Re: Von Suspense & MacGuffins: Die Filme des Alfred Hitchcock

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Da ich Notorious endlich in der richtigen Sprache besitze habe ich ihn letzte Woche ein zweites Mal geschaut. Der ist halt schon bärenstark gespielt von der Bergman und wartet neben der womöglich erotischsten Kussszene der Filmgeschichte mit einigen richtig schmucken Sequenzen in Sachen Kamera und Bildkomposition auf. Ausserdem würde ich das einen (relativ) frühen mutigen Film von Hitch nennen, einen der viel weniger an seinem Kriminal- oder diesem Fall Spionagefall interessiert ist, sondern diesen mehr als reines Setting für sein Figurendrama benutzt. Vertigo hat einen vergleichbaren Ansatz später ja noch weiter auf die Spitze getrieben. Notorious ist einer der zehn besten Kickhötscher.
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Re: Der Hitchcock Thread

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Maibaum hat geschrieben: 29. Dezember 2022 23:50 Dagegen war ich von Rear Window insgesamt doch eher enttäuscht.
Sicherlich ein guter und unterhaltsamer Film mit einigen interessanten Ideen, aber da ist doch auch viel drin was ich nicht so gelungen finde. Zum Schluß macht Hitch sogar noch einen schwer erklärlichen erzählerischen Fehler. Nachdem der ganze Film von Stewarts Perspektive aus erzählt war, und deswegen die Kamera auch nie die Wohnung verlässt, gibt es, als Stewart am Ende aus dem Fenster hängt, plötzlich einen Perspektiv-Wechsel in den Garten. Wie doof ist das denn?
Maibaum, diesen "Fehler" macht Hitchcock gewissermaßen zweimal. Es gibt mitten im Film schon einmal eine Szene, in der die Kamera sogar nur für wenige Sekunden die Wohnung verlässt. Und zwar als der Hund unten im Garten tot aufgefunden wird und dessen Frauchen die ganze Nachbarschaft zusammenschreit. Da filmt Hitchcock die verschiedenen Reaktionen der Hausbewohner und dabei gibt es plötzlich eine Vorderansicht einer Frau, die das alles ergriffen beobachtet - aus einer Perspektive, die unmöglich so aus Stewarts Wohnung heraus stattfinden kann.



Meine engsten Freunde haben ja im Dezember mit mir einen Hitchcock-Marathon begonnen und wir haben gemeinsam mit "Der Mann, der zu viel wusste" von 1934 angefangen und schauen jetzt bei jedem Treffen den chronologisch nächsten Hitchcock, ohne Lücken, bis wir irgendwann bei "Familiengrab" von 1976 ankommen. Wenn ich mal Zeit habe, fasse ich alle bisherigen Sichtungen samt Kurzfazit und Wertung hier rein.
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Re: Von Suspense & MacGuffins: Die Filme des Alfred Hitchcock

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Meinst du die Frau bei 1:38?

Die Perspektive mag etwas falsch sein, aber grundsätzlich ist es auch etwas was man von der Wohnung aus sieht.

Ich habe kürzlich Family Plot zum ersten Mal wieder gesehen seit Ewigkeiten, nicht so wirklich überzeugend. Mit 7/10 fast schon etwas zu hoch eingestuft.

Außerdem überlege ich ob für North By Northwest wegen dem ein oder anderen Hollywood Käse nicht auch 9/10 angemessener sind?

Re: Von Suspense & MacGuffins: Die Filme des Alfred Hitchcock

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Maibaum hat geschrieben: 4. August 2025 11:03 Meinst du die Frau bei 1:38?

Die Perspektive mag etwas falsch sein, aber grundsätzlich ist es auch etwas was man von der Wohnung aus sieht.
"Etwas falsch" ist gut, es ist eine 180 Grad Drehung. :) Hinter der Frau befindet sich Stewarts Wohnung, wir sehen sie von vorne.

Tatsächlich sprechen Hitchcock und Truffaut auch im Buch über diesen Moment als den einen visuellen Bruch des Films, aber keiner von beiden geht näher darauf ein, warum der da ist. Es wird nur klar, dass Hitchcock sich dessen bewusst war und es ganz beabsichtigt genau dort platziert hat.
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Re: Von Suspense & MacGuffins: Die Filme des Alfred Hitchcock

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Casino Hille hat geschrieben: 4. August 2025 11:43

"Etwas falsch" ist gut, es ist eine 180 Grad Drehung. :) Hinter der Frau befindet sich Stewarts Wohnung, wir sehen sie von vorne.
Nee, das stört mich jetzt nicht so, man sieht in der Sequenz ja auch daß die Kamera auch sonst oft nah dran ist, also auch unten im Hof ist. Das ist also ohnehin kein "reiner" Film, und in der ersten Szene schläft Stewart, aber das das passt auch für mich, jedoch der Sprung in den Hof am Schluß ist ein erzähltechnischer Fehler, außerdem wäre es auch intensiver gewesen wen er bei Stewart geblieben wäre.

Aber das im Truffaut Hitchcock Buch bezieht sich ja nur auf die Hunde Szene, und Hitch sagt es sei "nur an dieser Stelle", was nicht stimmt. Und Truffauts Erklärung für die Hunde Szene, na ja, ...
Jedoch wenn abgesehen von dieser Szene die Kamera immer vom Zimmer aus schaut, dann wäre tatsächlich auch diese ganze Hunde Szene ein weiterer Fehler. Und ein Überflüssiger, denn gut sieht das so nicht aus, und nur der Blick von oben hätte mir sicher besser gefallen.

Re: Von Suspense & MacGuffins: Die Filme des Alfred Hitchcock

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Maibaum hat geschrieben: 4. August 2025 14:00 Und ich glaube für Rope erwähnt Hitchcock die diversen "richtigen" Schnitte auch nicht, erwähnt nur die kaschierten, und Truffaut sagt auch nichts dazu. Deswegen hielt sich ja auch lange die Legende Rope bestehe aus einer Einstellung, bzw sehe so aus.
Welche "diversen" Schnitte meinst du denn?
Es gibt doch nur eine Handvoll Hard Cuts, dazu genauso viele kaschierte Schnitte, weil natürlich nur so lange am Stück gedreht werden konnte wie auf eine Filmrolle passt. Mehr als 10 im gesamten Film sind das nicht.

Der erste Hard Cut ist der Sprung von außen ins Appartment am Anfang. Und dann gibt es noch vier weitere.

Re: Von Suspense & MacGuffins: Die Filme des Alfred Hitchcock

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Genau die meine ich, vom Truffaut/Hitchcock Buch her betrachtet entsteht der Eindruck die seien alle kaschiert worden. Wobei der erste natürlich auch erzählerisch Sinn macht, und definitiv gewollt war.

Gerade noch mal nachgelesen, Hitch sagt das sei "jedesmal gelöst worden", und Truffaut, der ja solche Filme wahrscheinlich x-mal gesehen hatte, widerspricht nicht. Auch der erste Schnitt, der ja zumindest offensichtlich und auffallend ist, wird nicht erwähnt.

Re: Von Suspense & MacGuffins: Die Filme des Alfred Hitchcock

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Das wird jetzt ein sehr langer Post, vielleicht werden es auch zwei. Einen Großteil davon baller ich in den Spoiler-Kasten - nicht weil er Spoiler beinhalten wird, sondern damit ihr beim Öffnen der Seite nicht so lange laden müsst.

Meine bessere Hälfte (manche sagen: meine einzig gute Hälfte) und mein bester Freund haben zu Dritt vor über einem Jahr beschlossen, unsere Hitchcock-Lücken zu schließen. Bei mir waren das ein paar, bei ihr waren das ein paar mehr, bei ihm gab es keine Lücke, nur ein großes Hitchloch. Unsere Idee war: Wir versuchen, uns sehr regelmäßig (wenn möglich: jedes Wochenende!) zu treffen und einen Hitchcock-Film zusammen zu schauen. Bloß: Welche? Wie viele? Alle? Nur die, die ich schon besitze? Kaufen wir welche dazu? In welcher Reihenfolge schaut man sie?

Am Ende kam es so: Wir haben beschlossen, bei "Der Mann, der zuviel wusste" von 1934 zu beginnen, und von dort an chronologisch jeden Hitchcock-Film bis zu seinem letzten Werk "Familiengrab" von 1976 zu schauen. Alle vorherigen, vor allem die Stummfilme, wollten wir uns nicht noch aufbürden, vor allem auch um meinen Kumpel, der mit der Filmgeschichte vor 1980 nicht viele Berührungspunkte hat, nicht zu sehr zu verschrecken. Auch so kamen wir immerhin auf 37 Filme. Das ist eine Menge Holz. Und begonnen haben wir dann am 22. Dezember 2024 mit Hitchcocks erstem Mann, der zu viel wusste. Jetzt, im Januar, am 11. Januar 2026 um genau zu sein, haben wir das Projekt abgeschlossen. Ihr seht also: Jedes Wochenende hat nicht ganz geklappt, aber wir waren für unsere Verhältnisse ganz gut dabei.

Es hat erstmal irre viel Spaß gemacht. Uns allen drei. Es ist ein großes Vergnügen, sich so durch das Lebenswerk eines Filmemachers zu schauen und innerhalb seiner filmischen Arbeit zu beobachten, wie die Jahrzehnte verstreichen, technische Errungenschaften neue Möglichkeiten auftun - und so weiter. Wir haben beschlossen, gemeinsam ein Ranking der 37 Filme zu erstellen. Natürlich ist unser Geschmack nicht exakt deckungsgleich, aber bei fast allen der Filme waren wir uns insgesamt schon sehr einig und eng beieinander. Große Abweichungen gab es tatsächlich - bis auf einen Film - gar nicht.

Ich hatte eigentlich vor, alle 3-4 Filme einen Post hier abzusetzen und euch zwischendurch immer auf dem Laufenden zu halten. Das hab ich aber irgendwie verkackbeudelt und jetzt ist der Spaß vorbei und dieser Thread war kein Teil davon. Aber gut Ding will Weile haben, und um mir etwas Aufwand zu sparen, nutze ich meine Kurzkritiken für die App Letterboxd, um im Nachhinein mein Hitchcock-Ranking hier rein zu posten, das anhand dieses großen Rewatches entstanden ist. Keine Ahnung, ob irgendwer auf dieser Seite Bock hat, sich Kurzbesprechungen von 37 Filmen durchzulesen, aber andererseits: Why not? Bedenkt dabei bitte, jeder dieser Mini-Texte ist einzeln entstanden, sie beziehen sich also nicht aufeinander, und sie sind aus dem Englischen übersetzt, können also teilweise kleine Unstimmigkeiten aufweisen.

Hitchcocks Werk ist sehr divers in der Qualität, aber ein gewaltiger Anteil der geschauten Filme haben mir sehr viel Freude bereitet. Die niedrigste Wertung (3/10) hat nur ein einziger Film bekommen - mit dem beginnt das Ranking auch gleich -, die höchste Wertung (10/10) ging an ganze sechs der 37 Filme. Diese sechs Filme sind im Herzen alle ein geteilter erster Platz, ich könnte mich da eigentlich nicht wirklich entscheiden. Ich hab sie jetzt für diese Auflistung in eine Reihenfolge gebracht, aber die müsst ihr nicht allzu päpstlich nehmen.

Okay, dann klickt auf den Spoiler-Tag und das Ranking beginnt:
Spoiler
Platz 37: Riff-Piraten, 1939 (3/10)

Obwohl diese Verfilmung eines Romans von Daphne du Maurier gemeinhin - und richtigerweise! - als einer der schwächsten Filme in Alfred Hitchcocks Filmografie gilt, hat sie doch etwas Beeindruckendes, gar Ehrfurchtgebietendes zu bieten: es ist eine Einblendung während des Vorspanns: „Introducing: Maureen O’Hara“. Ja, O’Haras erste Filmrolle war die der Heldin in Hitchcocks missglücktem Piratenfilm.

Es handelt sich um eine Provinzkomödie, in der O’Hara entdeckt, dass ihr Onkel und ihre Tante mithilfe einer Piratencrew Schiffbrüche am Riff verursachen, um an Beute zu gelangen. Alle Schauspieler, insbesondere der maßlos übertreibende Charles Laughton als (heimlicher) Strippenzieher, spielen so übertrieben und karikaturhaft, dass ihre Figuren wie erbärmliche Clowns wirken. Daher kommt kaum Spannung auf, als O’Hara und ein verdeckter Ermittler versuchen, sie aufzuhalten. Hitchcock hatte am Set massive Probleme mit Laughton, der immer mehr Leinwandzeit forderte und gegen Hitchcocks Willen Drehbuchänderungen durchsetzte. Seinetwegen wird schon die größte Wendung der Geschichte gleich sinnloserweise zu Beginn enthüllt, und viele Szenen, die Spannung hätten erzeugen können, verpuffen wirkungslos.

Das Ergebnis ist ein kitschiges Werk ohne Atmosphäre, auch wenn Hitchcocks Können in einigen Szenen durchscheint, etwa in der grandiosen Eröffnungsszene mit einem Miniaturschiff, das am Riff zerschellt, gefolgt von einem Blutbad, in dem alle Überlebenden ermordet werden. Dennoch äußerte Hitchcock später seine Unzufriedenheit mit dem Film, und er geriet in Vergessenheit. Nach „Jamaica Inn“ verließ er England und drehte in den USA. Sein erster Film dort, „Rebecca“, war ebenfalls eine Adaption eines Romans von Daphne du Maurier. Möglicherweise ein Versuch, sich bei ihr zu entschuldigen…

Platz 36: Der falsche Mann, 1956 (4/10)

Es mag zwar um einen einfachen Bürger gehen, der zu Unrecht eines Verbrechens beschuldigt wird (und sich damit gut in die Reihe von Filmen wie „Die 39 Stufen“, „Jung und unschuldig“, „Saboteur“ und „Der unsichtbare Dritte“ einfügen), trotzdem gilt „Der falsche Mann“ als einer der ungewöhnlichsten Filme Alfred Hitchcocks. Wie der legendäre Regisseur selbst dem Publikum zu Beginn erklärt (in seiner einzigen Sprechrolle), basiert alles auf der wahren Geschichte des New Yorkers Manny Balestrero, der aufgrund seiner frappierenden Ähnlichkeit mit einem Räuber zu Unrecht verhaftet wurde - ein Umstand, der seine Frau in eine tiefe Depression stürzte.

Hitchcocks einziger True-Crime-Film ist eine kafkaeske Geschichte zweier Menschen, die von den Institutionen im Stich gelassen werden und angesichts dieser Ungerechtigkeit verzweifeln. Normalerweise wäre dies ein starkes Thema für ihn gewesen, doch aus Respekt vor dem echten Balestrero verschrieb er sich dem dokumentarischen Realismus und verzichtete gänzlich auf seine klassischen Momente der Spannungserzeugung, auf seinen sarkastischen Humor und seine stilistische Finesse. Nachdem er Mitte der 1950er-Jahre mit Technicolor experimentiert hatte, kehrte er sogar zur nüchternen Schwarzweißfotografie zurück.

Henry Fonda und Vera Miles spielen dieses verzweifelte Paar trotz einiger melodramatischer Dialoge hervorragend. Doch Hitchcock selbst hatte immense Probleme mit diesem emotionslosen, sachlichen Filmstil: Abgesehen von der natürlichen Empörung über diese von aktuellen Ereignissen inspirierte Geschichte über Recht und Unrecht hat „Der falsche Mann“ wenig zu bieten. Es ist eine strenge, faktengetreue Nacherzählung ohne wirkliche Dramaturgie oder erzählerische Tiefe, und Hitchcock wusste nicht, wie er die Psychologie seiner Figuren ohne ausdrucksstarke Kameraarbeit vermitteln sollte, was die filmische Form kaum zu rechtfertigen macht. Er war schlichtweg der falsche Mann für diesen Film.

Platz 35: Der zerrissene Vorhang, 1966 (4/10)

Gegen Ende seiner Karriere hatte Alfred Hitchcock, immerhin lange der "Master of Suspense", erhebliche Schwierigkeiten, mit dem Zeitgeist Schritt zu halten. Während frühe James-Bond-Abenteuer wie „Dr. No“ oder „Feuerball“ mit ihrer freizügigen Erotik und exotischen Schauplätzen für Begeisterung sorgten, drehte Hitchcock seinen Spionagethriller „Der zerrissene Vorhang“, der im Kalten Krieg spielt, fast ausschließlich auf Studiobühnen, vor gemalten Kulissen und mit Rückprojektionen - ganz wie eine Produktion aus den 1940er-Jahren. Das Ergebnis ist eine unglaublich störende Dauer-Künstlichkeit, die die Immersion massiv beeinträchtigt.

Die Geschichte eines amerikanischen Paares, das auf einer Geheimmission in Ostdeutschland sowjetische Atomgeheimnisse aufdecken soll und schließlich in den Westen flieht, wirkt wie ein Hitchcock-Film im Autopilot-Modus. Seinem erster Film seit über einem Jahrzehnt ohne seine langjährigen Mitarbeiter Robert Burks (Kameramann), Bernard Herrmann (Komponist) und George Tomasini (Cutter) mangelt es merklich an Inspiration. Es gibt keine unterhaltsame Action, kaum Spannung (abgesehen von einer passabel ausgedachten Busfahrt), erschreckend wenig erzählerischen Fokus, und obwohl Paul Newman und Julie Andrews beide charismatische Hauptdarsteller sind, fehlt es ihnen an gemeinsamer Chemie. Schlimmer noch: Ihre Charaktere sind völlig blass, und der Film zeigt keinerlei Interesse an ihrem Innenleben.

Hitchcocks Meisterschaft in Inszenierung und Mise-en-scène scheint weitgehend abwesend, doch inmitten all der Mittelmäßigkeit findet sich eine unglaublich gut inszenierte Sequenz: ein Mord in einem Bauernhaus, der sich über mehrere Minuten extremer Grausamkeit hinzieht, weil das Opfer einfach nicht sterben will. Es ist ein erschütternder Moment, eine morbide Erinnerung daran, wie schwer und unangenehm es sein kann, einen Menschen zu töten. Ein brillanter Moment, der dieses glanzlose Werk jedoch nicht retten kann. Selbst Hitchcock äußerte später seine Unzufriedenheit mit diesem Projekt.

Platz 34: Der Fall Paradin, 1947 (4/10)

Wie neutral und unabhängig kann ein Justizsystem sein, in dem Menschen die Entscheidungen treffen? „Der Fall Paradin“ erörtert diese Frage anhand eines einfachen Beispiels: Ein hoch angesehener und glücklich verheirateter Anwalt übernimmt die Verteidigung einer wegen Mordes angeklagten Frau und verliebt sich in sie. Er ist so von ihr besessen, dass sein Urteilsvermögen getrübt wird.

Es ist ein solides Werk mit interessanten Ansätzen, nicht nur als Mischung aus Melodram und Gerichtsthriller, sondern auch als Auseinandersetzung mit Geschlechterstereotypen und Männern, die in ihrer Sicht auf Frauen nie über die Madonna/Hure-Dichotomie hinausgekommen sind. Doch trotz einiger guter schauspielerischer Leistungen (Gregory Peck verkörpert einen Prototyp von Atticus Finch, fünfzehn Jahre vor „Wer die Nachtigall stört“, und Louis Jourdan, der spätere Bond-Bösewicht aus „Octopussy“, überzeugt als mysteriöser Diener) wirkt der Film insgesamt unausgewogen. Zwischen Pecks Anwalt und seiner Femme-fatale-Mandantin (Fehlbesetzung: Alida Valli) herrscht keinerlei Spannung. Zudem bleibt der Fall um den Mord an ihrem Ehemann so undurchsichtig - viele relevante Details werden erst im letzten Akt enthüllt -, dass man den juristischen Abläufen kaum folgen kann.

Es war die letzte Zusammenarbeit zwischen Regisseur Alfred Hitchcock und Produzent David O. Selznick. Offensichtlich wollte Selznick diesen Film unbedingt, während der gelangweilte Hitchcock „Der Fall Paradin“ nur aus Pflichtgefühl drehte. Die visuelle Umsetzung ist bestenfalls steif und funktional. Selznick überarbeitete das Drehbuch zudem mehrmals selbst, sodass viele Dialoge leblos und eher theatralisch als filmisch wirken. Eine fade, reißerische Romanze voller selbstgerechter Gerichtssitzungen - definitiv ein schwächerer Hitchcock.

Platz 33: Ich kämpfe um dich, 1945 (5/10)

Was für eine brillante und anmutige Schauspielerin Ingrid Bergman doch war! Sie trägt „Ich kämpfe um dich“ (im Original: „Spellbound“) , Alfred Hitchcocks anspruchsvolle Mischung aus Thriller und Melodram, im Alleingang. Der Film zählt zu den ersten amerikanischen Werken, die sich mit den Mechanismen der Psychoanalyse und Traumdeutung auseinandersetzen. Es ist eine psychologische Detektivgeschichte, in der Bergman der Rolle einer Therapeutin, die sich in ihren an Amnesie leidenden Patienten verliebt, eine fast Bogart-artige Ausstrahlung und Charisma verleiht. Sie versucht, das Geheimnis seiner Identität (und eines möglichen Verbrechens, das er begangen hat) zu lüften.

Sie muss den Film aber auch tragen, weil das Drehbuch gravierende Mängel aufweist. Es verliert sich viel zu sehr in trockener Theorie, ist voll von Freud’schem Psychogeschwätz und Figuren, die sich gegenseitig die Funktionsweise des Unterbewusstseins erklären (einiges davon ist wirklich schlecht gealtert). Das sorgt nicht gerade für eine unterhaltsame Nummer, und für einen Film, der angeblich so tief in die Psyche seiner Figuren eintaucht, bleiben viele von ihnen ziemlich blass. Gregory Peck in der Rolle des Patienten und Liebhabers beispielsweise hat nicht viel zu tun, außer abwechselnd verliebte und traumatisierte Grimassen zu schneiden.

Dank Hitchcock ist „Spellbound“ auch heute noch ein stilvoller Film mit opulenter Schwarzweißfotografie und zeigt sich stellenweise sogar einfallsreich, etwa mit einer virtuosen Point-of-View-Aufnahme, die in einem kurzen Farbtupfer gipfelt. Die berühmte, visuell beeindruckende Traumsequenz, gestaltet vom Surrealisten Salvador Dalí, ist zwar wirkungsvoll, bleibt aber nie bloß eine bizarre künstlerische Eingebung; stattdessen muss jedes gezeigte Bild von den Figuren analysiert, interpretiert und logisch erklärt werden, wodurch der Zauber verloren geht. Hitchcocks Regie ist großartig, ebenso Bergmans Darstellung, doch sie können den Film nicht retten.

Platz 32: Familiengrab, 1976 (5/10)

Kein Film hätte jemals dem Status als letztes Projekt in Alfred Hitchcocks Karriere würdig sein können. Der Mann hatte das Kino über Generationen hinweg geprägt, das lässt sich nicht in einem einzigen Filmerlebnis abschließend zusammenfassen. Und doch ist es fast unmöglich, von seinem antiklimaktischen Schwanengesang nicht enttäuscht zu sein. „Familiengrab“ ist ein etwas kitschiger und einfallsloser Versuch, mit einem Hauch von schwarzem Humor eine verschachtelte Geschichte über Betrüger, Entführer und einen verschollenen Erben zu erzählen.

Während der Dreharbeiten war Hitchcock ein alter, gesundheitlich angeschlagener Mann, und das merkt man. Nur wenig von seinem filmischen Genie blitzt auf; der Film wirkt größtenteils wie eine fade Fernsehproduktion seiner Zeit, mit vielen Szenen, die ausschließlich aus statischen Einstellungen und Gegeneinstellungen bestehen. Er ist generell viel zu lang und dialoglastig, und ohne die für Hitchcock typischen Spannungsmomente oder sein Gespür für häusliche Dramen wirkt er fast wie eine schlafwandlerische, selbstironische Parodie seines bisherigen Schaffens. Das Konzept könnte interessant sein, doch die Umsetzung ist so seltsam geschmacksneutral, dass der Film nicht wirklich amüsant wird.

Es gibt durchaus positive Aspekte, darunter hervorragende Schauspieler (Barbara Harris, Bruce Dern, Karen Black und William Devane) und einige gelungene Überraschungen in der parallelen Darstellung zweier gleichermaßen wichtiger Handlungsstränge, die erst im dritten Akt geschickt zusammenlaufen. Und die letzte Einstellung ist einfach perfekt, als letzte Einstellung überhaupt in einem Hitchcock-Film. Sie ist wohl seine persönlichste Offenbarung an das Publikum und eine treffende Metapher für „Familiengrab“ als Ganzes: Ein letztes Augenzwinkern, das uns wissen lässt, dass er sich selbst nie allzu ernst genommen hat.

Platz 31: Marnie, 1964 (5/10)

Äußerst unangenehm. Als verstörendes Machtspiel um Manipulation und Traumata zwischen einer zwanghaften, von Komplexen geplagten Kleptomanin und einem kontrollsüchtigen, animalischen Narzissten ist „Marnie“ das psychologischste und vielleicht verstörendste Werk in Alfred Hitchcocks gesamter Filmografie. Fast schon beichtend treibt er seine Obsession mit psychosexuell gequälten Blondinen auf die Spitze und zeigt Tippi Hedren als zutiefst gestörte Diebin, die von Sean Connery zur Heirat erpresst wird. Er will sie nicht aus aufrichtiger Liebe, sondern weil er sie heilen und zähmen will, selbst wenn das Vergewaltigung bedeutet.

Hedren und Connery sind in diesen außergewöhnlich anspruchsvollen Rollen fabelhaft, und Hitchcock hatte längst die gelassene Eleganz erreicht, mit der er Spannungsszenen wie einen Diebstahl und dessen Beinahe-Entdeckung durch eine Putzfrau mit virtuoser Kunstfertigkeit inszenierte. Gleichzeitig war der Meister selten so nachlässig. Die vielen offensichtlichen Studio-Sets, der immense Einsatz aufdringlicher Matte Paintings und die schlecht umgesetzten Rückprojektionen entlarven allzu oft ihre Immersion störende Künstlichkeit. Eine Szene mit einem Reitunfall wirkt beinahe peinlich amateurhaft und ist Hitchcocks Können nicht würdig.

Nach der Veröffentlichung hatte der Misserfolg von „Marnie“ verheerende Auswirkungen auf seine Karriere. Heute wird deutlicher, wie er Frigidität und sexuelle Gewalt nicht nur ambivalent darstellt, sondern auch deren impulsive Ursprünge in Freud’scher Manier analysiert und dekonstruiert. Die übertriebene melodramatische Theatralik ist angesichts des sensiblen und herausfordernden Inhalts einfach schlecht gealtert. Nie so intuitiv bewegend oder aufwühlend wie seine intellektuellen Meisterwerke „Vertigo“, „Rebecca“ oder „Berüchtigt“, wirkt der Film dramaturgisch seltsam fragmentiert und ist doch in seiner erotischen Toxizität eng mit dem Unterbewusstsein verbunden.

Platz 30: Der Geheimagent, 1936 (6/10)

Sechsundzwanzig Jahre vor dem ersten James-Bond-Film drehte Alfred Hitchcock einen Thriller über einen eleganten britischen Gentleman-Spion, der seinen Tod vortäuscht, einen Auftrag im Büro seines Chefs erhält und anschließend mit einer attraktiven Kollegin einen wichtigen Fall für Krone und Vaterland übernimmt. Es wäre eine echte Überraschung, wenn die Bond-Produzenten Albert R. Broccoli und Harry Saltzman sowie Bond-Schöpfer Ian Fleming „Der Geheimagent“ nie gesehen hätten. Fans von 007 sollten sich diesen Film unbedingt ansehen.

Hitchcock interessiert sich vor allem für die Psyche seiner Agenten. Peter Lorre spielt einen mexikanischen Auftragskiller, für den das Töten ein Geschäft ist und der einen Teil seiner Seele längst für seinen Beruf geopfert hat. John Gielgud als Proto-Bond und die wunderbare Madeleine Carroll als sein „Bond-Girl“ hingegen erkennen, dass sie nicht für dieses Geschäft geschaffen sind und kämpfen darum, sich ihre Menschlichkeit zu bewahren. Es ist ein interessanter psychologischer Ansatz, der funktioniert und dem Meisterregisseur dennoch Raum für großartige Szenen bietet, wie etwa ein Attentat auf einem Berggipfel oder den Angriff bewaffneter Kampfflugzeuge auf einen Zug.

Doch in Hitchcocks Filmografie ist dieser Film eher eine Kuriosität. Das liegt zum Teil daran, dass viele Szenen ungewöhnlich schlampig inszeniert und geschnitten wurden. Die Antikriegsbotschaft bleibt schwach ausgearbeitet, und obwohl viele Dialoge überraschend witzig sind, fallen holprige Expositionsszenen und eine unglaublich vorhersehbare Wendung negativ auf. Das Ende ist besonders lieblos inszeniert. Berichten zufolge verlor Hitchcock während der Dreharbeiten zunehmend das Interesse an dem Projekt, und das merkt man leider.

Platz 29: Der Auslandskorrespondent, 1940 (6/10)

Zwei der eindrucksvollsten Szenen in Alfred Hitchcocks bemerkenswerter Filmografie finden sich in einem seiner unbekannteren Filme: „Der Auslandskorrespondent“. In einer Szene gerät der heldenhafte Reporter in eine holländische Windmühle, die von Spionen besetzt ist. Diese nutzen das Drehen des Mühlenrads, um versteckte Signale an ihre Verbündeten zu senden. Hitchcocks Fähigkeit, in dieser beengten Atmosphäre zehn Minuten lang die Spannung aufrechtzuerhalten, ist sensationell. Noch unglaublicher ist das Finale des Films: der Absturz eines Flugzeugs im Ozean. Ein technisches Wunderwerk seiner Zeit. Hitchcock ließ gewaltige Wassermassen durch eine Rückprojektion hindurch krachen, um diesen spektakulären Effekt zu erzielen.

Als Gesamtwerk ist „Der Auslandskorrespondent“ ein unverhohlener Propagandafilm über einen Ottonormalverbraucher, der angesichts des Kriegsausbruchs in Europa seine anti-isolationistische Haltung aufgibt und in der Schlussszene (die Hitchcock vom Studio aufgezwungen wurde) eine patriotische Rede an die USA hält, um sie auf die Bedrohung durch den Faschismus aufmerksam zu machen.

Für einen Spionagefilm, der den Blitzkrieg und damit die seismische Veränderung der Weltordnung in seinem Finale thematisiert, mangelt es an einer stringenten Dramaturgie. Nach einem überaus spannenden ersten Drittel verliert die Handlung ihren spürbar dringlichen Ton durch eine unglaubwürdige Liebesgeschichte, und Hauptdarsteller Joel McCrea wird leider über weite Strecken zu einem passiven Protagonisten degradiert. Das Drehbuch musste aufgrund der damaligen Kriegsereignisse mehrfach überarbeitet werden, was zu einer gewissen Unebenheit führte. Dennoch beweist dieser Film eindeutig: Ein Meisterregisseur glänzt auch in seinen weniger gelungenen Werken.

Platz 28: Der Mann, der zuviel wusste, 1956 (6/10)

„Sagen wir, die erste Version stammt von einem talentierten Amateur, die zweite von einem Profi“, sagte Alfred Hitchcock bekanntlich über seine beiden Versionen von „Der Mann, der zuviel wusste“. Zweiundzwanzig Jahre nach dem Original von 1934 drehte er seinen eigenen Film neu und machte aus der kurzen, düsteren Noir-Geschichte über ein entführtes Kind, verzweifelte Eltern und ein Attentat in der Royal Albert Hall ein ausgedehntes Globetrotter-Abenteuerepos mit großen Schauplätzen in Marrakesch und London.

Es sind zwei sehr unterschiedliche Filme, obwohl das entführte Kind, die Eltern und die Royal Albert Hall geblieben sind. Und obwohl das Remake mit traumhafter VistaVision-Fotografie in Technicolor und der Starbesetzung mit James Stewart und Doris Day aufwendiger produziert ist, ist es auch der weniger interessante Film. Es ist eine klassische Geschichte von Entführung und Verzweiflung mit dramatischen Morden, falschen Fährten und einer Prise trockenem Humor, aber es fehlt ihr an echter Spannung und Nervenkitzel. Alles bleibt im Bereich des Vorhersehbaren, erzählt mit der demonstrativen Gelassenheit und Routine eines Mannes, der denselben Film schon einmal gedreht hat.

Er ist durchweg unterhaltsam, und der Höhepunkt in der Royal Albert Hall ist, wie im Original, ein meisterhaftes Lehrbuchbeispiel für Spannungsregie. Und dank dieses Films wurde die Welt um einen weiteren Ohrwurm bereichert, der auf keiner Party fehlen sollte: das oscarprämierte „Que Será Será“ (Was auch immer sein wird, wird sein)! Doch das Ganze ist bei Weitem nicht so inspiriert, wie man es von anderen Hitchcock-Filmen gewohnt ist. Vielleicht strengt sich ein Profi manchmal einfach weniger an als ein talentierter Amateur.

Platz 27: Der Fremde im Zug, 1951 (6,5/10)

Der Vorspann von „Der Fremde im Zug“ liest sich wie eine Liste der Legenden des postmodernen Film noir. Es ist die Verfilmung von Patricia Highsmiths Debütroman, inszeniert von Alfred Hitchcock, mit einem Drehbuch von keinem Geringeren als Raymond Chandler. So überrascht es nicht, dass die Prämisse sensationell ist: Zwei Männer begegnen sich scheinbar zufällig in einem Zug, und noch vor Ende der Fahrt schmiedet einer von ihnen einen Plan: Er will für den Sportler einen Mord begehen, wenn dieser im Gegenzug einen für ihn erledigt.

Was als humorvoller Thriller beginnt, entwickelt sich aus der Zusammenarbeit dieser Noir-Genies zu einem psychologischen Katz-und-Maus-Spiel, das dank der brillanten Schwarzweiß-Kameraführung von Robert Burke besonders fesselnd ist. Hitchcocks intelligente Bildgestaltung harmoniert perfekt mit Burkes visueller Sensibilität. Sie erzeugen Momente ungeheurer Spannung: sei es das Erklimmen einer Treppe mit einem gefährlichen Hund am oberen Ende, ein Tennismatch auf Leben und Tod gegen die Zeit oder das irre Finale, eine halsbrecherische Schlägerei auf einem außer Kontrolle geratenen Karussell. Es war ihre erste Zusammenarbeit; insgesamt drehten sie zwölf Filme zusammen, von denen viele Meisterwerke sind.

„Der Fremde im Zug“ gehört trotz einiger großartiger Szenen nicht dazu. Verglichen mit Highsmiths düsterem Roman schöpft Hitchcocks Film sein einzigartiges Potenzial nicht voll aus, löst Konflikte zu schnell, bleibt zensurfreundlich, zahm und beschränkt sich auf einen simplen Kampf zwischen Gut und Böse. Die tieferen Themen eines mörderischen Unterbewusstseins in jedem von uns und des fehlgeleiteten Versuchs der Zivilisation, das dem Menschen innewohnende Böse zu unterdrücken, gehen in melodramatischen Effekten verloren. Unterhaltsam, aber nichts Besonderes.

Platz 26: Mr. & Mrs. Smith, 1941 (7/10)

Verschiedene Autoren arbeiteten zwei Jahre lang am Drehbuch der Screwball-Komödie „Mr. & Mrs. Smith“, bevor es schließlich in die Hände von Filmstar Carole Lombard gelangte. Sie war eine persönliche Freundin von Alma Reville und überzeugte deren Ehemann, Alfred Hitchcock, die Regie zu übernehmen. Später gestand er, dass er wenig Interesse an Screwball-Komödien hatte und die Hauptfiguren - ein Ehepaar, das plötzlich erfährt, dass seine Ehe aufgrund einer juristischen Formalität annulliert wurde - nicht wirklich verstand. Hitchcock sagte, er habe die Ereignisse lediglich wortgetreu nach Drehbuch verfilmt, ohne nennenswerte eigene Ideen einzubringen.

Dennoch schuf er ein recht gelungenes Beispiel des populären Genres. Sicherlich half dabei, mit Lombard und Robert Montgomery zwei Hauptdarsteller an Bord zu haben, denen dieser besondere Humor im Blut liegt (ursprünglich sollte Screwball-Legende Cary Grant den Ehemann spielen). Die beiden harmonieren wunderbar miteinander, und Hitchcock holt aus den verspielten Szenen das Maximum heraus, sei es ein Saunabesuch, ein gegenseitiger Verrat in einer Skihütte oder der grandiose Moment, in dem Lombard und ein Verehrer von ihr gemeinsam auf einer Jahrmarktattraktion gefangen sind.

Das komödiantische Timing ist großartig, der Film ist charmant und witzig. Doch im Gegensatz zu Frank Capra oder Ernst Lubitsch konnte Hitchcock dem Genre nicht seinen eigenen Stempel aufdrücken. Der typische „Hitchcock-Touch“ fehlt, und der Film wirkt etwas identitätslos. Aber wenn so ein Hitchcock-Film aussieht, der ihm nicht sonderlich lag, zeigt das nur, welch talentierter Filmemacher er war.

Platz 25: Saboteure, 1942 (7/10)

Der unschuldige Flüchtende ist ein zentrales Thema in Alfred Hitchcocks Filmografie. Man denke nur an „Die 39 Stufen“ von 1935, eines der prägendsten Werke seiner frühen Karriere, das ihn weltberühmt machte. Sein erster US-amerikanischer Film zu diesem Thema war „Saboteure“ von 1942, eine Art Neuverfilmung von „Die 39 Stufen“. Nachdem er fälschlicherweise beschuldigt wurde, eine Fabrik niedergebrannt zu haben, in der Flugzeuge für die Kriegsanstrengungen gebaut wurden, begibt sich der vermeintliche Saboteur auf eine Odyssee quer durchs Land, um seine Unschuld zu beweisen.

Unser Protagonist begegnet einem gutmütigen Blinden, einer schönen Blondine (die sich - typisch Hitchcock - seiner Reise anschließt), einer Gruppe Zirkusmitarbeiter und den wahren Drahtziehern: Nazi-Sympathisanten. Zu den unvergesslichen Höhepunkten zählen ein spektakulärer Sprung von einer Brücke, eine Explosion in einem Hafen und das legendäre Finale auf der Freiheitsstatue, das dank überzeugender Spezialeffekte fantastisch aussieht. „Saboteure“ bietet Humor, Spannung und eine gehörige Portion Patriotismus und ist ein visuell beeindruckender Thriller (die Eröffnungsszene mit schwarzem Rauch, der aus einem Flugzeughangar aufsteigt, muss kurz nach dem Angriff auf Pearl Harbor ein eindringliches Bild gewesen sein).

Dennoch trüben einige Schwächen den Gesamteindruck. Mit dem seltsam ausdruckslosen Robert Cummings in der Hauptrolle fehlt „Saboteure“ ein wirklich charismatischer Star, was sich auch auf die zentrale Liebesgeschichte auswirkt. Das dünne Drehbuch könnte ebenfalls besser sein, da einige Szenen eklatante Logiklücken aufweisen. Zum Beispiel: Als der Protagonist in einem Keller eingesperrt ist, entkommt er, indem er den Feueralarm auslöst. Doch wie genau dies eine verschlossene Tür öffnet, bleibt Hitchcocks Geheimnis.

Platz 24: Cocktail für eine Leiche, 1948 (7/10)

Schon nach wenigen Minuten dieses Thrillers wissen wir, wer die Mörder sind und warum sie es getan haben. Wir werden sogar Zeugen des Verbrechens selbst. Zwei gelangweilte Ästheten (und unterschwellig homosexuelle Liebende), Phillip und Brandon, erwürgen ihren ehemaligen Kommilitonen David in ihrer Wohnung, verstecken seine Leiche in einer Truhe und veranstalten anschließend im selben Raum ein Abendessen mit Davids Eltern, seinem besten Freund und seiner Verlobten. Für sie war der Mord lediglich eine philosophische Übung: Ist der perfekte Mord nur Theorie oder auch in der Praxis möglich?

Akademischer Elitarismus und die Gefahren intellektueller Anregung, losgelöst von Realität und konkretem Handeln, sind zentrale Themen. Für seinen ersten Technicolor-Film konzipierte der legendäre Regisseur Alfred Hitchcock einen Film, der in Echtzeit spielt. Daher drehte er ihn in fast zehnminütigen, ungeschnittenen Einstellungen, wodurch „Cocktail für eine Leiche“ nur sehr wenige Schnitte aufweist, von denen einige kaum sichtbar sind. Der Film spielt vollständig in einer einzigen Wohnung und verzichtet auf konventionelle filmische Mittel zugunsten seiner eigenen Funktionsweise. Die Spannung entsteht allein durch die hervorragenden Schauspieler (insbesondere John Dall und Farley Granger als das mörderische Duo und James Stewart als ihr misstrauischer Ex-Lehrer sind brillant) und die ständige Kamerabewegung.

Die eindringliche Geschichte erweist sich als interessanter Kommentar zum Faschismus des Zweiten Weltkriegs und verweist direkt darauf, wie der Nationalsozialismus Friedrich Nietzsches Lehre vom Übermenschen nutzte, um seine Ideologie einer Herrenrasse zu rechtfertigen. Insgesamt wirkt das Seherlebnis etwas unfilmisch, eher wie klassisches Theater, ein wenig trocken und moralisierend, aber dennoch ein lohnendes Experiment.

Platz 23: Ich beichte, 1953 (7/10)

Obwohl die faszinierende Prämisse von „Ich beichte“ - ein Priester wird des Mordes verdächtigt und kennt den wahren Täter, kann ihn aber aufgrund des Beichtgeheimnisses nicht preisgeben - an einen klassischen Alfred-Hitchcock-Thriller über einen zu Unrecht Beschuldigten erinnert, entpuppt sich der Film bei näherer Betrachtung eher als spirituelle Fortsetzung von Hitchcocks psychologischen Melodramen wie „Ich kämpfe um dich“ oder „Sklavin des Herzens“. Der geniale Regisseur verzichtet auf seine üblichen Spannungsmechanismen und thematisiert stattdessen katholische Schuldgefühle, gesellschaftliche Vorurteile und das moralische Dilemma des Protagonisten.

Als ehemaliger Jesuitenschüler wusste Hitchcock, dass im Katholizismus Illoyalität und Leidenschaft fast genauso hart verurteilt werden wie Mord. Mit raffiniert gestalteter, prachtvoller Bildsprache (dank Kameramann Robert Burks) und einer meisterhaft arrangierten, langen Rückblende in der Mitte des Films entfaltet sich eine tiefgründige Geschichte von gequälten Leben, einer gescheiterten Liebe, einer lieblosen Ehe und dem Opfer des eigenen Glücks für höhere Ideale.

Montgomery Clift, Hollywoods Pionier des Method Acting, verkörpert die innere Zerrissenheit des Priesters mit unglaublicher Subtilität; er verinnerlicht so viel, dass man sich manchmal fragt, ob er überhaupt schauspielert. Anne Baxter als Frau aus seiner Vergangenheit und der vielseitige Otto Eduard Hasse als der wahre Mörder sind ebenfalls großartig, während die Musik von Dimitri Tiomkin etwas überladen wirkt. Gedreht in Quebec, Kanada, war Hitchcock nie wieder so nah dran an Fritz Langs Noir-Werken, auch wenn bei Lang der Showdown zynischer gewesen wäre, während in Hitchcocks Film der sündhafte Wunsch nach Märtyrertum dem Gerechtigkeitswunsch des Publikums weichen muss.

Platz 22: Immer Ärger mit Harry, 1955 (7/10)

Obwohl „Immer Ärger mit Harry“ an den Kinokassen floppte und immer noch als einer der weniger bedeutenden Alfred-Hitchcock-Filme der 1950er-Jahre gilt, ist er dennoch ein wichtiger Meilenstein in der Karriere dieses brillanten Regisseurs, nicht zuletzt, weil es seine erste Zusammenarbeit mit dem Komponisten Bernard Herrmann war, der später maßgeblich an Meisterwerken wie „Vertigo“, „Psycho“ und „Der unsichtbare Dritte“ beteiligt war.

Doch auch abgesehen davon ist diese schwarze Komödie über die subtilen Reaktionen der Bewohner eines Dorfes in Neuengland auf eine im Wald gefundene Leiche sehenswert. Vor allem, weil sie visuell atemberaubend ist: Robert Burks' VistaVision-Fotografie fängt mit ihrer prächtigen Technicolor-Palette eine bezaubernde Herbststimmung ein, in der sich überall Berge goldbrauner Blätter erstrecken. Hitchcock zeichnet ein Panoramabild einer verschlafenen Gemeinde, eine farcenhafte, lakonische, absurde Version von Vorstadtlärm mit einer komischen Wendung: Die Bewohner glauben alle, für den Toten verantwortlich zu sein, was dazu führt, dass er immer wieder ausgegraben und wieder begraben wird.

Die makabre Komik, die darin liegt, dass eine Leiche das Einzige ist, was die Kleinstadtbewohner Amerikas zusammenhält, ist offensichtlich, doch Hitchcock ist bei weitem nicht so präzise im Platzieren von Lachern wie im Erzeugen von Spannung, seinem wahren Metier. Man hätte aus der Prämisse mehr herausholen können, aber es ist dennoch unglaublich leicht, sich von dieser wunderbaren Herbststimmung, der großartigen Shirley MacLaine in ihrer ersten Filmrolle, einigen herrlich frechen sexuellen Anspielungen und Herrmanns lebhaftem Soundtrack mitreißen zu lassen. Es ist Hitchcock von seiner gemütlichsten Seite, einfach herrlich unterhaltsame leichte Kost.

Platz 21: Der Mann, der zuviel wusste, 1934 (7,5/10)

Als Alfred Hitchcock 1934 den Thriller „Der Mann, der zuviel wusste“ drehte, hatte er bereits einige Kassenschlager inszeniert. Dennoch gilt dieses Werk unter einigen Filmkritikern als sein erster wirklich „typischer Alfred-Hitchcock-Film“. Er vereint bereits alles, was das Schaffen des Meisters fortan prägen sollte: ein packender Thriller mit Figuren aus der Oberschicht, zwielichtigen Gangstern, raffinierten Kulissen und aufregenden Spannungsmomenten, schwarzem Humor, einer komplexen Spionagestruktur, subtiler politischer Kritik und einer - für die damalige Zeit - ungewöhnlich vielschichtigen und tatkräftigen Heldin.

Die Erzählweise wirkt stellenweise noch etwas holprig. Die einzelnen Episoden sind durch eine einfache Handlung mit eher blassen Protagonisten verbunden, doch sind diese Kapitel bereits eindrucksvoll inszeniert, darunter das legendäre Attentat in der Royal Albert Hall und eine erstaunlich lange Schießerei zwischen Kriminellen und Polizisten mit vielen Toten auf beiden Seiten im großen Finale. Eine kurze Szene mit einem widerlichen Zahnarzt, die später in vielen Filmen kopiert wurde, deutet ebenfalls an, warum Hitchcock zu einer prägenden Figur der Filmgeschichte wurde.

Schauspielerisch ist der legendäre Charakterdarsteller Peter Lorre als Anführer einer Gangsterbande besonders einprägsam. Er war wie geschaffen für Schurkenrollen. Hitchcock selbst drehte 22 Jahre später eine zweite Verfilmung von „Der Mann, der zuviel wusste“ und erklärte, der erste Film sei von einem talentierten Amateur, das Remake hingegen von einem Profi gemacht worden. Er mag Recht gehabt haben, doch auch der erste Versuch war in vielerlei Hinsicht bemerkenswert.
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Let the sheep out, kid.

Re: Von Suspense & MacGuffins: Die Filme des Alfred Hitchcock

746
Und aus Längengründen folgen jetzt Platz 20 bis 01:
Spoiler
Platz 20: Topas, 1969 (7,5/10)

Dieses komplizierte Spionagedrama, basierend auf einem Roman von Léon Uris, hat einen unverdient schlechten Ruf. Das mag daran liegen, dass die komplexe Geschichte eines eigenwilligen französischen Geheimdienstoffiziers, der am Vorabend der Kubakrise in die Politik des Kalten Krieges verstrickt wird, im Gesamtkontext von Alfred Hitchcocks Filmografie wie ein Werk wirkt, das der Meister nur halbherzig umsetzt. Es fehlt ihm an seinem gewohnten visuellen Glanz, seinen raffiniert inszenierten Suspensemomenten und seinem charakteristischen schwarzen Humor; fast schon wirkt es wie eine nüchterne und trockene Interpretation eines klassischen Hitchcock-Films.

Nach den unerwarteten Flops von „Marnie“ und „Der zerrissene Vorhang“ hatte der Meister der Spannung sichtlich etwas von seinem Enthusiasmus eingebüßt. Und doch ist „Topas“ erzählerisch ein erstaunlicher Film, ein vielschichtiges, episodisches Epos, das meist in geschlossenen Räumen spielt und ständig zwischen amerikanischen Agenten, russischen Überläufern, kubanischen Revolutionären und französischen Verrätern wechselt - alle verwickelt in einen beinahe katastrophalen internationalen Zwischenfall. Unkonventionell in Struktur und Erzähltempo, konzentriert sich „Topas“ weniger auf die Spione selbst, sondern vielmehr auf das oft widersprüchliche, perverse und schmutzige Geschäft der Spionage. Im Mittelpunkt steht die fragwürdige Rekrutierung von Normalbürgern, die manipuliert und zu Schachfiguren von Supermächten und Geheimdiensten gemacht werden.

Hitchcock packt bemerkenswert viel Handlung in jede Szene, wodurch „Topas“ stark an die Romane von John le Carré erinnert - in seiner prosaischen Gleichsetzung und Verflechtung politischer und privater Intrigen. Elegant inszeniert, vollgepackt mit europäischen Stars (Frederick Stafford, Karin Dor, Michel Piccoli, Dany Robin, Philippe Noiret) und diplomatischen Turbulenzen, ist es ein ungleichmäßiges, aber dichtes Werk subtiler Spannung: ein bewusst unglamouröser Kontrapunkt zu den reißerischen und weltumspannenden James-Bond-Abenteuern der Swinging Sixties.

Platz 19: Sklavin des Herzens, 1949 (8/10)

Auch wenn es nicht zu seinen Meisterwerken zählt, ist dies einer der unterschätztesten Filme von Alfred Hitchcock. Irgendwie ist es ein „intimes Epos“. Angesiedelt im kolonialen Sydney des Jahres 1831, dreht sich der Film um eine Dreiecksbeziehung zwischen einem Sträfling, der zum wohlhabenden Landbesitzer aufsteigt (Joseph Cotten), seiner gequälten und agoraphobischen Frau (Ingrid Bergman) und dem gutmütigen Cousin des Gouverneurs (Michael Wilding). Er erzählt von Eifersucht und Klassenkampf vor dem Hintergrund der Gründung einer Nation.

Wie schon bei seinem vorherigen Film „Cocktail für eine Leiche“ wagte er es, das gesamte Projekt fast ausschließlich in neun- bis zehnminütigen Einstellungen zu drehen und die Kamera so in ständiger Bewegung zu halten. Diese stilistische Herausforderung meisterte er in seinem zweiten Versuch mit Bravour. Auf einzigartige Weise untersucht Hitchcock die Räume und die Beziehung der Figuren zu ihrer Umgebung; allein durch seine manierierte Bildgestaltung erzählt er ganze Geschichten. Die endlosen Kamerafahrten erzeugen unterbewusst ein beklemmendes Gefühl der Klaustrophobie, genau wie Bergmans alkoholkranke Figur sich im Haus ihres Mannes gefangen fühlt, aber auch in einem inneren Gefängnis aus sexueller Spannung und Unterdrückung. Wie eine brutale Neuauflage von Hitchcocks triumphalem Gothic-Romanze-Horrorfilm „Rebecca“ ist der Film eine technisch atemberaubende filmische Meisterleistung.

Diese fast schon erotisch anmutende, an Douglas Sirk erinnernde romantische Atmosphäre (eingefangen in leuchtendem Technicolor vom wegweisenden Kameramann Jack Cardiff) wird von den fabelhaften Schauspielern getragen, allen voran von der brillanten Bergman. Ihr funkelnder und erschütternder Monolog, den sie nach der Enthüllung aller Geheimnisse hält, ist Schauspielkunst in ihrer reinsten Form. Die melodramatischen Wendungen der Handlung können mit dieser filmischen Kunstfertigkeit nicht immer mithalten und geraten mitunter etwas kitschig, dennoch ist es ein ergreifendes Erlebnis.

Platz 18: Frenzy, 1972 (8/10)

Wie so viele Filme der frühen 1970er-Jahre, die provokant Konventionen in Frage stellten und kreative Grenzen sprengten, ist „Frenzy“ eine gewagte Produktion voller schmutziger Perversionen. Es gibt explizite Darstellungen von Vergewaltigung und Mord, zahlreiche Eindrücke von geschändeten, nackten Frauenkörpern, einen übermäßigen Gebrauch von Schimpfwörtern und keinerlei sympathische Charaktere. Selbst der Protagonist, der fälschlicherweise für einen widerlichen Sexualmörder gehalten wird, ist kein heldenhafter Flüchtling, sondern ein waschechter Mistkerl, ein impulsiver, ungepflegter Trunkenbold ohne jegliche positive Eigenschaften.

Befreit von den Beschränkungen des Hays Code zeigte der berüchtigte Regisseur Alfred Hitchcock in seinem vorletzten Film (seinem letzten in Großbritannien) seine skrupelloseste Seite: Es ist sein einziges Werk mit einem R-Rating. Überraschenderweise ist „Frenzy“ trotz dieser verstörenden, abstoßenden Geschichte, die in einem heruntergekommenen London spielt, bevölkert von Sexualstraftätern, Verlierern und Einfaltspinseln, kein typischer Hitchcock-Film - kein Noir-Thriller oder Kriminalmelodram, sondern eine unglaublich kranke und rabenschwarze Komödie, ein rabenschwarzes Stück morbider Groteske über die perverse Faszination der Engländer für Serienmörder noch Generationen nach Jack the Ripper.

Ein Running Gag über einen Detektiv, der zu Hause von den unverdaulichen Kochkünsten seiner frankophilen Frau gequält wird und sich dabei als weitaus fähigere Ermittlerin als ihr Mann entpuppt, bildet das seltsam schlagende Herzstück von „Frenzy“. Inmitten all der straff strukturierten, gekonnt geschriebenen und perfekt inszenierten düsteren Momente persifliert Hitchcock gekonnt die Eigenartigkeit der Engländer. Dieses schlüpfrige, gewalttätige und makabre Ausreißerwerk hat viel Bewundernswertes an sich, auch wenn seine bewusst eingesetzte Vulgarität nicht jedermanns Sache ist. Man könnte es als geschmackvolle Geschmacklosigkeit bezeichnen.

Platz 17: Das Rettungsboot, 1944 (8/10)

In fast all seinen Filmen hatte Alfred Hitchcock einen kleinen, unauffälligen Gastauftritt, ein Cameo. Meistens ging er einfach im Hintergrund eine Straße entlang. Doch für seine Rolle in „Das Rettungsboot“ musste er kreativ werden. Das Kammerspiel spielt vollständig auf hoher See. Nachdem ein Nazi-U-Boot ihr Schiff versenkt hat, fliehen sechs Männer und drei Frauen in einem Rettungsboot und treiben über den Ozean. Besonders pikant ist, dass einer von ihnen ein Deutscher ist, da auch das U-Boot zerstört wurde.

Es ist ein vielseitiger allegorischer Mikrokosmos der alliierten Gesellschaften während des Zweiten Weltkriegs. Die Geschichte (basierend auf einer Idee von John Steinbeck) erzählt von verschiedenen Konfrontationen zwischen den Passagieren. Einer der Männer ist schwarz und ziemlich überrascht, als die anderen ihn unter den gegebenen Umständen nach seiner Meinung fragen. Eine Frau ist ein Paradebeispiel für amerikanischen Materialismus und verliebt sich in den Sozialisten an Bord. Die Protagonisten lieben, hassen oder verraten einander, diskutieren Rassismus und Antisemitismus, einige von ihnen sterben sogar. Und können sie den Deutschen trauen, oder sind sie Narren, wenn sie überhaupt darüber nachdenken?

Obwohl der Film offensichtlich als moralstärkende Kriegspropaganda konzipiert wurde, ist er in erster Linie ein packendes Überlebensdrama über eine zusammengewürfelte Gruppe, die in einer schrecklichen Notlage zurechtkommen muss. Meisterhaft inszeniert, mit melancholischen und klaustrophobischen Passagen und extrem trockenem Humor, hält „Das Rettungsboot“ die Spannung hoch und die Handlung glaubwürdig. Die darin enthaltene Warnung ist universell: Wir sitzen alle im selben Boot. Sogar Hitchcock. Man muss nur genau hinschauen: An einer Stelle ist er als Illustration auf einer Zeitung zu sehen.

Platz 16: Die 39 Stufen, 1935 (8/10)

Keine Frage: Alfred Hitchcock hat viele bedeutende Klassiker der Filmgeschichte geschaffen. Sein erster Film, der diesen Status vollends erreichte, war „Die 39 Stufen“. Und das völlig zu Recht. Es ist einer jener Filme, deren Qualität absolut zeitlos ist. Mit seinen rasanten 86 Minuten ist er wohl sein temporeichstes Werk. Es ist ein Thriller über einen Flüchtigen, der unfreiwillig in eine Spionageverschwörung hineingezogen wird (und damit als Vorbild für andere Hitchcock-Filme wie „Saboteure“ oder „Der unsichtbare Dritte“ diente).

Diese Flucht quer durchs Land wird mit viel trockenem, schwarzem Humor erzählt, wobei der Spaß im Vordergrund steht und nicht die Paranoia, während gleichzeitig die atemberaubend gefilmten schottischen Highlands immer wieder wunderbar in Szene gesetzt werden. Der Film wird mitunter auch recht experimentell: Wichtige Ereignisse finden außerhalb des Bildes statt und werden erst im Nachhinein deutlich, eine Erklärung für eine plötzliche Wendung liefert ein schneller (und wirklich witziger) Zwischenschnitt. Für Hitchcock war es tatsächlich viel wichtiger, kreative und fantasievolle Wege zu finden, die komplexe Spionagehandlung zu erzählen, als es die Geschichte selbst war. In diesem Film wurden seine Eigenheiten zu Markenzeichen.

Doch „Die 39 Stufen“ entfaltet seine volle Wirkung erst, als der charmante Hauptdarsteller Robert Donat auf die freche Blondine Madeleine Carroll trifft und die beiden, aneinandergekettet, vor ihren Verfolgern fliehen und sich dabei ineinander verlieben. Ihre turbulente Hassliebe ist einfach köstlich und sorgt für großartige Dialoge und jede Menge Slapstick. Alles ist einfach und direkt gehalten, und obwohl Hitchcock später inszenatorisch bedeutend ambitionierter wurde, ist es schon hier ganz erstaunlich, wie mühelos er erstklassige Unterhaltung inszenieren konnte.

Platz 15: Sabotage, 1936 (8/10)

In vielen Interviews erklärte Alfred Hitchcock, dass die Spannung in seinen Filmen dadurch entsteht, dass er dem Publikum Informationen gibt, von denen die Figuren nichts wissen. In seinem frühen britischen Thriller „Sabotage“ gibt es eine exemplarische Szene, in der ein Junge mehrere Minuten lang unwissentlich eine Zeitbombe durch London transportiert. Der Zuschauer wartet gespannt darauf, wie die Szene endet, wie der Junge von dem tödlichen Paket getrennt wird. Und dann lässt Hitchcock die Bombe einfach explodieren.

Der Meisterregisseur erlaubte seinem Kino nur selten wieder eine so sadistische Note. „Sabotage“ ist einer der ungewöhnlichsten Hitchcock-Filme; kein Mystery-Thriller, sondern ein Krimi-Drama über eine Ehefrau, die mithilfe eines verdeckten Ermittlers entdeckt, dass ihr Mann für eine anarchistische Terrororganisation arbeitet. Es ist ein düsterer Film, in dem viele unschuldige Menschen sterben, und selbst die am Ende vollzogene Gerechtigkeit hinterlässt einen bitteren Beigeschmack. Es gibt einige brillante Szenen: ein Stromausfall in London, eine verhängnisvolle, tödliche Busfahrt, ein Besuch im Aquarium, ein Mord aus Verzweiflung und - so bizarr es auch klingen mag - die Vorführung eines frühen Walt-Disney-Zeichentrickfilms im Kino.

Trotz des makabren Humors sucht man vergeblich nach der mitreißenden Unterhaltung anderer Hitchcock-Klassiker und wird stattdessen mit einem eiskalten Nervenkitzel der übelsten Sorte konfrontiert. Es ist bezeichnend, dass der Terrorist in diesem Film in einer Wohnung hinter der Leinwand eines Kinos lebt. Denn in „Sabotage“ gibt es tatsächlich einen Terroristen „hinter den Bildern“. Sein Name ist Alfred Hitchcock.

Platz 14: Die rote Lola, 1950 (8/10)

Viele Kritiker und Zuschauer verurteilten Alfred Hitchcock für den Trick in seinem etwas in Vergessenheit geratenen Thriller „Die rote Lola“. Was zunächst wie einer seiner vielen Filme über einen unschuldig Beschuldigten wirkt, entpuppt sich im Finale als Schwindel. Diesmal ist der falsche Mann eigentlich der Richtige. Aber wie kann das sein? Hitchcock zeigte uns in den ersten zehn Minuten doch in einer Rückblende, was wirklich geschah! Tja, eben nicht: Er hatte gelogen.

Es war keine echte Rückblende, sondern die Visualisierung der erfundenen Geschichte eines Lügners. Was viele als billigen Trick abtun, ist in Wirklichkeit das geniale Gerüst für das, worum es in „Die rote Lola“ wirklich geht: um Schauspielkunst. Eine Rolle so überzeugend zu spielen, dass man sich fast selbst täuscht. Um den Namen ihrer unerwiderten Liebe und ihres (nicht ganz unschuldigen) Freundes reinzuwaschen, versucht eine junge Schauspielerin (grandios gespielt von Jane Wyman), den Fall zu lösen, indem sie ein Pseudonym annimmt und sich in das Haus der Hauptverdächtigen (der glamourösen Marlene Dietrich) einschleicht, die - passenderweise - ebenfalls Schauspielerin ist.

Es ist ein wunderbares Spiel mit falschen Identitäten und Täuschungen, voller intensiver Spannung, für die Hitchcock so geliebt wird. Vor allem aber ist es einer seiner witzigsten Filme, mit einer gehörigen Portion trockenem britischem Humor, absurden Wendungen und urkomischen Irreführungen. Der Vater der Protagonistin ist eine von Hitchcocks großartigsten Figuren: Er entwickelt eine ungeheure Freude daran, Verbrechen aufzuklären, und Alastair Sim verkörpert ihn mit einem herzerwärmenden Lächeln. Er ist der Inbegriff eines Scene-Stealers in diesem unterschätzten Juwel eines Filmemachers, bei dem wir nur auf eines vertrauen können: sein handwerkliches Können.

Platz 13: Im Schatten des Zweifels, 1943 (8/10)

Man muss sich vor Augen halten, wie gewagt „Im Schatten des Zweifels“ 1943 war. Die US-Propagandamaschinerie verklärte die Idee des amerikanischen Traums vom Landleben und glorifizierte den amerikanischen Mittelklasse-Lebensstil. Inmitten dieses Mechanismus schuf Alfred Hitchcock, ein Brite, ein Regisseur von außerhalb, ein düsteres Psychodrama über die verdrängte psychosexuelle Schattenseite des kleinstädtischen Optimismus - einen Blick hinter die Fassade der Vorstadt.

Der Film handelt von einem mysteriösen Onkel, der seine idyllische Familie besucht, aber - wie der schwarze Rauch des Zuges bei seiner Ankunft zeigt - Schrecken mit sich bringt. Um es klarzustellen: „Im Schatten des Zweifels“ handelt so explizit von Inzest, wie es damals unter den strengen Bestimmungen des Hays Codes möglich war. Zwischen dem Onkel und seiner Nichte (beide heißen Charlie) besteht eine dunkle Verbindung, zunächst zärtlich, dann zunehmend pervers. Später warnt er sie davor, ihr „gemeinsames kleines Geheimnis“ mit der Familie zu teilen. Natürlich meint er im Kontext des Films ihren Verdacht, er könnte ein Serienmörder sein. Und doch ist es nicht schwer zu verstehen, was Hitchcock damit sagen will, auch wenn er es nicht deutlicher hätte ausdrücken können.

Lange bevor John Carpenters „Halloween“ und David Lynchs „Blue Velvet“ dafür gefeiert wurden, entmystifizierte Hitchcock bereits die banale, von weißen Lattenzäunen umgebene Vorstadtidylle und enthüllte sie mit psychologischer Raffinesse und Regiekunst als frauenfeindlichen, verdorbenen Mikrokosmos. Der Film unterscheidet sich so sehr von den üblichen Werken des Meisters - er ist weitaus melodramatischer, kommentativer, verzichtet auf aufwendige Spannungsszenen -, ist aber dennoch ein eindringliches und zum Nachdenken anregendes Noir-Erlebnis. Er ist nicht umsonst ein Klassiker.

Platz 12: Jung und unschuldig (8,5/10)

Obwohl „Jung und unschuldig“ zu den weniger bekannten Tonfilmen Alfred Hitchcocks zählt, enthält er eine seiner brillantesten Szenen. In einer 67 Sekunden langen Plansequenz enthüllt er im großen Finale den gesuchten Mörder. Die Kamera schwebt hoch über einer feiernden Menge, die zu „No One Can Like the Drummer Man“ tanzt, und nähert sich dann dem Mörder so nah, dass sie direkt vor seinen Augen stehen bleibt. Welch bahnbrechende, meisterhafte Leistung in dieser Zeit!

Generell ist „Jung und unschuldig“ ein sehr unterschätztes Juwel in Hitchcocks Filmografie - eine gekonnte Mischung aus Romantik, Komödie und Spannung. Er wirkt wie eine unbeschwerte, leicht alberne Version seines früheren Klassikers „Die 39 Stufen“. Wieder wird ein Mann fälschlicherweise des Mordes beschuldigt und flieht vor der Polizei; wieder trifft er eine junge Frau, die ihm zunächst widerwillig hilft, und dann entwickelt sich eine skurrile Dynamik zwischen ihnen. Die Suche nach einer verlorenen Jacke mag zwar wenig Sinn ergeben, doch die einzelnen Episoden sind spektakulär und unglaublich witzig. Dazu gehören eine aberwitzige Kneipenschlägerei, eine turbulente Kindergeburtstagsfeier, eine Beinahe-Kollision mit einer Lokomotive und eine Flucht durch einen Minenstollen.

Anders als üblich konzentriert sich dieser Film nicht auf den „falschen Mann“, sondern auf die Heldin, die ihm hilft. Nova Pilbeam spielt bezaubernd die Tochter des Polizeichefs, die den Flüchtigen aus Gerechtigkeitssinn unterstützt, sich von ihrem konservativen Vater emanzipiert und dabei vielleicht sogar romantische Gefühle entwickelt. Die Chemie zwischen ihr und ihrem Schauspielkollegen Derrick De Marney ist charmant, ja geradezu elektrisierend. Beide hätten viel größere Stars werden sollen.

Platz 11: Verdacht, 1941 (9/10)

Ein Großteil von „Verdacht“ besteht aus Nahaufnahmen von Joan Fontaines Gesicht, unterbrochen von Schnitten auf das, was sie sieht. Unterbewusst keimt in ihr der Verdacht, dass ihr Playboy-Ehemann Cary Grant nicht nur seine betrügerische Spielsucht hinter seiner überaus charmanten Fassade verbirgt, sondern womöglich auch ein Mörder ist. Alfred Hitchcocks Regie konzentriert sich ganz auf ihre subjektive Wahrnehmung. Wir sehen nur, was sie zu sehen glaubt. Wir sind gezwungen, alles durch ihre Augen zu interpretieren.

Und wir können uns nie sicher sein, ob wir Hitchcock trauen können. Seine Bildsprache ist innovativ und aufregend, zugleich aber auch völlig subtil - man denke nur an das ikonische Bild des „leuchtenden“ Glases Milch, das möglicherweise vergiftet ist. „Verdacht“ ist ein bemerkenswerter Film, ein langsam sich entwickelndes Drama, das sein Publikum bewusst manipuliert. Hitchcock, ein Genie der manipulativen Filmkunst, navigiert meisterhaft durch unsere Paranoia, präsentiert uns unmissverständliche Informationen und stellt uns in der nächsten Szene alles so dar, als hätten wir uns geirrt, als hätten wir seine Filmsprache nicht verstanden, als wäre es unsere Schuld. Das Finale setzt dem Gaslighting die Krone auf: Hitchcock entlarvt seinen beängstigenden Film zunächst als einen einzigen Bluff, serviert uns ein bizarres Happy End und sät dann erneut Zweifel an allem. Es ist, als ob „Verdacht“ uns wirklich hasst.

Fontaine und Grant sind hervorragend. Wir wissen immer, was Fontaine denkt, und können nie erahnen, was in Grants Kopf vorgeht. Und genau das ist dieser Film: eine feministische und philosophische Erzählung darüber, wie wir aufgrund unserer begrenzten subjektiven Perspektive niemals wirklich bezüglich irgendetwas sicher sein können.

Platz 10: Psycho, 1960 (9/10)

Die ikonische Mordszene unter der Dusche war mit ihrer explosiven Gewalt, dem stakkatoartigen Schnitt und Bernard Herrmanns kreischenden Violinen so einflussreich, dass jeder Cineast „Psycho“ allein schon wegen dieses Moments gesehen haben sollte. Sie markiert den Wendepunkt des Films, denn von einem Augenblick auf den anderen verwandelt sich ein schäbiges Noir-Drama ohne tiefere Bedeutung (im Grunde ein Moralstück über gestohlenes Geld, wie eine klassische Folge von „Alfred Hitchcock präsentiert“) in ein erschreckend verstörendes Mosaik freudianischen Wahnsinns.

Mit geringem Budget gedreht, revolutionierte dieser berüchtigte Schwarz-Weiß-Schocker von Alfred Hitchcock die grammatikalischen Strukturen filmischen Erzählens. Plötzlich stirbt die Hauptfigur, der Anker für den Zuschauer, ohne Vorwarnung und reißt alle sorgfältig etablierten Handlungsstränge mit ins Grab. Nun sucht die Erzählung verzweifelt nach einem neuen Zentrum und wechselt ständig die Perspektive. Dies gibt Hitchcock reichlich Gelegenheit, sich als gerissener Manipulator zu beweisen. Er erzeugt meisterhaft Spannung um die Frage, was für ein Film „Psycho“ letztendlich sein wird, und bringt uns sogar implizit dazu, mit dem Bösewicht mitzufiebern.

Unsere Komplizenschaft verleiht dieser reißerischen Horrorgeschichte ihre markerschütternde Wirkung. Ihre perfiden Wendungen sind längst Teil des popkulturellen Bewusstseins, gerade weil sie so fundamental dem widersprechen, was der menschliche Verstand über sich selbst begreifen kann. Hitchcocks Kino ist mit seinen voyeuristischen langen Einstellungen und suggestiven Kamerabewegungen stets ein Angriff auf das Publikum, und nie war er uns gegenüber existentiell grausamer. Seine maßgebliche Proto-Giallo-Meisterschaft hallt in der Filmgeschichte bis heute nach; man kann ihn am besten als die Mutter aller Slasher-Filme bezeichnen.

Platz 09: Bei Anruf Mord, 1954 (9/10)

Ein meisterhaftes Drehbuch, mit präziser Genauigkeit geschrieben. Verfasst von Frederick Knott, basierend auf seinem eigenen Theaterstück, besteht es im Grunde nur aus einer einzigen zentralen Szene: einem Mord, genauer gesagt, einem Mordversuch, bei dem der Mörder selbst zum Opfer wird. Alles, was dieser Szene vorausgeht, ist ein akribisches Vorspiel, die Planung, die Inszenierung. Alles Folgende ist die Verarbeitung, die Aufdeckung, die Dekonstruktion.

Diese Geschichte eines missglückten Attentats fügt sich nahtlos in die Filmografie Alfred Hitchcocks ein, der die theoretische Idee des perfekten Verbrechens bereits in „Cocktail für eine Leiche“ und „Der Fremde im Zug“ erforscht hatte. Fast ausschließlich in einer einzigen Wohnung angesiedelt, setzt Hitchcock stark auf die exzellenten Dialoge, verfügt aber auch über die richtige filmische Sprache, um ihnen Gewicht zu verleihen. Es ist ein Genuss zu sehen, wie er Kamerabewegungen, Perspektivwechsel, suggestive Nahaufnahmen und gezielte Schnitte einsetzt, um die Dynamik der Figuren aufzubauen und wieder aufzulösen und eine ständige Atmosphäre klaustrophobischer Angst zu erzeugen. Er experimentierte hier mit 3D-Filmtechnik, doch selbst in der gängigeren 2D-Version ist die handwerkliche Perfektion ein filmischer Genuss, ein Paradebeispiel für gelungene Raumnutzung.

Die Schauspieler - die rehäugige, ängstliche Grace Kelly, der geheimnisvoll bedrohliche Anthony Dawson, John Williams als exzentrischer Detektiv und Ray Milland als stilvoller Inbegriff der Boshaftigkeit der Oberschicht - sind allesamt großartig. Doch der wahre Star ist die Struktur und Hitchcocks hintergründiger Humor, als sich der Schlüssel zum Rätsel als … ein echter Schlüssel entpuppt. Diese spannungsgeladene, spielerische, minimalistische Eleganz ist absolut fesselnd und unglaublich intensiv.

Platz 08: Das Fenster zum Hof, 1954 (9,5/10)

Vielleicht das beste Beispiel, welches all das veranschaulicht, was die Filme von Alfred Hitchcock so faszinierend macht. Seine technische Brillanz ist in jeder Sekunde spürbar, er hat die packende und rätselhafte Kriminalgeschichte vollkommen im Griff, es gibt fein beobachteten, trockenen Humor, eine Romanze mit einer wunderschönen Blondine (Hat je eine Frau in einem Film so atemberaubend ausgesehen wie Grace Kelly hier?), Schuldgefühle, Obsessionen, Beklemmung. Alles, was Hitchcocks Kino ausmacht, ist in „Das Fenster zum Hof“ auf wunderbare Weise präsent; in vielerlei Hinsicht ist es sein quintessentiellstes Meisterwerk.

Seine wirkungsvolle Filmsprache besteht im Wesentlichen aus einem einfachen Drei-Einstellungen-Schema: Wir sehen James Stewart. Wir sehen, was er sieht. Wir sehen seine Reaktion. Das ist der ganze Film, erzählt aus seiner subjektiven Perspektive. Gedreht in einem Studio, das aufwendig wie ein urbaner Innenhof gestaltet wurde, entwickelt der Film eine psychologisch feinsinnige Miniaturerkundung von Voyeurismus, morbider Neugier und Sensationsgier - unserer urtümlichen Faszination für das Sehen und der Anziehungskraft des Betrachteten.

Es ist ein selbstreflexives Kino, das sich selbst hinterfragt: Die Fenster, durch die Stewart seine Nachbarn beobachtet, sind Leinwände, auf denen sich menschliche Dramen entfalten; sie sind Filme im Film. Stewart selbst beobachtet sie durch eine Kamera; er ist der Regisseur. Nur sein Blick verleiht diesen Handlungen Bedeutung. Und wir teilen nicht nur seine Sicht, sondern beobachten ihn durch Hitchcocks Kamera: Auch wir sind Voyeure. Filmemachen und Filmeschauen sind zwei Tätigkeiten, die von Natur aus eine verruchte Perversion bergen. Wenn „Das Fenster zum Hof“ eine vielsagende Metapher für die Zuschauersicht ist, dann nur, weil das Leben selbst ein Panoptikum ist: ständig beherrscht von der Macht des Blicks.

Platz 07: Eine Dame verschwindet, 1938 (9,5/10)

Selten war Alfred Hitchcocks Filmografie so politisch engagiert wie das Finale von „Eine Dame verschwindet“. Die titelgebende vermisste Dame ist bereits wieder aufgetaucht. Der Zug, in dem fast der gesamte Film spielt, ist nun von Soldaten eines faschistischen Regimes umstellt. Nur die britischen Passagiere sind noch an Bord. Sie beraten, was zu tun ist. Einer von ihnen hisst die weiße Fahne und ergibt sich. Er wird sofort erschossen. Die Übrigen halten zusammen und stellen sich dem Feind. Nur durch Mut kann das Böse besiegt werden, sagt Hitchcock, und das angesichts der damaligen britischen Appeasement-Politik gegenüber Adolf Hitlers Nazi-Deutschland.

Dennoch ist „Eine Dame verschwindet“ nie belehrend, schwerfällig oder überdramatisch. Ganz im Gegenteil: Hitchcock erzählt eines der geistreichsten Drehbücher überhaupt mit beeindruckender Leichtigkeit. Der Film ist voller Spannung, Romantik und ikonischer Charaktere, allen voran Margaret Lockwood und Michael Redgrave in den Hauptrollen als eines der liebenswertesten und bezauberndsten Paare der Filmgeschichte. Auch Naunton Wayne und Basil Radford glänzen als implizit homosexuelle Cricketfans.

Die Geschichte um eine verschwundene Dame und einen Zug voller Menschen, die sich plötzlich nicht mehr an sie erinnern können, bietet brillant umgesetzte Slapstick-Komik und ist gleichzeitig unglaublich fesselnd. Hitchcock konstruiert dieses Rätsel wie ein Zauberer einen Trick und lässt uns rätseln, wie ihm das gelungen ist. Diese gekonnte Mischung aus geopolitischer Aussage, turbulenter Komödie und raffiniert inszeniertem Mystery-Storytelling macht „Eine Dame verschwindet“ wohl zum besten Comedy-Thriller aller Zeiten - zumindest zu einem Anwärter darauf.

Platz 06: Rebecca, 1940 (10/10)

Ein Geisterfilm, in dem der Geist nie erscheint und doch allgegenwärtig ist, so sehr, dass sein Name dem Filmtitel zugrunde liegt, während die eigentliche Hauptfigur namenlos bleibt. In seiner ersten amerikanischen Produktion erzählt Alfred Hitchcock die Geschichte einer zweiten Ehefrau, die vom Gespenst der ersten Liebe ihres Mannes heimgesucht wird. In einer düsteren, schmerzhaften Mischung aus Melodrama, Romantik, Mysterium und gotischem Exzess entwirft Hitchcock eine psychologisch komplexe Geschichte von Besessenheit, die von einer Frau erzählt, die unter dem Blick der gesellschaftlichen Erwartungen gefangen ist.

Kameramann George Barnes nutzt eine wunderschöne expressionistische Schwarz-Weiß-Fotografie, um auf dem Anwesen von Manderlay eine unheimliche, fast außerweltliche Atmosphäre zu schaffen, die - wie die titelgebende Rebecca selbst - zu einem filmischen Rätsel wird. Hitchcock spielt meisterhaft mit der Ungewissheit und steigert so immer weiter die alptraumhaft surreale Natur dessen, was geschieht und was nicht. Joan Fontaine brilliert als leidende Frau, gefangen in ihrer Ehe mit dem scheinbar gefühllosen Laurence Olivier, während ihre Gegenspielerin, die unheimliche Haushälterin Mrs. Danvers (grandios gespielt von Judith Anderson), wie ein Vampir wirkt, der ihr das Leben aussaugen will.

Es ist ein einzigartig fesselndes, fast surreales Erlebnis, die traumatischen Ereignisse vor dieser opulenten Kulisse mitzuerleben. Man fühlt sich wie in Trance, besonders wenn Hitchcock durch die Bewegungen seiner Kamera Rebecca - den Geist, die „andere Frau“ - schließlich doch noch erscheinen lässt, ohne sie jedoch tatsächlich im Bild zu zeigen. An diesem Punkt sollte man spüren, dass man es mit psychologisch subtilem Storytelling in seiner erhabensten Form zu tun hat. Von all seinen Meisterwerken gewann nur dieses einen Oscar für den besten Film. Und das völlig zu Recht, möchte man hinzufügen.

Platz 05: Die Vögel, 1963 (10/10)

Ein typischer Tierhorrorfilm, nur mit Krähen, Spatzen und Möwen statt übernatürlicher Monster: Alfred Hitchcocks zeitloses Meisterwerk ist die ultimative Verschmelzung von derben B-Movie-Elementen und der erhabenen Pracht europäischer Autorenfilme. Was als romantische Komödie mit neckischen Flirts an der kalifornischen Küste beginnt, entwickelt sich zu einer satirischen Auseinandersetzung mit der Verschlagenheit der gehobenen Mittelschicht und den unzähligen Missverständnissen, die aus der gelangweilten Verachtung füreinander im amerikanischen Kleinstadtleben entstehen. Und dann … greifen die Vögel an!

Mit technischer Brillanz beschwört Hitchcock dichte, biblische Schwärme der Zerstörung herauf. Mit über 370 atemberaubenden Spezialeffekten ist seine Geschichte des Vogelterrors voller existenziellem Schrecken, der durch die außergewöhnlich inszenierte Technicolor-Pracht noch verstärkt wird: beunruhigende Angriffe aus der Luft, subtile Schreckmomente und ikonische Bilder wie Dutzende von Krähen, die ein Klettergerüst auf einem Spielplatz bevölkern, oder das ambivalente Ende von apokalyptischer Schönheit. Der Film kommt sogar ganz ohne traditionelle Filmmusik aus! Das Zwitschern, Rasseln und Pfeifen der Vögel und die qualvollen Schreie der hervorragend besetzten Tippi Hedren (in ihrem Schauspieldebüt) genügen vollkommen.

Doch der größte Coup des Films liegt darin, dass er die zentrale Frage unbeantwortet lässt: Warum greifen die Vögel an? Hitchcock deutet viele mögliche Interpretationen an (Sind sie eine Externalisierung der ödipalen Dynamik seiner Figuren oder üben sie einfach Rache für die Misshandlung ihrer Mitgeschöpfe durch die Menschen?), legt sich aber auf keine fest. Er vermittelt bewusst weder Moral noch Botschaft, sondern nur eine erschreckende Erinnerung an unser angeborenes Wissen um unsere gewaltige Unterlegenheit, unsere Hilflosigkeit gegenüber der Willkür der Natur. Wir erfahren nie, warum die Vögel angreifen. Wir wissen nur: Wenn sie es tun, sind wir erledigt.

Platz 04: Vertigo, 1958 (10/10)

Vertigo ist gleichermaßen eine Sammlung aller Motive und Formeln des Film noir - Voyeurismus, die geheimnisvolle blonde Femme fatale, obsessiv selbstzerstörerische Männlichkeit, die undurchschaubare kriminelle Verschwörung - wie auch deren Perversion. Was als fesselnde Detektivgeschichte über sexuelle Sehnsucht, die Möglichkeit übernatürlicher Welten und die unerklärliche Anziehungskraft suizidaler Visionen beginnt, wandelt sich schließlich zur existentiellsten und verstörendsten Darstellung unstillbarer Besessenheit, die je auf Film gebannt wurde.

Oft als bester Film aller Zeiten bezeichnet, ist er die ultimative Chronik der Projektion, die Quintessenz der Objektifizierung von Frauen durch den männlichen Blick, die Geschichte davon, wie Menschen all ihre Fantasien und Begierden auf andere projizieren, sich in imaginäre Persönlichkeiten verlieben und so sehr von diesen Idealen besessen sind, dass die Realität unter ihnen zusammenbricht. Alfred Hitchcocks neurotische, fetischisierende Filmkunst neigte stets zu symbolischer Selbstreflexivität, doch in „Vertigo“ nimmt sie geradezu bekenntnishafte Züge an, indem er all seine erzählerischen Instinkte auf ihren perversen, voyeuristischen Kern reduziert: Sehen heißt erinnern, erinnern heißt aufzwingen. Es ist eine visuell meisterhafte, metatextuelle Erzählung, die ihr eigenes Medium beständig transzendiert und dekonstruiert.

Die eindringlich-evokative VistaVision-Kameraführung mit ihren erotischen Rottönen und geisterhaften Grüntönen zeichnet ein hypnotisch schönes Porträt von San Francisco und dient als eleganter Schleier für dieses zutiefst beunruhigende Erlebnis. Mit James Stewart und Kim Novak in einer herzzerreißend tragischen Romanze, der brillant melancholischen Musik von Bernard Herrmann, Edith Heads außergewöhnlichen Kostümen und dem revolutionären Vorspann von Saul Bass ist es eine verstörende, traumatische Spirale in psychologische Abgründe, deren eiskalte Grausamkeit in ihrer tragischen Unausweichlichkeit umso menschlicher erscheint.

Platz 03: Über den Dächern von Nizza, 1955 (10/10)

Möglicherweise der visuell schönste Film des gesamten 20. Jahrhunderts. Jede einzelne Einstellung wirkt wie ein Gemälde; Robert Burks' Kamera kann sich an der Côte d'Azur mit ihren grünen Hügeln, dem glitzernden Meer und den sonnigen Stränden, bevölkert von den beiden attraktivsten Filmstars ihrer Generation - Cary Grant und Grace Kelly -, nicht sattsehen. Ein herausragendes Reiseepos voller Charme, ein verführerisches, amouröses Porträt europäischen Glamours, hinreißend stilvolles, exquisites Kino der Sommermode, das das unbeschwerte französische Flair der Küste von Cannes perfekt einfängt.

Eine so extravagante, elegante romantische Komödie voller neckischer Flirts und sexueller Doppeldeutigkeiten (Beispiele hierfür sind eine brillante Kussszene mit Feuerwerk oder ein romantisches Picknick, bei dem Kelly Grant vor die Wahl zwischen Brust und Bein stellt - kleiner Hinweis: Sie meint nicht nur das Hähnchen, das sie essen) würde man eher von Ernst Lubitsch erwarten als von Alfred Hitchcock, dessen Regiekunst stärker mit der Tradition des Film noir verbunden ist. Hier sehen wir Hitchcock im Urlaubsmodus, frei von erzählerischen Zwängen, ganz im Bann der grandiosen VistaVision-Fotografie visueller Pracht, verliebt in die farbenprächtigen Panoramen und die aufwendigen, ikonischen Kostüme und Kleider der legendären Designerin Edith Head.

Die leichte Geschichte um einen Juwelendieb auf der Jagd nach seinem Nachahmer dient lediglich als Kulisse, als Leinwand, auf der Hitchcock sein brillantes Talent für die Gestaltung und Inszenierung raffinierter Sequenzen unter Beweis stellen kann. „Über den Dächern von Nizza“ zeigt ihn von seiner entspanntesten, abenteuerlustigsten und verspieltesten Seite und verlangt nach der größtmöglichen Leinwand. Es ist ein leichter Film, aber deshalb keineswegs weniger meisterhaft.

Platz 02: Berüchtigt, 1946 (10/10)

So viele virtuose Sequenzen aus „Berüchtigt“ sind längst Teil des filmischen Bewusstseins geworden: die dreiminütige Kussszene zwischen Cary Grant und Ingrid Bergman, die unglaublich komponierte Kranfahrt auf den versteckten Kellerschlüssel oder der nervenaufreibende Showdown, der aus einem langsamen Abstieg die Treppe hinunter besteht! Von all seinen Filmen ist dieses ästhetisch überzeugende Meisterwerk Alfred Hitchcocks die perfekte Demonstration seiner Kunstfertigkeit. Seine Inszenierung und sein Blocking sind eine Meisterklasse der Film-noir-Regie; er lenkt, erweitert und zerstreut unseren Blick mit atemberaubender Präzision.

Es ist ein subtiler Nachkriegs-Spionagethriller von psychologischer Raffinesse, der sich ganz auf die komplexe sadomasochistische Dreiecksbeziehung im Zentrum konzentriert. Bergman spielt brillant eine freizügige Junggesellin, in die sich der Spion Grant während einer stürmischen Romanze verliebt. Doch dann ist er gezwungen, sie in die Arme eines anderen zu treiben. Sie soll einen ehemaligen Verehrer (den sensationellen Claude Rains), einen Nazi, der sich in Rio versteckt hält, verführen, um seine Pläne herauszufinden, und muss sich im Grunde für ihr Land prostituieren. Eine epische, tragische Geschichte über Liebe, Pflicht und Missverständnisse, über soziokulturelle Doppelmoral in Bezug auf weibliche Sexualität und über einen Mann, der Eifersucht, Stolz und Patriotismus überwinden muss, um die Frau zu retten, die er liebt.

Mit Kameramann Ted Tetzlaff, der einige der atemberaubendsten Schwarz-Weiß-Aufnahmen der Filmgeschichte schuf, ist dies Hitchcocks erotischster, aber auch einer seiner verstörendsten Filme; eine gekonnte, fast minimalistische Verschmelzung von Intrige und Kunstfertigkeit. Ben Hechts raffiniert strukturiertes Drehbuch führt alle Figuren auf eine umgekehrte Reise: von der Lüsternheit zurück zur Jungfräulichkeit. Kino vom Feinsten, ein absolutes Muss - ein Must-See und ein Must-See-Again. Immer und immer wieder.

Platz 01: Der unsichtbare Dritte, 1959 (10/10)

Möglicherweise die umfangreichste Sammlung ikonischer Szenen der Filmgeschichte. Der Film begleitet einen einfachen Mann, der in außergewöhnliche Umstände gerät, und bietet eine unermesslich reichhaltige Abfolge von perfekt inszenierten und präzise getakteten Action- und Komödienmomenten: Der Unfall mit dem betrunkenen Fahrer, der Mord bei den Vereinten Nationen, das erotische Abendessen im Zug, der Angriff des Sprühflugzeugs, die „Unterbrechung“ einer Kunstauktion, das schwindelerregende Finale auf den Köpfen des Mount Rushmore - sie alle zählen zu den größten Momenten der Filmgeschichte.

„Der unsichtbare Dritte“ ist wohl Alfred Hitchcocks bester Film, aber definitiv der „Hitchcockischste“; das Magnus Opum seines Schaffens. Es ist ein berauschender, einzigartig spektakulärer Cocktail aus allem, was sein Werk ausmacht: Verwechslungen, leidenschaftliche Romanzen, Regierungskonspirationen, Schurken aus der Oberschicht, geheimnisvolle Blondinen, überfürsorgliche Mütter, Freud'sche Psychologie, verzweifelte Heldentaten und die kafkaeske Prämisse, dass ein Individuum zum Spielball in den institutionalisierten internationalen Machtkämpfen des Kalten Krieges wird. In vielerlei Hinsicht eine Hommage an all seine Obsessionen, Motive und Leidenschaften, seine stilistischen Eigenheiten und seinen feinen Instinkt für pure Unterhaltung und bissigen Humor.

Als Inbegriff des Spionageklassikers und oft als essentielle Vorlage für moderne Action-Blockbuster - von James Bond bis Mission: Impossible - angesehen, ist es ein unbestrittenes Meisterwerk und als solches der Höhepunkt unvergesslicher Künstler wie des Titeldesigners Saul Bass, des Hauptdarstellers Cary Grant, des Drehbuchautors Ernest Lehman und des Komponisten Bernard Herrmann, dessen Musik auf sensationelle Weise Bedrohung und Leichtigkeit vereint. Wenn ein Thriller jemals fesselnder, erotischer oder in seiner dynamischen Brillanz noch müheloser sein könnte, dann wurde er bisher noch nicht gedreht.
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Re: Von Suspense & MacGuffins: Die Filme des Alfred Hitchcock

748
Jetzt im ernst: Ich merke, wie viele Hitchcocks ich nie gesehen habe, selbst einige von denen die bei dir ganz oben landen.
Vielleicht nur ein paar Kommentare:

- Nr 1: Der Unsichtbare Dritte: Mein absoluter Lieblingsfilm, sage ich seit 20 Jahren jedem der mich fragt. Da stimmt alles, und das auf unterhaltsamste Weise. Völlig richtig was die Ansammlung von ikonischen Szenen angeht. Dennoch fast "mutig" diesen leichtfüßigen Film auf die 1 zu setzen

- Nr 3: Nizza: Auch mutig, da der Film ja gar nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen allgemein, oder? Ebenso leichtfüßig wie NBNW.

- Nr, 9:Bei Anruf Mord. Toll, dass du/ihr den so hoch seht. Ich habe es mal als Theaterstück inszeniert, und daher eine besondere Beziehung dazu. Auch hier war Hitchcock ja gar nicht so sehr zufrieden, oder? Dennoch, ein toller Film unter Berücksichtigung der Begrenzungen. Allerdings finde ich, dass hier wirklich schon viel Genialität in der Vorlage liegt.

- Platz 12 Jung und Unschuldig: kenne ich gar nicht

- Platz 14 Die Rote Lola: Muss ich noch mal sehen; ich verwechsle den gedanklich immer mit "Zeugin der Anklage"

- Platz 16 Die 39 Stufen: Von dem war ich auch sehr angetan, leider nur in einer sehr schlechten Qualität gesehen. Ich war baff, wie Hitchcock hier leichtfüßig eine Storyidee einführt (Mann und ihm unbekannte Frau aneinander gebunden), die bis heute in Blockbustern aufgegriffen wird (TND, MI...)
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Von Suspense & MacGuffins: Die Filme des Alfred Hitchcock

750
T-Cat in der Top 3 tut schon ein bisschen weh. Hier mal meine flott zusammengestellte Rangliste, wobei einige mehr oder weniger frisch gesichtet, andere dafür Jahre her sind. Hitchcock hat so viele gemacht, dass man niemals alle gleich gut auf dem Schirm haben kann.

31. Marnie 5
30. Topaz 5
29. Torn Curtain 5,5
28. Saboteur 6
27. To Catch A Thief 6
26. Paradine Case 6,5
25. The Wrong Man 6,5
24. Frenzy 7
23. Sabotage 7
22. Spellbound 7
21. I Confess 7
20 Secret Agent 7
19. The Man Who Knew Too Much (1934) 7,5
18 Trouble With Harry 7,5
17. Shadow of A Doubt 7,5
16. Rope 7,5
15. Dial M for Murder 7,5
14. Family Plot 8
13. The Man Who Knew Too Much (1956) 8
12. Rebecca 8
11. Young & Innocent 8
10. Strangers on a Train 8,5
9. The 39 Steps 8,5
8. Stage Fright 8,5
7. Notorious 9
6. The Birds 9
5. The Lady Vanishes 9
4. North by Northwest 9,5
3. Psycho 10
2. Rear Window 10
1. Vertigo 10
We'll always have Marburg

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