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von danielcc
00-Agent
Super interessante Diskussion. Vor allem auch weil ich nicht so voreingenommen bin wie bei einem Bondfilm...
Was ich mit meiner Aussage zu Sequels meinte: Es mag im Widerspruch zu deiner Aussage stehen, aber ich glaube das tut es gar nicht. Für mich sind die Sequels, die nicht funktionieren oft die, die nur das Kopieren und Verstärken was das Original auf OBERFLÄCHLICHE Weise betrachtet zum Erfolg gemacht hat, aber die Feinheiten hinter dem Erfolg nicht verstanden haben. Was man dann oft sieht ist: mehr Action, mehr Sprüche, mehr Gewalt, mehr Sex, (mehr CGI), längere Laufzeit.
Was Callahan angeht, da weiß ich nun nicht genug aus der Zeit, um zu sagen, ob das, was du in dem Film siehst eine bewusste Entscheidung war oder einfach nur „passiert“ ist. Die Vermenschlichung des Charakters sehe ich schon als etwas Bewusstes an. Es hat aber teilweise auch die von mir kritisierten Sequelzüge. Szenen wie in den ersten 30 Minuten, insbesondere die lange Sequenz am Flughafen sind reiner, falsch verstandener „Original-Fan Service“. Andere Szenen im privaten Umfeld sind dann wohl eher eine bewusste Entscheidung, um die Figur zu erweitern auch im Hinblick auf das (spätere) Thema des Films.
Aber in Summe fällt mir auf: Der Film ist brutaler, er ist länger, er hat mehr Nacktszenen, es gibt mehr Sprüche, mehr von den Auseinandersetzungen mit den „Höherrangingen“. Das wirkt viel wie „Sequelitis“. Schlimmer aber für mich ist, dass das Original die Charakterzeichnung „en passant“ gemacht hat. Man erfährt wer Harry ist in dem man ihm durch die Haupthandlung folgt. In Teil 2 hingegen erfährt man mehr über ihn, in Szenen, die abseits der Haupthandlung stehen, wohingegen sein späteres agieren in der Haupthandlung entgegen seinem bis dato gezeichneten Charakter steht (mal ehrlich: zumindest mal hätte es einen echten inneren Konflikt gebraucht, denn de facto tun die jungen Cops ja genau das was er in den Filmen bis dato propagiert hat).
Was mir aber auch so deutlich schlechter gefällt ist die tatsächliche Inszenierung des Hauptplots. Im Original sind da die ersten 5-10 Minuten wahnsinnig entscheidend. Man wird förmlich in die Handlung reingezogen, und von da an ist man immer an Harrys Seite wenn er ermittelt und sich immer wieder direkt mit dem (tollen) Bösewicht misst. Ja, Harry IST zu großen Teilen die Haupthandlung. Im Sequel ist das gar nicht so. Harry kommt den eigentlichen Taten nie nahe, er ist nie nahe dran. Es sind immer andere Polizisten, die da involviert sind. Harry ermittelt nur, weil und in dem er zufällig diese Truppe von jungen Polizisten kennenlernt, und seine ganze Ermittlung findet von deren Taten losgelöst statt (zB die entscheidende Szene auf den Schießständen).
Man könnte sagen: Die Handlung läuft an Callahan vorbei, daher bekommt er mehr Szenen, die davon losgelöst sind.
Was für den Anfang gilt das gilt auch fürs Ende. Bei Teil 2 ist man gar nicht happy am Ende, denn es gibt ja niemanden mehr, mit dem Harry den Erfolg „teilen“ kann. Er ist nur noch alleine. Ja auch das sicherlich bewusst, aber doch irgendwie unbefriedigend – zumal der vorausgegangene Showdown sehr lang und langatmig ist.
"It's been a long time - and finally, here we are"