Casino Hille hat geschrieben: Heute 14:23Was an den Kritiken fragwürdig sein soll, bleibt offen. Ich wette mit dir, mein oben vorgeschlagenes "O. J. Simpson Biopic, das 1985 endet, als er Heisman-Trophy-Gewinner wird" würde auch verrissen werden, selbst wenn eindeutig klar wäre, dass ein zweiter Teil folgt.
Ich denke es gibt Unterschiede zwischen den beiden Fällen.
Klar. Simspon wurde auch nicht strafrechtlich verurteilt.
Aber in seinem Fall gibt es eindeutige Hinweise, dass er ein Täter ist,
bei Jackson nicht.
Anders gesagt: Ich glaube, dass Jackson unschuldig ist, und Simpson schuldig.
So wie ich oben geschrieben habe, sehen das andere Menschen anders. Und das wird immer so bleiben.
Die Leute, die kritisieren, dass im ersten Film die Missbrauchsvorwürfe nicht thematisiert werden, würden es genauso kritisieren, wenn sie im Film schon vorgekommen wären. Denn der Film würde ihn (und mit Blick auf Teil 2 bin ich mir da auch sicher) als unschuldig darstellen.
Und das wäre den Kritikern auch nicht recht.
Ich habe das Gefühl, dass es Menschen gibt, die wollen, dass er als Täter gezeigt wird - oder diese Sichtweise in ihren Kritiken zumindest zwischen den Zeilen andeuten.
Und wie ich in meinem Text oben geschrieben habe, geht es nur darum, ob man Jacksons Peter-Pan-Syndrom für glaubwürdig hält oder ob man der Meinung ist, dass es sowas nicht gibt. Also: Kann es einen erwachsenen Menschen geben, der mit nicht verwandten Kindern das Schlafzimmer/Bett teilt, ohne sexuelle Gedanken zu haben?
Einige sagen Ja, andere sagen Nein.
Um von Jackson über O.J. Simpson jetzt zu David Bowie zu kommen:
Da gab es 2020 ein Biopic namens "Stardust", welches nur einen Teil seines Lebens abgedeckt hat.
Und die bewiesenen strafrechtlichen relevanten sexuellen Kontakte (inkl. Entjungferungen) von 14-jährigen, während er selbst schon fast 30 war, werden da auch nicht thematisiert.
Es gibt auch weitere Ikonen (neben Bowie), die eindeutig Täter waren, z.B. Miles Davis.
Da finde ich allerdings nur selten diese Diskussion wie bei Jackson.
Klar, alles wurde nie vor Gericht verhandelt, aber im Fall von Davis (Frauen verprügelt, Frauen zur Prostitution gezwungen) und Bowie (Sex mit Minderjährigen) gibt es keine Zweifel, dass sie das, was ihnen vorgeworfen wird, auch getan haben, da sie es selbst bestätigt haben (Davis) oder zumindest nicht dementiert (Bowie). Anders als bei Jackson.
Und es gibt noch viele mehr, die eindeutig Täter waren/sind - und in der heutigen Zeit sofort gecancelt worden wären - aber weiterhin in der Öffentlichkeit ein viel höheres Ansehen genießen als Jackson.
Meist wird dann argumentiert:
Ach was: Miles Davis hat ja selbst gestanden alles getan zu haben. Das rehabilitiert ihn. Und zudem passt das doch alles zu seinem Bad Boy-Image. Wir hätten uns eher gewundert, wenn der sauber gewesen wäre.
Bei Bowie heißt es dann auch: War doch damals ganz normal, dass man mit "Baby-Groupies" Sex hatte.
Da wird viel relativiert und runtergespielt.
Aber mal sehen, was die Jury im Zivilprozess von Robson und Safechuck Ende 2026/Anfang 2027 gegen die Firmen MJJ Ventures Inc. und MJJ Productions Inc. entscheiden wird.
Da geht es nicht darum, ob Jackson schuldig oder unschuldig war, sondern ob seine Firmen ihre Aufsichtspflicht nicht erfüllt haben bzw. absichtlich eine Umgebung geschaffen haben, in der Missbrauch theoretisch möglich gewesen wäre.
Anders als in einem Strafprozess muss in einem Zivilprozess die Schuld nicht bewiesen werden, sondern es reicht eine Neigung der Jury im Sinne von "eher wahrscheinlich" oder "eher unwahrscheinlich". Robson und Safechuck verlangen über $400 Mio.
Anders gesagt: Wenn sie den Prozess gewinnen, heißt es nicht, dass Jackson schuldig war. Wenn sie ihn verlieren, heißt es aber auch nicht, dass er unschuldig war.
Daher wird die öffentliche Meinung auch danach weiterhin so gespalten sein wie immer schon. Und das wird sich auch in 100 Jahren nicht ändern.
Müssen wir alle mit Leben.