11107
von ollistone
Agent
A House of Dynamite von Kathryn Bigelow
Ich weiß nicht, ob dem Film eine Alibi-Woche im Kino spendiert wurde, ich habe ihn jedenfalls direkt bei Netflix gesehen. Interessantes Ding. Die USA registrieren einen Raktenstart im Westpazifik, ohne dass der Abschuss von Satelliten erfasst wurde, so dass unklar ist, ob es die Chinesen, die Russen oder doch die Nordkoreaner waren. Zuerst davon ausgehend, dass es sich um einen Raketentest handelt, wird den zuständigen Stellen schnell klar, dass es sich um eine Nuklearwaffe handelt, die Kurs auf die USA nimmt und in zwanzig Minuten im Großraum Chicago detonieren wird.
Bigelow inszeniert hier keinen Kriegsfilm im klassischen Sinne, und es wird leider auch kein Happy End mit einem "God bless America" flüsternden Präsidenten vor wehender US-Fahne geben, denn dass er Einschlag unabwendbar ist, setzt der Film voraus, ohne ihn explizit zu zeigen. Das eigentliche Geschehen spielt sich in den Schaltzentralen der Macht ab, im Weißen Haus, im Situation Room, in der Kommandozentrale des Pentagons, auf verschiedenen Militärbasen, in Videokonferenzen. Jeder weiß, was er in solchen Situationen zu tun hat, jeder hat seine Handbücher parat, und doch herrscht zunehmend Chaos, weil dann doch keiner weiß, was er in diesem undenkbaren Fall eigentlich machen soll - vor allem die Frage, ob und gegen wen überhaupt ein Gegenschlag anzuordnen ist und ob der nicht im Zweifel zur Auslöschung der ganzen Welt führen würde, führt zu lähmender Unsicherheit, Die Hilflosigkeit angesichts versagender Gegenmaßnahmen empfand ich als ziemlich bedrückend und beklemmend. Dass das Ganze aus drei Perspektiven erzählt wird mit unterschiedlichen Akteuren, mag etwas redundant wirken.
"Der Baggersee war Ozean, die Ente war ein Schwan, ein Topf ein Hut, damals hinterm Mond."