Re: Zuletzt gesehener Film

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Sondervorstellungen
iHaveCNit: Spotlight – Die Arthouse-Sneak (15.12.2021) – Überraschungsfilm
Deutscher Kinostart: ???
gesehen am 29.12.2021 in OmU
Arthouse Kinos Frankfurt – Große Harmonie – Reihe 4, Sitz 9 – 21:00 Uhr


Wie immer gibt es hier einen Überraschungsfilm zu sehen, den man am Ende benoten kann und das Kino ein eigenes Ranking aufstellt für die Filme, die hier gespielt werden.

Das aktuelle Ranking sieht wie folgt aus:

1. The Father (1,4)
2. Promising Young Woman (1,9)
3. Helden der Wahrscheinlichkeit – Riders Of Justice (2,1)
4. Minari (2,3) / Last Night In Soho (2,3) / Respect (2,3)
5. Je Suis Karl (2,4)
6. Falling (2,5) / Auf alles, was uns glücklich macht (2,5)
7. Contra (3,0)
8. Der Schein trügt (3,4)
9. Benedetta (3,7)

Für den Film gab es diesmal folgenden Hinweis auf der Facebook-Seite:
+++ Spotlight Hinweis +++
Zum Abschluss der diesjährigen Spotlight-Saison gibt es heute Abend noch einmal einen ganz besonderen Film aus dem diesjährigen Berlinale-Wettbewerb zu sehen. Der Film war zudem für den für den EUROPÄISCHEN FILMPREIS nominiert und hat bereits einige Festivalpreise abgesahnt. Ein emotional wuchtiger, herausragend gespielter und emotional mitreißender Film, der uns alle fragt: Was passiert, wenn Träume und Hoffnungen eigentlich auf der Strecke bleiben?

Den Überraschungsfilm hatte ich persönlich nicht auf meiner Liste und diesen Film werde ich vermutlich noch einmal in der deutschen Fassung sehen.

+++ Spotlight-Auflösung vom 29.12.2021 +++
In der letzten Spotlight-Sneak des letzten Jahres haben wir euch die italienische Sozialsatire FAVOLACCE: BAD TALES - ES WAR EINMAL EIN TRAUM gezeigt (Start in der Harmonie am 6.1.) . Italienisches Drama über eine frustrierte Vorstadtsiedlung Roms, deren Träume im Nichts verpuffen.
Eure Bewertung = 2,6
Vielen Dank für eure Treue und das Abstimmen in diesem Jahr. Die erste Spotlight findet dann wieder am 12.1. statt!

Meine Wertung des Films lag bei einer 2.

Nach diesem Film sieht das Ranking der Spotlight-Sneaks wie folgt aus:

1. The Father (1,4)
2. Promising Young Woman (1,9)
3. Helden der Wahrscheinlichkeit – Riders Of Justice (2,1)
4. Minari (2,3) / Last Night In Soho (2,3) / Respect (2,3)
5. Je Suis Karl (2,4)
6. Falling (2,5) / Auf alles, was uns glücklich macht (2,5)
7. Bad Tales – Es war einmal ein Traum (2.6)
8. Contra (3,0)
9. Der Schein trügt (3,4)
10. Benedetta (3,7)

Überraschungsfilm – My First Look – 8/10 Punkte.

Für 2022
iHaveCNit: Bad Tales – Es war einmal ein Traum (2022) – Damiano und Fabiano D`Innocenzo – Filmperlen
Deutscher Kinostart: 06.01.2022
gesehen am 29.12.2021 in OmU im Rahmen der Spotlight-Sneak der Arthouse-Kinos Frankfurt
Arthouse-Kinos Frankfurt – Große Harmonie – Reihe 4, Platz 9 – 21:00 Uhr


Normalerweise wäre ich mit einem anderen Film aus den Filmstarts des Jahres 2022 in das Kinojahr 2022 gestartet, aber ich wurde mit einem italienischen Film überrascht, den ich nicht auf meinem Plan hatte, mir dann aber doch sehr gut gefallen hat.

Ein Mann findet ein Tagebuch eines jungen Mädchens, dass aus einer Vorstadt Roms kommt. Das Buch, durchzogen von vielen Leerstellen nimmt dieser Mann zum Anlass, zu ergänzen und uns vom Sommer zu erzählen, der in diesem Tagebuch dargestellt wird. Von heranwachsenden Kindern mit Hoffnungen und deren Eltern, die bereits die Hoffnung scheinbar aufgegeben haben.

Die bittere Satire der unschuldigen Zwillingsbrüder Damiano und Fabiano D´Innocenzo ist gar nicht mal so unschuldig wie es den Anschein macht. Auf vielleicht etwas zu oberflächliche Art und Weise wird uns in diesem Film die gesellschaftliche Situation und die Probleme der Menschen im Raum italienischer beziehungsweise römischer Vorstädte skizziert. Dabei reißt der Film Stück für Stück die scheinbar perfekte Idylle und die perfekten Familien auf und lässt deren unangenehmen und teils abstoßenden Seiten zum Vorschein kommen – aber auch deren Probleme und zerbrochenen Träume sowie aufgegebenen Hoffnungen. Die Kinder, die für die Eltern Hoffnungsträger, aber sich selbst eher als Außenseiter sehen, werden zwar in bester Coming-Of-Age-Manier mit der Lösung der Konflikte beim Heranwachsen konfrontiert, nur geschieht das Ganze in diesem Film mit einer Spur Nihilismus, die fast als Gegenentwurf zum eher positiv gestrickten, normalerweise üblichen Coming-Of-Age-Film funktioniert. Im Film kommt es zu einer Vielzahl an unglaublich unangenehmen und teils abstoßenden Momenten, die einen durchaus emotional herausfordern. Der Film selbst kommt mit einer interessanten narrativen Struktur und Idee, die bereits in dem kurzen Abriss über den Inhalt des Films geschildert worden ist. Gerade dass die Tagebucheinträge eines Mädchens, dass im Film eine essentielle Rolle einnimmt auf (fiktionale) tatsächliche Ereignisse beruhen und einige Leerstellen enthalten, die ein unbeteiligter Mann um einige Dinge ergänzt, aber noch Leerstellen übrig bleiben, macht aus dem Film eine unzuverlässige Erzählung, bei der man selbst nie weiß, was nun wirklich passiert ist und was sich der Mann und Erzähler ausgedacht hat. So ist die Frage nach dem, was nun Realität oder Fiktion, Wahrheit oder Dichtung ist sehr interessant und macht den Film auf seine ganz spezielle Art sehr sehenswert, auch wenn natürlich ein Großteil der in diesem Film dargestellten Charaktere nicht wirkliche Sympathieträger sind.

„Bad Tales – Es war einmal ein Traum“ - My First Look – 8/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

9992
iHaveCNit: Spencer (2022) – Pablo Larrain – DCM
Deutscher Kinostart: 13.01.2022
gesehen am 31.12.2021 in OmU in der Silvesterpreview
Arthouse-Kinos Frankfurt – Cinema - Lumiere – Reihe 8, Platz 10 – 20:15 Uhr


Der Abschluss meines Kinojahres 2021 ist sowohl auch - bis auf einen Überraschungsfilm, den ich bereits in dieser Woche gesehen habe - der Beginn meines Kinojahres 2022. In einer Silvesterpreview eines meiner Lieblingskinos gab es Pablo Larrains „Spencer“ zu sehen, der zuletzt ja bereits mit „Jackie“ und „Ema“ sehr faszinierende und elektrisierende Filme geliefert hat und dessen genauso faszinierender und elektrisierender „Spencer“ sicherlich in der ein oder anderen Kategorie der aktuellen Award-Saison eine Rolle spielen wird.

Es ist Weihnachten bei den Royals und das Wochenende wird standesgemäß im Anwesen bei Sandringham verbracht. Die Ehe zwischen Diana Spencer und Prince Charles kriselt bereits ein wenig und der Druck sowie der innere Zwiespalt von Diana inmitten des strikten Protokolls und der Zwänge sowie der Druck ihrer öffentlichen Rolle als Prinzessin scheinen die junge Frau förmlich zu zerdrücken, so dass sie einfach nur noch aus dieser Rolle ausbrechen möchte. In dieser Zeit geben ihr ihre beiden Söhne William und Harry zumindest kleine Momente bürgerlicher Normalität und menschlichen Halt.

Pablo Larrains „Spencer“ ist auf der einen Seite ein großartig inszenierter und ausgestatteter Film. Die Kameraaufnahmen und die Kameraführung ist großartig und erzeugt faszinierende Bilder, die mit dem Soundtrack von Jonny Greenwood eine fast elektrisierende Atmosphäre erzeugen. Hinzu kommt das großartige Setdesign und sowohl Make-Up und Hairstyling als auch das Kostümdesign ist eine perfekte Ergänzung für den Film. Der Film ist sowohl Charakterdrama als auch Psychothriller und durch einige filmische Ideen mehr semibiografisch zu sehen. Er bildet sehr extrem die Traditionen des britischen Königshauses ab und in diesem Fall wie strikt getaktet und organisiert das gesamte Weihnachtsfest der Royals ist, bei denen sogar neben üppig durchgeplanten Menüs auch alle Outfits für Diana durchgeplant sind. Sogar das Gewicht jedes Gastes wird aufgezeichnet und zum Zweck des Schutzes vor der Öffentlichkeit in den privaten Gemächern die Vorhänge zugenäht. Inmitten dieses Settings bekommen wir eine großartige Darstellung von Kristen Stewart geboten, die sicherlich dafür den ein oder anderen Preis für ihre Darstellung bekommen könnte. In ihr ist jederzeit dieser Druck und die innere Zerrissenheit zu spüren sich gegen die Zwänge und altbackenen Traditionen aufzulehnen und einfach sie selbst zu sein. Und hier bleibt der Film auch zum Großteil immer sehr nah bei ihr und lässt uns an dieser Tour De Force teilhaben und mitfühlen. Dabei wirkt jedoch der Rest in der Bedrohung und Unterdrückung sehr diffus und sicherlich ist diese relativ klare Rollenverteilung gut und böse nicht so simpel wie sie hier gezeichnet wird und sicherlich wesentlich differenzierter.

„Spencer“ - My First Look – 9/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

9993
iHaveCNit: Ein Festtag (2021) – Eva Husson – Tobis
Deutscher Kinostart: 23.12.2021
gesehen am 01.01.2022
Arthouse-Kinos Frankfurt – Cinema - Studio – Reihe 3, Platz 1 – 20:30 Uhr


Da in den letzten Tagen des Jahres 2021 sowohl die Zeit gefehlt hat, aber auch mein innerer Monk durchgedreht wäre, weil meine runden Zahlen in der Jahresstatistik etwas durcheinandergebracht worden wären, habe ich noch 2 Filme aus den Startterminen 23.12.2021 und 29.12.2021 auf meiner To-Do-Liste gehabt, die mir ein wenig die Zeit bis zu den kommenden Starts zu Beginn des Jahres überbrücken können. Den Anfang hier macht der am 23.12.2021 erschienene „Ein Festtag“ von Eva Husson, der auf einem Roman von Graham Swift basiert.

Die junge Jane Fairchild wächst als Waise auf und arbeitet in jungen Jahren als Hausdame bei der Familie Niven. Die Zeit ist für die Nivens und viele weitere Familien sehr schwer, da wir uns im Großbritannien der Nachkriegszeit wenige Jahre nach dem ersten Weltkrieg befinden und viele Jungs nicht mehr heimgekehrt sind. Inmitten dieser Zeit hat Jane Fairchild eine verbotene und heimliche Affäre mit dem Anwalt und Hoffnungsträger Paul Sheringham, der einer anderen Frau versprochen worden ist. Bis sich an einem bestimmten Tag mit einer Entscheidung von ihr alles verändern wird.

Eva Hussons Film ist sowohl schön bebildert als auch schön gespielt und interessant verschachtelt strukturiert. Er folgt Anfangs keiner klaren linearen Narration so dass es etwas holprig wirkt und der Einstieg etwas schwierig ist. Auch war für mich persönlich der Aufbau einer emotionalen Bindung zum Film selbst etwas schwierig, so dass der Film zwar was Schauspiel, Bebilderung und narrative Struktur angeht mich begeistert, aber emotional nicht wirklich berührt hat. Trotz allem hat mich das Porträt dieser Frau, die zu einer Schriftstellerin wird und auch der Einblick in diese ganz spezielle Zeit mit einem positiven Gefühl entlassen, weil auch die Darstellungen von Odessa Young, Josh O´Connor und in den Nebenrollen Colin Firth, Olivia Colman und Sope Dirisu begeistert haben.

„Ein Festtag“ - My First Look – 7/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

9994
iHaveCNit: Plötzlich aufs Land – Eine Tierärztin im Burgund (2022) – Julie Manoukian – Happy Entertainment/24 Bilder
Deutscher Kinostart: 06.01.2022
gesehen am 06.01.2022
Arthouse-Kinos Frankfurt – Cinema - Petit – Reihe 1, Platz 6 – 20:00 Uhr


Einen Film, den ich bereits letzten Dezember auf der Liste hatte, aber dann in dieses Jahr verschoben wurde ist einer der Kategorie nicht auf dem Schirm gehabt, aber der Trailer im Kino hat auf jeden Fall das Interesse geweckt. Nur dass ich bei der ersten Sichtung des Trailers den Filmtitel gar nicht wahrgenommen habe und erst durch eine kleine Recherche mit den Schlagworten „Film“ ; „Frankreich“ , „Tierarzt“ den Titel des Films herausgefunden habe. Irgendwie habe ich gerade auch hier die Erinnerungen an eine französische Komödie aus dem Kinojahr 2020, die mich überraschend begeistern konnte - „Mein Liebhaber, der Esel und Ich“. Und genau wie bei dem Film habe ich einen kompakten, spaßigen, entspannten und charmanten Kinobesuch gehabt.

Alexandra studiert Medizin in Paris und hat sich auf Epidemiologie und Zoonosen spezialisiert. Nach ihrem Abschluss bekommt sie unverhofft einen Anruf aus ihrer Heimat auf dem Land im Burgund bei Morvan und sie beschließt direkt dorthin aufzubrechen. Dort angekommen eröffnet ihr der Tierarzt Michel, der gemeinsam mit Nicolas eine Praxis betreibt, dass er sich aus dem Geschäft zurückziehen und sie als seine Nachfolgerin möchte. Alexandra ist erst gar nicht davon begeistert, stimmt aber widerwillig ein und so nähert sich Alexandra ihrer neuen Tätigkeit, für die sie irgendwann auch eine Entscheidung über ihre eigene Zukunft treffen muss.

In seinen 90 Minuten erzählt der Film eine sehr klassische und vorhersehbare Geschichte, die aber mit ihrer Bodenständigkeit, Unaufgeregtheit und ihrem Charme punkten kann. Und auch mit der charmanten Darstellung von Noémie Schmidt in der Hauptrolle. Die im Film enthaltene Liebeserklärung an das Landleben und für die unterschätzt wichtige Arbeit von Tierärzten ist der Film ein kleines schönes Stück Film. Jedoch wirken viele der im Film integrierten Themen in ihrer Tiefe nicht wirklich aus verhandelt und der Film bleibt etwas sprunghaft und oberflächlich. Ich hätte für meinen Geschmack dem Ganzen auch gerne viel länger zugesehen.

„Plötzlich aufs Land – Eine Tierärztin im Burgund“ - My First Look – 7/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

9995
iHaveCNit: Lamb (2022) – Valdimar Johansson
Deutscher Kinostart: 06.01.2022
gesehen am 07.01.2022
Arthouse-Kinos Frankfurt – Harmonie – Große Harmonie – Reihe 4, Platz 9 – 18:00 Uhr


Ein Film, den ich natürlich aus den aktuellen Starts auf meiner Liste habe und sehen wollte ist der isländische Beitrag für die kommende Oscarverleihung, der mich bereits seit dem ersten Sichten des Trailers und natürlich der Beteiligung von Hauptdarstellerin Noomi Rapace angesprochen hat. Dass sich zumindest was den amerikanischen Verleih angeht auch A24 dem Film angenommen hat, sicherlich auch ein wenig. Und „Lamb“ ist natürlich ein sehr spezielles Erlebnis, dass sich auf der Leinwand entfaltet.

Das Ehepaar Maria und Ingvar betreiben in der stillen und ruhigen Einöde der Berge Islands eine Farm, bei der sie sich auch mit der Schafzucht beschäftigen. Bis eines Tages ein ganz besonderes Lamm auf die Welt kommt, der sich Maria und Ingvar annehmen und Ada taufen.

„Lamb“ ist ein ganz interessantes und spezielles Erlebnis geworden. Der Film besticht natürlich vor allem mit seiner Hauptdarstellerin Noomi Rapace und den großartigen Kamera- und Landschaftsaufnahmen. Er lässt sich Zeit für die Entfaltung seiner Bilder und lässt auch mal die Bilder und die visuelle Erzählung ganz für sich sprechen, denn Dialoge sind eher spärlich gesät. Thematisch erzählt der Film direkt über seine sehr nuancierte und minimalistische Weise sehr viel über das Leben und das Verhältnis des Menschen zum Tier und auch umgekehrt. Da ich mich bisher wenig mit der zugrundeliegenden Folklore und Symbolik auseinandergesetzt habe, ist das Interesse von meiner Seite aus definitiv groß, den Film irgendwann einer tieferen Analyse bezüglich den ganzen feinen Details und der Symbolik zu unterziehen. Ein Teil der sich durch die Überraschungen ergebenden Bilder, die der Film liefert sind nicht nur überraschend, sondern auch solche, die man für lange Zeit nicht vergisst. Aber leider habe ich aus der ersten Sichtung für mich nicht viel mitgenommen. Jedoch bin ich mir sicher, dass ich Interesse habe, daran etwas zu ändern, doch dafür muss ich mich tiefer mit dem Film beschäftigen.

„Lamb“ - My First Look – 8/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

9996
iHaveCNit: Ègalitè (2022) – Kida Khodr Ramadan – Alpha Centauri Studios
Deutscher Kinostart: 13.01.2022
gesehen am 08.01.2022 im Rahmen der Kinotour mit Regisseur Kida Ramadan und Hauptdarsteller Burak Yigit
Cinestar Metropolis Frankfurt – Kinosaal 8 – Reihe M, Platz 8 – 20:00 Uhr


Die nächste Kinovorstellung in diesem Jahr ist eine ganz Besondere gewesen. In den letzten Jahren sind mir bei meinen filmischen und seriellen Ausflügen unter anderem auch sowohl Kida Khodr Ramadan als auch Burak Yigit so prägnant im Gedächtnis geblieben, dass ich Filme mit Beiden sehr gerne sehe und auch die letzte Regiearbeit von Kida Ramadan „In Berlin wächst kein Orangenbaum“ hat mir sehr gut gefallen. So war sein neuer Film „Ègalitè“ auf jeden Fall eine sichere Bank in meiner Film- und Kinoplanung. Und da hat sich für mich als „Fan“ der Arbeit von Beiden auch eine Möglichkeit ergeben eine Vorstellung des Films im Rahmen der Kinotour mit Anwesenheit der Beiden inklusive anschließendem „Q and A“ sowie „Meet and Greet“ zu besuchen. Inklusive einem wundervollen Film war das mal wieder ein wenn auch kurzes Kino-Erlebnis, das für mich als ganz Besonders noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Das Leben der Familie Aydin läuft in geordneten Bahnen, auch wenn der Vater Attila bei manchen Kleinigkeiten nicht ganz aus dem Quark kommt, gibt er das Beste für seine Familie, mit seiner Frau Aya erwartet er ein drittes Kind und er versucht seinem Sohn Nuri jeden Wunsch zu erfüllen. Doch ein Ereignis zieht der Familie den Boden unter den Füßen weg. Nach einer harmlosen Mandeloperation seiner Tochter Leila kommt es zu einem folgenschweren Zwischenfall. Leila erblindet. Die Erblindung lässt die beteiligten Mediziner ratlos zurück. Attila hingegen ist überzeugt davon, dass es zu einem Pfusch der Ärzte gekommen ist und damit reißt er sich in eine Abwärtsspirale, die ihn von seiner Familie entfremden und folgenschwer sein könnte.

„Ègalité“ ist ein berührendes und erschütterndes Familiendrama und ein feines Psychogramm eines engagierten und zeitgleich hilflosen Familienvaters auf der Suche nach Wahrheit und Gehör, dass eine unfassbar gut gespielte „Tour De Force“ von Hauptdarsteller Burak Yigit geworden ist, den wir auf seiner Reise begleiten dürfen. Auch wenn diese Reise sehr hart, erschütternd und unangenehm ist – und ambivalent zwischen Paranoia und Alltagsrassismus pendelt. Die Entstehungsgeschichte des Films soll eine sehr kurze gewesen sein. Innerhalb weniger Tage stand die Idee und in 9 Tagen wurde der gesamte Film abgedreht. Gekostet hat das ganze Projekt 10.000 Euro. Die Produktionskosten und auch die Kürze des Films von 80 Minuten machen den Film zu einem sehr minimalistischen, aber auch effektiven und kompakten Film, der wesentlich hochwertiger aussieht als seine Produktionskosten. Im Kern des Films geht es nicht nur um das Innenleben einer türkischen Familie und zum Teil eine Spur Alltagsrassismus, es geht um väterliche Liebe, Hoffnung und auch um ein ganz spezielles Thema, mit dem ich mich aus persönlicher Sicht gut identifizieren konnte – Ärztepfusch – bei dem ich an dieser Stelle aber weitere persönliche Details weglassen möchte. Insgesamt ein großartiger Film von Kida Ramadan und seinem Ensemble, in dem neben Burak Yigit auch Susana Abdulmajid und die Kinder von Kida, Momo und Dunya mitspielen und in kleinen Nebenrollen auch Kida selbst sowie Hassan Akkouch und Emma Drogunova zu sehen sind. Schon jetzt ein Anwärter in meiner Kategorie „Bester Deutscher Film“ des Jahres 2022.

„Ègalitè“ - My First Look – 9/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

9998
iHaveCNit: The 355 (2022) – Simon Kinberg – Leonine Studios
Deutscher Kinostart: 06.01.2022
gesehen am 10.01.2022 in Dolby Atmos
Kinopolis Main-Taunus-Zentrum – Kino 10 – Reihe 9, Platz 16 – 20:20 Uhr


Die ein oder anderen rufen schon seit längerem nach einer weiblichen Nachfolge des berühmten Filmagenten James Bond – Ich nicht und ich bin auch ein entschiedener Gegner ebendieser Forderung. Ich bin da eher ein Freund davon neue Filmprojekte zu erschaffen, indem eben der Platz für weibliche Charaktere im Stil von James Bond, Ethan Hunt, Jason Bourne und Co. geschaffen wird – und dort ist dann auch in meinen Augen die Möglichkeit auch ein wenig Diversität einzubringen. Genau dort setzt „The 355“ von Simon Kinberg an und er lässt ein gut besetztes und diverses Frauen-Ensemble in der Welt der Spionage eine moderne Bedrohung abwehren. Der Film ist besser als vermutet, lässt aber auch einiges an Potential liegen.

In Kolumbien stellt der Agent Luis eine Festplatte mit einer sensiblen Cyberwaffe sicher. Eigentlich ist eine Übergabe dieser Cyberwaffe in Paris an die CIA-Agenten Mason und Nick geplant, doch scheinbar ist vor Ort auch noch der deutsche und kolumbianische Geheimdienst an der Sicherstellung der Waffe interessiert – genau wie ein gefährlicher Söldner, der dafür sorgt, dass sich allen Konflikten zum Trotz die Agentinnen Mason, Marie, Graciela und Khadjia zusammenraufen müssen ohne zu wissen, dass sie unverhofft noch weitere Hilfe erwarten können.

Der Plot um eine Cyberwaffe und eine damit entsprechende Bedrohung ist für heutige Verhältnisse ein klassischer Plot des modernden Spionagethrillers, so dass der Verlauf des Films nicht wirklich überraschend und damit vorhersehbar ist. Die Action ist recht ordentlich und kann sich sehen lassen, auch wenn diese natürlich mit der typischen Hektik bei Kamera und Schnitt inszeniert wurde und dort etwas Potential für übersichtliche Action liegen gelassen wurde. Aber da ich gerne Filme mit Jessica Chastain sehe und auch der gesamte Rest des Frauen-Ensembles mit Lupita Nyong´o, Penelope Cruz, Diane Kruger und Fan Bingbing insgesamt gut herausgearbeitete und im Sinne der Handlung vielschichtige Charaktere bekommen haben und mit nachvollziehbaren und passenden Konflikten zu kämpfen hatten, so dass mich die damit verbundene Dynamik und auch das rasante Tempo des Films mitgerissen hat.

„The 355“ – My First Look – 7/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

9999
Habe ihn auch gestern gesehen und bin weniger angetan. Die Story wirkte auf mich löchrig und oft sehr konstruiert. Dazu wurden Darsteller wie Flemyng komplett verschenkt. Es gab peinliche Oneliner, miese Effekte (vor allem bei Shootouts gar keine, was schlecht ist wenn man bedenkt, dass Personen auf Kugeln reagieren aber man offensichtlich keine sieht). Des Weiteren hat man in jeder Szene von Fan Bingbing gemerkt, dass die gar nicht und nie am Set war. Das war extrem schlecht gemacht und ist wirklich jedes Mal aufgefallen. Die Action war okay, die Charaktere gute gespielt aber die Regie einfach ungenügend. Da wäre bei dem klasse Cast so viel mehr drin gewesen.

3/10

Re: Zuletzt gesehener Film

10000
Promising Young Woman
Hab mir wegen der großen Lorbeeren, die er von den Kritikern bekam, eine DVD gekauft.
Das Ergebnis ist eher durchwachsen.
Mal das gute: es ist kein 0815 Rape and Revenge Movie, sondern die Handlung ist wirklich logisch, auch die Twists and Turns sind nicht bei den Haaren herbeigezogen.
Ich kann mich einfach nicht mit der Rolle von Cassie, deren Studienkollegin Nina von männlichen Studenten auf der Uni vergewaltig wurde, anfreunden. Zu grotesk erscheint mir ihre Rache, in Bars zuerst die Schnapsdrossel zu spielen, geil gemachte Männer abzuschleppen, um sich dann in deren Privatgemächern als Rache - Tussi zu outen. Jeder würde meinen, da spielt sie mit dem Feuer, doch alle auch noch so rossige und gar mit Drogen zugeknallte Böcke ziehen den Schwanz ein. Wenig überzeugend.
Echt ungewöhnlich ist auch der Schluss - fernab jedes Happy Ends und Melodramas. Ich befürchte, das wurde aber vom Publikum wenig goutiert.
Vom Acting her wirkt Carrey Mulligan auch etwas farblos. Sie kurvt die Szenen lustlos monoton runter. Man nimmt ihr den perfiden Racheplan einfach nicht ab.
7/10 Tritte in die E**r
Seine Zeit kam, immer wenn er Pillen nahm

Re: Zuletzt gesehener Film

10001
Crimson Peak
Nach „Shape of Water“ hatte ich ziemlich hohe Erwartung an diesen Film. Doch leider wurde ich enttäuscht. Viele Dinge vorhersehbar, die Spannung nur über Jump-Scares ausgelegt und am Ende ein total unnützes Gemetzel - quasi jeder bekommt was ab. Das war leider nichts. Lediglich die Optik konnte überzeugen.

3,5/10
"Was sagtest du, machst du beruflich?"

Re: Zuletzt gesehener Film

10003
iHaveCNit: Pleasure (2022) – Ninja Thyberg - Weltkino
Deutscher Kinostart: 13.01.2022
gesehen am 18.01.2022
Arthouse-Kinos Frankfurt – Harmonie – Kleine Harmonie – Reihe 3, Platz 9 – 21:00 Uhr


Als ich mir die aktuellste Deadline geholt und ein wenig in den Berichten über kommende Filme geblättert und gelesen habe, ist mir der Film „Pleasure“ so prägnant ins Auge gefallen, dass die Berichte und Interviews mein Interesse an dem Film geweckt haben. Der Film ist das Langfilmdebüt von Regisseurin Ninja Thyberg und das Schauspieldebüt von Sofia Kappel – und mittlerweile zurecht für 7 Preise beim schwedischen Filmpreis „Guldbagge“ nominiert. Regisseurin Ninja Thyberg hat vor einigen Jahren mit einem gleichnamigen Kurzfilm bereits für Furore im Milieu gesorgt, in dem „Pleasure“ spielt und sich über die letzten Jahre so sorgsam Kontakte und Hintergründe erarbeitet, auf ihrem Kurzfilm basierend diesen Langfilm zu inszenieren – der schon jetzt für mich ein starkes Highlight meines Kinojahres 2022 darstellt.

Sie liebt Schwänze, hat Lust auf Sex und träumt von einer Karriere als Pornostar „Bella Cherry“ in LA. Die junge Schwedin Linnéa zieht von ihrer schwedischen Einöde nach Los Angeles mit der Intention des Vergnügens. Ohne zu ahnen, dass der Weg nach oben absolut kein Vergnügen ist und die Grenzen und Grenzüberschreitungen noch feiner und knapper sind als die schon sehr feinen Stücke Stoff, die man bei der Produktion von Filmen dieser Art zu tragen und auszuziehen pflegt. Und ohne zu ahnen, was der eigene Ehrgeiz und der äußere Leistungsdruck für eigene charakterliche und menschliche Opfer fordert.

Das Geschäft der US-Amerikanischen Pornoindustrie ist eine rein kapitalistisch orientierte Geldmaschinerie, bei der Gewinnmaximierung an oberster Stelle steht und die Menschenwürde quasi durchgenommen und vergewaltigt wird. Ich kann es mir nur vorstellen und habe an dieser Stelle keine statistischen Quellen, aber sowohl die Entwicklung von Internet und Social Media als auch die sich im Spannungsfeld der sexuellen Befreiung der Frau ergebende sexuelle Frustration der Männer haben auf das Geschäft der Pornoindustrie einen entscheidenden Einfluss. Denn in Zeiten des Internets reichen wenige Klicks für den Zugriff auf einschlägige kostenfreie Seiten, die teils sogar urheberrechtlich geschütztes Material von Filmstudios oder Bildmaterial von Content Creatorinnen bieten. Das macht das Geschäft um das große Geld in der Branche noch härter als es ohnehin schon ist. Der große Hauptteil der Kunden in diesem Geschäft ist soweit ich mir das vorstellen kann auch eben männlich. Die Branche und Industrie, in der auch größtenteils Männer hinter der Kamera, an der Spitze von Produktionsstudios und Modelagenturen zu finden sind, weiß man bestens darüber Bescheid, dass das sexuelle Lustempfinden bei Männern durch visuelle Schlüsselreize gesteuert wird – dem größtenteils in der Branche vorzufindenden „Male Gaze“, der die Filme auf die größt- und bestmöglichen visuellen Schlüsselreize optimiert und nahezu alles zu sehen ist und auch gezeigt wird. Gerade in einem meiner Lieblingsfilme „Don Jon“ von Joseph Gordon-Levitt wird auch genau diese Faszination und die Vorstellungen von Sexualität eines Konsumenten von Pornofilmen bestätigt und seziert. Dabei ist es aber ein sehr schmaler Balanceakt zwischen kurzfristiger sexueller Befriedigung hin zum krankhaften Suchtverhalten, das die Potenz und das Verhältnis zur Sexualität nachhaltig negativ beeinträchtigen kann – gerade auch, wenn man durch den Konsum selbst abgestumpft wird. Ich selbst sage an dieser Stelle, dass auch ich durchaus unregelmäßig Filme dieser Art schaue und daher die Inszenierung nach „Male Gaze“ und auch die in „Don Jon“ geschilderte Faszination bestätigen kann. Auch wenn es einige Darstellerinnen gibt, die selbst Filme als Regisseurinnen stemmen, so kommt man nicht umher auch dort nach „Male Gaze“ optimierte Filme zu inszenieren.

Auch wenn dieser Einstieg gerade etwas lang gewesen ist, musste er an dieser Stelle einfach raus, weil ich persönlich das einfach als ergänzende Gedanken niederschreiben wollte und das zum Thema des Films selbst ganz gut passt. Thybergs Film ist im Kino eine unangenehme und teils auch immersive Erfahrung geworden, da wir in diesem Film auch oft die weibliche Perspektive einnehmen und damit etwas geboten bekommen, das sicherlich auch in Richtung des „Female Gaze“ geht. Wir sind fast den gesamten Film an der Seite der von Sofia Kappel roher und absolut grandios gespielten „Bella Cherry“und erleben aus ihren Augen wie hart das Pornogeschäft tatsächlich ist und was die Erfahrungen auch mit der eigenen Psyche, dem Charakter und auch Freundschaften macht. Dabei erleben wir sie in Fotoshootings, bei Dreharbeiten, bei Gesprächen mit Agenten und auch auf einschlägigen Messen. Auch wenn Fotoshootings und die Gespräche mit Agenten bereits einen kleinen Einblick geben, wie unangenehm die Arbeitsumgebung und das Umfeld sein kann, so bietet der Film bei den Dreharbeiten zu entsprechenden Szenen extrem eindeutige und auch unangenehme Bilder, die lange im Kopf bleiben. Der Film zeichnet einen starken Kontrast zwischen den behutsamen, fürsorglichen Umgang auf einem Set für Praktiken der härteren Fetischisierungen und Gangarten, während auf einem anderen Set der eigentlich eher harmlosere Hardcorekram durch den dort dargestellten Inhalt einer Vergewaltigung die Grenze trotz vertraglich vereinbarten Consent genau dieser behutsame, fürsorgliche Umgang fehlt und die Grenze ganz klar überschritten wird. Auch wird dort der schmale Grat zwischen Fetischisierung und Rassismus thematisch integriert, gerade wenn Linnéa abseits der Dreharbeiten mit einem afroamerikanischen Darsteller über dessen Spezialität spricht und später auch mitbekommt, mit welchem Druck auch er ausgesetzt ist. „Pleasure“ ist aus filmischer Sicht in seiner speziellen Art und Weise ein Vergnügen geworden – so authentisch, bodenständig und ehrlich ohne jeglichen Voyeurismus und sehr ausdifferenziert einen Blick in die Pornoindustrie zu bekommen und dann auch noch mit einer solchen Inszenierung einen Sog zu entwickeln, der einen auch wenn es unangenehm ist an den Film zu binden macht „Pleasure“ zum ersten richtigen Highlight meines Kinojahres 2022. Ob es jedoch durch diesen Film zu einem Umdenken innerhalb der dort dargestellten Industrie in Bezug auf den Umgang mit Frauen und Männern kommt wage ich persönlich zu bezweifeln – auch wenn ein Funken Hoffnung da ist. Und dabei wäre es doch für diese Industrie von Vorteil Filme mit einer feinen Ausgewogenheit und Balance zwischen dem „Male Gaze“ und „Female Gaze“ zu produzieren und mit einer positiven Stimmung am Set zu einem sexuellen Vergnügen für alle involvierten Seiten zu führen. Und da kann ich mir vorstellen, dass mit genau dieser feinen positiven Stimmung vor Ort auch bei den Darstellerinnen und Darstellern echtes Vergnügen und Lust empfunden wird, was sich sicherlich auch auf empathischer, intuitiver und emotionaler Ebene auch das Lustempfinden weiblicher Zuschauer anregen könnte, ohne komplett auf das Lustempfinden für männliche Zuschauer zu verzichten. So wäre das eine Win-Win-Situation für alle – die Produzenten, die Darsteller und auch die Zuschauer selbst.

„Pleasure“ - My First Look – 10/10 Punkte.
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