Re: Zuletzt gesehener Film

10321
Casino Hille hat geschrieben: 19. August 2022 13:06 Ihr fehlt ein bisschen die Leinwand-Persona, also das große Charisma, das aus einer Julia Roberts eine Julia Roberts macht oder aus einem Leonardo DiCaprio einen Leonardo DiCaprio. Eine gute Schauspielerin ist sie, aber wie wir Bond-Fans ja vom Kollegen Timmy Dalton wissen, muss es manchmal mehr sein, um die große Masse für sich einzunehmen.
Sehe ich auch so. Sie ist einfach nicht aussergewöhnlich genug. Ich fand Ashley Judd zu Beginn ihrer Karriere (Mitte 90er bis frühe 00er) immer vergleichbar mit Charlize Theron: ähnlicher Typ, ähnliche Rollen, ähnlicher Karrierestatus, beide wurden in erster Linie wegen ihres Aussehens besetzt, hatten aber durchaus Talent. Die Theron hat dann mit Monster sich aber sehr bewusst von ihrem Rollenklischee entfernt und gerade auch schauspielerisch wirklich definiert. Von da an wurde sie ernstgenommen und bekam auch deutlich breitere Rollenangebote. Solch eine Rolle hat Judd halt nie gehabt (oder sie hat sie vielleicht auch nie gesucht). Dennoch: rückblickend war bei Theron auch in ihren frühen Rollen schon viel mehr dieses schwer in Worte zu fassende "Besondere" und ein aussergewöhnliches Schauspieltalent erkennbar. Ich habe neulich mal wieder Woody Allens Celebrity (1998) angeschaut und da spielt sie bemerkenswert gut und hinterlässt trotz begrenzter Screentime einen enormen Eindruck. Und so eine Leistung von Judd habe ich dann doch nie gesehen.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Zuletzt gesehener Film

10322
iHaveCNit: Alcarras (2022) – Carla Simon – Piffl Medien
Deutscher Kinostart: 11.08.2022
gesehen am 19.08.2022
Arthouse-Kinos Frankfurt – Cinema - Petit – Reihe 1, Platz 6 – 20:15 Uhr


Als weiteren interessanten spanischen Filmbeitrag in diesem Jahr habe ich mir „Alcarras“ von Carla Simon angesehen. Bereits letzte Woche veröffentlicht war es mir aus persönlichen Gründen erst jetzt möglich, den Film nachzuholen. Interessante Filme, die sich mit dem Thema der Landwirtschaft auseinandergesetzt haben waren zuletzt vor allem „Percy“ und „Das Land meines Vaters“. Hier passt „Alcarras“ natürlich auch sehr gut rein.

Seit mehreren Jahrzehnten baut im katalanischen Alcarras die Familie Solé Pfirsische auf ihrer Plantage an. Doch das Familienunternehmen ist bedroht. Das Land, dass ohne Vertrag von Generation zu Generation per Handschlag überlassen worden ist, soll vom aktuellen Besitzer Pinyol mit Solar-Panels bestückt werden. Für die Familie Solé beginnt damit ein Sommer, bei der jeder innerhalb der Familie mit dieser Veränderung anders umgehen wird.

Carla Simons persönliche Erfahrung ist die Grundlage für den Film, bei dem sie mit hauptsächlich Laiendarstellern aus der katalanischen Region zusammengearbeitet und für das Ensemble besetzt hat. Das gibt dem Film eine sehr bodenständige, authentische, und auch lebendige Note. Wir erleben die Geschichte des Sommers in unterschiedlichen Bruchstücken, in dem wir mit sehr feiner Beobachtungsgabe Momente im Leben der Familie zu sehen bekommen. Dort vor allem wie jeder Einzelne mit den Umbrüchen umgeht und welche Konflikte in dieser Zeit aufkeimen. Darüber hinaus finden auch leichte gesellschaftskritische Themen im Film Einzug, die den unmenschlichen Preisdruck auf die Plantagenbesitzer thematisieren. Genau wie das Spannungsfeld zwischen nachhaltiger grüner Landwirtschaft und grüner, moderner, erneuerbarer Energien wird das aber nicht komplett ausgereizt und daher wenig bis gar nicht tiefgründig thematisiert. Auch die in meinen Augen etwas nüchterne Tonalität hat mich nicht ganz bei der Stange gehalten, so dass ich emotional dann auch vielleicht ein wenig zu distanziert gegenüber dem Film gewesen bin.

„Alcarras“ - My First Look – 8/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

10323
iHaveCNit: Sweet Disaster (2022) – Laura Lehmus – MFA+
Deutscher Kinostart: 11.08.2022
gesehen am 20.08.2022
Arthouse-Kinos Frankfurt – Cinema - Petit – Reihe 1, Platz 6 – 13:45 Uhr


Der letzte Film aus dem letzten Wochenende, der zwar letztes Wochenende bereits geplant war aber verschoben werden musste, ist Laura Lehmus´ Film „Sweet Disaster“ mit Friederike Kempter und Florian Lukas in den Hauptrollen, der es auch erst kurzfristig durch seine Trailer auf meine Kinoplanung geschafft hat. Und ja, der Film war eine süße Katastrophe.

Die 40-jährige Frida ist gerade nach einem Urlaub in der finnischen Heimat am Flughafen angekommen. Dort lernt sie den frisch von seiner Freundin getrennten Piloten Felix kennen und lieben. Aus der Beziehung heraus wird sie schwanger und dann auch von Felix verlassen, weil er wieder mit seiner Ex-Freundin zusammen ist. Auch wenn er sich natürlich bereit erklärt sie zu unterstützen, werden die nächsten Monate ihr Leben verändern und auf eine Probe stellen, bei der sie auch eine Freundschaft zur technikbegeisterten Nachbarin Yolanda entwickeln wird.

In seiner doch recht kompakten Laufzeit von leicht über 90 Minuten ist „Sweet Disaster“ ein sehr rasanter, unterhaltsamer und kurzweiliger Film geworden, der mir persönlich sehr gut gefallen hat. Die visuellen und auch erzählerischen Einfälle des Films sind allesamt skurril, verspielt und kreativ und geben dem Film das gewisse Etwas. Gerade hier hat mich die Bildgestaltung sehr gut angesprochen. Inmitten des Witzes und der Unterhaltsamkeit des Films mag der Film vielleicht für den ein oder anderen durch seine Tonalität etwas unausgewogen sein, ich gehöre da nicht dazu. Es gibt genug Fokus auch auf die dort behandelte ernste Thematik von Risikoschwangerschaften und den Herausforderungen, die damit einhergehen. Gerade Friederike Kempter hat mir in der Hauptrolle besonders gut gefallen. Die Freundschaft zur von Lena Urzendowsky gespielten Yolanda ist nachvollziehbar und hat auch seine sehr witzigen, coolen und ernsten Momente, genau wie die Beziehung des von Florian Lukas gespielten Piloten, der sehr menschlich und doch schon sympathisch genug seinen Charakter darstellt. Insgesamt ein tolles Vergnügen.

„Sweet Disaster“ - My First Look – 8/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

10324
Ich habe dieses Wochenende innerhalb meines Faibles für den "90er Krimi mit Starbesetzung" einen Abstecher auf Ashley Judd Filme gemacht.

Nach Kiss the Girls (1998) waren das:

Double Jeopardy (1999, Bruce Beresford; mit Tommy Lee Jones als Co-Star)

Ein typischer A-Film seiner Zeit. Gut gefilmt, solide inszeniert.

Bemerkenswert (auch hier) wie Judd den Film über weite Strecken alleine trägt, in der für sie typischen Rolle des Opfers welches einiges mitmacht aber über sich hinaus wächst. Die geäußerte Bemerkung, dass sie in ihren Rollem kaum in Erinnerung bleibt, kann ich nicht nachvollziehen. Auch hier ist sie wieder ein Pfund und spielt eine große emotionale Range.
TLJ findet erst nach ca. 40 Minuten in den Film und spielt von da an eher eine etwas lahme Variante seiner The Fugitive Signature Rolle.

Wie auch andere Filme aus der Zeit (und vor allem in Judds Filmographie) leidet dieser Film an einer gewissen erzählerischen Belanglosigkeit. Zu wenig Spannung für einen echten Reißer, zu wenig Action für einen echter Actionfilm, kaum Humor (obwohl die wenigen teils sarkastischen Szenen echt gut sind), und dann schon gar keine Romanze. Überhaupt fällt auf, wie oft man Judd in dieser Zeit mit älteren Charakterdarstellern paart, was eindeutig zeigt, wie stark man sie gesehen hat, was dann aber eben wenig zu den typischen Romanzen führt, die solche Filme oft brauchen, um umfänglichen Erfolg zu haben.

Schade, dass die Szene im Sarg kurz vor dem Showdown nicht besser ausgeschlachtet wird. Wie auch in anderen Szenen hätte hier besonders mehr Spannung herausgekitzelt werden müssen.

Der eigentliche "Clue" des Films wird ja schon im Titel verraten und dann auch im Film mehrmals wenig subtil angesprochen. Es ist aber wohl auch einfach falsch, dass das was passiert in diese Kategorie fallen würde, so gibt sich der Showdown dann sowieso alle Mühe, dass auch ja kein Zweifel aufkommt, dass die Parsons hier schießen durfte, womit dann aber auch der Titel des Films wieder überflüssig ist.


High Crimes (2002, Carl Franklin; mit Morgan Freeman als Co-Star sowie James Caviezel)

Weil es so schön war mit Judd und Freeman (Kiss the Girls) also gleich noch mal.

Wieder ein absoluter A-Film was man in Besetzung, Ausstatung und Inszenieurung sieht. Besonders was die Inszenierung angeht wird hier deutlich mehr geboten als in Double Jeopardy.
Ansonsten trifft ihr vieles zu, was auch dort galt. Judd trägt den Film in einer hier noch stärkeren Rolle die alles abverlangt. Freeman gesellt sich später dazu, hier aber fast in einer ungewöhnlichen Buddy/Comic Relief Rolle als kautziger und trinkfester (ex) Anwalt.
Bemerkenswerter ist James Caviezel in der Rolle des zwielichtigen Ehemanns der Protagonistin.

Dennoch kann der Film nicht darüber hinweg täuschen, dass er im Grunde eine Variante des 92er Cruise Erfolgsfilms A Few Good Man ist, leider aber in jedem Detail diesem unterlegen. Ich liebe das Genre des Justizfilms aber es bedarf eines sehr guten Drehbuchs, damit sowas unterhält. Dies ist hier nicht ausreichend der Fall. Fast hat man das Gefühl, die Leute hinter den Kulissen hätten das gewusst, so dass sie nach dem sehr unspektakulären Ende des Gerichtsprozesses einen nicht ganz glaubwürdigen 10 minütigen Exkurs ins Psychothriller Genre machen.

Alles in allem unterhaltsam, stark gespielt aber nicht spicy genug.


Twisted (2004, Philip Kaufman; mit Samuel L. Jackson und Andy Garcia)

Was ist denn bitte das? Alles in diesem Film wirkt auf mich wie ein B oder gar C-Film fürs TV nur eben mit drei echten Stars. Sehr dröge Inszenierung, ein fast schon beleidigend schwaches Drehbuch mündend in einen lachhaften Showdown. Ich wusste gar nicht, dass schon damals Jackson in solch einem Schmodder mit gespielt hatte.

Was bleibt? Judd spielt ein mal mehr ihre typische Rolle, hier noch emotionaler, fast schon traumatisiert. Alkoholsucht, Drogen, Alpträume, Heulkrämpfe, Nervenzusammebruch - alles ist dabei, und wie immer macht sie das auch richtig gut. Doch hier hilft es nichts.
Das Ganze wäre wohl besser eine halbernste Folge einer Polizei TV Serie geworden.
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Zuletzt gesehener Film

10328
und Nr. 4 dieses Wochenende:

Das Netz (1995, Irvin Winkler, Sandra Bullock)

Nachdem Anfang der 90er Sandra Bullock durch Demolition Man bekannt geworden war, wurde sie in alle möglichen Genres gepackt - Action wie beim größten Hit Speed, RomComs wie Während du schliefst, und eben Thriller wie hier Das Netz.

1995 war - neben Bullock - auch das Internet gerade im Kommen. Schon erstaunlich früh setzte dieser Thriller auf das Thema Überwachung und digitale Kontrolle im Zusammenhang mit dem Internet und verpackt das Ganze in einen Hitchcock ähnlichen Thriller, in dem eine unbescholtene Bürgerin in eine abenteuerliche Geschichte verwickelt wird.

Doch leider ist die ganze Story reichlich lahm erzählt. Mag sein, dass das seinerzeit noch irgendwie neu war, doch aus heutiger Sicht hat man Stories wie diese x mal gesehen (wenige Jahre später kam ja Staatsfeind Nr. 1 als direkter Nachahmer, noch später dann Filme wie The Game). Dabei stört mich weniger, dass ein Darling wie die Bullock nicht gerade glaubwürdig in der Rolle ist. Etwas schlimmer ist schon die Naivität mit der hier an das Thema Computer und Internet herangegangen wird.

Der wirklich Schwachpunkt des Films ist für mich aber ein anderer. Der klassiche "90er Thriller" hat eigentlich immer einen zweiten starken Darsteller/in. Sei es ein starker Gegenspieler, oder eine Vertrauensperson des Protagonisting. Hier fehlt das leider gänzlich. Northam ist kein echter Gegenspieler, und der Verbündete fehlt nahezu völlig. So wird Bullock wahrlich allein gelassen, was zwar im Sinne der Handlung ist, nicht aber förderlich für den Unterhaltungswert.

Gerade noch so solide Unterhaltung mit einem sympathischen, noch jungen Star in einer etwas lahmen Internet-Thriller Story.
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Zuletzt gesehener Film

10329
iHaveCNit: Der Gesang der Flusskrebse (2022) – Olivia Newman – Sony Pictures
Deutscher Kinostart: 18.08.2022
gesehen am 10.08.2022 in OmU in der Spotlight-Sneak
Arthouse-Kinos Frankfurt – Kleine Harmonie – Reihe 3, Platz 9 – 21:00 Uhr
gesehen am 21.08.2022 in Dolby Atmos
Kinopolis Main-Taunus-Zentrum – Kino 10 – Reihe 9, Platz 13 – 20:00 Uhr


Das aktuelle Wochenende ist relativ überschaubar mit seinen Kinostarts. Einer der halbwegs interessant war, habe ich bereits überraschend in einer Sneak in der Originalfassung mit Untertiteln gesehen. Der Film, der bereits viele Wochen im Voraus groß im Kino per Trailer beworben worden ist, ist der von Olivia Newman inszenierte „Where The Crawdads Sing“ bzw. „Der Gesang der Flusskrebse“ vom gleichnamigen Roman von Delia Owens. Da ich den Roman nicht gelesen habe, kann ich auch nichts dazu sagen, ob etwas am angepriesenen Phanömen um den Roman etwas dran ist. Nachdem ich den Film nun das zweite Mal gesehen habe, habe ich auch keinen Bedarf daran, das für mich einmal herauszufinden.

In Barkley Cove, North Carolina wird im Jahre 1969 in den Marschen die Leiche eines jungen Mannes namens Chase Andrews gefunden. Als hauptsächliche Tatverdächtige wird das in den Marschen lebende „Marschmädchen“ „Kya“ Catherine Danielle Clark gesehen und festgenommen. Schritt für Schritt werden wir „Kya“, ihr Leben, ihre Leidenschaft und die Liebe zu Tate Walker und später Chase Andrews kennenlernen mit der alles entscheidenden Frage, ob sie tatsächlich die Täterin ist.

Wenn man den Film an einem reellen Anspruch misst, muss man schon durchaus sehr sehr viele Augen zudrücken, was insgesamt Logik und Glaubwürdigkeit angeht – wenn es um den Vergleich der Lebensumstände der von Daisy Edgar-Jones gespielten „Kya“ geht als auch die Art, wie sie im Film durchgehend präsentiert wird. Somit bin ich eher mit dem Anspruch eines leicht fantasievollen Märchens an die Sache herangegangenen, damit sich diese Fragen für mich nicht wirklich stellen. Wenn so wie ich gehört habe im Buch vor allem die Faszination für die Flora und Fauna der zensiert großartig sein soll, so blitzt davon schon ein wenig im Film mit den klassischen Mitteln hervor, auch wenn hier das volle Potential auf der Strecke bleibt. Insgesamt hat der Film durchaus noch ein paar weitere Themen zu bearbeiten. Denn sowohl die Familien- als auch Lebensgeschichte von „Kya“ möchte erzählt werden und auch die im Kern des Films stehende Mischung aus Liebes- als auch Kriminalgeschichte, womit der Film dann doch thematisch ein wenig überladen wird, dafür aber alles relativ oberflächlich, seicht und harmlos behandelt.

„Der Gesang der Flusskrebse“ - My Second Look – 6/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

10331
Ich habe mir endlich mal Coppolas "Die Outsider" von 1983 angesehen, den kannte ich bisher ebenso wenig wie den zur gleichen Zeit entstandenen und thematisch eng verwandten "Rumble Fish". Die Besetzung ist ein Who-is-who der Jungschauspieler, die in den folgenden Jahren durch die Decke gehen würden: Patrick Swayze, Ralph Macchio, Matt Dillon, Tom Cruise, Row Lowe, Emilio Estevez und natürlich Diane Lane.

Thematisch konnte ich mit dem Film nicht so viel anfangen, rivalisierende Gangs (die "Greasers" und die "Socs"), typische 50er-Jahre-Rowdys, prügeln sich solange, bis was Schlimmes passiert. Etwas James Dean, eine Prise West Side Story, Autokinos, coole Macker. Ich kannte bisher nur Coppolas epische Werke, "Pate", "Apocalypse", "Dracula", und war überrascht, was für ein vergleichsweise kleinformatiger, nüchterner Film "Outsider" ist. Inwieweit dieses Jugenddrama 1983 noch aktuell war, weiß ich nicht, heute ist er es sicherlich nicht mehr. Ziemlich aus der Zeit gefallen.

Re: Zuletzt gesehener Film

10332
ollistone hat geschrieben: 22. August 2022 16:36 Inwieweit dieses Jugenddrama 1983 noch aktuell war, weiß ich nicht, heute ist er es sicherlich nicht mehr. Ziemlich aus der Zeit gefallen.
Aus der Zeit gefallen? Das war ja 1983 schon ein Film, der bewusst in die James-Dean-Ära zurückblickt und damit zu seiner Entstehung schon einen gestrigen Blick wirft. Ich finde den in Coppolas Ouevre sehr passend, es ist wie sein "Pate" ein Film, der einem amerikanischen Mythos auf den Zahn fühlt, und dabei zurück in die Bandenzeit entführt, in die (Kino-)Ära von "West Side Story" und "… denn sie wissen nicht, was sie tun". Er mag nicht ganz so virtuos erzählt sein wie der vergleichbare "American Graffiti", aber inhaltlich ist der doch immer noch auf der absoluten Höhe: Zwei Gruppen von Proletariern (zwar die einen etwas wohlhabener, die anderen weniger, aber beide habituell kaum unterscheidbar) machen sich gegenseitig das Leben zur Hölle, weil sie in einem performativen System leben, in dem minimale Klassenunterschiede beständig aufeinander prallen. Anders gesagt: Arm und weniger arm kloppen sich, weil sie die größeren Zusammenhänge nicht (er)kennen, die sie gegeneinander aufhetzen. Das hat eine Allgemeingültigkeit, der ich auch Coppolas Film sofort attestiere. Starker Film, 9/10.

Der ist für mich nicht mehr oder weniger aus der Zeit gefallen als eine Vietnam-Parabel oder ein Familienepos in den 50ern.
Then out spake brave Horatius, the Captain of the Gate: "To every man upon this earth, death cometh soon or late. And how can man die better than facing fearful odds, for the ashes of his fathers, and the temples of his gods."

― Thomas Babington Macaulay, Lays of Ancient Rome.

Re: Zuletzt gesehener Film

10334
iHaveCNit: Jagdsaison (2022) – Aron Lehmann – Tobis
Deutscher Kinostart: 18.08.2022
gesehen am 22.08.2022
Kinopolis Main-Taunus-Zentrum – Kino 4 – Reihe 9, Platz 19 – 20:00 Uhr


Für Freunde entspannter, überdrehter Komödien aus Deutschland gibt es an diesem Wochenende „Jagdsaison“ von Aron Lehmann mit einem Trio aus Rosalie Thomass, Almila Bagriacik und Marie Burchard zu sehen, der sich für einen gemeinsamen, unterhaltsamen, anspruchslosen Kinobesuch mit Freunden und vor allem Freundinnen eignet. Nicht mehr und auch nicht weniger.

Das Leben der chaotischen Eva könnte nicht unschöner sein. Nicht nur, dass ihr Ex-Mann nach der gemeinsamen Trennung mit der jüngeren, scheinbar perfekten Influencerin Bella zusammengekommen ist und ihre Tochter teilen muss. Ihre beste Freundin Marlene scheint auch seit gewisser Art Zeit eine Freundschaft zu Bella entwickelt zu haben. Marlenes Ehe ist jedoch etwa s eingeschlafen und sie hat vor kurzem einen anderen Mann kennengelernt, der über das kommende Wochenende auf die Jagd gehen wird. Spontan und mit etwas Widerwillen planen Marlene, Bella und Eva einen chaotischen und turbulenten Wellnesstrip in die Region des Jagdtrips von Marlenes Bekanntschaft.

„Jagdsaison“ ist eine sehr überdrehte und durchaus auch relativ unterhaltsame Komödie geworden, dass sowohl von seinen Momenten, der disfunktionalen Chemie und Dynamik des Trios aus Rosalie Thomass, Almila Bagriacik und Marie Burchard und dem durchaus ein wenig dramatischen Unterbaus und Hintergrunds lebt. Der Film hat mich auf jeden Fall gut unterhalten, aber ein Teil der Handlungselemente ist schon arg fragwürdig und für einen Teil der enthaltenen Themen bin ich eher weniger Teil der Zielgruppe, womit auch ein Teil dieser Themen und Elemente bei mir nicht zünden konnten. Trotz allem hat der Film einigermaßen Spaß gemacht.

„Jagdsaison“ – My First Look – 6/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

10335
Gestern habe ich einen Abstecher aus meinem 90er Thriller Genre Trip genommen und bin dem Prime Algorithmus ins Jahr 2007 gefolgt

Fracture/Das Perfekte Verbrechen (2007, R: Gregory Hoblit: Anthony Hopkins, Ryan Gosling, Rosamund Pike)

Der Film führt die Tradition des 90er Thrillers wunderbar fort:

Großer Star in einer Hauptrolle, ein bis zwei aufstrehbende Stars in weiteren Rollen, dazu eine einigermaßen spannende Story mit einem gewissen Twist, alles optisch ansprechend in Szene gesetzt und dann auch innerhalb von ~110 Minuten abgeschlossen.

Herausragend in diesem Film ist dann aber nur (wie fast immer) Anthony Hopkins. Der Mann könnte zwei Stunden nur in die Kamera schauen und wäre dennoch spannender als jeder Thriller. Seine Bandbreite ist ohnehin immens aber hier sogar innerhalb der Rolle selbst, denn er wechselt überzeugend zwischen glattem Geschäftsmann, eiskaltem Ehemann, etwas schrulligem alten Herr und eine Prise Hanibal Lecter. Gosling gibt sein Bestes um gegenüber ihm nicht all zu stark abzusacken, Rosamund Pike ist einfach sexy, hat aber ansonsten irgendwann kaum noch was mit dem Film zu tun.

Nun aber zur Story. Wenn man einen Thriller dreht, der sich mit dem perfekten Verbrechen rühmt (zumindest im deutschen Titel), dann muss man schon Drehbuchtechnisch abliefern. Fracture jedoch hält diesem Anspruch nicht stand, und dazu muss man nicht mal richtig tiefgründig drüber nachdenken. Das Ende ist einfach ziemlich enttäuschend und unlogisch. Schade
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