Welcher Film von James Cameron gefällt Dir am Besten?

Piranha 2 – Fliegende Killer (Keine Stimmen)
Terminator (Keine Stimmen)
Aliens – Die Rückkehr
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (50%)
Abyss – Abgrund des Todes (Keine Stimmen)
Terminator 2 – Tag der Abrechnung (Keine Stimmen)
True Lies – Wahre Lügen (Keine Stimmen)
Titanic (Keine Stimmen)
Avatar – Aufbruch nach Pandora (Keine Stimmen)
Avatar – The Way of Water
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (50%)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 2

Re: Leaps of Faith – Die Filme des James Cameron

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AnatolGogol hat geschrieben: 6. Dezember 2023 17:54 Denn es ist bei weitem nicht nur die Action und das Spektakel, was mich an seinen Filmen 2-4 bis heute so begeistert.
Wobei ich das ja nicht unbedingt so gesagt habe. Mir ging es nicht nur um Schwerpunktsetzung, sondern um die Art und Weise, wie Cameron seine Filme aufbaut und ich finde es vollkommen legitim, wenn der Zugang zur Gestaltung einer immersiven Welt über die Konstruktion der Bilder hergestellt wird. Das entbindet Cameron nicht davon, Figuren zu zeichnen und nachvollziehbare Plots zu bauen. Ansonsten bist du im Kino von Werbefilmern wie Zack Snyder und Michael Bay, die außer dem direkten werblichen Zugang zur Bildsprache wenig bis nichts leisten, wenn also die Filme wirklich nur noch Sequenzen wie Ausstellungsstücke behandeln und nichts mehr organisch ineinandergreift. So würde ich Cameron nicht sehen.

Aber ich erkenne in seinen Filmen durchaus einen Regisseur, den vor allem die Funktionsweisen seiner Charaktere interessieren, nicht unbedingt ihre Menschlichkeit selbst (was ein hübscher, spannender Widerspruch ist, da seine Handlungen immer die Menschlichkeit und den Wert des Individuums als solchen hochhalten). Die "Terminator"-Filme kreisen um Ideen (insb. Determinismus und Posthumanismus), aber nicht um Charaktere, die Kamera ist vor allem damit beschäftigt, den Terminator als Killer-Maschine begreifbar und erlebbar zu machen, während die "Menschlichkeit" von Sarah und Kyle mehr ihres Kontrasts wegen erforscht wird, als um psychologisch in die Figuren einzutauchen. Solche Feststellungen lassen sich für mich bei allen Cameron-Filmen machen, am wenigsten vielleicht beim drehbuchseitig weitgehend vergurkten "True Lies". "Aliens" etabliert das Mutter-Motiv, um Ripley eine Entwicklung und ein Leitthema zu geben, der Film ist inszenatorisch aber selten daran interessiert, sie als Figur näher zu beleuchten, und fokussiert sich auf das Technische der Action, auf die maschinellen Wehrmethoden gegen den biologisch unbesiegbaren Gegner - und das Duell der Mütter dient dann auch als eine Möglichkeit, dem angepeilten Spektakel (Powerwoman gegen Alienqueen im Kampf um die kleine Newt) eine emotionale Grundierung zu geben.

Ganz extrem sind "Titanic" und "Abyss", die in beiden Fällen ihre Charaktere zweckdienlich gestalten und (durchaus gut geschrieben) in Schauplätzen verorten, deren eigentliche Erforschung und Beleuchtung einen Großteil der filmischen Gestaltung ausmacht. Die ganze Liebesgeschichte in "Titanic" ist vor allem eine personelle Zuspitzung der Katastrophe an Bord des Schiffs. Lass es mich so sagen: Cameron wollte einen Film über das "Titanic"-Unglück machen und Jack und Rose sind die idealen "Symbolfiguren", um die großen Themen und abstrakteren Bedeutungsebenen dieses Unglücks (die dazu beitrugen, weshalb gerade dieser Schiffuntergang sich im historisch-kollektiven Gedächtnis verewigte) auf eine Personalebene runterzubrechen. Sie repräsentieren alles, was die Tragik der Titanic ausmacht. Sie sind aus unterschiedlichen Gesellschaftsständen, sie leiden unter den Repressionen ihrer Zeit hinsichtlich Herkunft und Geschlecht, an ihnen verdeutlichen sich die sozioökonomischen Strukturen und Traditionen, die anno 1912 langsam aufgebrochen wurden (usw. usf.), und das traurige Ende ihrer Liebesgeschichte ist dann der Untergang der Titanic im Kleinen (nicht umsonst ertrinkt von den beiden die Person, die beim damaligen Untergang die bedeutend schlechteren Karten gehabt hätte und nicht umsonst emanzipiert sich die Überlebende von all den "gestrigen" Regeln und Gepflogenheiten der alten Welt, die "mit der Titanic untergegangen sind", bzw. im historischen Verlauf auch aufgrund des Ersten Weltkriegs an Gültigkeit verloren haben).

Vielleicht macht das etwas deutlicher, was ich meine, wenn ich sage, dass Camerons Filme in erster Linie in Bildideen gedacht sind und erst in zweiter Linie in Figuren und Plots und sogar Szenen. Man kann das als Stärke oder Schwäche auffassen, aber in meinen Augen ist er sich da insgesamt über seine Karriere ziemlich treu geblieben, wenngleich ihm sicher nicht jeder Film gleich intensiv gelungen ist.
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Re: Leaps of Faith – Die Filme des James Cameron

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Das kann man bei Cameron durchaus so sehen und Ähnliches ließe sich über Nolan sagen.
Bei Titanic sehe ich die Funktion von Jack und Rose aber auch ganz profan darin Identifikationsfiguren für das Publikum zu erschaffen, um das Unglück dann viel intensiver elebbar zu machen. Das ist im Prinzip klassisches Katastrophenfilm-Handwerk. Was die Titanic so berühmt und berüchtigt gemacht hat ist meiner Ansicht nach weniger eine sich andeutende Zeitenwende, sondern vielmehr der Schock, dass Industrialisierung und technischer Fortschritt auch scheitern können. Das damals größte je gebaute Schiff galt als unsinkbar, so wurde es auch beworben. Und das in einer Phase als es industriell immer steiler bergauf ging. Und diese Entwicklung ging ja weiter. Der erste Weltkrieg ist vor allem ein industrieller Krieg, bei dem - obwohl es ja schon der amerikanische Bürgerkrieg gezeigt hatte - erstmals so richtig ins Bewusstsein geriet, welche zerstörerische Seite der industrielle Fortschritt haben kann.
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Re: Leaps of Faith – Die Filme des James Cameron

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vodkamartini hat geschrieben: 7. Dezember 2023 07:17 Bei Titanic sehe ich die Funktion von Jack und Rose aber auch ganz profan darin Identifikationsfiguren für das Publikum zu erschaffen, um das Unglück dann viel intensiver elebbar zu machen. Das ist im Prinzip klassisches Katastrophenfilm-Handwerk.
Logisch, Massentauglichkeit ist immer ein sehr relevanter Faktor. Den habe ich absichtlich ignoriert, weil Cameron das mit anderen Regisseuren gemein hat, während die Funktionalität seiner Charaktere zugunsten des Bildhaften etwas ist, was er "für sich" hat. Simpel gesagt: Es gab auch in den 50ern schon zwei große Katastrophenfilme zum "Titanic"-Untergang (und bei beiden hat Cameron sich überdeutlich bedient, einige Szenen nahezu plagiiert), und auch die haben natürlich mit Identifikationsfiguren gearbeitet. Aber nicht so, dass die beiden zentralen Charaktere als Stand-Ins für nahezu alles fungieren, was im Film thematisch und motivisch verhandelt wird. Das ist quasi das, was Cameron besonders auszeichnet: Er bricht die "Inhalte" seiner Bilder auf eine Personalebene herunter, die abstraktere Ideen so direkt emotional fühlbar macht. Selbst deine richtige Anmerkung, dass die "Titanic" vor allem auch als Symbol für menschliche Hybris in die Geschichte eingegangen ist, findet im Film ganz direkt in den Charakteren statt, wird auf 1-2 Symbolfiguren vereinfacht.

Ohne jetzt die Henne-/Ei-Thematik großfahren zu wollen, aber ich bin felsenfest davon überzeugt, dass James Cameron keinen Film über die "Titanic" gemacht hat, weil er eine Liebesgeschichte in der Zeit oder auf dem Schiff erzählen wollte, sondern weil er a) eine Liebe für die Tiefsee hat und daher vom Wrack des Schiffs fasziniert war und weil er b) das Bild im Kopf hatte, wie das Schiff im 45 Grad Winkel im Ozean steht und zahlreiche Menschen den Bug entlang rutschen. Davon handelt sein Film – der Rest füllt dieses Spektakel und diese persönliche "Faszination" mit Bedeutung und Wert für die Allgemeinheit. Und da, um auf Anatol zurückzukommen, sehe ich keinen Unterschied in der Herangehensweise zwischen "Terminator", "Titanic" und "Avatar: The Way of Water". In der subjektiven Qualitätsempfindung – da mag das natürlich jeder anders einschätzen.
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Re: Leaps of Faith – Die Filme des James Cameron

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Casino Hille hat geschrieben: 7. Dezember 2023 11:14 Ohne jetzt die Henne-/Ei-Thematik großfahren zu wollen, aber ich bin felsenfest davon überzeugt, dass James Cameron keinen Film über die "Titanic" gemacht hat, weil er eine Liebesgeschichte in der Zeit oder auf dem Schiff erzählen wollte, sondern weil er a) eine Liebe für die Tiefsee hat und daher vom Wrack des Schiffs fasziniert war und weil er b) das Bild im Kopf hatte, wie das Schiff im 45 Grad Winkel im Ozean steht und zahlreiche Menschen den Bug entlang rutschen. Davon handelt sein Film – der Rest füllt dieses Spektakel und diese persönliche "Faszination" mit Bedeutung und Wert für die Allgemeinheit. Und da, um auf Anatol zurückzukommen, sehe ich keinen Unterschied in der Herangehensweise zwischen "Terminator", "Titanic" und "Avatar: The Way of Water". In der subjektiven Qualitätsempfindung – da mag das natürlich jeder anders einschätzen.
Ich sehe das ja genauso und dein letzter Satz ist für mich dann auch der springende Punkt. Hinzu kommt wie bereits erwähnt in Camerons beiden jüngsten Filmen der Verzicht auf den Faktor Mensch. Vermutlich gibt es am Ende aber dann halt doch noch einen kleinen qualitativen Unterschied zwischen Ed Harris Schauspiel und dem seiner computeranimierten Kollegen wie auch der daraus resultierende Einfluss auf den Film an sich. :D
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