Re: Der TV Serien Thread

1051
Heute kam das Staffelfinale von „The Book of Boba Fett“. Ganz schwierig einzuordnen 🥴
Wie auch schon die ersten beiden Mando-Staffeln sehr hochwertig gemacht mit tollen Sets, Kostümen und Effekten. Die „Vorgeschichte“ von Boba war gut gelöst. Die entscheidendste Szene seines Entkommens kam mir zu kurz und wirkte zu schnell wie abgeharkt nach der Methode „Wir habensˋs grob gezeigt. Gebt euch damit zufrieden. Weiter geht’s mit der Story“.
Dabei allerdings das nächste Problem. Wirklich Story gibts rund um Boba eigentlich garnicht. Auch verkommt er im Laufe der Staffel zu einem Statisten in seiner eigenen Serie. Gerade die fünfte Folge, in der Boba nicht auftaucht ist gleichzeitig auch die stärkste Folge der gesamten Staffel. Leider versucht die Staffel auch zu sehr von Fanmomenten zu leben. Folge 6 geht da nach meinem Empfinden zu weit - deutlich!
Auch passen die Speederbike-Gang, sowie die Teens mit ihren aufgemotzten und auf Hochglanz polierten Speederbikes absolut garnicht in die Star Wars Welt. Die finale Folge hätte auch locker um 10 Minuten gekürzt werden können. Und die angespielte King-Kong-Szene war etwas erbärmlich.
Fazit: Gut gedacht, aber der Titel der Serie passt nahezu garnicht auf die tatsächlichen Ereignisse der Staffel. Man versucht mit Fanservice die Bewertungen zu verbessern und eingesessene SW-Fans abzuholen und zu begeistern. Die Hauptfigur verkommt zur Randfigur und verliert einen großen Teil des Charms, der in der Original-Trilogie aufgebaut wurde. Gefühlt ist jede Person/Figur spannender als Boba. Wer die Qualität von Mando erwartet, wird weitestgehend enttäuscht.
Die fünfte Folge war dennoch klasse und die Effekte weitestgehend auf sehr hohem Niveau.
Daher vergebe ich (mit leichtem Trend nach unten)
5/10 Punkte
"Was sagtest du, machst du beruflich?"

Re: Der TV Serien Thread

1052
In der letzten Woche hatte ich etwas mehr Zeit und konnte mal in ein paar Staffeln auf Apple TV + reingucken. Bisher muss ich sagen, dass die Auswahl gemessen an anderen Streaming-Anbietern überschaubarer ist, dennoch kann die Qualität 100%ig überzeugen. Auch ist Apple der einzige Anbieter, der den Kunden auch im deutschen Ton Dolby Atmos bietet. Und dieser Ton ist bisher in allen gesehenen Folgen sehr gut eingesetzt und hebt das Sehvergnügen massiv an. Andere Anbieter könnten sich dort mal eine Scheibe abschneiden.

For all mankind - Staffel 1 (2019)
Im Jahr 1969 schafft es die Sowjetunion überraschend auf dem zu Mond landen - noch vor den Amerikanern. Der US-Präsident schmiedet Pläne. Zunächst möchten die Amerikaner mit den Russen gleichziehen und langfristig weitere Missionen verfolgen.

Die Serie benötigt 2-3 Folgen Anlaufzeit, kann aber im Verlauf der Staffel überzeugen. Klasse Schauspieler, extrem gutes CGI, tolle Geschichte mit Subplots, die auch auf emotionaler Ebene voll abliefern. Alle, die sich für den Weltraum und/oder Raumfahrt begeistern können sollten hier reinschauen. Eine zweite Staffel ist bereits verfügbar und eine dritte ist wohl schon in Produktion.

Bewertung: 8/10 Punkten


See - Reich der Blinden - Staffel 1 (2019)
Nachdem eine Virus-Pandemie die Menschheit massiv dezimiert hat, sind alle Überlebenden und deren Nachkommen blind. Eine Frau bringt schließlich Zwillinge zur Welt, die das Vermögen haben, die die Zukunft verändern können.

Tolle neue Konzeption. Wie interagiert die Menschheit in einer postapokalyptischen Welt, in der jeder Blind ist? Tolle Schauwerte, sehr gute Kampfchoreografien, gute Effekte und Charaktere mit denen man mitfiebert und andere, die man abgrundtief hasst. Eine der besten Staffeln, die ich in den letzten 5 Jahren gesehen habe. Im Cast dazu noch Jason Momoa (vielen bekannt aus GoT und Aquaman). Sehr empfehlenswert!

Bewertung: 9/10


See - Reich der Blinden - Staffel 2 (2021)
Tolle Fortsetzung der ersten Staffel. In dieser Staffel stößt Dave Bautista zum Cast dazu. Die Kampfszenen sind nochmal besser als die ohnehin schon guten der ersten Staffel. Lediglich beim Plot stoße ich mich an zwei Punkten, die den Gesamteindruck etwas trüben - gerade die letzte Szene der letzten Folge. Eine immer noch starke Staffel, die aber nicht ganz das Niveau der vorherigen halten kann. Eine dritte Staffel ist bereits in Produktion.

Bewertung: 8/10


Infiltration (2021)
Eine Invasion von Außerirdischen wird aus verschiedenen Blickwinkeln weltweit geschildert.

Gute Serie, die allerdings manchmal zu krass zwischen Standorten hin und her springt und einige Aspekte unzureichend und nicht ausführlich genug erklärt. Wer Sci-Fi und Serien/Filme rund um Außerirdische mag, kann reinschauen. Ansonsten wird man sich nur schwer begeistern können. Dennoch ist die Spannung auf einem hohen und zum Teil sehr hohen Niveau und manche Szenen extrem gut inszeniert.

Bewertung: 7/10 (mit leichter Tendenz nach unten)


Kleiner Tipp: Wer Apple Music als Student/Schüler für 4,99€ abschließt, erhält für die Dauer des Abonnements kostenlosen Zugang auf Apple TV +.
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Re: Der TV Serien Thread

1055
Ich bin ja ein großer Fan von "Breaking Bad" und hatte mich sehr auf den Spin-Off "Better Call Saul" gefreut, der allerdings sehr spät aus den Puschen kommt. Erst nach Abschluss dieser unfassbar langatmigen Geschichte um Sauls lichtallergischen Bruder Chuck kommt die Serie in Schwung und gewinnt dann schnell an Fahrt, während immer mehr Figuren aus BB auftauchen - Mike, Hector Salamanca, Gus, die unglaublichen Salamanca-Zwillinge...

.. und nun kehren für die lang erwartete finale Staffel sogar Jesse Pinkman und Walter White zurück!

https://www.spiegel.de/kultur/tv/breaki ... bb0278c020

Re: Der TV Serien Thread

1056
Also die letzte Staffel von Better Call Saul ist wieder extrem stark. Insgesamt wohl die beste Serie derzeit. Die Charakterentwicklung, Figurenzeichnung, das Schauspiel aller Hauptakteure, Kameraarbeit, das Drehbuch - großartig. Alles läuft auf ein großes Finale hin.
Bond... JamesBond.de

Re: Der TV Serien Thread

1057
Ich bin mit "Better Call Saul" nie warm geworden. Die Drehbücher waren durchgängig nicht mal halb so gut wie die von "Breaking Bad" und mit jeder Staffel wurde es banaler und selbstverliebter. Aber klar, die letzten paar Folgen gucke ich jetzt auch noch. Never ever ist das die beste Serie derzeit, dafür läuft viel zu viel toller Kram - und das sagt jemand, der wöchentlich 2 bis 3 Serien schaut.
Then out spake brave Horatius, the Captain of the Gate: "To every man upon this earth, death cometh soon or late. And how can man die better than facing fearful odds, for the ashes of his fathers, and the temples of his gods."

― Thomas Babington Macaulay, Lays of Ancient Rome.

Re: Der TV Serien Thread

1058
Naja, never ever ist natürlich sehr subjektiv ;) Auch dass die Drehbücher nicht einmal halb so gut wären wie von BB ist schon eine sehr persönliche Sichtweise, aber natürlich legitim. Ich schaue auch vglw. viele Serien und vor allem die letzten Folgen waren superb und absolut auf BB-Niveau oder darüber hinaus.
Bond... JamesBond.de

Re: Der TV Serien Thread

1060
Sorry, gerade die bisherigen Folgen der sechsten Staffel sind ein deutlicher Rückschritt für die Serie, voll von überstürzten und kaum nachvollziehbaren Charakterentscheidungen. Auch "Breaking Bad" hat sich in Richtung Finale verrannt, konnte aber auf tiefschürfendere Figuren zurückgreifen. BCS hat gutes Material, aber viel zu wenig, um für mich als Top-Serie gewertet zu werden.
Then out spake brave Horatius, the Captain of the Gate: "To every man upon this earth, death cometh soon or late. And how can man die better than facing fearful odds, for the ashes of his fathers, and the temples of his gods."

― Thomas Babington Macaulay, Lays of Ancient Rome.

Re: Der TV Serien Thread

1061
Ich weiß nicht von welchen überstürzten oder kaum nachvollziehbaren Charakterentscheidungen du sprichst. Im Gegenteil, dass ist alles so gut herausgezeichnet bis aufs kleinste Detail, dass es schon fast zu gut ist. Vielleicht solltest du dir das noch einmal ansehen, in Ruhe ;)

Aber ja, dazwischen ging es doch mal relativ langsam voran, vor allem im Vergleich zu BB. Aber die Präzision in der Charakterzeichnung die Gilligan hier wieder zeigt ist schon beeindruckend, auch abseits von Saul sind alle Figuren nachvollziehbar geschrieben, haben tolle Momente und es passt auch perfekt zum nachfolgenden BB, als wäre es immer schon so geplant gewesen.
Bond... JamesBond.de

Re: Der TV Serien Thread

1062
Die ganzen bisherigen sieben Folgen der sechsten Staffel haben ich und viele andere sich gefragt, woher auf einmal der Rachefeldzug gegen Howard herrührte. Der kam nicht nur unbegründet aus dem Nichts, sondern soll auch noch genau das verdeutlichen: Dass Kim und Jimmy im Kern eben so sind, wie sie sich gegenüber ihm verhalten. Aber eine vernünftige Motivzeichnung bleibt uns Gilligan schuldig, daran hat er auch kein Interesse, er muss ja bis zum Ende der Serie den "Breaking Bad"-Status-Quo herstellen, also geht jetzt alles Hoppladihopp. Es fehlte die letzten Folgen an nachvollziehbaren Erklärungen und an vernünftiger Charakterentwicklung.

PS: Lalo ist der unglaubwürdigste und übermächtigste Charakter, den ich seit langem im TV gesehen habe. Dem vergleichsweise angestrebten Realismus aus "Breaking Bad" Zeiten ist diese Figur nicht im entferntesten würdig.
Then out spake brave Horatius, the Captain of the Gate: "To every man upon this earth, death cometh soon or late. And how can man die better than facing fearful odds, for the ashes of his fathers, and the temples of his gods."

― Thomas Babington Macaulay, Lays of Ancient Rome.

Re: Der TV Serien Thread

1063
Anfang der Woche habe ich innerhalb von 2 Tagen die 7 neuen Folgen von BCS gesehen. Ich bin restlos begeistert.
Auch wie Gernot geschrieben hat, sind die Charaktere fast schon zu gut geschrieben. Es ist aktuell einfach DIE perfekte Serie. Auch die Kameraarbeit ist in jeder Folge auf Top-Niveau. Man probiert hier komplett ungewohnte und neue Einstellungen aus, die sich perfekt in das Gesamterscheinungsbild der Serie einfügen.

Zu Beginn empfand ich die Serie auch als etwas zu langsam erzählt. Aber genau das empfand ich auch bei BB schon so. Man wird langsam und extrem ruhig in die Handlung und Charaktere eingeführt. Man wird in die Gedankenwelt fast jeden Charakters komplett hineingezogen. Danach wird die Geschichte von Staffel zu Staffel weiter ausgebaut und am Ende fühlt man bei den Charakteren richtig mit. Der Verlauf des Spannungsbogens bei BB und BCS kann man mit einer e-Funktion ganz gut beschreiben. Die ersten Staffeln gibt es wenig/kaum Spannung. Diese baut sich immer weiter und weiter auf, bis es im Finale richtig losgeht. BB hat’s vorgemacht und BCS scheint diesem Weg zu folgen.

BCS zeigt, wie man ein Spin-Off umsetzen sollte. Hier wird nichts übereifrig abgehandelt und nichts unüberlegtes mit den Figuren gemacht (Negativbeispiel ist aktuell leider wieder mal FTWD). Bei BCS ist alles bis ins kleinste Detail durchdacht und diese Qualität merkt man auch einfach beim schauen.

Mein Gott war das ein Schock in Folge 607. Dazu ein geniales Drehbuch und eine klasse Kameraarbeit (Stichwort Kerze). Diese Folge war für mich auf Ozymandias-Level. Die krasseste TV-Folge seit langem. Es ist auch wirklich lange her, dass ich bei einer TV-Figur so mitgefühlt habe.
Die Erzählstruktur ist bei BCS ganz großes Kino. Aktuell finde ich BCS, ähnlich wie Gernot, tatsächlich fast noch ein Tick besser als BB (und BB ist ja echt schon der Wahnsinn)
Casino Hille hat geschrieben: 28. Mai 2022 21:10 Die ganzen bisherigen sieben Folgen der sechsten Staffel haben ich und viele andere sich gefragt, woher auf einmal der Rachefeldzug gegen Howard herrührte. Der kam nicht nur unbegründet aus dem Nichts (…)
Naja, mmhh…. Jimmy/Saul hat schon ab der ersten Staffel gegen Howard gewettert. Hat doch sogar in Staffel 1 im Howard-Look auf einer großen Leinwand Werbung für JMM (anstelle HHM) gemacht. Aus dem nichts kommt da nichts 😉
Casino Hille hat geschrieben: 28. Mai 2022 21:10 PS: Lalo ist der unglaubwürdigste und übermächtigste Charakter, den ich seit langem im TV gesehen habe. Dem vergleichsweise angestrebten Realismus aus "Breaking Bad" Zeiten ist diese Figur nicht im entferntesten würdig.
Der Professor in „Haus des Geldes“ vielleicht? 😂
Verstehe aber im Grundsatz, was du meinst. Bei ihm läuft einfach zu viel zu rund. Aber als störend übermächtig habe ich es nicht empfunden.
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Re: Der TV Serien Thread

1064
Sehe ich anders, finde aber auch, dass "Breaking Bad" in den ersten Staffeln das perfekte Tempo hatte und in der fünften Staffel dann schwächelte, zu konstruiert wurde und seine Figuren verdummte, um die gewünschten erzählerischen Resultate zu erzielen. Da nehmen sich Mutterserie und Spin-off nicht viel. Von exquisiter Serienunterhaltung à la "Deadwood", "The Wire", "Die Sopranos", "Oz", "The Knick", "Bates Motel" oder "The Deuce" ist das noch einen deutlichen Schritt entfernt - obwohl die zweite "Breaking Bad"-Staffel für mich eine der besten Staffeln der Seriengeschichte sein dürfte.
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Re: Der TV Serien Thread

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Casino Hille hat geschrieben: 28. Mai 2022 21:10 Die ganzen bisherigen sieben Folgen der sechsten Staffel haben ich und viele andere sich gefragt, woher auf einmal der Rachefeldzug gegen Howard herrührte. Der kam nicht nur unbegründet aus dem Nichts, sondern soll auch noch genau das verdeutlichen: Dass Kim und Jimmy im Kern eben so sind, wie sie sich gegenüber ihm verhalten. Aber eine vernünftige Motivzeichnung bleibt uns Gilligan schuldig, daran hat er auch kein Interesse, er muss ja bis zum Ende der Serie den "Breaking Bad"-Status-Quo herstellen, also geht jetzt alles Hoppladihopp. Es fehlte die letzten Folgen an nachvollziehbaren Erklärungen und an vernünftiger Charakterentwicklung.

PS: Lalo ist der unglaubwürdigste und übermächtigste Charakter, den ich seit langem im TV gesehen habe. Dem vergleichsweise angestrebten Realismus aus "Breaking Bad" Zeiten ist diese Figur nicht im entferntesten würdig.
Bezüglich der Motivfrage für Kim und Jimmy: es ist ja nicht gerade unüblich für Gilligan, dass er nicht gleich jede Erklärung auf dem Präsentierteller serviert und die Motive verschiedener Charakter anfangs nicht ganz verständlich wirken - aber einerseits werden Kims und Jimmys "Motiv" eben stetig in den vorhergegangenen Staffeln aufgebaut, dazwischen gibt es immer wieder Rückblenden und zusätzlich nennt ja Howard selbst einige Erklärungen dafür, die wohl alle genau zutrafen und zu den Charakteren passen. Wahrscheinlich wird man auch noch nach dem Halbfinale der letzten Staffel das ein oder andere dazu erfahren.
Auch kann ich deine Kritik an Lalo nicht nachvollziehen - er ist nicht nur wunderbar gespielt sondern vor allem die Entscheidungen seiner Figur halte ich für sehr nachvollziehbar und ihn selbst für symphatisch und bestialisch zugleich.
Auch hier passt der Konnex zu den vorigen Better Call Saul Staffeln (in denen er großartig eingeführt wurde) und es gibt/gab ja auch Hinweise in Breaking Bad selbst zu seinem Charakter.
Bond... JamesBond.de