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von Casino Hille
'Q Branch' - MODERATOR
Seit der erste Trailer die Prämisse rund um seine ungewöhnlichen Spürnasen etablierte, bestand kein Zweifel daran, wie charmant dieses familienfreundliche Murder Mystery wohl ausfallen würde. Ein paar sprechende Schafe auf der Suche nach dem Mörder ihres Schäfers? Das klingt lustig und niedlich. Und das Ergebnis ist tatsächlich lustig und niedlich, so viel steht fest. Doch es wartet eine angenehme Überraschung: The Sheep Detectives springt viel höher, als es eigentlich nötig gewesen wäre. Klar, die alberne Whodunit-Handlung strapaziert die Lachmuskeln, aber gleichzeitig entpuppt sich die Erzählung als wirklich bewegende Auseinandersetzung mit den Themen Trauer und der Bewusstwerdung der eigenen Sterblichkeit.
Indem sie ländliche Verspieltheit mit diesen schwergewichtigen Themen verknüpfen, gelingt Regisseur Kyle Balda und Drehbuchautor Craig Mazin ein kleines Kunststück, und das nur, weil sie ihrem Publikum voll und ganz vertrauen. Anstatt Kinder mit der geistlosen visuellen Reizüberflutung im Stil heutiger TikTok-Videos zu ködern, vermitteln sie ihre Botschaft mit größter Sorgfalt und finden dabei eine tonale Balance, die subtil genug ist, ohne je ins Kitschige abzugleiten. Selbst die visuellen Effekte, die den schafischen Ermittlern Leben einhauchen, funktionieren ganz wunderbar; denn sie streben keineswegs nach Fotorealismus, sondern setzen stattdessen auf eine ausdrucksstarke, cartoonhafte Ästhetik. Auch die Sprecherleistungen (unter anderem von Bryan Cranston, Julia Louis-Dreyfus, Bella Ramsey und Patrick Stewart) sind nahezu makellos.
Als gemütlicher Ausflug in die britische Provinz und durch das ABC des Kriminalgenres (die Testamentseröffnung, die unrechtmäßige Verhaftung, der lange verschollene Verwandte) wirkt der Film in weiten Teilen wie eine Mischung aus Ein Schweinchen namens Babe und Knives Out. Zwar zünden nicht alle Witze, und das unterhaltsame Slapstick-Potenzial einer Geschichte um tierische Gesetzeshüter hätte sicherlich noch weit mehr Gelegenheiten geboten, sich kopfüber in skurrile Kreativität zu stürzen. Doch für das, was der Film ist, ist er ein wahrhaft wohliges, äh, wolliges Vergnügen. 7/10
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Let the sheep out, kid.