Re: Zuletzt gesehener Film

11221
Also, natürlich erwartet man diverse Wendungen, und natürlich ist das alles so, dass man die ganze Zeit denkt "hier stimmt was nicht".

So wirkt zum Beispiel
Spoiler
der Mann von Anfang an ZU positiv, was in einem solchen Film dann eigentlich nicht sein kann. Klar sind mir die Dinge mit der Mutter und der Tochter aufgefallen (der Mann erwähnt doch auch früh seinen Spleen mit dem Haaransatz, oder?).

Aber ich habe jetzt nicht konkret erwartet, dass der Seyfried Charakter eigentlich die Gute ist, und das alles nur spielt, um daraus zu kommen.
Ich glaube ich habe eher so gedacht: Alle spinnen und das geht irgendwie nicht gut aus für die Sweeney
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Zuletzt gesehener Film

11223
danielcc hat geschrieben: 21. Januar 2026 16:22 So wirkt zum Beispiel
Spoiler
der Mann von Anfang an ZU positiv, was in einem solchen Film dann eigentlich nicht sein kann. Klar sind mir die Dinge mit der Mutter und der Tochter aufgefallen (der Mann erwähnt doch auch früh seinen Spleen mit dem Haaransatz, oder?).

Aber ich habe jetzt nicht konkret erwartet, dass der Seyfried Charakter eigentlich die Gute ist, und das alles nur spielt, um daraus zu kommen.
Ich glaube ich habe eher so gedacht: Alle spinnen und das geht irgendwie nicht gut aus für die Sweeney
Spoiler
Genau, was mit der Seyfried Figur ist, da war ich mir auch nicht sicher, aber nach spätestens 20-25 Minuten verdächtigt jeder halbwegs erfahrene Filmzuschauer den Ehemann, ebenfalls einen an der Waffel zu haben und ein Schuft zu sein. Bei Seyfried ist es dann 50:50, ob sie nur so tut, oder ob sie selbst ein Opfer des Mannes ist.
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Re: Zuletzt gesehener Film

11224
Ich versuche ja wieder häufiger ins Kino.
Habe mich dazu sogar bei Cinestar angemeldet. Bekommt man immer bei Online Buchungen einen Rabatt. Außerdem ist der Dienstag ja besonders günstig (6,90 vorne, 8,90 hinten)

Jetzt noch mal zum - von Vodka - oft genanntem 5 Sterne Ticket.
Aktuell kostet das 44 EUR, gilt aber NICHT für 3D (was mir egal ist).
Ist damit aber nicht günstiger als wenn man einfach Dienstags geht (da ich immer vorne sitze).

Aber passt schon.
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Re: Zuletzt gesehener Film

11225
Ein einfacher Unfall - Jafer Panahi

Panahi gehört zu der Gruppe bedeutender Regisseure aus dem Iran, er hat dort seit 2010 Drehverbot, war 2 mal im Gefängnis, hat aber trotzdem 5 Filme gemacht. Sein Gefängniserfahrungen reflektiert er indirekt mit seinem neuen Film, der von einem Ex-Häftling handelt der meint einen seiner Folterer wiederzuerkennen. Er entführt ihn um ihn lebendig zu begraben, kann aber seine Zweifel nicht ausräumen ob er den Richtigen erwischt hat. Dieser ist immerhin Familienvater mit Tochter und schwangerer Frau. Also sucht er andere Opfer auf die ihm bei der Entscheidungsfindung helfen sollen, und ein immer größerer Troß unterschiedlicher Menschen fährt mit dem Gefangenen quer durch Teheran. Zwischenzeitlich könnte der Film auch zur Groteske werden, dafür ist seine Struktur offen genug. Und er zeigt sowohl einen Teil von Normalität, den ich auch in anderen iranischen Filmen beobachtet habe, in denen abseits der Klischeevorstellungen vom Leben in einem höchst autoritären Staat, vieles nicht groß anders aussieht als in Europa. Aber dann wird auch wieder so ganz nebenbei Korruption und Repression und die damit verbundene Angst Teil der Handlung.

Leider ist der Film gerade wieder sehr aktuell, und vor Leuten wie Panahi habe ich sehr viel Respekt, da dieser in der Opposition viel riskiert. da er Haltung zeigt. Trotzdem war Taxi Teheran (2015) ein ganz schön langweiliger Film, aber Ein einfacher Unfall ist anders. Differenziert und ambivalent ist immer alles möglich, auch das Groteske, aber am Ende findet Panahi immer zurück zu der bedrückenden Realität, das Ende ist offen und interpretierbar. Spannender Film. 8/10

Interview zum Film mit Panahi:

https://www.epd-film.de/meldungen/2026/ ... her-unfall

Re: Zuletzt gesehener Film

11226
StanleyBeamish hat geschrieben: 1. Mai 2021 18:51 Love von Gaspar Noe.
Der erste wirklich überzeugend hirnlastige Porno seit langem.
Natürlich handelt es sich bei "Love" um keinen Porno, und trotzdem schoss mir die Formulierung "hirnlastiger Porno" jüngst in den Kopf, als ich "Die Träumer" von Bernardo Bertolucci sah, jener Film, dem wir Bond-Fans die spätere Vesper Lynd alias Eva Green zu verdanken haben. Kennt den hier jemand? Es geht quasi um drei Twenty-Somethings während der Freiheitsbewegung 1968, die gemeinsam in einer Wohnung hausen, über ihre Liebe für Charlie Chaplin, Brigitte Bardot und Jean-Luc Godard sinnieren und dabei immer wieder miteinander kopulieren. Wobei natürlich als skandalöser Beifaktor hinzukommt, dass zwei von ihnen Zwillinge sind, und den Dritten in eine auch psychologisch erschöpfende Ménage à trois verwickeln, bei der eigentlich selbst ganz am Schluss nie wirklich klar wird, welche Motivation sie dabei verfolgen, und was uns Bertolucci eigentlich generell sagen will. Ist das nur eine Altherrenfantasie eines alten Cinephilen, der den ungeträumten Traum von freier Liebe nachholt oder geht es um die Verlogenheit des Freigeisttums, um eine Generation die schon das Filmegucken und Nachäffen zum revolutionären Akt erhoben hat?

So oder so, ein sehr interessanter, sperriger, und trotz viel Nacktheit wenig erotischer Film, irgendwo zwischen Kunst und Provokation.
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Re: Zuletzt gesehener Film

11227
Och, ich fand ihn schon erotisch.

Aus meiner Erinnerung heraus ist der Film kaum als Provokation wahr genommen worden, aber vielleicht habe ich das auch vergessen, ich kann mich jedenfalls an kein Skandalimage erinnern. Dafür war der Film eigentlich auch schon ein paar Jahrzehnte zu spät dran, und kurz zuvor waren ja Lars von Trier, Catharine Breillat und Virginie Despentes noch viel, viel weiter gegangen.

Re: Zuletzt gesehener Film

11228
Sorry, ich muss hier mal für Kinder-Nerdtum unterbrechen:

14 Uhr Vorstellung ist auch mal ein Erlebnis...


Die Drei Fragezeichen - Die Totensinsel

Insgesamt wie ich finde gute Unterhaltung für ein kindliches Publikum, was wohl klar der Zielgruppe der Filme entspricht. Ich war überrascht, dass mindestens die erste Hälfte, aber eher noch zwei Drittel sich sehr eng ans Hörspiel halten.
Was daran aber besonders spannend ist: Zu sehen, dass die Story eines Dreiteilers offenbar gar nicht mehr "Fleisch am Knochen" hat, als jede normale Vorlage. Also, ich kenne die Vorlage nur als Hörspiel, und das auch nicht sonderlich gut, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass in der ersten Hälfte viel fehlen würde.

Positiv überrascht war ich auch vom Aufwand der Umsetzung, sowohl in kleinen Details wie auch im großen Ganzen. Zu den netten Details gehören u.a. das wirklich alte aber eben amerikanische Telefon in der Zentrale, die Visitenkarten auf Englisch, messenger chats auf Englisch, die rote MG, usw. Was das große Ganze angeht hat man beim Film nicht den Eindruck, dass groß gespart wurde. Die kanarischen Inseln bieten eine tolle Kulisse vom Schrottplatz über Bürogebäude, Häfen, der Ozean bis hin zu Macatao als tropische Insel. Auch die mystische Städte am Ende ist ganz nett umgesetzt. Überhaupt, Macatao als Vulkaninsel und der angedeutete Ausbruch zum Ende hin sehen wirklich gut aus. Besonders hervorheben möchte ich die Musik im ganzen Film. Sie wirkt nicht wie das, was man überall zu hören bekommt, hat durchaus eigenen Charakter.

Weniger gut gefallen hat mir die Abänderung der Story zum Ende hin, nicht weil ich finde, dass sich ein Film sklavisch an eine Romanvorlage halten muss. Vielmehr macht der Film dadurch wenig Sinn und frustriert in seiner "Nicht-Auflösung" am Ende. Also, wir schauen 100 Minuten eine Art Schatzsuche, bei der der Schatz am Ende in einer Schatzkarte besteht, die dann aber nicht weiter aufgegriffen wird (wohl kaum im nächsten Film!). Das ist enttäuschend und lahm.

Als filmerfahrener Erwachsener stört mich nach wie vor das Casting der drei Hauptdarsteller. Nicht weil ich kleinkariert meckern will im Sinne von "die habe ich mir aber ganz anders vorgestellt". Weckauf ist einfach wirklich unsympathisch in der Rolle. Ja sicher, Justus ist nicht wirklich ein charmanter oder liebenswerter Typ. Er ist halt altklug, überheblich, etwas arrogant. Nur funktioniert das nicht so gut, wenn man es explizit zeigt. Vor allem auch im Hinblick auf die Chemie der Drei, die mein größeres Problem ist. Diese Drei wirken einfach nicht, als könnten sie wirklich Freunde sein. Nevio Wendt macht seine Sache eigentlich sehr gut, auch wenn er hier jetzt schon sehr erwachsen wirkt - irgendwie zu erwachsen für die anderen beiden. Levi Brandt macht das Beste aus Bob, was ja bei der Vorlage nicht so leicht ist.
Glücklicherweise profitiert die Chemie hier durch die Ergänzung des Jelena Charakters. Sie bringt Schwung rein, und hat auch einige gute Lacher in ihren Scharmützeln mit dem Ersten.

Die Truppe der Bösewichte bleibt recht farblos, man bekommt kaum deren Namen mit. Obwohl sie sehr viel Screentime in der zweiten Hälfte haben, sind sie irgendwie nur Staffage.
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