Re: Senses of Wonder – Die Filme des Steven Spielberg

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vodkamartini hat geschrieben: 14. Mai 2021 12:02 Ich sehe auch Star Wars als den eigentlichen Blockbuster-"Gründer". Dennoch ist das Merchandising und das "um den Block vor den Kinos anstehen" bereits bei Jaws ein Fakt. Generell kann man aber sagen, dass das Gespann Lucas-Spielberg zu Recht als die "Gründerväter" des modernen Blockbusterkinos in die Filmgeschichte eingehen werden, was durch die gemeinsame Indy-Geschichte noch veredelt wird.
Ich glaube das ist auch so ein Kino-Mythos der nicht wirklich stimmt, also daß Jaws die Geburt des Blockbuster Kinos gewesen sei.

Der Begriff Blockbuster wurde schon in den 50ern für megateure Filmhits verwendet, und auch in Hinsicht der massiven Werbekampagnen bezweifle ich, daß da etwas neues gemacht wurde. Der Aufwand den MGM für seine Monsterproduktionen Vom Winde verweht, Ben Hur oder Cleopatra betrieben hatte, wird kaum hinter dem von Jaws zurückgestanden haben, eher im Gegenteil.

Soweit ich mich erinnere war das Neue bei Jaws, bzw ich denke daß Jaws in der Hinsicht der erste Film war, nicht eine andere Art von Kommerzfilm oder eine neue Art von Vermarktung, sondern lediglich daß Jaws nicht mehr, wie damals üblich, mit einer überschaubaren Anzahl von Kopien in die Kinos kam, sondern mit soviel Kopien gestartet wurde, daß er fast überall im Lande gleichzeitig anlief. Zuvor wurden auch die Erfolgsfilme zuerst nur in die großen Uraufführungskinos gebracht, und wenn sie dort durch waren an die kleineren Kinos weitergereicht, so daß sie auf dem flachen Lande erst Wochen oder gar Monate später liefen.
Die Idee war, daß man dann zwar deutliche Mehrausgaben für die zusätzlichen Kopien hatte, aber das sollte dadurch aufgefangen werden, daß teure starbesetzte Filme die nicht gut ankamen, durch den gleichzeitigen Start schon einen gewissen Teil ihres Budgets wieder einspielen konnten, also das sich viele so einen Film schon angesehen hatten bevor sich eine negative Mundpropaganda auswirken konnte. Keine Ahnung ob letzteres funktioniert hatte, aber seitdem laufen die Filme fast überall gleichzeitig an.

Re: Senses of Wonder – Die Filme des Steven Spielberg

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Ich gebe dir in vielem recht. Ich denke aber, man muss hier zwei Begrifflichkeiten unterscheiden. "Blockbuster" als sehr erfolgreicher Film (bei dem die Leute um mehrere Blocks für Karten anstehen) und "Blockbuster" als Genreterm (also als Definition, Matrix etc. für eine wenn du so willst Event-Film-Gattung). Ersterer, da hast du völlig recht, ist schon vergleichsweise alt und ist meines Wissens für Filme (vorher war es ein Kriegsbegriff) erstmals sogar schon in den 1940er Jahren aufgetaucht. Er wurde da aber nicht dermaßen breit und als wesentlicher Teil der Promotion-Strategie verwendet wie heute. In den 50er Jahren änderte sich das dann und hochbudegetierte Mainstreamfilme, v.a. die Monumentalschinken (wie z.B. Ben Hur, Quo Vadis) wurden bereits so bezeichnet.

Ich sehe aber mit von mir aus JAWS, auf jeden Fall aber mit Star Wars dann schon noch eine neue Dimension, zumindest in der Form, wie man heute das Blockbusterkino definiert. Natürlich gibt es Parallelen zu den 50er Schinken bezüglich Staraufkommen, Budget etc. Aber die inzwischen den eigentlichen Film sowohl von der Aufmerksamkeit wie auch den Gewinnaussichten durch Merchandising her fast schon überholende Dimension ist eine andere Kategorie.

Vielleicht sollten wir korrekter von verschiedenen Blockbuster-Ären sprechen und die Lucas/Spielberg-Ära ist die des modernen Blockbustekinos (den Begriff hatte ich aber auch bei dem obigen Post schon verwendet), so wie es auch aktuell noch verstanden, rezipiert und analysiert wird.
http://www.vodkasreviews.de

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Ein Hai kommt selten allein

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Der weiße Hai 2

Ironie der Filmgeschichte: Im meisterhaften Tierhorrorfilm „Der weiße Hai“ von Steven Spielberg lauert das titelgebende Ungetüm vor den Küsten der kleinen Inselstadt Amity und frisst badende Insulaner. Obwohl der ortsansässige Polizeichef Martin Brody vor dem Hai warnt, stößt er beim Bürgermeister Larry Vaughn auf taube Ohren. Das Wochenende um den Unabhängigkeitstag am 4. Juli steht an. Tausende Urlauber werden auf der Insel erwartet. Der Bürgermeister fürchtet bei einer Panik um einen Ausfall der Badesaison und erhebliche finanzielle Einbußen. Ökonomische Bedenken, die sich, hier liegt die Ironie, in der Realität bewahrheiteten: Spielbergs brillanter Blockbuster beeindruckte seine Zuschauer so nachhaltig, dass sich 1975 überall in den USA ein drastischer Rückgang der Strandurlauber verzeichnen ließ. Viele Touristen gaben an, sich beim Gang ins Meer unwohl zu fühlen.

Der Erfolg von „Der weiße Hai“ war so immens, dass Universal Studios gar nicht anders konnte, als eine Fortsetzung zu planen – obwohl der Hai im Grande Finale des ersten Films überdramatisch explodierte. Der französische Filmemacher Jeannot Szwarc übernahm die unrühmliche Aufgabe, einen neuen weißen Hai auf Amity und das Kinopublikum loszulassen – in der Hoffnung, dieselbe ängstigende Wirkung wie einst Spielberg auszulösen. So spielte schon das Plakat zum Film mit der Antizipation eines neuen Schockeffekts, dort stand der später legendär gewordene Werbespruch: „Gerade als Sie dachten, es sei sicher, wieder ins Wasser zu gehen …“

Einen großen Teil seiner filmischen Qualität und seiner suggestiven Kraft verdankte „Der weiße Hai“ dem begnadeten Steven Spielberg. Der aber sagte schon im Oktober 1975 auf dem ‚San Fransisco Film Festival‘: „Fortsetzungen sind nichts weiter als billige Schaustellertricks.“ An einem zweiten Teil hatte er folglich nur wenig Interesse. Gefallen fand er bloß an der Idee, die Vorgeschichte des Seebären Quint auf der USS Indianapolis im Zweiten Weltkrieg zu adaptieren, von der dieser in einem berüchtigten Monolog im Originalfilm erzählte. Doch als Spielberg sich vertraglich an sein Sci-Fi-Projekt „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ band, wollten die Produzenten nicht länger auf ihn warten. Nachdem der vom Studio gewünschte Regisseur John D. Hancock kurz nach Beginn der Dreharbeiten wegen kreativer Differenzen entlassen und das Skript heftig umgeschrieben wurde, kam schließlich Szwarc zum Zug.

Sein „Der weiße Hai 2“ ist weniger eine Fortschreibung der originalen Geschichte als mehr ihre Wiederholung: Erneut greift ein weißer Hai die Badegäste an den Stränden von Amity an, erneut ist Chief Brody der Einzige, der die Gefahr erkennt. Und erneut will Bürgermeister Vaughn mit Blick auf die Wirtschaft davon nichts hören. Doch das Sequel bietet reizvolle Variationen, macht sich die Vorgeschichte der Brody-Figur zu Nutze: Rasch wird deutlich, wie sehr die Ereignisse auf dem untergangenen Fischerboot ‚Orca‘, das zu Beginn der Fortsetzung einen Gastauftritt hat, ihn geprägt und traumatisiert haben. Allein der Gedanke, ein neuer Hai könnte sein Unwesen treiben, verstört ihn. Eine Meeresbiologin fragt er, ob Haie miteinander kommunizieren – so als glaube er, der neue Hai sei von seinem Vorgänger gerufen worden, um Rache für den Tod des Artgenossen zu nehmen.

Roy Scheider kehrte als Brody gegen seinen Willen zurück. Als er kurz vor Drehbeginn bei einem anderen Universal-Film, dem Vietnamkriegsdrama „Die durch die Hölle gehen“ absprang, hatte er vertraglich keine andere Wahl, als die Fortsetzung zu absolvieren. Vielleicht tröstete es ihn, dass auch „Der weiße Hai 2“ den Vietnamkrieg reflektiert: Brody ist nicht mehr und nicht weniger als ein paranoider Veteran, der von seinen Kriegserinnerungen eingeholt wird, der weiter gegen den unsichtbaren Feind kämpft. Neurotisch präpariert er seine Revolverkugeln mit Zyanid. Als er am Strand einen Schwarm Blaufische für den Schatten eines Hais hält, ballert er wüst in den Ozean. Scheider liefert großartiges Schauspiel ab, soll mit Regisseur Szwarc aber erhebliche Probleme gehabt haben. Ihm missfiel dessen Arbeit so sehr, dass er in seinem Hotelzimmer randalierte, in der Hoffnung, aus der Produktion geschmissen zu werden.

Im Originalfilm war die Jagd nach dem Hai für Brody eine Initiation. Als wasserscheuer Städter entschied er sich zum Duell auf hoher See, bewies sich damit als fähiger Inselbewohner. Drei Jahre später ist sein Antrieb ein anderer: Seine beiden Söhne segeln mittlerweile selbst aufs Meer hinaus. Gemeinsam mit einer Schar anderer Jugendlicher werden sie vom Hai attackiert. Hier nimmt „Der weiße Hai 2“ die Grundzüge des Splatter-Kinos vorweg, das in den 1980ern durch Filmreihen wie „Freitag der 13.“ oder „Nightmare on Elm Street“ dominiert wurde. Stereotypen wie die Jungfrau in Nöten, den Sonderling oder den Sportler finden sich vor, und Jungdarstellerin Donna Wilkes versucht sich als Schrei-Königin.

Echte charakterliche Tiefe weiß das Drehbuch von Carl Gottlieb und Howard Sackler den Heranwachsenden nicht zu verleihen, sie dienen nur dazu, entweder gefressen oder errettet zu werden. Blass bleiben daher auch die jungen Schauspieler, die allenfalls durch ihren körperlichen Einsatz überzeugen, da sie nahezu sämtliche Segelszenen selbst ausführen, unter abenteuerlichen Bedingungen. Auf hoher See war es dermaßen kalt, dass alle Akteure vor jeder neuen Aufnahme Eiswürfel lutschen mussten, um den kondensierenden Atem zu vermeiden.

Bei den Dreharbeiten kamen noch weitere Probleme auf: Murray Hamilton, abermalig als Bürgermeister Vaughn zu sehen, verließ den Dreh frühzeitig, als seine Frau an Krebs erkrankte. Die Jungdarsteller wiederum wurden einmal bei den Aufnahmen für die Segelszenen von einem echten Hammerhai umkreist, hyperventilierten vor Angst. Die Produktionsmitglieder bemerkten das Tier nicht, sie hielten die Schreie für gutes Schauspiel, drehten in Seelenruhe weiter. Einige der Aufnahmen landeten sogar im Film. Cable Junction, die felsige Insel, auf der sich eine elektrische Relaisstation befindet, und die extra für das Finale aus Plastik und Glasfasermaterial gebaut wurde, löste sich eines Tages aus ihrer Verankerung und schwamm davon – das Produktionsteam konnte Szwarc nur noch darüber informieren, dass seine Kulisse „auf dem Weg nach Kuba“ sei. Zum Glück fing man sie rechtzeitig wieder ein.

Mit den Hai-Effekten lief es dafür problemlos: Sorgte ‚Bruce‘, die mechatronische Hai-Attrappe des Spielberg-Films, durch sein unechtes Äußeres für einige Hürden, ist die neue Apparatur, vom Team ‚Bruce II‘ getauft, seinem Vorgängermodell technisch deutlich überlegen. All seine Auftritte bestechen durch überwältigende Schauwerte. Die Jagd auf eine Wasserskifahrerin und ihr Boot, welches in Folge einer Kettenreaktion in einem großen Feuerball explodiert, ist ein Höhepunkt des Blockbusters, ebenso sein blitzartiger Angriff auf einen unbedarften Taucher. Mehrfach kündigt ‚Bruce II‘ sich durch seine Haifischflosse an, die aus dem Meer hinausragt – ein ikonographisches Bild, das ins kollektive Gedächtnis einging.

Mit der Glaubwürdigkeit hapert es in den knapp zwei Stunden dafür gelegentlich: Als der Hai einmal in seiner Zerstörungswut einen Hubschrauber angreift und unter Wasser zieht, ist das zwar tricktechnisch beachtlich, aber deutlich zu brachial. Hanebüchen gerät vor allem die Unbeholfenheit der halbwüchsigen Segler, die erst ihre Katamarane versehentlich ineinander rammen und zusätzlich bei jeder erdenklichen Gelegenheit über Bord fallen, um von ihren Leidensgenossen wieder in Sicherheit gezogen oder vom Raubtier gefressen zu werden. Sie hätten wohl ein größeres Boot gebraucht.

Dennoch gelingen Szwarc effektive Szenen des Unwohlseins: Wenn etwa beim Parasailing ein Pilot im Wasser verharrt, während der Hai sich ihm von unten nähert, ist das minutiös ausgetüftelt. Auch das große Finale, in dem Brody in einem Schlauchboot allein gegen das Biest antritt, ist mit beträchtlichem Aufwand durchaus eindrucksvoll inszeniert. Als Meister der Anspannung meldete sich zusätzlich Komponist John Williams zurück. Seine Filmmusik ist sensationell und von enormer Bandbreite, vielleicht noch großartiger als beim Vorwerk: Das berüchtigte Leitmotiv aus nur zwei Tönen arrangiert er als orchestralen Walkürenritt, zum Kontrast laufen mitreißende, mysteriöse oder gar beschwingt-sommerliche Melodien.

Dank aufmerksamkeitsheischenden Werbekampagnen mit Coca-Cola oder dem Süßwarenhersteller Topps avancierte „Der weiße Hai 2“ im Jahr 1978 zur bis dato erfolgreichsten Fortsetzung der Geschichte – trotz Produktionskosten von 30 Millionen US-Dollar. Über die Jahre erlangte er jedoch einen zweifelhaften Ruf: Die zwei weiteren Fortsetzungen in den 1980ern gingen dermaßen bei Kritik und Publikum baden, dass auch das erste Sequel schnell mit ihnen in einen Topf geworfen wurde, nur noch als Fußnote im Zusammenhang mit dem ersten Teil Erwähnung findet. Fair ist diese Sichtweise nicht: Szwarc bietet kompetentes Unterhaltungskino, das sich problemlos selbst über Wasser halten kann. Den großen Horror, die Angst und den Schrecken des ersten Films, erzielte er aber kein zweites Mal. Die Tourismus-Branche wird es gefreut haben: Die Badegäste ließen sich in diesem Jahr ihren Urlaub nicht verderben.
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Re: Ein Hai kommt selten allein

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Sehe ich praktisch 1:1 genau so. Jaws 2 mochte ich schon immer, mittlerweile aber sogar richtig gern. Ist einfach eine interessante und ideenreiche Variation und handwerklich absolut gekonnt. In einem Punkt würde ich aber dennoch Einspruch erheben...
Casino Hille hat geschrieben: 19. Mai 2021 19:18 Blass bleiben daher auch die jungen Schauspieler, die allenfalls durch ihren körperlichen Einsatz überzeugen, da sie nahezu sämtliche Segelszenen selbst ausführen, unter abenteuerlichen Bedingungen.
...denn davon explizit ausnehmen würde ich Keith Gordon, der eine erstaunlich charismatische und erinnerugswürde Darstellung seines linkisch-unbeholfenen Möchtergern-Angebers abgibt. Diese tolle Darstellung bestätigte er dann später mit weiteren guten Leistungen in De Palmas Dressed to Kill und Carpenters Christine. Schade, dass seine Schauspiel-Karriere danach nicht mehr so recht in Schwung blieb.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Senses of Wonder – Die Filme des Steven Spielberg

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AnatolGogol hat geschrieben: 19. Mai 2021 19:46
Casino Hille hat geschrieben: 19. Mai 2021 19:18 Blass bleiben daher auch die jungen Schauspieler
davon explizit ausnehmen würde ich Keith Gordon
Ja, Gordon sticht etwas heraus, aber insgesamt gibt auch seine Rolle nicht viel mehr her als die seiner Kollegen. Zu seinen weiteren Leistungen kann ich nicht viel sagen, habe leider beide von dir genannten Filme nicht gesehen. :)

An die Spielberg-Fans hier: Auf meiner Blu-ray von "Unheimliche Begegnung der dritten Art" finden sich drei Schnittfassungen. Ich soll wählen zwischen Kinofassung, Special Edition und Director's Cut – und habe gerade gar keine Ahnung, welche der drei Versionen ich bisher kannte. :mrgreen: Hat einer von euch da eine besondere Präferenz oder kann mir von irgendwas besonders abraten?
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Re: Senses of Wonder – Die Filme des Steven Spielberg

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@Hille
Die Special Edition von "Unheimliche Begegnung der dritten Art" ist nicht zu empfehlen, da sie als unlauterer Kompromiss gilt. Das Studio wollte ursprünglich eine Fortsetzung. Jedoch war der Film für Regisseur Spielberg inhaltlich abgeschlossen. Das Raumschiffsinnere nachträglich aufbereitet zu zeigen ist für den Film in keinster Weise ein Zugewinn wobei das Setdesign auch nicht im Geringsten überzeugen kann.
Ähnliches fand bekanntlich auch mit E.T. statt wobei die Neuerungen 20 Jahre später auch nur als Verschlimmbesserung wahrgenommen werden.

Der Director's Cut von "Unheimliche Begegnung der dritten Art" geht in Ordnung, da er soundtechnisch der Zeit angepasst ist.


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Re: Senses of Wonder – Die Filme des Steven Spielberg

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Ich habe mir mal per Schnittberichte die Unterschiede durchgelesen. Die Version, die ich kannte, ist definitiv die Kinofassung gewesen, diese lange Szene mit einem Schiff mitten in der Wüste Gobi habe ich nie zuvor gesehen. Habe dann heute den Film auch in der Kinofassung erneut gesehen, und danach in den anderen beiden Fassungen zu den Szenen gespult, die dort hinzugefügt wurden. In beiden alternativen Schnittversionen hat Spielberg meiner Ansicht nach den unverzeihlichen Fehler gemacht, eine alternative Einführung von Richard Dreyfuss zu benutzen. Im Original sieht man ihn seine Miniaturzüge beobachten, dazu spielt eine Pinocchio-Spieluhr "When You Wish Upon A Star" aus dem 1940er-Disneyfilm. In der Special Edition und im Director's Cut hingegen spielt er gemeinsam mit seinem Sohn mit den Zügen und schlägt später vor, die Familie könnte ja gemeinsam im Kino "Pinocchio" ansehen. Die alternative Szene funktioniert nicht für mich. Sie ist einerseits zu lang, zu dialoglastig als Einführung für die Dreyfuss-Figur, andererseits fehlt die Musikuntermalung von "When You Wish Upon A Star", die ich aber atmosphärisch für wichtig befinde, da Williams den ikonischen Song später wieder aufgreift.

Zum Film selbst vielleicht ein anderes Mal mehr, wenn ich etwas mehr Zeit habe, ausführlich zu werden.
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Re: Senses of Wonder – Die Filme des Steven Spielberg

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Kleiner Nachklapp. Spielberg war mit der Kinoversion nie so ganz zufrieden und brachte 1980 eine neue Fassung (Special Edition) in die Kinos, die er teilweise kürzte und teilweise verlängerte und sogar ganz neue Szenen drehen lies (z.B. zeigte er das Innere des Raumschiffs, auch die Gobi-Szene war neu). 1997 folgte dann der Director´s Cut, bei dem er wieder leichte Veränderungen vornahm, da das Publikum seinerzeit die Kinofassung bevorzugt hatte (die Raumschiffszenen flogen z.B. wieder raus, Gobi blieb drin).
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Re: Senses of Wonder – Die Filme des Steven Spielberg

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Tatsächlich halte ich die Special Edition für die beste Fassung des Films. Ich mag die zusätzlichen Szenen (Wüste, Innere des Raumschiffs) und finde die entfernten Szenen eher aufhaltend (Neary auf der Arbeit, die Pressekonferenz, Apollo Creed). Vor allem bevorzuge ich den Zusammenbruch unter der Dusche gegenüber Nearys Durchdrehen im Garten. Das sind alles zwar keine riesigen Unterschiede, aber insgesamt empfinde ich die SE als runder gegenüber der Kinofassung. Den DC finde ich überladen und teilweise inhaltlich redundant (beide Durchdreh-Szenen mögen inhaltlich gerechtfertig sein als eine Art Steigerung, sie bremsen den Film aber aus und geben dem Zuschauer keine zusätzlichen Informationen, die er nicht auch durch nur eine der beiden Szenen bekommt).
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Re: Senses of Wonder – Die Filme des Steven Spielberg

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Casino Hille hat geschrieben: 20. Juni 2021 23:28 Zum Film selbst vielleicht ein anderes Mal mehr, wenn ich etwas mehr Zeit habe, ausführlich zu werden.
auch ja! Habe ihn gestern auch wieder geschaut und würde mich da über einen Austausch freuen!
Casino Hille hat geschrieben: 20. Juni 2021 13:22 Ja, Gordon sticht etwas heraus, aber insgesamt gibt auch seine Rolle nicht viel mehr her als die seiner Kollegen. Zu seinen weiteren Leistungen kann ich nicht viel sagen, habe leider beide von dir genannten Filme nicht gesehen. :)
Dressed to kill unbedingt schauen! Wunderbare Hitch-meets-Giallo-Mixtur von De Palma in Hochform! Gordon hat da eine echte Hauptrolle und wirkt interessanterweise jünger als im Jaws-Sequel, obwohl 2 Jahre später entstanden. Christine kannst du überspringen, mittelmäßige Routine von dem sich da schon im Sinkflug befindenden Carpenter.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Senses of Wonder – Die Filme des Steven Spielberg

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Schön zu sehen, dass ich offenbar nicht der einzige bin, dem "Jaws 2" gefällt. Vielleicht nicht mehr so spannend wie Teil 1, aber die Atmosphäre gefällt mir hier auch noch gut und es ist sicherlich ein Plus, dass Roy Scheider noch dabei war, auch wenn er selbst wohl wenig Lust dazu hatte.
Schön auch, dass man hier noch von billigen Effekten verschont wird, im Gegensatz zu Teil 3 (Teil 4 habe ich noch nicht gesehen).

Ich bin aber zugegebenermassen erstaunt, dass hier nicht längst schon ein Remake, Reboot oder was auch immer gemacht wurde.
Das Risiko eines billigen CGI-Effektespektakel ist natürlich gross, aber es gäbe sicherlich auch den ein oder anderen Regisseur, der mit der Materie respektvoll umzugehen wüsste, Denis Villeneuve zum Beispiel.