuschauer packt und an Geschichte und Figuren bindet. Das ist in meinen Augen der Kern des Handwerks eines Regisseurs. Und diesbezüglich muss ich Jackson ein ganz mieses Zeugnis ausstellen, denn eigentlich versagt er auf diesen Gebieten bei nahezu all seinen Filmen sehr deutlich. Deshalb auch mein Verweis auf fehlendes Talent, denn das ist für einen derart renommierten Regisseur schon ungewöhnlich, will sagen mir fällt spontan kein anderer Regisseur mit solch einem Ruf ein, bei dem ich diese (handwerklichen) Defizite durchgängig wahrnehme.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: The Lord of the Ring – Die Filme des Peter Jackson

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AnatolGogol hat geschrieben: 26. Mai 2021 13:14 Die zweite Kernkompetenz ist die Kontrolle von dem, was ich blumig in meinen Reviews gerne als dramturgischen Fluss bezeichne. Ich erwarte von einem Regissseur, dass seine Inszenierung keinen (oder zumindest keinen größeren) Hänger zulässt, dass der Film sich flüssig und/oder dynamisch bewegt
Zu diesem Aspekt der handwerklichen Regie-Qualität habe ich mich jetzt bewusst nicht groß geäußert, da ich die Filme nur in einer Blu-ray-Box besitze, welche die Extended Editions aufweist, welche die Filme teils um 45 Minuten zusätzliche Szenen ergänzen. Und es wäre vielleicht etwas unfair, Jackson bei diesen Versionen Pacing-Probleme zu unterstellen, wenn diese Versionen doch nur ein Bonmot für die Fans seiner Filme sind, also für die Zuschauer, die die Originalfassungen schon mochten und davon nicht genug bekommen konnten. Hier bin ich (zumindest bei den mir zur Verfügung stehenden Versionen) bereit, ein Auge zuzudrücken. Aber die teils schlampige, mangelhafte Mise-en-scene, die einfallslose (verwirrende) Action, die sind nicht zu entschuldigen. Beim ersten Mal sehen habe ich mich wohl aus verschiedenen Gründen vom "Spektakel" einlullen lassen, aber das funktionierte bei mir gestern nicht mehr, dafür ist da zu viel bestürzend schlechter Kram drin, und auch das Spektakel ist gar nicht so spektakulär wie in meiner Erinnerung. Weit weg von vielen anderen Filmen, die ich eher mit Spektakel assoziieren würde.

vodkamartini hat geschrieben: 26. Mai 2021 12:51 Da hat du dir ja richtig Mühe gemacht mit den drögen Schhinken. :)

Aber im Ernst, das jetzt so mal aufgedröselt zu sehen ist tatsächlich sehr erhellend und sehr schockierend. Hab die lange nicht mehr gesehen und es handwerklich nicht so übel in Erinnerung gehabt. Also ja, Maibaum, die sind auch handwerklich schlecht. Beim Hobbit war mir das noch bewusst gewesen, aber TLOTR ist nicht besser. Die Kampfszenen sind ein Schnittdesaster.
Ja, war jetzt schon etwas aufwendig, und ich habe nur an der Oberfläche gekratzt, und könnte noch mit zahlreichen Beispielen weitermachen. Mir war es nur wichtig, meinen Punkt mit ein paar konkreten Bild-Beispielen zu untermauern, damit man nicht nur abstrakt aus der Erinnerung heraus argumentiert, sondern ein wenig Anschauungsmaterial zum 'Abarbeiten' hat. Gerade weil die Filme so geliebt werden, wollte ich möglichst genau meine Probleme erklären (da ich mich erinnern kann, wie schwierig es vor einigen Jahren war, meine Ablehnung des ersten "Jurassic Park"-Films zu veranschaulichen, ohne ihn mit euch zusammen anzusehen). Dass ich hier jetzt beim Ringherren einstimmig auf Zustimmung stoße, habe ich eher nicht geahnt. :mrgreen:
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Re: The Lord of the Ring – Die Filme des Peter Jackson

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Völlig zufällig in diesen thread gestolpert und muss Hilles Analyse zu 100% widersprechen - auch weil ihr euch sonst alle zu einig seid :-)
Ich würde dir wirklich bei keiner deiner Beobachtungen Recht geben und könnte das alles sehr leicht "widerlegen" bzw. eine andere Sicht bieten. Ich weiß gar nicht ein mal was ich von Jackson halten soll, aber deine Meinungen sind zumindest für mich nich nachzuvollziehen.

Ganz kurz:
Überfall auf Isildur: Die Videooptik wie aus einer heimlichen Beobachter Perspektive soll natürlich im klaren Kontrast zum großen Kampf zuvor stehen. Hier die große, organisierte Schlacht bei der alle Völker noch im Guten vereint sind, dort dann der tückische Angriff aus dem Hinterhalt der zum Verrat führt.

Kampf der Zauberer:
Fand ich inszenatorisch immer herausragend gerade weil durch die schnellen Schnitte und Perspektiven Veränderung das Magische dieses Kampfes so brilliant betont wird. Man hat das Gefühl als Normalsterlicher gar nicht "fassen" zu können was da passiert


Ehrlich, ich werde nie verstehen wie gerade Hille sich so dermaßen an den inszenatorischen Eskapaden von manchen Regisseuren aufgeilen kann (zB Tarantino, mehr noch RItchie), aber dann das Haar in der Suppe sucht wenn ein Jackson wie hier ähnliche Methoden verwendet - die zumindest aus meiner Sicht alle für sich sogar noch viel gerechtfertigter erscheinen.

Allgemein finde ich es immer irre vermessen, einem Regisseur jedes Können abzusprechen, der eben mit genau diesem Werk nachweislich etwas Einmaliges geschaffen hat was den Erfolg beim Publikum angeht - von der Überwindung der schlichten Unmöglichkeit diese Bücher umzusetzen ganz zu Schweigen. Herr der Ringe ist ein Meisterwerk des Kinos weil der FIlm genau so ist wie er sein musste um 100 Mio Menschen weltweit in eine Fantasywelt zu entführen
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: The Lord of the Ring – Die Filme des Peter Jackson

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Bis auf den Satz, ich würde mich an irgendwas aufgeilen (was ich wohl kaum an der Art Filme tue, die hier im Forum besprochen werden), vielen Dank für deine Gegenmeinung, Daniel! Deine Kontra-Argumente finde ich durchaus schlüssig, bin aber trotzdem nicht so ganz glücklich mit diesen "Erklärungen". Ein Beispiel: Die Inszenierung des Zaubererkampfes erklärst du mit dem gewollten Gefühl der Fassungslosigkeit, der Überforderung des Zuschauers angesichts des magischen Ursprungs der Kontrahenten. Aber warum sind dann spätere Kampfszenen in der ganzen Trilogie genauso inszeniert? Die letzte große Actionszene in "Die Gefährten" ist voll von krassen Perspektivwechseln im Schnitt, genauso die Schlacht von Helms Klamm in "Die zwei Türme". Sollen die Szenen alle ein Gefühl der Überforderung erzeugen? Möglich. Oder es hat doch etwas damit zu tun, was Jackson im Audiokommentar erzählt: Dass es für viele Szenen keine vollständigen Storyboards gab, man alles aus dutzenden Winkeln filmte und die Szenen erst im Schneideraum irgendwie zusammensetzte. Die Wahrheit werden wir wohl leider nicht finden.

Ich finde es auch schade, dass alle drei Filme bei mir nicht (mehr) so richtig gezündet haben, ich vieles als falsch und schlecht empfand. "Die zwei Türme" hat teils ganz gruselige Dialoge, und die Gandalf-Figur ist ein dermaßen unsympathisches A-Loch, er hätte mal lieber tot bleiben sollen. Du hast natürlich völlig recht: Offensichtlich hat Jackson bei sehr vielen Menschen den richtigen Ton getroffen, wenn man den Erfolg an den Kinokassen und die fast schon absurde Menge an Auszeichnungen bedenkt. Die drei Filme haben die richtigen Knöpfe gedrückt, und sich deshalb auch zurecht in die Popkultur eingegangen. Allein mir hilft all das nix, wenn es bei mir nicht zündet.

Btw: "Überwindung der schlichten Unmöglichkeit diese Bücher umzusetzen" – Öhm, "Der Herr der Ringe" wurde in den 1970ern schon als Zeichentrickfilm adaptiert, gar nicht mal so schlecht, möchte ich hinzufügen. Und gerade unter Tolkien-Fans gelten Jackson's Trilogien als arg umstritten, teils wird ihm vorgeworfen, den Kern der Romane nicht verstanden zu haben. Muss man nicht so sehen, aber ich denke nicht, dass es wirklich unmöglich war, "Der Herr der Ringe" zu verfilmen – noch das sich einfach so feststellen lässt, dass Jackson es im Geiste der Romane geschafft hat.
Prejudice always obscures the truth.