Re: Zuletzt gesehener Film

10007
Gernot hat geschrieben: 19. Januar 2022 22:35 10/10 für nen Porno? Nicht schlecht...!! 🤣
Das ist ein spannender Film über die Pornoindustrie und die patriarchalen Strukturen hinter der Kamera. Kein Porno. :wink:
Then out spake brave Horatius, the Captain of the Gate: "To every man upon this earth, death cometh soon or late. And how can man die better than facing fearful odds, for the ashes of his fathers, and the temples of his gods."

― Thomas Babington Macaulay, Lays of Ancient Rome.

Re: Zuletzt gesehener Film

10009
Naja gut, irgendwelche Kriegsgeilen werden sich auch nur die für sie interessanten Szenen bei "Der Soldat James Ryan" und "The Red Thin Line" ansehen. Das ist ja immer so, wenn solche Themen in welcher Form auch immer ver- und behandelt werden. :D Das ist das bekannte Paradoxon: Du kannst solche Sachverhalte nicht ernsthaft in Filmen aufgreifen, ohne bis zu einem gewissen Grad nach deren Regeln zu spielen.
Then out spake brave Horatius, the Captain of the Gate: "To every man upon this earth, death cometh soon or late. And how can man die better than facing fearful odds, for the ashes of his fathers, and the temples of his gods."

― Thomas Babington Macaulay, Lays of Ancient Rome.

Re: Zuletzt gesehener Film

10014
iHaveCNit: Eine Nacht In Helsinki (2022) – Mika Kaurismäki – Arsenal Filmverleih
Deutscher Kinostart: 20.01.2022
gesehen am 20.01.2022
Arthouse-Kinos Frankfurt – Cinema - Studio – Reihe 3, Platz 1 – 20:30 Uhr


Was ist der finnische Sonnenuntergang ? „Helsinki“ ! Der Wortwitz musste an dieser Stelle sein ! Da mich der letzte Film vom finnischen Regisseur Mika Kaurismäki, „Master Cheng in Pohjanjoki“ bereits begeisterten konnte, hat mich sein neuer Film „Eine Nacht in Helsinki“ ganz unerwartet durch seine Trailer im Kino erreicht, der mich auch mit seiner Thematik interessiert, die uns aktuell bewegt und mit der wir alle zu kämpfen haben. Aus der aktuellen Corona-Krise und seinen Auswirkungen auf die Lebensgeschichte von 3 Männern hat Mika Kaurismäki ein minimalistisches Kammerspiel in einer Bar inszeniert.

Heikki wollte sich eigentlich nur einen ruhigen Abend in seiner Bar machen, bevor er seinen Plan in die Tat umsetzt, die Bar in Flammen aufgehen zu lassen. Denn vor wenigen Monaten ist sowohl Finnland als auch die gesamte Welt von einer Pandemie getroffen worden, die seine Bar durch den Lockdown schwer trifft. Doch dann besucht ihn sein alter Freund Risto nach einer anstrengenden Schicht in der Krankenpflege – und kurze Zeit später kommt Juhani rein, ein Sozialarbeiter, der einfach nur sein Handy laden möchte, aber irgendetwas zu verbergen scheint.

Mir hat der Film sehr gut gefallen. Mit 90 Minuten ist der Film auch relativ kurz und kompakt. Die Bar, in der der Film spielt ist auch die Bar, die dem Regisseur selbst gehört und so wie ich gelesen habe scheint er seinem Darstellertrio nur die Grundinformationen an die Hand gegeben, damit sie den Rest improvisieren können. Dabei werden wir bei den Gesprächen Zuhörer von Themen wie unter anderem Träume, Obsessionen, Wertigkeiten der Berufe in der Gesellschaft, Burn-Out, häusliche Gewalt sowie Eheprobleme. Die Filmhandlung spielt in der Nacht vom 30.04.2020 auf den 01.05.2020, wenige Monate nach Beginn der Pandemie und auch entsprechender Lockdown-Maßnahmen. In den Köpfen damals auch bei mir Verwirrung und Unsicherheit was diese Pandemie angeht. Und genau diese Unsicherheit bringt der Film und sein Trio richtig gut rüber. Der Film selbst ist auch das perfekte Plädoyer einfach auch als Mann über seine Probleme zu reden oder allgemein mit anderen Menschen über Probleme zu reden statt diese mit sich selbst auszumachen – selbst in Zeiten wie diesen. Und der Film ist eine Liebeserklärung an die Zeit gemeinsam, die Geselligkeit und dass wir füreinander da sein können. Leider verliert sich der Film aber auch teilweise in seinen Dialogen und das ein oder andere Thema schwankt bei mir zum Beispiel wenn es um das Interesse an diesem Thema geht, aber das trübt den positiven Eindruck nur minimal.

„Eine Nacht In Helsinki“ - My First Look – 8/10 Punkte.
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "

Re: Zuletzt gesehener Film

10015
Wheelman auf Netflix

Ein überraschend kurzweiliges (und auch kurzes <80min) Vergnügen. Hauptdarsteller ist Frank Grillo (Crossbones bei MCU). Interessant: der Film ist zu 90% aus dem oder an dem Fluchtwagen (ein schiefgeganger Banküberfall) gedreht, den man nie in Gänze zu sehen bekommt. Irgendwo eine Mischung aus Driver (Refn) und Nicht Auflegen! (Schumacher), und damit spannend genug, um dranzubleiben.

7/10
This is the the tale of Robin Hood in reverse

Re: Zuletzt gesehener Film

10016
Der blutige Pfad Gottes 2 Directors Cut

In allen belangen schwächer als der großartige erste Film. Die beiden Hauptdarsteller machen ihre Sache gut, die Action ist auch oft gut inszeniert aber der Charme, der Humor und auch die Inszenierung sind nicht einmal im Ansatz dem ersten Film würdig. Sehr schade.

5/10

Der Erstling kriegt locker 9 Punkte.

Re: Zuletzt gesehener Film

10017
iHaveCNit: Wanda, mein Wunder (2022) – Bettina Oberli – Warner
Deutscher Kinostart: 06.01.2022
gesehen am 24.01.2022
Arthouse-Kinos Frankfurt – Cinema - Petit – Reihe 1, Platz 6 – 20:15 Uhr


Aus dem Januar 2022 wollte ich noch einen Film mitnehmen, der mich auch halbwegs durch seinen Trailer und seine Besetzung interessiert hat. Die Rede ist vom schweizerischen Familiendrama „Wanda, mein Wunder“ der Regisseurin Bettina Oberli, dass dann doch sehr interessant und fein geworden ist.

Die wohlhabende Familie Wegmeister-Gloor ist seit dem Schlaganfall des Patriarchs Josef auf Pflegekräfte angewiesen, die sie über Agenturen aus dem östlichen Europa anwerben. Da es bei der letzten Pflegerin zu Konflikten gekommen ist, fängt die aus Polen stammende Wanda bei der Familie als Pflegekraft an. Auf das Geld für ihre polnische Familie angewiesen nimmt Wanda es sehr flexibel, was das Leistungspektrum ihres Dienstes für Josef und der Familie betrifft. So flexibel, dass ein einschneidendes Ereignis das Leben der Familie Wegmeister-Gloor ordentlich durcheinanderwirbelt und alte bittere Konflikte zu Tage geführt werden.

Das Familiendrama, das durchaus eine feine Tragikomödie mit fein integrierter Gesellschaftskritik enthält, hat mir sehr gefallen und auch in manchen Momenten sowohl emotional berührt als auch ein feines Lachen entlockt. Die Struktur des Films ist in 3 Kapiteln und einem Epilog aufgeteilt, so dass sich die Handlung des Films auf 3 unterschiedliche Zeitpunkte im Leben der Familie und der Beziehung zu Wanda fokussiert und damit so verdichtet ist, dass ich in gewisser Art und Weise weder etwas vermisst habe noch etwas vom Gefühl her Fehl am Platz fand. Wobei hier natürlich ein paar der Darsteller durch die Zeichnung ihrer Charaktere teilweise eher undankbar und unvorteilhaft erwischt worden sind. Ganz interessant war aber auf jeden Fall die Zeichnung der gesamten Familie und dass sich innerhalb des doch oberflächlich perfekten Scheins sehr viele unverarbeitete, tiefe und auch bittere Konflikte befinden und der Film diese Konflikte großartig herausarbeitet. Darüber hinaus darf man auch nicht vergessen, dass neben Agnieszka Grochowska, Marthe Keller und Andre Jung ein Teil der Nebenrollen mit Namen wie Anatole Taubman, Jacob Matschenz und Birgit Minichmayr besetzt worden ist und das Ensemble einen großartigen Job macht.

„Wanda, mein Wunder“ - My First Look – 8/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

10018
iHaveCNit: In Liebe Lassen (2022) – Emmanuelle Bercot – Studiocanal
Deutscher Kinostart: 20.01.2022
gesehen am 25.01.2022
Arthouse-Kinos Frankfurt – Cinema - Studio – Reihe 3, Platz 1 – 18:00 Uhr


Als einen optionalen Kinostart des aktuellen Kinowochenendes habe ich mir dann noch das Drama „In Liebe Lassen“ der Regisseurin Emmanuelle Bercot mit Benoit Magimel und Catherine Deneuve in den Hauptrollen angesehen, der mich durchaus anhand vom Trailer und seinen sonstigen Infos interessiert hat.

Benjamin ist unheilbar an Krebs erkrankt und hat nur noch knapp ein Jahr zu leben. Dem Schauspiellehrer gelingt es seinen Schülern jede noch so versteckte innere Emotion zu entlocken. Etwas, das Benjamin bei sich selbst nicht gelingt, weil er auch jede mögliche Hilfe bisher abgelehnt hat, bis ihn seine Mutter Crystal überredet die Behandlung bei dem sehr einfühlsamen Onkologen Dr. Eddé anzunehmen. Doch wird Benjamin mit der Schuld in seinem Leben nichts erreicht zu haben, jemals im Tod Frieden schließen und loslassen können ?

„Unheilbar an Krebs erkrankt“ ist natürlich ein Thema, das sich perfekt für Dramen eignet. Im letzten Jahr hat mich zum Beispiel hier das Vater-Sohn-Drama „Nowhere Special“ von Uberto Pasolini mit James Norton und Daniel Lamont so sehr berührt, dass es für mich einer der besten Filme des Jahres 2021 ist. Das Gleiche passiert jedoch bei „In Liebe Lassen“ nicht. Das Drama berührt schon in einigen Momenten und Benoit Magimel und Catherine Deneuve spielen großartig. Auch der relativ realitätsnahe Ansatz, vor allem wenn ein tatsächlich praktizierender Onkologe hier als Darsteller auftritt. Jedoch fühlt sich ein Teil der integrierten Handlungsstränge ein wenig zu forciert an, eine gewisse Spur an zusätzlicher Dramaturgie zu erzeugen, die gleichermaßen notwendig als auch nicht notwendig ist. Auch manche Elemente wirken nicht ganz logisch und glaubwürdig herausgearbeitet. Unabhängig davon ist dieses Drama durchaus sehr sehenswert, sofern man sich auf dieses Thema einlassen kann.

„In Liebe Lassen“ - My First Look – 7/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

10019
iHaveCNit: Niemand ist bei den Kälbern (2022) – Sabrina Sarabi – Filmwelt
Deutscher Kinostart: 20.01.2022
gesehen am 29.01.2022
Kinocenter Gießen – Manhattan – Reihe 9, Platz 5 – 17:00 Uhr


Für den filmischen Abschluss des Januars 2022 wollte ich mir noch „Niemand ist bei den Kälbern“ ansehen und habe dafür sogar meine örtliche Komfortzone etwas verlassen, indem ich auch mangels passender Angebote meiner Kinos vor Ort auf ein Kino weiter außerhalb ausgewichen bin. Einfach mal raus, etwas Neues und Unbekanntes wagen ist durchaus auch ein Thema, dem sich „Niemand ist bei den Kälbern“ von Sabrina Sarabi annimmt und für den sich der Aufwand doch schon in gewisser Art und Weise gelohnt hat.

Die junge Christin lebt bei ihrem Freund Jan und dessen Eltern auf deren Bauernhof und hat bis auf die Pflege der dortigen Kühe und Kälber eigentlich die Arbeit und das dortige Leben satt. Einzige Lichtblicke scheinen ihre Anziehung zum Techniker Karl als auch die gemeinsamen Party-Abende mit ihrer Freundin Caro zu sein, die ihren Wunsch auszubrechen und etwas neues zu wagen immer stärker zum Vorschein kommen lassen.

In einer sommerlichen Atmosphäre gibt uns Regisseurin Sabrina Sarabi bei ihrer Inszenierung wenig an die Hand. Sie lässt uns dicht am Leben von Christin teilhaben und viele Situationen beobachten. Saskia Rosendahls stille, mit wenigen Dialogen geprägte Darstellung der Christin lässt Blicke und Ausdrücke für sich sprechen. In dem nicht ausgesprochenen und nur angedeuteten lässt sich viel ablesen. Von Langeweile, von Faszination, von Anwiderung und auch dem Aufbegehren danach einfach auszubrechen und auf sich aufmerksam zu machen. Gerade eben ihr damit einhergehendes freizügiges Auftreten sorgt jedoch bei einigen in ihrem Umfeld für sehr ablehnenden, teils misogynen Argwohn. Der Film zeichnet hier durchaus auch unangenehme und harte Situationen und er skizziert die Ausweglosigkeit und Langeweile eines Lebens in der Provinz und den traditionellen Strukturen einer Arbeit in der Landwirtschaft – die hier entromantisiert wird. Loslassen und zurück lassen – wenn man sonst nichts anderes kennt und kann – ist ein sehr schwieriges Thema, dass hier auch unterschwellig verhandelt wird. Insgesamt ein sehr interessanter und sehenswerter Film.

„Niemand ist bei den Kälbern“ - My First Look – 8/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

10020
Harakiri (Masaki Kobayashi, 1962)

Heute zum Abschluss der Filmreihe "Mythos Samurai" in der ersten Reihe beglotzt. Spannender und erbarmungslos harter Jidai-geki-Film, der sich genau wie sein Protagonist lange Zeit um keinen Preis in die Karten schauen lässt, was es umso stärker macht wenn beide endlich ihre wahren Absichten preisgeben. Das Schwertduell zwischen Tatsuya Nakadai und Tetsurō Tamba ist überragend und hat mich sprachlos gemacht.

Wertung: 9 / 10
We'll always have Marburg