Wie findet ihr No Time To Die?

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Insgesamt abgegebene Stimmen: 75

Re: Filmbesprechung: "No Time To Die (NTTD)"

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danielcc hat geschrieben: 6. Dezember 2021 14:07 es ist ein erstaunlich logischer und gut aufgebauter Bond der kaum Fragen offen lässt
Wobei sich dafür erstaunlich viele Zuschauer auch außerhalb dieses Forums nach Ansehen des Films die Frage stellen, was genau Dr. No eig … äh, was Safin eigentlich wollte, nachdem er erfolgreich SPECTRE ausgelöscht hat. :) Da wurde ich als Fan jetzt schon mehrfach von "Normalos" drauf angesprochen und nachgefragt und – tja, ich hab leider auch keine richtige Antwort darauf.
Prejudice always obscures the truth.

Re: Filmbesprechung: "No Time To Die (NTTD)"

1296
Casino Hille hat geschrieben: 6. Dezember 2021 16:57 Bei den vorherigen 75 Filmen gab es ja auch keinen Grund, sich das überhaupt zu fragen. :wink:

(Mit Abstrichen vielleicht in SP, da ist das zwar anders als bei NTTD wirklich im Film, aber etwas konfus erzählt.)
Naja, bisher war bei vielen Bondfilmen die Begründung: Er ist größenwahnsinnig, er ist irre, er will die Welt zerstören/verändern/erpressen.
All das kann man auch auf Safin anwenden und das belegt der Film auch ausreichend
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Filmbesprechung: "No Time To Die (NTTD)"

1297
Finde ich nicht wirklich, weil Safin ja über ein sehr starkes und glaubwürdiges Motiv eingeführt wird. Als er ein kleiner Junge war, ließ Spectre seine ganze Familie ermorden und er wuchs mit dem Rachedurst auf, die Organisation zu vernichten. Kann ich nachvollziehen, nachempfinden. Nur hat er dieses Ziel nach 45 Minuten Handlungszeit erfolgreich erreicht – und will dann trotzdem weitermachen und einen Großteil der Menschheit umbringen. Kann ich nicht nachvollziehen, nicht nachempfinden. Warum dann überhaupt erst Spectre vernichten?

Das ist in NTTD einfach komisch entwickelt. Man stelle sich vor, Hugo Drax in MR wäre ein verstoßener Ex-Militär von Schweden und hätte deshalb seit zwei Jahrzehnten den Plan, sein Vaterland zu vernichten. Er klaut eine Atombombe, zündet sie in Stockholm, Millionen Menschen sterben. Dann (!) folgt Bond ihm wie im Film ins All und findet heraus, dass er eine neue Superrasse züchten und dafür die ganze Menschheit auslöschen will. Da würde sich jeder zurecht fragen: "Hä?" Wie folgt das eine auf das andere?

Anders ausgedrückt: Safin ist größenwahnsinnig und will die Weltbevölkerung drastisch dezimieren? Fein! Dann macht bitte genau diesen Film mit diesem Schurken. Aber fangt doch nicht erst mit etwas ganz anderem an. So wie es jetzt ist, ist Safin zwei Bond-Schurken in einem. Er ist gleichzeitig Silva (persönliche Rache als Motivator für alles) und Stromberg (größenwahnsinniger Welt"verbesserer").

Safin hätte sogar mit etwas Arbeit der stärkste Craig-Schurke werden können. Dafür müsste man wirklich nur den dritten Akt um dieses alberne, unterentwickelte Bedrohungsszenario erleichtern. Warum Safin nicht als einen Schurken zeigen, der längst gewonnen hat und jetzt nur noch seine "Trophäe" Madeleine für sich haben will – und Bond, der ihn jagt und ihm Madeleine streitig machen will? Warum einem intimen Actionfilm wie NTTD kein intimes Finale geben? Stattdessen muss am Ende in einem Ken-Adam-artigen-Setting viel geballert werden und zusätzlich zu Bonds eigenem Einsatz auch das Schicksal der ganzen Welt auf dem Spiel stehen, weil … naja, weil das halt früher so war und deshalb immer so sein muss.
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Re: Filmbesprechung: "No Time To Die (NTTD)"

1298
Ja schon, das ist eben weil die von vielen vergötterte Kubaszene im Nachhinein reingedoktert wurde.
So läuft das dann.
Kaum kommen andere Leute mit rein, wird die Plausibilität sofort für die Unterhaltung geopfert 🤣.
Aber mich hat auch noch kein Nicht-Fan nach dem Plan von S gefragt.

Ist doch Bombenshilo-Gift-Insel-Countdown, wie in jedem Bond.
„When I was beaten up, suddenly I liked the idea of being alive.“ - James Bond

Re: Filmbesprechung: "No Time To Die (NTTD)"

1299
Revoked hat geschrieben: 6. Dezember 2021 18:04 Ja schon, das ist eben weil die von vielen vergötterte Kubaszene im Nachhinein reingedoktert wurde.
Es würde mich mal wirklich interessieren, was im Nachhinein von PWB ins Script geschrieben wurde. Ich vermute: Es ist nicht die Kuba-Szene selbst, es ist Paloma als Charakter. Ursprünglich war hier sicher Felix mit Bond unterwegs – oder Bond alleine. Und der Schlafzimmer-Dialog auf Jamaika mit Nomi könnte auch von PWB eine Überarbeitung bekommen haben.
Revoked hat geschrieben: 6. Dezember 2021 18:04 Ist doch Bombenshilo-Gift-Insel-Countdown, wie in jedem Bond.
Exakt mein Problem damit! :wink: Mehr Begründung als das gibt es für diesen Schlussakt nämlich nicht. Da ist NTTD sehr süffisant konstruiert, um mal ein Wort zu benutzen, welches hier sonst eher für die Mendes-Vorgänger gebraucht wird.
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Re: Filmbesprechung: "No Time To Die (NTTD)"

1300
Die Kuba-Szene kommt wohl hauptsächlich von Fuku (genauso wie die Pre-PTS). Das steht im Making Of Buch. Und dann hat man PWB wahrscheinlich für die Dialoge geholt.

Und um mal Kalle Grabowski (Bang Boom Bang) abgewandelt zu zitieren: „selbst an einem spitzen Bondfilm gibt es mitunter noch einiges zu optimieren“.
„When I was beaten up, suddenly I liked the idea of being alive.“ - James Bond

Re: Filmbesprechung: "No Time To Die (NTTD)"

1301
Es ist sicherlich eine Mischung aus P&W und dann Fukunaga, der sich dann auf den Schlussakt selbst konzentriert hat - da ist dann eben für das ein oder andere keine Zeit mehr geblieben. Vor allem wenn er das erst geschrieben und finalisiert hat, wie sie schon gedreht haben.

Ich finde man sieht in der Raketensequenz auch sehr schön, wie sie die einzelnen Teile der Insel wie Anlegestelle usw. bombardieren. Absolut keine Notwendigkeit, dass sie alles sofort vernichten, vor allem wenn die ankommenden Schiffe das Problem darstellen.

Bond hätte sprichwörtlich alle Zeit der Welt gehabt... ;)
Bond... JamesBond.de

Re: Filmbesprechung: "No Time To Die (NTTD)"

1302
Ich persönlich hätte das Spectre Meeting auf Jamaika statt finden lassen. Kuba ist einfach soooo 2000er…. (Obwohl es ja Gründe gibt: CIA operiert dort nicht).
Trotzdem, ein altehrwürdiger englischer Klub auf Jamaika hätte auch etwas gehabt.

Und ja, auch da stimme ich Hille zu: ein intimes Ende hätte vollkommen ausgereicht. Die große Weltbedrohung war eigentlich nicht nötig.
„When I was beaten up, suddenly I liked the idea of being alive.“ - James Bond

Re: Filmbesprechung: "No Time To Die (NTTD)"

1303
1. Ja Kuba ist völlig unnötig. Fast schon ärgerlich eine Location in den Film zu schreiben, wenn man weiß, dass man dort nicht filmen kann. Das hätte wunderbar eine echte Location irgendwo auf Jamaica sein können und der Film hätte davon profitiert

2. Safin: Hille, seine Figurenezeichnung in der PTS endet eben NICHT mit der Rache an der Familie. Der wichtigste Teil seiner Charakterzeichnung findet in der Szene mit Madeleine in ihrer Praxis später statt. Da erklärt er ja, dass es ihn fasziniert hat, Leuten das Leben zu nehmen aber noch mehr, andere zu retten. Er hat also Spaß daran gefunden, Gott zu spielen. Dass ist es dann, was ihn antreibt. Er will auch nicht die Menschheit vernichten, sondern Geld damit verdienen, dass er diesem Gottspielen Hobby nachgehen kann bzw. andere dabei helfen kann
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Re: Filmbesprechung: "No Time To Die (NTTD)"

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danielcc hat geschrieben: 6. Dezember 2021 19:26 Safin: Hille, seine Figurenezeichnung in der PTS endet eben NICHT mit der Rache an der Familie. Der wichtigste Teil seiner Charakterzeichnung findet in der Szene mit Madeleine in ihrer Praxis später statt. Da erklärt er ja, dass es ihn fasziniert hat, Leuten das Leben zu nehmen aber noch mehr, andere zu retten. Er hat also Spaß daran gefunden, Gott zu spielen. Dass ist es dann, was ihn antreibt. Er will auch nicht die Menschheit vernichten, sondern Geld damit verdienen, dass er diesem Gottspielen Hobby nachgehen kann bzw. andere dabei helfen kann
Ich bin mir nicht sicher, ob das so richtig stimmig ist. Er sagt zu Madeleine: "Saving someone's life connects you to them forever, the same as taking it. They belong to you." Da bin ich sofort bei dir, und würde ihm einen Komplex attestieren. Er liebt Madeleine ja auch nicht wirklich, wie ich häufiger lesen muss, sondern ihm gefällt das Gefühl, sie zu besitzen. Es gefällt ihm nicht nur, er sieht es als sein unumstößliches Recht an. Das ist ein spannender Gedanke und gefällt mir gut für einen Bond-Gegner.

Nur kommt dann die Szene in seinem Hauptquartier, in dem er das hier sagt: "The thing that no one wants to admit is that most people want things to happen to them. We tell each other lies about the fight for free will and independence, but we don't really want that. We want to be told how to live and then die when we're not looking. People want oblivion, and a few of us are born to build it for them." Und das ist ein ganz anderer Gedanke (übrigens exakt die Mentalität bzw. die Ideologie, um die es auch in "Fleabag" geht – also auch eine PWB-Idee möglicherweise?), wichtiger noch: Es ist eine ganz andere Motivation, als der Antrieb, den er gegenüber Madeleine präsentiert. In der Psycho-Doktor-Szene mit Madeleine hat er in der Tat einen aus Trieben heraus gesteuerten Komplex – so wie ihn Silva oder Oberhauser hatten. Aber was er zu Bond sagt ist eher ein intellektuelles Gedankenspiel, wie es auch Stromberg anstellt: "Today's civilization, as we know it, is corrupt and decedent. Inevitably, it will destroy itself. I'm merely accelerating the process."

Es bleibt dabei: Ich kann Safin als Figur einfach nicht greifen. Was genau ist er für ein Typ? Was treibt ihn an? Was sind seine Ideale? Was ist seine große Vision? Hat er überhaupt eine? Ist er ein kaputter, aus eigenem Antrieb handelnder Psychopath? Ist er ein intellektuell-verschrobenes Genie mit Allmachtsphantasie? Da ist mir NTTD zu schwammig und – ja, das ist meine Exklusivmeinung – im Vergleich mit dem Gesamtfranchise sehe ich diesen Aspekt in NTTD als am schwammigsten und undefiniertesten. Es geht weniger um das, was das Script sagt und behauptet, als um den Eindruck, den ich gewinne. Bekomme ich ein Bild von dieser Figur, kann ich sie greifen, leuchtet sie mir ein? Leider tut Safin das von allen Bondschurken mit Abstand am wenigsten.
Prejudice always obscures the truth.

Re: Filmbesprechung: "No Time To Die (NTTD)"

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Casino Hille hat geschrieben: 6. Dezember 2021 21:17 ….
Er liebt Madeleine ja auch nicht wirklich, wie ich häufiger lesen muss, sondern ihm gefällt das Gefühl, sie zu besitzen….
Naja, da kann ich dir zustimmen, aber ich würde sagen, dass es seine Definition von Liebe ist.
Er wird sicher weniger Erfahrung mit einer Partner-Liebe haben. Er kennt familiäre Liebe. Und hat sich in den letzten 20-25 Jahren oder so immer weiter da rein gesteigert, dass Madeleine und er zusammen gehören. Das sie seine wahre Liebe ist.
So sehe ich das.
Also weniger die Macht oder das Gefühl zu besitzen als vielmehr eine Unreife und eine eingebildete Liebe.
Er sagt es ist ein Schock sie wieder nach all den Jahren wieder zu sehen. Und das meint er auch.

In seinen Träumen hat er sich ausgemalt, dass sie ihn auch liebt und nach ihm gesucht hat, sich nach ihm sehnt. Und wenn sie ihn wiedersieht mit ihm zusammen sein will.

Er ist romantisch aber komplett unbeholfen.
„When I was beaten up, suddenly I liked the idea of being alive.“ - James Bond