Re: Zuletzt gesehener Film

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Patrice hat geschrieben: 8. November 2022 11:26 Mit einem „Erhebe den Zeigefinger“-Film hat Nightcrawler recht wenig zu tun und würde so nur funktionieren, wenn er Themen ansprechen würde, die das Publikum genau ansprechen (bspw. wie Avatar ein „Erhebe den Zeigefinger“-Film in Richtung Umweltverschmutzung und Artenvielfalt ist). Einen solchen Ansatz kann ich bei Nightcrawler beim besten Willen nicht erkennen.
Wie bitte? :) Der Zeigefinger Richtung voyeuristischen Medien und der Sensationsgier der Konsumenten könnte doch wirklich nicht offensichtlicher sein - außer vielleicht, Jake Gyllenhaal würde das Anliegen des Films direkt und frontal in die Kamera brüllen. Gerade mittels der arg überzeichneten und in ihrem toternst gemeinten Zynismus auf mich auch sehr unglaubwürdig wirkenden Hauptfigur folgt "Nightcrawler" meines Erachtens gängigen Empörungsnarrativen: "Oh, die bösen Gaffer da draußen. Oh, die noch böseren Medien, die dieses Verhalten auch noch fördern." Da wird dann halt jedes Soziopathen-Klischee bedient, aber erzählt wird mir leider nix. Stattdessen prügelt man mir ein, wie furchtbar diese Menschen doch sind und das System und überhaupt ... :wink:

Wenn ich "Nightcrawler" mit ähnlich gelagerten Filmen wie "Taxi Driver", "You Were Never Really Here", "The King of Comedy" oder "Falling Down" vergleiche, kann ich ihn nur als bestenfalls mittelmäßig einschätzen.
Then out spake brave Horatius, the Captain of the Gate: "To every man upon this earth, death cometh soon or late. And how can man die better than facing fearful odds, for the ashes of his fathers, and the temples of his gods."

― Thomas Babington Macaulay, Lays of Ancient Rome.

Re: Zuletzt gesehener Film

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Casino Hille hat geschrieben: 9. November 2022 14:05
Patrice hat geschrieben: 8. November 2022 11:26 Mit einem „Erhebe den Zeigefinger“-Film hat Nightcrawler recht wenig zu tun und würde so nur funktionieren, wenn er Themen ansprechen würde, die das Publikum genau ansprechen (bspw. wie Avatar ein „Erhebe den Zeigefinger“-Film in Richtung Umweltverschmutzung und Artenvielfalt ist). Einen solchen Ansatz kann ich bei Nightcrawler beim besten Willen nicht erkennen.
Wie bitte? :) Der Zeigefinger Richtung voyeuristischen Medien und der Sensationsgier der Konsumenten könnte doch wirklich nicht offensichtlicher sein - außer vielleicht, Jake Gyllenhaal würde das Anliegen des Films direkt und frontal in die Kamera brüllen. Gerade mittels der arg überzeichneten und in ihrem toternst gemeinten Zynismus auf mich auch sehr unglaubwürdig wirkenden Hauptfigur folgt "Nightcrawler" meines Erachtens gängigen Empörungsnarrativen: "Oh, die bösen Gaffer da draußen. Oh, die noch böseren Medien, die dieses Verhalten auch noch fördern." Da wird dann halt jedes Soziopathen-Klischee bedient, aber erzählt wird mir leider nix. Stattdessen prügelt man mir ein, wie furchtbar diese Menschen doch sind und das System und überhaupt ... :wink:
Kann es sein, dass es schon paar Tage ist, das du den Film gesehen hast? 😉😅
Von den Konsumenten bekommt man im Film exakt 0 mit. Es wird nur gesagt, dass man dank der Aufnahmen höhere Einschaltquoten erreichen möchte. Ob das aufgeht, erfährt man im Film zu keiner Zeit. Man erfährt auch nicht, ob die Zuschauer die Teils sehr blutigen Aufnahmen wirklich so toll finden. Entsprechend sind die von die aufgeführten Empörungsnarative nicht zutreffend (höchstens in der eigenen Interpretation des Gesehenen).
Von voyeuristischen Medien kann man hier auch bei weitem nicht reden. Höchstens von einer Angestellten, die dieses Bildmaterial haben möchte, da sie möglichst ihren Job behalten will und nicht wie zuvor alle 2 Jahre einen neuen Arbeitgeber suchen möchte. Alle anderen der Medienanstallt reagieren nicht gerade euphorisch, wenn Bloom immer mit neuem, noch krasserem Bildmaterial um die Ecke kommt. Somit kann auch nicht von voyeuristischen Medien gesprochen werden.
Bloom und Romina sind in diesem Film die einzigen Personen, die sich nicht an die geltenden Spielregeln halten. Die Reaktionen der jeweiligen Arbeitskollegen unterstreichen das nochmals zusätzlich. Nightcrawler ist kein „Erhebe den Zeigefinger“-Film, sondern eher die Reise eines persönlichtkeitsgestörten Mannes und einer leicht zu manipulierenden Medienangestellten.
Das in diesem Film kein Epos von Geschichte erzählt wird, ist glaube ich klar. Dafür gibts andere Filme mit anderen Themen und Erzählungen. Dennoch ist Nightcrawler ein klasse inszenierter, extrem kurzweiliger und schlüssiger Film, der den Zuschauern übermittelt, wofür Menschen bereit sind aufs Äußerste zu gehen. Sei es des Jobs oder Geldes wegen. Den Hintergrund der TV-News hätte man auch gegen jedes erdenkliche gesellschaftliche Thema ersetzen können. Das bei dir übermittelte Thema des Zeigefinger-Films in Richtung Medien ist selbstverständlich legitim und jeder Film bietet selbstverständlich einen gewissen Interpretationsspielraum. Nur sehe ich die Schwerpunkte im Film wie in meinen beiden Posts aufgeführt komplett anders 🙂
„Bei Ihnen alles in Ordnung?“
„Im Moment nicht, danke!“

Re: Zuletzt gesehener Film

10458
Supernova (2020)
Ein kurzweiliger Low-Budget-Film, der einen auf die (Camper-)Reise eines Liebespaares und einer damit verbundenen schwierigen Entscheidung mitnimmt.
Leider zündet der Film nicht so, wie ich es vom Trailer erwartet habe. Der letzte Funken zu einer sehr guten Note fehlt.
Der Soundtrack ist, sofern vorhanden, meistens ganz leise und passend im Hintergrund. Dennoch gibt es eine Szene in der Mitte des Films, bei dem die musikalische Untermalung einfach zu groß und gewollt dramatisch für diese doch eigentlich eher intime Szene ist. Das hat mich massiv gestört.
Der Film dauert nur knapp 90 Minuten und hätte gerne 10 Minuten länger für die Charakterentwicklung dauern dürfen.
Insgesamt aber ein toller Film, der durch beide Hauptdarsteller (Colin Firth und Stanley Tucci) überzeugen kann und eine traurig schöne Geschichte erzählt.

7,5/10
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Re: Zuletzt gesehener Film

10459
Miss Daisy und ihr Chauffeur (1989)
Einer der wenigen Filme, die ich blind gekauft habe, bzw. aus dem Grund, da Hans Zimmer die Filmmusik komponiert hat.
Tatsächlich habe ich eben erst auf dem Cover gesehen, dass der Film 4 Oscars gewonnen hat.
Miss Daisy und ihr Chauffeur ist ein Film, der wenig, aber gleichzeitig auch sehr viel sagt. In Bezug auf Freundschaft, Familie, gesellschaftlichen Ordnungen und mehr.
Hans Zimmer enttäuscht auch hier mal wieder keineswegs und liefert mit dem Main Theme eine eindringliche Melodie mit Ohrwurmcharakter.
In den knapp 100 Minuten Laufzeit vergehen in der Handlung knapp 25 Jahre ohne es bis auf 2-3 Momente wirklich mitzubekommen. Das hätte man besser lösen können. Trotz der überschaubaren Laufzeit gibts doch die ein oder andere Länge im Film.
In der Summe ein sehenswerter Film.

7/10

P.S. Die Synchro von Kluckert für Freeman nervt nach relativ kurzer Zeit 😂 Gleiche Stimme wie Mr. Krabs nur teils deutlich höher. Echt ne Katastrophe 😂
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Re: Zuletzt gesehener Film

10460
Patrice hat geschrieben: 10. November 2022 22:41 P.S. Die Synchro von Kluckert für Freeman nervt nach relativ kurzer Zeit 😂 Gleiche Stimme wie Mr. Krabs nur teils deutlich höher. Echt ne Katastrophe 😂
...und die gleiche Stimme wie Mr. Krebbs - Kluckert ist eindeutig DER Experte für Schalentiere! :lol:

https://ewingoil.files.wordpress.com/20 ... .jpg?w=574

...wobei ich Kluckert auf Freeman durchaus eine gute Wahl finde, obwohl ich Sonnenschein hier leicht vorne sehe. Aber beide passen so gut, dass ich meistens erst merke wer Freeman gerade spricht, wenn ich mich bewusst darauf konzentriere.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Zuletzt gesehener Film

10461
iHaveCNit: Meinen Hass bekommt ihr nicht (2022) – Kilian Riedhof – Tobis
Deutscher Kinostart: 10.11.2022
gesehen am 12.11.2022
Arthouse-Kinos Frankfurt – Eldorado - Parkett – Reihe 5, Platz 9 – 18:30 Uhr


Der 13. November 2015 ist für die jüngere französische Geschichte ein Ereignis, das mit den Terroranschlägen in Paris mit einem Fokus auf den Veranstaltungsort „Bataclan“ das Land und vor allem Paris im Mark erschüttert hat. Während der gegen Ende Oktober erschienene Film „November“ die Ermittlungen der Behörden im Nachgang im Fokus hatte, ist nun mit „Meinen Hass bekommt ihr nicht“ ein Film in den Kinos gestartet, der eine ganz persönliche Perspektive über den Umgang mit diesem Ereignis im Fokus hat, basierend auf dem gleichnamigen Buch von Antoine Leiris, der seine Frau bei diesen Terroranschlägen verloren hat.

Antoine Leiris ist Schriftsteller und führt ein glückliches Leben mit seiner Frau Hélène und seinem Sohn Melvil. Der 13. November 2015 ist eigentlich ganz normal gestartet und noch ahnt die junge Familie nicht, dass der Konzertbesuch von Hélène im Bataclan das Leben der Familie aus den Fugen reißen wird. Inmitten der Verarbeitung seiner Trauer und dem Kampf zurück in ein geordnetes Leben für seinen Sohn und sich selbst trifft Antoine eine Entscheidung im Umgang mit diesem tragischen Ereignis, die ihn eher unfreiwillig zu einer medialen Sensation werden lässt.

„Meinen Hass bekommt ihr nicht“ ist ein sehr intimes und intensives Charakterdrama geworden, bei dem wir über die gesamte Laufzeit an der Seite von Pierre Deladonchamps großartig gespielten Antoine Leiris sind und hautnah die gesamte Bandbreite, Vielseitigkeit und Ambivalenz seiner Emotionen miterleben und auch miterleben, wie er mit der Trauer und den Nachwirkungen der Terroranschläge zu kämpfen hat – aber auch, wie er versucht seinem noch sehr jungen Sohn Melvil diese Situation zu erklären und auch ihm dabei helfen muss mit der Trauer und dem Verlust umzugehen. Das macht das Drama wirklich sehr intim, intensiv und emotional, weil sich gefühlt auch Trauer, neue Hoffnung und Leichtigkeit miteinander abwechseln. Hier hält sich der Film jedoch durchaus mit einer relativ nüchternen und weniger manipulativen Erzählung zurück und auch ich hatte das Gefühl, dass sich in den knapp 100 Minuten trotz dem Abarbeiten wichtiger Stationen in der Trauerverarbeitung durchaus ein wenig Redundanz einstellt.

„Meinen Hass bekommt ihr nicht“ - My First Look – 8/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

10463
iHaveCNit: Wir sind dann wohl die Angehörigen (2022) – Hans-Christian Schmid – Pandora Film
Deutscher Kinostart: 03.11.2022
gesehen am 13.10.2022
Arthouse-Kinos Frankfurt – Cinema - Studio – Reihe 3, Platz 1 – 18:00 Uhr


Bei der Planung für die Starts der letzten Woche wäre mir fast ein Film entfallen, den ich überhaupt nicht auf meiner Liste hatte und erst kurzfristig noch eingeschoben habe, da das Thema und der Ansatz des Films „Wir sind dann wohl die Angehörigen“ von Hans-Christian Schmid basierend auf dem gleichnamigen Buch von Johann Scherer mich schon ein wenig interessiert – und letzten Endes auch begeistert hat.

Es ist Ende März im Jahr 1996. In der Nacht des 25. März wird Jan-Philipp Reemtsma entführt und die Familie erhält ein Erpresserschreiben mit einer Lösegeldforderung zur Freilassung. Für sowohl seinen Sohn Johann als auch seine Frau Ann-Kathrin Scheerer werden die nächsten Wochen zur Tortur, wenn sich Angehörigenbetreuer der Ermittlungsbehörden und weitere Personen im Anwesen niederlassen, damit die Freilassung verhandelt wird – und sich ein Spannungsfeld im Umgang mit der Situation zwischen den Behörden und den Angehörigen ergibt.

Hans-Christian Schmids Ansatz und Herangehensweise an die 1996 durch die Medien gegangene Entführung von Jan-Philipp Reemtsma aus der Perspektive seines Sohns und seiner Frau gerade anhand des gleichnamigen Buchs des Sohns Johann Scherer ist eine ähnlich interessante Herangehensweise wie zuletzt Andreas Dresens „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“, in dem der Fall um Murat Kurnaz aus der Sicht seiner Mutter und dem Anwalt erzählt wird – auch wenn dort der Kampf wesentlich länger geführt wurde als bei der Reemtsma-Entführung, wenn auch mit einer ähnlichen Intensität, indem sich immer Rückschläge und Spannungsfelder ergeben – unabhängig davon wie nüchtern beide Filme inszeniert und erzählt werden. Im Falle von Schmids Film wird der Film auch noch über einige Strecken eine Art Kammerspiel, wenn sich der Großteil des Familiendramas und Entführungsthrillers im Anwesen der Familie abspielt und wir hautnah miterleben, wie die von Claude Heinrich und Adina Vetter gespielten „Angehörigen“ mit der Situation und dem Druck umgehen und wie das Ganze ihnen zusetzt. Und natürlich erleben wir welche Spannungen sich daraus ergeben, wenn die Vorstellung bezüglich der Herangehensweise an die Verhandlungen und Geldübergaben zwischen den Ermittlungsbehörden und den „Angehörigen“ voneinander abweichen. Insgesamt ein feines, intimes und spannendes Entführungsdrama, dass mir sehr gut gefallen hat.

„Wir sind dann wohl die Angehörigen“ - My First Look – 9/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

10464
Honest Thief (2020)
Genau so stellt man sich einen Popcorn-Action-Thriller vor. Mit 90 Minuten (ohne Abspann) auch nicht unnötig aufgebläht.

8/10


Shutter Island (2010)
Klasse inszeniert (auch wenn an einigen Stellen offensichtlich Szenen herausgeschnitten wurden und der Film wohl gestrafft werden musste - hab ich so noch bei keinem Film wahrgenommen).
Nach der Hälfte des Films habe ich mal kurz den Faden verloren. Gegen Ende wurds nochmal spannend und die Ereignisse habe ich so nicht vorhergesehen.

7,5/10
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Re: Zuletzt gesehener Film

10465
iHaveCNit: Mrs. Harris und ein Kleid von Dior (2022) – Anthony Fabian – Universal
Deutscher Kinostart: 10.11.2022
gesehen am 18.11.2022
Arthouse-Kinos Frankfurt – Cinema - Petit – Reihe 1, Platz 5 – 20:30 Uhr


Den letzten Film aus der letzten Woche, den ich noch nachholen wollte, war Anthony Fabians „Mrs. Harris und ein Kleid von Dior“, bei dem natürlich komplett drin ist, was darauf steht und richtig unterhaltsam, amüsant und natürlich harmlos gewesen ist.

Ada Harris arbeitet im London Ende der 50er als Haushälterin und kommt bei einer Auftraggeberin durch Zufall mit einem Dior-Kleid in Berührung, was in ihr den Wunsch auslöst selbst in den Besitz eines eigenen Dior-Kleids zu kommen. Nach einem zufälligen Geldsegen macht sich Mrs. Harris auf den Weg nach Paris um dort ein Kleid von Dior zu kaufen. Im Hause Dior scheint man aber weniger mit Mrs. Harris Anliegen anfangen zu können, doch es gibt auch Personen, die ihr gut gesonnen sind und ihr bei ihrem Anliegen helfen wollen.

Mrs. Harris und ein Kleid von Dior“ ist in gewisser Art und Weise ein Wohlfühlmärchen für Erwachsene und sicherlich aufgrund seiner Thematik ein passender Film für die weibliche Zielgruppe. Da falle ich sicherlich als 35-jähriger Kerl komplett aus dem Rahmen. Aber als Cineast wollte ich mir die Erfahrung des Films nicht entgehen lassen. Denn Lesley Manville in der Rolle von Ada Harris hat einen entwaffnenden Charme, Witz und ist eine perfekte, mitreißende Sympathieträgerin. Natürlich kann der Film auch mit seinem Kostümdesign sowie vielen tollen Nebencharakteren glänzen, die unter anderem von Jason Isaacs, Isabelle Huppert, Lambert Wilson und Alba Baptista gespielt werden. Genauso natürlich ist es auch, dass der Film sich von Zufall zu Zufall hangelt und trotz kleinerer Hürden immer leichte Lösungen parat hält und damit sehr harmlos bleibt – was natürlich seiner Unterhaltsamkeit keinen Abbruch tut. Denn der Film hat mir gefallen.

„Mrs. Harris und ein Kleid von Dior“ - My First Look – 8/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

10467
iHaveCNit: The Menu (2022) – Mark Mylod – Fox Searchlight Pictures
Deutscher Kinostart: 17.11.2022
gesehen am 19.11.2022
Kinopolis Main-Taunus-Zentrum – Kino 11 – Reihe 16, Platz 15 – 17:10 Uhr


Das Kino lädt seit dem aktuellen Wochenende zu einem ganz besonderen Dinner ein, wenn man ein Ticket für Mark Mylods kulinarische Thriller-Satire „The Menu“ löst. Auch ich habe es mir nicht nehmen lassen, das filmische Krimi-Dinner schmecken zu lassen. Es war vorzüglich !

Der mysteriöse und gefeierte Sternekoch Julien Slowik betreibt auf einer abgelegenen Insel ein autark agierendes Sterne-Restaurant der Extraklasse, dass für seine Kunden jedes Mal ein ganz speziell abgestimmtes Menü zusammenstellt. Unter den erlesenen Gästen des aktuellsten Dinner-Abends befinden sich neben einem Filmstar, einer Restaurantkritikerin und windigen Geschäftsleuten auch der junge Tyler, der sich als großer Fan von Slowiks Kochkunst versteht und seine neue Freundin Margot, die eigentlich nur widerwillig die Einladung angenommen hat. Ob Margots Skepsis berechtigt ist ?

„The Menu“ wirkt als filmisches Krimi-Dinner und kulinarische Thriller-Satire wie ein Menü, dass aus diversen Zutaten wie Ruben Östlunds „Triangle Of Sadness“ ; Ari Asters „Midsommar“ ; Brad Birds „Ratatouille“ und John Wells „Im Rausch der Sterne“ zu einem in sich stimmigen und durchaus eigenständigen filmischen Genuss für die audiovisuelle und intellektuelle Stimulation. Der Film ist als optisch ansprechend inszeniertes Kammerspiel für die Augen ein Genuss. Inmitten dieses Films sind vor allem zwei Rollen für mich sehr geschmack- und gehaltvoll gewesen. Da wäre zum einen der mysteriöse, egozentrische, fast psychopathische Julien Slowik, der von Ralph Fiennes extrem gut gespielt wird und zum anderen natürlich die misstrauische, skeptische und rebellische Margot, die von Anya Taylor-Joy gespielt – und zu einer Sympathieträgerin inmitten vieler unsympathischen Figuren wird. Aus der gemeinsamen Dynamik ergibt sich im Ensemble des Films durchaus ein interessantes und spannendes Duell. Darüberhinaus ist es ein Genuss mit anzusehen, wie einem Großteil der unsympathischen Charaktere im Film der gesellschaftskritische Spiegel vorgehalten wird, auch wenn man natürlich sagen kann, dass die damit verbundene Gesellschaftskritik nur etwas fein gewürzt wirkt – wie ein zu kleines Häppchen in der Molekular-Küche, dass sich zwar gut als Aufnahme in Foodblogs, aber dafür weniger gut satt macht. Da fehlt dem eigentlich vorzüglichen Film etwas Salz und Substanz, um trotz einem interessanten Nachgeschmack satt gemacht zu haben – weil dieser Nachgeschmack definitiv Lust auf Mehr macht.

„The Menu“ – My First Look – 9/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

10468
iHaveCNit: Einfach Mal Was Schönes (2022) – Karoline Herfurth – Warner
Deutscher Kinostart: 17.11.2022
gesehen am 20.11.2022
Kinopolis Main-Taunus-Zentrum – Kino 7 – Reihe 13, Platz 14 – 17:10 Uhr


Eine sehr schöne filmische Klammer in diesem Jahr kommt von der deutschen Schauspielerin und Regisseurin Karoline Herfurth. Durch die Pandemie wurde der Start von „Wunderschön“ in den Februar Anfang diesen Jahres verlegt – und nun im vorletzten Monat wenige Wochen vor dem Jahresende bekommen wir nun mit „Einfach Mal Was Schönes“ den zweiten Film von Karoline Herfurth in diesem Jahr spendiert. Genau wie „Wunderschön“ ist auch bei „Einfach Mal Was Schönes“ der Name Programm.

Karla Matschke ist Radiomoderatorin und steht kurz vor der 40. Sowohl bei der Partnersuche hat sich für Karla noch nichts ergeben und auch ihr Kinderwunsch hat sich noch nicht erfüllt, so dass die biologische Uhr gegen sie arbeitet. In ihrer Verzweiflung trifft sie die Entscheidung, ihren Kinderwunsch ohne einen eigenen Partner erfüllen zu wollen – ohne zu ahnen, dass inmitten des doch sehr turbulenten Umfelds ihrer Familie sie auch noch die Bekanntschaft des jüngeren Ole macht und sich verliebt.

An dieser Stelle sei von meiner Seite aus gesagt, dass es Karoline Herfurth mit ihren Filmen als Regisseurin schafft, mich immer emotional zu bekommen und mitzureißen. Sei es „SMS für dich“ oder „Sweethearts“ und nun auch „Wunderschön“ und „Einfach Mal Was Schönes“ - jeder Film von ihr gefällt mir einfach, womit Herfurth als Regisseurin auch in Zukunft eine sichere Bank für mich sein könnte, mehr noch als ihr Schauspiel. Denn Herfurths Filme wie auch „Einfach Mal Was Schönes“ bestechen durch eine gleichermaßen authentische als auch Hochglanzoptik, ein großartig besetztes Ensemble als auch der schön ausdifferenzierte und feinfühlige Blick auf die Zwischenmenschlichkeiten und auch die im Film behandelten Themen wie hier der Kinderwunsch sowie moderne Wege der Schwanger- und Mutterschaft. Die im Film eingebettete Romanze mag zwar vielleicht etwas kitschig gewesen sein, aber das hat mich nicht gestört. Genau wie die ein oder anderen etwas zugespitzten und überhöht dargestellten Konflikte. Insgesamt wieder ein sehr unterhaltsamer Film wie bereits „Wunderschön“ am Anfang des Jahres.

„Einfach Mal Was Schönes“ – My First Look – 9/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

10469
The Marksman (2021)
Sehr durchschnittliche Ware. Es wird zwar vom Grundsatz eine spannende Geschichte erzählt, die aber zu sehr aufgebläht wurde. 20-30 Minuten weniger hätten es auch getan. Zudem sind viele Handlungspunkte recht vorhersehbar.

5/10


The Father (2020)
Der Film erzählt die Geschichte eines an Mannes, der an Demenz erkrankt ist. Der Film basiert auf einem Theaterstück und ist daher selbst ein Kammerspiel. Man befindet sich permanent in einer Wohnung (und 1x kurz beim Arzt). Dabei ist der Film so konstruiert, als erlebe man die Welt aus Sicht des dementen Mannes. Zunächst hört sich das nach einem interessanten und erfrischenden Ansatz, will aber bei mir auf die Gesamtdauer des Filmes nicht funktionieren. Mich hat es recht schnell genervt, da man teilweise nicht wirklich folgen kann, was nun wahr und unwahr ist.

4/10
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Re: Zuletzt gesehener Film

10470
Sondervorstellung
iHaveCNit: Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens (1922) – Friedrich Wilhelm Murnau
Deutscher Kinostart/Wiederaufführung: 23.11.2022
gesehen am 23.11.2022
Arthouse-Kinos Frankfurt – Große Harmonie – Reihe 4, Platz 12 – 21:00 Uhr

Im Rahmen der Vorstellungsreihe „(Dis)Harmonie – Die Reihe für den abseitigen Film“ der Arthouse-Kinos Frankfurt gab es anlässlich des 100-jährigen Jubiläums von Friedrich Wilhelm Murnaus Stummfilmklassiker „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ eine Vorstellung des besonderen Art. Die 94-minütige Schnittfassung wurde aufgeführt in Kombination mit einer Live-Vertonung durch das Gramm Art Project, die den Film mit minimalistischem jazz-lastigen Arrangement mit Kontrabass und E-Gitarre begleitet haben und damit für ein einmaliges Erlebnis gesorgt haben.
„Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ – My First Look – Ohne Wertung.
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