Re: Zuletzt gesehener Film

9871
iHaveCNit: Wer wir sind und wer wir waren (2021) – William Nicholson – Tobis
Deutscher Kinostart: 29.07.2021
gesehen am 30.07.2021
Arthouse Kinos Frankfurt – Cinema Studio – Reihe 3, Sitz 1 – 20:15 Uhr


Klassisches Darstellerkino vor einer schönen Kulisse stand als nächstes auf meiner Liste. Irgendwann kurz vor der Schließung der Kinos letzten Oktober habe ich den Trailer zu „Wer wir sind und wer wir waren“ im Kino gesehen und seitdem auch ein wenig im Hinterkopf behalten. Nun in einem unglaublich vollgestopften Kinostartwochenende des 29.07.2021 war „Wer wir sind und wer wir waren“ einer der interessanten Filme, die ich mir angesehen habe.

Edward und Grace sind seit knapp 29 Jahren verheiratet und leben an der Südküste Englands im Örtchen „Seaford“. Während er als Geschichtslehrer in seiner Freizeit gerne damit beschäftigt ist, geschichtliche Wikipedia-Einträge auf Fehler zu prüfen, ist sie im Ruhestand und arbeitet an einer großen Anthologie mit Gedichten. Edward hat den Sohnemann Jamie aus London für ein Wochenende eingeladen. An diesem Wochenende offenbart er sowohl seinem Jamie als auch Grace, dass er sich in eine andere Frau verliebt ist und aus dem gemeinsamen Haus auszieht. Das führt zu Konflikten, die schon lange Zeit in der Ehe geschwelt haben.

William Nicholson, der Regisseur und Drehbuchautor, inszeniert hier das Ende einer 29-jährigen Ehe als poetisches und intensives Kammerspiel, dass sich nicht nur auf das Haus der Familie, sondern auch auf die malerische Kulisse des Örtchens Seaford an der Südküste Englands mit schönen Kalksandsteindünen, die auf der Kamera so großartig eingefangen worden sind, dass ich für die Zukunft sogar darüber nachdenke, einen entspannenden Urlaub vor Ort zu machen. Im Kern und Fokus des Films steht aber vor allem das sehr gut aufspielende Trio aus Annette Bening, Bill Nighy und Josh O´Connor, die den Film mit Leben füllen. Bei all den intensiven Dialogen über Eheprobleme, die auch mal bedeutungsschwanger mit Poesie und Lyrik unterfüttert und auch mal per Voice-Over unterlegt werden, wirkt der Film stellenweise zu gestelzt und will cleverer sein als er letztendlich wirkt. Des weiteren kommt es durchaus auch mal zu konstruierten Handlungselementen, die etwas forciert wirken – eben weil das zu einem Familiendrama vor dem Hintergrund einer Trennung gehören sollte. Trotz allem hat mir der Film gefallen.

„Wer wir sind und wer wir waren“ - My First Look –7/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

9872
iHaveCNit: Home (2021) – Franka Potente – Weltkino
Deutscher Kinostart: 29.07.2021
gesehen am 31.07.2021
Arthouse Kinos Frankfurt – Kleine Harmonie – Reihe 1, Sitz 9 – 20:15 Uhr


Ein weiterer kleiner und sehr feiner Film, der am aktuellen Kinostartwochenende startet ist das Langfilmdebüt der deutschen Schauspielerin Franka Potente. „Home“ ist ein sehr bodenständiges, warmherziges Drama geworden.

Marvin Hacks hat vor 17 Jahren in seinem Heimatort Newhall eine Frau ermordet und kommt nach eben diesen 17 Jahren aus der Haftstrafe entlassen wird und in seinen Heimatort zurückkehrt. Dort kümmert er sich nicht nur um seine unheilbar krebskranke Mutter – er muss sich den Dämonen seiner Vergangenheit stellen, da zwischen abgesessener Strafe und Genugtuung immer noch Welten liegen und ein paar Personen in seinem Heimatort die Tat nicht vergessen haben. Darunter die betroffene Familie, bei der er sich mit der jungen Delta annähert.

„Home“ ist ein Film, der mich rundum begeistert und emotional bekommen hat. Die Geschichte um Marvin Hacks ist eine sehr bodenständige, ruhige, unpathetische, warmherzige aber auch stellenweise sentimentale Geschichte geworden. Jake McLaughlin spielt hier Marvin Hacks mit einer sehr intensiven und feinfühligen Präsenz. Seine Mutter wird hier großartig von Kathy Bates gespielt. Eine weitere Rolle, die mir hier sehr gut gefallen hat war die von Aisling Franciosi gespielte Delta Flintow, die noch sehr jung war als die Tat passiert ist und sich dementsprechend langsam Marvin annähert. Der Film selbst bietet eine große Bandbreite an witzigen, ausgelassenen aber auch tragischen und traurigen Momenten. Gerade in seiner Thematik über das Vergeben und Vergessen reißt er ein interessantes Spannungsfeld an. Die Verurteilung einer Straftat und das Erfüllen des Strafmaßes ist das Eine, Genugtuung für die Betroffenen das Andere – und diesem Spannungsfeld begegnen auch wir als Gesellschaft immer wieder. Und hier reißt der Film natürlich auch noch das Thema an, was einem bestraften Beteiligten nach Absitzen der Strafe überhaupt noch bleibt außer sich zu entschuldigen und um Vergebung zu bitten. Insgesamt hat mir der Film wie bereits eingangs erwähnt gefallen und ist von meiner Seite aus ein kleiner, feiner Tipp, für den ich mich auch erst spontan entschieden – und die Entscheidung nicht bereut habe.

„Home“ - My First Look – 8/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

9873
Habe soeben spontan Polanskis Gott des Gemetzels geschaut und bin begeistert.
Einfach wunderbar wie hier unzählige verbale Trigger zu einem Diskussions-Crescendo führen, in dem sich ständig neue Konstellationen von temporären "Verbündeten" ergeben und nach und nach jeder anfangs so gefestigt erscheinende Charakter entblößt wird.
Schön fand ich zudem, wie man den Film wunderbar auch politisch sehen kann. Ich habe mir zwischendurch vorgestellt, ob nicht so auch eine Diskussion zwischen Anna Lena Baerbock, Putin, Bolsonaro und Trump ablaufen würde 😊

Schauspielerisch war ich hier von Waltz am meisten beeindruckt der unter Polanskis Regie mal ganz beherrscht agiert und kein bisschen chargiert (auch seine eigene Synchro ist sehr feinfühlig!). Jodie Foster fällt immer mal wieder durch overacting auf (aber das könnte auch eher ein Problem ihrer Synchro sein).
Sicher, die letzten zwanzig Minuten sind dann teils etwas übertrieben – aber ich glaube, so hätte Loriot das Thema auch enden lassen.
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Zuletzt gesehener Film

9874
Ich fand den okay, aber nicht viel mehr. Ich hatte direkt zuvor das Theaterskript gelesen und fand nicht, dass Polanski dem geschriebenen Text hier viel hinzufügen konnte. Und dass Waltz nicht chargiert ist auch in Relation zum Overacting der Damen Winslet und Foster zu sehen. :wink:

Da bevorzuge ich von Polanski aus der Zeit den Ghost Writer.
We'll always have Marburg

Re: Zuletzt gesehener Film

9875
GoldenProjectile hat geschrieben: 1. August 2021 21:10 Ich fand den okay, aber nicht viel mehr. Ich hatte direkt zuvor das Theaterskript gelesen und fand nicht, dass Polanski dem geschriebenen Text hier viel hinzufügen konnte. Und dass Waltz nicht chargiert ist auch in Relation zum Overacting der Damen Winslet und Foster zu sehen. :wink:

Da bevorzuge ich von Polanski aus der Zeit den Ghost Writer.
Nun ja, ich fand den Ghost Writer dann gar nicht so interessant.
Nein, Der Gott ist wunderbar. Man muss auch einem Theaterscript überhaupt nichts hinzufügen. Das sind ja viel oft die viel feiner ausgearbeiteren Bücher als die Kompromisse die am Ende sonst so verfilmt werden. Jeder Versuch ein Theaterstück für den Film "aufzumotzen" scheitert doch meistens.

Die ersten 50min sind brillant. Wie hier ein Wort das Andere gibt, jedes mal wenn die Situation entschäft zu sein scheint, eine Kleinigkeit wieder einen der Charaktere triggert, sich immer wieder neue Konstellationen bilden, das ist alles ganz wunderbar. Dann die vielen winzigen Details und Kleinigkeiten am Rande oder im Hintergrund des Bildes,... Dazu noch eine gerade JETZT hochaktuelle Diskussion um Gutmenschen und Woke-Gedöns. Ich habe mich köstlich amüsiert.
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Zuletzt gesehener Film

9876
Interessant, ich fand den Gott des Gemetzels gemessen an seinen Möglichkeiten doch ziemlich mißlungen. Auch auf eine negative Art theaterhaft. 5/10

Was ich vor Jahren mal hier im Forum schrieb:

Nichts war wirklich schlecht, aber auch nichts wirklich gut. Die Schauspieler blieben alle weit unter ihren Möglichkeiten, was aber auch daran lag, daß die Dialoge zu papiernen waren. Der erheiternde Tiefpunkt war als Jodie Foster versucht besoffen zu spielen. Wie sich die Gespräche und die Konfrontationen entwickeln, das ist häufig etwas arg einfallsarm. Das Ganze ist halt ein Messagestück, und es fehlt mir die Intensität und die Natürlichkeit die Filme von z.B. Mike Leigh, Ken Loach, John Cassavetes oder Eric Rohmer haben.

Re: Zuletzt gesehener Film

9877
Ich glaube, das ist ein Film, für den man auch ein wenig in der richtigen Stimmung sein muss. Das sind so Filme wo ich mich aufgrund der bekannten Ausgangskonstellation frage, wie sich daraus was für 70min entwickeln soll. Aber die Dialoge, die kleinen und großen Gemeinheiten, das Zusehen beim Auseinanderbrechen der Fassade die wir alle nun mal haben, das alles hat mir einen diebischen Spaß bereitet.
Aber da kann man auch niemanden "überzeugen". Entweder es gefällt einem oder nicht.

ja, das Ganze ist sehr theaterhaft und vor allem das Spiel von Jodie Foster fand ich etwas derb in Richtung Bauerntheater. Dafür hat mir Waltz wirklich außerordendlich gefallen und auch John Reilly.

Als alter Theater-Amateur jedenfalls hätte ich dieses Stück liebend gerne inszeniert oder gespielt
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Zuletzt gesehener Film

9878
Ich kann deine Begeisterung für den Film nachvollziehen, gerade wenn man einen Theater-Background hat sind solche Stoffe super interessant und regen die eigene Fantasie an. Ich fand diesen Film im speziellen auch nicht sonderlich gut, leider recht mies gespielt, aber kenne das Phänomen sehr gut. Hast du mal "Der Vorname" gesehen? Gemeint ist die französische Version, nicht die doofe deutsche Variante. Der könnte dir gut gefallen, schlägt in dieselbe Kerbe und ist richtig schön witzig.
Prejudice always obscures the truth.

Re: Zuletzt gesehener Film

9880
iHaveCNit: Generation Beziehungsunfähig (2021) – Helena Hufnagel – Warner
Deutscher Kinostart: 29.07.2021
gesehen am 02.08.2021
Kinopolis Main-Taunus-Zentrum – Kinosaal 2 – 19:00 – Reihe 16 Platz 20


RomComs sind für mich immer interessant, wenn sie kompakt sind, pfiffige und interessante Ideen bieten und natürlich auch den ein oder anderen Schauspieler im Ensemble haben, den ich abfeiere. Helena Hufnagels „ Generation Beziehungsunfähig“, der auf einem Sachbuch basiert ist genau so eine RomCom, die nicht nur eine pfiffige, moderne Idee hat, sondern mit Frederick Lau auch einen meiner Lieblingsschauspieler im deutschen Raum in einer Hauptrolle zu bieten hat und mit 85 Minuten sogar unterhaltsam, kurzweilig und kompakt geworden ist.

Micha ist erfolgloser Autor und Mitarbeiter einer Werbeagentur. Statt sich beziehungstechnisch zu binden, swiped er unaufhörlich durch Online-Dating-Apps durch und hangelt sich lose von Sex zu Sex. Als er jedoch auf die geheimnisvolle Ghost trifft, die das ganze Zwischenmenschliche noch lockerer sieht als er und beide eine einvernehmliche, auf losem Sex basierende Beziehung führen, fängt er an Gefühle für Ghost zu entwickeln, ohne zu ahnen, dass ihn das mehr von Ghost entfernt, als das es ihn näher an sie heranführt.

Ich halte mich an dieser Stelle genauso kompakt wie der Film, denn der Film hat mich zum einen richtig gut unterhalten und mir hat das Duo aus Frederick Lau und Luise Heyer mit ihrer Chemie und dem Zusammenspiel richtig gut gefallen. Natürlich spiegelt der Film zum Teil natürlich auch den aktuellen Stand im Bereich Dating und Beziehungen wieder, was für den Film an dieser Stelle dynamischer Aufhänger für den Film und auch die Entwicklung der Beziehung zwischen Micha und Ghost ist, auch wenn natürlich der Film bei seiner kompakten Laufzeit nicht in die Tiefe gehen und eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema nicht liefern kann. Ganz witzig fand ich auch zum Beispiel Tedros Teclebrhan und Kida Ramadan in kleinen Nebenrollen zu sehen.

„Generation Beziehungsunfähig“ - My First Look – 8/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

9881
iHaveCNit: Old (2021) – M. Night Shyamalan – Universal
Deutscher Kinostart: 29.07.2021
gesehen am 03.08.2021 in Dolby Atmos
Kinopolis Main-Taunus-Zentrum – Kinosaal 10 - 20:10 – Reihe 9 Platz 14


Den Abschluss eines extrem gefüllten Kinowochenendes macht nun der Film „Old“, der der neue Film von M. Night Shyamalan ist, der mich beim Trailer von seiner Idee und auch dem Aspekt eines Mystery- und Survivalthrillers angesprochen hat und relativ interessant war. Ähnlich wie die Qualität der Filmografie eines Shyamalan schwankt auch „Old“ in seiner Qualität.

Die Familie Cappa, bestehend aus den Eltern Guy und Prisca und den Kindern Maddox und Trent verbringen einen Urlaub in einem Luxus-Ressort. Durch einen Geheimtipp werden sie und ein paar weitere Gäste an einen abgeschiedenen Privatstrand geführt. Doch nach kurzer Zeit häufen sich mysteriöse Zwischenfälle und man scheint spürbar in Rekordtempo zu altern – so dass die Familie Cappa und die anderen Gäste einen Ausweg suchen müssen, bevor sie sterben.

Ich muss ja sagen, dass ich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht genau weiß, was ich von „Old“ halten soll. Was ja eigentlich als rasanter Mystery-Schocker mit Survival-Einschlag vor malerischer Kulisse vermarktet worden ist, sorgt mit einem melancholischen Familiendrama für eine interessante, aber tonal etwas inkonsistente Mischung. Genauso inkonsistent ist der Film dort bei der entsprechenden Ausarbeitung der Charaktere, so dass es durchaus einige auch sehr klischeehafte und oberflächlich plakative Charaktere gibt und auch durchaus die ein oder andere dumme Entscheidung hier getroffen wird. Und so war ich nicht ganz so investiert, da mir durchaus für den einen oder anderen Charakter die Sympathie gefehlt hat. Auch wenn der Film vor allem gut aussieht und durchaus die Atmosphäre eines Kammerspiels aufkommt, hat mich das nur bedingt bekommen. Es gibt ja durchaus den Hang, Shyamalan als Regisseur zu sehen, bei dem es immer auf einen großen Twist hinausläuft. An dieser Erwartungshaltung scheitern sowohl Shyamalan als auch die Zuschauer selbst. Es ist vielmehr durchaus der Weg zum Ziel interessant und ob sich dieser Weg zum Ziel gelohnt hat. Ob die Auflösung am Ende mich überzeugt hat, da bin ich mir zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht schlüssig, aber diese ist schon interessant, genau wie ein paar im Film vorhandene Hinweise im Kontext zu dieser Auflösung – aber wenn es um das rationale Auflösen eines mysteriösen, irrationalen Settings geht, dann passt das zum qualitativ und tonal schwankenden Bild des Films.

„Old“ - My First Look – 6/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

9882
iHaveCNit: Abseits des Lebens (2021) – Robin Wright – Universal
Deutscher Kinostart: 05.08.2021
gesehen am 05.08.2021
Arthouse Kinos Frankfurt – Cinema Studio – 19:45 – Reihe 3 Platz 1


Nach einem vollgepackten Kinowochenende sieht es dieses Wochenende etwas überschaubarer aus. Während ich bei zwei größeren deutschen Produktionen weder investiert noch interessiert bin und ein großer Blockbuster erst am Samstag ansteht, hat mich ganz spontan „Abseits des Lebens“ von Robin Wright interessiert, den ich entsprechend heute Abend eingeschoben habe und der mir sehr gut gefallen hat.

Edee ist nach einem persönlichen Schicksalsschlag nicht mehr in der Lage, von Menschen umgeben zu sein. So kommt sie auf die Idee eine abgelegene Hütte in den Rocky Mountains zu beziehen und sich komplett autark durchzuschlagen. Doch ohne jegliche Erfahrung wird das schwierig und als es im Winter zu einigen schwerwiegenden Zwischenfällen kommt, kommt der lokale Jäger Miguel zur Hilfe.

„Abseits des Lebens“ ist ein feiner, kleiner Film geworden. Es ist ein Glücksfall, dass Robin Wright bei Ihrem Langfilm-Regiedebüt sich nach langer Zeit doch letztendlich dazu entschieden hat, selbst die Hauptrolle zu übernehmen, denn die Rolle der Edee ist für Robin Wright eine großartige Performance, die mit Nuancen und auch rein physischer Präsenz in selbst ruhigen und stillen Momenten so viel zu bieten hat bei der die komplette Reise und Entwicklung großartig mit anzusehen ist. Der Film bietet großartige Landschaftsaufnahmen der Wälder, Bergen und Flüsse der Umgebung von Edees Habitat. Darüber hinaust kommt im 2. Akt der Handlung Demian Bichir als weiterer wichtiger Charakter Miguel dazu und Wright und Bichir entwickeln eine schöne Chemie, so dass es eine Freude ist mitanzusehen, wie Edee durch Miguel viele kleine lebenswichtige Dinge lernt. Nicht zu vergessen, dass beide Charaktere durch persönliche Schicksalsschläge verbunden sind. Zum Glück hat der Film hier nicht den Fehler gemacht, auf ein schnulziges Finale hinzuarbeiten und das melancholische und emotionale Ende hat mich überzeugt. Schade, dass der Film mit 85 Minuten sehr kurz ist und die Handlung damit sehr gehetzt und sprunghaft ist. Ein wenig mehr Ruhe zur Entfaltung der Bilder und der Dynamik zwischen Edee und Miguel wäre in meinen Augen auch etwas passender gewesen, denn ich hätte gerne mehr davon gesehen.

„Abseits des Lebens“ - My First Look – 8/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

9883
Sondervorstellung
iHaveCNit: Spotlight – Die Arthouse-Sneak (11.08.2021) – Überraschungsfilm
Deutscher Kinostart: ???
gesehen am 11.08.2021 in OmU
Arthouse Kinos Frankfurt – Große Harmonie – Reihe 6, Sitz 14 – 21:00 Uhr


Die Arthouse Kinos Frankfurt bieten alle 2 Wochen Mittwochs eine besondere Veranstaltungsreihe an. Es handelt sich hier um die Veranstaltungsreihe „Spotlight – Die Arthouse-Sneak“. Auf meiner persönlichen Bucket-List stand es auch mal, eine solche Veranstaltung zu besuchen. Hier gibt es immer wie bei einer Sneak üblich einen Überraschungsfilm, der sich bei den Arthouse-Kinos Frankfurt grundsätzlich an den ganz großen Arthouse-Filmen, Oscarkino, Independent-Perlen sowie Geheimtipps und Filme ohne regulären Kinostart bedient. Die Überraschungsfilme werden hier in der OmU-Fassung gezeigt – Originalversion mit deutschen Untertiteln. Für die Veranstaltung hat sich das Kino auch noch ein paar besondere Schmankerl überlegt. Neben einer Anmoderation des Films bekommt jeder Kinogast einen Bewertungszettel mit Schulnotensystem von 1-6, den er am Ende der Vorstellung an der persönlichen Benotung einreißen und in eine Kiste legen kann, aus dem eine Durschnittsnote ermittelt und der Überraschungsfilm in ein kino-eigenes Ranking einsortiert wird. Kurz vor der Vorstellung gibt das Kino 2 Hinweise auf der eigenen Facebook-Seite, die in Abstand von einem Tag als Beiträge gepostet werden. So kann jeder bereits vorher mitraten, um welchen Film es sich handeln könnte.

Diese beiden Hinweise waren wie folgt:
+++Hinweis 1/2 +++
Fühlt ihr euch von euren Eltern verstanden? Finden regelmäßig Familienausflüge oder tiefe Debatten und Gespräche statt? Seid ihr euch nah oder entfremdet ihr euch immer mehr voneinander. Spürt ihr noch Zuneigung und Nähe oder ist es das reinste Durcheinander und Missverständnis bei einem Zusammentreffen. Und ist das Verhältnis eher eine Komödie oder ein Drama?
+++ Hinweis 2/2 +++
Den Hauptdarsteller des heutigen Films kennt wirklich jeder in seiner Paraderolle in XXXXXX. Die wenigsten wissen aber, dass er sich selbst dem Filmemachen verschrieben hat. Und wie das aussieht und wer Mr. Unknown ist, das erfahrt ihr dann heute Abend bei der SPOTLIGHT-Sneak.

Mit diesen Hinweisen ist der Überraschungsfilm eigentlich recht eindeutig lösbar. Ich werde ihn an dieser Stelle aber noch nicht auflösen, da ich diesen auch noch Freitag Abend in der deutschen Fassung sehen und dieses Mal direkt in meine Jahreswertung nehmen und auch konkret kritisieren werde. Der Film selbst würde von mir eine 9/10 bekommen, in der Benotung auf dem Bewertungszettel habe ich die 1 vergeben. Damit ich das genau erläutern kann, orientiere ich mich dafür an einem Bewertungskriterium, anhand dem ich bereits bewertet worden bin – der IHK-Notenschlüssel, nachdem von 100 bis 92 die 1 vergeben wird. Der Film selbst bewegt sich in der Region von 94 bis 92, womit dieser eine 1 bekommt, aber entsprechend der Vereinfachung auf 9 abgerundet wird.

Im Laufe des nachfolgenden Tages wird auch nochmal der „Öffentlichkeit“ bekannt gegeben, welcher Film es nun geworden ist, und wie die ganzen Zuschauer den Film bewertet haben. Daraus wird ein Durchschnitt ermittelt und der Film in das Ranking eingeordnet.

Das Ranking sah nach vorherigem Stand und 2 Filmen wie folgt aus:

1. Promising Young Woman (1,9)
2. Minari (2,3)
Hier die Auflösung:

+++ Auflösung Spotlight vom 11.08.2021 +++
Die gestrige Spotlight-Sneak war unser erster kleiner Spalter des Jahres. Macht aber gar nichts. Denn wir starten das melancholische Familiendrama, welches gleichzeitig Viggo Mortensens Regiedebüt ist, FALLING ab heute im Cinéma (täglich um 14.45 & 20.45 Uhr).
Notendurchschnitt = 2,5
1=7x
2=10x
3=9x
4=5x
5= 0x
6=1x
Die kommende Spotlight-Sneak findet dann wieder am 25.8. statt.

Das Ranking sieht nun nach 3 Filmen wie folgt aus:

1. Promising Young Woman (1,9)
2. Minari (2,3)
3. Falling (2,5)

Da ich den Film am Freitag nochmal sehen werde, kommt am Freitag Abend bzw. Samstag morgen die Review zu „Falling“. Und so wie es aussieht, werde ich durchaus häufiger in die „Spotlight-Sneak“ gehen.

„Überraschungsfilm“ - My First Look – 9/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

9884
iHaveCNit: Nahschuss (2021) – Franziska Stünkel – Alamode Film
Deutscher Kinostart: 12.08.2021
gesehen am 12.08.2021
Arthouse Kinos Frankfurt – Eldorado – Reihe 5, Sitz 11 – 20:45 Uhr


Zeit für ein richtig starkes Stück deutsches Kino über eine sehr dunkle Tatsache, die noch bis in die 80er-Jahre hinein in der DDR praktiziert worden ist – die Todesstrafe per unerwarteten Nahschuss in den Hinterkopf. Basierend auf einem reell existierenden Mitarbeiter der Staatssicherheit, Dr. Werner Teske, der die letzte Person gewesen ist, die mit dieser Strafe verurteilt und hingerichtet wurde, inszeniert die Regisseurin Franziska Stünkel ein extrem intensives und menschliches Stasi-Drama mit einem extrem starken Lars Eidinger in der Hauptrolle

Franz Walter möchte eigentlich nachdem er promoviert hat, zu einem Job in Äthiopien reisen. Im Flugzeug wird er jedoch abgefangen und man macht ihm ein attraktives Angebot beim Nachrichtendienst der DDR. Für diese lukrative Tätigkeit bekommt er eine neue Wohnung und auch den Vorgesetzten Dirk Hartmann zugeteilt. Das Hauptziel seines Auftrags ist ein nach Westdeutschland transferierte Fußballspieler, den Franz flüchtig persönlich kennt mit dem Ziel, Informationen zu sammeln und gezielte Manipulationen. Doch je tiefer er in diesen Auftrag eintaucht, umso mehr kommen ihm Zweifel und die Angst, nie wieder aus diesem System ausbrechen zu können.

Franziska Stünkel fokussiert sich in der nüchternen, ruhigen und tristen Inszenierung des Films auf den menschlichen Aspekt und wie eine Person an den Methoden, dem Misstrauen und der Manipulation innerhalb des Staatsapparats der DDR zweifelt und daran zu zerbrechen droht. Gerade die Inszenierung macht den Film sehr eindringlich und intensiv mit einer radikalen Intensität, die ihresgleichen suchen könnte. In der Kombination mit dem starken, zurückhaltenden, aber nicht minder intensiven und nuancierten Schauspiels von Lars Eidinger wird der Film zu einem sehr starken Erlebnis, das nachhallen kann. Gerade auch die narrative Struktur des Films, die zwischen einer fortlaufenden Handlung und schrittweisen Erzählung der Ereignisse sowie zwischen einer Gerichtsverhandlung wechselt macht ist auch ganz interessant gewählt. Schön, dass sich Franziska Stünkel in diesem Film genau diesem Thema gewidmet und für eine noch bedrückendere und authentischere Atmosphäre an zum Teil Originalschauplätzen gedreht hat. Die geschaffenen Bilder sind großartig und auch noch ergänzend bezüglich Authentizität und Atmosphäre hat mir auch das allgemeine Setdesign sehr gefallen. Insgesamt ist „Nahschuss“ ein wichtiges Stück deutsches Kino.

„Nahschuss“ - My First Look – 9/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

9885
iHaveCNit: Falling (2021) – Viggo Mortensen
Deutscher Kinostart: 12.08.2021
gesehen am 11.08.2021 in OmU im Rahmen der Spotlight – Arthouse-Sneak der Arthouse Kinos Frankfurt
Arthouse Kinos Frankfurt – Große Harmonie – Reihe 6, Sitz 14 – 21:00 Uhr
gesehen am 13.08.2021 in der deutschen Fassung
Arthouse Kinos Frankfurt – Cinema Petit – Reihe 4, Sitz 1 – 20:45 Uhr


Auch ein Film, der bedingt durch die Pandemie immer verschoben werden musste war Viggo Mortensens Regiedebüt „Falling“. Hier wollte ich mir etwas Zeit lassen mit der Kritik, denn ich habe diesen Film in der Erstsichtung in Originalfassung mit Untertiteln als Überraschungsfilm in der Arthouse-Sneak gesehen, doch war mir klar, dass ich diesen trotzdem als regulären Kinostart auch in der deutschen Fassung bereits geplant – und nun auch zweimal gesehen habe.

John Petersen fliegt mit seinem Vater Willis vom verschneiten Chicago nach Kalifornien für eine schwierige Entscheidung. Für den zunehmend immer stärker an Demenz erkrankten Willis möchte er sich Wohnungen ansehen, damit die Pflege besser organisiert werden kann. Doch das gestaltet sich nicht nur durch Willis Demenz relativ schwierig. Der erzkonservative, traditionalistische und stark patriarchalische Egoist macht keinen Hehl daraus, den modernen Lebensstil seines Sohnes und dessen Homosexualität zu verachten, so dass es nicht lange dauert, bis es zu unausweichlichen Konflikten kommt, die irgendwann eine Entscheidung fordern.

„Falling“ habe ich als sehr feinfühligen und zugleich emotional und moralisch herausfordernden Film empfunden. Gerade der zentrale Vater-Sohn-Konflikt, der hier von Viggo Mortensen geschrieben und inszeniert worden ist, ist in seiner Grundkonstellation sehr gut herausgearbeitet worden. Natürlich werden hier die Extreme herausgefordert, indem wir es mit einem erzkonservativen, traditionalistisch geprägten Egoisten, der nach aktuellem Maßstab in höchstem Maß politisch inkorrekt ist und einem homosexuellen Sohn mit modernem Lebensstil zu tun haben. Dieser Grundkonflikt wird auch noch dadurch sehr ambivalent erschwert durch die demenzielle Erkrankung von Willis, so dass wir als Zuschauer mit vielen Spannungsfeldern konfrontiert werden.
Gerade die ganzen, ausufernden Tiraden von Willis, der hier extrem gut von Lance Henriksen verkörpert wird, sorgen natürlich für eine emotional herausfordernde Situation bei den Zuschauern. Man möchte lachen, aber dieses Lachen kann einem im Halse stecken bleiben. Der geistige Verfall von Willis sorgt auch dafür, dass Erinnerungen verschwimmen und durcheinander geworfen werden. Während es dem Umfeld von Viggo Mortensens gespieltem John immer schwerer fällt mit der Situation umzugehen – darunter auch sein von Terry Chen gespielter Ehemann Eric, bewegt sich John in einem Spannungsfeld zwischen Verachtung und Mitgefühl trotz vieler traumatischer Erfahrungen der Vergangenheit. Die hier gebotenen Nuancen sind großartig gespielt – nicht nur vom Duo Henriksen und Mortensen, sondern auch vom gesamten Ensemble. In die Rahmenhandlung selbst werden immer wieder Rückblenden eingewoben, die den Blick auf viele Ereignisse der Familie in der Vergangenheit wirft – und hier wird klar, was für ein Egoist Willis bereits damals gewesen ist – großartig verachtenswert von Sverrir Gudnasson gespielt. Neben Rückblenden werden auch mal assoziative Traumsequenzen eingewoben, die durchaus auch mal befremdlich wirken können. Großartig ist auch, dass Viggo Mortensen die Musik zum Film komponiert und dafür am Piano gesessen hat. Aber ich kann mir vorstellen, dass der Film durchaus auch problematisch aufgenommen werden kann, da sich Viggo Mortensen getraut hat, ein sehr heißes Eisen anzufassen, wenn wir es hier mit Sexismus, Rassismus, Homophobie und Frauenfeindlichkeit zu tun haben. Wer von Äußerungen dieser Art entsprechend getriggert wird und damit nicht klar kommt, wird ein Problem mit „Falling“ haben. Bei mir war das nicht so. Mir hat das feinfühlige Vater-Sohn-Drama sehr gut gefallen.

„Falling“ - My Second Look – 9/10 Punkte.
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